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Leben mit einer alkoholkranken Mutter: eine Jugend voller Angst, Kontrolle & Unsicherheit #89 Lucia

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Alkoholabhängigkeit, medizinische Notfälle, Entzug, Krankenhaus und Tod eines Elternteils. Es geht auch um Vernachlässigung, psychische Belastung, Depression und Suizidgedanken. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.

Lucia erzählt, wie sich ihr Leben verändert, als ihre Mutter nach einer neuen Beziehung Schritt für Schritt in eine Alkoholabhängigkeit rutscht. Aus einem engen Mutter-Tochter-Team wird ein Alltag aus Angst, Kontrolle und ständiger Alarmbereitschaft. Lucia beschreibt die Rolle der Großeltern, die Druck ausüben, Alkohol mitbringen und Probleme totschweigen. Sie berichtet von Halloween 2016, als sie ihre Mutter krampfend findet, der Notarzt sie mitnimmt und später von einer Überlebenschance von fünf Prozent die Rede ist. Nach dem künstlichen Koma folgt kurz Hoffnung, dann kehrt der Konsum zurück. Lucia spricht über Scham, Überforderung, emotionale Abkapselung und den Moment, in dem sie merkt, dass sie sich selbst schützen muss. Am Ende erzählt sie vom Tod ihrer Mutter im Krankenhaus, vom Abschied, von ihrer Trauer, ihrer Depression und davon, wie sie langsam wieder ins Leben findet.

Zeitstempel: 0:00:00 – 0:01:39: Intro & Triggerwarnung 0:01:39 – 0:03:46: Vorstellung von Lucia und Thema, Kindheit, enge Mutter-Tochter-Beziehung, Vater früh weg 0:03:46 – 0:07:46: Großeltern, Kontrolle, Familienbetrieb, Konflikte im Haus 0:07:46 – 0:10:51: Neuer Partner, schleichender Einstieg in Alkohol, Lucia wird früh erwachsen 0:10:51 – 0:16:35: Lucia greift ein, nimmt Alkohol weg, Großeltern bringen trotzdem Flaschen, Gefühl von Verrat 0:16:35 – 0:19:52: Phasen des Trinkens, Schlafmangel, Außenwelt merkt es, aber niemand spricht darüber 0:19:52 – 0:25:41: Streit, Eskalationen, Partner macht die Mutter klein, Lucia wird nicht ernst genommen 0:25:41 – 0:30:40: Halloween 2016, Krampfanfälle, Notarzt, Intensivstation 0:30:40 – 0:44:36: Monate im Koma, tägliche Besuche, Aufwachen ohne Einsicht, Angst vor Rückfall, Konsum geht weiter 0:44:36 – 1:03:20: Kalter Entzug, erneuter Notarzt, Krankenhausalltag, Tod im Krankenhaus 1:03:20 – 1:16:46: Abschied, Sargmoment, Würde, verletzende Sätze der Großeltern 1:16:46 – 1:28:53: Späte Trauer, Depression, Traum als Wendepunkt, Therapie, Kontaktabbruch zu Großeltern, Blick nach vorn

alkoholabhaengigkeit #alkoholsucht #sucht #angehoerige #familie #kindheit #emotionalegewalt #vernachlaessigung #trauma #trauer #depression #suizidgedanken #therapie #mentalhealth #hilfesuchen #toxischefamilie #grenzenziehen #selbstschutz #bestatterin #tabuthema #aufklaerung


Lucias Instagram: https://www.instagram.com/bestatterin.lucia/ https://www.instagram.com/herzverwandt.leipzig/

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Transkript anzeigen

00:00:02: Meine Mutter lag krampfend im Bett.

00:00:05: Sie hat gekampft, sie konnte nicht mehr richtig sprechen, nur kleine Wort fetzen wenn überhaupt innerhalb von zwei Tagen vielleicht.

00:00:12: Hat sie so elf zwölf Wodkaflaschen zunichte gemacht?

00:00:16: Wir wurden da an den Tisch gesetzt und der Arzt hat gesagt fünf Prozent Überlebenschancen.

00:00:21: Und zu mir hat er gesagt Vielleicht drüber nachdenken wegen Kinderheim

00:00:28: Trigavano.

00:00:29: Bevor wir beginnen möchten wir dich auf etwas wichtiges hinweisen Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig.

00:00:35: Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Höhrens unseres Podcasts wohl fühlst – und keine unerwarteten Auslöser erlebst!

00:00:42: In dieser Episode werden wir Themen ansprechen die für einige Höhrende verstörend sein könnten.

00:00:47: Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.

00:00:50: Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden.

00:01:01: Stell dir vor, du kommst in

00:01:03: einen Raum.

00:01:04: Vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist.

00:01:08: Das

00:01:08: passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne

00:01:11: zu

00:01:12: Bohne.

00:01:12: Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.

00:01:16: Kein Name, keine Information, keine Themen.

00:01:19: Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.

00:01:22: Ich bin Sanya und ich suche die Gäster.

00:01:25: Hier achte ich darauf dass es Menschen mit ehrlichen

00:01:27: berührenden

00:01:28: und bewegenden Geschichten sind

00:01:30: Und genau

00:01:30: diese wollen wir mit euch teilen.

00:01:32: Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?

00:01:40: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.

00:01:42: Mein Name ist Charlotte.

00:01:43: Mein name ist Zania.

00:01:44: Und mein Name ist Lucia.

00:01:47: Meine Mutter war so alkoholkrankt, dass ich jederzeit Angst hatte sie tot in der Wohnung zu finden.

00:01:52: Hi Lucia!

00:01:53: Vielen Dank, dass Du Dich heute mit diesem wirklich sehr, sehr intimen Thema uns ansvertraust und mit uns darüber sprichst.

00:02:00: Was würdest Du denn sagen wo startet Deiner Geschichte?

00:02:02: Ich würde sagen, meine Geschichte startet tatsächlich in meiner Kindheit um so ein bisschen die Hintergründe zu erfahren wie das alles dann auch vonstatten gegangen ist.

00:02:12: Wie

00:02:12: alt warst du da?

00:02:14: Ich würde tatsächlich sagen ich würd's gar nicht an einem Alter fest machen sondern in der Kindheit vor dem Jahr in dem meine Mutter ihre neue Beziehung kennengelernt gestartet hat.

00:02:27: Ich würd' sagen meine Kindheit.

00:02:30: Ich kann es nicht anders beschreiben.

00:02:31: Meine Mutter war meine beste Freundin, ich hatte die besten Kinder, die man sich vorstellen kann.

00:02:37: Wir waren permanent unterwegs im Urlaub und ich hatte Spielzeug soweit das auch gereicht.

00:02:44: Und dann gab's so einen Schnitt an den ich mich heute noch erinnere.

00:02:49: Hast du Geschwister?

00:02:50: Nein, einzigitt.

00:02:51: Okay war deine Eltern verheiratet?

00:02:53: sind sie noch verheiralte?

00:02:54: also meine leiblichen Eltern bzw mein leiblicher Vater?

00:02:58: der hat sich schon früh von meiner Mutter getrennt.

00:03:00: da war ich noch klein Ich glaube ein oder zwei Jahre alt höchstens.

00:03:04: Das hat nicht lange mit denen funktioniert und zu meinem vater habe ich auch keinen Kontakt seit vielen Jahren.

00:03:10: okay Hat deine mutter dich dann alleine großzukurzogen?

00:03:14: genau ja

00:03:15: Du hattest gerade gesagt, dass deine Mutter deine beste Freundin war.

00:03:21: War das dann eher eine freundschaftliche Beziehung oder war das tatsächlich Mutter-Tochter-Freundschaft?

00:03:29: Ich würde sagen halbe Halbe.

00:03:31: Also ich habe nicht dieses strenge Elternhaus gehabt wie vielleicht Schulfreunde von mir Dass die Ärger bekommen haben wenn sie vielleicht zwei Minuten zu spät Zuhause waren oder solche Sachen wo man eben Angst hatte als Kind von den Eltern.

00:03:45: Gar nicht, also ich hatte einen wahnsinnigen Respekt vor meiner Mutter aber auf Augenhöhe... Also klar, ich habe gewusst das ist meine Mama Sie erzielt mich.

00:03:56: Ich bin von ihr abhängig irgendwo logisch.

00:03:59: Aber nicht dass ich irgendwie Angst gehabt hätte vor ihr oder irgendwas mir nicht erzählt hätte sondern wirklich auf Augenhöhe, auch wenn der Altersunterschied war.

00:04:10: Klar sie hat mich immer verstanden.

00:04:20: Im Grunde waren Sie immer nah weil wir in einem Mehrfamilienhaus gewohnt

00:04:25: haben

00:04:26: meine Mutter und ich in einer Wohnung und meine Großeltern in der Wohnung unten drunter eigentlich ihr ganzes Leben lang kontrolliert, kann man sagen.

00:04:37: Und nicht im guten Sinne drauf aufpassen auf unsere Tochter sondern Kontrolle ausüben.

00:04:44: Also Kontrolle im Sinne von.

00:04:46: sie kam einfach in die Wohnung, sie hatte einen Zweitschlüssel und hat geguckt ob zum Beispiel die Wäsche gewaschen ist, ob der Kühlschrank voll ist solche Sachen wo mal wieder Staub gewischt werden kann.

00:04:56: ja das waren meine Großeltern.

00:04:59: Würdest du sagen, dass dieses Verhalten darauf geruht hat um zu kontrollieren?

00:05:03: Dass sie auch dir gerecht wird als Rolle der Mutter die eben für das Kind sorgen muss?

00:05:09: oder wie kommt dieses Veralten zustande?

00:05:12: Würde ich tatsächlich gar nicht mal so beschreiben, dass es wegen mir war sondern damit Sie ihr gerecht werden.

00:05:19: Damit Sie halt die Glanztochter ist wie sie sich das halt am besten vorgestellt haben.

00:05:25: Das war auch schon in der Kindheit meiner Mutter so, dass sie Ärger bekommen hat.

00:05:29: Wenn sie mal eine zwei geschrieben hat in der Schule, wenn sie fünf Minuten zu spät nach Hause kam und eben nicht dieser gesunde Ärger, dass man sagt im Kind hier geht es nicht sondern so richtig böser Ärger.

00:05:45: So nach dem Motto hier du bist nicht gut genug hast jetzt nur ne zwei geschrieben.

00:05:49: andere Kinder hätten jetzt ne eins geschrieben.

00:05:52: Ist

00:05:52: dir das als Kind schon aufgefallen?

00:05:54: Das Verhalten deiner Großeltern gegenüber deiner Mutter.

00:05:57: Mhm, jein!

00:05:59: Also ich würd sagen bis zu einem gewissen Alter nimmt man sowas nicht wahr aber mit dem Alter natürlich immer mehr und ich hab erst das Gefühl gehabt Mensch ist doch noch gut gemeint.

00:06:10: Aber irgendwann kam der Schnitt wo ich gemerkt habe dass es ganz und auch nicht gesund

00:06:14: haben deine Großelter mal auch was gegen deine Mutter gesagt ihr gegenüber wenn das umsonst verhalten ging.

00:06:21: Mir gegenüber gar nicht, tatsächlich.

00:06:23: Also mit mir haben sie nicht darüber gesprochen warum Sie jetzt so sind... Gar nicht.

00:06:29: War das ein Streitthema zwischen deiner Mutter und dein Großeltern?

00:06:32: Auf jeden Fall immer präsent.

00:06:34: Und meine Mutter war halt auch froh wenn wir oben in unserer Wohnung waren und die Tür ging zu weil dann hatte sie ihre Ruhe oder Wir hatten unsere Ruhe.

00:06:42: um es mal sozusagen kam mir noch dazu, dass wir einen Familienbetrieb hatten.

00:06:46: Auch in dem Haus drinne.

00:06:47: Das heißt sie hatte privates und familiäres Emot zusammen und konnte nicht trennen zwischen... Ich geh jetzt auf Arbeit!

00:06:54: Ich hab meine Ruhe.

00:06:55: Sondern hat immer mit ihren Großeltern zusammengearbeitet.

00:07:00: Würdest du sagen deine Mutter ist dieser Rolle gerecht geworden die deine Großeltern davor gesehen hatten?

00:07:07: Also von meiner Seite aus würde ich sagen ja weil Ich würde jetzt nicht sagen, dass ihr irgendwas nicht gut genug gemacht hättet bis zu diesem Zeitpunkt vor allem.

00:07:17: Sie hatte megamäßiges Abi und eine gute Ausbildung durchgezogen.

00:07:24: Sie hat ein Kind groß gezogen alleine.

00:07:26: Also sie hat alles alleine gewuppt.

00:07:29: Aber wie gesagt meine Großeldern hatten immer das Gefühl oder haben sie so behandelt?

00:07:35: Es ist nicht genug du könntest es schon besser machen!

00:07:39: So hatte ich den Eindruck und sie auch.

00:07:41: Dieses Verhalten haben sie das auch auf dich übertragen.

00:07:44: Deine Großeltern?

00:07:45: Zu dem Zeitpunkt noch nicht, erst nachdem meine Mutter dann nicht mehr dabei war.

00:07:49: Du hast jetzt beschrieben, dass Kontrolle sehr wichtig für deine Großelteren war.

00:07:53: Wie war es denn mit den Emotionen?

00:07:55: Also waren deine Großältern emotional anwesend oder waren die sehr kalt und kühl?

00:08:03: Ich würde sagen... Auch da wieder würde ich trennen.

00:08:07: Als ich kleiner war habe ich davon nicht so viel mitbekommen wie es anders hätte laufen können oder sollen, weil ich kannte sie ja nur so.

00:08:16: Und meine Mutter hat immer noch den Input bekommen um's mal sozusagen.

00:08:21: Ich würde mich jetzt nicht beschweren können über meine Großeltern in meiner Kindheit aber auch da gibt´s wieder so einen Cut würd' ich sagen.

00:08:29: und heute sage ich meine Großeltern sind gar nicht emotional vorhanden überhaupt nicht.

00:08:37: Deine Mutter war aber emotional dir gegenüber?

00:08:40: Ja.

00:08:42: Wie war denn der Alkohol-Konsum deiner Mutter?

00:08:46: Man muss sagen, sie hatte im Jahr den neuen Partner kennengelernt und das ist auch super losgegangen meiner Meinung nach.

