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Gewalt während der Geburt: Ihr Trauma im Wochenbett #79 Nina

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Gewalt während der Geburt, medizinische Überforderung, psychische Belastung, Dissoziation, Suizidgedanken, Trauma und einen Kaiserschnitt. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.

Nina erzählt von ihrer ersten Schwangerschaft und davon, wie gut sie sich auf die Geburt vorbereitet hat. Dann kommt alles anders. Sie geht über den Termin, sie wird eingeleitet, sie erlebt starke Schmerzen, schlechte Kommunikation und eine Hebamme, die sie abwertet und alleine lässt.

Nina beschreibt, wie sich Gewalt unter der Geburt anfühlen kann, auch ohne körperliche Übergriffe. Sie spricht über Ohnmacht, Dissoziation, den Wunsch nach Hilfe, eine PDA, die kaum entlastet, und den Moment, in dem endlich ein Ultraschall passiert. Am Ende kommt ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt.

Nach der Geburt bleibt Nina mit Trauma, Wut und vielen Fragen zurück. Sie erzählt, wie schwer das Wochenbett war, was das mit der Paarbeziehung gemacht hat.

Ninas Verlinkung: Social Media: https://www.instagram.com/motherhoodev/ Website: https://mother-hood.de/

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Zeitstempel: 0:00:30–0:01:40 Triggerwarnung & Intro 00:01:40–00:02:00: Einstieg 00:02:00–0:06:13 Schwangerschaft, Erwartungen an Geburt, Klinikwahl, Kaiserschnittquote 0:06:13–0:17:40 ET überschritten, Druck und Kontrollen, Entscheidung zur Einleitung 0:18:50–0:25:40 Einleitung im Krankenhaus, Cytotec, Blasensprung, Kommunikationsprobleme 0:26:15–0:31:28 Muttermund bleibt zu, Schmerzmittel, Übelkeit, Wechsel in den Kreißsaal 0:31:28–0:40:06 Schichtwechsel, Hebamme entwertet Nina, verweigert Ärztin und Ultraschall 0:40:36–0:50:20 Schmerz eskaliert, Dissoziation, Suizidgedanke, PDA wirkt kaum 0:51:13–0:58:03 Neue Hebamme, Ultraschall zeigt Fehllage, Kaiserschnitt, Leere nach der Geburt 0:59:01–1:05:58 Tage im Krankenhaus, Begegnung mit der Hebamme, Systemkritik 1:06:31–Ende Beschwerdegespräch, keine Konsequenzen, Hilfeangebote, Blick nach vorn


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Transkript anzeigen

00:00:03: Auf einmal konnte ich halt nicht mehr stehen.

00:00:05: Also ich konnte mich nicht mehr in dieses Tuch reinhängen, sondern ich hatte einfach das Gefühl, dass mein Decken irgendwie diese Wehen nicht mehr aushält.

00:00:13: Also dass es ein wahnsinniger Schmerz ist, der da jedes Mal reinfährt.

00:00:17: Dann hat sie mir halt auch irgendwann so ein Satz rein gedrückt, den ich dann nie wieder vergessen habe, weil sie gesagt hat, ja, Kindchen, Geburt ist halt kein Zuckerschlecken.

00:00:26: Und dann müssen sie jetzt durch.

00:00:31: Bevor wir beginnen, möchten wir dich auf etwas Wichtiges hinweisen.

00:00:35: Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig.

00:00:37: Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Höhrens unseres Podcasts wohl fühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst.

00:00:44: In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Höhren der verstörend sein könnten.

00:00:49: Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.

00:00:52: Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden.

00:01:03: Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist.

00:01:09: Das

00:01:09: passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zur

00:01:13: Bohne.

00:01:14: Mein

00:01:14: Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.

00:01:17: Kein Name, keine Information, keine Themen.

00:01:21: Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.

00:01:24: Ich bin Sanya und ich suche die Gäste.

00:01:26: Hier achte ich darauf, dass

00:01:27: es Menschen

00:01:28: mit ehrlichen,

00:01:29: berührenden

00:01:29: und bewegenden Geschichten sind.

00:01:31: Und genau die wollen wir mit euch teilen.

00:01:34: Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?

00:01:41: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.

00:01:43: Mein Name ist Charlotte.

00:01:44: Mein Name ist Zanya.

00:01:46: Und mein Name ist Nina.

00:01:47: Und ich habe während der Geburt meines ersten Kindes Gewalt erlebt.

00:01:51: Hi Nina.

00:01:52: Wow, das macht ganz viel auf und stellt mir ganz viele Fragen in meinem Kopf.

00:01:56: Aber was würdest du sagen, wo begehen wir in deiner Geschichte?

00:02:00: Vielleicht in der Schwangerschaft.

00:02:02: Okay.

00:02:03: die sehr schön war und eigentlich komplikationslos, würde ich sagen.

00:02:08: Es war so, in den Sommer der Sommer war wahnsinnig heiß.

00:02:12: Das war ziemlich heavy, gleichzeitig schwanger zu sein und diese Hitze zu ertragen.

00:02:18: Aber ansonsten hatte ich eigentlich vierzig Wochen, in denen ich mich so langsam irgendwie versucht habe, mental darauf vorzubereiten, dass mein Partner und ich ein Kind bekommen und ja, in dem es mir ziemlich gut ging.

00:02:33: Und ich war sehr gespannt darauf, wie die Geburt verlaufen würde.

00:02:37: War das deine erste Schwangerschaft?

00:02:39: Ja.

00:02:39: Okay, wie alt warst du da?

00:02:40: Ähm,

00:02:42: ein dreißig.

00:02:43: Okay.

00:02:44: Wie war denn deine Vorstellung von einer Geburt?

00:02:47: Also ich war besonders gespannt darauf zu erfahren, wie sich wen anfühlen würden, weil ich da irgendwie so ... das nicht greifen konnte und immer nur so dachte, na ja, es werden jetzt schon irgendwie andere Schmerzen sein als Periodenschmerzen.

00:03:01: Und dann habe ich mir das eigentlich so vorgestellt wie ein Marathon, weil ich war schon so ein paar Halbmarathons gelaufen und mag das auch so sehr an meine Grenzen zu gehen und dachte, dass die Geburt auf jeden Fall auch eine Grenzerfahrung werden würde.

00:03:17: Ich fand schon die Schwangerschaft irgendwie total abgefahren, so zu fühlen wie ... da etwas in einem heran wächst, was dann anfängt sich zu bewegen und also ein bisschen hatte sowas alienhaftes irgendwie.

00:03:32: Genau, also ich war irgendwie optimistisch, hatte Respekt, aber hatte keine Angst, glaube ich, sondern habe mich darauf gefreut.

00:03:44: Ja, also ich kenne es jetzt so aus meinem Kreis, dass wenn so eine Geburt näher rückt, dann setzt man sich mehr mit dem Thema auseinander und fragt dann auch andere Freundinnen, Mutter, was auch immer, wie war deren Erfahrung bei der Geburt?

00:03:57: Gibt es irgendwas, was man beachten muss?

00:03:58: Hattest du diese Erfahrung auch gemacht?

00:04:01: Ja, auf jeden Fall.

00:04:02: Also meine Mutter hat mir auch noch mal von meiner Geburt erzählt und auch von der meines Bruders.

00:04:10: Aber irgendwie war das für sie auch, glaube ich, schon soweit weg, dass sie mir gar nicht mehr so richtig sagen oder beschreiben konnte, wie sich das, also wie sich da was genau angefühlt hätte so.

00:04:19: Und in meinem Freundinnenkreis war es irgendwie sehr rar.

00:04:23: Also ich hatte eine sehr gute Freundin, die auch schon ein Kind geboren hatte, im Geburtshaus.

00:04:29: Und ich weiß noch, dass es so einen Moment gab, wo ich gar nicht richtig verstanden habe, glaube ich, wie sie die Frage gemeint hat, weil sie mich also gefragt hat, ob ich, ja, warum ich mich dafür entschieden habe, im Krankenhaus mein Kind zur Welt zu bringen oder ob ich auch mal darüber nachgedacht hätte, das vielleicht außerklinisch zu gebären.

00:04:48: Und ich war irgendwie so sehr naiv und hab halt einfach gesagt, nee, so warum?

00:04:53: Krankenhaus ist doch voll der sichere Ort und Hauptsache, mein Partner ist dabei und alles andere ist mir eigentlich irgendwie egal.

00:05:00: so oder da habe ich keine besondere Präferenz zu.

00:05:05: Hast du dir denn vorher Krankenhäuser angeschaut, wo Geburten durchgeführt wurden?

00:05:09: Also hast du diese speziellen Termine wahrgenommen?

00:05:12: Ja, also ich glaube, ich war schon so eine von den schwangeren Personen, die sich sehr viel versucht hat zu informieren.

00:05:19: Ich habe auch, oder wir haben zusammen einen Geburtsvorbereitungskurs auch mitgemacht.

00:05:24: Genau, zwei Krankenhäuser, da die Kreisähle besichtigt.

00:05:27: Das sind auch sehr schräge Veranstaltungen, finde ich.

00:05:32: alle möglichen Schwangeren auflaufen und ... Na ja, die Leute aus dem Krankenhaus erzählen, dann war es so zu irgendwelchen Statistiken auch.

00:05:43: Wie hoch ist die Kaiserschnittrate hier?

00:05:45: Und das waren alles aber auch so Zahlen, wo ich erst mal so gar nichts richtig mit anfangen konnte und so nicht einschätzen konnte.

00:05:51: Ist das jetzt hoch oder nicht?

00:05:52: Also, ich hab eigentlich mehr so auf sehr oberflächliche Dinge geachtet.

00:05:56: Ich hab eigentlich danach entschieden, wo mir der Kreisteil am besten optisch gefallen hat.

00:06:00: Also ... Ich bin auch Gestalterin, es ist vielleicht auch so.

00:06:04: Ästhetik ist bei mir so ein Ding, glaube ich.

00:06:06: Aber ja, ich habe einfach nur darüber nachgedacht, ob ich mir in diesem Raum vorstellen kann zu gebären.

00:06:13: Genau.

00:06:13: Magst du einmal nochmal kurz erklären, warum die Zahl genannt wird?

00:06:17: Wie hoch die Kaiserschnittrate denn ist in dem jeweiligen Krankenhaus?

00:06:22: Ja, also die Zahl wird, denke ich, nur genannt, wenn danach gefragt wird.

00:06:27: Und Menschen sind unterschiedlich.

00:06:29: informiert.

00:06:30: Und ich glaube, in dem Rahmen war immer irgend ein Paar dabei, was danach gefragt hat, weil es gibt eine Empfehlung von der WHO, dass die Kaiser-Schnittrate in Deutschland zu hoch ist.

00:06:43: Die liegt bei so durchschnittlich ungefähr dreißig Prozent.

00:06:47: Und die WHO sagt eigentlich, fünfzehn Prozent wären angemessen.

00:06:50: Also fünfzehn Prozent.

00:06:52: Da gäbe es dann tatsächliche Indikationen, warum es keine andere Möglichkeit gibt, als einen Kaiserschnitt durchzuführen.

00:06:59: Das ist aber Wissen, was ich damals noch nicht hatte.

00:07:01: Und ich hatte überhaupt keinen Bock auf den Kaiserschnitt.

00:07:04: Also ich hatte so die Idee, ich würde es möglichst natürlich auch möglichst mit wenig Schmerzmitteln erleben.

00:07:11: Vielleicht sogar im Wasser.

00:07:12: Also ich konnte mir so total viel vorstellen.

00:07:15: Genau.

00:07:15: Und auch im Geburtsvorbereitungskurs haben wir kurz das Thema Kaiserschnitt angeteasert.

00:07:21: Und ich weiß noch, dass das irgendwie bei mir so da rein und da wieder rausgezogen ist so ein bisschen, weil ich halt so dachte, Ach, also, es ist alles gut.

00:07:28: Meine Schwangerschaft ist super verlaufen.

00:07:30: Ich bin fit.

00:07:32: Warum sollte ich ein Kaiserschnitt brauchen?

00:07:34: Genau, das war einfach sehr, sehr abstrakt für mich.

00:07:38: Bei dem Krankenhaus, wofür du dich dann entschieden hast, weißt du, wie hoch dort die Rate war an Kaiserschnitten?

00:07:44: Ich glaube, die beiden Krankenhäuser waren ungefähr, hatten da so den gleichen Wert.

00:07:50: Es sind halt auch beides Level-I Krankenhäuser.

00:07:52: Also, man kann hier nur in diesen beiden Krankenhäusern gebären.

00:07:57: Und Level eins bedeutet, dass es da auch eine Neonatologie gibt, also das Komplettpaket quasi beste Versorgung.

00:08:04: Und das bedeutet aber eben auch, dass dort auch viele Risikoschwangere hin kommen dann zur Geburt, bei denen die Geburt dann eben auch komplikationsreicher ist, weswegen es dann auch häufiger zum Kaiserschnitt führt.

00:08:15: Also so richtig aussagekräftig ist diese Zahl auch einfach nicht.

00:08:20: Ich glaube, sie lag ungefähr bei neunundzwanzig Prozent, also so knapp unter dreißig.

00:08:25: war es irgendwas.

00:08:26: Hattest du bei der Besichtigung des Kreissaales auch Personal kennengelernt?

00:08:31: Duftest du da mit Hebammen oder mit Ärzten

00:08:34: reden?

