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Gewalt am Arbeitsplatz: Ihr Kampf mit Panikattacken und den Folgen des Angriffs #80 Sandra

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um körperliche Gewalt, einen Angriff am Arbeitsplatz, Panikattacken, PTBS, Gerichtsverfahren, Kündigung, finanzielle Not und belastende Erfahrungen mit Behörden. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.

Sandra leitet seit vielen Jahren eine hausärztliche Praxis. Auf dem Weg zur Arbeit passiert das Unfassbare. Eine Patientin schlägt ihr ohne Vorwarnung mehrfach mit der Faust gegen den Kopf. Sandra erleidet körperliche Verletzungen. Sie arbeitet trotzdem schnell wieder. Innerlich beginnt sie zu kämpfen. Mit der Zeit kommen Panikattacken. Sie meidet Menschenmengen. Sie meidet die Treppe. Sie kann nicht mehr allein in der Praxis sein. Im Urlaub erlebt sie die erste große Attacke, danach wird es fast täglich. Ein Arzt diagnostiziert PTBS. Sandra startet Therapie und versucht, Schritt für Schritt zurück ins Leben zu finden. Dann kommt das nächste Trauma. Im Gerichtsverfahren fühlt sie sich schlecht vorbereitet. Die Täterin zeigt keine echte Reue. Das Verfahren endet ohne Urteil. Am Tag, an dem Sandra wieder in die Praxis geht, kündigt ihr Chef. Er nennt sie zu labil. Es folgt ein Kontaktverbot und Praxisverbot. Sandra verliert ihr berufliches Zuhause. Zusätzlich beschreibt Sandra, wie sie bei der Berufsgenossenschaft festhängt. Sie bekommt über Monate kein Geld. Sie bekommt keine klare Entscheidung. Sie rutscht finanziell ab und ist auf Hilfe aus ihrem Umfeld angewiesen.

Sandras Verlinkung: Unterstützung: https://www.gofundme.com/f/nach-div-schicksalsschlagen-mochte-ich-mein-leben-zuruck?attributionid=sl%3A838e19d6-cb3d-49c1-920c-0a4d661a96aa&ts=1768406808186&utmcampaign=natmansharesheetdash&utmmedium=customer&utmsource=copy_link

Arbeitsunfall #GewaltAmArbeitsplatz #Patientengewalt #Gesundheitswesen #ArztpraxisAlltag #Panikattacken #PTBS #TraumaVerarbeiten #Traumatherapie #PsychischeGesundheit #MentalHealthAwareness #Angststoerung #Opferschutz #Gerichtsverfahren #Arbeitsrecht #Kuendigung #Berufsgenossenschaft #BG #Verletztengeld #Sozialsystem #Behördenstress #HilfeSuchen #MutZumSprechen #Spendenaufruf

Zeitstempel: 0:00:00 – 0:01:36: Intro, Triggerwarnung 0:01:36 – 0:05:29: Vorstellung von Sandra und Thema, Sandras Job, Praxisleitung, Ausbildung, Zusatzqualifikation und Arbeitsalltag 0:05:29 – 0:10:32: Der Angriff, was davor in der Praxis passiert ist, Polizei, erste Verletzungen 0:10:32 – 0:17:25: D-Arzt, Diagnosen, Krankschreibung, Rückkehr zur Arbeit, Verdrängen, Vermeidungsverhalten 0:17:25 – 0:23:35: Urlaub in Cornwall, erste Panikattacke, Trigger, Alltag kippt, tägliche Attacken 0:23:35 – 0:28:55: Zusammenbruch, PTBS-Diagnose, Therapie, Wunsch nach stationärer Hilfe, Hürden 0:28:55 – 0:39:02: Gerichtsverfahren, Täter-Opfer-Umkehr, Einstellung, fehlende Entschuldigung, Enttäuschung 0:39:02 – 0:45:18: Erster Tag zurück, Kündigung, Praxisverbot, Kontaktabbruch, Identitätsverlust 0:45:18 – 0:59:29: Kündigungschaos, BG-Strukturen, Arztwechsel, Gutachten, keine Leistungen, finanzielle Not 0:59:29 – Ende: Sandras Wünsche, Rat an Betroffene, Verabschiedung, Hinweis auf Spendenaufruf und Kontaktmöglichkeiten


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Transkript anzeigen

00:00:02: kam mir halt besagt, Patientin entgegen.

00:00:05: Und auf mich machte sie den Eindruck, dass es ihr körperlich schlecht ging.

00:00:08: Also sie war wie am Torkeln.

00:00:11: Und es war ja wirklich innerhalb von Sekunden, dass man da irgendwie gedacht hat, oh Gott, da kann was passieren.

00:00:17: Und ich bin hier entgegengegangen an der Treppe.

00:00:19: Und dann hat sie einfach aus mich eingeschlagen.

00:00:21: Es war so schnell, dass ich das gar nicht wechseln konnte.

00:00:31: Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig.

00:00:34: Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Höhrens unseres Podcasts wohl fühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst.

00:00:41: In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Höhren der verstörend sein könnten.

00:00:46: Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.

00:00:49: Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden.

00:00:59: Stell dir vor, Du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist.

00:01:06: Das

00:01:06: passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne

00:01:09: zu

00:01:09: Bohne.

00:01:10: Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.

00:01:14: Kein Name, keine Information, keine Themen.

00:01:17: Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.

00:01:20: Ich bin Sanya und ich suche die Gäste.

00:01:23: Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit ehrlichen, berührenden und bewegenden Geschichten sind.

00:01:28: Und genau die wollen wir mit euch teilen.

00:01:30: Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?

00:01:38: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.

00:01:40: Mein Name ist Charlotte.

00:01:41: Mein Name ist Zanya.

00:01:42: Mein Name ist Sandra.

00:01:44: Und ich wurde auf der Arbeit angegriffen und leide seitdem unter Panikattacken.

00:01:49: Und die BG unterstützt mich leider nicht.

00:01:51: Hi, Sandra.

00:01:52: Huh, sehr, sehr neues Feld für mich.

00:01:56: Was heißt, du wurdest angegriffen auf der Arbeit?

00:01:58: Wollen wir erst mal darüber reden, was du beruflich gemacht hast?

00:02:03: Ich habe ursprünglich eine Ausbildung

00:02:06: zur Arztelfring

00:02:06: gemacht und hab seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit

00:02:13: ... ... seit ... ... seit ... ...

00:02:15: seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit

00:02:21: ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... seit ... ... ... ... seit ... ... ... ... seit ... ... ... ...

00:02:26: seit

00:02:27: ... ... ... ... seit ... ... ... ... seit ... ... ... ... ... seit ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...

00:02:29: ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... Nein, war eine ganz normale Patientin.

00:02:34: Nicht regelmäßig da, aber immer mal wieder, aber immer unauffällig gewesen.

00:02:41: Seit ich siebzehn war tatsächlich, also seit zwei Tausend drei.

00:02:46: Ich hab zwei Tausend drei dort angefangen mit einem Praktikum,

00:02:49: eine schöne Praktikum.

00:02:50: Das hab ich dann auch noch mal wiederholt und danach als Aushilfe dort gearbeitet.

00:02:55: Bis zum

00:02:55: Zeitpunkt, wo meine Ausbildung losging und dann die Ausbildung dort gemacht.

00:02:59: Ich war dann

00:03:01: halbis Jahr circa

00:03:02: in einer anderen Fachrichtung, bin dann aber wieder zurückgegangen, als der Posten der Leitenden kraftfrei wurde und hab dann dort die Leitung übernommen ab dem Jahr.

00:03:14: Das heißt aber auch, der Arztbetrieb selbst hat sich bei dir gemeldet und hat gesagt, hey, möchtest du die Stelle annehmen?

00:03:20: Genau, also ich hatte immer Kontakt noch mit dem Arzt und ja.

00:03:25: Okay, das heißt, du hattest einen bleibenden Eindruck hinterlassen und damit war dann auch klar, okay, gut, das kannst du dir sehr gut vorstellen, weil dir das Team gefallen hat, die Praxis hat dir gefallen.

00:03:33: Okay, verstehe.

00:03:35: Du hast dann aber auch eine Zusatzqualifikation gemacht.

00:03:38: Genau.

00:03:40: Also erst mal zur Praxisführung habe

00:03:43: ich einiges an Fortbildungen

00:03:45: gemacht.

00:03:46: Und dann letzten Endes, um zwei Tausend Achtzehn, war das eine Weiterbildung zur, das nennt sich entlastende Versorgungsassistentin.

00:03:54: sodass ich außerhalb der Praxis ohne den Arzt tätig werden durfte.

00:03:59: Also ich hab dann die Pflegeheime betreut, Patienten, die nicht mehr in die Praxis kommen konnten.

00:04:04: Und ja, so ein bisschen mehr als der normalen Praxisbetrieb.

00:04:09: Okay, das heißt, du hast Hausbesuche gemacht?

00:04:10: Genau.

00:04:11: Okay,

00:04:11: verstehe.

00:04:12: Und da warst du unabhängig vom Arzt?

00:04:15: Genau.

00:04:16: Das ist meistens so gewesen, dass ich ... also, mein Tag mit den Hausbesuchen begonnen habe.

00:04:21: Ich habe Blut abgenommen, Wundversorgung gemacht, so was.

00:04:24: und bin danach dann erst zur Praxis, während die schon im Gange war, und hab dann

00:04:31: den Rest

00:04:31: des Vormittags in der Sprechstunde dort gearbeitet.

00:04:34: Und du warst über zwanzig Jahre in dieser Praxis tätig.

00:04:37: Wie war denn dein Verhältnis zu den Kollegen und dem Hausarzt?

00:04:41: Einwandfrei.

00:04:42: Also,

00:04:44: mit dem Arzt hab ich

00:04:44: mich immer sehr gut

00:04:45: verstanden,

00:04:47: auch privat, ob das Runde Geburtstage waren oder meine Hochzeit, da war er auch da.

00:04:54: Es war immer sehr, sehr angenehm.

00:04:55: Das Team sowieso als leitende Kraft.

00:04:58: Ich hab das Personalmanagement auch gemacht.

00:05:00: Ich konnte mich natürlich auch immer aussuchen, wie ich arbeite.

00:05:02: Und ja, also war ... mit meiner damaligen Kollegin ... bin ich sogar in Urlaub geflogen, weil wir uns sehr gut verstanden haben.

00:05:11: Magst du uns einmal von dem Tag erzählen, als der Angriff passiert

00:05:15: ist?

00:05:15: Mhm.

00:05:17: Ich hatte morgens wieder meine Hausbesuche.

00:05:20: Die Praxis begann immer so um halb acht

00:05:22: mit der Sprechstunde.

00:05:24: Ich war dann, ich glaub, so gegen halb zehn dort.

00:05:29: Und als ich die Stufen zur Praxis hochgegangen bin, so ein großes offene Treppenhaus, man konnte die Praxistür

00:05:36: aussehen,

00:05:37: kam mir halt besagt, Patientin entgegen.

00:05:39: Und auf mich machte sie den Eindruck, dass es ihr körperlich schlecht ging.

00:05:43: Also, sie war wie am Torkeln.

00:05:45: Und es war ja wirklich innerhalb von Sekunden, dass man da irgendwie gedacht hat, oh Gott, da kann was passieren.

00:05:52: Und ich bin hier entgegengegangen

00:05:53: an der Treppe.

