Magersucht bis zum Nierenversagen: Diäten, Sport, Abführmittel & Entwässerungstabletten #84 Rika
Shownotes
Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Anorexie, Essstörung, Abführmittel- und Medikamentenmissbrauch, Suizidgedanken und einen Suizidversuch. Es geht außerdem um akutes Nierenversagen, Intensivstation und medizinische Notfälle. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.
Rika erzählt, wie ihre Kindheit von Vernachlässigung, Angst und Gewalt geprägt war. Später erlebt sie sexuellen Missbrauch durch ihren Bruder und wächst mit Scham, Unsicherheit und einem brüchigen Gefühl von Sicherheit auf. Mit 16 rutscht sie in Diäten und Leistungssport, Komplimente für schnellen Gewichtsverlust verstärken den Druck. Aus Abnehmen wird Anorexie. Rika hungert, trainiert exzessiv und beginnt, Abführmittel und Entwässerungstabletten zu missbrauchen. Später reduziert sie sogar das Trinken drastisch. Der Wendepunkt kommt, als ihr Körper zusammenbricht, sie auf der Intensivstation landet und Ärztinnen ihr sagen, dass sie die Nacht ohne Behandlung nicht überlebt. Rika berichtet von Kliniken, Fehldiagnosen, Rückfällen, einer spezialisierten Therapie, die ihr Leben rettet, und dem langen Weg zurück zu regelmäßigen Mahlzeiten. Sie erklärt, warum Essstörungen in jedem Körper vorkommen können, auch wenn man es von außen nicht sieht.
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Zeitstempel: 0:00:00 – 0:01:34: Triggerwarnung & Intro 0:01:34 – 0:06:23: Vorstellung Rika und Thema, Kindheit, Eltern, Vernachlässigung, Angst und Gewalt im Zuhause 0:06:23 – 0:12:24: Missbrauch durch den Bruder, spätere Einordnung, erste Klinik 2023 0:12:24 – 0:20:13: Essen als Chaos im Alltag, frühe Scham, Sport und Gewicht als Dauer-Thema 0:20:13 – 0:26:30: Auszug, Essstörung wird laut, Hungern als “meine Regeln” 0:26:30 – 0:35:46: Radikaler Gewichtsverlust, Zuspruch von außen, Leistungseinbruch und Kreislaufwarnzeichen 0:35:46 – 0:44:27: Zusammenbruch, Abführmittel, Klinikaufnahme, Vertrag und Zwang zu essen 0:44:27 – 0:52:53: Entlassung, Suizidversuch, Borderline-Diagnose, Medikamente, Essanfälle und Gewichtssprung 0:55:53 – 1:05:33: Rückfall, Medikamentenmissbrauch, Entwässern, extreme Trinkreduktion, Intensivstation 1:05:33 – 1:16:48: Essstörungsklinik, lebensgefährliche Blutwerte, spezialisierte Therapie, Netzwerkaufbau 1:16:48 – Ende: Essen lernen, Alltag danach, Rat an Betroffene, Wunsch für die Zukunft, Outro
Hier die Links zu Rika: Buch: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1075118432 Instagram: https://www.instagram.com/rika.blg/
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Transkript anzeigen
00:00:00: Also es war dann so, dass ich eine extrem große Menge von diesem extrem ätzenden Apfelmittel genommen habe und dazu noch die Entwässerungstabletten.
00:00:10: Dass ich irgendwann krampfend und zusammengekauert auf dem Badezimmerboden lag und nicht mehr konnte als nur nach meiner Mama zu schreien.
00:00:24: Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Höhrens unseres Podcasts wohl fühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst.
00:00:37: In dieser Episode werden wir Themen ansprechen die für einige Höhrende verstörend sein könnten.
00:00:42: Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.
00:00:45: Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte dann möchten wir dich bitten die Folge direkt zu beenden!
00:01:03: Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne.
00:01:07: Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.
00:01:11: Kein Name, keine Information – keine Themen!
00:01:14: Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.
00:01:17: Ich bin Sanya und ich suche die Gäster hierachtig darauf dass es Menschen mit ehrlichen
00:01:22: berührenden
00:01:23: und bewegenden Geschichten sind
00:01:25: Und genau
00:01:25: diese wollen wir mit euch teilen.
00:01:27: Bist du bereit gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?
00:01:35: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:01:36: Mein Name ist Charlotte, mein
00:01:38: Name ist Zanieh.
00:01:39: Mein name ist Rika und ich bin aus Grund meiner Anorexie und darauf folgende Nierenversagen fast gestorben.
00:01:44: Wow!
00:01:45: Hi, Rika.
00:01:47: Vielen Dank, dass du heute hier bist.
00:01:49: Das kam wirklich sehr, sehr berassend für mich.
00:01:53: Sehr mutig, dass Du heute hier Bist.
00:01:54: Deshalb vielen Dimen dank dafür.
00:01:57: Was würdest Du dann sagen?
00:01:58: Wo starten wir in Deiner Geschichte?
00:02:02: Also ich glaube in meiner Kindheit so... weil ich nicht so das einfachste Familienverhältnis hatte.
00:02:09: Wie bist du denn aufgewachsen?
00:02:11: Also, ich bin aufgewachst mit drei Brüdern, meinem Vater und meiner Mutter.
00:02:16: aber das Problem war dass meine Mutter halt die einzige war, die halt Geld gebracht hat und mein Vater sehr faul war.
00:02:27: also er hat nicht wirklich was gemacht und genau deswegen war meine Mutter nie zu Hause und mein Vater hat sich nicht wirklich um uns gekümmert.
00:02:38: Okay, ja ...
00:02:39: War das von ziemlich Anfang an deiner Kindheit so?
00:02:45: Ich weiß es gar nicht so richtig weil ich mich an vieles gar nicht mehr erinnern kann.
00:02:50: also ist tatsächlich so dass wir bis zu meinem fünften Lebensjahr total oft umgezogen sind und das ist auch das einzige was mir so im Kopf geblieben ist von der Zeit.
00:02:59: Ja aber Ich hab halt auch früher nicht so viel mitbekommen.
00:03:02: Also, ich war halt klein und bin nicht aufgewachsen.
00:03:07: Du hast gesagt, ihr seid relativ oft umgezogen?
00:03:09: Ja!
00:03:09: Weißt du weshalb ihr so oft umbezogen seid?
00:03:12: Ähm ... ja schon.
00:03:14: also es war so in dem Haus wo wir gewohnt haben als ich geboren wurde.
00:03:19: das war wohl zu klein.
00:03:21: dann sind wir zu meiner Oma gezogen.
00:03:24: allerdings hatte Also Oma mütterlicherseits, meine Mutter hatte ein recht schlechtes Verhältnis zu dieser Zeit.
00:03:31: Weil sie nie so begeistert davon war ... Meine Oma war nie begeisterd, dass mein Vater mit meiner Mutter zusammen ist und dass meine Mutter relativ früh ausgezogen ist wegen ihm und so.
00:03:42: Und es gab halt immer Stress.
00:03:44: also wir haben dann quasi in einem Haus gewohnt mit Großeltern Eltern und drei Kindern Und dann sind wir da irgendwann auch wieder ausgezogen.
00:03:55: Ich weiß noch gar nicht, ob das nur eine Notlösung war oder wie das war.
00:03:58: und in dem Haus wo wir dann gewohnt haben, es war halt die reinste Katastrophe Schimmel.
00:04:05: Irgendwann war ne Gasexplosion im Haus und so... Ja und dann sind ja wieder umgezogen in das Haus wo ich eigentlich meine restliche Kindheit wenn man das so nennen kann verbracht habe.
00:04:17: Du hast gerade eben gesagt dass deine Mama das Geld nach Hause gebracht hat Und dein Vater, wo war der in dieser Zeit, wenn deine Mama arbeiten war?
00:04:24: Zu Hause.
00:04:25: Okay, das heißt er hätte sich eigentlich aktiv um euch kümmern müssen.
00:04:29: Können wir müssen ja!
00:04:31: Was hat er in dieser zeit gemacht, wenn er sich nicht um euch gekümmert hat?
00:04:34: Also... Er hatte halt so ein PC-Zimmer und da hatte er den ganzen Tag drin gesessen.
00:04:41: Wenn ich ihn mal gesehen habe dann hab' ich ihn gesehen weil ich ihm Kaffee bringen musste oder Brötchen bringen musste.
00:04:50: Hat er sich um eure Verpflegung gekümmert in der Zeit, wo eure Mutter nicht da war?
00:04:54: Nee gar nicht.
00:04:55: Also es ist tatsächlich so dass ich mit fünf schon allein in den Kindergarten gegangen bin also zwischen vier und fünf fing das an Und da weiß ich gar nicht so genau wie das war.
00:05:07: Ich mein zu der zeit hat meine mutter sich noch ein bisschen so darum gekümpft dass ich essen mitbekommen und so.
00:05:13: aber Sonst hatte sich eigentlich gar nicht umgekümmert.
00:05:17: Ich war in der Grundschule immer vor der Schule bei einer Freundin Frühstücken, weil die Mutter irgendwann gesagt hat Kind du kannst nicht ohne Frühstück in die Schule gehen.
00:05:26: Und sonst weiß ich gar nicht genau was sich dabei hatte und ob ich was dabei hatte.
00:05:33: also das sind so Sachen die mir nicht im Kopf geblieben sind.
00:05:36: Ich weiß aber dass ich in den ersten fünf Jahren meiner Schulzeit in der Ganztagsschule war.
00:05:42: Genau dann habe ich da natürlich Mittagessen bekommen.
00:05:45: ja
00:05:45: Welche emotionale Bindung hattest du zu deinen Eltern?
00:05:49: Also, ich sage immer mal in der Mutter habe ich kaum gekannt.
00:05:52: Bis ich sechzehn war und zu meinem Vater... Ich weiß nicht.
00:05:58: also es war halt mein Vater aber Es war immer so Angst behaftet weil er auch gerne mal mit Schuhen nach uns geschmissen hat.
00:06:08: oder es gab auch einen Vorfall wo er Wo ich daneben saß, mein Bruder gewirkt hat.
00:06:13: Bis er fast keine Luft mehr bekommen hatte und so Sachen.
00:06:16: Das heißt Liebe und Vertrauen waren nichts was du aus deiner Kindheit kamtest?
00:06:21: Nee nicht unbedingt.
00:06:23: Wie war deine Beziehung zu deinen Brüdern?
00:06:26: Also eigentlich okay.
00:06:30: Nur mein nächst älterer Bruder der war halt sehr schwierig.
00:06:34: also der ist auch mit einer Behinderung auf die Welt gekommen Und wurde viel gehänselt und so sehr aufmüpfig allen Leuten gegenüber.
00:06:45: und mit dem Bruder, der noch älter ist hatte ich eigentlich immer einen guten Draht dachte ich zumindestens.
00:06:55: Ich habe aber lange Missbrauch mit ihm erlebt Und ich weiß nicht ob mich das emotional ein bisschen abhängig von ihm gemacht hat weswegen ich immer gesagt hab es mein Lieblingsbruder ja
00:07:05: Wann hatte das angefangen mit den missbrauchen?
00:07:10: Nicht genau, also es sind wirklich viele Sachen an die ich mich so nicht mehr erinnern kann.
00:07:16: Aber ... Ich hab auch Therapie hinter mir und so.
00:07:20: Und da gehen wir von aus zwischen acht und zwölf Jahren wahrscheinlich nicht über die vier Jahre konstant, aber es ist schon mehrere Male passiert.
00:07:32: Was genaues passiert?
00:07:34: Ähm ja, also sexueller Missbrauch halt.
00:07:39: Ja Konntest du dich da irgendjemandem anvertrauen?
00:07:42: Nee.
00:07:43: Also dadurch, dass ich ja auch ... in einem Alter war, wo ich gar nicht ... Ich konnte damit nichts anfangen!
00:07:51: Also ich wusste gar nicht das was passiert nicht richtig ist.
00:07:55: Man hat natürlich irgendein Gefühl, dass das nicht richtig isst aber es war für mich normal.
00:08:02: also ich hab das so erlebt und ich dachte irgendwie das ist überall so.
00:08:07: Wann hat das genau aufgehört?
00:08:08: Du hast vorhin gesagt zwischen, also so um die vier Jahre plus minus war das bis zwölf.
00:08:13: Was war der ausschlaggebende Grund, dass das aufgehörte?
00:08:16: Es gab gar keinen, es hat einfach aufgeh hört.
00:08:19: Also gab jetzt nicht so den Moment wo's aufgehørt hat.