00:08:35: Ich glaube, es waren zwei Personen da, die erst so ein bisschen was erzählt haben und die man dann auch noch befragen konnte.

00:08:41: Eine davon war eine Hebamme und das andere war, glaube ich, ein Arzt oder eine Ärztin.

00:08:47: Aber es gab nicht so wirklich Momente für ein persönliches Gespräch, würde ich sagen, zu dem Zeitpunkt, sondern diese... Kreisseilbesichtigungen funktionieren eher so ein bisschen wie so Werbeveranstaltungen.

00:08:58: Also es wird dann auch schon erzählt, dass man dann nach der Geburt hier gibt es dann diesen Schlafsack fürs Baby, den können sie dann mit nach Hause nehmen.

00:09:06: Und es ist es schon so vor einigen Rückblicken, wenn ich da so drauf gucke, dann finde ich das auf jeden Fall gut, zu solchen Veranstaltungen hinzugehen.

00:09:15: Aber ich glaube, man sollte auch immer im Hinterkopf haben, dass es da eben auch darum geht, dass das Krankenhaus dafür begeistern will, dass man an diesem Ort gewährt.

00:09:24: Hattest du denn ein gutes Bauchgefühl, nachdem du diese Besichtigung gemacht hast?

00:09:31: Nach der Besichtigung schon, würde ich sagen.

00:09:33: Es gab dann nochmal so ein Vorgespräch mit einer Hebamme.

00:09:38: Das fand ich ein bisschen merkwürdig, ehrlich gesagt, weil das so, ja, weil sie und ich einfach so gar nicht auf einem Level waren gefühlt.

00:09:46: Also sie hat das zwar alles so notiert, was ich gesagt habe, so ja, möglichst aktiv, vielleicht auch Wassergeburt und so, aber ... Ich hab da nur gedacht, hoffentlich wird's die nicht.

00:09:56: Weil der Vibe hat einfach nicht gestimmt zwischen uns.

00:10:01: Aber in so einem Kreisei arbeiten ja extrem viele Hebammen.

00:10:04: Und ich hab einfach auch nicht damit gerechnet, dass wir beide uns jetzt unbedingt noch mal kreuzen würden.

00:10:10: Und deshalb war das für mich, glaub ich, bin ich da erst mal mit einem guten Gefühl wieder weggegangen.

00:10:15: Genau.

00:10:16: Aber es stellte sich dann irgendwann schon eher auch ein bisschen Sorge ein.

00:10:20: Weil ... dann der Geburtstermin immer näher rückte, also die Geburt wird ja berechnet.

00:10:27: In Deutschland ist man in vierzig Wochen schwanger.

00:10:29: Offiziell ist es auch ein bisschen interessant, wenn man nach Frankreich guckt, wo diese Zahl bei einen vierzig Wochen liegt.

00:10:35: Also da stellt sich auch so die Frage, wie gut ist das tatsächlich berechenbar, wann es losgeht?

00:10:41: Naja, ich war auf jeden Fall dann irgendwann bei ET, also Entbindungstermin heißt das, ich glaube plus.

00:10:49: drei oder so und bin dann wieder zu meinem Gynäkologen gegangen.

00:10:56: Und da hat er das erste Mal davon gesprochen, dass wenn bis dann und dann nichts passiert ist, dann muss eingeleitet werden.

00:11:03: Und das war das erste Mal, dass dieses Wort so irgendwie aufploppte von Einleitung.

00:11:08: Und da, also das hätte ich sehr, sehr gerne vermieden, weil ich auch Übereinleitung jetzt nicht so gute Stories gehört hatte.

00:11:17: Und das war das erste Mal, glaube ich, dass so Zweifel so ein bisschen bei mir aufkam und ich so dachte, hoffentlich macht sich das Kind jetzt bald auf den Weg, weil ich möchte eigentlich ungern eingeleitet werden.

00:11:28: Im Prinzip meint die Einleitung, dass man die Geburt künstlich einleitet, hervorgerufen durch ein Cocktail oder durch Creme, durch Stimulation, also die dann stimuliert wird oder ähnliches, sodass der Mutter mutzig öffnet, richtig?

00:11:38: Genau.

00:11:39: Okay.

00:11:40: Genau.

00:11:40: Für alle, die es nicht wissen, was es mit einem Cocktail gemeint?

00:11:44: Ja, also ... Wahrscheinlich ist dieser Rizinos Cocktail gemeint.

00:11:50: Rizinos ist ein Öl, was man dann mischt mit einem Saft, der gut schmeckt, weil dieses Öl an sich furchtbar eklig schmeckt.

00:12:01: Und dieses Öl wiederum stimuliert den Darm.

00:12:05: Also man kriegt dann davon Durchfall.

00:12:07: Und diese Darmaktivität wiederum stimuliert den Uterus und soll dadurch die Geburt anregen.

00:12:16: Und das ist aber keine so richtig offizielle Anerkante-Einleitungsmethode, sondern das ist eine Methode, die Hebammen eher so vorschlagen oder vielleicht auch mit einer Schwangeren zusammen durchführen.

00:12:27: Aber im Krankenhaus gibt es diese Optionen nicht.

00:12:29: Da gibt es eigentlich nur die Medikamentöse-Einleitung.

00:12:34: Und ich glaube, es gibt noch so ein paar andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel so einen Ballon einzuführen und damit den Muttermund zu dehnen.

00:12:42: Also mehr so eine mechanische Herangehensweise.

00:12:45: Aber ich glaube so, die meisten Menschen werden mit einem Medikament eingeleitet.

00:12:50: Als du dann Entbindungstermin, also ET plus drei warst, hast du ja schon gesagt, dass du ein bisschen Zweifel hatte, weil du ungern eingeleitet werden wolltest.

00:13:01: Wie war denn dein Gefühl für dein Kind in dem Moment?

00:13:05: Hast du dich gefreut, dass es kommt?

00:13:06: Wolltest du dein Kind endlich in den Arm halten oder warst du eher genervt von der Schwangerschaft?

00:13:15: Also ich wollte auf jeden Fall, dass es jetzt bald kommt, weil es war einfach wahnsinnig anstrengend.

00:13:22: Und ich glaube aber so dieser Satz von, dann müssen wir sonst einleiten, der hat erst mal irgendwie so viel Angst in mir verursacht, dass ich da gar nicht, also in den Tagen glaube ich, habe ich die Freude so ein bisschen vergessen.

00:13:39: Da ging es gar nicht mehr so darum, Eier stimmt, ich bin schwanger und bald lernen wir unser Kind kennen, sondern es war eher wirklich so ein, ich war da nur noch damit beschäftigt, oh, wie komme ich um diese Einleitung herum?

00:13:53: Also es hat den Schauplatz ein bisschen verschoben irgendwie, weil mir, glaube ich, da auch so bewusst geworden ist, wie schnell man in so eine Situation gerät, einfach nur aufgrund bestimmter Daten, die aber ja gar nicht so verlässlich sind.

00:14:11: Ich wusste zum Beispiel auch, dass sowohl ich als auch mein Bruder vierzehn Tage nach ETI jeweils geboren sind.

00:14:18: Ich hatte also auch schon irgendwie so eine leichte Vorahnung, dass es bei mir auch so sein könnte.

00:14:22: Das ist einfach länger dauert, eine Schwangerschaft.

00:14:25: Und dieser Druck, erhört sich aber immer mehr.

00:14:27: Also je weiter man sich vom ETI entfernt, umso öfter hat man eben auch eine Kontrolle, was ja auch gut ist, weil die Plazenta könnte sein, dass sie nicht mehr gut arbeitet, dass das Kind nicht mehr gut versorgt wird.

00:14:38: Die Kontrollen finde ich total sinnvoll.

00:14:41: Aber ich glaube, dieser psychische Druck, den dann viele Personen erleben oder Aussagen, wie jetzt müssen wir aber.

00:14:49: Und sie wollen doch hier nicht irgendwie riskieren, dass, dass ihrem Kind irgendwas passiert oder so.

00:14:53: Die sind halt schon echt extrem schädlich, finde ich.

00:14:57: Also, ja.

00:14:59: Was soll man da anderes sagen als, ja gut, dann mache ich das halt.

00:15:03: Hast du dann, es gibt ja so ein paar Hausmittel, die man versuchen kann, um so ein bisschen die Wehen einzuleiten, wie Datteln, Essen oder ähnliches?

00:15:11: Oder ich glaube, für mehr Zimt war es auch, hast du solche Tricks angewendet?

00:15:16: Auf jeden Fall.

00:15:17: Ich habe sogar, ich glaube, drei oder vier Wochen vor dem erwarteten Geburtstermin habe ich irgendwie aufgehört, Weißmehl und Zucker zu essen.

00:15:26: Habe ich in meiner zweiten Spangenschaft dann auch noch mal gemacht mit dem... gleichen Ergebnis, dass das leider bei mir überhaupt nicht gefruchtet hat.

00:15:33: Und es macht mich auch rückblickend so ein bisschen wütend, weil so manche Leute halt so felsenfest behaupten, dass weil sie auf Zucker und Weißmehl verzichtet haben, sie eine super Traumgeburt hatten.

00:15:44: Und auch das ist, glaube ich, nicht wissenschaftlich belegt, dass das tatsächlich einen Einfluss hat.

00:15:50: Und ja, ich habe es zweimal versucht und bin leider kläglich gescheitert.

00:15:55: Aber ja, ich hab dann Heubäder, irgendwelche Tampons, die getränkt waren mit irgendwas, die den Muttermund stimulieren sollten.

00:16:04: Sex natürlich.

00:16:06: Keine Ahnung, was man da alles so probiert.

00:16:10: Aber ja, ich hab schon irgendwie alles dafür gegeben, dass es jetzt losgeht.

00:16:15: Dann lass uns jetzt mal gerne zu dem Moment kommen, wo es dann.

00:16:18: oder zu deinem errechneten ET-Termin ... Da, wo du sagst, da beginnt jetzt im Prinzip die Story der Geburt oder des ganzen Prozedere?

00:16:27: Mhm.

00:16:28: Ich glaube, da muss ich noch kurz so einfügen.

00:16:30: Also, ich war jetzt in meiner Erzählung schon bei ET plus drei ungefähr.

00:16:35: Und bei ET plus zehn, also ich war dann quasi täglich zur Kontrolle und ich glaube, zehn Tage über dem Termin war ich dann im Krankenhaus, musste mich dort vorstellen und hab da eine sehr ... zugewandte Ärztin erlebt, die einen Ultraschall gemacht hat und die gesagt hat, es ist alles gut so.

00:16:53: Und wenn sie jetzt irgendwie noch nicht bereit sind, dann müssen wir das jetzt auch nicht über den Zaun brechen, die mir dann nochmal so drei Tage plus gegeben hat, glaube ich.

00:17:04: Und das war ein total schönes Erlebnis.

00:17:05: Das war irgendwie so, ah, cool, okay, irgendwie werde ich hierher gesehen und voll gut.

00:17:12: Die glaubt also auch noch daran, dass das hier auch noch auf natürlichem Wege.

00:17:15: kommen wird, dann sind wir wieder nach Hause gefahren.

00:17:18: Aber ja, nach drei Tagen war das Kind halt immer noch nicht da.

00:17:22: Und die Geburt hatte immer noch nicht begonnen.

00:17:23: Und es war dann irgendwie auch so klar, okay, jetzt muss ich mich wohl über oder über diese Einleitung stellen.

00:17:32: Hätte ich das nicht machen wollen, hätte ich was unterschreiben müssen, dass ich das auf eigenen Wunschchen ablehne und dass ich das Risiko dafür übernehme.

00:17:40: Also das wusste ich vorher, dass das dann kommen würde und Dementsprechend hab ich mich dann da nicht mehr dagegen gestellt, sondern hab dann gedacht, okay, vielleicht braucht das Kind auch einfach so einen kleinen Stups und vielleicht ist es jetzt einfach so.

00:17:53: Und bin dann doch, also leicht angespannt, sind wir ins Krankenhaus gefahren, aber irgendwie auch schon so okay.

00:17:59: Aber jetzt ist es dann auch endlich bald vorbei.

00:18:02: Es war auch irgendwie Freude dabei.

00:18:05: Hattest du inzwischen drin so Übungswien, um so ein Gefühl für Wien zu bekommen?

00:18:11: Ich hab echt penibel darauf geachtet.

00:18:13: Da war manchmal so ein komisches Ziehen, da war auch irgendwie dieser Schleimfropf, der abgegangen ist, was ja schon so anzeichen sind, dass es eigentlich bald losgeht.

00:18:24: Aber so richtig gewähnen habe ich nicht gespürt, nee.

00:18:28: Und deine Fruchtblase?

00:18:30: Die war verschlossen.

00:18:32: Also ich hatte einfach wirklich einen monströsen, großen Bauch.

00:18:36: Ich hatte auch extrem viel Fruchtwasser.

00:18:38: Das wurde irgendwie im Ultraschall auch schon gesehen.

00:18:41: Genau.

00:18:42: Aber... Deshalb dich gehalten.

00:18:46: Du bist ja ins Krankenhaus gekommen und in den Kreisei hinein.

00:18:50: War die freundlich zugewandte Ärztin wieder im Dienst oder wie wurdest du empfangen?