00:05:55: Und dann hat sie einfach aus mich eingeschlagen.

00:05:57: Es war so schnell, dass ich das gar nicht wechseln konnte.

00:06:01: Raus dem

00:06:01: nichts.

00:06:02: Sie hat nichts gesagt vorher.

00:06:04: Ich hab sogar noch im ersten Moment

00:06:06: beim ersten

00:06:06: Schlag gedacht, der hat einen Krampwandfall.

00:06:09: Weil ich damit auch nicht gerechnet hab, und hab das dann erst beim zweiten, dritten Schlag.

00:06:13: Also, der hat mir immer wieder gegen den Kopf geschlagen.

00:06:16: Und der ist dann

00:06:17: so

00:06:18: realisiert, was da gerade passiert ist.

00:06:22: Kannst du beschreiben, wie ... oder definieren, wie alt die Frau war?

00:06:25: Jünger als ich.

00:06:28: Aber ich glaub, sie war so Mitte Ende zwanzig.

00:06:31: Sie hatte noch ordentlich Kraft und konnte auch ordentlich zuhauen.

00:06:34: Hat sie mit der flachen Hand geschlagen oder mit der Faust?

00:06:38: Ja.

00:06:38: Du bist wahrscheinlich dann umgekippt?

00:06:40: Nie.

00:06:41: Hinter ihr kam dann

00:06:42: mein damaliger

00:06:43: Arbeitgeber, auch die Treppe, runter.

00:06:45: Er ist ja wohl nachgelaufen.

00:06:46: Hinterher hab ich

00:06:47: erfahren, dass die schon vorher ... innen und vor der Praxis ein bisschen randaliert

00:06:52: hatte.

00:06:52: Und deswegen ist er irgendwo nachgegangen, um sicherzustellen, dass sie wirklich geht.

00:06:55: Also ich wurde dann der Praxis verwiesen.

00:06:58: Und er kam dann quasi dazu.

00:07:00: Und er hat sie rausreflex, glaube ich, festgehalten.

00:07:06: Und dadurch wurde sie aber noch wütender.

00:07:08: Und irgendwann habe ich dann ganz noch gerufen, lassen sie los, lassen sie los.

00:07:13: Und dann hat sie noch versucht zu treten und ist dann die Treppe runter und ist dann gegangen.

00:07:20: Warst du da so mit Adrenalin vollgepumpt, dass du nichts an deinem Körper erst mal gemerkt hast?

00:07:25: Genau so.

00:07:26: Ja, genau so.

00:07:27: Es war klar, der Kopf dröhnte, Fiepen

00:07:32: im Ohr,

00:07:32: also das war das, was ich sofort

00:07:34: gemerkt hab.

00:07:35: Aber der Schock war ja viel, viel schlimmer.

00:07:36: Es war so überraschend, hätte ich auch nie mitgerechnet.

00:07:45: Eigentlich denke ich, ich hab eine gute

00:07:47: Menschenkenntnis und ich

00:07:48: kann gut ... fühlen, was so im Menschen vorgeht und dementsprechend auch deeskalieren.

00:07:53: Aber das ging

00:07:54: so schnell, das war einfach nur sehr,

00:07:59: sehr heftig, die ganze Situation.

00:08:03: Was hast du gefühlt, als du im nächsten Moment erst mal reflektieren konntest, wie diese Situation war?

00:08:12: Ich hab

00:08:14: mir tatsächlich so ein bisschen Sorgen um sie gemacht.

00:08:15: Also ich weiß nicht, ob das vom Berufsstand her ist, wir haben ja alle so ein bisschen Helfer-Syndrom.

00:08:21: Aber ich wirklich gedacht,

00:08:23: was bei ihr gerade wohl vorging.

00:08:26: Und wir haben dann auch die Polizei gerufen, hauptsächlich um zu melden, dass deine Person ist, die eventuell auch eingefährdet

00:08:32: handelt.

00:08:33: Und dann haben wir halt auch mit dem Team noch mal gesprochen, was ist eigentlich passiert.

00:08:40: Dann habe ich erst erfahren, wie der ganze Vormittag war.

00:08:43: Und dass es ja schon so schwierig wird, ihr war.

00:08:45: Und dass ihr halt auch verbal

00:08:47: ausgerastet ist in der Praxis.

00:08:50: Ja, waren halt super viele Informationen erst mal, ne?

00:08:52: Was ist denn vorher passiert?

00:08:54: Also, es war ja noch Corona-Zeit.

00:08:57: Und wir hatten

00:08:59: eigentlich in der Mittagszeit

00:09:00: immer so Akkutschbeistunde.

00:09:03: Und sie kamen halt morgens dann ohne Termin, wo wir dann eigentlich auch immer sagen, nee, komm, so heute Mittag wieder.

00:09:08: Es war aber jetzt auch nicht so viel los.

00:09:09: Aber meine Kollegin wollte das auch nicht alleine entscheiden, hat dann erst mal den Arzt gefragt.

00:09:15: Das hat ihr schon nicht gepasst.

00:09:16: Dass sie wohl auch warten musste, hat ihr nicht gepasst.

00:09:19: Es hat sich wohl so angestaunt, alles Mögliche.

00:09:21: Und erst, als sie dann vom Arzt wieder ging und vorne ihre Krankschreibung erhalten hat, ging ihnen die halt nicht lang genug.

00:09:30: Und dann hat sie wohl angefangen, Kollegin zu

00:09:33: beleidigen.

00:09:36: Und ist dann irgendwann gegangen, hat dann vor der Tür immer ein Stuhl stehen, den sie dann noch so umgeworfen hat.

00:09:42: Und ja, dann kam ich ihr entgegen.

00:09:47: Wie ging die Situation danach weiter, als sie weg war?

00:09:50: Ähm ... Also, bis wir das alles aufgearbeitet

00:09:54: haben,

00:09:55: ich mit meinem Arbeitgeber und auch so im

00:09:57: Team,

00:09:58: verging, glaub ich, schon so ein, zwei

00:10:00: Stunden.

00:10:03: Also, ich hätte dann so oder so auch Feierabend gehabt und ich bin dann halt wieder nach Hause gefahren.

00:10:07: Und erst so im Laufe des Tages, wenn dann Adrenalin nachlässt, hab ich dann gemerkt, auch ist doch ein bisschen mehr, ne?

00:10:17: Also, die Wirbesäule war stark eingeschränkt.

00:10:19: Ich konnte den Kopf nicht bewegen.

00:10:21: Blut im Gehörgang.

00:10:23: Ich dachte, ich hätte

00:10:25: Ohrenschmerzen hinterherkommen.

00:10:26: Das war mein Kiefergelenk, das wohl ziemlich hart geprellt war.

00:10:30: Da hatte ich dann ein Bluterguss drin.

00:10:32: Das kam halt zum Laufe des Nachmittags alles dann hoch.

00:10:37: Hatten sich Kollegen oder Kolleginnen noch mal bei dir gemeldet und gefragt, wie es dir geht?

00:10:43: Hättest du dir das gewünscht?

00:10:45: Weiß ich nicht.

00:10:48: Wir haben eine Auszubildende gehabt und eine ...

00:10:50: Voll ausgebildete Kolleginnen,

00:10:52: die ich aber auch schon

00:10:52: ausgebildet habe.

00:10:54: Wir kannten uns ja schon ein paar Jahre.

00:10:55: Und ich glaub, ich wollte sie auch so ein

00:10:57: bisschen beschützen.

00:10:59: Ich wollte mich nicht anmerken

00:11:00: lassen, wie schlimm das für mich war.

00:11:03: Und ich glaub, deswegen hat das keiner wirklich ernst genommen.

00:11:06: Was meinst du mit, du wolltest sie beschützen?

00:11:11: Jetzt zuzugeben,

00:11:12: dass das für mich sehr

00:11:14: schwer war,

00:11:15: hätte ja auch geheißen, dass da irgendwie eine

00:11:19: Gefahr

00:11:20: in der Praxis irgendwie ... von Patienten ausgeht.

00:11:23: Und ich glaub, das waren Gedanken, die ich ihnen nicht antun wollte.

00:11:26: Okay.

00:11:28: Bist du danach zum Arzt gegangen, als du gemerkt hast, dass da was mit dir nicht stimmt?

00:11:32: An dem

00:11:32: Tag noch nicht, erst am nächsten

00:11:33: Morgen.

00:11:34: Also am nächsten Morgen war dann

00:11:36: der Tinnitus

00:11:36: immer noch da und der Kopf war nicht beweglich.

00:11:40: Und dann bin ich dann zum

00:11:42: Durchgangsarzt gegangen,

00:11:44: da das ja alles auf der Arbeit passiert ist.

00:11:45: Gut, dass er über die BG gemacht.

00:11:47: Und genau, dann war ich erst dort.

00:11:51: Was hat man dir dort diagnostiziert?

00:11:54: Schleudertrauma, eine Schiedelprellung,

00:11:58: die Kieferprellung.

00:12:00: Ja, also der Gehörgang war okay, das war leicht eingerissen, weil es aber zum Glück gar nichts im Ohr.

00:12:05: Ja, das waren so die hauptsächlichen Sachen.

00:12:08: Das heißt, du konntest danach auch nicht zur Arbeit gehen, sondern war es erst mal freigestellt.

00:12:12: Genau, ich war erst mal krankgeschrieben.

00:12:14: Okay, wie lange?

00:12:16: Offiziell zwei Wochen, wobei mein Arbeitgeber mich nach einer Woche zurückgeholt hat.

00:12:20: Krass.

00:12:21: Also es war dann unsere Auszubildung, wir waren zeitlich auch krankgeschrieben und

00:12:26: damit die andere Kollegin

00:12:27: nicht alleine ist, hat er mich gebeten, zu kommen,

00:12:29: einen leichten Dienst zu

00:12:30: machen.

00:12:31: Krass,

00:12:31: das ist heftig.

00:12:32: Ist aber tatsächlich im Gesundheitswesen nicht unüblich.

00:12:37: Wie hat denn dein Arbeitgeber, der ja der Hausarzt ist und der das ganze Szenario mitbekommen hat, der ja auch gesehen hat, wie du wie oft dich eingeschlagen wurde?

00:12:47: Wie hat er reagiert, als du dich krank gemeldet hast?

00:12:50: Ich glaube, er war bemüht,

00:12:52: so zu tun, als

00:12:54: wenn das gut wäre.

00:12:56: Aber er war jetzt nicht wirklich begeistert davon.

00:13:01: Ich glaube, das sind Ärzte allgemein nicht, wenn das eigene Personal krank ist.

00:13:06: Hattest du in Erwägung gezogen, die Frau anzuzeigen?

00:13:09: Nicht sofort,

00:13:12: weil halt der Gedanke da war, Gott, die Arme, vielleicht geht es ihr gar

00:13:16: nicht gut.

00:13:17: Heute weiß ich natürlich, dass das keine Rechtfertigung ist.

00:13:22: Und

00:13:23: ich dachte auch noch, dass sie sich vielleicht

00:13:24: entschuldigt, dass sie sich vielleicht meldet.

00:13:27: Aber das hat

00:13:27: sie nicht getan.

00:13:28: Und ich hab dann, oh Gott, wie lange war das denn

00:13:32: drei Wochen später?

00:13:34: Die Anzeige erstellt,

00:13:35: genau.