00:08:22: Das letzte mal war das letzte Mal.
00:08:24: Okay
00:08:25: Meinst du, dass dein Vater das mitbekommen hat wenn er ja zu Hause geblieben ist?
00:08:31: Ich weiß es nicht.
00:08:32: ich gehe aber stark davon aus.
00:08:35: Ich weiß, dass mein nächster älterer Bruder es mitbekommen hat.
00:08:38: Das hat er mir gesagt im Teenie-Alter ... Hat er's halt mitbekommelt?
00:08:43: Der war so um die vierzehn müsste er gewesen sein.
00:08:47: und ja, er hat mir das vor, ich glaub zwei Jahren ungefähr wo das Thema dann so ein bisschen populärer wurde.
00:08:56: für uns hab ich ihn drauf angesprochen und er meinte Er hats mit bekommen aber er hats halt keinem erzählt, weil er war ja selber noch Teenie und ... Ja.
00:09:07: Und mein Vater war halt nicht zu spaßen.
00:09:09: also seine heutige Reaktion die ich kenne von ihm sagt mir alles.
00:09:15: deswegen ja
00:09:17: Wie ist deine heutige reaktion?
00:09:19: Ich hab ihn letztes Jahr einmal drauf angesprochen eigentlich mit der Intention dass ich ihm sagen wollte das er ein super großes Arschloch ist.
00:09:29: ja und dann hat er zu mir gesagt Naja, also A sei es mal dahingestellt ob's wirklich passiert ist oder nicht und B mein Bruder wird ja Gründe gehabt haben.
00:09:42: Was ist da in dir vorgegangen als du das gesagt hast?
00:09:45: Also ich war natürlich wütend aber das war ich sowieso schon.
00:09:49: Ich habe aber an mir gezweifelt hauptsächlich.
00:09:51: also ich hab ganz stark an mir gezweifelte dass alles wirklich so is wie ich Es fühle und wie ich es erlebt hab weil er das mehr oder weniger normalisiert hat.
00:10:06: Und für mich war das ja normal, aber die heutigen Folgen, die ich davon hab sind nicht normal und deswegen ... Ja.
00:10:15: Meinst du deine Mutter wusst du davon?
00:10:17: Nein!
00:10:18: Meine Mama hat gar nichts mitbekommen.
00:10:20: Als ich ihr das gesagt habt, ist dies wirklich aus allen Wolken gefallen.
00:10:24: Du hattest ja noch einen weiteren Bruder.
00:10:27: Hat der das mitbekommt oder hat der das?
00:10:30: Ich glaube nicht, weil er halt schon ausgezogen war zu der Zeit.
00:10:33: Also er hat zwar zwischendurch immer mal wieder bei uns gewohnt, aber sein Zimmer war immer sehr weit weg von unseren Zimmern.
00:10:39: Und es ist auch immer mal im Urlaub passiert und da hatte er nichts mitbekommen weil er halt einfach nicht mit uns im Urlaub war.
00:10:49: Wann ist dir bewusst geworden dass das was da passiert sehr, sehr falsch ist?
00:10:55: Als Kind gar nicht in meiner Jugendzeit habe ich's komplett vergessen.
00:11:01: Ich hab's in ganz viele ... tiefe Schubladen verkraben.
00:11:05: Und es war aber so, dass kurz bevor ich achtzehn wurde ... war halt noch mal ein ähnlicher Vorfall mit jemandem fremden und da hab' ich schon gemerkt, das... Ich mein', da war's natürlich auch der Situation geschuldet.
00:11:22: Ich wollte das alles nicht und ich wurde sehr dazu gezwungen, aber ich habe gemerkt ,dass ich kontinuierlich Angst vor Männern hatte dass sobald es darum ging, auch mit meinem damaligen Freund.
00:11:36: Dass wir uns irgendwie abends treffen oder alleine oder bei irgendeinem Zuhause war für mich gar nicht möglich.
00:11:42: und so richtig realisiert habe ich das dann als ich das erste Mal in die Klinik gegangen bin, im Jahr zwölfundtreinzwanzig weil ich mit der Therapeutin dort halt gesprochen hab und sie die Frage gestellt hat ob ich solche Erfahrungen schon gemacht habe.
00:12:02: irgendwie ist in mir alles zusammengesagt, weil ich halt nicht wusste, dass das ein Auslöser dafür sein kann, bestimmte Symptome zu entwickeln.
00:12:13: Das heißt also, das andere Ereignis was weit in der Zukunft war hat die alten Erinnerungen getriggert?
00:12:20: Ja.
00:12:20: Wodurch du dann Flashbacks oder ähnliches hattest?
00:12:24: Du hattet jetzt gesagt, dass deine Mutter nicht oft für dich da war gerade im Kinder- und Jugendalter und dass die Eltern deiner Freundin sich um dein Frühstück zum Beispiel gekümmert haben.
00:12:37: Wie lange dauerte das an?
00:12:39: Also, ich glaube ungefähr bis zu dem Auszug von meinem Vater war so das erste, also die erste Etappe.
00:12:49: Ich glaub es waren mit vierzehn ungefähr.
00:12:53: Dennoch war mein Mutter halt sehr viel arbeiten aber es war halt so das Verhältnis ein bisschen inniger wurde und dann irgendwann, ich glaub mit sechzehn ungefähr hat's auch wieder aufgehört.
00:13:07: Weil sie dann meinen Stiefvater kennengelernt hat und sie dann frisch verliebt öfter mal bei ihm war.
00:13:15: Im Verlauf deiner Jugend wie hat sich da deine Einstellung zum Essen verändert?
00:13:20: Also es war halt so dass ich das ja generell nicht kannte, dass es so eine mehr regelmäßigkeit gibt.
00:13:27: also Bei uns gab es nicht Frühstück, Mittagabend zu einer gewissen Zeit und nie zusammen.
00:13:32: Sondern wir waren immer auf uns alleine gestellt ob wir essen oder nicht.
00:13:36: Und es war auch meistens so dass Also ich kann mich immer ganz gut daran erinnern als mein Vater noch Zuhause war.
00:13:44: Brötchen gab's nur für ihn und Für uns gab's halt immer Brot.
00:13:48: also Wir hatten eigentlich immer Brott da und auch So Fleischwurst für Aufsbrot.
00:13:54: Aber ich kann mich noch an eine Situation erinnern in der Schule, wo ich ... Ja.
00:14:01: Ich hab mir halt ein Brot geschmiert und wollte das in der Pause essen.
00:14:03: Ich habe reingebissen und es hat ganz komisch geschmeckt.
00:14:06: Also wirklich sehr komisch!
00:14:08: Und ich hab geguckt und die Fleischwurst war komplett verschimmelt was ich so aber vorher nicht gesehen hab.
00:14:13: und ja also wir waren halt schon so auf uns allein gestellt und wenn mal gekocht wurde dann hat mein Bruder meistens Bolognese gekoct.
00:14:23: Ähm, ja.
00:14:25: Das war so ...
00:14:26: Am Wochenende hat deine Mutter auch gearbeitet?
00:14:29: Ja!
00:14:30: Okay, das heißt sie war eigentlich wirklich nie zu Hause als dass sie da auch mitkriegen könnte wie die Verhältnisse eigentlich sind der Alltag zwischen euch stattfindet.
00:14:40: Du hattest jetzt gesagt, dass ihr immer auf euch gestellt wart, dass es keine regelmäßigen Mahlzeiten gab.
00:14:46: dann kann ja kein normales Verhältnis zum Essen aufgebaut werden.
00:14:52: Wie hat sich das bei dir gezeigt?
00:14:54: Also es war so, dass ich glaube bis zur elften Klasse war alles so... Ich würde sagen mehr oder weniger normal.
00:15:04: Und dann war das aber so, da es mit sechzehn anfing als ich dann in die elfte Klasse kam Dass ich angefangen habe Diäten zu machen weil ich durch mein unregelmäßiges Essverhalten und auch bisschen durch die Gene schon immer sehr schwer war.
00:15:24: Ich habe auch immer Leistungssport gemacht, also ich hab mit fünf mit Tech Vendou angefangen und das war dann aber so nach der Pubertät... ...ich bin halt aufgegangen wie ein Hefe-Kloß!
00:15:35: Und ja, dann war das so dass sich dann etliche Diäten ausprobiert haben Keto gehen Trinkmalzeiten, Sechzehn Acht oder FDH, also Frist die Hälfte.
00:15:50: hat deine Außenwelt hier signalisiert, dass du nach deinem Empfinden zu moppelig bist?
00:15:56: oder wie bist du darauf gekommen?
00:15:58: Also ich kann mich an eine Sache erinnern die für mich immer ganz schlimm war.
00:16:03: Wenn wir uns mit der Familie zur Weihnachten getroffen haben bei meiner Oma wurde ich halt quasi in die Mitte gestellt.
00:16:10: mir wurden Klamotten von meiner Tante dahin geschmissen und es wurde gesagt probieren.
00:16:14: Und meine tante waren natürlich die waschen erwachsen weit aus größer als ich Und es hieß halt immer, ihre Klamotten kann ich ertragen.
00:16:22: Weil ... Ich bin ja pummelig genug so und meine Oma, ihr hat meine Figur nie gefallen.
00:16:29: also sie hat immer gesagt Kind machst doch Sport erst mal weniger oder so.
00:16:35: Welche Gefühle sind denn dir freigesetzt worden wenn deine Oma dir sowas gesagt hat?
00:16:40: Ich hab mich halt immer geschämt weil ich mich gefühlt habe als würde ich vorgeführt werden vor der ganzen Familie Also inklusive Kussers, Onkel.
00:16:52: Welche Rolle hat der Sportbeitiger gespielt?
00:16:57: Es ist halt eine Gewichtsklasse-Sportart.
00:16:59: demnach fing das auch schon sehr früh an dass es natürlich immer hieß Dass ich für meinen Alter nicht in der entsprechenden Gewichtsklasse bin und so hatte ich's halt auch immer schwerer.
00:17:09: Meine Gegner waren halt immer größer als ich Und ich musste mich da ein bisschen durchkämpfen.
00:17:15: dann Ja und so war eigentlich dann auch schon relativ früh mein Gewicht halt immer Thema.
00:17:22: Wie hast du dich dabei gefühlt, wenn etwas wie Sport was ja eigentlich eher Ausgleich gibt dir das Gefühl gegeben hat Du seist zu schwer?
00:17:32: Ich habe mich glaube ich einfach grundsätzlich geschämt also... ...ich hab' mich immer und überall geschäm't.
00:17:42: Warum wurde dir im Sport signalisiert, dass du zu schwer bist?
00:17:45: Weil das bedeutet doch eigentlich nur in Anfangszeichen, dass Du in eine andere Gewichtsklasse kommst und dann mit entsprechenden anderen die in derselben Gewichtssklasse sind.
00:17:55: Ja.
00:17:56: Kämpfst nenn ich's mal!
00:17:58: Warum ist dieses Gefühl bei Dir geweckt worden?
00:18:00: Also es war so um die zehn Jahre ganz schlimm also um das Alter herum weil ich halt nicht mehr gewachsen bin.
00:18:09: irgendwann also alle sind.
00:18:11: Ich bin natürlich noch gewachsen, aber es war jetzt so ... alle waren immer größer.
00:18:16: Also ich hatte Gegner vor mir stehen, die im Kopf größer waren und da hat man's halt weil das eine Vollkontakt-Sportart mit Kopftreffern, mit allem.
00:18:26: Und wenn der gegenüber längere Beine hat und das gegenüber wiederum kleiner ist dann hat man easy Punkte drin.
00:18:35: Das heißt also der Galt erst mal in Anfangszeichen nur das Gewicht um gar nicht so sehr die Kürpergröße entscheiden oder für relevante Empfunden wurde, um ein ähnliches Maß herzustellen.
00:18:46: In meinem alten Verein ja.
00:18:47: Ach
00:18:47: krass!
00:18:48: Das ergibt ja eigentlich wenig Sinn?
00:18:49: Da ging es tatsächlich grundsätzlich nur um das Gewicht.
00:18:53: Also selbst mein Trainer hat mir mit teilweise acht neun Jahren schon die ersten Diäten empfohlen, den ich zu der Zeit noch hatte.
00:19:04: Ich habe irgendwann in dem Verein auch gewechselt aber da war das schon sehr so.
00:19:10: alle In den untersten Gewichtsklassen waren für ihn die besten.
00:19:16: Und es ist egal, welche Leistung man gebracht hat ... Man war schwer also war's nie gut genug.