00:08:56: also er war so eine Kumpelfigur für mich.

00:08:59: man hat viel unternommen zusammen zu tritt.

00:09:01: natürlich dass wir uns auch kennenlernen.

00:09:04: Wir waren viel unterwegs.

00:09:05: Er hat viel mit mir gemacht alles super.

00:09:09: Und dann war das so ein schleichender Prozess, dass ich immer mehr mitgekriegt habe gerade wenn die Streit hatten.

00:09:18: Was ja in der Beziehung durchaus mal normal ist, dass sie halt wirklich mal abends zum Wein gegriffen hat und nicht nur einen Glas, sondern irgendwann hab' ich mitbekommen, dass es eine Flasche wurde am Abend oder auch mal Schnaps.

00:09:32: Also so gegen das Stück für Stück würde ich sagen los!

00:09:36: Nicht Atok, sondern Stück für Stück.

00:09:39: Dieses Stück für Stück, in welchem Zeitraum reden wir da?

00:09:42: Reden wir hier über Jahre oder Monate?

00:09:44: also ich würde sagen dass es intensiv wurde könnte jetzt gar nicht richtig beziffern an der zeit das ja auch schon ein bisschen her ist.

00:09:54: aber am ende wenn man das jetzt so revue passieren lässt sind fünf jahre exzessiver alkoholkonsum krass.

00:10:02: wie alt warst du zu dem zeitpunkt als es dann mehr wurde?

00:10:07: Also definitiv, als es dann schon exzessiv war.

00:10:10: Da war ich fünfzehn.

00:10:11: Krass!

00:10:12: Das heißt also du warst da auch sehr viel mit dir selbst eigentlich beschäftigt und in der Selbstfindung?

00:10:16: Ja Und dann musstest Du Dich aber auch um Deine Mutter kümmern und Sorgen um sie machen.

00:10:21: Genau

00:10:21: Wie war das für dich emotional?

00:10:24: Also Ich würde gar nicht sagen dass ich da so ein... wie soll ich das sagen?

00:10:28: In der Pubertät schon war.

00:10:30: Ich würd' sagen wenn ich mich jetzt daran zurück erinnere Es gab meine Kindheit mich als Erwachsene, weil die Rolle habe ich ganz schnell eingenommen.

00:10:40: Als dann der Alkoholkonsum immer mehr wurde, immer exzessiver wurde emotional ganz schwierig also.

00:10:47: Ich hab natürlich erst nicht diese Schattenseiten mitgekriegt.

00:10:51: klar wenn sie betrunken war aber das hat man ja im Kindesalter auch schon von anderen Erwachsenen von irgendwelchen Feierlichkeiten von Veranstaltungen mitbekommen.

00:11:00: halt die Erwachsen sind halt mal Betrunken ist halt so.

00:11:05: Aber es hat trotzdem gedauert, dass ich gemerkt hab irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.

00:11:09: Und irgendwas geriet hier komplett aus der Kontrolle.

00:11:15: Haben deine Großeltern das zu diesem Zeitpunkt schon sehen können?

00:11:19: Ich würde sagen ja Es war aber kein Thema.

00:11:23: also sie haben mich nie drauf angesprochen.

00:11:25: Das kann natürlich sein Dass die Mama darauf angesprochen haben was ich aber nicht mitbekommen habe zumindest am Anfang mitgebracht, wenn man das so nennen kann.

00:11:37: Hattest du deine Mutter aktiv darauf angesprochen?

00:11:41: Damals noch nicht, weil ich mich gar nicht getraut habe, mich da einzumischen als Kind.

00:11:48: Aber irgendwann kam die Grenze wo ich dann auch aktiv... Wenn die beiden zum Beispiel gestritten haben meine Mutter und ihr Partner auch aktiv dazwischen gegangen bin um meine Mutter zum Beispiel verteidigt habe dazwischen gegangen und ich habe auch sie angesprochen, wenn sie betrugt mal oder nicht dann ganz egal.

00:12:07: Und hab mit ihr gesprochen was das soll, warum sie das macht wie sie sich fühlt.

00:12:13: ja genau das habe ich gemacht.

00:12:15: Was hast du dabei gefühlt?

00:12:16: Wenn du immer wieder diese Rolle der Erwachsene einnimm musste oder Advokatus Diaboli

00:12:23: Es wurde irgendwann Gewohnheit.

00:12:26: Es ging ja dann über Jahre, es wurde irgendwann Gewohnheit.

00:12:30: Ich kannte das nicht mehr anders wie es jetzt eigentlich hätte sein sollen.

00:12:35: Es war definitiv auch überfordernd.

00:12:37: aber ich muss der in dieser Rolle sein in der Zeit weil ich das Gefühl hatte nur so bewahre ich sie verschlimmeren wenn ich jetzt wirklich aufpasse wenn ich ihr zum Beispiel den Alkohol wegnehme wenn ich hier den Schlüsse wegnehmen um um halt nicht rauszukommen, reinzukommen.

00:12:54: Um sich neuen Alkohol zu besorgen zum Beispiel.

00:12:57: Also ich hatte das Gefühl wenn du das jetzt nicht machst dann passiert vielleicht noch Schlimmeres.

00:13:01: Ein exzessiver Alkohlkonsum löst ja sehr oft das Gefühl von Charme aus in dem Betroffenen oder bei den Angehörigen.

00:13:10: Wie war das bei dir und deiner Mutter?

00:13:13: Ich würde sagen meine Mutter war es sich bewusst um ihre Sucht, um ihren Zustand Aber sie war keine Frau, die dann noch Kontrolle drüber hatte.

00:13:25: Sie hat schnell die Kontrolle darüber verloren würde ich sagen und wenn ich mal darauf angesprochen habe und gesagt hab hier weiß überhaupt was du da machst oder warum machst du das?

00:13:36: Dann hat sie meist geantwortet Wenn ich trinke, betäube mich Und dann kriege ich nichts mehr mit zum Beispiel von meinen Großeltern Von dem Ärger.

00:13:47: Das war halt so dieses Nonplus-Ultra dieser Riesengrund.

00:13:53: Wir haben immer in dem Haus gewohnt, sie war immer da ... Meine Großeltern waren immer da und haben auf sie eingewirkt.

00:14:00: Und wenn es da irgendwas gab, wo sie wieder das Gefühl hatte, Sie war nicht gut genug oder ähnliches, hat sie wieder zur Flasche

00:14:07: gegriffen.".

00:14:08: War das für Sie eine Alternative von dort wegzuziehen?

00:14:12: Definitiv!

00:14:14: Es war auch ... Thema, aber als meine Großeltern das dann mitgekriegt haben vielen dann solche Sätze wie ach ihr liebt uns ja gar nicht.

00:14:22: Wenn wir jetzt irgendwo mal verstärben sollten, dann kriegt das ja keiner mit weil ihr nicht mehr da seid und meine Mutter hatte dann nicht mehr dieses Selbstwertgefühl sage ich jetzt mal diesen diesen Mut auch zu sagen Das stimmt nicht.

00:14:38: Wir leben unser eigenes Leben, wir ziehen jetzt weg.

00:14:40: Hat deine Mutter mal aktiv?

00:14:42: Als das zur Rede kam Deinen Großeltern auch gesagt, ich hab hier ein Problem entwickelt.

00:14:48: Was auf euch zurückzuführen ist?

00:14:51: Gar nicht!

00:14:51: Also... Ich würde sagen wenn sie betrunken war und es gab mal solche Situationen dass meine Großelter sozusagen mit da waren dann hat sich schon gesagt merkt ihr nicht warum das so ist.

00:15:03: aber das ging bei meinen Großeldern hier rein.

00:15:05: und daraus also es war nie so dass die Nüchtern darüber gesprochen hätten

00:15:11: Wie haben denn deine Großeltern reagiert, wenn deine Mutter da so betrunken war?

00:15:16: Ich würde sagen, teils-teils.

00:15:19: Ich kann mich an Situationen erinnern, wo meine Großeldern sie beschimpft

00:15:24: haben

00:15:25: oder niedergemacht haben nach dem Motto was säufst du hier geht's noch und solche Sachen.

00:15:34: Und es gab auch wieder die Seiten, wo mein Großelter und meine Mutter Alkohol mitgebracht haben zu besämpftigen, würde ich sagen.

00:15:43: Weil klar, wenn sie jetzt vom Alkohol wieder runter kamen wurde sie grantig weil dann irgendwann dieser Entzug eingesetzt hat und meine Großeltern kamen zum Beispiel vom Einkaufen, kam kurz hoch und haben eben die Flasche hingestellt.

00:15:56: Wie hat sich das für dich angefühlt?

00:15:58: Wenn du in dem Alter schon reflektieren konntest was da eigentlich passiert?

00:16:02: Wie verrat ... Ich hab ja im Grunde mein ganzes Leben damit zu tun gehabt, oder diese fünf Jahre vor allem, meine Mutter zu beschützen.

00:16:13: Dagegenzuhalten gegen mehr trinken öfter trinken und dann kamen meine Großeltern und haben die Flasche hingestellt.

00:16:20: also da kam ich mir schon sehr veräppelt vor.

00:16:24: Hast du sie mal darauf angesprochen?

00:16:25: Ja aber das war dann auch wieder schnell abgehakt.

00:16:29: das Thema.

00:16:30: Also ich habe auch das Gefühl ich wurde nie ernst genommen von meinen Großeldern.

00:16:35: Ja.

00:16:35: Das heißt also immer, wenn du die erwachsene Rolle eingenommen hast und aktiv ins Gespräch gegangen bist hat es keinen Gehör gefunden?

00:16:41: Richtig!

00:16:43: Wie ist das für dich, wenn Du das heute so reflektierst oder darüber nachdenkst?

00:16:48: Ich sage immer, es ist wie in einem schlechten Film.

00:16:50: So würde ich tatsächlich mein Leben in der Zeit beschreiben was man sich gar nicht so vorstellen kann, wenn man's nicht selber erlebt hat würde ich fast schon sagen Aber ich bereue es nicht.

00:17:02: Auf gar keinen Fall, ich bereu es nicht diese Rolle eingenommen zu haben dafür halt auch meine Kindheit irgendwo aufgegeben zu haben.

00:17:09: aber ich sage mir nach wie vor Ich habe das ja gemacht weil ich meine Mutter geliebt hab aus keinem anderen Grund.

00:17:16: Du hast gesagt du hast deine Kindheit aufgegeben und musstes auch viel im Haushalt übernehmen.

00:17:22: Wie können wir uns das vorstellen?

00:17:24: Man kann sich das so vorstellen.

00:17:27: Man hat immer so ein extrem negatives Bild, wenn jemand sagt er ist alkoholkrank stellt man sich vielleicht eine voll gemüllte Wohnung vor oder dass der Staub irgendwo Zentimeter dekliegt.

00:17:39: So war es nicht tatsächlich.

00:17:41: ich bin der Meinung man hätte an unserer Wohnung nicht ablesen können das meine Mutter ein Alkoholproblem hat.

00:17:47: aber Ich habe eben darauf geachtet dass auch alles so bleibt wie's ist.

00:17:52: also ich hab auch mal staub gewischt oder ausgewischt.

00:17:54: meine Wäsche gewaschen Einkaufen oder sowas war ich nie.

00:17:58: Der Kühlschrank war immer voll, weil man muss dazu sagen meine Mutter hatte Phasen in denen sie getrunken hat.

00:18:04: Sie hing nicht permanent an der Flasche sondern es waren mal so zwei Wochen exzessives Trinken da ging gar nichts und dann vielleicht wieder drei Wochen komplett ohne Alkohol und da hat sich eben alles erledigt.

00:18:16: Da war sehr einkaufen, da war sie mit mir unterwegs ganz normal arbeiten die ganz normalen Sachen und dann gab's halt wieder zum Beispiel eine Woche gar nichts gegen.

00:18:26: Wie haben sich diese Phasen angekündigt, wo sie dann doch wieder zum Alkohol gegriffen hat?

00:18:32: Definitiv durch Streit!

00:18:34: Egal ob mit ihrem Partner oder mit meinen Großeltern.

00:18:39: aber sofern ich mitbekommen habe dass da irgendwie Streit gerade wieder von Stadt geht... Da wusste schon es geht gleich wieder hoch und holt sich die nächste Flasche

00:18:51: Bis zum Schluss.

00:18:52: oder war irgendwann auch, hat dann irgendwann die Sucht bestimmt?

00:18:55: Wann der nächste Alkohol-Konsum stattfindet.

00:18:57: Ja also ich würde sagen definitiv hat irgendwann die suchtbestimmt.

00:19:02: es gab nicht mehr diesen einen Auslöser sondern das war nur so ein permanenter Pegel den sie gebraucht hat.

00:19:11: Hat das Umfeld das mitbekommen also Nachbarn oder Lehrer von dir Lehrkräfte?

00:19:17: Also ich würd jetzt sagen Leute die jetzt Fernerin Umfeld waren, wie zum Beispiel Lehrer.

00:19:23: Würde ich sagen nein weil ich habe nie drüber gesprochen.

00:19:26: Ich hab auch in der Schule geschlafen fällt mir gerade ein wo ich immer überlegt habe warum?

00:19:33: mittlerweile ist es klar weil zu Hause konnte ich ja selten durchschlafen.

00:19:37: also aber hat niemand nachgefragt was ist da los?

00:19:41: oder gar nicht das Nero-Umfeld?

00:19:43: klar Familienmitglieder auch Nachbarn wenn sie wenn Sie betrunken rausgegangen ist zur nächsten Tankstelle war gleich um die Ecke Leider.

00:19:51: Und hat sich da Wodka geholt, klar, hat man das irgendwann mitgekriegt aber es wurde totgeschwiegen auch in der Familie.

00:19:57: Hättest du dir gewünscht jetzt im Nachhinein dass jemand aktiv dich da unterstützt und auch an dich denkt?

00:20:04: An dein wohlbefinden?

00:20:06: also tatsächlich würde ich gar nicht sagen dass ich mir das für mich gewünschte sondern für meine mutter weil ab einem gewissen Zeitpunkt allen klar, also allen wie gesagt in unserem näheren Umfeld.

00:20:19: Aber es wurde halt einfach nicht besprochen.