00:13:35: Das ist schon

00:13:36: spät drei

00:13:36: Wochen.

00:13:38: Das heißt auch, du hast für dich erst mal auch die Zeit gebraucht, um zu reflektieren, ehrlicherweise, was ist ja alles genau passiert?

00:13:44: Und wie hat die Frau sich eigentlich tatsächlich dir gegenüber verhalten, unabhängig von dem, wie es ihr ging?

00:13:49: Hast du die Frau danach noch mal gesehen?

00:13:51: Im Vorgericht nur.

00:13:52: Okay.

00:13:54: Lass uns noch gerne noch mal zurück zu dem Zeitpunkt gehen, als du in der Krankmeldung zurück zur Arbeit gegangen bist.

00:14:03: Wie hast du dich gefühlt, als du diesen Ort, wo du verprügelt

00:14:07: wurdest,

00:14:08: als du diesen Ort noch mal begegnen musstest?

00:14:10: Weil anders konntest du ja nicht in die Praxis.

00:14:13: Also ich weiß noch das erste Mal, wo ich wieder die Treppe hochgehen musste, war es schon ein flausgefühl irgendwie.

00:14:20: Aber auf der anderen Seite ist es natürlich ein Ort, weil mein zweites Zuhause irgendwie, also es war

00:14:27: gemischt, war schwierig.

00:14:29: Hast du dich da irgendwie im Anvertraut, was deine Gefühlslage in der Zeit angeht?

00:14:35: Ich glaube, ich hatte

00:14:36: immer so das

00:14:37: Gefühl, dass ich

00:14:39: das nicht schlimm finden soll.

00:14:41: Also ich hatte das Gefühl, in meinem Umfeld war das

00:14:46: ja, ja, war doof gelaufen,

00:14:48: aber passiert halt.

00:14:49: Deswegen

00:14:51: habe ich mich da ganz lange selbst reguliert, um nicht...

00:14:56: zu heftig zu reagieren

00:14:57: fürs Umfeld.

00:14:58: Weil das ja nur eine Kleinigkeit war.

00:15:01: Als du zurück zur Arbeit gekommen bist, wie hat dein Chef reagiert?

00:15:05: Ähm, also jetzt ganz

00:15:08: oft

00:15:10: erwähnt,

00:15:12: dass das für ihn schlimm war, anzusehen.

00:15:18: Und

00:15:20: also ich freu mich jetzt an keine Situation erinnern, dass er mich direkt gefragt hat, wie geht's Ihnen damit?

00:15:28: Also körperlich, ja.

00:15:29: körperlich war das,

00:15:30: haben dann noch Schmerzen, tut der Kopf noch weh, ist der Tinnitus

00:15:33: noch da, aber was emotional

00:15:37: dahinter steckt, da hat

00:15:38: er nie nachgefragt.

00:15:40: Du musstest dich ja jeden Tag dieser Situation wieder

00:15:43: aussetzen,

00:15:44: dass du immer wieder den Tatort siehst.

00:15:47: Hast du das in der Zeit dann verarbeiten können Stück für Stück oder hast du das einfach nur verdringt?

00:15:52: Kannst du das so ein bisschen schildern?

00:15:54: Verdringt, ganz deutlich verdringt,

00:15:56: ja.

00:15:57: Also ich war dann... noch in physiotherapeutischer Behandlung, mir vor der Rücken behandelt, mir vor das Kiefergelenk behandelt.

00:16:06: und ich glaube, solange das alles noch sehr aktuell war, konnte ich alles, was so ein bisschen unter der Oberfläche war, verdrängen.

00:16:15: Und erst, wo

00:16:16: ich dann körperlich genießen

00:16:20: war,

00:16:22: kam das so in

00:16:23: Wellen,

00:16:25: das ich selber gemerkt habe.

00:16:27: Man geht zur Arbeit und man sieht, da steht jemand auf der

00:16:29: Trappe,

00:16:30: dann gehe ich nochmal um Block.

00:16:32: dann fällt mir spontan ein, dass ich noch Kopie-Papier kaufen muss oder irgendwie,

00:16:36: dass man

00:16:37: das so ein bisschen umgeht.

00:16:38: Wir hatten auch noch ein anderes internes Treppenhaus.

00:16:41: Superumständlich mit Zehntausend Türen.

00:16:44: Dann bin ich lieber den Weg gegangen,

00:16:46: anstatt über dieser Treppe zu gehen.

00:16:49: Wenn Leute vor der Praxis standen, was natürlich vorkommt, gerade in Corona-Zeiten, dass man sich mal eine Schlange bildet, da hab ich eigentlich immer gewartet, bis alle weg sind.

00:16:58: Der

00:16:59: Angriff der Patientin war ja im Februar.

00:17:02: Wann hattest du das erste Mal die Möglichkeit Abstand zur Praxis zu gewinnen?

00:17:07: Das war Mitte Mai,

00:17:09: da hatten wir Praxisoerlaub.

00:17:15: Das war dann das erste Mal, dass ich halt

00:17:19: nicht morgens dorthin musste,

00:17:20: dass ich nicht morgens aufgewacht bin mit dem Gedanken, oh Gott,

00:17:23: jetzt gehe ich

00:17:24: wieder dahin

00:17:24: und was ist wenn?

00:17:25: Und

00:17:27: ich hatte auch immer Angst, auch in der Stadt.

00:17:31: auf dem Weg zur Arbeit, um der Patientin zu begegnen.

00:17:34: Ich wusste, sie wohnte in der Nähe

00:17:36: und da habe ich schon gemerkt, wo Urlaub fahren, ersten Druck aufwachen, durchatmen und ein bisschen entspannter sein.

00:17:47: Bist du ihr dann so einmal über den Weg gelaufen?

00:17:50: Kann ich gar nicht genau sagen, weil tatsächlich mein Unterbewusstsein

00:17:56: ...

00:17:56: die Gesicht gelöscht hatte.

00:17:58: Ich konnte mich

00:17:59: bis zur Gerichtsverhandlung

00:18:00: nicht mehr an das Gesicht erinnern, obwohl ich sehr Feuer kannte und ich ein sehr gutes Gesichtsgedächtnis habe.

00:18:06: Hat mein Unterbewusstsein, das hat mir hinterher ein Therapeut erklärt,

00:18:09: hat das einfach gelöscht.

00:18:11: Was aber für mich noch schlimmer war, weil ich durch die Stadt gegangen bin und dachte, jetzt erkenne ich die gar nicht.

00:18:17: Im Urlaub warst du ja in England.

00:18:20: Was ist da passiert?

00:18:22: Ich bin, also muss ich sagen, ich verreiß alleine

00:18:25: mit den Hunden meistens

00:18:27: und ich war

00:18:29: in Cornwall.

00:18:31: Was wunderschön war und auch sehr entspannend und das tat auch gut, aber rausgerechnet dort,

00:18:36: ganz weit weg von zu Hause,

00:18:37: hatte ich dann meine erste Panikattacke,

00:18:40: die so richtig schlimm war.

00:18:45: Hatte die sich angekündigt oder kam die von jetzt auf

00:18:47: gleich?

00:18:48: Das kam von jetzt auf gleich.

00:18:49: Also ich hatte

00:18:51: das Cottage in dem wir waren.

00:18:53: war ein Wanderweg und dem entlang war so ein Strand im Biss, der immer gut besucht war.

00:18:59: Da waren wir eigentlich, sind

00:19:00: wir jeden

00:19:00: Tag dran vorbeigelaufen und

00:19:04: ich stand dort in der Schlange.

00:19:06: Ich hatte mich noch mit

00:19:08: anderen Urlaubern

00:19:09: unterhalten und auf Ammerwurz hektisch

00:19:13: hinter mir.

00:19:14: Eine Frau hatte sich da vor der Biene oder eine Wespe erschrocken und diese Hektik hat das dann bei mir irgendwie

00:19:21: getriggert

00:19:23: und ich habe dann Erst mal nur körperlich gemerkt,

00:19:27: also

00:19:27: das Herz klopfte, mir wurde schwindelig,

00:19:29: mir wurde schlecht

00:19:31: und

00:19:33: bin dann auch so ein bisschen weggedämmert.

00:19:37: Ich

00:19:37: war nicht unmählich direkt, aber es war schon so ein Moment, wo man dachte, das könnte sein.

00:19:41: Und mein erster Gedanke war, das ist aber nur der Kreislauf.

00:19:43: Ich

00:19:45: hatte dann aber eine ganz,

00:19:46: ganz nette Engländerin

00:19:48: vor Ort, die mich direkt darauf ansprach und fragte, ob ich Panikattacken hätte,

00:19:52: weil sie das von

00:19:52: ihrem Sohn

00:19:53: kennt.

00:19:55: Ja,

00:19:55: das war dann die erste.

00:19:58: Von vielen.

00:20:00: Hast du auch verstanden in dem Moment schon, woher die kam oder was der Auslöser war?

00:20:05: Gar nicht, das war auch erst später.

00:20:07: Dass man sich zurück erinnert hat und

00:20:10: dass man dann wusste,

00:20:12: dass ein paar, also sind so hektische

00:20:14: Momente,

00:20:15: die man nicht steuern kann.

00:20:17: Ist im Urlaub da noch mal so was passiert?

00:20:20: Nein, Gott sei Dank nicht.

00:20:21: Okay.

00:20:22: Wie hast du dich in dem Moment selbst reguliert?

00:20:25: Gar nicht eigentlich.

00:20:26: Also ... Ich wurde da irgendwie dann von den Urlaubern hingesetzt, den Beinen

00:20:33: hochgelegt,

00:20:33: mir vor was zu trinken gebracht.

00:20:35: Ein

00:20:36: Gefühl dauerte das eine halbe Stunde, in Wirklichkeit wahrscheinlich nur Minuten.

00:20:41: Und dann, weil ich ja dann auch noch dachte, das wäre der Kreislauf, hab ich das dann irgendwie hinter mich gebracht.

00:20:49: Hast du danach versucht, so was wie Menschen schlangen oder, ich weiß nicht, Blumgärten zu meiden, aus Angst vor genau so eine Situation?

00:20:59: Ähm ... Ja,

00:21:01: mit der Zeit dann immer

00:21:02: mehr.

00:21:04: Vor allen Dingen, obwohl ja ich von vorne

00:21:08: angegriffen worden

00:21:09: bin in einer

00:21:09: eins zu eins Situation,

00:21:12: hat sich dann herausgestellt, dass immer mehr Probleme waren, umso mehr

00:21:15: Menschen da sind, die ich nicht kannte.

00:21:17: Und vor allem, wenn sich Leute

00:21:19: hinter

00:21:19: mir bewegten, dass es immer diese Auslöser waren.

00:21:23: Und so habe ich dann nach und nach ... Supermärkte gemieden, bin nur noch spät abends einkaufen gegangen, hab mehr als einmal einen vollen Einkaufswagen stehen

00:21:32: gelassen, hab den Laden

00:21:33: verlassen.

00:21:35: Aber es ging dann so, es hat sich so aufgebaut.

00:21:39: Nach dem Urlaub bist du ja oder musstest du wieder zur Arbeit.

00:21:42: Und das war ja immer noch zu einer Zeit, als Corona war.

00:21:45: Das heißt also, die Menschenansammlung war dort ja auch präsent.

00:21:50: Wie hast du das gehandelt?