00:19:22: Was hat das für dich an Emotionen ausgelöst wenn du wusstest?
00:19:26: Du wirst in eine höhere Gewichtsklasse einsortiert.
00:19:30: Ich fand halt... Also auch eigentlich mehr Scham als alles andere.
00:19:36: Also ich hab immer nur Scham gespürt weil das Ich weiß nicht, es war auch immer super peinlich für mich, wenn er mich vor dem ganzen Verein vorgeführt hat oder wenn der Eltern irgendwie was erzählt hat.
00:19:47: Was ich mir dachte, das stellt mich halt ein total schlechtes Licht also... Ich weiß dass das teilweise so war, wenn ich Wettkämpfer hatte.
00:19:56: viele Kinder hatten dann mit ihren Familien komplettes so'n Picnic-Menü dabei und bei mir wurden verpackte Schokoprytchen und Gummibärchen in die Tasche geschmissen.
00:20:06: Und so hat er mich halt immer vor geführt Ja, die Rika, die mit ihren Gummibächeln durch die Halle läuft.
00:20:13: Und die anderen, die sie mit ihren gesunden Broten und Salat- und Fleischwurst oder sowas durch die Halle
00:20:19: laufen.".
00:20:21: Wann bist du dann aus diesem Umfeld ausgezogen?
00:20:24: Also von deinem Elternhaus ausgezogen.
00:20:27: Also eigentlich direkt mit achtzehn.
00:20:30: Meine Mutter hat mich mehr oder weniger vor die Tür gesetzt weil es war halt so ich habe gerade zu der Zeit auch meine beste Freundin verloren Und dann war das so, dass es immer ... Ich hab halt zu Hause nicht mehr wirklich was hinbekommen.
00:20:45: Nur noch rumgelegen und ich hab's mit der Schule nicht mehr so gepackt.
00:20:49: Dann hat mein Stiefvater ja noch zu der Zeit bei uns gewohnt.
00:20:54: Das Verhältnis war auch nicht einfach am Anfang.
00:20:59: So war das dann, dass ich mit achtzehn quasi gesagt bekommen habe, zieh aus!
00:21:06: Und ich hab auch am gleichen Abend erst mal meine Sachen gepackt und wollte auch gehen, weil ich dachte sie setzt mich jetzt so richtig von jetzt auf gleich vor die Tür.
00:21:14: Weil sie das mit meinem Bruder auch gemacht hatte.
00:21:17: aber ich bin meinig nach zwei Tagen wieder nach Hause und ich hatte dann auch Zeit mir eine Wohnung zu suchen.
00:21:22: und so
00:21:23: was hat es mit dir emotional gemacht als deine Mama gesagt hat dass du ausziehen sollst?
00:21:29: An dem Tag wo das kam war's halt so dass ich mit meiner also ich hatte zwei beste Freundinnen Und die andere saß mit mir in meinem Zimmer.
00:21:40: Wir waren eigentlich gut drauf, dann kam meine Mutter rein und hat mir einen Brief gegeben.
00:21:45: Den habe ich halt gelesen ... Es war eine Mischung gefüllt aus allen Emotionen.
00:21:53: Ich fand es irgendwie so in der einen Hinsicht lächerlich, weil ich mir dachte, ziehst du jetzt das Gleiche?
00:22:01: Was du mit meinen Bruder abgezogen hast auch mit mir ab!
00:22:04: Dann war ich super wütend und enttäuscht.
00:22:07: Irgendwie hab ich auch gedacht, na gut jetzt hat meine Mutter einen neuen Mann im Leben.
00:22:11: Das heißt die Kinder sind dann irgendwie egal.
00:22:14: und zur anderen also so... Ich habe natürlich auch voll geheult!
00:22:19: Also es war eine Achterbahn aus verschiedenen Gefühlen.
00:22:25: Du hast jetzt vorhin ein bisschen angeschnitten dass die Beziehung zu deiner Mama schwieriger wurde?
00:22:31: Ich stelle mir jetzt noch so ein bisschen die Frage was war ihre Begründung in diesem Brief warum du denn zu Hause deinen sicheren Ort verlassen solltest?
00:22:40: Ja, es war so die Zeit.
00:22:42: Ich bin mehr oder weniger ein bisschen in den Fußstapfen meiner Mutter getreten.
00:22:48: Ich hab angefangen zu arbeiten und direkt eine Fähre von ihr bekommen.
00:22:52: Also ich habe bei dem Einzelhandel gearbeitet.
00:22:55: Dadurch dass ich super überfordert mit der Arbeit war und irgendwie auch mit dem Sport.
00:23:00: dann hatte ich noch einen Pferd.
00:23:02: Und ich hab zuhause nichts auf die Reihe bekommen.
00:23:04: also mein Zimmer war immer ordentlich, aber ich habe halt andere Dinge vernachlässigt.
00:23:11: Also im Haushalt helfen war gar nicht mehr.
00:23:14: und ja...
00:23:16: Und das war der Grund wieso sie gesagt hat jetzt ist hier vorbei?
00:23:20: Ja!
00:23:21: Hatte sie dir mal signalisiert dass sie das nicht in Ordnung findet wenn du da an der einen oder anderen Stelle nicht hilfst?
00:23:28: Ich glaube nicht so direkt eher so hinten rum.
00:23:32: Es fing dann irgendwann an, dass sie gesagt hat du verdienst jetzt so viel eigenes Geld.
00:23:35: Du kannst jetzt auch ein bisschen was dazugeben am Miete Ja und dann immer wieder so.
00:23:42: Ich glaube das ding war auch einfach.
00:23:44: meine mutter war super deugestresst die war den ganzen tag weg Und wenn sie nach hause kamen und da noch haushalt machen musste das war für sie halt ultra.
00:23:52: Wir schissen.
00:23:54: es kann ich auch verstehen.
00:23:55: aber heute denke ich mir mir ging's nicht anders.
00:23:58: also ich bin ja auch schon arbeiten gegangen und ich hatte das Pferd, den Sport.
00:24:03: Und irgendwie ... Ja, war das alles so... Es wurde dann halt einfach super schwierig.
00:24:12: also Das Verhältnis zu meiner Mutter hat auch richtig aufgekracht gerade auch wegen der Arbeit weil wir oft Meinungsverschiedenheiten hatten und Weil sie zu der Zeit auch noch meine Vorgesetzte war.
00:24:24: Wir haben zu Hause quasi nur noch über die Arbeit geredet gar nicht mehr über uns.
00:24:29: Ja.
00:24:29: und dann war das halt so, dass meine Mutter glaube auch mit dem Einfluss meines Schliefvaters irgendwann gesagt hat ich muss jetzt gehen.
00:24:40: Würdest du heute sagen, dass die Beziehung zwischen euch zu diesem Zeitpunkt eher leistungsorientiert war?
00:24:47: Ich glaube, dass unsere Beziehungen quasi immer leistingsorientiert waren.
00:24:52: Würdest du behaupten, dass du diesen Ich nennst oder unterstellst dir mal diesen Perfektionismus den du angestrebt hast in allem so gut zu sein, dass du das auf Basis der Beziehung zu deiner Mutter gemacht hast?
00:25:05: Ich glaube vielleicht nicht unbedingt.
00:25:09: Es war immer eher so, dass ich schon für mich sehr doll einen Drang zum Perfektionismus hatte.
00:25:17: Das heißt es waren nichts was deine Mutter per se eingefordert hat oder unterschwellig vermittelt hat sondern das war intrinsisch motiviert von dir
00:25:27: auch ja
00:25:28: Als du denn ausgezogen bist und dein eigenes Heim hattest, wie hat sich da dein Verhältnis zum Essen gezeigt?
00:25:36: Ja also es war so dass Also ich muss nochmal kurz zurück auf Kurzformauszug.
00:25:43: Das ist da schon anfing das ich manchmal tagelang nichts gegessen habe Und das ist dann Leuten in meinem Umfeld aufgefallen und dann Habe ich halt wieder gegessen Und das ging dann immer so weiter.
00:25:57: Als ich ausgezogen bin, stand ich in meiner Küche und dachte mir, krass mein Reich, meine Regeln!
00:26:04: Da kam die Erstörung richtig durch und hat mir quasi verboten, Lebensmittel in meinem Kühlschrank oder irgendwo im Haus zu haben.
00:26:15: So fing es an...
00:26:19: Erststörung.
00:26:19: würdest du sagen, dass sie zu dem Zeitpunkt als du dann alleine gewohnt hast lauter wurde in deinem Kopf?
00:26:25: Auf jeden Fall.
00:26:26: Ja also zu dem Zahltpunkt ist sie richtig präsent geworden.
00:26:30: War dir bewusst das du eine Erststörung hattest?
00:26:33: Nein ich dachte jeder andere auf dieser Erde aber nicht ich.
00:26:36: Also ich dachte wirklich Ich habe mich sehr doll mit dem Thema befasst weil auch meine Mutter lange eine erststörung hatte.
00:26:45: Aber ich dachte Ich war im Normalgewicht eher sogar eigentlich zu der Zeit ja noch in einem starken Übergewicht.
00:26:54: Und ich hab halt quasi wie jeder Mensch da draußen diese Krankheit stigmatisiert, Erststörung gleich die Person muss total abgemagert sein und das war ich halt nicht.
00:27:04: deswegen war für mich nicht klar dass ich mich da auf ganz gefährliche Bahnen begebe.
00:27:13: wenn du mehrere Tage nichts zu dir genommen hast Dann muss das ja auch Konsequenzen für dich und deinen Körper gehabt haben.
00:27:22: Wie hat sich das bemerkbar gemacht?
00:27:24: Anfangs gar nicht, weil wie gesagt ich war in einem dollen Übergewicht und mein Körper hat sich denke mal noch von den Rücklagen die ich hatte was genommen.
00:27:38: aber natürlich... Es gab so schleichende Symptome.
00:27:41: Also es fing dann irgendwann an, dass ich auf der Arbeit stärkere Asthmaanfälle hatte was man gar nicht damit in Verbindung bringen würde.
00:27:48: aber mein Körper hat halt einfach so auf gewisse Weise geschwächelt und dann ging das auch irgendwann weiter mit so das übliche mit Haarausfall.
00:27:59: die Periode bleibt aus Ich hatte Schwindelattacken mir war andauern schlecht.
00:28:03: also ohne bin ich nie aus dem Haus gegangen.
00:28:07: Hast du aufgehört zu essen mit dem Ziel abzunehmen?
00:28:10: Ja.
00:28:11: Was hast du noch getan, um dieses Ziel zu verfolgen?
00:28:15: Also ich hab das mit dem Sport intensiv weitergemacht aber teilweise noch mehr intensiviert.
00:28:24: also ja also ich bin öfter zum Training gegangen Ich habe dann auch den Verein gewechselt gehabt und bin dann jeden Tag zum Training gefahren egal was für weite Strecken das waren.
00:28:34: Ich habe teilweise auf der Arbeit das so gemacht, dass ich hatte ja einen sehr anspruchsvollen ... Also mein Job war halt anspruchsholl in Bewegung.
00:28:43: Und ich bin teilweise extra runden in der Fäge alle gelaufen oder bin teilweise extra hab was im Büro liegen lassen damit wenn ich dann im Lager bin wieder ins Büro zurückgehen kann und so.
00:28:56: So war das dann.
00:28:57: Dann war es auch irgendwann so, dass wenn ich frei hatte, war für mich ganz wichtig morgens trainieren zu gehen oder spazieren und abends dann zum Sport.
00:29:08: Und ja, das war so womit es angefangen hat.
00:29:13: Wie viel hast du dir zu dem Zeit gewogen?
00:29:16: Also angefangen hatte ich mit knapp neunzig Kilo und ähm
00:29:21: ...
00:29:22: Ja, dann war ich halt nach einem halben Jahr bei sechszig ungefähr.
00:29:25: Bei welcher Körpergröße?
00:29:27: Ein Meter sechsenzig.
00:29:29: Das muss ja auch Menschen in deinem Umfeld aufgefallen sein, dass du in so schneller Zeit so viel abgenommen hast.
00:29:35: Ja...
00:29:35: Was hat das mit dir gemacht?
00:29:37: Es gab halt Zuspruch!
00:29:39: Also es war immer, boah, das ist so schön, dass Du abgenommen bist und alles so toll und Du machst was super.
00:29:46: und jetzt siehst Du ja richtig, Du strahlst richtig, du siehst richtig schön aus und das hat mich gepusht.