00:20:21: bei irgendwelchen Familienveranstaltungen, Geburtstagen da waren meine Großeltern immer im Restaurant mit allen Leuten und wenn meine Mutter damals wieder nicht mit war weil sie eben wieder betrunken war oder halt wieder im Kater zu Hause lag, dann wurde eben gesagt die ist krank.

00:20:38: Also krank im Sinne von erkältet.

00:20:40: aber keiner hat gesagt Die hat getrunken, deswegen ist sie wieder nicht da.

00:20:45: Wenn deine Mutter konsumiert hat nachdem es Streit gab mit dem Partner und den Eltern Wie hast du dich gefühlt?

00:20:54: Du konntest dann ja nichts kritisieren aus Angst davor dass deine mutter aufgrund des streits mit dir anfängt zu trinken.

00:21:02: richtig?

00:21:04: Im Grunde habe ich mich machtlos gefühlt, weil ... Ich konnte ja in dem Moment auch nichts dagegen tun, dass sie zur Flasche greift.

00:21:12: Weil ich wusste, das ist ein gutes Gefühl in ihr Erfobringt aktiviert würde ich sagen wenn Sie zur Flrasche greifen eben dieses Betäuben, dieses Weg aus dieser Situation und ich hab meine Ruhe für mich.

00:21:28: und dann wollte sie auch allein sein.

00:21:29: also sie hat nie in Gesellschaft getrunken.

00:21:31: oder wenn ich dabei war Sie saß immer in der Küche, hat die Küchentür zugemacht.

00:21:38: Man hat gehört, dass die Flasche geöffnet wurde und dann hat sie für sich getrunken.

00:21:43: Gab es so Momente ... wo du eine gewisse Emotionalität ihr gegenüber in solchen Momenten gezeigt hast?

00:21:52: Auf jeden Fall, ich glaube, hunderte müssten das gewesen sein an Momenten.

00:21:57: Es hat angefangen mit ... Ja, mit Wein.

00:22:01: Dass ich sie halt weinend gefragt habe, egal ob sie nüchtern wurde oder betrunken warum sie das macht?

00:22:07: weil ich hatte nicht mal im Gedanken dass es mir in dem Moment ja wehtut sondern ich hab irgendwann begriffen was das mit ihr macht wie schädlich das für Sie irgendwann sein wird.

00:22:17: und ja also weinende auf jeden Fall.

00:22:20: irgendwann ist das ungeschwenkt in Aggression weil ich immer mehr gemerkt habe was das Ganze mit ihr Macht wieder jetzt weitergeht sozusagen.

00:22:29: Ich hab auch teilweise Situationen gehabt.

00:22:32: Da habe ich den Stuhl aus der Küche genommen und durch die Wohnung geschmissen, weil sie mir halt nur blöde Antworten gegeben hat gerade im bedrunkenden Zustand.

00:22:41: klar kann man kein sinnvolles Gespräch mit dem Menschen führen aber das war halt so unverständlich für mich.

00:22:47: da habe ich halt aggressiv reagiert.

00:22:50: Gab es Momente wo Sie Ihre emotionale Seite dir dann auch gezeigt haben?

00:22:55: Ja!

00:22:57: Ich würde sagen, auch bis zu einem gewissen Punkt.

00:22:59: Sie hat, wie gesagt, gewusst was los ist?

00:23:02: Sie hat gewusst, dass sie ein Riesenproblem hat.

00:23:04: Sie konnte aber nicht mehr dagegen ankämpfen.

00:23:06: Also es hat auch öfters geweint ob nüchtern oder bedrunken auch da egal ihr war das bewusst und sie hat auch oft gesagt ich versuch's ich versuche es davon wegzukommen.

00:23:19: sie hat nie gesagt ich mache es weil ihr bewusst war.

00:23:23: das kann ich nicht versprechen.

00:23:24: aber sie hätte immer gesagt ich versucht

00:23:26: Okay, war mal das Thema Therapie im Raum?

00:23:29: Ja klar.

00:23:30: Aber meine Mutter hatte immer so

00:23:32: das

00:23:33: Denken ... Ich weiß was ich ein Problem hab aber man soll mir nicht sagen dass ich ein problem habe.

00:23:39: also sie wollte auch nie hören Sie sind Alkoholikerin Auch wenn sie das wusste aber sie war sich zu schade dafür zu stolz irgendwo trotzdem Dafür Dass.

00:23:50: jemand sagt hier Sie sind alkoholika Sie brauchen eine Therapie und deswegen War das immer so, ich brauch keine Therapie.

00:23:57: Warum?

00:24:03: Also ... Ich würde sagen mein Eindruck ist noch heute dass er ihr nicht gut getan hat weil klar er hat es auch versucht mit reden und auf sie zu gehen.

00:24:17: und warum machst du das?

00:24:19: was kann ich tun?

00:24:19: aber Es war nicht genug.

00:24:23: für dieses Ausmaß war es nicht genug.

00:24:25: Und irgendwann hat er sie halt zugrunde gerichtet, würde ich so bezeichnen weil ... Ich kann mich an Streitigkeiten erinnern.

00:24:33: da hat er ihr gesagt ja guck mal wie scheiße du aussiehst mit dir gehe ich doch so nicht raus oder Sie ins Gesicht gespuckt bei Streitthemen was ich ja auch dann mitbekommen habe wo ich dann auch quasi auf ihn losgeg- also ne nicht körperlich auf ihn gegangen bin aber Wo ich dann auch gesagt habe, sag mal geht's noch.

00:24:51: Wo ich mich als... ...fünfzehn-sechzehnjährige vor ihn gestellt hab, vor einem erwachsenen Mann gestellt hat und gesagt hab Gehts noch?

00:24:58: Du kannst meine Mutter nicht so behandeln!

00:25:01: So das hat ja nichts mit dem Alkohol in dem Moment zu tun sondern generell.

00:25:05: Also er hat immer mehr angefangen sie zu Nichte zu machen.

00:25:09: Irgendwann mit der Zeit hatte natürlich der Alkohl auch seine körperlichen Spuren hinterlassen Klar Und das hat er irgendwie so genutzt, um sie noch kleiner zu machen als sie eh schon war in der Situation.

00:25:23: Da hab ich halt versucht sie zu verteidigen weil sie konnte es irgendwann nicht mehr.

00:25:28: Wie hat er darauf reagiert wenn du sie verteidigt hast?

00:25:33: Mit dess Interesse also ob jetzt von ihm oder von meinen Großeltern Ich hatte immer das Gefühl, ich werde nicht ernst genommen Weil ich hatte ja nicht das Alter eines Erwachsene und ich war nur das Kind.

00:25:47: Das war so.

00:25:50: Halloween war klar, dass meine Mutter mit ihm ausgehen wollte.

00:25:56: Sie hatte sich extra ein Kostüm gekauft und hat sich super gefreut.

00:26:01: Und kurz vorher war er der Meinung ... Nee!

00:26:04: Du kommst nicht mit.

00:26:06: Ich geh selber zu meinen Freunden, du bleibst

00:26:09: hier.".

00:26:10: Wie bestellt ihr nicht abgeholt?

00:26:11: Könnte man so sagen.

00:26:13: Und da war mir schon klar, wie der Tag ausgehen wird.

00:26:16: Also ich kannte ja die Situation.

00:26:18: wenn die Streit hatten wusste ich schon die Reaktion von meiner Mutter ist zum Alkohol zu greifen.

00:26:24: Das heißt meine Mutter blieb zu Hause.

00:26:26: Ich war natürlich auch mit meinen Freunden unterwegs in der Gegend wo wir gewohnt haben und irgendwann hatte ich aber so ein dummes Bauchgefühl.

00:26:33: also irgendwas in mir drin hat geschrieben du musst nach hause keine Ahnung wieso?

00:26:38: Also ich habe keine Vorstellung Aber irgendetwas war in mir dass es mich nach Hause gelenkt hat.

00:26:44: Das heißt, ich bin nach Hause gegangen habe zuhause die Wohnungstür geöffnet und meine Mutter lag kramfend im Bett.

00:26:52: also sie hat gekampft sie konnte nicht mehr richtig sprechen halt nur kleine Wort fetzen wenn überhaupt und ich hab geistesgegenwärtig meine Großeltern gerufen Also die ja wie gesagt unten drunter waren Gott sei Dank in dem Moment Und wir haben dann beschlossen den Notarzt zu rufen und haben dann später, ich glaube, elf oder zwölf Wodkaflaschen gefunden.

00:27:17: Also das war innerhalb von, ich glaub, achtundvierzig Stunden müsste das jetzt gewesen sein.

00:27:22: Das war halt nicht das volle Wochenende aber so innerhalb von zwei Tagen vielleicht hat sie so elf zwölfe Wodka Flaschen zunichte gemacht und deswegen halt auch diese Anfälle dann gehabt weil es einfach zu viel war Und wir haben den Notarzt gerufen und sie haben die auch ganz schnell mitgenommen.

00:27:39: Da war es gar nicht mehr, die Frage wollen Sie mitkommen oder nicht?

00:27:42: Weil das waren Grenze diese Situationen und später habe ich erfahren dass ihr auf dem Weg zum Krankenhaus in Herzstillstand hatte.

00:27:50: Das waren vielleicht zwei Kilometer zum Krankenhause.

00:27:55: Was hast du gefühlt als du das gehört hattest?

00:27:58: Tatsächlich habe ich das erste Monate später erfahren weil man mir nur das Nötigste gesagt hat in der Situation.

00:28:05: Also meine Große, dann haben wir nur das Nötigste gesagt um mich zu schützen.

00:28:09: Und was ich auch nie verstanden habe weil ich wollte ja direkt alles wissen.

00:28:13: Ich hab das nicht verstanden warum ich jetzt nichts... Nichts direkt erfahre sondern wirklich erst Monate später.

00:28:19: Aber es war ja so dass deine Großeltern zu Beginn nicht mit einem Rettungswagen einverstanden waren?

00:28:25: Genau im Grunde war's so.

00:28:28: Ich musste sie quasi überreden kann man so sagen weil meine Großeltern so getan haben wie, ja das ist jetzt ... Das wird sich beruhigen.

00:28:39: Also so hatte ich's in Erinnerung.

00:28:41: Sie haben den Ernst der Lage halt nicht verstanden.

00:28:44: Ich hab sie im Grunde nur gerufen um das Richtige zu tun in dieser Situation, weil ich einen Erwachsenen brauchte in der Situation, der mir so ein bisschen sagt was macht man denn jetzt?

00:28:54: Also klar, mir war klar Notarzt aber jemand da sagt hier das müssen wir jetzt tun, so musst du dich verhalten Genau, aber ich habe nicht das Gefühl gehabt meine Großeltern haben so den Ernst der Lage verstanden.

00:29:07: Was war das für ein Gefühl deine Mutter da?

00:29:09: So hilflos zu sehen und zu sehen dass ihr Leben eigentlich am Seiten in Faden hängt?

00:29:14: Ich würde nicht sagen, dass sich in dem Moment viel gefühlt habe.

00:29:18: Das war ja wie funktionieren.

00:29:20: also ich hatte auch nicht vor Augen Ihr Leben könnt jetzt fast vorbei sein in der Situation Wie akut das war sondern Ich muss halt wirklich funktionieren und gerade dafür sorgen, dass ihr geholfen wird.

00:29:35: Was anderes habe ich eigentlich nicht gedacht in dem Moment.

00:29:39: Als deine Großeltern nicht so reagiert haben wie man als erwachsener Menschen nun mal reagieren sollte... Was war dein Gedanke?

00:29:48: Als du darüber nachgedacht hattest oder Raum hat es das zu reflektieren was da eigentlich passiert ist?

00:29:53: Also tatsächlich hab' ich gar nichts so den großen Raum gehabt um zu reflektieren, nicht die nächste Zeit.

00:30:01: Aber ich kam halt auch wieder vor wie einem schlechten Film.

00:30:04: Ich muss mich da immer wiederholen weil ich mehr von meinen Großeltern erwartet hätte.

00:30:09: Nicht mir zuliebe sondern ihr Zuliebe.

00:30:11: Weil ich dachte sie liegt da so unbehäufen.

00:30:16: Sie ist jetzt auf uns angewiesen und meine Großeldern waren trotzdem da halt auch nicht da.

00:30:22: Sie waren nicht präsent in dieser Situation als Eltern, deren Kind gerade darliegt und kampft weil sie so viel getrunken hat.

00:30:32: Und das war ... Ich fand es einfach nur lächerlich um's mal sozusagen wie man so eiskalt sein kann

00:30:40: haben deine Großeltern danach sich um dich gekümmert und geschaut dass es dir und deinem Wohlbefinden gut geht?

00:30:46: überhaupt nicht.

00:30:47: also ich habe mich in der ganzen Zeit überhaupt nicht von ihnen unterstützt gefühlt.

00:30:52: Ich war eher so ein Alleinkämpfer, würde ich heutzutage sagen.

00:30:56: Ja...

00:30:58: Du hast gesagt dass du erst Monate später herausgefunden hast das sie einen Herzstillstand hatte.

00:31:03: was wurde dir denn stattdessen gesagt?

00:31:06: Also die Situation war so, dass wir am nächsten Tag als sie ins Krankenhaus gebracht wurde dahinten zitiert wurden zu einem Termin mit dem Oberarzt dort.

00:31:20: Ich kann mich doch erinnern, das war auf der Intensivstation so ein kalter Nebenraum wo keine Pflanze drin stand gar nicht.

00:31:29: es war so ganz kühles Licht also wie in nem Albtraum würde ich fast schon sagen gar nicht der Situation passend irgendwie warm irgendein herzlich gar nicht bewundener an den Tisch gesetzt und der Arzt hat gesagt fünf Prozent Überlebenschance.

00:31:45: Und zu mir hat er gesagt, vielleicht drüber nachdenken wegen Kinderheim.

00:31:51: Zu dir selbst?

00:31:52: Ja, zu mir!

00:31:53: Also er hat mich angeguckt und hat quasi in den Raum geworfen, dass ich mich schon mal mit dem Gedanken irgendwie abfinden könnte oder drüber Nachdenken könnte wie es ist wenn ich ins Kinderheim komme.

00:32:04: Was hast du dabei gefühlt?