00:18:57: Also erst mal waren wir noch nicht im Kreisei, sondern ich wurde quasi auf Station, habe ich ein Zimmer bekommen, da war noch eine andere Person drin, die auch gerade sich in der Einleitung befunden hat und dann wurde ... Eigentlich sofort losgelegt mit, also ich habe eine kurze Aufklärung bekommen, dass wir jetzt mit diesem Medikamenteinleiten und dass das ein Off-Label-Use ist und dann gab es auch glaube ich schon relativ schnell die erste Tablette.

00:19:24: Also, weil in den Kreissaal wird man erst gelassen, wenn die Wehen tatsächlich, also wenn die Geburt tatsächlich losgegangen ist.

00:19:30: und das war der Einleitungbeginn.

00:19:34: Und ich erinnere mich aber gerade daran, dass ich tatsächlich so ein Rizinos-Cocktail noch dabei hatte, den wir zu Hause angemischt hatten nach dem Rezept unserer Hebamme und den dann auch eigentlich gerne dort erst mal damit gestartet wäre.

00:19:48: Aber ja, die Hebamme im Krankenhaus dann gesagt hat, naja, also das machen wir hier nicht.

00:19:54: Aber wenn sie wollen, können sie das ja einfach mal versuchen und mal gucken, was passiert.

00:19:59: Und ich weiß auch, dass ich dann irgendwie so ein halben Cocktail getrunken habe.

00:20:03: und dass mir davon aber einfach nur irgendwie richtig übel geworden ist und ich es dann wieder sein gelassen habe, genau.

00:20:10: Und dieser Cocktail dann weiß ich gar nicht, wo der eigentlich abgeblieben ist.

00:20:14: Auf jeden Fall, ja, habe ich es vielleicht für zwei Stunden versucht, mit diesem Riesinuscocktail einzuleiten, bevor ich dann mit der Medikamenteuseneinleitung begonnen habe.

00:20:25: Und das läuft so ab, dass man diese Tablette bekommt und alle vier Stunden wird dann ZDG geschrieben, also sowohl vor der Einnahme als auch nach der Einnahme, um zu gucken, wie das Kind darauf reagiert, wie der Körper darauf reagiert.

00:20:38: Genau.

00:20:39: Und das war damals dieses Medikament Zytotec.

00:20:43: Das wird es heute nicht mehr benutzt.

00:20:47: Es gab da auch ziemlich viel Kritik auch international an diesem Medikament, weil es ein Magenmedikament ist, was eben auch so benutzt wurde, dass ... Das Ziel war, den Darm zu stimulieren, damit der wiederum dann die Gebärmutter oder den Uterus stimulieren sollte.

00:21:05: Und das Problem an diesem Medikament ist aber, dass es sehr schwer dosierbar ist.

00:21:11: Und genau, dass es in einigen Fällen auch falsch dosiert wurde und dadurch Menschen halt sehr, sehr harte Wenenstürme erlebt haben.

00:21:18: Was heißt, dass es schwierig zu dosieren ist?

00:21:21: Weil also in meinem Kopf ist gerade ich als Laie denk mir, okay, Eine Tablette oder zwei Tabletten und dann habe ich vierhundert Milliliter oder Milligramm und sechsmal Milligramm, was auch immer.

00:21:31: Warum ist es so schwer?

00:21:32: Ja, ich glaube, in dieser einen Tablette sind also keine Ahnung, wie viel jetzt, aber sagen wir mal, da sind irgendwie vierzig Mikrogramm drin, aber die Empfehlung ist, mit zwanzig Mikrogramm anzufangen.

00:21:43: Und dann wurden die Tabletten oft so in der Hälfte durchgeschnitten, aber der Wirkstoff ist nicht an allen Stellen gleich verteilt in der Pille und das heißt unter Umständen schluckst du dann doch vierzig Milligramm Mikrogramm was auch immer.

00:21:57: genau

00:21:57: das heißt aber eigentlich hätte der es ist ja voll.

00:21:59: ich weiß gar nicht warum der Hersteller dann nicht eine gering dosiertere Variante auf den mark bringt wo man die ja halbieren müsste ist ja voll totaler Käse eigentlich

00:22:11: weil das vielleicht dann dazu führen müsste, dass das Ziel dieses Medikaments ein anderes wäre.

00:22:18: Dann wäre es ja tatsächlich Geburtseinleitung und dadurch, dass das aber ja ein Off-Label-Use war, also hat bestimmt irgendwas mit so Medizinrecht zu tun und mit Verkaufszahlen und Patenten und wobei es heute... ein Medikament gibt, was genau gleich wirkt und ich glaube sogar auch den gleichen Wirkstoff innehat, nämlich Mesoprostol, heißt aber jetzt Angusta und wird wahrscheinlich jetzt in einer anderen Dosis verkauft, denke ich, und ist halt gelabelt als konkretes Einleitungsmedikament.

00:22:51: Aber auch das ist glaube ich so ein bisschen umstritten.

00:22:52: Also so richtig ideal, glaube ich, ist dieses Thema Geburtseinleitung noch nicht zu betrachten.

00:23:00: Wie hast du dich denn in dem Moment gefühlt, als dann tatsächlich die Geburt eingeleitet wurde?

00:23:04: Du hattest ja vorher total Angst davor.

00:23:07: Ich glaube, ich war auf jeden Fall sehr aufgeregt und hatte auch noch nicht so richtig eine Vorstellung davon, wie lange das jetzt dauern würde.

00:23:16: Die Person, die noch mit mir im Zimmer war, glaube ich, die war erst in Schwangerschaftswoche, thirty-six oder so.

00:23:23: Aber trotzdem, sie war mehrere Tage da.

00:23:26: Da habe ich das erste Mal so geteckt, so eine Einleitung kann mehrere Tage dauern.

00:23:31: Wie krass, weil es ist schon irgendwie anstrengend, alle vier Stunden wieder ans CTG angeschlossen zu werden.

00:23:41: Man bleibt dann stationär im Krankenhaus.

00:23:45: Partner oder Partnerin müssen dann auch nach Hause fahren.

00:23:47: Es ist halt irgendwie nicht so eine ... coole Situationen, um sich auf den Geburt einzustimmen.

00:23:53: Genau.

00:23:54: Und ich glaub, aber wir haben diesen Tag zusammen im Krankenhaus verbracht und haben irgendwie auch Karten gespielt, uns versucht, ein bisschen abzulenken.

00:24:01: Ich bin viel Treppenstufen gelaufen.

00:24:04: Das weiß ich noch vor der Klinik, hoch und runter.

00:24:06: Ja, und dann war es irgendwann Abend.

00:24:09: Und wir waren wieder auf dem Zimmer.

00:24:12: Und eigentlich dachten wir dann, dass mein Partner jetzt nach Hause fahren muss.

00:24:16: Und dann ist aber auf einmal die Fruchtblase gesprungen.

00:24:19: Also, über den Tag hatte dieses Medikament schon dazu geführt, dass einfach ein extremer Druck entstanden ist.

00:24:27: Das habe ich auch gemerkt, dass der Bauch einfach wahnsinnig hart geworden ist.

00:24:32: Genau, und das war irgendwie ein schöner Moment, weil es so war wie, ach krass, okay, jetzt geht es ja tatsächlich los.

00:24:39: Und die Person, die mit mir im Zimmer war, war auch noch so, ja, herzlichen Glückwunsch.

00:24:44: So, als ob das Baby schon da wäre.

00:24:47: Das war ein bisschen witzig.

00:24:49: Genau.

00:24:49: und dann war es aber noch so ein bisschen komisch, weil ich wusste nur, dass mein Kind noch nicht im Becken drin steckt mit dem Kopf und das ist im Falle eines Blasensprungs eben dazu kommen könnte, dass die Nabelschnur vorfällt.

00:25:03: Also da hatte ich so ein bisschen so Horrorszenarien vor Augen, die mein Gynäkologin mit mir geteilt hatte und ich hatte eigentlich die Anweisung im Falle eines Blasensprungs auf jeden Fall liegen zu bleiben.

00:25:12: Deswegen habe ich mich erst mal da auch nicht aus dem Bett rausgetraut und mein Partner hat dann irgendwie so ... Leute geholt und so gefragt, ja, kann sie jetzt aufstehen oder nicht?

00:25:22: Und die waren dann so, ja klar, kann sie aufstehen, warum kann sie denn nicht aufstehen?

00:25:27: Und es war irgendwie so ein bisschen, also an der Stelle habe ich schon so gedacht, hey, redet hier überhaupt irgendjemand mit irgendwem oder lesen die meine Akte?

00:25:35: und ja, die Kommunikation war jetzt nicht so ideal.

00:25:40: Ich habe dann jedenfalls relativ schnell auch angefangen, wen zu spüren.

00:25:45: Ich bin dann auch aufgestanden, die Nabelschnur ist nicht rausgefallen.

00:25:48: Also irgendwann war mir das dann auch so ein bisschen egal.

00:25:52: Oder nee, das war mir nicht egal, aber ich hab ja gemerkt, das passiert nichts, wenn ich aufstehe.

00:25:56: Und dann, ich glaube, mitten in der Nacht, so gegen drei oder so, waren die Wien auch so stark, dass ich dann schon gesagt hab, okay, wir können jetzt mal in den Kreiser langsam rüber.

00:26:09: Dann ... Weiß ich noch, haben wir zusammen mein Bett in den Kreißsaal geschoben und wurden dann aber wiederum am Kreißsaal eigentlich ziemlich dafür angekackt, warum ich denn jetzt nicht da drin lege, sondern warum ich jetzt dahinter stehe und dieses Bett schiebe.

00:26:25: Und ja, es hat irgendwie so zu der vorherigen, schon nicht gut funktionierenden Kommunikation gepasst, finde ich, das einfach so nicht so richtig klar war.

00:26:35: Was ist jetzt, oder mir war nicht richtig klar so, was ist jetzt hier meine Aufgabe?

00:26:40: Und an der Stelle hätte einfach die Kommunikation schon irgendwie besser sein können.

00:26:45: Hatte man da regelmäßig schon geschaut, wie weit der Muttermund offen war?

00:26:50: Ja, im Zimmer, glaube ich, war eine Hebamme da, die mich untersucht hat und die gesagt hat, nee, ist noch nicht geöffnet.

00:26:59: Genau.

00:26:59: Und dann sollte ich einfach weiter wehend verarbeiten und abwarten.

00:27:06: Und ich glaube, als wir dann zum Kreisseil gelaufen sind und dort angekommen sind, wurde ich auch noch mal untersucht.

00:27:12: Und es war aber wieder so, dass der Muttermund immer noch verschlossen war, was mich irgendwie auch ziemlich runtergezogen hat, weil die Wehen sich schon ziemlich stark angefühlt haben und ich irgendwie nicht damit gerechnet hätte, dass da am Muttermund noch nichts passiert ist.

00:27:29: Und dann waren wir in so einem Nebenzimmer vom Kreisseil.

00:27:31: Also das war noch nicht der Kreisseil.

00:27:34: Wobei es ja auch immer mehrere Kreiselle gibt, aber dort fanden eben gerade überall Geburten auch statt.

00:27:40: Es war dann so ein bisschen witzig auch, weil wir dann eine Geburt auch so quasi fast mitgehört haben aus diesem Nebenzimmer heraus.

00:27:49: Es war aber irgendwie schön.

00:27:51: Es war sogar eine Zwillingsgeburt.

00:27:53: Wir haben nämlich zwei Babys hintereinander schreien hören.

00:27:56: Genau, aber wir sollten uns noch ausruhen und ich sollte versuchen auch ein bisschen zu schlafen.

00:28:02: was mir total gut getan hätte, weil ich war schon die Nacht vorher echt lange wach gewesen, weil ich sehr aufgeregt war.

00:28:08: Und weil sowieso mit so einem großen Bauch irgendwie super schwer ist, gut zu schlafen.

00:28:13: Und hatte ja auch schon den ganzen Tag hinter mir und war einfach schon echt richtig lang auf den beiden.

00:28:18: Und dann gab es eine Hebamme, die Nachtschicht hatte, die mir dann ein Medikament im Endeffekt angeboten hat zur Schmerzlinderung.

00:28:28: Und halt gesagt hat, ja, damit ... kommen sie mal ein bisschen runter und können vielleicht mal ein bisschen durchatmen.

00:28:37: Genau.

00:28:38: Und dem habe ich dann erst mal zugestimmt, habe das genommen und hatte dann einen ziemlich heftigen Rausch.

00:28:45: Also es war richtig gut, richtig schön.

00:28:49: Aber ja, es war so eine Stunde irgendwie auf so rosa Watte gefühlt.

00:28:53: Geschlafen habe ich glaube ich trotzdem nicht, aber es hat schon irgendwie mental einfach sehr, sehr gut getan.

00:28:59: Mal kurz auch so... Ich konnte einfach so richtig optimistisch sein und hatte sogar keine Zweifel mehr, dass das funktionieren würde.

00:29:08: Und das war irgendwie gut.

00:29:10: Als diese Wirkung dann aber nachgelassen hat, wurde mir wahnsinnig schlecht und ich habe ab dem Zeitpunkt eigentlich gefühlt nur noch gekotzt.

00:29:19: Also ich habe diese ganze Nacht hindurch gekotzt, was nicht schön war und was auch dazu gefüttert hat, dass ich halt immer mehr Kraft verloren habe und so dachte, wie soll ich das hier eigentlich weiter durchhalten, also mit so wenig Schlaf, so wenig Energie.