00:29:55: also für mich war klar Ich muss immer weiter und ich habe mir, bevor ich bei den Sechzig Kilo angekommen war ein Tattoo stechen lassen.
00:30:05: Wo ich mir einen Zielgewicht mitgesetzt hab.
00:30:08: also da steht jetzt nicht Ziehgewicht so und so sondern da stand mein Gewicht zu der Zeit wo ich das Tatto stehen stechen lasse und das Gewicht wo ich raus kommen will.
00:30:18: so Sachen habe ich dann gemacht weil ich dachte es steht auf meiner Haut.
00:30:21: da muss ich auch hin.
00:30:23: Was hat das emotional mit dir gemacht, wenn Menschen dir signalisiert haben, dass du plötzlich aufblüßt und wunderschön aussiehst?
00:30:32: Es hat mich unglaublich gepusht.
00:30:34: Also ... Mit jedem Mal, wo jemand gesagt hat, dass mir zugesprochen hat was ich tue war für mich klar, ich werde damit nicht aufhören Und es hat mich superglücklich gemacht.
00:30:47: So stelle ich mir jemanden vor der irgendwas einschmeißt dafür.
00:30:51: Diese Komplimente haben ja deine Essstörung richtig gefüttert.
00:30:56: Ist dir irgendwann zu dem Zeitpunkt, bis du bei den Sechzig Kilo warst, ist dir da irgendwann der Gedanke gekommen?
00:31:03: Dass das was du tust ziemlich ungesund für dich ist?
00:31:06: Nein gar nicht!
00:31:08: Es war so dass eigentlich es eher so war, dass meinem Trainer das besonders aufgefallen ist und er mich jedes mal darauf angesprochen hat und ich habe das eigentlich immer so romantisiert dass kein Problem ist, das ich ja einfach nur abnehmen möchte.
00:31:26: Und es war dann tatsächlich auch irgendwann so, dass er versucht hat mit allen Mitteln mich da aufzufangen und rauszuholen, was er halt gesagt hat.
00:31:39: Das nächste Mal wenn ich zum Training komme und wieder auf Toilette verschwinde weil mir schlecht wird oder wenn ich wieder weißer als ne Wand bin, darf ich den nächsten Wettkampf nicht mitfahren war der Sport halt alles.
00:31:49: Ich wollte jedes Training mitnehmen, ich wollte jeden Wettkampf mitnehmen.
00:31:53: Ich konnte nie genug kriegen und so war das dann.
00:31:59: Und dass ich es glaube ich so das erste Mal realisiert habe, war der Tag wo ich in die Klinik gekommen
00:32:06: bin.".
00:32:07: Das muss deine Leistungsfähigkeit ja auch irgendwie gesunken haben oder nicht?
00:32:12: Also sowohl energetisch, es geht ja bei dir viel um Körperkraft, die du ja aufwenden musst Bei dem Sport und gleichzeitig auch in deinem Job.
00:32:21: Da hast du ja auch geistig sehr gefordert, hast du da energetisch im Konzentrationsveränderung gemerkt?
00:32:27: Dass du schwächer wurdest?
00:32:28: Hast du da irgendwas
00:32:29: gemerkt?".
00:32:30: Teils teils!
00:32:31: Also manchmal ja extrem und manchmal sogar eher am Gegenteil.
00:32:34: also es war so dass ich auf der Arbeit natürlich richtige Konzentration Probleme hatte.
00:32:41: dann kam noch das ADHS oben drauf.
00:32:43: also das war dann nochmal mit mehr... Konzentrationsproblemen und durcheinander verbunden.
00:32:50: Und dann war es halt auch so, dass ich dann teilweise morgens mit meinen vier Obstpaletten da stand und schon die vier Bananenkisten gesehen habe und dachte wie soll ich die jemals noch hoch bekommen?
00:33:03: Dass ich schon so richtig gemerkt hab, ich hab gar keine Kraft und gar keine Lust!
00:33:08: Ich war auch immer ultra gereizt.
00:33:10: Ich weiß heute gar nicht mehr, wie oft ich Mitarbeiter ... angeschrien habe bei dem kleinsten Fehler und wie unfair ich teilweise war.
00:33:22: Andererseits war es dann aber auch so, wenn ich nach der Arbeit zum Sport gefahren bin und die Halle betreten hab, hatte ich auf einmal ... Die Power meines Lebens!
00:33:34: Ich hab mir natürlich auf der Fahrt zwei energies vorher reingefiften.
00:33:39: Es ist natürlich aufgefallen im Training.
00:33:41: Mein Trainer hat gesagt, dass er massiv an Leistung verloren hat.
00:33:45: Für meinen Teil, für mich war der Sport immer so ein richtiger Push.
00:33:49: Ich hatte immer richtig viel Energie, wenn ich dahin kam.
00:33:53: Wenn du sagst, dass deine körperliche Leistung im Sport abgenommen hat ... Wie hat sich das in deinem Kreislauf gezeigt?
00:34:00: Weil ... Sechzig Kilo wiegen und vorher also ... Du hast jetzt ca.
00:34:05: dreißig Kilo abgenommen.
00:34:08: Das muss ja sehr viel mit deinen Kreislaufen gemacht haben!
00:34:11: Ja... Mir war extrem oft schlecht.
00:34:16: Deswegen bin ich extrem oft während des Trainings auf Toilette gerannt, weil ich dachte, ich muss mich übergeben.
00:34:22: und es war auch so dass mir richtig oft schwarz vor Augen wurde.
00:34:28: und das war auch einmal so, dass mein Trainer glaube ich kurz davor war den Krankenwagen zu rufen, weil Ich hab ihn zu der Zeit ein bisschen veräppelt.
00:34:37: also ich habe das tatsächlich.
00:34:41: Ich bin zum Arzt gegangen und habe dem Arzt gesagt, ich hab irgendwie das Kreislaufprobleme.
00:34:46: Und er hatte meinen Blutzucker gemessen, der war relativ niedrig.
00:34:50: Ich hab halt nicht gegessen!
00:34:51: Dann hab' ich den Arzt auch angelogen, hab' gesagt es ist alles normal, ich ess normal und so... ...und sein Auftrag war dann, dass ich glaube ich über zwei Wochen mehrmals am Tag mein Blutzuckermessen musste.
00:35:05: Und das habe ich meinem Trainer auch so gesagt, dass es alles aufgrund von medizinischen Tests ist und wir nur abchecken wollen ob mit mir alles okay ist.
00:35:13: Das ist deswegen meinem Kreislauf nicht so gut geht.
00:35:17: Es war dann einmal so, dass ich im Training ... Ich hab gemessen also mein Weckart geklingelt, war messen und ich hatte ein Blutzucker von drei in fünfzig.
00:35:24: Und das ist ja schon sehr niedrig und so kurz vorm Kollapsgefühl.
00:35:29: Und ich bin aufgestanden und wollte... weiter trainieren.
00:35:32: Und mein Trainer hat gefragt, wie ist dein Blutzucker?
00:35:35: Ich habe ihm das gesagt und er hat es erst nicht ganz verstanden.
00:35:39: Meine Trainingspartnerin hatte das mitbekommen und sie ist dann zu ihm hin.
00:35:41: Er hat gesagt du kannst ihn nicht mit fünfzig weiter trainiern lassen.
00:35:46: Als der mich hingesetzt hat, habe ich auch richtig gemerkt dass mein Kreislauf runtergefahren ist.
00:35:51: Es war so, dass ich schläfrig wurde und gar nicht mehr so viel mit bekommen hab.
00:35:55: Ja...
00:35:56: Wann kann das Thema Klinik für dich auf?
00:36:01: für mich selbst erstmal gar nicht.
00:36:03: Es war dann so, dass wie gesagt mein Trainer schon sehr eindeutig... Also mir klar gemacht hat das er möchte, dass ich Hilfe bekomme und mir Hilfe suche.
00:36:17: Und Dann war das so Dass Ich nach einem Training nach Hause gekommen bin und ich hatte einen Apfel gegessen Nach dem training und als ich nach hause kam Das war katastrophal für mich.
00:36:33: Also, ich hab richtig gemerkt, dass das irgendwas mit mir gemacht hat.
00:36:38: Dass ich richtig wütend auf mich selber wurde und dachte ... Ich habe nicht durchgezogen, keine Durchhalte vermögen.
00:36:46: Und ich hab dann halt ganz viel Apfelmittel geschluckt.
00:36:51: Hing dann über der Toilette und ich hab meine Mutter angerufen.
00:36:54: Ich hab gesagt, ich kann nicht mehr.
00:36:56: Ich kann einfach nicht mehr!
00:36:58: Dann kam meine Mutter auch und sie so ... Was machen wir jetzt?
00:37:02: Und dann habe ich gesagt, entweder wir machen jetzt irgendwas oder ich halte das keine drei Tage mehr aus.
00:37:07: Also damit hab' ich nicht gemeint, ich will jetzt wieder normal essen weil so einfach ist es nicht sondern damit hab', ich meinte entweder es passiert was ohne... Ich sorg dafür dass sich nicht mehr die Augen aufmache und sie hat mich eigentlich gleich gepackt und in die Klinik
00:37:23: gefahren.".
00:37:25: Du hattest ja im Anfangszeichen nur ein Apfel gegessen.
00:37:30: Warum hat dich das so fertig gemacht?
00:37:33: Weil ich es mir nicht erlaubt habe.
00:37:36: Ich hab für mich gesagt, mein Essen habe ich teilweise an meinem Programm am Tag gerichtet und ich weiß noch an dem Tag dass das Training relativ schlecht gelaufen ist also dass sich wirklich körperlich sehr... Also sehr schlecht drauf war und das ich einfach nicht konnte hab meinen Beinen kaum gehoben bekommen.
00:38:02: Und ich habe diesen Apfel trotzdem gegessen, weil auf der Heimfahrt oft mal in so einen Sekundenschlaf gefallen bin und dachte, irgendwas ist ja nicht richtig.
00:38:13: Dann war das so Intuition, dass sich dann den Apfel gegessen hatte, den ich mir an dem Tag aber nicht verdient hatte.
00:38:20: Als du in die Klinik gekommen bist, war das eine stationäre Aufnahme?
00:38:26: Ja!
00:38:27: Dieser erste Moment, als dann klar war okay jetzt bleibst du hier.
00:38:31: Was hast du dabei gefühlt?
00:38:33: Also es war ja so dass wir in unsere Sektorklinik gegangen sind und ich saß da bei der Ärztin drin und hatte ihr halt von der ich sag mal Problematik erzählt und hab's aber selber total verharmlost.
00:38:48: also habe gesagt ja ich hab halt ein bisschen Schwierigkeit mit dem Essen aber was soll schon?
00:38:51: mein Körper kann sehr gebrauchen Und sie ist tatsächlich in dem Gespräch damit gegangen Und dann war erst mal gar nicht klar, dass ich da bleibe.
00:38:59: Meine Mutter hat irgendwann den Satz wiederholt, den ich gesagt habe ... Dass ich gesagt hab, wenn jetzt nichts passiert, dann sorg ich in drei Tagen dafür, dass Ich nicht mehr aufstehe.
00:39:12: und dann hat die Ärztin eigentlich beschlossen mich dazu behalten.
00:39:17: Es war halt... Ich saß an diesem Zimmer und konnte das alles gar nicht greifen.
00:39:24: Ich hab meinem Trainer ein Foto geschickt.
00:39:26: Wow!
00:39:27: Hätte ich nicht von dir erwartet.
00:39:29: Ich habe gesagt, ich auch nicht und morgen gehe ich bestimmt schon wieder so.
00:39:34: Das heißt du warst emotional noch gar nicht bereit dafür dich da wirklich drauf einzulassen dass du da jetzt bleibst?
00:39:42: Nein, gar nicht.
00:39:43: Und etwas an deinem Verhalten oder an deinm Verhalten arbeitest?
00:39:47: Gar nicht.
00:39:47: Ich wusste ja nicht mal das an meinem Verhalten was falsch ist.
00:39:51: Du warst auf einer geschützten Station?
00:39:53: Ja
00:39:54: Wie war das dort?
00:39:55: Weil auf einer geschützten Station wird man ja recht viel überwacht, die ... Das Personal guckt viel auf die Patienten.
00:40:02: Wie war es für dich und deine Essgewohnheiten?
00:40:06: Also ich sag mal, die ersten zwei Wochen haben die mich halt an der langen Leine gelassen so.
00:40:10: Die ersten zwei wochen trotzdem nicht gegessen.
00:40:13: Ich hab nicht einmal den Speisesaal betreten.