00:21:52: Ganz schlecht, also ...

00:21:55: Ich war

00:21:55: eigentlich sonst

00:21:55: immer diejenige, die

00:21:58: auf Patienten zuging, die vielleicht gereizt sind, wenn die Stimmung so ein bisschen

00:22:03: schärfer

00:22:03: wurde, dann eigentlich ewig immer hingegangen, die das so ein bisschen versucht hat, runterzudämpfen.

00:22:09: Das konnte ich dann gar

00:22:10: nicht mehr.

00:22:12: Also ich habe immer mehr mich dann aus der

00:22:14: Situation einfach zurückgezogen, wenn Patienten laut geworden sind.

00:22:22: Und dann einfach hatte ich immer nur einen Fluchtgedanken.

00:22:25: Hatten Kollegen bemerkt, dass du dich in deinem Wesen verändert hattest?

00:22:29: Ich glaube nicht richtig.

00:22:31: Das heißt also, keiner hat dich aktiv darauf angesprochen.

00:22:35: Konntest du noch allein in der Praxis sein?

00:22:37: Nein, gar nicht mehr.

00:22:39: Was schlecht war für meinen Job, weil ich eigentlich ... Ich hatte so ein Gleitzeitmodell,

00:22:44: also

00:22:45: wie gesagt, morgens Hausbesuche,

00:22:46: dann Sprechstunde und meistens, wenn dann die Kolleginnen

00:22:49: mittags die Praxis verlassen haben und der Chef ... hab ich dann so Backoffice-Tätigkeiten gemacht, Rechnung geschrieben, E-Mails beantwortet.

00:22:58: Das konnte ich dann gar nicht mehr.

00:23:00: Also,

00:23:00: es war

00:23:01: schon,

00:23:02: dass ich immer

00:23:03: geguckt hab, dass ich mit den anderen gehe, dass ich auch diese alleine Situation auf der Treppe

00:23:07: nicht hatte.

00:23:09: Und da hat natürlich die Arbeit auch drunter gelitten.

00:23:13: In so einem

00:23:14: normalen Praxisalltag, wie oft kamen da Panikattagen auf?

00:23:21: Also, in den Wochen nach dem Urlaub.

00:23:25: Hat sich das eigentlich gesteigert, dass es

00:23:28: fast täglich war,

00:23:29: weil es uns auften

00:23:30: wie ich zur Arbeit schon,

00:23:32: dass ich halt viel mit dem Wagen auch recht

00:23:33: anfahren musste.

00:23:35: Ich glaube, auf der Arbeit selber konnte ich es immer ein bisschen verheimlichen, weil ich halt auch nicht wollte, dass der andere das mitbekommen,

00:23:45: was natürlich

00:23:46: nicht die Glücksreaktion ist.

00:23:49: Ja, und dann hat noch private Situationen, wo es immer wieder aufgekommen ist.

00:23:54: Wann hast du für dich ... Beschlossen, dass du was dagegen machen musst, weil wenn das täglich dein Begleiter irgendwann war, dann ist ja jede Minute einfach nur super anstrengend.

00:24:05: Das war Mitte August,

00:24:09: war meine Arbeitskollegin krank.

00:24:13: Und diese Woche, wo ich dann halt auch öfter

00:24:16: alleine war in der Praxis, weil die Auszubildung

00:24:18: natürlich in die Schule

00:24:19: ging, war so anstrengend,

00:24:24: dass ich hab

00:24:26: gar nicht mehr geschlafen.

00:24:29: Und als dann ... Eine Woche später,

00:24:31: so der Montag wieder startete, war ich morgens

00:24:34: zu Hause und ich konnte mich nicht

00:24:37: bewegen.

00:24:39: Ich konnte nicht ausstehen.

00:24:44: Und da hab ich dann

00:24:46: wieder den Arzt aufgesucht.

00:24:48: Ich musste

00:24:48: wieder zum

00:24:49: Durchgangsarzt, weil er immer noch ... musste dann den Durchgangsarzt aufsuchen, weil es immer noch ein Arbeitsantall war.

00:24:59: Und er hatte mir dann eine Krankschreibung wegen einer posttraumatischen Belastungsstückung aufgestiegen.

00:25:09: Konnte mir aber natürlich

00:25:09: auch

00:25:10: nicht helfen.

00:25:10: Also,

00:25:11: das war ja ein Chirurg.

00:25:12: Das sind ja meistens Schroden.

00:25:17: Das war natürlich auch für mich wahnsinnig schwer, überhaupt eine Praxis aufzusuchen, z.B.

00:25:21: in unsere

00:25:22: eigenen Praxis schwierig.

00:25:24: Und in anderen Praxen

00:25:25: dann wird es nicht leichter.

00:25:30: Und da war dann der Moment, wo ich

00:25:32: gemerkt habe, wenn ich jetzt

00:25:34: nichts tue, kann ich nicht mehr zum

00:25:36: Rücken meiner Arbeit.

00:25:38: Wie hat der Arzt darauf reagiert, deinen Chef, als du ihm gesagt hast, was für eine Diagnose dir gestellt wurde?

00:25:48: Nach außen hin

00:25:49: offiziell

00:25:51: hieß es natürlich,

00:25:52: ruhen

00:25:52: sie sich aus, nehmen sie sich Zeit, aber ich kannte

00:25:56: ihnen halt gut genug,

00:25:58: dass ich wusste,

00:26:01: dass er nicht froh über die Situation war.

00:26:05: Hat er Mitleid oder ähnliches dir gegenüberbekündet?

00:26:10: Nein.

00:26:12: Hast du dich... nachdem du die Diagnose erhalten hast, bei wem anderen anvertraut?

00:26:18: Ich hab dann

00:26:18: über die BG-Rhein-Therapeutin aufgesucht.

00:26:25: Auch sehr schnell einen Termin bekommen, da ich das nicht über die Krankenkassen lief.

00:26:29: Ich ging das zum Glück, ich glaub, innerhalb von

00:26:31: zehn Tagen.

00:26:32: Und da waren dann so die

00:26:34: ersten

00:26:36: Gespräche.

00:26:38: Und natürlich, also ein direktes Umfeld

00:26:40: ...

00:26:44: hat's natürlich dann auch irgendwo mitbekommen.

00:26:47: Als du die Diagnose bekommen hast, was hast du da gefühlt?

00:26:52: Ich glaub,

00:26:53: gar nichts.

00:26:55: Aber es war, ich konnte eigentlich nur daran denken,

00:26:59: ich hab jetzt

00:27:00: diese A.O.

00:27:01: und ich muss nicht mehr dahin

00:27:05: und war erst mal sehr erleichtert,

00:27:08: auch wenn die Diagnose natürlich nicht

00:27:09: schön war.

00:27:11: Du hast vorher versucht dich selbst zu regulieren und zu sagen, so schlimm war das gar nicht.

00:27:18: Als sie denn gesagt wurde, dass es eine PTBS ist, das muss ja was in dir ausgerüst haben.

00:27:26: Ich glaube, das war so ein

00:27:27: Moment, der

00:27:29: es mir schwer gemacht hat,

00:27:31: mir selbst einzureden, dass es ja alles gar nicht so schlimm ist und dass man das ja leicht wieder verkriecht.

00:27:37: Und das ist natürlich ein Begriff, den man natürlich

00:27:39: auch in der allgemeinen medizinischen Praxis

00:27:41: oft hört.

00:27:42: Aber wenn es einen dann selber betrifft, dann sieht

00:27:44: man das, glaube ich, noch mal ganz

00:27:45: anders.

00:27:48: Das war schwer.

00:27:50: Als

00:27:50: ... Du, die, es war eine Therapeutin.

00:27:53: Eine Therapeut.

00:27:54: Eine Therapeut.

00:27:55: Als du das Erstgespräch mit dem Therapeuten hattest, wie war das für dich?

00:28:00: Es war unglaublich schwer, wirklich zu zeigen, wie es mir geht, wenn man

00:28:04: ja so lange so getan hat, als wenn nichts wärm.

00:28:09: Ich glaube, das hat der schnell gemerkt.

00:28:12: Und ich glaube, es hat

00:28:14: so vier Sitzungen gebraucht, bis sie wirklich am Punkt waren,

00:28:19: dass wir gesprochen haben, wie es mir wirklich

00:28:21: geht.

00:28:22: Wie oft hattest du zu diesem Zeitpunkt Therapie?

00:28:25: Einmal die Woche.

00:28:26: Okay, hattest du das Gefühl, dass das gereicht hat in dem Moment oder hättest du dir gewünscht, dass das häufiger ist?

00:28:33: Ich hab relativ

00:28:33: schnell mit dem Therapeuten

00:28:34: auch darüber gesprochen, stationär

00:28:37: mir Hilfe zu holen.

00:28:40: Aufgrund meiner Haustiere war das aber leider nicht möglich.

00:28:44: Wenn ich

00:28:45: die Möglichkeit gehabt

00:28:46: hätte, hätte

00:28:46: ich mich für ein stationären Aufenthalter entschieden.

00:28:49: Du hattest ja deine Angreiferin angezeigt und es ist zu einem Gerichtsverfallen gekommen.

00:28:55: Magst du uns erzählen, wie es war, da an dem Tag dort zu sitzen und ihr gegenüber zu sitzen?

00:29:01: Es war super schwierig.

00:29:06: Ich glaube, der erste Gerichtstermin war im

00:29:08: November.

00:29:10: Den hat sie dann platzen lassen.

00:29:12: Also die Tage auch davor waren sehr, sehr schwierig.

00:29:15: Also mein Therapeute hat sich auch noch in der Zeit sich erstmal darum bemüht, dass ich diesen Tag

00:29:22: hinter mich bringen kann.

00:29:23: Also wir haben es darauf konzentriert,

00:29:26: dass ich da halt nicht

00:29:27: komplett zusammenbreche.

00:29:30: Es ist natürlich

00:29:31: schwierig, wenn man denkt, der Tag ist jetzt da,

00:29:33: man steht morgens auf und bekommt davon einen Anruf, fällt aus.

00:29:38: Dann mussten wir auf den weiteren Termin warten.

00:29:40: Das

00:29:40: war dann

00:29:41: Mitte Dezember erst.

00:29:44: Und es war ... Also ich kannte das natürlich noch nicht, ist natürlich nichts Alltägliches, was

00:29:52: man macht,

00:29:52: was man zur Kirche geht.

00:29:55: Ich hatte eine Anwältin über den weißen Ring.

00:30:00: Er eigentlich damit, der auch vertraut ist,

00:30:03: hat mich aber auch nicht gut betreut

00:30:04: gefühlt.

00:30:06: Also er hat mit mir vorher auch nicht irgendwie gesprochen und mir erklärt, was da passiert.

00:30:12: Wir waren halt in der Nebenklage.

00:30:14: Er hat mir halt nur gesagt, dass ich da meine Aussage mache

00:30:16: und

00:30:18: der Rest war so offen.

00:30:19: Also es war ... Das war ja auch zum Zeitpunkt, wo so

00:30:24: Situationen, die ich nicht

00:30:25: planen

00:30:26: konnte, die ich nicht einschätzen konnte,

00:30:29: noch mal schwieriger war.

00:30:30: Und dementsprechend war der Tag

00:30:37: sehr, sehr anstrengend.