00:29:36: Und der Muttermund war halt immer noch, dann, ich glaube, bei der nächsten Untersuchung vielleicht so langsam so einen Finger durchlässig oder so, was halt, also am Ende oder bevor das Baby austreten kann, muss der Muttermund sich auf ungefähr zehn Zentimeter oder elf sogar geweitet haben.

00:29:54: Und natürlich kann das in ganz unterschiedlichen Abständen passieren.

00:29:58: Also es kann auch super schnell gehen.

00:30:00: Es kann aber eben auch Tage dauern oder Wochen.

00:30:02: Das ist nicht so richtig absehbar, aber diese Feststellung, dass es nur bei einem Zentimeter bisher ist, war halt schon erstmal irgendwie ein bisschen niederschmettern zu.

00:30:13: Nichtsdestotrotz konnten wir dann morgens in den Kreißsaal, in den richtigen Kreißsaal.

00:30:19: Dort hing auch so ein Tuch, weiß ich noch, wo ich auch angefangen habe, mich so reinzuhängen und was erstmal irgendwie voll gut getan hat.

00:30:27: dieses Gewicht so ein bisschen irgendwo anders reingeben zu können und die Wehen dort zu veratmen.

00:30:33: Und dann wurde, glaube ich, sogar auch Wasser in die Wanne eingelassen, weil ich mir das ja gewünscht hatte, dass ich in der Wanne auch sein kann.

00:30:41: Und mein Freund hat dann irgendwie auch noch so versucht, unseren MP-III-Lehrer anzuschließen und wollte irgendwie unsere Musik, die wir mitgebracht hatten, so abspielen und so.

00:30:49: Und dann gab es aber irgendwie so ein Kipppunkt.

00:30:53: Also, genau, ich hatte auch noch einen Einlauf.

00:30:57: kurz vorher bekommen.

00:30:58: Und ich glaube, dieser Einlauf hat das einfach auch nochmal enorm verstärkt, diese Wähentätigkeit.

00:31:04: Und ja, auf einmal konnte ich halt nicht mehr stehen.

00:31:07: Also ich konnte mich nicht mehr in dieses Tuch reinhängen, sondern ich hatte einfach das Gefühl, dass mein Decken irgendwie diese Wähnen nicht mehr aushält.

00:31:15: Also dass es ein wahnsinniger Schmerz ist, der da jedes Mal reinfährt.

00:31:19: Und ich habe mich dann auf dieses Kreisbett mehr oder weniger gelegt und habe irgendwie versucht es da.

00:31:26: auszuhalten.

00:31:28: Das hat sich dann schon wesentlich weniger aktiv angefühlt.

00:31:32: Und gleichzeitig hat auch die Hebammschicht gewechselt.

00:31:36: Also Hebammen arbeiten ja in Schichten und es war halt früh morgens, ich glaube so um sieben und dann kam eben die neue Hebamme rein.

00:31:45: Die blöderweise dann genau die Person war mit der ich dieses Vorgespräch hatte, wo ich also schon bei dem Vorgespräch dachte, ah.

00:31:53: ist nicht so der gute Vibe zwischen uns, hoffentlich wird's die nicht.

00:31:57: Und dann war die halt auf einmal da, so eine sehr alte Frau, sehr barsch, genau.

00:32:06: Und dann ging eigentlich dieser Horror irgendwie so richtig los, weil ich dann schon versucht habe, ihr sehr deutlich zu sagen, dass ich gerade wahnsinnig geschmerzen habe, dass ich nicht glaube, dass das Geburtswesen, Ja, dass ich auch denke, dass da was nicht stimmt, habe ich zu irgendeinem Zeitpunkt auf jeden Fall geäußert.

00:32:29: Und ihre Reaktion war halt total widerlich eigentlich, würde ich sagen, weil sie mich erstens nicht ernst genommen hat.

00:32:40: Sie hat mich auch nicht richtig untersucht, würde ich sagen, sondern es war so ein ganz schnelles, so ja, mal kurz fühlen und dann die Feststellung treffen, nee, ist noch nicht so weit.

00:32:53: dann hat sie mir halt auch irgendwann so ein Satz rein gedrückt, den ich dann nie wieder vergessen habe, weil sie gesagt hat, ja Kindchen, Geburt ist halt kein Zuckerschlecken und da müssen sie jetzt durch.

00:33:04: Und dann ist sie halt gefühlt gegangen, also hat uns alleine gelassen in diesem Raum, was irgendwie bei mir einfach zu völliger Erstarrung geführt hat, weil ich irgendwie damit nicht gerechnet habe, glaube ich, dass ich so abgewiesen werde von einer Person, die eigentlich doch dafür, also Kur ihres Beruf ist, dafür da sein sollte, mich zu unterstützen.

00:33:26: Und weil ich da auch sofort realisiert habe, okay, irgendwie nimmt die mich gar nicht ernst, die denkt, ich erfinde das hier oder ich weiß nicht so.

00:33:35: Und dieser Schmerz war aber für mich halt absolut real.

00:33:39: Und mein Zustand war halt auch einfach mittlerweile sehr, sehr geschwächt, würde ich sagen.

00:33:46: Und wir waren dann ... Also irgendwie habe ich da auch immer wieder so gefühlt, wie so blinde Flecken, glaube ich, für diesen Zeitraum, weil es ein extrem langer Zeitraum war, den ich gar nicht mehr so richtig eingrenzen kann.

00:34:01: Wir haben sie aber halt während ihrer ganzen Schicht erlebt, also das vielleicht schon mal vorweg so.

00:34:06: Diese Schicht, die dauert ja sieben oder acht Stunden und in dieser Zeit war sie für uns oder für mich zuständig.

00:34:11: Und es gab halt keine andere Personen, die uns quasi mit dem draußen verbunden hat, sondern sie war für diesen Kreisall zuständig.

00:34:20: Und das war irgendwie auch extrem fatal, weil ich ja eigentlich schon nach dieser Ansage wusste, so mit ihr brauche ich nicht rechnen.

00:34:30: Ich habe aufgrund meiner Ausbildung auch viele Geburten erlebt.

00:34:33: Und ich weiß, dass eine Hebamme bei den gebärenen Frauen bleiben soll, beziehungsweise regelmässig nach den Frauen schauen soll und ihnen Unterstützung anbieten soll.

00:34:45: Wie hast du das wahrgenommen?

00:34:49: Ja, ich weiß es auch.

00:34:50: Und so habe ich mir auch eine Hebamme vorgestellt oder so habe ich auch ja meine Vor- und Nachsorgehebamme erlebt.

00:34:58: Und dementsprechend war ich, glaube ich, in dieser Zeit auch einfach völlig überwältigt davon, dass es so anders sein kann.

00:35:07: Also, dass man da auf eine Person treffen kann in so einer existenziellen Situation.

00:35:11: die nicht empathisch ist, die nicht irgendwie bei mir bleibt, sondern die mir eigentlich eher signalisiert, hey, ich hab keinen Bock auf dich, sie zu, wie du klarkommst.

00:35:21: Also natürlich kam sie so von Zeit zu Zeit immer wieder kurz in diesen Kreisseil rein.

00:35:26: Ich glaub, den Rest der Zeit saß sie halt draußen oder war vielleicht auch in einem anderen Kreisseil, wer weiß, hat aber auf jeden Fall so unser CTG beobachtet.

00:35:35: Das wurde ja die ganze Zeit geschrieben, also ich war die ganze Zeit verkabelt.

00:35:39: Und ich glaube, sie hat sich einfach zu hundert Prozent auf dieses CTG verlassen und war der Meinung, da werden schöne Kurven geschrieben.

00:35:46: Alles super.

00:35:48: Und das, was aber halt bei mir so psychisch abgegangen ist oder wie meine emotionale Situation war, das wurde einfach überhaupt nicht gesehen von ihr.

00:35:57: Und ich glaube, das war auch nicht ihr Verständnis von ihrem Beruf.

00:36:01: Es ist irgendwie total verrückt, dass es das gibt.

00:36:05: Aber sie schien einfach völlig abgestumpft zu sein.

00:36:09: in diesem System, was ja auch für Hebamme scheiße ist an ganz vielen Stellen auf jeden Fall, so Unterbesetzungen, Miesebezahlung, Schichten und so weiter.

00:36:21: Aber dass das halt passieren kann, dass man so abstumpft und so kalt wird, finde ich irgendwie heute noch sehr erstaunlich.

00:36:35: Hattest du ihr... signalisiert nach einer gewissen Zeit, dass dir da was fehlt oder dass du da gerne anders, dass du möchtest, dass da anders mit umgegangen wird mit der Situation?

00:36:46: Ja, also sie kam irgendwann nochmal mit einer Hieb-Amschülerin rein und dann hat die Hieb-Amschülerin mich untersucht und diese Schülerin war total nett und sehr zugewandt und ich glaube auch, dass sie sehr wohl verstanden hat, was da gerade passiert und dass sie mir gerne geholfen hätte.

00:37:04: Aber Und ich glaube, erst hat mich die Schülerin untersucht und dann hat mich noch mal diese alte Hebamme untersucht, weil sie sich dann, also die Schülerin war sich nicht sicher, was sie da fühlt.

00:37:14: Und die Hebamme ist dann aber zu dem Schluss gekommen, ne, ist alles gut so.

00:37:20: Muttermund ist aber immer noch nicht weiter offen als maximal so zwei Zentimeter.

00:37:24: Und dann sind die zusammen wieder raus.

00:37:25: Und ich hatte auch so das Gefühl, dass da eine ganz krasse Hierarchie am Werk war, also dass diese Schülerin, die mir ... Wohlgesonnen war, der blieb irgendwie gar keine Möglichkeit, glaube ich, da jetzt besonders empathisch irgendwie mit mir umzugehen, oder bei mir zu bleiben, weil sie einfach dieser älteren Hebamme unterstellt war.

00:37:48: Und ja, es war eine ganz schräge Situation und irgendwie, ja.

00:37:55: Und es gab aber auf jeden Fall mehrere Situationen.

00:38:01: Also das erste Mal war ... ganz früh morgens, als ich schon gesagt habe, boah, das sind so krasse Schmerzen, ich halte das nicht aus, es fühlte sich nicht gut an.

00:38:09: Und dann gab es aber später auch noch mal die Situation, als sie noch mal da war, dass ich ganz klar gesagt habe, ich glaube, hier stimmt etwas nicht.

00:38:17: Können wir bitte einen Ultraschall machen oder können Sie eine Ärztin holen, die einen Ultraschall macht?

00:38:22: Weil Hebammen machen ja keinen Ultraschall.

00:38:24: Und das war irgendwie so, glaube ich, für mich so das, was mir möglich war.

00:38:30: Also ich glaube, ich bin generell so ein Mensch, der eher erstmal beobachtet Situationen und jetzt nicht sofort so irgendwie auf den Tisch hauen will.

00:38:38: und mein Partner tickt halt leider genauso.

00:38:40: Und dementsprechend war das, oder ist es auch aus heutiger Sicht, schon eine klare Ansage gewesen von meiner Seite aus und einfach ein klares Aussprechen meines Wunsches, dass ich möchte, dass da jemand anderes drauf guckt.

00:38:53: Und das hat sie aber auch abgelehnt und hat gesagt, Ne, genau, ich hab dann nämlich sogar noch gefragt, und wann macht man denn eigentlich einen Kaiserschnitt?

00:39:01: Was super absurd ist, weil ich wollte keinen Kaiserschnitt, aber ich war einfach so verzweifelt und ich brauchte irgendwie auch so eine zeitliche Prognose oder Einordnung, weil ich nur dachte so, ich halte das hier einfach nicht mehr lange aus.

00:39:12: Also ich hätte eigentlich irgendwie so einen Plan gebraucht, den mir jemand sagt und sagt so, ja, wir können jetzt noch das machen und in dem Fall würde man dann das machen, ne?

00:39:24: Also so gute Aufklärung einfach.

00:39:27: bei solchen Prozessen.

00:39:28: Aber das hat halt überhaupt nicht stattgefunden, sondern sie hat nur gesagt, nee, also für ein Kaiserschnitt sehe ich hier überhaupt keine Indikation und dafür braucht es eine Indikation.

00:39:37: Und dann hat sie halt wieder den Raum verlassen.

00:39:39: Also, als ob ich irgendwie auch ein bisschen, ja, also ich meine, es ist völlig klar, dass ein Kaiserschnitt eine Indikation braucht, aber das war nicht das, was ich gebraucht hätte in dem Moment.

00:39:51: Du hast jetzt noch nicht so genau beschrieben, wie sie darauf reagiert hatte, als du gesagt hattest, hey, kann da mal bitte ein Arzt, ein Ärztin drüber schauen.

00:40:00: Was hat sie da gesagt?

00:40:02: Er hat sie gesagt, nein, wir brauchen hier keine Ärztin.

00:40:06: Und dann ist sie auch wieder gegangen.

00:40:07: Also, es gab sehr wenig Reaktion von ihr.

00:40:10: Und wenn, dann war das halt immer so ein ganz krasses Abkanzeln von so, nee.

00:40:15: Also, es war irgendwie völlig verrückt, weil ich wurde, ich hab dadurch so in der Luft gehacken.

00:40:20: Da war irgendwie keine Verbindung, da war auch kein Spielraumgefühl so.

00:40:27: Irgendwann dann noch mal später habe ich mich dann selber an eine Freundin erinnert, die mir erzählt hat, dass sie eine PDA hatte während der Geburt und dass ihr das total geholfen hat.