00:40:16: Und sonst ging's mir quasi gut.
00:40:19: Also ich hab genau dasselbe weitergemacht was ich sonst gemacht habe.
00:40:24: Die Übergabe an die Stationsärztin war ja okay, sie hat irgendwie eine Problematik mit dem Essen.
00:40:29: Aber nicht kritisch sieht man ja in ihrem Körper und irgendwie so ein bisschen Depressionen Ja.
00:40:36: Und dann war das aber irgendwann so dass Mitpatienten erst mal auf die Pflege zugegangen ist und gesagt hat Sag mal es euch nicht aufgefallen dass sie seit zwei Wochen weder zum Frühstück noch zum Mittagessen noch zum Abendessen geht.
00:40:50: und Es konnte halt erstmal keiner glauben weil Ich kann das ja auch verstehen, also wenn mir mir als Laia erzählt hätte ich teilweise vier Wochen am Stück nichts gegessen.
00:41:02: Dann fragt man sich ob das wahr ist weil es so eigentlich gar nicht funktionieren kann.
00:41:06: Wenn der Körper aber eine gewisse Rücklage hat dann funktioniert er schon und deswegen haben wir das erstmal nicht geglaubt.
00:41:13: Also normalerweise sagt man ja im Grundsatz ein Mensch stirbt nach vierzehn Tagen wenn da nichts ist.
00:41:17: Aber es kommt tatsächlich auf die körperliche Verfassung drauf an einen sehr hohen Muskeanteil im Körper.
00:41:27: Und mein Körper hat halt von den Muskeln
00:41:30: gezerrt.".
00:41:32: Wie hat denn das Team aus Pflegepersonal und Ärztinnen darüber darauf reagiert, als man sie darauf hingewiesen hat wie es dir ging?
00:41:40: Das weiß ich gar nicht.
00:41:41: Bei mir gegenüber haben Sie erst mal gar nicht reagiert.
00:41:44: Ich weiß nur dass die Mitpatienten, die das gesagt hatten zu mir kam und gesagt haben jetzt... Komm doch mal zum Essen so.
00:41:54: Und haben halt auch gesagt, dass sie sich Sorgen machen und Bescheid gesagt haben.
00:41:58: Und es war dann so, ich glaube am nächsten Tag kam die Therapeutin auf mich zu... ...und hat mir einen Vertrag vor die Nase gelegt und gesagt entweder machen wir den Vertrag oder Sie müssen nach Hause
00:42:10: gehen.".
00:42:11: Was war das für ein Vertrag?
00:42:13: Ein Vertrag wo es um Portionen vom Essen und Gewicht und sowas ging.
00:42:20: also Ich musste eine gewisse Portion einhalten, also ich musste von dem was die vorgeben immer die Hälfte essen und ich durfte wenn ich im Ausgang war, wenn ich erwicht wurde dass sich irgendwie zehn Runden am Stück laufe oder das ich joggen gehe.
00:42:45: Das durfte ich halt nicht und ich dürfte meine Nullkommar fünf Kilo nicht abnehmen.
00:42:52: Wie hat sich das für dich angefühlt, als du diesen Vertrag gelesen hast?
00:42:56: Ich
00:42:57: glaube da habe ich irgendwie realisiert dass ich ein Problem habe.
00:43:01: Weil es für mich schon sehr schwierig war zu lesen dreimal am Tag und auch wenn's nur eine halbe Portion war... ...das war heftig!
00:43:14: Wurde dir da schon das Ausmaß der ganzen oder des Krankheitsbildes klar oder...?
00:43:21: War das erstmal für dich so ein Ding von ... Scheiße, jetzt sitze ich in dieser Situation.
00:43:28: Und ich muss hier irgendwie rausfinden?
00:43:29: Kannst du das ein bisschen näher beschreiben was da in dir
00:43:31: vorging?".
00:43:32: Ich glaube das einzige was ich mir gedacht habe ist... Scheiß!
00:43:37: Jetzt muss ich essen und scheiß jetzt muss ich viel essen und dass sich dachte ja okay irgendwie ist das schon komisch, dass ich da richtige Probleme mit hab Und dachte dann ja gut, ich hab mir das jetzt irgendwie antrainiert.
00:43:52: Also für mich war immer noch nicht klar, ich habe eine Essstörung, sondern ... Für mich war eher so ein bisschen... Ich hab mir dass Essen so abgewöhnt, dass ich jetzt quasi Angst davor hab.
00:44:05: Das war eigentlich das einzige was wir im Kopf durchgehen.
00:44:08: also es war natürlich auch schwierig für mich kein Sport zu haben und so.
00:44:13: aber ich glaube, dass Essen war das Schlimmste.
00:44:16: Dann hatte ich ja so ein bisschen Unterzugzwang gesetzt und hat gesagt, entweder das oder entweder Oda.
00:44:21: Und das andere Oda war ja dass du nicht dort bleiben durftest.
00:44:25: War das für dich eine Alternative?
00:44:27: Also ich frage mich heute auch manchmal warum ich nicht gegangen bin weil das war eigentlich mein größter Wunsch wieder nach Hause zu gehen.
00:44:37: Ich glaube aber, dass ich mich teilweise auf... also an die Mitpatienten gewöhnt hab.
00:44:43: Gerade weil auch zu der Zeit eine sehr junge Truppe da war, so meinem Alter entsprechend ... dass ich da gar nicht weg wollte.
00:44:50: Es war das erste Mal nach Jahren, dass ich vermeintliche Freunde hatte quasi.
00:44:58: Du hattest dir ja die ganzen Jahre oder die ganze Zeit zuvor, hatteste dir ja verboten zu essen?
00:45:06: Wie hat sich das angefühlt, dass jemand extern ist die dich quasi dazu gezwungen hat und dir erlaubt hat zu essen.
00:45:14: Es hat sich für mich nicht wie eine Erlaubnis angefühlt, sondern ... Wie du schon gesagt hast ein Zwang.
00:45:20: also.
00:45:21: ich wurde gezwungen zu Essen hab das demnach auch gemacht konnte es so aber meiner Ästerung ganz gut erklären.
00:45:29: Also konnte ich sagen Quasi ja ich esse jetzt solange ich noch hier bin Und wenn ich zu Hause bin selbst wenn ich zwei Kilo zunehme Das habe ich alles ganz schnell wieder runter.
00:45:39: Ja, so war das dann.
00:45:41: Wie viel hast du dir zu dem Zeit gewogen?
00:45:43: Weißt du das nach?
00:45:44: um die Sechzig Kilo?
00:45:46: Man hat ja auch die Regel vorgesetzt, dass du nicht mehr als Null Komma fünf Kilo abnehmen darfst oder wie?
00:45:54: okay.
00:45:55: und da stelle ich mir die Frage was ist in dir vorgegangen Als du gesehen hast Dass sich da nichts verändert oder Du vielleicht sogar zunimmst?
00:46:04: Was war in deinem Kopf da los?
00:46:07: Also es war so, dass die Regel war einmal die Woche wiegen.
00:46:11: Und wenn die Pflege Lust hat kommt sie zwischendurch zum wiegen.
00:46:15: das ist aber nie passiert sondern ich wurde wirklich stetig diese einmal die woche gewogen.
00:46:20: und Es war tatsächlich so dass sich beim ersten wiegen Abgenommen hatte obwohl ich davor schon ein paar Tage gegessen habe Weil das ganz oft zu ist dass der körper einfach So ein vitamin und energie overload hat, weswegen er dann irgendwie das alles was er hat verarbeitet vielleicht auch noch viel mehr.
00:46:42: und die reaktion von meinem körper war sich aber auch von vielen betroffenen.
00:46:46: höhere war halt dass ich erstmal nochmal abgenommen hatte.
00:46:48: Und es war für mich halt so krass jackpot.
00:46:51: also es waren dann nochmal zwei kilo die ich abgenommen habe.
00:46:55: und ja danach war es so dass ich eigentlich schon immer fix und foxy war nach dem wiegen Ja.
00:47:05: Das heißt, man hat dir auch immer gesagt wie viel du wiegst?
00:47:08: Ich hab's gesehen ja!
00:47:09: Okay das heißt es war nicht im Verborgenen sondern die... Du wurdest dieser Situation ausgesetzt, wieviel du jetzt gerade wiegest?
00:47:16: Ja also nicht unbedingt weil sie gesagt haben ich muss das sehen, sondern weil ich's wollte.
00:47:20: Okay
00:47:21: Weil bei mir im Hinterkopf immer war nämlich zu viel zu gehe ich nach Hause.
00:47:27: Hattest du da schon auch therapeutische Anbindung oder war das erstmal nur okay?
00:47:32: Nein gar nicht.
00:47:33: Es war eine geschützte Station.
00:47:36: Das bekomme ich nicht oft von Mit-Patienten mit, also ich war noch mal auf dieser Station aber es war schon so dass ich einmal die Woche mindestens mit der Therapeutin gesprochen hatte Aber das war's auch.
00:47:49: Also ich musste mich zwar verpflichtend mit zur Ergotherapie zu gehen aber da hab' ich gebastelt und ähm... ...das war's.
00:47:57: Also es war eigentlich quasi Ich war nur da So wie man sich vorstellt, um das Leben zu retten.
00:48:05: Ja...
00:48:05: Wie lange warst du dort?
00:48:07: Acht Wochen oder sechs?
00:48:09: ... oder
00:48:11: acht Wochen.
00:48:13: Nach diesen sechs bis acht Wochen, wie lang du auch immer dort warst, hat man dich dann gehen lassen.
00:48:20: oder hat man gesagt, du bist jetzt stabil genug?
00:48:22: Also wie war die Situation in der man?
00:48:25: in welcher Verfassung warst Du als man Dich hat gehen lassen?
00:48:28: Es
00:48:29: hat sich eigentlich quasi nichts geändert.
00:48:33: Also das Essverhalten war das gleiche, nur dass ich da halt gegessen dann... also ich habe halt da gegessen aber für mich hat sich vom Kopf gar nichts geendert.
00:48:43: Es ist eigentlich gar nichts passiert.
00:48:45: Das einzige was ich gemerkt hab' ist, dass ich so zum Ende des Aufenthalts ein bisschen ... Ich war sehr impulsiv!
00:48:55: Man muss sich auch vorstellen, ich war sechs oder acht Wochen mit Leuten auf einer Station und nicht oft weg von diesen Menschen, die teilweise schützufrieren, psychotisch oder sonst was waren.
00:49:08: Stark depressiv oder stark mit Selbstverletzung zu tun hatten und so.
00:49:13: Und ich war irgendwann so davon beeinflusst dass ich selber richtige Wutausbrüche hatte.
00:49:22: also jetzt nicht so wie man sich das vorstellt.
00:49:25: Ich habe mich gegen die Wand geschlagen Aber es war so, dass ich eine ganz kurze Zündschnur hatte.
00:49:30: Und wenn man mir was gesagt hat ... dann bin ich auch manchmal einfach die Tür raus, auch wenn nicht kein Ausgang hatte.
00:49:37: Nachdem du entlassen wurdest?
00:49:39: Wie ging es da weiter?
00:49:41: Ja, es war zu Hause völliges Chaos und damit dann das erste Mal richtig starke Suizidgedanken.
00:49:52: Dann war das ungefähr nach zwei Wochen so, tatsächlich aufgrund eines Suizidversuchs wieder dort eingeliefert wurde, auf die gleiche Station.
00:50:02: Und da wurde mir dann irgendwie zwischen Tür und Ange auf einmal gesagt du hast Borderline?
00:50:08: Dann wurde ich auch fast direkt schon verlegt.
00:50:10: also nach einer Woche war ich dann auf einer Borderline-Station.
00:50:14: Hat man dir erklärt was es bedeutet Borderline zu haben?
00:50:17: Nee!
00:50:19: Als ich's mir durchgelesen habe hab' ich das auch ehrlich gesagt nicht verstanden.
00:50:22: Also ich war bei gewissen Dingen dabei.
00:50:27: Ich dachte, irgendwie habe ich so einen Selbstzerstörungsdrang und irgendwie bin ich auch teilweise impulsiv.
00:50:34: aber viele Dinge die bei Borderline halt sind mit extrem Verlassensängsten oder extremen Umgangen oder dieses komplette schwarz-weiß Denken und so.
00:50:47: das hab' ich auf diese krasse Art und Weise nie gehabt.
00:50:51: also Ja, war es quasi egal ob Menschen in mein Leben kommen und dann wieder gehen oder nicht.