00:30:39: Und das Schlimmste war

00:30:40: eigentlich, dass ich dorthin

00:30:42: kam

00:30:43: und meine Angreiferin, also ich glaub, wenn ein Autenstehender gekommen wäre, hätte er gedacht, sie ist das Opfer.

00:30:52: Weil sie die ganze Zeit da saßen geheult hat.

00:30:57: hat sich da trösten lassen von ihrer Mutter.

00:31:00: Und es war total absurd.

00:31:03: Ich hab ihre Aussage dann noch nicht gehört, weil ich draußen warten

00:31:06: musste,

00:31:06: weil ich auch als Zeugen

00:31:08: dort war.

00:31:09: Deswegen weiß ich auch bis

00:31:10: heute

00:31:10: noch nicht,

00:31:11: was sie wirklich veranlasst hat,

00:31:14: was sie gedacht hat.

00:31:15: Ich hab auch bis heute keine

00:31:16: Entschuldigung

00:31:16: bekommen.

00:31:18: Und ihr

00:31:20: Anwalt

00:31:21: hat dann noch versucht,

00:31:24: mich zu diffamieren.

00:31:26: Also, er hatte, muss ich ein bisschen zurückgehen,

00:31:31: er hatte im

00:31:32: Jahr ein Unfall und hatte danach eine

00:31:35: Nervenschädigung

00:31:36: an der Hand.

00:31:38: Und das ist eine relativ seltene Erkrankung.

00:31:41: Das ist eine akronische Schmerzerkrankung, die ich da hatte.

00:31:44: Und in einem Forum für Betroffene

00:31:47: hatte ich damals Beiträge

00:31:49: geschrieben

00:31:50: und ich hatte in in der Einstellung für die Medikamente und als sie die Diagnose bekam, hatte ich zweimalig ein Gespräch mit einem Schmerzpsychotherapeutin.

00:32:02: Und das hat er sich rausgesucht

00:32:04: von Facebook,

00:32:05: um das vor Gericht

00:32:06: zu bringen

00:32:09: und zu behaupten, ich hätte schon vorher psychische Probleme gehabt und deswegen werden die Panikattacken jetzt gar nicht durch den Angriff entstanden.

00:32:20: Wie hat sich das angefühlt, als du das gehört hast?

00:32:22: Schrecklich.

00:32:23: Ganz, ganz schrecklich.

00:32:25: Ich wusste ja nicht, was

00:32:26: vorher geredet worden ist.

00:32:28: Und ich hab dann da erzählt und von der Therapie

00:32:31: erzählt.

00:32:33: Und der Anwalt sagt, er möchte, dass ich vereidigt werde, damit ich einen Mein-Eid begehe, in dem ich sage, ich hatte vorher noch keine Panikattacken.

00:32:42: Weil der Richter mich fragte, ob ich wegen Panikattacken schon mal in Behandlung war.

00:32:46: Und er war jetzt der Meinung, weil ich schon mal in der Vergangenheit zu einer Therapie

00:32:51: gegangen bin,

00:32:52: würde ich jetzt was das angehen, lügen.

00:32:55: Und da fühlt man sich natürlich dreimal nicht ernst genommen.

00:32:59: Hast du das in dem Moment verstanden?

00:33:01: Nein.

00:33:02: Ich konnte auch gar nicht klar denken.

00:33:04: Ich hatte zum Glück die Staatsanwältin, die das sofort unterbunden hat und gesagt, Opfer wären nicht angegangen, das kann nicht sein.

00:33:11: Und auch der Richter hat das zum Glück

00:33:14: nicht ernst genommen.

00:33:16: Aber da fragt man sich natürlich schon, man fühlt sich in der heutigen Zeit eigentlich so aufgeklärt,

00:33:21: was psychische

00:33:22: Erkrankungen angeht.

00:33:23: Aber letzten Endes

00:33:25: wird es immer

00:33:25: noch alles in einen Topf geworfen.

00:33:28: Und das ist schon

00:33:29: ... Ganz ein schlimmes

00:33:31: Gefühl.

00:33:33: Wie lange ging diese Verhandlung?

00:33:35: Nur einen Vormittag.

00:33:37: Das ging dann ganz schnell.

00:33:39: Also die Staatsanwältin hätte sie auch tatsächlich mit wahrscheinlich einer Freiheitsstraße starfe, die zu Bewährung ausgesetzt

00:33:47: wird, belegt.

00:33:50: Meine Anwältin hat

00:33:51: mir dann aber dazu geraten, gegen eine Zahlung von Schmerzensgeld das Verfahren einzustellen.

00:33:56: Also es wurde dann komplett beendet,

00:33:58: ohne irgendeinen Urteil.

00:34:00: Wie hat sich das für dich angefühlt?

00:34:03: Nachhinein?

00:34:06: Nicht gut.

00:34:08: Also letzten Endes war das ein

00:34:11: ganz, ganz kleiner, vierstelliger

00:34:12: Betrag.

00:34:14: Aber der macht

00:34:15: dir nichts gut.

00:34:16: Also

00:34:18: rückwirkend gesehen

00:34:19: hätte ich, glaube ich, lieber einen Urteil gehabt.

00:34:22: Du hast vorhin gesagt, dass sie sich bei dir nicht entschuldigt hatte.

00:34:27: Wie war denn das emotional für dich, als du sie gesehen hast und du auch gemerkt hast, dass da keine Reue kam.

00:34:37: Das war, glaube ich, wo ich vor Gericht war und sie da auch so fürchterlich geweint

00:34:43: hat.

00:34:44: Das war der Moment, wo ich erste Mal wütend wurde.

00:34:48: Bis dahin war ich ja immer noch

00:34:50: der Meinung auch,

00:34:52: die Arme hat vielleicht

00:34:53: was durchgemacht.

00:34:55: Aber da war ich wirklich

00:34:56: wütend,

00:34:57: weil ich dann so hingestellt worden bin, als wenn ich was falsch

00:35:01: gemacht

00:35:01: hätte.

00:35:04: Das wurde dann halt immer wieder betont, dass er ihr Leben darunter gelitten hätte,

00:35:08: dass ich

00:35:08: sie angezeigt habe.

00:35:11: Und das fühlt dich nicht

00:35:11: fern.

00:35:13: Du hast gesagt, dass sich das nicht fair anfühlt.

00:35:17: Gibt es denn etwas, was du dir von ihr wünschen würdest heute?

00:35:22: Ich glaube jetzt

00:35:23: gar nichts mehr.

00:35:24: Also das ist jetzt zwei Jahre her.

00:35:29: Und jetzt ist es eigentlich so... Ich habe mir immer mal gewünscht, dass sie sich meldet, wenn es ein anonymer Brief gewesen wäre.

00:35:40: Hätte auch über die Praxis sein können oder ähnliches.

00:35:44: Einfach eine aufrichtige Entschuldigung.

00:35:46: Dass man einfach...

00:35:48: akzeptiert hätte und wahrgenommen hätte, was das mit mir gemacht hat.

00:35:53: Hattest du das Gefühl, dass du von deine Anwältin gesehen wirst?

00:35:56: Nein.

00:36:00: Nein, also es war dann vor Gericht, kam dann auch zur Sprache, dass man hier eigentlich einen

00:36:05: Kloptäter-Opferausgleich heißt, das macht, dass man sich zum Beispiel dann zusammensetzt

00:36:11: und auch eine Entschuldigung

00:36:12: bekommt, meine Erklärung bekommt.

00:36:14: Da war dann

00:36:15: auch

00:36:17: die Staatsanwältin, glaube ich, eher überrascht, dass meine

00:36:19: Anwältin das nicht eingeleitet hat.

00:36:21: Ich habe zum Beispiel auch von meinem Therapeuten ein Gutachten

00:36:25: bekommen.

00:36:27: Das hat sie, das hab

00:36:28: ich hinterher

00:36:28: erfahren, das hat sie nicht eingereicht vor Gericht.

00:36:32: Weil doch dritt stand, dass ich

00:36:36: in Trennung liebe.

00:36:36: Ich bin verheiratet, aber in Trennung

00:36:38: lebend.

00:36:40: Nur ein kleiner

00:36:40: Zusatz, der wird halt einfach nur beschrieben, wohnt allein,

00:36:43: lebt in Trennung, so

00:36:44: was.

00:36:45: Das hat sie deswegen

00:36:45: nicht eingereicht, weil sie Angst

00:36:47: hatte, dass mir das angekreidigt

00:36:50: wird.

00:36:52: dass ich deswegen

00:36:53: emotional

00:36:53: reagiert hab.

00:36:55: Weil's natürlich total

00:36:56: blöd ist.

00:36:57: Also

00:36:58: immer abgesehen davon, dass jeder Mensch emotional reagiert hätte, wenn einem das passiert, hat das ja mit nichts mit der Sachlage zu tun.

00:37:04: Und sie hat dann das komplette Gutachten nicht eingereicht.

00:37:07: Krass.

00:37:08: Das waren dann auch so Sachen, die ich vorher nicht wusste.

00:37:10: Das hat sie beim Verlassen deshalb Gerichtsgebäudes gesagt.

00:37:13: Also ich als Laia hätte jetzt gesagt oder hätte wahrscheinlich ähnlich reagiert, mir Rechtsbeistand zu suchen, bei wem, bei dem ich das Gefühl habe, Da versteht mich.

00:37:23: Und beim weißen Ring wär ich davon ausgegangen, dass das Personal so weit geschult ist, dass sie mir zugewandt sind und Empathie empfinden haben, um dem noch auch handeln zu können.

00:37:34: Ja,

00:37:35: das dachte ich

00:37:35: auch.

00:37:36: Aber man ist ja auch, glaub ich,

00:37:38: wenn man die Situation nicht kennt, das ist ja keine alltägliche Situation,

00:37:44: reagiert man in dem Moment gar nicht, wenn man denkt,

00:37:46: das läuft schon alles so.

00:37:47: Und erst dann nachhinein

00:37:48: denkt man mal nach und denkt, das ist eigentlich

00:37:50: ... Das ist so ein Blödsinn.

00:37:53: Hättest du im Nachhinein gerne eine andere Anwältin gehabt?

00:37:57: Ja.

00:37:58: Konntest du beim Weißen Ring deinen Feedback oder sowas einreichen?

00:38:04: Nein.

00:38:05: Also die stellen ja auch nur die... Also das geprägt man auf dem Weißen Ring, da kann man dann einen

00:38:10: Anwaltsuche

00:38:11: eingeben.

00:38:12: Da sind halt dann alle gelistet,

00:38:13: die irgendwie

00:38:14: mit Strafverfahren, mit Gewaltverfahren Erfahrung haben.

00:38:18: Aber

00:38:19: sonst ist

00:38:20: da, glaube ich... Halten die sich da ja raus.

00:38:23: Bis zum Zeitpunkt des Gerichtsverfahrens, bis zu diesem Tag, bist du ja nicht zurück in die Praxis gegangen.

00:38:29: Du hast krank geschrieben.

00:38:31: Was hast du getan, als du das Ergebnis vom Gerichtsverfahren mitbekommen hast?

00:38:36: Also

00:38:36: bis zu dem Zeitpunkt gehörte es

00:38:38: auch zu meiner Theorie, die Praxis

00:38:42: kontrolliert aufzusuchen.

00:38:43: Das habe ich an Wochenenden abends irgendwann

00:38:46: getan, wenn kein Praxisbetrieb war, wenn

00:38:49: keine

00:38:49: Leute dabei waren.