00:40:36: Und es war halt wieder ich, obwohl ich selber in so eine Ausnahmesituation war, die dann zu der Hebamme gesagt hat oder zu meinem Partner, das weiß ich nicht mehr, ich möchte jetzt eine PDA haben.

00:40:49: Was halt auch verrückt ist, weil das hätte sie mir einfach auch anbieten können, aber da kam nichts, da kam gar nichts.

00:40:55: Kannst du uns noch mal beschreiben, was genau das für Schmerzen waren und was diese Schmerzen auch mit dir gemacht haben?

00:41:02: Ja, also, wie gesagt, das war halt wirklich so.

00:41:05: von einem auf den anderen Moment, hat sich da was ganz krass verändert.

00:41:10: Vorher war das irgendwie so, ja okay, da kamen die Wehen, ich konnte irgendwie mit meinen... vermeintlichen Atemskills, so ein bisschen da so mich so reinfinden.

00:41:21: Hing halt auch in diesem Tuch.

00:41:23: Und dann war das auf einmal, wie so, als ob mein Becken brennen würde.

00:41:29: Also irgendwie gleichzeitig brennen und zerspringen.

00:41:31: Und also es war so ein widerlicher Schmerz, wie ich ihn halt irgendwie noch nie gespürt hab.

00:41:39: Und es war einfach total klar, dass das keine Wehe ist, weil es sich... einfach so angefühlt hat, als ob das Ziel davon ist, dass ich kaputt gehe, aber nicht, dass da ein Baby irgendwie langsam rausgedrückt wird.

00:41:56: Also das war eine völlig andere Schmerzdimension, würde ich sagen.

00:42:01: Das hört sich so ein bisschen an wie, als ob der Kopf nicht durchgepasst hat, weil er einfach den Becken zur Schmale ist für die gewisse des Kopfes.

00:42:08: So ein bisschen hört sich das für mich gerade als Laie an.

00:42:13: Ja.

00:42:15: Also ich kann ja jetzt wieder ein bisschen spoilern.

00:42:18: Im Endeffekt hat dieser Kopf auch nicht durch meinen Becken gepasst, was aber auch daran lag, dass der total falsch lag.

00:42:24: Also das Baby hat nach oben geguckt und um aber ins Becken eintauchen zu können, muss ein Kind sich zur Seite drehen mit dem Kopf, sonst passt der Schädel da nicht rein.

00:42:34: Und das hätte sehr wohl diese Hebamme eben ertasten können oder das hätte ein Ultraschall gebracht.

00:42:42: oder dann gezeigt, dass es so ist.

00:42:45: Und im Endeffekt war es sehr wahrscheinlich meine Symphüse, was so ein, wie so ein Nervenknotenpunkt ist, glaube ich, zwischen diesen Beckenknochen, der einfach extrem sensibel ist und wo normalerweise eigentlich nichts gegen drücken sollte, aber dieser Kopf hat halt dagegen gedrückt.

00:43:02: Und das war jedes Mal wirklich wie so ein Feuer einfach in meinem Inneren.

00:43:09: Du hattest im Vorgespräch gesagt, dass sich das wie Folter angefühlt hat und dass du aus dem Fenster springen wolltest.

00:43:15: Genau, es war auch so.

00:43:17: Also es kamen einfach diese Wehen, kamen alle zwei Minuten.

00:43:20: Es war wahnsinnig wenig Zeit auch dazwischen, um irgendwie wieder klarzukommen.

00:43:27: Ich habe auf diesem komischen Bett gelegen und... Ich glaube, ich habe auf der Seite gelegen und habe auch irgendwie mal versucht, die Position so leicht zu verändern, aber es waren wirklich nur noch so minimale Bewegungen überhaupt möglich.

00:43:40: Und es war einfach, ja, es war eine Art von Folter, weil nicht, weil Geburt normalerweise, also nicht, weil wen sich wie Folter anfühlen so.

00:43:51: Das ist mir auch irgendwie total wichtig, dass bei Menschen, die jetzt noch nicht geboren haben, nicht eine Angst entsteht, dass das normal wäre, weil das, was ich erlebt habe, war nicht normal.

00:44:00: Aber einfach dieses ... Wir waren da in einem offiziell extrem sicheren Setting, in einem Krankenhaus, in einem Level-I-Klinikum mit Personal, was für uns da sein sollte oder irgendwie auch physisch so da war.

00:44:16: Und ich hab die schlimmsten Schmerzen ever gespürt.

00:44:21: Und mir wurde nicht geholfen.

00:44:23: Und das war halt ... Oder das würde ich ... als Folter beschreiben, weil es sich angefühlt hat, wie sich, glaube ich, auch Menschen fühlen, die vielleicht noch ein bisschen bewusster gefoltert werden.

00:44:38: Also, weil ich glaube nicht, dass diese Hebamme sich überlegt hat, bevor sie zu ihrer Schicht gekommen ist.

00:44:45: Ich habe jetzt Bock, irgendwie eine Gebärnde zu foltern.

00:44:49: Aber diese Hilflosigkeit und diese Ohnmacht, da ... auf diesem Bett zu liegen, sich nicht bewegen zu können, einfach nur von weh zu weh zu gucken, dass ich irgendwie am Leben bleibe.

00:45:04: Das war einfach... ja, ich glaube, das ist irgendwie vergleichbar.

00:45:08: Auch wenn ich selber noch keine andere Folter erlebt habe, aber so stelle ich mir das vor.

00:45:13: Und es hat auch dazu geführt, dass ich mich von meinem Partner extrem weit entfernt habe, dass ich... mich von meinem Kind extrem weit entfernt habe.

00:45:23: Also ich habe überhaupt nicht mehr daran gedacht, dass ich mich gerade in der Geburt befinde und dass das Ergebnis davon ja dann unser Baby sein wird, sondern ja, es war wirklich so, ich konnte gar nicht anders als mich einfach nur so darauf zu konzentrieren, diese Schmerzen irgendwie zu überstehen und... Ich glaube, was ich da auch erlebt habe, war so eine Form der Dissoziation vielleicht, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob man das jetzt wirklich so benennen würde.

00:45:54: Aber ich war irgendwann, glaube ich, auch nicht mehr so richtig vor Ort, sondern ich habe irgendwie das Gefühl gehabt, ich kann mich von oben beobachten, so als ob ich irgendwie, als ob meine Seele da oben an der Zimmerdecke schwebt.

00:46:09: Und ja, es gab dieses Fenster, was irgendwie offen war, weil es halt so super heiß war.

00:46:14: Und ich hatte... wirklich diesen Gedanken so, ich würde jetzt einfach richtig gerne rausspringen, weil ich möchte, dass das hier vorbei ist.

00:46:23: Also ich wollte einfach, dass diese Schmerzen aufhören.

00:46:26: Und natürlich ist das überhaupt kein rationaler Gedanke, sondern komplett irrational.

00:46:32: Und im Nachhinein kann ich das auch einordnen, als das, was es da war.

00:46:36: Aber trotzdem war das auch erstmal rückblickend ein extrem schwer zu verdauender Gedanke.

00:46:45: die man so was unter der Geburt denken kann.

00:46:47: Also ist ja auch nicht normal.

00:46:50: Aber ich wurde gefühlt von so einer langsam anfangenen Einleitung hin.

00:46:57: Bin ich da katapultiert worden in einer Situation, in der ich dachte, dass ich das nicht überlebe.

00:47:03: Und es ist schon verrückt.

00:47:06: Oder mir fehlen da irgendwie gerade auch so ein bisschen die Worte.

00:47:08: Du hattest jetzt vorhin gesagt, dass du eine PDA dir gewünscht hattest.

00:47:12: Hast du die denn dann noch bekommen?

00:47:14: Ja.

00:47:15: Es hat sehr lange gedauert, bis ich die bekommen habe, weil die beiden Anästhesisten, die arbeiten glaube ich so im Ganztkrankenhaus und die waren halt gerade am anderen Ende und mussten dann gerufen werden, genau.

00:47:29: Und als die PDA gelegt wurde, also das wird ja dann so ins Rückenmark reingelegt, der Zugang, weiß ich noch, dass es auch eine super absurde Situation war, weil mein Freund rausgehen musste, was ich bis heute auch nicht so richtig verstehe.

00:47:44: Und weil das in dem Moment für mich schon einen entscheidenden Unterschied gemacht hat.

00:47:47: irgendwie, also nicht das... Also wir waren uns vorher, hab ich ja eben auch gesagt, es hat auch mit uns als Paar einfach echt was gemacht, diese Situation.

00:47:59: Wir sind total weit voneinander weggedriftet und er hat gesehen, wie scheiße es mir geht, war aber selber genauso hilflos gefühlt wie ich oder hatte einfach keine Idee und konnte das auch nicht so richtig greifen.

00:48:14: Also ich hab... ihm gegenüber auch einmal gesagt, so, ich hab Angst, dass ich das nicht überlebe.

00:48:18: Das hat er aber, glaub ich, aufgenommen als so ein Satz, den Personen halt unter der Geburt sagen, weil's krass ist.

00:48:25: Und er hat irgendwie gefühlt so alles versucht, richtig zu machen, so, wie wir das im Geburtsvorbereitungsgericht gelernt hatten, aber dass wir halt in so einer Situation landen würden.

00:48:37: Ich glaub, damit hat er selber natürlich auch überhaupt nicht gerechnet.

00:48:40: Und dementsprechend war er ganz woanders, als ich gefühlt so.

00:48:44: Na ja, so, dann waren die beiden Anesthesisten da, er musste rausgehen.

00:48:48: Die haben versucht, sich mit mir zu unterhalten.

00:48:51: Und ich weiß aber noch, wie mir die Augen weggerollt sind beim Gespräch.

00:48:54: Also ich war so ... kraftlos, dass ich noch nicht mal mehr gucken konnte oder geschweige, denn irgendwie ... Wörter gut rausbringen konnte.

00:49:05: Ich hab dann so einen Drücker in die Hand bekommen, wo ich mir noch selber extra Shots geben konnte mit.

00:49:12: Und also die beiden Anästhesisten waren total nett, glaube ich.

00:49:14: Aber irgendwie auch, ja, ich kann mich an das, was sie geredet haben, überhaupt nicht mehr erinnern.

00:49:21: Es war einfach alles viel zu viel.

00:49:24: Und am Abend, als mir dann diese PDA wieder entfernt wurde, gab es auch noch mal eine interessante Situation, weil dann nämlich die Person, die dann diesen Drücker mir auch abgenommen hat, gesagt hat, ähm, Entschuldigung so.

00:49:39: Sie haben da irgendwie sieben-achtzig mal drauf gedrückt, aber also sie wussten schon, dass da nur fünf mal drin sind, oder?

00:49:47: Und Rückblicken, glaube ich, ist das ein total gutes Zeichen dafür, wie verzweifelt ich war.

00:49:53: Also ich habe einfach wie eine Irre, glaube ich, gedrückt, gedrückt, gedrückt, weil ich irgendwie, ja, weil diese PDA halt auch leider nicht gut gewirkt hat.

00:50:02: Also vielleicht lag sie irgendwie falsch oder... Ich weiß es nicht, aber vielleicht kann sie auch bei so einem Symphysenschmerz gar nicht gut wirken.

00:50:11: Auf jeden Fall, ja, zeigt, glaube ich, diese hohe Anzahl an Rückversuchen auch sehr gut meine Verzweiflung in diesem ganzen Zeitraum.

00:50:20: Wann kam denn dann mal ein Arzt dazu?

00:50:22: Denn ich meine, du musst ja auch unheimlich geschrien haben und das verbalisiert haben, dass du hier die Nonplus-Ultra-Schmerzen hast.

00:50:29: Das ist halt das Ding, ne?

00:50:31: Ich glaube so schreien.

00:50:35: Also zum Schreien braucht man Kraft und man muss gelernt haben, dass es okay ist, als Frau zu schreien.

00:50:43: Und ich glaube, das sind so Dinge, also ich hatte einfach überhaupt keine Kraft mehr und ich habe es nicht gelernt, auf den Tisch zu hauen und laut zu sein.

00:50:52: Das heißt, ich glaube, ich habe in dieser ganzen Zeit auch einfach unheimlich viel unterdrückt oder es war keine Kraft mehr da, um zu schreien.

00:51:02: Schreien ist für mich auch eher was, was mit so einer total ... kraftvollen Geburt zu tun hat.

00:51:09: Da kann ich mir das irgendwie gut vorstellen, dass auch ich dann schreien würde.

00:51:13: Aber ich war einfach nur noch ... Also, da war nicht mehr viel von mir übrig, was hätte schreien können.

00:51:18: Und letzten Endes haben wir einfach gewartet, bis die Schicht wieder gewechselt hat.

00:51:23: Das heißt, die neue Hebamme kam.

00:51:26: Ich war irgendwie noch am Leben.

00:51:28: Und die Hebamme, die dann kam ... Die war, Gott sei Dank, einfach ein komplett anderer Mensch.

00:51:35: Die war zumindest sehr motiviert und hat auch irgendwie versucht, mich zu motivieren und hat auch so ... Das war das erste Mal, dass sie mir auch zu verstehen gegeben hat, hey, ich seh dich.

00:51:46: Weil sie gesagt hat so, ja, ich weiß ja auch schon, wie lange du schon dran bist.

00:51:50: Und das ist völlig klar, dass hier bald was passieren muss, weil ... Wenn die Blase springt, glaube ich, sollte auch innerhalb von vierundzwanzig Stunden das Kind irgendwie kommen, damit da keine Bakterien hochsteigen und so.