00:50:56: So ... ich war da eher so... ja.
00:51:01: Hat man nicht explizit darauf getestet auf Borderline?
00:51:04: Weißt du das?
00:51:04: Erst mal gar nicht nein!
00:51:06: Aber trotzdem nichtsdestotrotz wurde die Diagnose so gestellt?
00:51:09: Ja.
00:51:12: Wie wurde das Borderline behandelt?
00:51:14: Ich war auf dieser Station bin aber Gott sei Dank nach zwei Wochen rausgeflogen.
00:51:23: Also es war halt so, dass ich ... Als ich noch auf dieser Station war quasi... Es wurde nichts gemacht außer, dass sich Medikamente bekommen hab.
00:51:36: Also es War halt so Dass ich einen Stimmungsaufheller bekommen habe Den ich sehr hoch dosiert genommen hab.
00:51:45: Und so war das dann, dass Ich ... Ich wusste das anfangs nicht Aber dieser Stimmungsauffheller macht sehr viel mit dem Stoffwechsel.
00:51:55: Also er blockiert den Stoffexel quasi und treibt den Storfexel sehr weit nach unten, das war ja bei mir ohnehin schon so wegen der Essstörung.
00:52:04: Und es kann halt auch sein dass man dadurch irgendwie Heiß-Hungerattacken bekommt.
00:52:09: und dann War das so, dass Mir ja auch gleichzeitig gesagt wurde jetzt konzentriere dich mal nicht auf die Essstörungen sondern du musst dein Borderline Griff bekommen.
00:52:18: Dass ich dann Mit diesen gestoppten Stoffwechsel plus dem Heiß-Hunger und plus dem, konzentriere dich manchmal auf deine Essstörung.
00:52:27: Irgendwann richtig tolle Essanfälle
00:52:29: hatte.".
00:52:30: Was für eine Auswirkungen hatten diese Essanpfälle auf dich?
00:52:33: Dass ich in kürzester Zeit wieder sehr viel zugenommen habe.
00:52:38: Ja...
00:52:39: Warum bist du von dieser Station geflogen?
00:52:42: Ich bin im Aufenthalt Auto gefahren das durfte man nicht.
00:52:46: Du hast jetzt gesagt, du hast sehr viel zugenommen Du warst ja bei ungefähr sechzig Kilo.
00:52:53: Wie viel hattest du denn drauf?
00:52:55: Dürfen wir das wissen?
00:52:56: Ich hatte so ... ich sage mal, dass das Höchstgewicht was ich dann wieder hatte, war wieder um die Ende neunzig Kilos also kurz vor Hundert Kilo.
00:53:08: Ja
00:53:08: Was hat das mit dir gemacht?
00:53:09: Du hattet ja schon therapeutische Unterstützung in der Klinik bekommen.
00:53:14: Du hast gewusst, du hast ein Problem mit Essen beziehungsweise.
00:53:17: Du hast eine Erstörung und auf einmal hast du extrem viel wieder zugenommen.
00:53:21: was hat das mit dir gemacht?
00:53:23: Ich habe es erst gar nicht realisiert weil ich mich so oft diese Borderline Diagnose gestützt hab.
00:53:32: also ich habe immer gesagt dass das muss weg und irgendwie dachte ich ja auch das bin ich nicht.
00:53:38: Und mir ist es dann irgendwann aufgefallen wo ich gemerkt habe krass!
00:53:42: Mir passt meine Klamotten wieder gar nicht.
00:53:44: Ich musste wieder zu den größeren Klamotten greifen.
00:53:48: Und ich glaube, so richtig präsent wurde mir das dann erst ... als mein Trainer mir dann erlaubt hat, wieder zum Training zu kommen.
00:53:56: Also es war in der Anfangszeit so, dass er gesagt hat, er möchte das nicht und irgendwann haben wir halt langsam gestartet mit einmal die Woche und... Das war für mich extrem unangenehm weil meinen Anzug hat nicht mehr gepasst meine Wester hat nicht mal gepasst, meine Schutzausrüstung und irgendwie ich kam da hin die ganzen Leistungssportler gesehen und dachte so, krass.
00:54:17: So pass ich hier gerade gar nicht
00:54:18: rein.".
00:54:19: In welcher Zeitspanne ist das passiert?
00:54:21: vom ersten Klinikaufenthalt?
00:54:23: Wo du dir rund sechzig Kilo gewogen hast bis zu den Zeitpunkt wo du gemerkt hast, dir passen deine Klärungen nicht mehr und du knabberst langsam an einer drei-zahlen Marke?
00:54:33: Äh ... so ein Dreivierteljahr bis Jahr ungefähr.
00:54:36: Krass!
00:54:37: Also das macht ja auch viel mit dem Körper Das ist ja auch einen Rauf und runter und es ist auch schwierig für für den Körper das zu verarbeiten, diese extremen Schwankungen.
00:54:46: Hast du das irgendwo dran?
00:54:47: ... oder hast du das gemerkt?
00:54:51: Nicht wirklich ne.
00:54:53: Also es war halt dieses standardmäßige Kreislauf, also die Kreislaufprobleme, die ich immer hatte aber... Also was ich gemerkt habe ist bei diesen Essanfällen dass ich extrem schnell das Gefühl hatte, dass ich brechen muss.
00:55:12: Und das hat in mir so eine große Angst ausgelöst, dass sich dann Gott sei Dank irgendwann aufhören konnte.
00:55:18: Aber ... ja... Ich war halt so, ich glaub, mäßig food overload.
00:55:25: So, ich hatte keine Kraft dadurch, dass mich so viel Müll und ungesundes Zeug reingefiffen hab.
00:55:34: Ja, es war so das, was ich gemerkt habe.
00:55:38: Als du gemerkt hast Du bist im Training und alle sind ein bisschen anders aufgebaut von ihrer Körperstatue, deine Klamotten passen dir nicht mehr so richtig.
00:55:49: Wie ging es danach für dich weiter?
00:55:52: Ich glaube ich bin zu der Zeit tiefer in meine Ästerung gefallen wie jemals zuvor.
00:55:59: Es war halt so dass ich komplett in meinem Alltag zurück war Arbeit Sport.
00:56:05: Und wir waren dann auch mittlerweile schon soweit das ich drei mal die Woche zum Training durfte Und ich war ja noch in diesem Fitnessstudio angemeldet und dann ging es halt wirklich richtig werkab.
00:56:17: Also, ich habe dann wirklich wieder jeden Tag Sport gemacht.
00:56:22: Ich hab mehr auf meine Schrittzeige achtet.
00:56:25: also ich habe immer gesagt, ich will mindestens zwanzigtausend Schritte am Tag schaffen.
00:56:29: und es ging dann halt auch relativ schnell so als ich dann erfahren habe dass diese Medikamente, diese Essanfälle machen und diesen Stoffwechsel blockieren das sich die von jetzt auf gleich sofort abgesetzt hat.
00:56:40: Und damit fing's dann auch wieder an, dass ich mir Essen verboten hab und so.
00:56:46: Wenn du sagst das die Essstörung
00:56:48: noch stärker
00:56:49: zurückkam als je zuvor ... Wie hat sich das gezeigt?
00:56:54: Ich habe neben dem extrem Sport den ich gemacht hab und dem Hungern irgendwann angefangen zusätzlich Dinge zu tun wie Medikamente zu missbrauchen war irgendwann so, dass ich in so einer WhatsApp-Gruppe gelandet bin.
00:57:13: So aus dem Internet, wo halt viele Mädels waren die auch anorektisch waren und die abnehmen wollten.
00:57:21: Und ... Ich hatte irgendwann so als ich wieder rund bei den Sechzig Kilo war das mein Körper blockiert hat.
00:57:30: Ich hab nicht weiter abgenommen.
00:57:35: Dann habe ich halt irgendwann zu anderen Mitteln gegriffen.
00:57:38: also Nicht nur, dass ich ... wenn ich dann mal gegessen hab, extremeres Apfelmittel genommen habe.
00:57:44: Was mein Darm richtig kaputt gemacht hat.
00:57:48: Sondern auch das sich halt irgendwann zu Dioretikung gekommen bin also... Dass für mich irgendwie klar war.
00:57:56: na gut Es ist normal, dass jetzt Wassereinlagerungen haben weil wenn der Körper was zu essen bekommt lagert er das sofort in Wasser um.
00:58:03: und dann dachte ich halt gut Ich muss meinen Körper entwässern dann ist das Wasser draußen und so kann mein Körper weiter abnehmen.
00:58:13: Und als ich nach dem ersten Mal, wo ich das genommen habe gesehen hab, dass auf der Waage zwei Kilo gefehlt haben, weil ich natürlich alles ausgeschwärmt hab, war das für mich so krass!
00:58:28: Das brauche ich.
00:58:29: Das muss ich weiter nehmen.
00:58:30: Ja...
00:58:31: Das sind ja schon ziemlich drastische Maßnahmen um Gewicht zu verlieren.
00:58:37: Aus welchem Grund hattest du so Angst?
00:58:39: oder aus welchem Grund wolltest du noch mehr abnehmen?
00:58:44: Ich war halt der Meinung, also es hat sich seitdem ich abgenommen hatte für mich an Körperbild nichts geändert.
00:58:53: Also wenn ich ein Spiegel geguckt habe, hab' ich nicht gesehen dass ich abgenommen hab und ich dachte, wenn ich ganz schlank bin dann fühle ich mich wohl und dann geht's mir gut.
00:59:06: Es war aber halt egal, zu welchem Zeitpunkt, welches Gewicht ich hatte.
00:59:10: Es war immer so, dass es immer weiter ging und ich wollte immer weiter runter.
00:59:13: Ich wollte noch weiter runter und dachte irgendwann werde ich endlich zufrieden sein.
00:59:18: Aber dadurch das ich den Erfolg ja selber nicht gesehen habe nur als Zahl auf der Waage, wollte ich halt immer mehr.
00:59:25: Ja.
00:59:26: Warst du in dieser Zeit therapeutisch angebunden?
00:59:29: Nein, gar nicht!
00:59:30: Und wie bist du dann diese ganzen Medikamente bekommen?
00:59:32: über's Internet?
00:59:34: Also es gibt eine Seite, wo man sich von einem Arzt Rezepte ausstellen lassen kann.
00:59:42: Und man muss dafür ein Fragebogen auffüllen zu bestimmten Krankheiten.
00:59:46: und ich hab dann halt angegeben, dass ich ne Herzschwäche habe und deswegen halt Entwässerungstabletten brauche.
00:59:53: und so habe ich die Medikamente bekommen.
00:59:56: Krass!
00:59:56: Und der Arzt hatte dich aber per se nie gesehen?
00:59:59: Nein, da
00:59:59: hab ich mal ein Fragebogen gelesen.
01:00:01: Ach krass!
01:00:03: Du hast dir ja selbst jetzt Die Nahrung verboten.
01:00:06: Du hast dir Entwässerungstabletten ja selbst gegeben, Apfelmittel gegeben.
01:00:13: Hast du dir überhaupt erlaubt zu trinken?
01:00:17: Als ich irgendwann gemerkt habe so das Pensum an Entwesserungen was ich meinem Körper zumuten konnte also weil ich ja Wassereinlagerung hatte war irgendwann vorbei.
01:00:31: und dann hab' ich gemerkt okay Hab ich normal getrunken, hab' ich nicht abgenommen.
01:00:37: Also habe ich irgendwann angefangen auch meine Trinkmenge zu reduzieren bis sich dann irgendwann... Ich glaube das niedrigste war dass ich um die zweihundert Milliliter am Tag getrunten hab.
01:00:47: Ja.
01:00:48: Krass!
01:00:50: Das muss sich doch bemerkbar gemacht haben in deinem Energielevel und letztendlich auch in deiner Fähigkeit den Tag zu überstehen.
01:00:58: also ich stelle mir vor bei zweieinhalb Millilitern oder würde ich ja Häufigeres Gefühl haben in Unmacht zu fallen, wenn ich es nicht sogar täte.
01:01:05: Ich glaube bei normalen Menschen ist das auch so.
01:01:10: aber ein Körper der sich in einer solchen Anorexiephase befindet fährt halt alles zurück.
01:01:18: was geht also?
01:01:20: dass wirklich nur noch das lebensnotwendige versorgt wird also das Hirn und das Herz und der Rest wird komplett runter gefahren.
01:01:29: Es war schon so, dass ich müde war.
01:01:30: Aber ich hab nie wirklich was gemerkt.