00:38:51: Dass wir mal immer wieder so am Anfang, was wirklich nur, ich fahre in die Stadt, ich gehe dran vorbei, irgendwann reingehen und eine halbe Stunde einfach das

00:38:59: zulassen.

00:39:02: Und an dem Tag von der Gerichtsverhandlung bin ich das erste Mal wieder

00:39:06: in die Praxis

00:39:07: gegangen,

00:39:08: während

00:39:09: Sprechstunden waren,

00:39:11: was mich in dem Moment AG sehr stolz

00:39:12: gemacht hat, dass ich das wieder geschafft habe.

00:39:17: Und das war dann aber zeitgleich der Tag.

00:39:21: an dem mein Chef mich gekündigt

00:39:22: hat.

00:39:22: Nicht dein Ernst.

00:39:25: Mit welcher Begründung?

00:39:26: Ich bin zu labil.

00:39:27: Das darf der doch gar nicht.

00:39:30: Kleines Betrieb.

00:39:31: Da interessiert das keinen.

00:39:35: Und es war,

00:39:35: wir hatten eigentlich, also ich habe meine ganze Therapie

00:39:38: sehr transparent eigentlich gehalten.

00:39:40: Wir haben uns oft geschrieben, telefoniert.

00:39:43: Er wusste, wie es mir geht.

00:39:45: Ich bin da sehr offen

00:39:46: mit umgegangen.

00:39:50: Und dann stand ich da, ich

00:39:50: habe schon beim Reinkommen.

00:39:51: Also meine Kollegin hat sich wahnsinnig gefreut, dass ich da war.

00:39:56: Und da bin ich zu meinem

00:39:57: damaligen Chef ins Arbeitszimmer gegangen und

00:39:59: habe schon

00:40:00: gemerkt, irgendwie

00:40:01: die Stimmung ist komisch.

00:40:04: Und habe dann angesprochen, dass ich gerne, das war der Mitte

00:40:07: Dezember,

00:40:08: dass ich im Januar gerne

00:40:10: mit einer

00:40:10: Wiedereingliederung

00:40:11: langsam versuche,

00:40:13: dass ich dann wieder zwei

00:40:14: Stunden am Tag mal komme und rund und rund.

00:40:16: Und dann hat er halt dann ...

00:40:19: gesagt, er möchte nicht mehr arbeiten, ich bin so labil.

00:40:23: Hat er emotional reagiert oder wie hat er dir das gesagt?

00:40:26: Ne, das war sehr abgeklärt.

00:40:29: Das war auch kein Bedauern oder

00:40:34: das war für ihn, glaube ich,

00:40:36: unangenehm zu sagen,

00:40:37: uns recht.

00:40:39: Aber hat sich nicht darüber Gedanken gemacht, wie das

00:40:43: für mich sein könnte.

00:40:45: Weißt ihr da möglich, darauf zu reagieren auf seine Kündigung?

00:40:50: Nein, ich habe einfach nur die Praxis verlassen.

00:40:54: Also ich konnte dann nicht viel zu sagen.

00:40:55: Ich habe dann nur gesagt, das Gespräch möchte ich dann

00:40:58: jetzt beenden und dann bin ich gegangen.

00:41:00: Was hast du da gefühlt, als du gegangen bist?

00:41:04: Das war wie ein erneuter Schlag.

00:41:07: Also das war nicht ernst genommen zu werden, war das

00:41:11: eine.

00:41:13: Aber

00:41:14: dann nach so vielen gemeinsamen

00:41:16: Jahren einfach

00:41:22: kündig zu werden, das war, hätte ich auch nie mit gerechnet.

00:41:28: Natürlich bin ich nicht unfiegelbar,

00:41:29: aber ich glaub schon, dass ich meinen Job immer sehr gut gemacht hab, war sehr gerne gemacht hab.

00:41:37: Und ich war eigentlich

00:41:39: auch in der Therapie,

00:41:41: war das immer ein Therapieziel.

00:41:43: Ich möchte wieder zur Arbeit gehen, ich möchte wieder gerne zur Arbeit gehen.

00:41:47: Und in dem Moment, wo

00:41:48: ich das wieder starten

00:41:49: möchte,

00:41:50: heißt es dann auf einmal ein Danke.

00:41:53: Das ist schon

00:41:56: nicht so einfach.

00:41:57: Ich stell mir den ersten Tag nach diesem, ich nenn's zwar schrecklichen Tag, Unfassbar schwer vor.

00:42:06: Wie war der für dich?

00:42:08: Ich hatte jetzt auf einmal kein

00:42:09: Ziel mehr.

00:42:10: Also es war, dieses Ziel

00:42:12: wieder

00:42:13: in die

00:42:13: Praxis gehen zu können.

00:42:16: Das war ein

00:42:19: ganz, ganz tiefes

00:42:19: Loch, in das man da fällt.

00:42:23: Weiß ich es ja schon, es hat mir eigentlich immer viel

00:42:27: Halt gegeben, die

00:42:27: Arbeit.

00:42:28: Und wenn das auf einmal wegfällt,

00:42:31: privat war das ja

00:42:32: in der Zwischenzeit auch schwer geworden, Sozialkontakte weiter zu pflegen.

00:42:37: normalen Alltag zu haben, Sachen,

00:42:38: die ich immer vorher gerne gemacht habe, konnte ich auch nicht mehr

00:42:42: machen.

00:42:43: Und dann fiel das dann auch noch weg und das mir einfach so weggeworfen wird.

00:42:49: Das war sehr tief, das Loch.

00:42:51: Hast du dich da einsam gefühlt?

00:42:57: War dann so, dass meine,

00:43:00: also ich glaube, mein Arbeitskollegin auch ein Verbot bekommen

00:43:03: hat, mit

00:43:03: mir zu sprechen.

00:43:07: Also das war dann

00:43:09: Mitte Dezember.

00:43:10: Es

00:43:10: war ja kurz vor Quartalsabrechnung.

00:43:13: Und ich hatte

00:43:15: während den Monaten davor, wo ich krankgeschrieben war, eigentlich meiner Kollegin

00:43:20: von zu Hause aus bei der Abrechnungsvorbereitung auch immer geholfen.

00:43:24: Dann gesagt, da muss ich das nicht alleine machen, Sachen, die ich zu Hause machen kann,

00:43:26: mache ich dann, liste ein paar Arbeiten.

00:43:29: Und dann dem Tag,

00:43:30: wo er das sagte, hab ich eigentlich noch gedacht, er war öfter

00:43:34: mal jemand, der erst betet und dann denkt.

00:43:37: Und ich dachte, das war vielleicht auch von

00:43:38: ihm jetzt einfach nur emotional.

00:43:39: Und das hat er gar nicht so gemeint.

00:43:40: Und ich hatte dann ... ein paar Tage später

00:43:43: meiner Kollegin geschrieben, dass ich halt diese Federlisten bearbeite, dass sie mir da die Sachen zuschickt.

00:43:50: Und ich habe ihr geschrieben und soll ihnen dann auch einmal die Nachricht bekommen,

00:43:56: ich soll die Praxis

00:43:57: nicht mehr kontaktieren, ich

00:43:58: habe auch Praxisverbot, ich soll die Praxis auch nicht mehr betreten, was ich ja am Wochenende im Rahmen meiner Therapie gemacht habe.

00:44:06: Und der braucht meine Arbeit nicht mehr, er braucht meine Hilfe nicht mehr.

00:44:10: Was hast du dabei gefühlt?

00:44:14: Es verletzt.

00:44:15: Das verletzt

00:44:15: einen einfach wahnsinnig.

00:44:18: Ich an deiner Stelle wäre menschlich, glaube ich, sehr, sehr enttäuscht von ihm gewesen.

00:44:22: Auch weil du hast ihn kennengelernt.

00:44:26: Da warst du noch ein Teenager.

00:44:28: Du warst noch nicht erwachsen.

00:44:29: Das heißt, er war ja auch eine Art von Vorbildfunktion für dich und du bist mit ihm erwachsen geworden.

00:44:36: Und plötzlich steht dann dieser Mann und sagt dir, ich will dich nicht mehr.

00:44:41: Ich will dich nicht mehr in meinem Leben und du hast mich nicht mehr zu kontaktieren.

00:44:44: Obwohl du nichts getan hast.

00:44:47: Hast du das reflektieren können in dem Moment?

00:44:50: Nein, ich glaube bis heute nicht ganz.

00:44:54: Man bekommt ja vermittelt, dass man was falsch gemacht hat.

00:45:01: Und mein Kopf weiß

00:45:01: natürlich, habe ich nicht.

00:45:03: Das war weder,

00:45:04: das war nicht meine

00:45:04: Auseinandersetzung, das war seine Auseinandersetzung.

00:45:07: Ich habe meinen Job getan, ich wollte helfen.

00:45:09: Und

00:45:12: doch alles, was danach war, dafür konnte

00:45:14: ich

00:45:15: eigentlich nicht.

00:45:15: Ich habe mich das ja nicht ausgesucht.

00:45:18: Und auf einmal wird man

00:45:18: behandelt,

00:45:19: als man Fehler gemacht hätte.

00:45:24: Ich glaube,

00:45:26: ich weiß nicht, ob ich das jemals richtig verarbeiten kann.

00:45:30: Du bist dann gekündigt worden, hattest aber noch kranken Geld bekommen, richtig?

00:45:35: Bei der BG ist das das verletzten Geld.

00:45:38: Ja, im Grunde das Gleiche.

00:45:42: Und

00:45:44: ich wurde offiziell nicht sofort gekündigt.

00:45:47: Also, er hatte die Kündigung quasi angdroht an dem Tag.

00:45:51: Dadurch, ich glaube, ich habe ja meistens Personalwesen

00:45:54: gemacht.

00:45:55: vielte ihn, glaub

00:45:56: ich, auch so

00:45:56: ein bisschen Wissen dahinter,

00:45:59: dass er wahrscheinlich auch erst mal dachte, er könnte mich nicht kündigen während des Krankenscheins.

00:46:04: Und ich weiß halt

00:46:08: von einer anderen Mitarbeiterin dort, dass er eigentlich immer gesagt hat, sobald ich keine AU mehr habe, bekomme ich die Kündigung.

00:46:16: Aber ich war ja nicht gesund.

00:46:18: Also ich war ja nach wie vor arbeitsunfähig.

00:46:21: Und da hab ich dann auch das verletzten Geld

00:46:25: bekommen.

00:46:28: Und die offizielle Kündigung kam dann im März, wobei

00:46:32: mich die nicht erreicht hat.

00:46:34: Also da hatten wir dann auch noch...

00:46:36: Das war ganz, ganz unglücklich.

00:46:39: Ich war in Österreich bei Freunden

00:46:41: und habe eine Auszahl genommen.

00:46:43: Ich war

00:46:45: von Mitte Februar bis Mitte März nicht im Lande.

00:46:49: Und er hat mir die Kündigung zukommen lassen

00:46:52: über einen Rückschein persönlich mit Unterschrift.

00:46:56: Und ich war ja nicht da.

00:46:57: Also die wurde doch nicht

00:46:58: eingeworfen.

00:46:59: Ich habe dann nur so ein Zettelchen bekommen,

00:47:01: dass ich da was abholen

00:47:02: muss,

00:47:03: als ich dann aber wieder da war und das abholen wollte, lag das schon nicht mal bei der

00:47:06: Post.