00:52:03: Also, die hat mich irgendwie schon so gesehen in meinem desaströsen Zustand.

00:52:07: Und allein das war irgendwie schon so was, was total gut getan hat oder was mich vielleicht auch so ein bisschen gerettet hat.

00:52:16: Und dann hat es aber doch noch mal sehr lange gedauert, weil sie, glaube ich, schon irgendwie von einem anderen... physischen Zustand auch ausgegangen ist von mir.

00:52:23: Also sie meinte dann so, ja, wir können jetzt noch ein bisschen Sport machen und dann machen wir das und dann machen wir das.

00:52:27: und dann und ich war nur so, ich glaube, ich habe einfach nur gedacht, ich glaube nicht, dass ich hier noch Sport machen kann.

00:52:36: Ich konnte ja noch nicht mehr aufstehen.

00:52:38: Also ich konnte mich einfach nicht bewegen.

00:52:40: Aber habe es gleichzeitig natürlich total befürwortet, dass hier irgendwie da so ein Plan mit so einem Plan ankommt.

00:52:48: Und dann ging es, glaube ich, immer wieder darum, dass sie irgendwie dann, sie wollte mich auf Toilette schicken, weil sie meinte, ja, die Blase, das hier könnte die Blase sein, das wirkt so voll.

00:52:59: Und irgendwann, ich weiß nicht, was dazu geführt hat, wahrscheinlich dann eine Untersuchung durch sie, die irgendwie ein bisschen besser ausgeführt wurde, hat sie dann tatsächlich eine Gerstin mit einem Ultraschallgerät geholt.

00:53:13: Das war Nachmittags.

00:53:14: Und die hat dann gesehen, dass das nicht meine Blase war, was sie da ertastet hat, sondern dass das der Kopf des Kindes war.

00:53:20: Und der war halt immer noch nicht im Becken, wo er eigentlich schon seit Stunden hätte sein sollen, sondern ja, schwebte halt immer noch über den Becken und hat nach oben geguckt.

00:53:34: Und es war irgendwie so ein krasser Moment, weil, glaube ich, alle Beteiligten im Raum so ein bisschen fassungslos waren.

00:53:41: Warum das jetzt erst auffällt.

00:53:44: dass meine Geburt eigentlich völlig in die falsche Richtung laufen ist und dass, ja, ich mir auch ziemlich sicher bin, dass man diesen Zustand schon auch morgens um sieben hätte erfahren können, wenn man das gewollt hätte.

00:53:59: Und dann war irgendwie auch total klar, dass es jetzt keine andere Option mehr gibt, als einen Kaiserschnitt zu machen.

00:54:05: Und ich glaube, ich wurde dann noch gefragt, ob ich damit einverstanden bin.

00:54:09: Aber die Frage war eigentlich irgendwie total überflüssig.

00:54:15: Ja, es hätte gar keinen anderen Ausweg mehr gegeben.

00:54:21: Und das Schlimme war nur, dass ich immer noch weiter diese starken Wehen hatte.

00:54:26: Also die Wehen hören ja nicht irgendwann auf, auch wenn man feststellt, dass das Kind falsch liegt, sondern das ging weiter.

00:54:33: Und ich glaube, ich hänge auch noch an einem Wehentropf.

00:54:35: Also ich glaube, die wurden sogar noch ein bisschen verstärkt zeitweise, weil die andere Hebamme eben so einen guten Plan hatte mit Sportmachen und so.

00:54:44: Und das wurde dann alles irgendwie abgemacht und dann wurde ich für den OP vorbereitet.

00:54:51: Aber es hat trotzdem noch mal extrem lange gedauert, bis ich dann im OP drin war und bis endlich ich tatsächlich keine Schmerzen mehr gespürt habe.

00:55:04: Die haben dann über die PDA die Narkose eingeleitet und das war keine vollen Narkose, sondern eben nur, dass ich ab... Ab Brustbereich quasi nichts mehr spüre.

00:55:15: Auch das hat total lange gedauert, vielleicht, weil die PDA nicht richtig lag und sie halt immer wieder nachspritzen mussten, bis ich tatsächlich nichts mehr gefühlt hab.

00:55:24: Aber ich weiß noch, als ich dann in diesem Kreißer lag und auch da war, genau, als mein Partner dann auch neben mir war und auch vorbereitet war quasi, der musste ja dann auch so einen OP-Kittel und so anziehen, habe ich mich... gab's so einen Moment, wo ich so dachte, ist das jetzt der Himmel?

00:55:42: wo ich bin, weil einfach diese Schmerzen weg waren, weil um mich rum irgendwie gefühlt zu zwanzig Menschen da waren, die alle super aktiv, super am kommunizieren waren, so es herrscht auch irgendwie so eine voll schöne Stimmung, was in extrem starker Kontrast war zu der Zeit im Kreisseil.

00:56:04: Ich hatte sogar noch eine Person an meinem Kopfende, die glaube ich nur dafür da war, also nur dafür eingestellt war.

00:56:11: mich psychisch zu begleiten, während des Kaiserschnitts, was ich extrem krass finde und extrem wertvoll.

00:56:17: Also das hat so gut getan, so zu wissen, okay, da ist jetzt sogar noch eine Person, die einfach mit mir spricht, die mich fragt, wie es mir gerade geht.

00:56:26: Also super wertvoll.

00:56:28: Genau.

00:56:29: Und dann ging es los.

00:56:31: Dann hat es sehr doll geruckelt.

00:56:34: Also so ein Kaiserschnitt ist schon auch irgendwie eine krasse Erfahrung.

00:56:37: Und ich glaube auch, dass irgendwie man sich wahrscheinlich auf meinen Bauch... drauf, ja, das Kind irgendwie aktiv mit rausgedrückt hat.

00:56:46: Aber das konnte ich glücklicherweise nicht so gut spüren.

00:56:48: Ich habe es nur an den Schulterblättern gemerkt, wie die immer so hin und her geflogen sind auf diesem Metalltisch.

00:56:54: Und dann hing da aber eben auch diese, diese Plane zwischen mir und dem Team, was irgendwie auch schräg ist, weil eben dieser Moment, wo dann das Kind rausgehoben wird, Der Moment ist, den die auf der anderen Seite erleben, aber ich halt nicht.

00:57:14: Und mein Partner auch nicht.

00:57:16: Und es waren aber die beiden Hebamme, also die Hebamme, die mich dann übernommen hatte.

00:57:22: Und eine Hebammschülerin, die total nett war, die waren mit im Kreissaal.

00:57:26: Und die Hebammschülerin war es, glaube ich, die dann so gesagt hat, oh, ist der hübsch.

00:57:32: Und es war irgendwie total schön einerseits.

00:57:36: Aber auch irgendwie weird, dass jetzt eine andere Person vor mir das Kind sieht.

00:57:41: Also mein Kind sieht.

00:57:43: Und insgesamt war, also weiß ich gar nicht richtig, wie ich das beschreiben soll, diese Diskrepanz, glaube ich, zwischen dem, was ich dachte, wie es sein würde, wenn dann unser Kind da ist und dem, wie ich es dann erlebt habe, weil ich einfach komplett leer war.

00:58:02: Also ich habe nichts mehr gefühlt.

00:58:03: Ich war so fertig.

00:58:05: nach diesem ganzen Marathon, der da ja tatsächlich vorher irgendwie auf eine schreckliche Art und Weise stattgefunden hat, dass da einfach völlige Lehre in mir war.

00:58:15: Also auch als das Kind dann so unser Kind dann so rumgetragen wurde und mir so kurz vor das Gesicht gehalten wurde, habe ich so gedacht, ja, voll das hübsche Baby.

00:58:27: Aber ich habe irgendwie nicht das zusammengekriegt, dass das jetzt mein Kind ist und... hatte da auch hinterher irgendwie viel mit zu tun, dass ich so gedacht habe, boah, was war das eigentlich für ein schräger erster Moment?

00:58:39: Also, und ja, ich finde nach wie vor, ich kann da nichts dafür und es ist okay, dass ich das so gefühlt habe oder dass ich so nichts gefühlt habe.

00:58:48: Aber es ist total traurig, einfach, dass Personen wie ich in so eine Situation kommen, dann in diesem Moment nichts fühlen zu können, so.

00:59:01: Als du dann das Kind hattest und nach Hause gekommen bist, wie war das denn mit der Verbindung dann zu deinem Kind und zu deinem Partner?

00:59:09: Also es wurde pürpür besser auf jeden Fall.

00:59:12: Vielleicht muss ich aber kurz noch dazwischen schieben, wie es danach noch weiter ging, weil wir sind nicht sofort nach Hause gekommen, sondern waren noch insgesamt sieben oder neun Tage, glaube ich, im Krankenhaus, weil das Fruchtwasser war grün, das Kind hatte Fieber, ich hatte Fieber.

00:59:31: Also uns ging es beiden nach diesem Kaiserschnitt relativ bescheiden.

00:59:37: Genau.

00:59:38: Also ein grünes Fruchtwasser spricht ja dafür, dass es Stress gab für das Kind, dass es während der Geburt ins Fruchtwasser gekackt hat.

00:59:47: Deshalb wird es dann grün, meistens, glaube ich.

00:59:49: Genau.

00:59:50: Und unser Kind hatte dann also ... Es gab irgendwie so viele Wendepunkte gefühlt noch mal in dieser ganzen Story.

00:59:56: Aber also nach dem Kaiserschnitt waren wir wieder im Kreisseil, konnten da noch mal so eine Stunde für uns sein.

01:00:03: Dann kamen sogar auch meine Mutter und ihr Partner, die von weit her, also die sich irgendwie mittags ins Auto gesetzt haben, als sie mich nicht mehr, also ich konnte ja nicht telefonieren oder so, aber die haben im Krankenhaus angerufen und meine Mutter ... hat da schon irgendwie gedacht, dass diese Infos, die sie da bekommt, dass sie die nicht befriedigen und dass sie irgendwie das Gefühl hat, ja, das läuft nicht gut.

01:00:28: Und ja, das war irgendwie krass.

01:00:30: Und da, ja, war irgendwie, ich war einfach mega dankbar, glaube ich, auch als dann abends die beiden da waren.

01:00:38: Auch wenn die natürlich nicht miterlebt haben, was wir vorher erlebt hatten, aber einfach so zu wissen, dass da irgendwie Menschen sind, die am Start sind.

01:00:45: Hast du denn in diesen sieben bis zehn Tagen, hast du gesagt, die du noch dort warst, hast du da einmal verbalisiert, dass da was passiert ist, was für dich überhaupt nicht in Ordnung ging?

01:00:58: Ja, genau.

01:01:00: Vielleicht noch kurz vorschieben.

01:01:03: Ich kam dann zurück auf dieses Zimmer, in dem ich dann aber alleine war.

01:01:07: Unser Kind musste auf die Neonatologie verlegt werden.

01:01:10: Das heißt, der war nicht bei mir, sondern sehr weit weg.

01:01:15: Mein Partner musste nach Hause fahren, weil wir eben, wir hatten uns eigentlich ein Familienzimmer gewünscht, aber dadurch, dass die Entzündungswerte unseres Kindes so hochfahren und das Kind auf die Neo verlegt werden musste, hatten wir keinen Anrecht mehr auf ein Familienzimmer, wo ich auch einfach richtig abkotzen möchte über Krankenhausstrukturen.

01:01:35: Ich lag dann halt alleine in diesem Zimmer, konnte meinen halben Körper ja auch erstmal nicht bewegen.

01:01:42: Also am nächsten Morgen ging es so ein bisschen, aber war einfach immer noch extrem erschöpft und habe auch irgendwie versucht damit klarzukommen.

01:01:51: Mit allem.

01:01:53: Und konnte dann aber auch, also ich glaube es hat irgendwie bis zum Nachmittag mindestens das ersten Tag es gedauert, bis ich es geschafft habe, dass mein Partner mich im Rollstuhl auf die Nähung geschoben hat und ich überhaupt in der Lage war oder irgendwie Kapazitäten auch hatte, mir mit Kind eigentlich richtig mal anzuschauen und ja, in den Kontakte irgendwie zu gehen.

01:02:16: Und ich lag, glaube ich, die ganze Zeit alleine in diesem Zimmer oder zumindest diese drei Tage, die man dann auf der Wöchner Innenstation verbleibt.

01:02:25: Und ich habe viel geweint.

01:02:27: Also, ich glaube, es kam dann schon auch so ein bisschen Besuch.

01:02:31: Also meine Mutter kam wieder am nächsten Tag und eine gute Freundin von mir kam und ein Freund von uns.

01:02:37: und gefühlt habe ich dauernd eigentlich bin ich in Tränen ausgebrochen und konnte aber auch gar nicht so richtig artikulieren, glaube ich, was los ist.

01:02:47: Sondern es wussten ja auch irgendwie alle, dass es scheiße gelaufen ist.

01:02:51: Also es war irgendwie auch kein Geheimnis so.

01:02:53: War auch super fertig.

01:02:55: Du mein Tempartner?

01:02:56: Ja.

01:02:59: Und gleichzeitig war er aber auch immer wieder auf der Neo und hatte halt schon so ein bisschen mehr Kontakt zu unserem Kind gehabt und gesucht, was auch toll ist, weil ich war dazu einfach erst mal nicht so richtig in der Lage.