01:01:32: Das Einzige, das man mir wirklich angesehen hat ... Was ich zu der Zeit auch nicht gesehen habe, aber jetzt auf Fotos sehe... Ich sah halt aus wie eine vierzigjährige Frau mit zwanzig.
01:01:45: Wegen was?
01:01:47: Weil du so viele Falten hattest oder
01:01:48: ... Mein Gesicht ist komplett eingefallen.
01:01:52: Meine Poren waren extremstens voll.
01:01:55: Also ich konnte machen, was ich wollte.
01:01:59: extrem schlecht geworden und es war alles eingefallen.
01:02:04: Ich hatte diese typischen Anorektika-Falten im Gesicht, ja ...
01:02:10: Wann kam dann dieser Moment in dem du verstanden hast, dass du was ändern musst an deinem Verhalten?
01:02:16: Spät!
01:02:18: Als ich dann noch mal in die Klinik kam, war das so...
01:02:22: Was war der Grund warum du in die klinik gekommen bist?
01:02:25: Also es war halt, dass irgendwann Ich war zu der Zeit krankgeschrieben noch weiter, weil ich mich nicht dazu in der Lage gesehen hab, arbeiten zu gehen.
01:02:37: Und irgendwann kam mein Psychiater auf mich zu und meinte ... dass es so nicht weitergeht.
01:02:44: Dass er mich nicht weiter krankschreibt, wenn er dazusehen darf, dass ich wöchentlich weniger werde.
01:02:51: Wenn ich mir keine Klinik suche, wo ich hingehe, hat er keine Begründung mehr, mich weiterkrankzuschreiben.
01:02:58: Ja, und so war das dann, dass ich gesagt hab okay.
01:03:02: Ich fühl mich nicht in der Lage dazu arbeiten zu gehen, ich möchte auch gar nicht.
01:03:07: also muss ich in die Klinik gehen und für mich war eigentlich klar, ich melde mich da an, ich gehe dahin Und nach einem Tag werde ich eh rausgeschmissen weil ich nicht mitarbeiten werde.
01:03:16: Also ich war so darin gefangen, dass sich nicht wollte aber ich musste ja irgendwie mein Psychiater davon überzeugen, dass er mich weiter krank schreibt.
01:03:24: Es gab ja ein ähm Schlüsselmoment, wo du wieder extrem viele oder extrem viel Apfelmittel genommen hattest und dann durch deine Freundin damals der Rettungswagen gerufen wurde, magst du uns davon erzählen?
01:03:41: Also es war dann so dass ich dann eine extrem große Menge von diesem extrem ätzenden Apfelmittel genommen habe.
01:03:50: Und dazu noch die Entwässerungstabletten das ich dann irgendwann krampfend und zusammengekauert auf dem Badezimmer Boden lag.
01:03:58: Und ich nicht mehr konnte, als nur nach meiner Mama zu schreien weil mein ganzer Körper wehgetan hat.
01:04:04: also es hat sich angefühlt jetzt würden überall durch meinen Körper Stromschläge fließen und meine Hände waren so verkrampft dass ich meine hände gar nicht mehr aufbekommen hab.
01:04:15: und ja dann ist hat meine beste Freundin halt meine Mutter angerufen und die sagte rufst sofort in Krankenwagen.
01:04:23: Und ja, der kam dann und hat dann gehört was ich genommen habe und welche Mengen davon.
01:04:33: Ich hab halt jetzt, ich glaube zwanzigfache Dosis an Entwässerungstabletten genommen, die man normalerweise nimmt.
01:04:42: So bin ich dann eigentlich ziemlich direkt vom Zuhause in den Krankenwagen auf die Intensivstation gekommen.
01:04:50: Ja.
01:04:52: Du bist ja dann ... Bist du wieder auf eine geschützte Station gekommen?
01:04:58: Nein, es war so dass ich auf der Intensivstation erst mal aufgepeppelt wurde weil ich eine komplette Elektrolytvergleisung hatte mein Caliumwert extrem niedrig war und ja... Ich war dann zwei Nächte auf die Intensifstation wurde dann auf die Normalstation verlegt und wollte dann halt wieder nach Hause.
01:05:22: Der Arzt wollte mich erst nicht gehen lassen, also hab ich meine Sachen gepackt und bin einfach abgehauen.
01:05:27: Und darauf kam nichts.
01:05:29: Also kein Anruf, keiner der mich gesucht hat gar nix.
01:05:33: Krass!
01:05:35: Wie lange hat es dann gedauert bis dein Psychiater gesagt hat so wie ziehen jetzt hier die Reißleine?
01:05:41: Also wie weit war denn der zeitliche Abstand?
01:05:44: Das war meinig wenn ich mich recht erinner kurz davor sogar.
01:05:49: Also, der Zwischenfall war zwischen ... Ich hab mich für eine Klinik angemeldet und ich bin in die Klinika gekommen.
01:05:55: Ah, okay!
01:05:56: Kam also nicht mal auf die geschützte Station, sondern ich habe mich gleich in die klinik für Essstörungen angemeltet.
01:06:01: Okay, verstehe.
01:06:02: Wie lange hat es gedauert bis du dann dort hingegangen bist?
01:06:05: Ich denke ungefähr einen Monat.
01:06:08: Zwischen dem Krankenhausaufenthalt und dem Klinikeraufenthald dann.
01:06:12: Okay wie war die Zeit da für dich?
01:06:14: Ich hab halt ziemlich schnell gemerkt, dass die Klinik zwar groß mit Essstörungen wirbt.
01:06:18: Aber das quasi Leute wie ich in dem Zustand, in dem ich da angekommen bin nicht oft behandelt werden.
01:06:29: Also es war anfangs schon so ... Als sie mir gesagt haben ja gut, das Essen übernimmt hier jeder selber Die Portion und ob man hingeht oder nicht es halt jedem selbst überlassen.
01:06:41: Und das war für mich dann schon so am Aufnahmetag selber irgendwie komisch, aber ich hab mich natürlich darüber gefreut und dann war's so, dass mir dann routinemäßig Blut abgenommen wurde und ich dann am nächsten Morgen war im Park, bin meine zwanzigtausend Schritte gelaufen und habe mich dann hingelegt und war richtig kaputt.
01:07:00: also ... Aber ich hab trotzdem körperlich großartig nichts gemerkt sondern... Ich war einfach extrem müde Also, hab mich dann hingelegt und dachte so jetzt bin ich meine Schritte schon mal gelaufen.
01:07:11: Jetzt kann ich
01:07:11: entspannen.".
01:07:12: Und dann kam halt ziemlich aufgewühlten Pfleger rein und meinte, ich müsste sofort zur Ärztin runter.
01:07:17: Ich so ja, ich komm gleich.
01:07:18: also ich habe das ausmaßen nicht verstanden und eher so nein jetzt und da bin ich runter und sie meinte dann auch gleich jetzt in den Krankenwagen gerufen, ich soll ganz schnell Sachen packen, ich muss ins Krankenhaus.
01:07:29: Dann hab ich gesagt warum?
01:07:30: Und hat sie halt gesagt dass meine ... Sie würde meine Blutwerte verstehen, wenn ich eine sechsenachtzigjährige Frau wäre.
01:07:38: Aber nicht mit zweiundzwanzig und ... Ich hab gedacht ja wird das übliche sein ne?
01:07:43: Das gleiche was in dem Krankenhausaufenthalt auch war.
01:07:47: Und ähm Ja als sich ... es wollte halt Patu nicht ins Krankenhaus und als ich dann aber dahin kam Ähm ich wurde so ein bisschen Von der Pflege dahingedrückt Mit der Aussage Bleiben sie halt zwei drei Stunden da und kommen dann wieder.
01:08:03: und ähm Als ich dann da ankam hieß es, ich muss stationär bleiben.
01:08:08: Ich hab gesagt auf gar keinen Fall.
01:08:09: also ich geh zurück in die Klinik und haben die gesagt das kriegen wir ambulant nicht gemanagt und deswegen muss sich da bleiben.
01:08:18: und ich habe dann direkt gesagt rufen sie in der klinik an ich gehe dahin zurück Und die Oberärztin die dann angerufen wurde die sagte zu mir am telefon nur Frau Entweder Sie bleiben im Krankenhaus oder sie gehen nach Hause.
01:08:33: Ich weiß aber nicht, ob sie den nächsten Morgen erleben.
01:08:36: Und ... gedacht ist eine Psychiatrieärztin?
01:08:39: Was will die mir sagen so?
01:08:41: Dann hab ich da gesessen bei immer noch der festen Überzeugung, dass ich jetzt nach Hause gehen möchte und dann kam zwei Ärztinnen aus dem Krankenhaus rein und haben zu mir gesagt, dass Sie ziemlich sicher sind, das ich den nächsten morgen nicht erleben werde weil ich halt akutes Nierenversagen in einem sehr hohen Stadium hatte Und mein Kaliumwert so extrem niedrig war, dass eigentlich ein Herz schon lange hätte aufhören können zu schlagen.
01:09:11: Was hat es emotional mit dir gemacht das zu hören?
01:09:15: Ich habe das erste Mal gerafft wie dumm diese ganze Aktion war.
01:09:22: Wie krass!
01:09:25: Das war was ich getan hab.
01:09:28: Ich
01:09:30: war fertig mit den Nerven so also für mich war das Ähm, egal wie viel und wie oft ich schon keine Lust in meinem Leben hatte war für mich da klar.
01:09:47: Wenn ich jetzt nach Hause gehe sterbe ich?
01:09:49: Und das möchte ich nicht!
01:09:51: Was hast du in den Gesichtern dieser Ärztinnen gesehen?
01:09:57: Die waren... Ich würde nicht gleich sagen Panich aber die waren schon sehr... sie hat mich glaube ich schon gerne zähmigen und früher in ein Bett gelegt als später.
01:10:08: Also die waren schon sehr auf Druck aus, es muss jetzt was passieren.
01:10:12: wir müssen jetzt etwas machen.
01:10:14: Man weiß nicht wie lange das mein Herz und meine Niere noch mitmacht weil meine Niire ja schon am Versagen war.
01:10:22: Wie lange hat es dann gedauert um dich wieder aufzupeppeln und dich in eine stabile Situation zu bringen?
01:10:30: Knapp drei Tage ungefähr.
01:10:32: Ja.
01:10:33: also es war dann so dass ich eigentlich stetig mit vier Infusionen an Wasser angestellt, also stetigt wurde halt Flüssigkeit in mich reingepumpt und ich habe ganz viel Kalium bekommen.
01:10:46: Und das war übrigens ein richtiger Horror-Trip weil dieses Zeug in den Wehen brennt wie Hölle.
01:10:53: Ich glaube die haben zwei oder drei Wehen kaputt gemacht damit.
01:10:57: Das war wirklich so dass ich kontinuierlich irgendwie Flüssigkeiten in mich reinbekommen hab dass meine Niere ordentlich spülen konnte und das Kalium dann so langsam wieder ausgebaut werden konnte.
01:11:10: Du hattest ja zuvor extreme Angst davor gehabt, zuzunehmen und durch ... unter anderem Infusionen an Gewicht zuzunehmen, so durch Wasser zuzunemen?
01:11:24: Wie war es in dem Moment als du denn so viel Infusion bekommen bekommst?
01:11:29: In dem Moment war eigentlich für mich klar okay irgendwie wird jetzt mein Leben gerettet.
01:11:35: Aber trotzdem hab ich mit meinem erst gestörten Verhalten nicht aufgehört, also ich habe weiterhin nichts gegessen.
01:11:41: Ich bin teilweise den ganzen Tag vor dem Klinikgelände hin und her gelaufen.
01:11:46: Also an dem Tag wo ich dann schon auf der Normalstation war ... Und ja, ich glaube... Also ich bin den Pflegern dort glaub ich extrem auf die Nerven gegangen weil ich ja erst mal auf der Intensivstation war und die ja da weit, also ganz viele Patienten haben, die wirklich kurz vorm Sterben sind.
01:12:11: Und ich dann da lag und tausendmal gefragt habe ob jetzt bitte mit der Wahl gekommen können damit ich kontrollieren kann was ich jetzt zugenommen hab.
01:12:19: Wann bist du denn zurück in die Klinik wo es nur um deine Eisstörung ging?
01:12:25: Nach drei Tagen dann ungefähr.
01:12:27: Also ich wurde direkt von dort, also vom Krankenhaus aus wieder zurückverlegt.
01:12:32: Und hattest du dann therapeutische Sitzungen direkt?