00:32:06: Ich hab das gar nicht ernst genommen muss ich sagen also ich habe ich habe das gar nichts ernst genommen weil das für mich so skurril war dass ich das gar nicht realisieren konnte, was er jetzt mir eigentlich sagen will.

00:32:21: Was überhaupt die Situation ist der ernste Lage und auch da haben wir ihn eine Großeltern nicht wirklich reagiert.

00:32:28: Die haben sich das angehört ja aber es war jetzt nicht so, dass zwischen uns irgendwie ein Gespräch stattfand über die Möglichkeiten wie das Ganze hätte ausgehen können.

00:32:36: sie wurde dann ins künstliche Koma versetzt weil wie gesagt die Organe waren eigentlich hinüber nach diesem ganzen Alkohol.

00:32:47: Und wie gesagt, ich hab's nicht ernst nehmen können in dem

00:32:50: Moment.".

00:32:52: Wie lange war deine Mutter im künstlichen Koma?

00:32:55: Ich glaube so ganz zeitlich genau kann ich es nicht mehr sagen aber auf jeden Fall monatelang.

00:33:00: Krass!

00:33:01: Monatela.

00:33:02: Das heißt du wusstest auch monatela nicht ob sie das überleben wird, ob sie es schaffen wird...

00:33:07: In der Gedanke war eigentlich gesagt gar nicht da also Von vornherein nicht mit dem Gedanken gespielt, sie könnte sterben.

00:33:15: Was heißt das für mich?

00:33:16: Sondern ich habe von vorn herein mir gedacht irgendwie schaffen wir das.

00:33:22: Irgendwie wenn ich da bin, wenn ich präsent bin irgendwie klappt das ja.

00:33:27: Wie hast du das gemeistert?

00:33:29: Du warst ja dann alleine im Prinzip und deine Großeltern waren für dich nicht da.

00:33:33: Und du musstest aber auch schulische Leistungen erbringen, wie war dieser Prozess für dich?

00:33:36: Ich hab geschwänzt!

00:33:38: Also ich habe wirklich geschwenzt tatsächlich.

00:33:41: Die erste Zeit war ich gar nicht da ohne irgendwie anzurufen oder so und irgendwann hat der Oberarzt mir eine Krankschreibung für meine Schule gegeben und auch tatsächlich selber dort angerufen und gesagt hier dass ist die Situation bitte im Vertrauen behandeln deswegen kommt sie nicht.

00:33:57: Und es war aber auch nie so, dass ich Ärger bekommen hätte.

00:33:59: Also ich war wirklich jeden Tag in der Zeit, wo meine Mutter im Koma lag, jeden Tag bei ihr.

00:34:06: Aber es war nie so das sich da schule ich irgendwelche Konsequenzen hatte oder so.

00:34:10: Ich war auch eine gute Schülerin.

00:34:11: Das hat mich jetzt nicht tiefer gebracht im Notenspiegel oder irgendwas.

00:34:15: also wie gesagt man hatte von der Schule gefühlt mehr Verständnis als von meinen Großeltern.

00:34:21: Hatte die Schule des Jugendamtes oder ähnliches kontaktiert?

00:34:25: Gar nicht.

00:34:26: Also zumindest nicht, dass ich es mitbekommen hätte.

00:34:28: Wenn meine Großeltern davon was wissen sollten, dann hab' ich's nie erfahren.

00:34:33: Krass!

00:34:33: Das ist ja auch höchst fahrlässig ehrlicherweise an der Stelle?

00:34:36: Eigentlich schon, ja... Aber ich habe nie irgendwas, irgendwelches Feedback von der Schule bekommen von wegen hier wie gehts dir jetzt?

00:34:43: und so weiter.

00:34:44: Ich war dann irgendwann wieder da, hab mein Ding weitergemacht und das war fein.

00:34:49: Warst du denn jeden Tag bei deiner Mutter am Bett?

00:34:51: Jeden Tag.

00:34:52: Jeden einzelnen Tag, ja.

00:34:53: Von morgens bis abends?

00:34:55: Nein, tatsächlich nicht.

00:34:56: Ich hab trotzdem noch irgendwie meinen Tag versucht zu gestalten und das war meistens Nachmittags, wo ich dann einige Stunden bei über.

00:35:05: Als deinen Großeltern gesagt wurden dass der Alkohol die Ursache dafür war, dass deine Mutter im Koma gelandet ist?

00:35:13: Wie haben deine Großelter daran reagiert?

00:35:15: Die wussten das.

00:35:16: Die wusste definitiv, jeder wusste ja wie viel sie trinkt, wie akut es zu dieser Zeit schon war.

00:35:24: aber Ja, auch da hätte ich mir mehr Reaktionen gewünscht.

00:35:29: Das war wie... ja uns ist es klar dass sie viel trinkt aber Sie hat's nie interessiert wieso?

00:35:35: Es war klar der Fakt Sie trinken zuviel das wissen wir alle.

00:35:39: Aber keiner hat nach dem Wieso gefragt.

00:35:42: oder was können wir tun?

00:35:44: weil auch der Arzt hat damals gesagt Wenn sie jetzt wieder in den Alltag zurück käme wo er noch keiner wusste ob sie überhaupt wieder aufwacht wenn sie wach wird und Alltrag zurück hat, dann wird das wahrscheinlich auch wiederkommen.

00:35:57: Das Trinken weil sie in ihrer alten Form, in ihrem alten Muster wieder landet und da müssten ja die Probleme herkommen.

00:36:05: Jetzt war ja der Freund deiner Mutter Grund dafür dass dieser Streit ausgebrochen ist an Halloween und dass sie so exzessiv gesoffen hat.

00:36:13: Ja Und der Freund hat aber ja auch bei dir in der Wohnung gewohnt.

00:36:18: Richtig

00:36:19: Wie hat sich das angefühlt?

00:36:21: Ich hab das tatsächlich gar nicht so behandelt, dass ich ihm die Schul zugeschoben habe in dem Moment.

00:36:27: Weil für mich in der Zeit nur gezählt hat wie geht's ihr?

00:36:31: Dass sie wieder aufwacht.

00:36:33: Also tatsächlich hab ich gar nicht ... Das kam nach hinein teilweise Jahre später, dass sich gesagt hab ja er war daran schuld.

00:36:41: Er hätte aktiv was dagegen tun können aber in derzeit gar nicht präsent überhaupt nicht.

00:36:47: Ich hab ihn nicht verurteilt.

00:36:49: Hattest du dir Gedanken gemacht über, wie es weitergeht wenn sie wieder aufwacht?

00:36:56: Ja und für mich war eigentlich klar.

00:36:59: Sie ist dem Tod irgendwann so von der von der Schippe gesprungen.

00:37:03: könnte man sagen Dass sie für sich selber realisiert dass die nicht mehr trinken sollte.

00:37:08: das war für mich Muss so sein.

00:37:11: einzig logische Erklärung ja

00:37:14: War für dich auch klar dass sie eine Therapie danach machen wird?

00:37:18: ich war davon überzeugt dass sie das vielleicht kurz machen wird, aber nicht für lange.

00:37:23: Weil ich wusste ja wie sie ist.

00:37:26: Jetzt ist deine Mutter dann aber auch erwacht?

00:37:30: Wie ging es ihr da?

00:37:31: Also tatsächlich in gegen alle Erwartungen ist sie erwacht und hatte keine bleibenden Schäden.

00:37:39: also wirklich Null Komma Null Bleibende Schäde.

00:37:42: Sie hat uns direkt erkannt.

00:37:45: Also ich kam zu ihr, als sie so ein kleines bisschen schon wach gemacht wurde.

00:37:50: Noch nicht komplett aber halt... Ich war nicht bei dem Moment dabei wo sie die Augen aufgemacht hat sondern sie war schon ein bisschen da, hat schon kleinst bisschen mit den Ärzten kommuniziert und mit den Schwestern.

00:38:01: Die haben vor Freude geweint weil jeden Tag waren die da und haben ja die Haare geflochten Und die haben Gewein verfreut weil keiner erwartet hat dass sie überhaupt jemals die Augen auch macht dass sie sozusagen lebensfähig ist.

00:38:17: Dass sie nicht irgendwie eingeschränkt ist, weil man wusste nicht wie lang das Gehirn ohne Sauerstoff war bei diesem Herzstillstand.

00:38:27: Weil Sie hatte den ja wirklich auf dem Transport bekommen mittendrin und man konnte nicht sagen, wie viele Minuten das Hirn ohne Saustoff war.

00:38:38: Sie wurde aus einem künstlichen Koma erweckt.

00:38:41: Das heißt es ist nicht eigenständig von ihr passiert?

00:38:44: Genau!

00:38:45: Wie lange hat es gedauert, bis du mit ihr aktiv kommunizieren konntest?

00:38:50: Das ging tatsächlich recht schnell.

00:38:52: Also wenn ich mich jetzt so daran erinnern würde ich tatsächlich sagen wenige Stunden.

00:38:57: Wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe... Ich kann mich nicht daran erinnern dass es jetzt Tage gedaubert hätte sondern tatsächlich alles an einem Tag.

00:39:05: sie haben sie morgens wieder wieder geholt wieder wach gemacht und nachmittags konnte ich mit ihr sprechen.

00:39:12: Was habt ihr im ersten Gespräch gesprochen?

00:39:17: Es war schnell klar, dass sie keine Ahnung hatte, was passiert ist.

00:39:20: Sie dachte, sie hätte einen Autounfall gehabt und ich hab ihr dann ganz schnell gesagt, was geschehen ist.

00:39:28: aber da kam jetzt keine passende oder erwartende Reaktion von ihr von wegen Gott!

00:39:34: Was habe ich da getan oder gar nicht?

00:39:36: das war wie auch so krass Und ich kann mich an einen Satz erinnern, da wurde ich so sauer.

00:39:45: Also sie hat dann im Verlauf des Gesprächs gesagt naja jetzt bin ich wieder wach, da können wir eigentlich mal anstoßen.

00:39:52: So und ich stand da und dachte mir muttern du lagst im Koma gerade wegen Organversagen, wegen deinem Alkohol und sagst ihr jetzt wir könnten ein Ansto-.

00:40:03: also sie hat den ganze Lage gar nicht begriffen meiner Meinung nach.

00:40:07: Und er dachte, oh, man kann sich gleich wieder hinlegen nach dem Motto.

00:40:10: Weil ich so sauer war in diesem Moment!

00:40:13: Ja aber das hat auch ein bisschen die Situation beschrieben dass sie gar nicht wirklich realisiert hat, dass sie gerade im Tod zu von der Schippe gesprungen ist oder zumindest nicht uns gegenüber.

00:40:24: vielleicht für sich ja was ich auch denke Aber Sie wollte es nicht zeigen.

00:40:29: War ihr bewusst zu dem Zeitpunkt wie lange sie weg war?

00:40:33: Überhaupt nicht Gar nicht.

00:40:36: auch bewundernswert war, dass sie mir im Nachhinein erzählen konnte was ich ihr bei meinen Besuchen erzählt habe.

00:40:43: Also ich hab ihr alles Mögliche erzählt.

00:40:45: Ich hab ihr ja erzählt hier, ich hab unsere Ägypten-Bettwäsche drauf bezogen und das konntest du mir erzählen zum Beispiel wo sie eben im Koma lag?

00:40:54: Und Sie Konnte Mir Das Erzählen als wäre das ein ganz normaler Besuch gewesen.

00:40:58: Als wär' sie nicht im Komer gewesen, konnte mir erzähln wie oft ich da war... Was ich an hatte, konnte sie mir erzähle was ich hier erzählt hab.

00:41:05: Das war erstaunlich.

00:41:07: Ach krass, das heißt sogar was du anhattest?

00:41:09: Ja genau.

00:41:10: Ah wild!

00:41:11: Aber sie hätte die Augen eigentlich geschlossen?

00:41:15: Man hat uns gesagt dass es normal wenn die Leute im Koma sind, dass die teilweise auch ihre Augen aufmachen und rumgucken.

00:41:21: man hat gesehen da ist kein Bewusstsein gerade da, das sah auch ganz gruselig aus.

00:41:27: aber sie hatte ihre Augen teilweise offen ja aber hätte so durch die leute hin durchgeguckt.

00:41:33: so was war das?

00:41:34: Krass

00:41:35: Wie hat sich das für dich angefühlt, dass du gehört hast?

00:41:38: Dass es in Anfangszeichen nicht nur für dich sinnvoll war sondern auch für sie.

00:41:42: Für diesen Prozess, dass Du jeden Tag da warst und ihr beiseite gestanden hast.

00:41:48: Ich fand das richtig schön weil die Ärzte haben uns von Anfang an gesagt um so mehr vertraute Stimmen Sie hört, desto besser.

00:41:56: Und man muss dazu sagen Es waren Familienmitglieder und Freunde Die kommen wollten zu Besuch aber Ihr Freund hat das untersagt.

00:42:06: Er hat zu allen gesagt, das lasse ich nicht zu.

00:42:08: Das ist Stress für die, wo ich gesagt habe der Arzt hat doch gesagt umso mehr Leute sie hört und bei sich fühlt um so besser für ihre Genesung.

00:42:18: aber das hat er unterbunden.

00:42:21: Das wollte ja nicht.

00:42:22: Wir haben deine Großeltern reagiert als deine Mutter wieder erwacht es?

00:42:28: Ja natürlich erleichtert.

00:42:30: Also ich denke schon dass Sie Angst hatten auf jeden Fall das würde mich wundern wenn nicht klar Aber, ähm... Also klar.

00:42:38: Man war froh, dass sie wach ist aber man hat nicht an dieses danach gedacht.

00:42:41: Wie können das jetzt weitergehen?

00:42:43: Dass so was nicht nochmal passiert.

00:42:44: wie gesagt die Frage war nie da warum Sie so viel trinken sondern nur dass es so ist.

00:42:49: Wie lange war sie dann noch im Krankenhaus bis sie nach Hause durfte?

00:42:53: Tatsächlich wenige Tage weil sie waren in so einem guten Zustand Das die Ärzte irgendwann gesagt haben hier Klar weniger Belastung Jetzt nicht anfangen mit Sport oder solche Sachen.

00:43:06: Aber ich glaub, das war keine Woche, wo sie noch in Krankenhaus war und nach Hause konnte.