00:47:07: Das heißt, er hat ja auch die Königung zurückbekommen, die wurde nicht zugestellt.

00:47:11: Er hat ja aber

00:47:11: auch nicht nochmal

00:47:12: zugeschickt.

00:47:12: Also ich wusste das

00:47:13: bis dahin gar nicht.

00:47:16: Weil ich zu dem Zeitpunkt auch noch andere Unterlagen erwartet habe und ich ja eigentlich die Info hatte, er kündigt mich nicht so lange, ich krankgeschrieben bin, habe ich da gar nicht dran gedacht, dass die hätte von

00:47:27: ihm sein können.

00:47:29: weil ich hatte ein anderes Schreiben erwartet, was mich dann auch danach erreicht hat.

00:47:34: Und

00:47:35: dann war Anfang Mai, also ein

00:47:39: Jahr

00:47:40: über ein Jahr

00:47:41: später, dass er mir dann schrieb, dass ich meinen Schlüssel nicht zurückgegeben

00:47:47: habe, so wie er es verlangt hat in

00:47:48: der Kündigung.

00:47:51: Ich habe gar keine Kündigung bekommen, das höre ich jetzt

00:47:53: zum ersten Mal.

00:47:54: Und durch die

00:47:55: lange Zugehörigkeit in der Praxis hatte ich auch eine Kündigungsrust

00:47:57: von sechs Monaten.

00:48:00: Also er war

00:48:00: der Meinung, er hat mich zu September gekündigt, bei mir kam aber nie was an.

00:48:05: Und ich hab mir dann auch anweiglichen Rat bei einem Arbeitsrechtler geholt, der dann auch einen Schreiben fertig gemacht hat mit der Erklärung, ich hatte ja auch von den Mautställen in Österreich die Beweise, dass ich wirklich nicht im Land war, die konnte mich also nicht erreichen, diese Kündigung.

00:48:20: Und er muss ja auch eigentlich die zurückbekommen haben.

00:48:24: Und dann war das so, dass er mich dann noch

00:48:27: mal regulär

00:48:28: im Juni

00:48:29: gekündigt hat.

00:48:30: die mich dann auch erreicht hat

00:48:33: und mich natürlich für diese

00:48:34: sechs Monate Kühlungsfrist freigestellt hat, weil ich ja nach wie vor auch Praxishorbot hatte.

00:48:41: Und da hatte ich dann bei der BG mich gemeldet und gesagt, wie sieht's aus?

00:48:44: Kann ich die AO pausieren?

00:48:46: War natürlich mein

00:48:47: Gehalt, was weitergezahlt wird.

00:48:49: Hört es als Verletzengeld.

00:48:50: und die sagt, es kam ein Problem.

00:48:52: Ich würde dann sowieso nach sechs Monaten mit der AO mit einer Folgebescheinigung weitermachen.

00:48:57: Und dann

00:48:58: wäre das so okay.

00:49:00: Das habe ich dann auch getan, habe dann aber auch nach September

00:49:05: mein Gehalt

00:49:05: nicht weiterbekommen.

00:49:07: Also mein Schiff hat sich dann an der alten Königungsfest gehalten.

00:49:12: Und als ich dann im Januar, also ich war dann ja offiziell zum ein- dreißigsten

00:49:16: Dezember gekündigt,

00:49:18: bin dann im Januar wieder zu diesem besagten Durchgangsarzt gegangen, um mir weiter Grangschreibungen

00:49:23: zu holen

00:49:26: und habe dann auch erfahren von dem Arzt, dass mein ehemaliger Mitarbeiter, wo Kontakt mit dieser Praxis aufgenommen hat, um irgendwelche ärztlichen Befunde von mir zu bekommen.

00:49:36: Die wohl auch,

00:49:36: ohne dass ich etwas unterstellen möchte.

00:49:38: Ich kann natürlich gar nichts beweisen.

00:49:39: Es kann ein Fehler

00:49:40: von den Mitarbeitern sein, dass tatsächlich diese

00:49:44: D-Arztbriefe

00:49:46: zu meinem ehemaligen Arbeitgeber geschickt worden sind,

00:49:49: was natürlich

00:49:50: nicht sein darf.

00:49:52: Hab mich dann natürlich mit dem Arzt dann verworfen.

00:49:57: durfte aber

00:49:58: auch nicht einen anderen Arzt aufsuchen, von der

00:50:00: BG aus,

00:50:01: weil das ein

00:50:03: besonderes Heilverfahren ist und ich nur zu

00:50:05: besonderen Ärzten darf, musste ich darauf warten, dass die BG mir einen neuen Arzt zuweist.

00:50:12: Und das war dann aber auch noch mal

00:50:16: eine Situation,

00:50:18: die für mich psychisch sehr anstrengend

00:50:22: war.

00:50:23: Ich hatte ja immer noch die Probleme, in Arztpraxen zu gehen und ... Immer der Gedanke, ich muss jetzt schon wieder in einer neuen Arztpraxis, die ich nicht kenne.

00:50:34: Und da habe ich mich halt vergraben, weil ich bin dann

00:50:39: nix umher

00:50:39: hingelsang, auch nicht zu anderen Ärzten.

00:50:42: Ich hatte zu dem Zeitpunkt eine neue Hausärztin, mit der ich mich auch sehr gut verstanden

00:50:47: habe,

00:50:48: die mich aber nicht behandeln

00:50:48: durfte.

00:50:50: Obwohl ich bei ihr zum Beispiel auch Möglichkeiten gehabt hätte, einen Hintereingang zu

00:50:54: benutzen, ich müsste nicht ins Wartezimmer, also wirklich

00:50:57: auch eine ganz,

00:50:57: ganz nette.

00:50:59: Aber ich durfte dort nicht hin.

00:51:01: Die IPG

00:51:01: hat mir das untersagt.

00:51:04: Bis ich mich dann

00:51:06: wieder aufrappeln konnte, war es ja dann schon

00:51:08: an einer Stelle,

00:51:09: wo

00:51:09: ich

00:51:11: in halbes Jahr lang kein Geld bekommen habe,

00:51:15: weder meine ausstehende

00:51:16: Gehälter noch verletzten Geld.

00:51:19: Ich musste

00:51:20: dann, hab dann eine neue D-Ärzte

00:51:22: hingefunden, auch eine Chirurgin,

00:51:29: wo ich ja auch

00:51:32: die ersten Termine

00:51:32: auch nicht einhalten konnte, weil ich einfach das Krankenhaus nicht betreten konnte.

00:51:36: Es

00:51:39: ist ja heute

00:51:40: noch so schwierig.

00:51:47: Stellen sich, glaub ich, so Plokaten ein,

00:51:50: dass man einfach gar nicht machen wird.

00:51:52: Also, das war auch an dem Punkt für mich wirklich

00:51:57: schwer überhaupt noch.

00:51:58: Also, ich

00:51:59: bin nicht mehr

00:51:59: einkaufen gegangen.

00:52:02: Privat gar nicht

00:52:03: mehr.

00:52:04: Ich hab mich doch komplett vergraben.

00:52:05: Ich war gar nicht mehr, hab gar nicht mehr

00:52:07: am Leben teilgenommen, eigentlich.

00:52:10: Und als ich dann endlich

00:52:12: wieder bei dieser Ärztin war, die mich dann weiter

00:52:14: krankgeschrieben hat.

00:52:17: Wurde das von der BG nicht akzeptiert?

00:52:21: Also ich hab jetzt bis

00:52:22: heute, wir haben jetzt Ende November.

00:52:25: Seit März bin ich wieder

00:52:27: offiziell krankgeschrieben,

00:52:28: keinerlei Leistungen von der BG bekommen.

00:52:31: Warum?

00:52:33: Also erst viel immer irgendwie unterlagen, es musste alles mal geprüft

00:52:37: werden, angeblich, obwohl

00:52:38: ich ja schon vorher hatte auch, als ich aufgehört hab, mich krankschreiben zu lassen wegen dieser Gehaltsverzahlung, ja auch eigentlich immer informiert.

00:52:49: Und trotzdem...

00:52:51: haben die immer Gründe gesucht und gefunden,

00:52:56: dass ich halt keinerlei Leistungen mehr bekommen habe.

00:52:59: Genauso wie auch schon vorab vor meinem Therapeuten zum Beispiel oder auch dann von der zweiten D-Ärzten

00:53:05: immer wieder empfohlen

00:53:06: worden ist,

00:53:08: eine Umschulung

00:53:09: zu starten, irgendeinen neuen Ansatz zu finden, weil ich

00:53:13: nicht mehr in meinen Beruf

00:53:14: zurück kann.

00:53:15: Aber es ist nichts passiert,

00:53:17: gar nichts.

00:53:18: Also es kann immer nur neue schreiben, ich musste alles doppelt ausfüllen.

00:53:24: Dann habe ich einen Termin bekommen.

00:53:26: Er wurde mitzugewiesen

00:53:27: für eine

00:53:28: Traumotherapeutin in Duisburg, die für die BG arbeitet.

00:53:32: Wo ich dachte, ich bekomme

00:53:33: jetzt nochmal eine spezifische Therapie.

00:53:37: Als ich dann dort

00:53:38: war, habe ich erfahren, ich war zum Gutachtender.

00:53:40: Das wurde mir gar nicht mitgeteilt.

00:53:45: Das war aber auch leider eine Therapeuten, die dann so Sachen sagten,

00:53:51: wie

00:53:52: sie sehen ja gar nicht deprimiert aus.

00:53:55: Sie sind ja schön zurechtgemacht.

00:53:57: Sind sie denn wirklich

00:53:58: nicht arbeitsfähig?

00:53:59: Oder ich solle

00:54:00: mir doch einfach einen neuen

00:54:01: Arbeitgeber suchen?

00:54:05: Also ganz, ganz

00:54:05: fürchterlich.

00:54:07: Hab dann den Termin

00:54:08: irgendwie hinter mich gebracht.

00:54:11: Und dann

00:54:13: bin ich eigentlich zu dieser zweiten DRZ

00:54:15: sehr gerne

00:54:15: gegangen.

00:54:15: Also die war auch sehr,

00:54:16: sehr nett.

00:54:16: Wir haben es gut verstanden.

00:54:17: Die hat es ernst genommen.

00:54:21: Und dann wurde mir untersagt

00:54:23: zu ihr zu gehen.

00:54:24: Dann hieß es auf

00:54:25: einmal, ich soll zu einem Norgelogen nach... Anderthalb Jahren, wo ich immer nur zum Chirurgen musste und auch so

00:54:32: keinem anderen

00:54:33: Arzt durfte,

00:54:35: wurde mir das auf einmal untersagt und

00:54:37: ich sollte woanders hingehen.

00:54:38: Wieder eine

00:54:39: andere Praxis.

00:54:45: Man kämpfe dann irgendwie so gegen Windmühlen.

00:54:50: Das war

00:54:50: ja ein Zeitpunkt, wo ich sowieso schon

00:54:55: eigentlich

00:54:55: keine Kraft mehr hatte, überhaupt ein Alltag irgendwie zu schaffen, wenn man dann keine Hilfe bekommt von den Leuten, die eigentlich dafür da sind.

00:55:10: Dann gibt man irgendwann auch auf.