01:12:36: Ich war auch da acht Wochen und das Problem war aber dass die Ärzte mir gleich am Anfang gesagt hat, dass sie so schwierige Fälle eigentlich gar nicht behandelt.
01:12:47: Normalerweise nimmt sie Menschen auf diese Stationen, die schon sehr stabil sind andere Krankheitsbilder, also keine anorektischen Patienten.
01:12:59: Dass sie bei mir aber die Not gesehen hat und es war dann so dass eigentlich klar war das in diesem Aufenthalt nur mein körperliches Überleben gesichert wird.
01:13:11: Also wurden regelmäßige Blutkontrollen gemacht.
01:13:15: Es wurde darauf geguckt dass ich's schaffe ein bisschen zu essen war aber anfangs relativ klar, dass ich noch in eine andere Klinik muss.
01:13:27: Die wirklich weitaus spezialisierter darauf ist...
01:13:32: Du bist dann ja auch in diese andere Klineke gekommen?
01:13:34: Ja!
01:13:35: Und da warst du wenn ich mich richtig erinnere fünfzehn
01:13:38: Wochen?!
01:13:39: Was hat diese Klinikum mit dir gemacht?
01:13:42: Auf gut Deutsch hat sie meinen Arsch gerettet.
01:13:44: also es war wirklich so das ähm ... Es war extrem schwer, es gab extrem beschissene Zeiten Aber da habe ich halt einfach realisiert, was das für eine Erkrankung ist.
01:14:01: Was ich mir damit antuge und vor allem dann durch dieses ganze therapeutische Prozedere auch gemerkt wo es her kommt, was ich dagegen tun kann und dass sich da wirklich dringend raus
01:14:13: muss.".
01:14:14: Und wenn du sagst Du hast verstanden was das finde Erkrankung isst?
01:14:19: Was kann ich mir darunter
01:14:20: vorstellen?!
01:14:21: Also, in was für ein Ausmaß hast du das verstanden?
01:14:26: Man sagt ja auch von zehn Frauen stimmt eine davon.
01:14:31: Und das ist mir dann richtig bewusst geworden, dass wenn ich weiter so mache, mein Körper es irgendwann nicht mehr schafft, so gut zu überleben wie er's zuvor gemacht hat und dass ich irgendwie verstanden hab ... was daraus entstehen kann, was wir folgen das auch haben können.
01:14:54: und ja so was halt.
01:14:57: Wann kam für dich der Moment in dem du eine Verknüpfung zwischen deiner Vergangenheit und deinem Krankheitsbild geschaffen hast?
01:15:04: Also während dieser Therapie eigentlich weil mir da auch zweimal die Woche ... Wir hatten Gruppentherapien und Ernährungsberatung, hatten aber auch zwei Mal die Woche Einzeltherapie.
01:15:14: Und da war es dann so dass meine Therapeutin relativ schnell mit mir den Ursprung meiner Erstörung erstellt hat.
01:15:22: Und das da dann natürlich klar wurde, dass so einige Sachen die in meiner Kindheit oder im Jugendalter oder generell in der Vergangenheit halt entstanden sind und dann...
01:15:32: Wie lange warst du denn dort?
01:15:35: Ja, fünfzehn Wochen.
01:15:38: Und hat man dich danach für stabil genug gehalten um die Klinik zu verlassen?
01:15:43: oder wie war da der Prozess?
01:15:46: Also es ist halt so ... politische Leitung auf dieser Station, wo ich war.
01:15:53: Mir gesagt hat das sie halt nur bis zu einem gewissen Grad bei der Krankenkasse erklären können warum ich noch da bin und dass dann ziemlich direkt klar war, dass sich nochmal wiederkommen muss also dass ich mich nach meinem Aufenthalt sofort anmelden werde.
01:16:11: es war aber auch so dass ich zum ersten mal nach etlichen Klinik aufenthalten die Unterstützung bekommen hat, mir zu Hause ein Netzwerk aufzubauen.
01:16:20: Also es fing dann an, dass wir uns darum gekümmert haben, dass ich in ein ambulant betreutes Wohnen komme und das ich ganz normal zuhause wohnen bleibe nur, dass eine Bezugsperson zu mir kommt und sich therapeutisch angebunden bin.
01:16:34: Und genau das war so das.
01:16:38: Das heißt für dich war ... Die Welt, als du sie die Klinikwelt verlassen hast, war die Welt die außen draußen für dich?
01:16:46: nicht ganz so furchteinflößend oder wie können wir uns das vorstellen?
01:16:50: Ich bin eigentlich auch mit einem ziemlich falschen Mindset an die Entlassung gegangen.
01:16:54: Also für mich war klar, ich melde mich ja wieder an und das nächste Mal muss ich noch schlechter wiederkommen.
01:17:00: Ich weiß nicht so ganz warum aber... ...ich bin ja eigentlich schon in einem relativ schlechten Zustand da hingekommen und dachte mir, ich muss nochmal schlimmer dahin kommen.
01:17:10: Und so war das dann dass ich schon gedacht okay ist es zu Hause angenehmer, weil ich auch mit den ganzen Nebendiagnosen, die ich habe.
01:17:20: Also da ist ja nicht nur die Anorexie sondern auch die Zwangsstörungen, die PTBS und das ADHS.
01:17:25: Die Borderline Diagnose wurde mir übrigens abwerkannt, weil Ich sie nicht erfülle.
01:17:30: Ja war das dann so dass sich dachte okay mit den ganz anderen Sachen kriege ich halt Hilfe?
01:17:33: Mit der ganzen Überforderung, mit diesem Papierkram, die die ich hatte Und mit den Zwangsgedanken, mit dem Zwangshandlungen und so
01:17:41: Wann konntest du dir dann das erste Mal wieder erlauben zu essen, ohne dich schlecht zu fühlen?
01:17:49: Eigentlich erst vor kurzem.
01:17:51: Also es war halt so, dass ich als ich aus der Klinik rauskam weiterhin dieses schlechte Verhältnis zum Essen hatte und jedes mal versucht hab, restriktiv zu sein.
01:18:01: Es war dann aber auch so, daß mein Körper das gar nicht mehr ausgehalten hat.
01:18:06: Seitdem ich aus die Klinikaus kam, hat es nicht einen Tag gedauert wo ich nicht gegessen habe, zu einem Essentfall oder so gekommen bin und dass es mir körperlich richtig schlecht ging, stimmungsmäßig.
01:18:18: Und das hat sich dann trotzdem über Monate weitergezogen weswegen ich auch wieder enorm zugenommen habe weil der Körper einfach keine Regelmäßigkeit hatte und jedes Mal sich das genommen hat was er bekommen hat.
01:18:33: aber Ich würde sagen seit zwei Monaten ungefähr läuft es schon richtig gut.
01:18:38: Wie fühlt sich das an wenn du jetzt Das Gefühl hast du kannst ruhiger mit einem ruhigeren Kopf essen.
01:18:47: Es ist schwierig, es ist halt immer so dass man sich jeden Tag aufs Neue dazu entscheidet das man den neuen Weg wählt und gesund ist oder beziehungsweise dass man ist.
01:19:00: aber es ist trotzdem so dass ich ein bisschen den Spaß am Essen zurück bekommen habe also dass ich irgendwie richtig Lust habe, wenn Freunde da sind.
01:19:10: Mit denen zu kochen oder mit denen zu frühstücken oder weiß ich nicht... Ich war zu Weihnachten meiner Freundin eingeladen und da gab es richtig leckeren Kuchen!
01:19:19: Und ich war so extrem voll von diesem Weihnachtsessen.
01:19:21: Ich musste mir aber diesen Kuchen noch rein zwingen.
01:19:25: Das waren halt so Momente wo ich denke okay das ist viel befreiter und vor allem wie normale Menschen in dem Sinne auch machen.
01:19:33: Ja
01:19:34: jetzt hast du ja schon In einer sehr langen Zeit, sehr viel unter den Gedanken vom Essen gelitten
01:19:42: oder
01:19:43: unter die Gedanken vom Zunehmen gelitten.
01:19:46: Was würdest du Menschen empfehlen?
01:19:47: Die in einer ähnlichen Situation sind und große Schwierigkeiten damit haben sich und ihren Körper zu akzeptieren und auf Zwang alles tun um diesen Körper schlanker zu kriegen?
01:20:00: Also meiner Meinung nach ganz wichtig ist sich früh genug Hilfe zu holen Auch wenn man sich das am Anfang nicht eingestehen möchte, dass man Hilfe braucht und ein Problem hat.
01:20:10: Sobald es Essverhalten der gesunden Norm abschweift, sollte man wirklich dafür sorgen, dass Man Hilfe bekommt und sich vor allem wirklich bewusst machen zufrieden ist man nie.
01:20:26: Egal bei welchem Gewicht ich war ob's siebenundvierzig Kilo waren, ob's achtundfünfzig Kilo oder vierundsechzig oder so wie jetzt Ich bin nie zufrieden.
01:20:36: Und ich weiß, dass ich natürlich jetzt noch unzufriedener bin, weil ich wieder so extrem viel zugenommen hatte und dass ich mich auch in meinem jetzigen Körper nicht wohlfühle.
01:20:45: Aber selbst wenn ich zwanzig Kilo abnehmen würde, würde es nichts daran ändern.
01:20:49: Es liegt nicht am Aussehen per See sondern an dem was dahinter steht.
01:20:55: Ich würde halt jedem raten darauszukommen, weil das ganz schnell ganz böse werden kann und man ewig lange brauchen kann bis man da wieder rauskommt.
01:21:04: Rika, was wünscht du dir für deine persönliche Zukunft?
01:21:07: Ja also ich möchte irgendwann tätowiererin werden.
01:21:12: Weil ich das so nebenbei ein bisschen mache und dazu habe ich noch einen Buch geschrieben wo ich... Also ich hätte halt gerne dass viele Menschen da draußen das lesen weil ich mir manchmal gewünscht hätte, dass es zu meinen kritischsten Zeiten so ein Buch gegeben hätte um zu wissen okay Du bist nicht alleine und du darfst heilen Und das ist ganz wichtig, dass du das tust und auch für mich das Ganze so zu verarbeiten, genau.
01:21:37: Und irgendwann halt einfach ein bisschen befreiter zu sein im Leben.
01:21:44: Du hattest ja auch gesagt dass die Gesellschaft ganz häufig eine Anorexie erst erkennt wenn die Menschen total abgemagert sind?
01:21:52: Ja!
01:21:52: Was
01:21:52: denkst du heute darüber?
01:21:55: Es ist wichtig zu wissen, dass in jedem Kopf ne Anorexy stecken kann.
01:22:00: also wenn mir jemand über die Straße läuft, der vielleicht ein Traumeereignis erlebt hat.
01:22:07: Dann sehe ich dem das nicht direkt an.
01:22:09: Aber man denkt immer so von Essstörung generell oder auch von der Anorexie ist ... Das ist daran gekoppelt dass der Mensch abgemagert ist und es ist so nicht.
01:22:17: Also genauso wie ein Trauma also einen traumatisch geprägter Menschen an mir vorbeilaufen kann ohne dass ich es merke kann's auch ein essgestörter mensch sein.
01:22:30: Ich finde es ganz wichtig, dass jedem einfach bewusst wird gerade auch meinem Umfeld.
01:22:36: Dass auch wenn ich heute wieder eher Richtung Übergewicht bin als jetzt Richtung Untergewicht.
01:22:46: Dass ich trotzdem immer noch diese Gedanken in meinem Kopf habe und das nicht von mir erwartet wird.
01:22:52: Jetzt hab' ich wieder ein normales Gewicht, kein Untergewichts mehr.
01:22:56: Jetzt bin ich gesund!
01:22:57: Sondern dass es wirklich so ist... in jedem Gewicht sein kann und dass es auch oft dazu kommt, dass Menschen nicht mal ins Untergewicht kommen.
01:23:05: Danke dir!
01:23:06: Danke dir, dass du dich geöffnet hast und deine Geschichte mit uns geteilt
01:23:09: hast.
01:23:10: Dankeschön und wir wünschen dir alles Liebe, alles Gute für dich und deine Gesundheit.
01:23:15: Danke!
01:23:17: Du willst
01:23:18: selbst bei uns dabei sein oder hast einen Teamvorschlag?
01:23:21: Denn melde dich auf unserer Website oder unsere Social Media Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst.
01:23:31: Denn Zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
01:23:34: Hol die Unterstützung bei professionellen Hilfeinrichtungen oder dir vertrauten Personen!
01:23:39: Bis zum nächsten Mal bei
01:23:41: Von Bohne zu Bohne.
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