00:43:10: Was hast du gefühlt?

00:43:12: Hattest du Angst oder Ähnliches mit dem Wissen, dass die dann wieder nach Hause kommt?

00:43:16: Ja auf jeden Fall weil für mich gab es nichts Schlimmeres als dass sie wieder in ihr gewohntes Leben zurückkommt.

00:43:25: Weil klar zu Hause waren meine Großeltern, zu Hause war ihr Freund.

00:43:29: Sie konnte sich wieder über Alkohol besorgen und davor hatte ich am meisten Angst, dass das alles wieder von vorne losgeht.

00:43:36: Hattest du den Alkohl aus der Wohnung geschafft?

00:43:38: Bevor sie gegangen ist?

00:43:40: Ja, also es war nichts mehr da!

00:43:41: Ich habe alles in der Zeit, wo ich dann alleine war, alles entsorgt komplett.

00:43:47: Diese Angst, damit sie wieder anfängt zu trinken und dass du sie leblos in der Ecke findest oder auch wieder krampfend in der ecke findst... Wie präsent war die in deinem Alltag ...

00:44:00: permanent da, würde ich sagen.

00:44:02: Also es war ja dann wieder Schulzeit und... Es war ja oft so dass man als Schulkind vielleicht die Klassenkameraden, die Freunde mit nach Hause bringen wollte weil man noch spielen wollte, weil man zusammen Hausaufgaben machen wollte.

00:44:15: Das ging nicht!

00:44:16: Weil ich immer im Kopf hatte, ich könnte jetzt die Wohnung aufmachen und sie ist wieder komplett betrunken Und irgendwann war's halt wirklich so ein stetiger Gedanke immer, wenn ich irgendwo war und nach Hause gekommen bin.

00:44:30: Immer damit gerechnet habe ... Ich könnte jetzt die Wohnung aufmachen und sie lebt nicht

00:44:34: mehr.".

00:44:35: Es war präsent weil es ging ja schnell wieder weiter mit ihrem Alkoholkonsum nach ihrem Krankenhausaufenthalt.

00:44:41: Das heißt ihr habt auch nie aktiv darüber gesprochen dass Sie einen Entzug machen könnte?

00:44:47: Das nicht!

00:44:48: Sie war kurze Zeit in so einer Art Sitzung.

00:44:53: nach dem Krankenhaus-Aufenthalt war ja allen klarer warum sie da ist.

00:44:58: Aber das war so ein bisschen ... Ach, die Frau hat ein stabiles Umfeld, die hat Arbeit, eine Wohnung, Tochter, Mann

00:45:06: etc.,

00:45:06: äh... Die kommt klar!

00:45:10: Also man hat nicht so die nötige Interesse ihr gegenüber vermittelt.

00:45:17: Sie hat natürlich erzählt auch klar alles super ich gehe dann wieder arbeiten und ich muss mich ja um meine Tochter kümmern, hat sie alles super erzählt.

00:45:27: Psychologe oder was das war damals, hat gesagt naja gut dann ist ja fein.

00:45:32: Dann alles Gute.

00:45:33: und das waren vielleicht zwei Sitzungen höchstens drei Sitzung wo sie das erzählt hat und dann war es die Sache auch schon wieder

00:45:40: okay.

00:45:40: das heißt sie war auch nicht therapeutisch angebunden wo sie

00:45:43: dann

00:45:44: okay

00:45:44: überhaupt nicht.

00:45:45: Als deine Mutter dann wieder angefangen hatte zu trinken wie sind deine Großeltern damit umgegangen?

00:45:50: weil Es war ihr trotzdem noch ihre Tochter und Sie waren erleichtert dass Ihre Tochter wieder wach geworden ist.

00:45:56: Richtig, also es gab unzählige Male die Situation dass meine Großeltern auf sie eingemeckert haben im betrunkenen Zustand.

00:46:07: Sie haben nie versucht nüchtern irgendwie das Gespräch zu suchen sondern immer wenns zu spät war.

00:46:12: Haben sie ihr Vorwürfe gemacht und warum sollst denn du wieder?

00:46:16: Und guckt dich doch mal an!

00:46:17: Du musst am Morgen arbeiten gehen so als wäre das das Wichtigste gewesen in der Situation dass sie arbeiten geht Und ich hab dann immer versucht zu vermitteln, dass das noch mehr Salz in die Wunde streut.

00:46:28: Wenn die jetzt so zu ihr sind anstatt irgendwie versuchen und den Grund zu erörtern ... Also meine Mutter hat das irgendwann aufgegeben, zu erklären warum.

00:46:40: sie hat es einfach gemacht.

00:46:42: Weil weil sie gemerkt hat, es kommt kein Warum Es kommt kein Interesse woran es liegt

00:46:47: Und deine Großeltern haben weiterhin Alkohol gekauft für deine Mutter?

00:46:51: Ja.

00:46:51: Ach

00:46:51: krass, das heißt sie haben auch damit nicht aufgehört?

00:46:54: Nein!

00:46:54: Also es war immer wieder so wenn die einkaufen waren entweder von selber oder meine Mutter hat sie vorher angerufen mir hier ist wäre schön wenn ihr mal eine Flasche und dann kamen die eben und haben Alkohl gebracht damit sie ruhig ist.

00:47:07: Ach krass, aber wenn sie dann laut wurde.

00:47:10: Dann haben Sie die Stimme erhoben und gesagt hier dein Verhalten geht gar

00:47:13: nicht.

00:47:13: Richtig!

00:47:14: Und das war... Ich habe es dann immer verglichen mit so einem Baby.

00:47:18: Das brüllt und dann kriegt's die Flasche, dann ist es ruhig.

00:47:21: So ungefähr war die Situation dann mit meiner Mama.

00:47:24: Also wenn sie betrunken war ab einem gewissen Pegel hat sie mich gemäckert.

00:47:28: Klar, mit meinen Großeltern diskutiert.

00:47:33: Komplett falsches Mittel von meinen Großeltern.

00:47:36: Wir geben ihr jetzt die Flasche und dann soll die ihren Rausch

00:47:39: haben.".

00:47:40: Krass,

00:47:41: du musst dich ja unglaublich hilflos gefühlt haben?

00:47:44: Ja auf jeden Fall!

00:47:47: Das wurde immer exzessiver und exzessiva nicht mal im Vergleich zu vor dem Krankenhaus sondern immer schlimmer.

00:47:54: Sie hat auch teilweise versucht betrunken ins Auto zu steigen und die fünfhundert Meter zur Tankstelle zu fahren solche Sachen, weil sie es nicht mehr begriffen hat.

00:48:03: Also man muss dazu sagen diese Lücken wo sie nüchtern war wurden immer kürzer und sie hat irgendwann nicht mehr begriffen was okay ist und was nicht und teilweise dann auch das Schamgefühl verloren vor mir zu trinken.

00:48:21: also ich stand in der Küche und sie hatte sich eben die nächste Wodkaflasche aufgemacht weil ihr auf Deutsch gesagt irgendwann scheißegal war.

00:48:28: Wie hat sich diese Hilflosigkeit in dir gezeigt?

00:48:34: Naja, im Grunde habe ich es irgendwann... nicht versucht.

00:48:39: Das war kein aktives Versuchen aber ich hab versucht die Situation zu umgehen wenn sie betrunken war.

00:48:48: Ich bin zum Beispiel nachts spazieren gegangen wo andere Kinder geschlafen haben.

00:48:52: Wenn ich im Ort spazierengegangen wurde eigentlich gar nicht nach Hause Aber ich konnte ja schlecht ausziehen, mit welchem Geld?

00:48:59: Mit siebzehn, achtzehn.

00:49:02: Und ich hatte auch keinen, der gesagt hätte, na klar, du kannst jetzt zu mir kommen oder sowas.

00:49:06: Also ich musste wieder nach Hause und das war so ein ... Die Wohnung war immer so ein roter Punkt, mein Kinderzimmer war die grüne Zone.

00:49:13: Wenn meine Tür zu war habe ich mich wohl gefühlt, war ich in meinem Reich da und die Wohnung an sich war halt ein rotter Punkt weil ... Wenn zum Beispiel nachts war und ich hab's irgendwo krachen gehört, dann wusste ich sie ist wieder gegen den Schrank gelaufen oder ... Sie ist in der Küche so auf dem Tisch gelehnt eingeschlafen weil sie wieder zu betrunken war.

00:49:34: Solche Sachen Ja.

00:49:37: Ich

00:49:37: stelle mir die Frage da kommen ja ganz viele Emotionen auf.

00:49:43: Was hast du mit denen gemacht?

00:49:45: Wo sind die hingekommen?

00:49:46: Also ich habe ja wirklich lange Zeit versucht dagegenzuwirken gegen ihren Alkohol-Konsum.

00:49:53: Wie gesagt, ich habe ja den Alkohl weggenommen.

00:49:55: Ich hab gemäckert, geweint, normal versucht mit ihr zu reden.

00:50:00: Das hat nichts gebracht.

00:50:02: Ihren Schlüssel ihr Geld weggennommen und irgendwie halt zu verhindern dass sie an Alkool kommt.

00:50:07: Und irgendwann war der Punkt wo ich gemerkt habe wenn du das jetzt weiter machst dann machst du dich selber kaputt.

00:50:14: Dann hast du irgendwann keine Ressourcen mehr, keine Energie mehr... ...und dann kam so schleichend dass ich mich emotional von ihr abgekapselt hab.

00:50:24: Bevor du das gemacht

00:50:25: hast,

00:50:26: hattest du ja aber auch mit etwas getroht?

00:50:29: Genau und zwar war es eines Tages ... Ich glaube zu ... Boah!

00:50:37: Man war anders als mein Geburtstag oder zu Weihnachten.

00:50:40: Auf jeden Fall war's ein wichtiges Event und sie war so das erste Mal betrunken.

00:50:48: Der Alkohol, der gewinnt immer mal überhand über ihr Wesen.

00:50:52: Weil normalerweise werden solche Events wie zum Beispiel Geburtstag oder Weihnachten nicht unwichtig gewesen, die war immer mit dabei und das war halt so das erste Mal wo sie getrunken hat und ich Teil von dem Ganzen war.

00:51:04: und ich war so verzweifelt dass ich mich wirklich vor sie gestellt habe mit in einem Messer an meinem Handgelenk und gesagt hab wenn du jetzt nicht aufhörst zu trinken dann schneide ich mir die Pulsadern auf.

00:51:15: Wie hat sie darauf reagiert?

00:51:17: Im ersten Moment natürlich geschockt.

00:51:20: Ich glaube, jede Mutter würde absolut geschockte reagieren.

00:51:24: In diesem Moment war sie nicht dann aber halt noch in diesen Carter-Zustand und ... Dann ist sie mir um den Hals gefallen, hat geweint so nach dem Motto ich höre jetzt auf Gottes Willen.

00:51:35: Aber es hatte am Ende auch nichts gebracht.

00:51:39: Haben deine Großeltern das mitbekommen?

00:51:41: Die Situation?

00:51:42: Ja!

00:51:42: Und meine Großeldern waren immer der Meinung, ich müsste eingewiesen werden

00:51:47: Du müsstest eingelesen werden.

00:51:48: Ja, auch schon wegen diesen aggressiven Verhalten dass ich zum Beispiel gegen Schränke geboxt habe oder Stühle rumgeschmissen hab.

00:51:57: Da hat meine Oma immer gesagt ja eigentlich müssten wir dich jetzt einweisen.

00:52:01: das wäre schon soweit.

00:52:02: und wo ich immer gesagt habe geht's noch.

00:52:04: kriegst du überhaupt mit was hier los ist?

00:52:07: Was ich zusammenwohne wie in meiner Situation ist Dass es ja irgendwo hin muss Das hat keinen Sinn gemacht ihr das zu erklären.

00:52:16: Krass

00:52:17: Wie hast du dich dabei gefühlt, wenn du diese Situation reflektiert hast und darüber nachgedacht hast?

00:52:21: Du bist die Einzige, die hier eigentlich erwachsen als Kind reagiert.

00:52:26: Ja das war... Und auch hier muss ich mich wiederholen wie in einem dummen Film weil die Rollen waren komplett vertauscht.

00:52:34: klar meine Mutter hat ja Alkoholproblem Das kommt viel zu oft vor aber meine Großeltern waren eigentlich die Erwachsenen ihre Eltern noch dazu meine Großeltern, die ganz anders hätten agieren müssen.

00:52:49: Und da habe ich halt wirklich vor verendeten Tatsachen stehen lassen eigentlich, würde man so sagen.

00:52:57: Als du angefangen hast dich emotional abzukapseln von deiner Mutter... Wie hat sich das gezeigt in der Beziehung zu ihr?

00:53:06: Also ich habe nicht mehr versucht aktiv dagegenzuwirken wenn sie wieder getrunken hat, ich hab halt versucht die Situation zu verlassen.

00:53:16: Weil ich gemerkt habe, wenn ich jetzt hier bleibe und das mitkriege wie sie sich immer mehr reinschüttet dann äh klar belastet dass mich und ich hab dann versucht eben in der Zeit mit meinen Freunden rauszugehen ins Fitnessstudio zu gehen.

00:53:29: damit hab' ich auch angefangen.

00:53:31: also ich hab wirklich versucht dem aus dem Weg zu gehen.

00:53:35: na also klar es hätte mich trotzdem getroffen, aber nicht mehr so in dieser Größe.

00:53:42: Dass ich gesagt hätte das ist jetzt mein Problem weil ich gemerkt habe Ich hab mir lange Vorwürfe gemacht von wegen warum ist es so?

00:53:49: Ich muss was tun und Es war auch nicht mehr So dass ich mir vorwürfen gemacht habe im Sinne von ich müsste jetzt daran etwas ändern oder ich kann daran Was ändern sondern ich habe gesagt sie ist eine erwachsene Frau.

00:54:01: wenn Sie was ändern will dann muss sie das tun und nicht ich.

00:54:06: Hattest du in dieser Zeit dich da jemandem antvertraut?

00:54:10: Überhaupt nicht.

00:54:12: Also, nicht meinen Freunden, Familienmitgliedern schon gar nicht weil im Grunde hatte ich zu niemanden den Kontakt wie man sich das jetzt in der Familie vorstellt.