01:03:13: Aber ich glaube, es hat sich schon sehr offensichtlich gezeigt, dass es mir nicht gut geht so.

01:03:19: Und diese Hebamme vom Nachmittag, die war auch noch mal da.

01:03:24: Und das war toll.

01:03:25: Es war irgendwie schön, dass sie gefragt hat, wie es mir geht und sich nochmal so auch für den Hergang so ein bisschen interessiert hat oder versucht hat, das irgendwie auch mit mir zusammen nachzuvollziehen.

01:03:39: Ich glaube, sie hat dann aber auch sowas gesagt, wie ja, das hätte auch früher passieren können.

01:03:43: Also dieses sehr Ultraschall, was ich krass finde, weil es hätte sie nicht sagen müssen, aber es hat mir irgendwie total gut getan, auch nochmal so die andere Seite irgendwie wahrzunehmen und zu hören, okay, da ... scheinbar ist es nicht so normal, wie das jetzt gelaufen ist bei uns.

01:04:02: Hatte die Hebamme denn nochmal Dienst während deiner Zeit, als du dort warst?

01:04:07: Ja, ich weiß noch, dass ich irgendwann so vor der Gynäkologie saß und gewartet habe, dass ich dran komme, weil meine Narbe sich auch irgendwie immer wieder, also die hat sich nicht gut angefühlt und später hat die sich dann auch noch einzündet und so.

01:04:21: Naja, ich musste da jedenfalls nochmal hin und da kam sie auf jeden Fall vorbei.

01:04:27: Und es war auch ein super bezeichnender Moment, weil sie nicht gefragt hat, wie geht's ihnen, sondern sie hat gefragt, oh, wie geht's dem Kindchen?

01:04:41: Und ich glaub, ich hab dann irgendwie nur so, also ich war erst mal auch super geschockt, sie wiederzusehen.

01:04:47: Ich hatte eigentlich gar keinen Bock darauf und hab dann auch irgendwie gesagt, ja gut, oder irgendwie so.

01:04:52: Aber das war nochmal irgendwie so ein Schlag.

01:04:56: so zu merken, okay, es interessiert sie sogar nach dieser ganzen Scheiße nicht, wie es mir geht, sondern nein, das Kind steht im Vordergrund.

01:05:05: Wie geht es denn dem Kind?

01:05:06: Ja, und dem Kind ging es halt auch nicht besonders gut.

01:05:09: Aber das ist so ein Aspekt, den ich auch so schmerzhaft finde, das so zu erleben, dass während der Geburt, und ich glaube leider, dass es gar nicht so selten passiert, dass physische Wohl des Kindes sehr im Vordergrund steht, was natürlich auch wichtig ist, auf jeden Fall.

01:05:31: Aber dass die Person, die das Kind gerade versucht zur Welt zu bringen, so dermaßen missachtet wird oder so übergangen wird, finde ich total krass.

01:05:42: Was ist das für eine Erwartungshaltung, die wir damit als Gesellschaft an Menschen haben, die gebären können?

01:05:51: Wie kann es sein?

01:05:52: dass das so oft halt nicht gefragt wird, so, hey, wie geht's dir eigentlich gerade?

01:05:57: Oder was brauchst du?

01:05:59: Weil eigentlich ist es diese Person, die im absoluten Mittelpunkt stehen sollte, wo alle alles dafür tun sollten, dass die das hinkriegt, dieses Kind zur Welt zu bringen.

01:06:11: Und diese Unterstützung, die fehlt einfach irgendwie so oft.

01:06:15: Hattest du denn im Nachhinein dann noch mal das Gespräch gesucht, vielleicht mit ihr direkt mit der Hebamme oder mit anderen Personal, um darauf aufmerksam zu machen, was da eigentlich gerade passiert ist?

01:06:25: Ja, genau das Nachgespräch.

01:06:27: Das hat stattgefunden.

01:06:29: Erstmal war ich so ein bisschen lost.

01:06:31: Also ich hatte irgendwie, als wir dann das Krankenhaus verlassen haben und nach Hause gekommen sind, wozu ich auch gerne noch was erzähle, wie das dann war, habe ich erst mal nach so einer Möglichkeit gesucht, überhaupt der Klinik irgendwie eine Rückmeldung zu geben.

01:06:44: und hab sie nicht gefunden.

01:06:47: Also ich hab dann irgendwie an der Pforte so einen Qualitätsmanagementbogen bekommen, wo ich halt drauf ankreuzen konnte, wie ich das Essen fahnt und ob das Zimmer sauber war und so.

01:06:56: Aber ja, ich hab dann irgendwie gedacht, nee, das ist glaube ich hier nicht der richtige, ja, nicht das richtige Blatt.

01:07:05: Und hab dann mir die E-Mail-Adresse rausgesucht von der leitenden Hebamme des Krankenhauses und hab der eine E-Mail geschrieben.

01:07:14: und habe geschrieben, was wir erlebt haben, wie ich das erlebt habe, dass ich mich beschweren möchte, vor allem über diese eine Hiebame.

01:07:23: Genau.

01:07:24: Und daraufhin habe ich dann auch eine Antwort bekommen, mit einer Einladung vorbeizukommen zum Gespräch.

01:07:31: Und ich wurde dann auch gefragt, ob es okay wäre, wenn die betreffende Hiebame dann auch dabei wäre.

01:07:36: Und ich habe dann dem erst mal zugestimmt.

01:07:39: Genau.

01:07:39: Und dann sind wir dahin, also wir zusammen.

01:07:42: mit unserem Kind.

01:07:44: Das lag in so einer Bibischalle.

01:07:47: Und ich glaube halt, es war drei Monate nach der Geburt, als dieser Termin anstatt gefunden hat.

01:07:54: Und es war ziemlich ... Also es hatte so sehr verschiedene Aspekte, glaube ich.

01:08:00: Einerseits war ich irgendwie stolz, überhaupt diesen Schritt so zu gehen und das zurückzumelden.

01:08:07: Und es war mir auch einfach ganz, ganz wichtig, dass ... dass jemand hört und dass daraus vielleicht auch Konsequenzen folgen, im besten Fall.

01:08:14: Dass sowas nicht mehr passiert und das andere sowas nicht erleben.

01:08:17: Und gleichzeitig war es aber auch einfach echt richtig schwer zu ertragen, ihr so nochmal gegenüberzusitzen.

01:08:27: Es hat mich doch mehr tangiert, als ich erwartet hätte.

01:08:31: Ich bin irgendwie gefühlt zerflossen.

01:08:33: Also ich habe einfach auch die ganze Zeit, glaube ich, geweint während diesem Gespräch.

01:08:38: was vielleicht gar nicht so schlimm ist, weil dann auch vielleicht deutlich wurde, was es mit mir gemacht hat.

01:08:44: Aber es war auch irgendwie ein bisschen frustrierend, so zu merken, dass selbst in diesem Nachgespräch, was ja jetzt einfach nicht mehr die Situation selber war und ich weiß nicht so genau, was bei ihr irgendwie da ... dann also in ihr vorgegangen ist, ob sie irgendwie auch Angst hatte für irgendwelche Konsequenzen oder keine Ahnung.

01:09:05: Aber selbst in diesem Nachgespräch, in diesem Rahmen, war es irgendwie nicht möglich, dass wir beide tatsächlich miteinander ins Gespräch gekommen wären, sondern sie hatte da ihren Bogen, wo sie irgendwie darauf verwiesen hat ständig, ja, an der Stelle habe ich das gemacht und da habe ich das gemacht.

01:09:23: und da diese Untersuchung, also so, ja, sie hat sich an diesem... Protokoll abgearbeitet eigentlich, während ich ihr immer wieder versucht habe zu sagen, was ich gebraucht hätte, wie krass ich das fand, so behandelt zu werden, dass ich irgendwie auch so Antworten haben wollte auf Sachen wie, warum sie mir eigentlich nicht geglaubt hat oder warum sie mich nicht ernst nehmen konnte und warum sie mir so ein Satz reingedrückt hat, dieser kindchen Geburt ist kein Zuckerschlecken.

01:09:58: Ja, warum sie mich irgendwie nicht als Mensch sehen konnte.

01:10:02: Und warum sie ihren Job einfach nicht gemacht hat an diesem Tag so.

01:10:07: Also, ich meine, okay, das sind auch Fragen, die wahrscheinlich extrem schwer zu beantworten sind.

01:10:11: Und wenn man so ist wie sie, wahrscheinlich auch irgendwie ein bisschen in die Hänge treiben.

01:10:18: Aber es war irgendwie krass so.

01:10:21: Ich sag ihr die ganze Zeit so... Hey, ich hätte Empathie gebraucht.

01:10:25: Ich versteh nicht, warum diese Empathie nicht da war.

01:10:27: Warum wurde ich nicht unterstützt?

01:10:28: Und sie verweist immer wieder aufs Protokoll und sagt, was sie alles gemacht

01:10:32: hat.

01:10:33: Es war wirklich so ein komplettes Aneinander vorbeireden.

01:10:37: Und irgendwie hatte ich auch so das Gefühl, sie hatte schon auch so ein bisschen bewusst versucht, so zu drehen, dieses Gespräch, dass sie da gut rauskommt, irgendwie aus der Nummer.

01:10:47: Als sie dann irgendwie auch, ich glaube am Ende hat sie, also erst mal fand sie dann auch unser Kind total süß und hat dann da so komische Fragen gestellt und meinte dann auch so ja, vielleicht, also ich bin ja jetzt auch schon alt und irgendwann vergessen sie das bestimmt und dann sehen sie mich vielleicht auf der Straße.

01:11:03: und dann ja, also es war so eine ganz, ganz merkwürdige und auch irgendwie ein bisschen eklige Art und Weise, was sie uns da dann noch so mitgegeben hat.

01:11:17: Und ihre Vorgesetzte war aber ziemlich cool.

01:11:19: Die hat es auch gut gemacht, fand ich.

01:11:21: Die hat es gut moderiert.

01:11:24: Und hat mir dann auch im Nachhinein, als die Hebamme dann weg war, nochmal bestätigt, dass da schon Sachen passiert ist, sind die nicht hätten passieren dürfen.

01:11:34: Also, dass ich das Recht gehabt hätte auf einen Arzt oder eine Ärztin und dass sie nicht weiß, warum mir das verwährt wurde.

01:11:43: Und das hat schon gut getan, irgendwie zu wissen, okay, ich bin nicht komplett irgendwie ... Ja, oder ich hatte diese Rechte gehabt.

01:11:50: Und es ist einfach super tragisch, dass ich die nicht wahrnehmen konnte.

01:11:54: Aber zumindest hat mir das so eine Bestätigung gegeben, dass ich mir das nicht alles einbilde oder dass zumindest andere Menschen irgendwie nachvollziehen können.

01:12:06: Hatte ihr Verhalten Konsequenzen, weißt du das?

01:12:09: Ja, also ich weiß, dass es keine Konsequenzen hatte, sondern sie hat einfach schön weitergearbeitet und da ihr Unwesen getrieben, bis sie in Rente gegangen ist, jetzt arbeitet sie dort nicht mehr.

01:12:20: Und das ist auch so ein Punkt, der mich irgendwie lange echt richtig fertig gemacht hat, weil ich auch weiß, dass es auch andere Personen gibt, also andere Frauen, die dort geboren haben, die sie erlebt haben und die sich auch beschwert haben über ihr unempatisches oder ja einfach übergriffiges und unangebrachtes Verhalten, respektloses Verhalten auch.

01:12:45: Und trotzdem glaube ich, oder vermute ich es in meiner Erklärung dafür, dass eben auch in diesen Krankenhausstrukturen hebammen werden gebraucht.

01:12:56: Sie hat da schon sehr lange gearbeitet.

01:12:57: Das sind irgendwie auch so Soft Skills, die werden vielleicht nicht so stark gewertet wie jetzt, wenn... etwas, also wenn zum Beispiel physischer Schaden unter einer Geburt entsteht, glaube ich, ist da auch die Rechtslage einfach viel oder wahrscheinlich auch noch nicht eindeutig genug, aber zumindest, ja, hat man da, glaube ich, viel, viel mehr Chancen, das überhaupt anerkennen zu lassen als Schaden oder auch als Gewalt, ne?

01:13:29: Weil, also, ich habe ja eingangs gesagt, ich habe Gewalt unter der Geburt erlebt, es war irgendwie auch... hat eine Weile gedauert, bis ich diesen Begriff dafür überhaupt gefunden habe.

01:13:39: Oder bis jemand zu mir gesagt hat, hey, das, was du erzählst, hört sich an, als hättest du Gewalt erlebt.

01:13:43: Weil ich das erstmal gar nicht so ... ich kannte diesen Begriff nicht.

01:13:48: Und ich glaube, damals habe ich Gewalt wahrscheinlich auch eher als so eine physische Gewalt gedacht.

01:13:56: Aber natürlich ist das genauso eine Gewaltform, halt eine emotionale und eine psychische Gewalt.

01:14:02: Und irgendwie haben wir auch ... viel institutionelle Gewalt erlebt, würde ich sagen, einfach durch diese Strukturen, die bestimmte Dinge zulassen und bestimmte Dinge eben verhindern.

01:14:13: Weil man sich ja auch fragen muss, warum kann so eine Person so lange ihr Unwesen in so einem wichtigen Beruf, wo sie tagtäglich mit Menschen arbeitet, die sich gerade in einer Ausnahmesituation befinden, weil Geburt ist immer Ausnahmesituation, wie ist es möglich, dass die einfach weitermachen kann, dass es keine Konsequenzen gibt, dass das Ganze auch irgendwie getragen wird.