00:55:12: Also dann

00:55:15: weiß man ja nicht mehr, wie es weitergehen soll.

00:55:18: Dann wurden mir von der Begehung noch falsche Listen gesandt.

00:55:21: Also da waren dann

00:55:22: wieder Ärzte, die ich gehen sollte.

00:55:25: Also dann da ins Durchtelefoniert haben für Termine.

00:55:29: Hieß es dann den

00:55:30: Moment, wir schreiben

00:55:30: gar nicht krank, wir dürfen gar keine Ausausstiegen.

00:55:32: Wir sind nur therapeutisch tätig.

00:55:35: Dann musste ich wieder warten

00:55:36: auf eine neue Liste.

00:55:38: Ja, und

00:55:40: jetzt mittlerweile

00:55:41: heißt es...

00:55:42: Ich bekomme keine

00:55:43: Leistungen, weil ich zwischen Januar

00:55:46: und März keine Arzt aufgesucht

00:55:48: habe und offiziell auch keine Arbeitsstelle

00:55:50: mehr hatte, dass ich deswegen keinen Anricht auf verletzten

00:55:54: Geld habe.

00:55:56: Wenn ich jetzt aber versuche,

00:55:59: Arbeitslosengeld, Eins, zwei

00:56:00: oder Bürgergeld, wie ihr immer zu beantragen, sagt mir die Agentur,

00:56:05: verletzten Geld, geht vor Arbeitslosengeld,

00:56:08: solange ich krankgeschrieben

00:56:09: bin, kann ich da keine Geld abkommen.

00:56:14: Ich habe aber offiziell von

00:56:15: der BG.

00:56:15: auch keine Ablehnung bekommen.

00:56:17: Weil es immer nur noch heißt, es wird geprüft, es wird geprüft.

00:56:21: Und ich könnte Widerspruch

00:56:22: einlegen, wenn ich offiziell eine Ablehnung bekomme, was nicht passiert.

00:56:28: Stattdessen werde ich hingehalten.

00:56:31: Jetzt seit März diesen Jahres, seit über einem halben Jahr jetzt.

00:56:37: Wie finanzierst du dich zurzeit?

00:56:39: Er spart

00:56:40: es.

00:56:42: Ich hab einen

00:56:43: sehr guten Freund, der mir hilft.

00:56:46: Ein natürlicher sind dann so Sachen.

00:56:50: Ich habe Haustiere, die müssen ja auch versorgt werden.

00:56:53: Das ist für mich natürlich viel wichtiger, als ich selber.

00:56:56: Der dann auch mal sagt, ich hole das Medikament jetzt für die Katze und ich beginne jetzt mal Katzenfutter einkaufen oder Hundefutter einkaufen.

00:57:04: Ja, und Teil der Sparte ist so für ich ja

00:57:07: sehr lange, sehr viel gearbeitet habe.

00:57:12: Und so langsam geht es aus, dann

00:57:15: kann man ja nicht ewig machen.

00:57:17: Ich bin zum Glück offiziell noch verheiratet,

00:57:19: sodass ich dort Familienversichert sein konnte.

00:57:22: Sonst hätte ich

00:57:22: auch gar keine Krankenversicherung

00:57:24: mehr.

00:57:31: Eine Prüfung, ob es nicht

00:57:35: eine Art Sondergenehmigung

00:57:37: sein kann, dass dieser Zeitraum,

00:57:39: wo ich keine A.O.

00:57:40: hatte, der war ja aufgrund meiner Erkrankung, weil ich kein Arzt auch suchen konnte,

00:57:46: dass man das nicht berücksichtigen kann.

00:57:50: Dass man sich da irgendwie vor Richtlinien oder Hinterrichtlinien versteckt.

00:57:59: wird dann einfach so

00:58:00: im Stich gelassen.

00:58:01: Also irgendwelche,

00:58:03: es wird ja noch nicht mal Kontakt mit mir aufgenommen, um irgendwelche

00:58:06: Möglichkeiten zu suchen.

00:58:08: Man selber erreicht bei der Brustgenossenschaften

00:58:11: gar keinen.

00:58:13: Also man kann auch nicht mal eben nachfragen, weil entweder gar

00:58:16: keiner am Telefon ist oder es sind immer die falschen Personen.

00:58:22: Es gibt

00:58:23: keinen Kontakt über E-Mail zum Beispiel.

00:58:25: Man muss alles über den Postweg machen,

00:58:27: also es gibt keinen Austausch.

00:58:30: Das heißt, du hast auch keinen offiziellen Sachbearbeiter oder Sachbearbeiterin?

00:58:34: Habe

00:58:34: ich, den

00:58:34: ich aber auch nicht erreiche.

00:58:36: Und das geht auch nicht.

00:58:37: Also du hast ja dann auch gar keine Beweislage, dass du irgendwann angerufen hast, dass du da die Unterlagen eingereicht hast.

00:58:44: Das ist ja alles irgendwie schwammig.

00:58:45: Du kannst ja im Nachhinein gar nicht belegen, was war wie.

00:58:48: Ja, wir sind mittlerweile

00:58:49: dazu übergegangen.

00:58:51: Also mein

00:58:51: bester Freund und ich, dass wir solche Telefonate

00:58:54: zum Beispiel zusammenführen, dass man immer sagen kann, da ist aber jemand,

00:58:57: der kann das

00:58:58: bezeugen.

00:58:59: Und ich muss auch sagen, dass ich ganz oft auch nicht die Kraft

00:59:03: hab.

00:59:04: Ich hab dann meinen besten Freund zum Beispiel auch einfach eine Art Vollmacht

00:59:08: geschrieben, dass

00:59:09: er

00:59:09: auch für mich Kontakt hat.

00:59:10: Aber manchmal gibt es Talware, da kann ich es einfach

00:59:12: nicht.

00:59:13: Dann kann ich da jetzt nicht zum nächsten

00:59:14: Mal anrufen und mir wieder anhören,

00:59:16: dass das geprüft

00:59:17: wird.

00:59:20: Es geht halt irgendwann

00:59:21: nicht mehr.

00:59:21: Gibt es keine gesetzliche Obergrenze, bis wann das passiert sein muss?

00:59:27: Das kann ja nicht bis zum Gatno gehen.

00:59:29: Ich

00:59:29: wehre eigentlich, also wenn

00:59:30: ich die ganze Zeit verletzten Geld bekommen hätte, wäre ich schon längst ausgesteuert.

00:59:36: Was bekommt man, ich glaube ähnlich wie beim Krankengeld von der Krankenkasse

00:59:40: ja auch nur begrenzt.

00:59:43: Und dann sucht

00:59:44: man hier eigentlich Lösungen, um die brufliche Situation zu klären.

00:59:49: Aber das passiert ja gar

00:59:50: nichts.

00:59:52: Also

00:59:55: man ist

00:59:55: verloren irgendwie.

01:00:00: Es fehlt ja zum Beispiel

01:00:01: auch einfach

01:00:02: Geld, dass ich mir anwaltlich Hilfe holen kann.

01:00:07: Macht ja kein Anwalt umsonst.

01:00:09: Man

01:00:11: muss sich ja

01:00:12: irgendwie auch verlassen, was dann die BG sagt.

01:00:15: Man hat ja gar keine Handhabe.

01:00:18: Wenn du wüsstest, dass dieser Aufnahme von deinem ehemaligen Chef oder von der Täterin gesehen würde, würdest du denen etwas sagen wollen?

01:00:29: Ich glaube, ich habe da

01:00:31: keine Worte mehr für.

01:00:32: Also ich bin ja auch so menschlich enttäuscht bei mir maligen Arbeitgeber.

01:00:40: Das glaube ich, ich könnte nicht sagen, was die Situation

01:00:45: hier ändern könnte.

01:00:46: Also

01:00:48: ich habe mein zweites Zuhause

01:00:50: verloren.

01:00:53: Ich glaube, dass ein Job zu verlieren immer schwer ist.

01:00:57: Aber wenn man ein Job so geliebt hat und das wird einem so genommen, da fehlt niemand hier vor Ort hat.

01:01:09: Und zur Täterin?

01:01:13: Ich glaube.

01:01:15: so ein bisschen an Karma.

01:01:16: Und vielleicht

01:01:18: wird,

01:01:18: ich hoffe, ihr wird irgendwann klar, was sie da gemacht hat.

01:01:21: Und dass das nicht nur ein paar Schläge beandern, das ist viel, viel interessant.

01:01:28: Ein Rattenschwanz

01:01:29: dran hing, den sie, glaube ich,

01:01:32: gar nicht greifen

01:01:33: konnte.

01:01:34: Und ich hoffe, dass wir die irgendwann klar.

01:01:37: Was würdest du Menschen sagen, die in einer ähnlichen Situation sind, die auch von einem... Menschen angegriffen werden, ob es ein Patient ist oder ein Nachbar oder wie auch immer.

01:01:50: Was würdest du den Menschen sagen, die sich denn auch klein machen und sagen, so schlimm war das gar nicht?

01:01:59: Ich würde den Menschen sagen, dass sie sich zeitnah Hilfe holen, dass sie nicht warten, bis es immer schlimmer wird, bis es nicht mehr erträglich ist.

01:02:14: Und ihnen auch sagen, auch wenn diese Menschen schwer zu finden sind, das gibt wir hier, die zuhören.

01:02:23: Wenn du jetzt mit der Sandra reden könntest, die sich zum ersten Mal krank gemeldet hat, aufgrund dieses Angriffs, was würdest du ihr sagen?

01:02:38: Dass es okay ist, dass es schwer ist, dass man nicht so tun muss, als wenn man stärker ist, als man eigentlich ist.

01:02:52: Was wünscht du dir für deine persönliche Zukunft?

01:02:56: Dass ich wieder einen Job finde, der mich so erfüllt.

01:03:06: dass natürlich auch die finanzielle

01:03:08: Situation geregelt wird

01:03:10: und dass ich irgendwann wieder so leben kann,

01:03:12: wieder vor,

01:03:14: dass ich wieder

01:03:17: fröhlich bin, einen Alltag habe, nach viel mir will ich gar nicht, eigentlich mein altes Ich zurück.

01:03:26: Das wünschen wir dir auch.

01:03:28: Danke dir, dass du dich uns geöffnet hast und Sandra, ich finde, du bist nur wirklich sehr, sehr starke, sehr, sehr starke Frau.

01:03:34: Danke dafür.

01:03:36: Danke euch.

01:03:37: Danke und wir wünschen dir Alles Liebe und alles Gute für deine Zukunft.

01:03:41: Dankeschön.

01:03:44: Wenn dich Sandra's Geschichte berührt hat, dann findest du in den Show Notes den Link zu ihrem Spendenaufruf.

01:03:50: Sandra braucht gerade finanzielle Unterstützung, um diese Zeit zu

01:03:54: überbrücken.

01:03:54: Wenn du helfen willst, spende über den Link und teile ihn gerne mit Menschen, die ebenfalls unterstützen möchten.

01:04:03: Du willst

01:04:03: selbst bei uns dabei sein oder hast einen Teamvorschlag?

01:04:07: Denn melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media.

01:04:12: Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen.

01:04:19: Hol die Unterstützung bei professionellen Hilfeinrichtungen oder dir vertrauten Personen.

01:04:24: Bis

01:04:25: zum nächsten

01:04:25: Mal bei

01:04:26: von Bohne

01:04:27: zu Bohne.

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