00:54:22: meine Großeltern klar die wussten es ja aber von denen habe ich jetzt nicht unbedingt das nötige Interesse bekommen oder auch nicht das Gefühl gehabt dass ich mit denen darüber reden müsste.

00:54:31: Nö!

00:54:32: Es gab kein mit dem ich darüber gesprochen hab Überhaupt nicht.

00:54:37: Dieser jahrelange Alkohol-Konsum, der muss ja auch Spuren im Körper hinterlassen haben deiner Mutter die man ja auch sieht also unabhängig von den ganzen Organschäden Man sieht es hier einem Menschen an Kannst du uns beschreiben was bei deiner mutter da passiert ist?

00:54:54: Also man darf sich vorstellen meine mutter war so groß wie ich mein s achten sechzig ungefähr Und irgendwann hat sie so rapide abgebaut.

00:55:04: Ich glaub, sie hat keine Fünfzig Kilo mehr gewogen am Ende.

00:55:08: Also nicht ansatzweise und ihr Gesicht war aufgequollen.

00:55:13: Man hat das gesehen meiner Meinung nach.

00:55:16: So dicke Wangen hat sie bekommen und eine dicke Nase ist ja typisch auch bei Alkoholikern, dass sie nur so ne kleine Stupsnase, so eine dicken Nase bekommen.

00:55:25: Sie hat nicht mehr ... so viel Wert auf Hygiene gelegt, also ob jetzt Haare gekämmt oder nicht.

00:55:33: Also relativ kurze blonde Haare ist jetzt egal weil sie hat ja auch von zu Hause immer den Input von ihrem Freund bekommen du sieht scheiße aus das hat er auch so zu ihr gesagt.

00:55:46: klar man hat es ja gesehen und er hat eben auch noch mal gesagt nach dem Motto Du siehst so Scheiße aus guck dich mal an hat sie ja immer mit dazu bekommen.

00:55:58: Und man hat's deutlich gesehen, Leute die das wussten haben es schon von vielen Metern ausgesehen dass ihr Körper nicht mehr in der Lage ist das zu vertuschen.

00:56:11: Gab es Momente wo du dich aktiv für sie geschämt hast?

00:56:15: Für anderen Leuten?

00:56:17: Naja ich würde nicht sagen vor anderen Leuten weil sie war ja nicht irgendwo unterwegs.

00:56:21: Sie ist immer mehr Zuhause geblieben.

00:56:25: Es war immer so bei Veranstaltungen, wenn Eltern dabei gewesen sein müssten.

00:56:29: War meine Mutter halt nicht dabei.

00:56:31: Aber es war für mich normal, weil ich ja wusste was los ist.

00:56:35: Es war nicht so dass ich mich geschämt habe.

00:56:37: Ich hab mal eine Geschichte ausgedacht oder wenn andere Eltern von meinen Freunden sie kennenlernen wollten zum Beispiel.

00:56:43: Ich habe mir gesagt die arbeitet zu viel.

00:56:46: Also immer so ein dahergesage.

00:56:49: Die arbeitet zuviel und tut mir leid.

00:56:53: Aber ich habe mich, was heißt geschämt?

00:56:57: Ich würde sagen wenn sie wieder versucht hat, Betrunken rauszugehen zur Tankstelle zu laufen.

00:57:02: Da hab' ich mich schon geschäm't.

00:57:03: Weil klar ist es ein kleiner Ort wo wir gewohnt haben.

00:57:07: Irgendwann kennt man sich untereinander gerade wenn man jahrelang dort wohnt und... ...ich hab gedacht alle Leute sehen dass alle Leute wissen wer sie is'.

00:57:16: Ja also klar das war schon präsent.

00:57:18: doch!

00:57:19: Als du diesen körperlichen Verfall gesehen hast, weißt ihr da noch möglich zu arbeiten?

00:57:25: Ja ein.

00:57:26: Also sie hatte das Glück muss ich dazu sagen, dass meine Großeltern ja die Chefs waren von unserem Familienunternehmen.

00:57:32: Andere Arbeitgeber hätten sich schon längst rausgeschmissen.

00:57:35: Das ist klar aber irgendwann hat sie nicht mehr gearbeitet.

00:57:39: Klar, also unter Dauerpegel hätte sie auch Auto fahren müssen.

00:57:45: Das ging nicht mehr.

00:57:46: Aber

00:57:49: sie hat trotzdem ganz normal ihr Gehalt erhalten.

00:57:51: Genau, sie hat das Gehalt erhalten.

00:57:55: Meine Großeltern haben zwar oft getroht, sie zu kündigen aber haben es ihnen nicht gemacht.

00:57:59: Klar, das war eine gute Sache, aber sie hätte nicht nur das Geld gebraucht sondern eben auch die familiäre Unterstützung und da hat's halt von vorne bis hinten gefehlt.

00:58:09: Deine Mutter hatte dann ja aber auch versucht mit dem Alkohol aufzuhören?

00:58:14: Genau im Sommer, in Spanien war ich für zwei oder drei Wochen einfach um den Kopf auch mal ein bisschen frei zu kriegen.

00:58:26: Ich war auch alleine dort und sie war gar nicht mehr in der Lage kraftmäßig da irgendwie mitzukommen.

00:58:33: So haben wir auch Regal.

00:58:34: wie gesagt, ich war emotional ganz weit weg.

00:58:38: Ich habe sie blockiert gehabt weil Betrunkenen Anrufe, die ihr manchmal aus Versehen geschehen sind und nicht mehr erhalten wollte.

00:58:46: Wie gesagt ich wollte einfach nur meine Ruhe haben.

00:58:48: Und als ich wiedergekommen bin... Sie wusste auch nicht wo ich bin davon abgesehen.

00:58:53: Es hat auch die ganze Zeit getrunken gehabt in der Zeit.

00:58:55: Als ich wieder gekommen bin mache ich zuhause die Tür auf und das erste was sie sagt ist hast du Kippen mitgebracht.

00:59:01: So und im Grunde war dass dann wieder so ein Schlag ins Gesicht.

00:59:05: Ich hätte mir eigentlich gewünscht, Mensch wo warst denn du?

00:59:07: Und ich habe mir Sorgen gemacht spinnst du nach dem Motto aber Das kam halt nicht so wirklich.

00:59:12: und es war wieder ein Schlag ins Gesicht der Realität, was der Alkohol mit ihr macht.

00:59:17: Ich wusste, das wäre niemals von meiner Mutter so pur gekommen, sondern von ihrem Alkohl ich.

00:59:24: Und dann hatte sie tatsächlich beschlossen für sich selber einen kalten Entzug anzufangen zu Hause.

00:59:33: Man hatte ihr ja gesagt, wenn Sie das anfangen ... unbeobachtet und kontrolliert, dann ist das tödlich.

00:59:42: War egal weil dann war wieder das Thema.

00:59:45: sie war stuhr.

00:59:47: was das thema angeht schaffe ich schon irgendwie.

00:59:50: fünf jahre exesiv alkohol das ging ja so schaffig ging natürlich nicht.

00:59:55: also die ersten tage gings richtig gut muss ich dazu sagen.

00:59:58: es hat wieder viel gegessen sie hat sich wieder zurecht gemacht solche sachen sie war aktiv Und dann ging es halt absolut den Bach runter.

01:00:10: Also der Körper hat gemerkt, je mehr fehlt was, tu was!

01:00:15: Sie hat zum Beispiel hier Schuppenflechte bekommen wie sonst, sie hat sich die Arme aufgekratzt weil die Haut komplett ausgetrocknet ist.

01:00:23: Sie hat sich erbrochen keine Appetit gehabt also alles das was so typisch für kalten Entzug ist.

01:00:31: und dann haben wir irgendwann auch wieder Notouts gerufen.

01:00:38: Und dann hat sie noch versucht, dagegen zu wirken und gesagt hier brauche ich nicht.

01:00:43: Also die haben sie tatsächlich gefragt ob sie will oder nicht?

01:00:47: Dann hat sie auch gesagt braue ich nicht und in letzter Minute sozusagen hat sie gesagt doch wäre vielleicht doch eine gute Idee wenn ihr mich mitnehmt.

01:00:55: und so war es dann auch.

01:00:56: Dann ist sie ins Krankenhaus gekommen.

01:00:58: Hat sie denn dort den Zug weiter gemacht kontrolliert?

01:01:03: Es ging erst mal darum sie zu stabilisieren weil die Organe halt wieder Richtung verfallen waren.

01:01:10: Die war natürlich am Ende, wie gesagt dieser Stoff hat ja gefehlt.

01:01:15: Ich könnte mich jetzt nicht erinnern dass sie da eine Ersatzdroge sozusagen bekommen hat oder ich habe es halt nicht beachtet muss ich ganz ehrlich sagen in der Zeit das war mir egal was die da bekommt.

01:01:25: Hauptsache ist im Krankenhaus.

01:01:27: aber die Situation im Krankenhaushalt für mich nicht würdig, nicht meiner Mutter würde ich.

01:01:33: also kann mich da in Situationen erinner.

01:01:36: Sie war im Krankenhaus, sie hat durch den Alkohol und dadurch auch, dass sie teilweise auch dritte Zähne hatte sehr genuschelt.

01:01:46: Weil sie ja auch sehr schwach war durch das Ganze.

01:01:48: Und die Schwestern haben sie kaum verstanden.

01:01:52: Die Schwesten haben teilweise mit ihr so gesprochen als wäre sie ein kleines Kind.

01:01:56: Erzähl doch nochmal!

01:01:58: Da können sie es noch mal sagen... Ich saß da und dachte mir, oh, es ist eine erwachsene Frau, also geht's noch?

01:02:04: Also ich fand das gar nicht gut.

01:02:06: wie die Leute damit mit mir umgegangen sind.

01:02:08: Was hast du denn gedacht, als deine Mutter noch zu Hause gesagt hat sie möchte einen Zug machen?

01:02:14: Was hast Du da gefühlt?

01:02:17: Ich habe mir gedacht wenn sie das jetzt von sich selber auch sagt dann ist es kurz vor Grenze Dann muss es jetzt wirklich akut sein hab ich mir so gedacht.

01:02:28: weil ich hab mir gedacht dann schafft sie's körperlich halt nicht mehr Dass ihr das bewusst geworden ist, dass sie die körperliche Kraft gar nicht mehr hat um zu leben.

01:02:39: Um es mal sozusagen und ich hatte so das Gefühl ihres Bewusstes geworden, dass es so ist Und dass jetzt ganz akut was tun muss aber halt auch wieder nicht eingesehen hat Das es halt mit Kontrolle gewesen sein müsste.

01:02:53: Jetzt haben ja deine Großeltern ständig Alkoholflaschen mitgebracht.

01:02:58: Wie war's denn als deine Mutter dann gesagt hat sie möchte einen Zug machen?

01:03:02: Es ist jetzt nicht so, dass ich aktiv mitbekommen hätte.

01:03:05: Dass in der Zeit noch mal der Alkohol gebracht wurde.

01:03:08: Sie hat das halt für sich selber gemacht.

01:03:11: Also sie hat nicht Bescheid gesagt hier ... Ich mach es übrigens, sondern wirklich von heute auf morgen die letzte Flasche getrunken und dann war aus.

01:03:20: Sie hatte sich kein Neuen geholt.

01:03:23: Sie war überzeugt davon, dass sie das super hinkriegt, negativen Sachen damit erleben wird, sondern dass es in der Woche bin ich wieder fit als wir nie was gewesen.

01:03:34: Davon war sie überzeugt.

01:03:35: Wie lange war sie dann im Krankenhaus?

01:03:38: Bis sie im Tod?

01:03:40: Krass!

01:03:40: Sie ist im Krankenhaus gestorben.

01:03:43: Genau

01:03:43: Warum ist sie gestorbt?

01:03:46: Meine Mutter ist etwas am Hals stecken geblieben vom Abendbrot.

01:03:51: nicht dass man jetzt hätte sagen können, das war ein Ersticken im Sinne wie man sich das vorstellt um Luft ringen und man kriegt das noch mit.

01:03:59: Man tut Sachen und man will sich helfen sondern der Rechtsmediziner hat es damals so erklärt, dass es im Hals einen Nerv gibt wenn dazu sehr eingedrückt wird, dass man dann den Herz-Kreislaufstillstand kriegt und dass man auch gar nicht dagegen was tun kann.

01:04:16: Man hat keine Zeit zu interagieren weil man direkt bewusstlos wird.

01:04:21: Und genau, das ist passiert.

01:04:23: Das heißt also beim Schlucken ... Beim üblichen Schlucken kann das passieren?

01:04:27: Genau, genau!

01:04:28: Also meistens hab ich dann nachgelesen bei Säuglingen und kleinen Kindern oder halt älteren Leuten oder halt bei kranken Leuten.

01:04:38: Und da sie ja geschwächt war, da sie auch geschlungen hat muss man dazu sagen... Sie hatte wirklich im Krankenhaus zunehmen wollen und essen, essen, Essen.

01:04:46: Ja in dem Krankenhaus gab's zum Abendbrot hier die trockenen Schwarzbrot schnitten ohne Butter, ohne nichts sozusagen.

01:04:54: Das wusste ich auch und dann hat sie Abendbrot gekriegt und die Küchenfrau hat sich dann leblos am Tisch sitzend vorgefunden als sie das Geschirr wieder abräumen

01:05:06: wollte.".

01:05:07: Was war denn dein letzter Moment mit ihr zusammen?

01:05:11: Ja mein letzter moment war... Ich habe mit meinen Großeltern dort zu Besuch nicht direkt vor ihrem Tod, sondern ich glaub ein oder zwei Tage vorher eventuell.

01:05:20: Das war kurz vorher und ich kam rein und sie saß auf dem Bett und hat so die Arme aufgeschlagen und wollte mich umarmen.

01:05:32: Und ich hab sie nicht umarmt weil in dem Moment war ich so weg emotional dass ich Kein Bedürfnis hatte sie zum Armen, weil ich habe dann nicht meine Mutter sitzen sehen in dem Moment sondern so ein kleines So eine kleine arme Seele könnte man eigentlich sagen Die jetzt eigentlich erst mal wieder klau kommen muss die merken muss was sie getan hat Was das erzeugt hat auch in mir warum ich hier zu fern bin.

01:06:00: und Ich hab sie nicht umarmt.

01:06:01: maiskalt Ja

01:06:04: über.

01:06:04: Was habt ihr gesprochen bei einem letzten Gespräch.

01:06:08: tatsächlich Kann ich mich an kein richtiges Gespräch erinnern?

01:06:12: Weil im Grunde ist es dann so abrupt zu Ende gegangen, dass auch wieder eine Schwester, ne Pflegerin hier reinkam und sie hat sich irgendwas gefragt.

01:06:22: Meine Mutter hat geantwortet im Nuscheln klar – Ich hab's verstanden aber die Schwester halt nicht!

01:06:28: Und sie hat... zwei, drei Mal nachgefragt.

01:06:31: Was sie gesagt hat?

01:06:32: Meine Mutter hat sich immer wiederholt und das fand ich so schrecklich in dem Moment weil wie gesagt nicht die gestandene Frau da gesehen habe sondern so eine kaputte Seele Und das konnte ich mir nicht mit ansehen.

01:06:47: deswegen bin ich rausgestürmt aus dem Zimmer und es war das letzte mal dass ich sie eben gesehen hab.

01:06:52: Wie ist das heute für dich emotional wenn du darüber nachdenkst?

01:06:55: Ich habe mir sehr lange, sehr viele Vorwürfe gemacht.

01:07:00: Dass ich so mit die Auseinander gegangen bin, dass ich sie nicht umarmt habe und mich nicht verabschiedet hab.

01:07:07: Aber ich konnte es auch nicht anders in der Situation.

01:07:10: Weil ich hatte so viel Wut auch in mir.

01:07:13: Und wie gesagt emotional war ich so weit weg das ich gar nicht die Kraft hatte heile Welt zu spielen nach dem Motto Ochmann wir sind uns morgen wieder alles gut schaffste und nochmal umarmen, das konnte ich nicht in der Situation.

01:07:31: Das war gar nicht möglich so zu sein.

01:07:34: Aber wie gesagt, ich habe mir lange Vorwürfe gemacht nur heute nicht

01:07:37: mehr.".

01:07:38: Wie hat man dich dann informiert über den Tod deiner Mutter?

01:07:42: Mich erst mal gar nicht sozusagen sondern es war die Situation... Ich war bei meinen Großeltern zu Hause also in der Wohnung.

01:07:51: Ich war im Wohnzimmer fernsehen geguckt und ich hab gehört dass beim meinem Opa in der Küche das Handy geklingelt hat Und er ist rangegangen und hat jetzt gar nicht groß gesprochen.

01:08:02: In dem Sinne, es war kein aktives Gespräch, sondern nur eine Information kriegen... ...und in dem Moment habe ich was zu trinken holen wollen.

01:08:12: Er legt auf und dreht sich um und sagt, der Mama ist eingeschlafen!

01:08:18: Aber auch mit solchen Worten, ob es jetzt eins zu eins die Worte waren weiß ich nicht mehr aber Auch dieses.

01:08:23: Die Mama ist eingeschlagen und ich gucke ihn an und geht zurück ins Zimmern, guckt weiter Fernsehen.

01:08:30: Also das war hier rein daraus weil es war kein Wort was ich hätte zuordnen können.

01:08:35: eingeschlafen finde ich heute noch sehr schwierig das Wort wenn man das im Bezug zum Tod sagt.

01:08:42: deswegen benutze ich das auch heute gar nicht.

01:08:45: ja ich bin.

01:08:45: ich bin weiter fernsehen gucken gegangen.

01:08:47: ich habe das gar nicht gar nicht fassen können was jetzt gerade für eine information war.

01:08:52: wann kam dann der moment in dem du realisiert hast was das bedeutet.

01:08:56: Das waren tatsächlich einige Momente.

01:09:00: Es war zum Beispiel so, mein Opa ist runtergegangen zu meiner Oma die im Hof, ich glaube Unkraut gezupft hat.

01:09:06: Hat ihr das gesagt und ich hab's halt schreien hören durchs ganze Haus?

01:09:10: Und es war ein übelst verzweifelter Schrei!

01:09:15: Also man hätte ja nicht damit gerechnet weil es war irgendwo auf dem Weg der Besserung sie war in Kontrolle usw.. Man hat gar nicht begriffen warum das jetzt so ist.

01:09:24: Wie hat sich das für dich denn angefühlt, dass zu hören den Schrei deiner Oma und gleichzeitig zu verstehen was das Ausmaß bedeutet?

01:09:33: Das war so ein erstes Stück Relation aber nicht vollkommen würde ich sagen überhaupt nicht voll kommen.

01:09:41: Das hat wie gesagt dann noch mit dem nächsten Situation erst gewürgt was da eigentlich passiert ist.

01:09:47: gerade

01:09:48: Hast du sie dann nochmal gesehen?

01:09:50: Ja, also wir wurden gefragt ob wir noch mal kommen wollen.

01:09:54: Das waren dann die Abendstunden.

01:09:57: Es war dann auch schon dunkel und wir haben gesagt natürlich auf jeden Fall es war gar keine Frage Und ich kann mich erinnern den ganzen Tag Schien die Sonne das war blauer Himmel es war ja auch Sommer.

01:10:11: wie gesagt im Juli.

01:10:13: Wir sind ins Krankenhaus gefahren was ja echt kein weiter Weg war und auf einmal ging stormlos und es hat gewittert.

01:10:21: Und extrem geregnet, alles was man sich mit dem Unwetter vorstellt.

01:10:29: Wir kommen in dieses Krankenhaus rein.

01:10:31: Wir wurden hoch auf ihr Zimmer geführt.

01:10:34: da war das Fenster auf und eine Kerze war an sonst nichts zwar ... Es war so ne betrückende Stille aber halt auch.

01:10:42: wie soll ich das sagen?

01:10:44: Eine gesunde Stille!

01:10:45: Ich hab an ihrem Gesicht gesehen dass sie erleichtert war.

01:10:48: Ich würde es tatsächlich so beschreiben, dass sie erleichtert war.

01:10:52: Dass sie jetzt keine Schmerzen hatte.

01:10:53: Sie sah um einiges Jünger aus, muss man wirklich so skurril sagen ... Ich habe noch nie vorher einen Verstorbenen gesehen und ich würde auch nicht sagen, dass man eigentlich besser aussieht als zu Lebzeiten wenn man verstorben ist.

01:11:08: aber doch in dieser Situation hab' ich das so wahrgenommen.

01:11:11: Sie saß bestimmt zehn Jahre jünger raus, als hätte sie gerade ein Nickerchen gemacht Und ich saß dann so, es hat wie gesagt gedonnert, gewittert.

01:11:22: Meine Großeltern sind rausgegangen weil ich sie drum gebeten hab und ich habe mich nicht getraut sie anzufassen.

01:11:27: Ich habe nur ihre Hand genommen wo die Decke drauf war.

01:11:32: Es hat draußen extrem gedonnet und ich hab mich nie...ich hab mich übes erschrocken und sie halt nicht.

01:11:39: Das war der nächste Moment.

01:11:41: Relation.

01:11:43: Was ist gerade los?

01:11:44: Die Decke bewegt sich nicht Da atmet keiner.

01:11:46: Ihre Hände werden immer kälter.

01:11:50: Das war der erste Abschied von ihr.

01:11:53: Was hast du dabei gefühlt in diesem Moment?

01:11:57: Ich würde gar nicht sagen, dass ich meine Gefühle so präsent hatte sondern ich war irgendwo auch erleichtert um sie weil ich gesehen habe das war kein qualvoller Tod das war keinen Leidensweg in dem moment Sondern das war, wie als Obst so sein sollte.

01:12:17: Weil man hätte ja nicht gewusst ob sie den Entzug überhaupt geschafft hätte.

01:12:20: ich hätte fast auch gar nicht dran geglaubt ehrlich gesagt und es war so ein Ding wie.

01:12:26: Das sollte so sein sonst hättest du dich tot gesoffen.

01:12:30: Ja

01:12:31: Du hattest vorhin gesagt dass als du sie noch lebend gesehen hast da war sie für dich eine häufig entählende

01:12:37: Ja

01:12:38: Als du sie dann verstorben gesehen hast.

01:12:41: Was war das?

01:12:43: Das war Das hatte nichts mehr mit der Frau zu tun, die in Häufchen Elend war.

01:12:49: In meinem Blick, in den letzten Jahren und Monaten vor ihrem Tod.

01:12:55: Sondern das war halt wieder die Frau, die ich als meine Mutter kannte.

01:13:00: Also genau so habe ich es gesehen.

01:13:01: Wie gesagt, ich hab kein Elend, kein Tod in ihr gesehen, sondern wirklich ... Ich hab's geschafft.

01:13:08: Irgendwo.

01:13:10: Ja?

01:13:11: Du hast gesagt, dass die Realisierung für dich ein Prozess war und es hat Stück für Stück gebraucht.

01:13:15: Ja.

01:13:17: Wann kam dein nächstes Moment in dem du so richtig verstanden hast?

01:13:19: Was das bedeutet?

01:13:22: Also ich würde tatsächlich sagen der nächste Moment oder einer der nächsten Momente war als ich nach Hause gehen musste mit dem Wissen Ich kann sie nicht mitnehmen also auch Als ich mich an dem Abend ins Bett gelegt habe und am nächsten Tag als halbweise aufgewacht bin.

01:13:40: Das war so realisieren, wenn man aufwacht.

01:13:45: Aber das ist jetzt wirklich ... Was meine Mutter lebt nicht mehr.

01:13:49: Ich konnte den Tag nicht mitnehmen sozusagen, sondern es geht jetzt irgendwo weiter.

01:13:53: Das nächste Datum kommt, die nächste Woche kommt.

01:13:57: Das war tatsächlich die nächste Relation und ich würde sagen der allerletzte Abschied oder der richtige Abschied weil ich hab zu ihrem Krankenhaus auch schon gesagt wir sehen uns noch mal war es tatsächlich, als ich sie dann elf Tage nach ihrem Tod noch mal im Sorg gesehen habe.

01:14:14: Wie war der Moment für dich?

01:14:17: Meine Großeltern wollten das gar nicht.

01:14:19: Sie haben es nicht für nötig gehalten.

01:14:20: Mir war's wichtig, dass sie ihre Lieblingskleidung ankriegt und ihren Schmuck ankriegt, Röschen in die Hand gelegt bekommt, nochmal zurechtgemacht wird.

01:14:30: Weil ich wollte sie nicht in diesem Krankenhaus Leibchen gehen lassen.

01:14:33: Das war mir sehr wichtig!

01:14:34: Hat allgemein in der ganzen Zeit so eine Beschützerrolle weil es mir wichtig war, dass sie in Würde von dieser Erde geht.

01:14:42: Und ich bin mit meinen Großeltern diesen Weg zur Kapelle gelaufen und meine Oma hat zu mir gesagt ... Wenn du jetzt holst, dann müssen wir dich wieder

01:14:53: einweisen.".

01:14:57: Das war wie so'n ... Heutzutage kann ich drüber lachen ja?

01:15:00: Aber damals war's so'nen Schlag ins Gesicht.

01:15:04: Dieses überhaupt nicht passende ..."Ich gehe jetzt meine Mutter verabschieden".

01:15:08: Verdammt, ja.

01:15:09: Ich darf weinen... Also man muss dazu sagen ich habe in diesem Moment in dieser Zeit so gut wie gar nicht geweint außer an dem Tag wo ich die Todesursache erfahren hab und wir sind in die Kapelle rein und es war erstmal ein Schock weil bei ihrer Augen so eingefallen waren.

01:15:26: das war ein sehr ungewohntes Bild natürlich wenn man noch nie einen Verstorbenen gesehen hat.

01:15:31: innerhalb von elf Tagen verändert sich viel.

01:15:33: sie waren der Rechtsmedizin etc.

01:15:36: aber Die Frau da in dem Sarg hatte nichts mehr mit meiner Mutter zu tun.

01:15:41: Also ich hatte so dieses Denken, ihr Wesen ist nicht mehr da.

01:15:45: das jetzt nur diese menschliche Hülle die in Würde von dieser Erde gehen muss.

01:15:52: Hattest du das Gefühl dass du der Abschied von dir nehmen konntest?

01:15:56: Ja also tatsächlich war das so.

01:15:58: die letzte Instanz nicht mal die Ohrenbestattung auf der See in Rostock, sondern das war so mein Abschied.

01:16:06: Nicht die Trauerfeier, sondern wirklich ... In diesem Moment.

01:16:11: Auch wenn ihre Seele nicht mehr in ihr war, ist ja trotzdem nach wie vor bei mir.

01:16:16: Das Gefühl hatte ich auch nach wie vorher.

01:16:19: Aber dieser Blick auf sie hat jetzt ihre Sachen an.

01:16:23: So kann sie gehen!

01:16:26: Wenn du heute an diesen letzten Moment, an den Abschiedsmoment denkst?

01:16:30: Wie geht es dir damit?

01:16:33: Ich würde sagen, ich bin froh, dass es stattgefunden hat überhaupt.

01:16:40: Ich hätte das nicht anders machen wollen.

01:16:43: Es war sehr befremdlich trotzdem.

01:16:46: Wie gesagt, ich hatte ja nicht das Gefühl, das ist jetzt meine Mama, sondern ihre menschliche Hülle.

01:16:51: Ja also ... ich bin halt dankbar und so konnte ich für mich sagen sie kann so bestattet werden.

01:17:00: So sieht's sie!

01:17:02: zurechtgemacht aus, so hat sie ihre Kleidung an.

01:17:05: Es ist gemütlich gemacht worden wenn man das zu sagen kann.

01:17:09: So ist es okay, so kannst du gehen.

01:17:11: Ja

01:17:12: jetzt ist ja in all diesen Jahren sehr viel passiert und deine Emotionen reguliert man auch ein bisschen runter und man unterdrückt was da auch ganz viel passiert ist.

01:17:24: Wann kam für dich dieser Moment, wo du all das verarbeiten und reflektieren konntest?

01:17:29: Was du was deine Jugend das eigentlich beeinflusst hat.

01:17:34: Tatsächlich hat es gedauert.

01:17:35: generell.

01:17:36: meine Trauerphase hat auch sich warten lassen weil in der Zeit als meine Mutter gestorben ist hatte ich den Anfang meiner Ausbildung gerade vor mir.

01:17:46: wenige Tage waren das noch bis zum Ausbildungsbeginn.

01:17:50: Ich hab meinen Führerschein in der Zeit gemacht, ich war mittendrin und habe mir eine Wohnung gesucht weil ich ja so oder so ausziehen wollte wegen dem Trinken von meiner Mutter, weil ich das nicht mehr mitmachen konnte.

01:18:02: Das heißt, sobald ich die Ausbildung hatte, wollte ich raus.

01:18:06: also ich hatte viel zu tun.

01:18:07: einfach ich hatte gar keine zeit um zu trauern dass auch kein gedanke irgendwie da angekommen ist was es jetzt für mich für mein leben bedeutet ohne mutter weiter groß zu werden.

01:18:19: Ich muss halt meine Sachen tun.

01:18:21: So, und dann hat das ich glaube ein oder anderthalb Jahre gedauert, dass sich in eine Depression gerutscht bin.

01:18:27: also es kam auch so immer schleichender wo ich die neue Wohnung... Also wo ich dann meine allererste Wohnung hatte, hatte ich ja auf einmal Ruhe und diese Ruhe hat mich kaputt gemacht weil ich habe nichts mehr gehabt um was ich mich kümmern musste Und ich hatte aber diesen Ärger nicht mehr klar, ich hatte dieses gewohnte Stress fällt, hatte ich nicht mehr um mich und das hat mich kaputt gemacht.

01:18:52: Man muss dazu sagen du bist ja lange, lange musstest du damit aushalten dass es ja nie Ruhemomente gibt und du hast ja jegliche, jegliches Vertrauen in dein Zuhause nicht aufbauen können bzw dort haben können und Du hast ja auch nicht diesen Moment gehabt wo man zur Ruhe kommt innerlich zu Ruhe Kommt aber auch körperlich zur Ruher kommt.

01:19:15: Wie war das für dich, als du das verstanden hast?

01:19:17: Das ist jetzt mein Zuhause und du kannst selbst entscheiden was hier passiert.

01:19:23: Auf der einen Seite gut aber das hatte ich noch nicht so verinnerlicht dass es jetzt gesund ist sozusagen.

01:19:30: also ich sag immer der Tod meiner Mutter hat zwei Seiten.

01:19:34: natürlich der erste Teil die Mutter ist gestorben das ist niegut da gibt's nie einen passenden Zeitpunkt für.

01:19:43: Aber die zweite Seite ist, dass ich halt den Alkohol nicht mehr in meinem Leben hatte.

01:19:47: Sondern das ich jetzt bestimmen konnte ob ich Alkohl in meinem leben haben will oder nicht.

01:19:54: Es wurde mir nicht mehr aufgezwungen sozusagen und genau ich konnte zu Hause die Türen zumachen wie gesagt und konnte entscheiden was los ist.

01:20:03: aber wie gesagt diese Ruhe dieses kein Stress mehr haben auf nichts mehr achten müssen sozusagen, das hat mich wahnsinnig gemacht.

01:20:15: Na weil wirklich ich bin zu Hause angekommen es war Mux-Mäuschen still.

01:20:20: Ich habe das auch heute noch teilweise dass ich nachhause komme und zum Beispiel nebenbei ein YouTube Video anmach Weil mein Hörn sich denkt na du brauchst ja irgendwas Du brauchst irgendwie Input Du brauchest Geräusche irgendwie nebenbei oder dass ich einen Film laufen lasse ohne den zu gucken.

01:20:34: Das ist nach wie vor so.

01:20:36: Trotzdem kann ich aber heute Ruhe genießen Weil ich weiß, ich kann darüber bestimmen.

01:20:43: Wann mein Hirn Ruhe hat und wann nicht.

01:20:44: aber das ging damals eben nicht.

01:20:46: Und es war irgendwann so schlimm dass sich entweder ich war krank geschrieben oder ich kam von meiner Ausbildung von der Arbeit und habe mich ins Bett gelegt und bis zum nächsten Morgen geschlafen weil ich konnte auch nicht rausgehen ist.

01:20:58: Ich hab nicht verstanden warum die Sonne scheint Warum andere Kinder mit ihren Eltern einkaufen gehen.

01:21:04: Das fand ich Ja, unverschämt.

01:21:08: Wenn man so sagen kann ... Ich war eifersüchtig auf andere Kinder.

01:21:12: Was ist ich, die irgendwie ihre Eltern beleidigen oder so?

01:21:16: Da hab ich für mich gesagt, wieso leben die Eltern noch?

01:21:18: Wieso ist meine Mutter gestorben?

01:21:20: Also, so hab ich damals gedacht.

01:21:22: Das hat mich wahnsinnig gemacht.

01:21:24: Wie hast du diese Depression rausgefunden?

01:21:28: Es war tatsächlich so, dass es in die Richtung ging, weil ich halt nicht so gut schlafen konnte.

01:21:35: dass ich mir nachts wirklich Gedanken gemacht habe, ob sich das Leben lohnt, was ich lebe.

01:21:40: Weil ich hatte das Gefühl, wofür sollte ich jetzt weiterleben?

01:21:43: Weil wenn ich zum Beispiel irgendwann heirate, da hab' ich keine Mutter die mit dasteht oder wenn ich selber Kinder kriege, ich hab' keine Oma, die ich bieten könnte.

01:21:50: Solche Sachen habe ich mir halt überlegt, haben wir wirklich gedacht... Was macht das jetzt für einen

01:21:56: Sinn?".

01:21:57: Ich war überzeugt, dass ich es da nicht rausschafe aus dieser Spirale.

01:22:01: Weil meine Welt ist halt stehen geblieben und die Welt ringsherum hat sich aber weiter gedreht.

01:22:06: Aber ich bin tatsächlich eines nachts ins Bett gegangen und eingeschlafen und habe geträumt Dass ich meiner Mutter gegenüberstehe und das sie mich zusammen scheißt.

01:22:17: also man muss es wirklich so sagen ich hab wirklich den Traum werde ich nie vergessen geträumt, dass sie vor mir steht und sagt jetzt pass mal auf.

01:22:25: Nur weil ich so ein Mist gebaut habe und nicht mehr da bin heißt es nicht, dass ich dich umsonst geboren hab.

01:22:31: Du warst ein Wunschkind du hast einen super Leben, du bist ein super Mensch und das ist nicht umsonsten gewesen ja?

01:22:39: Und du kannst mich nicht wiederholen.

01:22:40: und so bin ich auch aufgewachsen mit dieser Einstellung wenn jemand stirbt.

01:22:44: Ich kann nichts daran ändern aber ich kann ändern wie ich damit umgehe.

01:22:49: Und im Grunde hat sie mir das noch mal gesagt und ich bin morgens aufgestanden, habe mir das erste Mal wieder seit Wochen die Zähne geputzt.

01:22:55: Und die Haare gewaschen und ordentlich gegessen... ...und dann ging es weiter.

01:22:59: Krass!

01:23:00: Krasse Leistung also dass auch alleine so durchzustellen und das für sich selbst so zu erkennen Das ist eine extreme Stärke von dir.

01:23:09: Ich hab tatsächlich innerhalb weniger Wochen bei meiner Hausärztin gesagt hier sieht's aus Ich war jetzt aus diesem Lochhaus, aber ich brauchte trotzdem Unterstützung.

01:23:21: Das ging ja auch nicht nur darum, dass meine Mutter tot war sondern die ganzen Jahre davor, die Pubertät, die mir gefehlt hat und ich habe dann eingesehen das ich mir Hilfe suchen muss in Form von Gesprächstherapie und ich glaube das waren insgesamt dann dreieinhalb Jahre wo man halt sich selber auch kennengelernt hat.

01:23:40: Also es ist ja nicht dieses, wie man's in Filmen sieht... Wie gehts Ihnen?

01:23:43: Auch mir geht's schlecht!

01:23:45: Dann machen Sie dies und jenes, dann geht sie besser und tschüss!

01:23:48: Sondern das ist ja dieses Einzelber kennenlernen.

01:23:51: Warum bin ich jetzt so, wie ich

01:23:53: bin?!

01:23:53: Wie hat mich nicht nur der Tod sondern ihr ganzes Leben auch mich geprägt und verändert.

01:23:58: Und das hat so viel geholfen weil ich eben weiß meine Schuldgefühle waren nicht am rechten Platz.

01:24:06: Oder ich musste mir keine machen und ich bin auch nicht schuld an dem Tod meiner Mutter, was ja auch eine große Frage war damals

01:24:13: klar.".

01:24:14: Jetzt wo du das alles reflektiert hast, was denkst du über deine Großeltern und ihre Rolle in der Erkrankung deiner Mutter?

01:24:23: Also, man kann es nicht in freundlichen Worten ausdrücken was ich über meine Großeltern denke und ich habe auch seit gutem Vierteljahr keinen Kontakt mehr zu denen.

01:24:32: Ich hab's lange versucht nach dem Tod meiner Mutter weil ich ja irgendwo auch dachte Menschen haben ihre Tochter verloren.

01:24:39: Ich bin die Einzige die sie noch haben.

01:24:42: Gedanke ist gar nicht mehr präsent, weil es sind so viele Momente gewesen wo ich mich so verraten gefühlt habe von denen und jedes mal wenn wenn den irgendwas nicht gepasst hat kam der spracher deine mutter hätte sich geschämt.

01:24:53: Deine Mutter würde sich im grabe rumdrehen.

01:24:55: und kein Wunder dass deine Mutter gestorben ist.

01:24:58: und irgendwann also ich hab's wie gesagt erst habe Ich versuch Verständnis zu zeigen weil klar deren Tochter ist gestorbt.

01:25:07: aber irgendwann habe ich gedacht Ja, aber ich bin die Einzige, die noch da ist.

01:25:11: Und so gehen sie mit mir um.

01:25:13: Funktioniert nicht.

01:25:15: So und irgendwann hab' ich den Kontakt abgebrochen.

01:25:19: Meine Mutter hat auch schon zu Lebzeiten gesagt, wenn du irgendwann die Chance hast dann zieh's soweit weg wie möglich von deinen Großeltern.

01:25:25: das hat sie immer gesagt.

01:25:27: Und jetzt weiß ich auch warum mittlerweile?

01:25:30: Wie fühlt sich das für dich heute an?

01:25:32: zur Wissen dass du keinen Kontakt mehr mit ihnen hast?

01:25:35: Viel besser!

01:25:36: Also... teilweise auch als Seelenfrieden bezeichnen, weil das was meine Mutter jahrelang abgekriegt hat haben sie versucht auf mich zu projizieren von wegen ja jetzt sehr auch besser machen können.

01:25:49: und nee und so weiter.

01:25:51: Und das passt uns nicht!

01:25:52: Warum machst du das nicht so?

01:25:54: Dann habe ich immer gesagt es ist mein Leben Es kann euch scheißegal sein Was ich mache wie ich's mache wo ich irgendwas mache.

01:26:06: Es ist mein Leben, ich habe es bisher geschafft und ich schaff's auch ohne euch.

01:26:10: Und wie gesagt, das geht mir verdammt gut ohne meine Großeltern!

01:26:14: Ja...

01:26:15: Jetzt bist du in einem ähnlichen Alter wie wir und das heißt also so viele Jahre hattest du jetzt noch nicht auf dieser Erde.

01:26:22: aber du kannst ja nichtsdestotrotz darüber reflektieren, wie die Jahre für dich waren bis hierher.

01:26:29: und wenn du darüber nachdenkst und jetzt dein jüngeres Ich vor dir hättest, dein fünfzehnjähriges Was würdest du dem sagen?

01:26:38: Ich würde sagen, es wird besser.

01:26:41: Also das wäre tatsächlich so die Überschrift, die ich sagen würde.

01:26:45: Das ist besser, dass ich mir nicht so viele Sorgen machen soll, dass was passiert nicht deine Schuld ist und dass es besser wird.

01:26:55: Dass wir's heraus schaffen bis wir... Alt genug sind, würde ich fast sagen.

01:27:01: Aber dass wir irgendwann unser eigenes Leben haben und daraus machen können was wir eben machen wollen.

01:27:06: Gibt es etwas was du deiner Mutter sagen würdest wenn sie dich heute so sehen könnte?

01:27:13: Also ich glaube meine Mutter wäre so oder so stolz das ich Bestatterin geworden bin weil das immer so ein interessantes Thema auch für Sie war und dass sich ja auch für andere Leute da sein kann in dem Sinne.

01:27:26: Aber ich würde meiner Mutter sagen, dass es mir Leid tut.

01:27:28: Dass halt keiner da war für sie also im Sinne von ernsthafte Unterstützung klar Ich war da das weiß ich auch aber Sie hatte nicht den richtigen Partner Sie hatte Nicht die richtigen Eltern Die ihr mit ihrer Liebe hätten helfen können.

01:27:46: Ja wie gesagt dass mir das leidtut dass sie irgendwann nicht mehr die Kontrolle drüber hatte aber dass ich hier nicht böse bin dass ich überhaupt nicht bösen bin und dass sich.

01:27:54: Ich hoffe, dass es ihr gut geht.

01:27:57: Lucia was wünscht ihr für deine persönliche Zukunft?

01:28:01: Also tatsächlich ist mein größter Wunsch irgendwann eine eigene Familie zu haben.

01:28:05: man muss auch sagen meine Mutter hat um Gottes Willen nicht alles falsch gemacht aber ich will's halt noch mal besser machen als sie.

01:28:13: klar ich werde keine Mutter die ein Alkoholproblem hat.

01:28:17: Ich werde meiner Tochter nie das Gefühl geben, dass sie sich zu Hause nicht sicher fühlen können.

01:28:27: Wie gesagt, man darf es nicht so sehen, dass meine Mutter eine grausige Mutter war aber ich differenziere das zwischen der Mutterfigur und ihrer Krankheit.

01:28:36: Lucia du bist wirklich ne wundervolle Frau, ne ganz tolle!

01:28:40: Du kannst wirklich stolz auf dich sein und deine Mutter hatte die richtige Tochter.

01:28:45: Dankeschön

01:28:46: Dankeschön und wir wünschen dir alles Leben und alles Gute für dich in deine Zukunft.

01:29:17: Danke!

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