01:14:39: Und ich glaube, da könnte man jetzt auch so sozialwissenschaftlich total gut dran anknüpfen und halt auch so überlegen, wie schauen wir als Gesellschaft aufgebohrt?

01:14:50: Wie schauen wir auf Frauen, auf flinter Personen?

01:14:54: Was wird dieser Gruppe überhaupt für Rechte zugesprochen?

01:14:57: Und natürlich ist im Kreisei Auch das Patriarchat dabei.

01:15:02: Also ich glaube so, wenn, oder ich versuche mir manchmal zu überlegen, wie es wäre, wenn jetzt Zismänner gebären würden, wenn das normal wäre.

01:15:11: Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die so eine Behandlung erfahren können würden.

01:15:17: Einfach, weil da auch so viel Misogenie irgendwie mitschwingt, so viel Erwartungshaltung, wie man oder nicht wie man wie Frau sich unter der Geburt zu verhalten hat.

01:15:33: Es ist einfach Wahnsinn, wenn man das mal so groß, wenn man das so rauszoomt, finde ich.

01:15:40: Und auch wahnsinnig spannend.

01:15:41: Du hast ja jetzt extrem gut beschrieben, wie du gelitten hast.

01:15:45: Und ich kann mir sehr gut vorstellen, und das ist jetzt, glaube ich, eine Unterstellung, dass auch die Beziehung zu deinem Kind in dem Moment gelitten hast, gerade im Wochenbett.

01:15:56: Wie war das?

01:15:56: Wie hat sich euer Zusammenleben dann zu dritt mit dir, deinem Partner und deinem Kind?

01:16:01: Wie hat sich das entwickelt?

01:16:04: Ja, es war auf jeden Fall sehr viel.

01:16:07: Ich glaube, ich bin irgendwie immer noch sehr, sehr dankbar, dass mein Partner so richtig schnell am Start war und so... Also, genau.

01:16:16: Zumindest hat das total geholfen, glaube ich, dass er sehr gut für unser Kind da sein konnte.

01:16:25: Ich war das, glaube ich, so oberflächlich betrachtet irgendwie auch.

01:16:28: Also, ich habe gestillt.

01:16:30: Das Stillen hat auch Gott sei Dank gut funktioniert.

01:16:32: Da habe ich mir vorher gar keine Platte drum gemacht.

01:16:34: Und ich glaube, das war mein Glück vielleicht.

01:16:36: Keine Ahnung.

01:16:37: Nee, ich glaube, ich hatte einfach Glück.

01:16:38: Manchmal funktioniert Stillen ja auch nicht.

01:16:40: Und nach einem Kaiserschnitt, glaube ich, ist die Wahrscheinlichkeit auch nochmal höher, dass es nicht funktioniert.

01:16:45: Aber so rein technisch habe ich, glaube ich, super gut funktioniert so als Mutter.

01:16:50: Aber ich hatte einfach echt ein richtig fettes Trauma.

01:16:55: mit im Wochenbett so.

01:16:57: Und ich glaube, es hat natürlich auch irgendwie das Kamen dann auch immer wieder in so Schüben, so Erinnerungen an diese Situation im Kreißsaal, so einfach ganz viele Fragen, warum das passiert ist.

01:17:12: Und dadurch war ich einfach extrem viel mit mir selber beschäftigt und in meinem Kopf so.

01:17:19: Und unser Kind hat es irgendwie erstaunlich gut mitgemacht.

01:17:25: gefühlt.

01:17:25: Also das war jetzt irgendwie kein Schreikind oder so, sondern zu Hause war es irgendwie schön und das war relativ ruhig.

01:17:32: Und ja, da war jetzt erstmal nicht so richtig irgendwas offensichtlich, was hätte besser sein können.

01:17:41: Aber ich habe mir auf jeden Fall sehr lange die Frage gestellt, ob unsere Bindung irgendwie gestört ist, was natürlich auch so ein bisschen damit zu tun hat, was es dafür Mythen gibt, mit Bindungen.

01:17:55: wie sich die dann so einstellt und Muttergefühle und Glück.

01:17:57: Und ich kannte auch Menschen, die die Geburt für sich gut erlebt haben und die danach völlig euphorisch waren und gesagt haben, das ist das Schönste, was mir hier passiert ist.

01:18:10: Und das ist so krass.

01:18:11: Und das hat mich immer so ein bisschen verletzt.

01:18:14: auf jeden Fall, wenn jemand sowas erzählt hat, weil ich das halt überhaupt nicht so empfunden habe.

01:18:19: Aber irgendwie konnte ich das auch glücklicherweise, glaube ich, relativ schnell so für mich einordnen und habe so festgestellt, nie, das ist nicht der Normalfall und es gibt da auch gar keinen Normalfall, sondern das entwickelt sich einfach immer unterschiedlich und das entwickelt sich halt bei uns in unserem Tempo so.

01:18:34: Und es ist auch einfach völlig verständlich, dass das, was wir erlebt haben, ein Einfluss darauf hat auf die Schnelligkeit oder Langsamkeit unserer Beziehung.

01:18:46: Und ich glaube, was was mich dann aber noch sehr beschäftigt hat oder uns einfach als Familie auch und als Eltern war, aber eben auch diese Beziehung zwischen meinem Partner und mir, weil er diese Geburt natürlich aus seiner Perspektive heraus erlebt hat, ich aus meiner.

01:19:08: Und diese Perspektiven glaube ich extremst unterschiedlich waren.

01:19:12: Also... Wir mussten richtig viel reden und ich wollte auch immer und immer wieder drüber reden und ich glaube, er konnte es irgendwann auch nicht mehr hören eigentlich, hat sich aber das halt trotzdem weiter angehört, anhören müssen, weil ich das auch irgendwie eingefordert habe, weil ich das auch so krass ungerecht fand.

01:19:29: Also man wird zusammen irgendwie oder man beschließt, zusammen Eltern werden zu wollen und dann erlebe ich als Frau da so eine Scheiße und mein Partner steht daneben und ... kriegt es irgendwie schon mit, kann natürlich dieses ganze System irgendwie auch nicht verändern, aber hat halt nicht das Gefühl, was ich gefühlt habe.

01:19:50: Und das hat mich glaube ich lange echt so richtig wütend gemacht auch, dass er das gar nicht fühlen kann und dass ich aber trotzdem mir so sehr gewünscht habe, einfach, dass da so, ja, auf jeden Fall der Versuch eines hineinversetzens in in mein ich da irgendwie stattfinden muss.

01:20:18: Und genau.

01:20:21: Wir hatten auf jeden Fall dann auch richtig viele fette Krisen.

01:20:25: Wie aber ja auch sehr viele Menschen, die Eltern werden.

01:20:29: Und haben auch, ich habe mir irgendwann eine Therapeutin gesucht, die sich auch so spezialisiert hat auf das Thema Geburt, traumatische Geburt, Familie werden, Paar Beziehung und so.

01:20:42: Das war total... Wertvoll hat aber auch echt eine ganze Weile gedauert, bis ich sie überhaupt gefunden habe, weil das halt schon ein sehr spezifisches Thema ist.

01:20:49: und naja.

01:20:51: Weißt du, was für Hilfsangebote es gibt für Frauen, die tatsächlich Gewalt während der Geburt erlebt haben?

01:20:58: Ja.

01:21:00: Mittlerweile weiß ich das.

01:21:03: Also ich bin dann ja auch eigentlich relativ kurz nach der Geburt in den Verein eingetreten, den Motherhood-EV.

01:21:12: Und Motherhood hat zusammen mit dem ISPPM, das Buch stabile ich jetzt lieber mal nicht aus, aber es ist ein International Psychological irgendwas, die haben zusammen das Hilfe-Telefon eingerichtet, dort kann man zweimal in der Woche, glaube ich, kostenlos anrufen, zu bestimmten Zeiten und über seine Geburtserfahrung sprechen und am anderen Ende sitzt im PsychologInnen und Beraterinnen mit... Genau, psychologisch im Background und es wird auch sehr gut genutzt.

01:21:45: Also das ist, glaube ich, ein sehr niedrigschwelliges Tool.

01:21:48: Ansonsten finde ich es immer noch schwierig.

01:21:51: Also auch wenn mich Menschen irgendwie hier fragen so, hey, wen gibt es denn hier?

01:21:56: Es gibt wenige Psychologinnen, die sich darauf spezialisiert haben auf dieses Thema.

01:22:00: Es ist sowieso irgendwie auch ein Thema, finde ich, was noch sehr unbesprochen ist oder was oft.

01:22:07: gar nicht sichtbar wird, entweder weil Personen selber entscheiden, weil sie vielleicht irgendwie sagen, hey, ich will das jetzt einfach nur vergessen und jetzt ist es Kinder und es ist eh super viel zu tun.

01:22:17: Aber auch glaube ich, weil eben so oft Menschen und Frauen dann denken, es war irgendwie ihre Schuld oder sie haben irgendwas nicht richtig gemacht und deswegen ist es so gelaufen.

01:22:30: Und weil es auch glaube ich so schrecklich legitim ist, so ... mit Menschen unter der Geburt umzugehen.

01:22:38: Also, ich glaube, diese Gewalt wird oft gar nicht als Gewalt erkannt.

01:22:43: Was auch okay ist.

01:22:44: Also, ich finde auch nicht, dass irgendwie alle diesen Begriffe in den Mund nehmen müssen.

01:22:50: Aber für mich hat sich da so ganz klar gezeigt, eigentlich, was auch sonst so richtig schiefläuft in Bezug auf so Frauenrechte und Misogenie und wie ... Ja, wie unsichtbar irgendwie diese Form der Gewalt, die man in so einer existenziellen Situation dann erlebt, wie unsichtbar die irgendwie bleibt, einfach weil so, ja, weil gefühlt irgendwie jede Person, mit der ich über Geburt spreche, kennt so eine Geschichte, wo einem irgendwie so ein Satz reingedrückt wurde, wie, stelle dich nicht so an oder was reinkommt, kommt auch raus oder Und wenn man sich mal vor Augen führt, was das aber eigentlich hinter solchen Aussagen, was das für eine Wiederwertigkeit besitzt, dann finde ich es einfach echt erschreckend.

01:23:44: Aber irgendwie auch verständlich, dass das natürlich, ja, dass das Patriarchate halt vor dem Kreißteil auch nicht halt macht oder vor Schwangerschaft und Geburt natürlich nicht halt macht und also auch so Frauenkörper oder Körper, die gebären können, sind ja sowieso irgendwie... Unterliegen einfach sehr vielen Forderungen, Gesetzen und so weiter, auch wenn es um Schwangerschaftsabbrüche und so weiter geht.

01:24:10: Eigentlich wundert es mich irgendwie gar nicht im Nachhinein, aber so eine Situation am eigenen Leib zu erleben, glaube ich, hat auf jeden Fall sehr viel auch bei mir so aufgemacht und mich ins Nachdenken gebracht.

01:24:27: Nina, was wünscht du dir für deine Zukunft?

01:24:31: Für meine oder für die Zukunft der Welt?

01:24:33: Für deine persönliche?

01:24:39: Boah, ich glaube, ich kann das gar nicht so gut trennen, meine persönliche und die Zukunft der Welt, weil ich irgendwie glaube, dass wir gerade in einer ganz krassen Krise stecken als Menschheit und das ist viel zu viele, macht geile, meistens cis Männer an irgendwelchen Spitzen gibt, die gerade extrem viel Schaden anrichten.

01:25:01: Und natürlich hat es jetzt nicht so viel vielleicht mit Geburt erst mal zu tun, aber ja, ich möchte einfach in der Welt weiterhin leben können, in der feministische Themen weiter mehr Anklang finden, in der sich Gesellschaft nach vorne bewegt und der tatsächlich irgendwann alle Menschen gleichberechtigt leben können und eben keine Gewalt und auch keine Diskriminierung mehr erleben, weil ich mir so eine Welt auch einfach für meine Kinder wünsche.

01:25:32: Und für uns alle und weil wir am Ende einfach alle unter dieser Scheiße leiden.

01:25:36: Und weil auch mein Partner unter dieser Scheißgeburtserfahrung gelitten hat.

01:25:40: Also selbst Zismänner sind davon ja nicht ausgeschlossen, sondern die hängen ja auch mit dran.

01:25:49: Und ja, es muss sich einfach dringend was tun.

01:25:53: Und ich glaube dafür müssen Menschen mehr darüber sprechen.

01:25:58: Es muss sichtbarer werden.

01:25:59: Es muss... Es muss irgendwie gehandelt werden.

01:26:06: Es muss Konsequenzen haben.

01:26:07: Ich finde es einfach tragisch, wie wenig auch gerade Politiker in den sozialen Bereich überhaupt so bereit zentral zu gehen.

01:26:21: Ich glaube, wir verlieren einfach so unsere Menschlichkeit und ich bin irgendwie super froh, dass ich darüber sprechen kann über diese Scheißgeburtserfahrung und auch nicht daran kaputt gegangen bin so.

01:26:34: Aber ich glaube, das ist auch ein totales Privileg und es ist nicht vorauszusetzen, dass jeder... da irgendwie rauskommt, sondern es hat sehr, sehr lang, es hat unter Umständen sehr langfristige Auswirkungen auf Menschen, auf Familien, auf Beziehungen.

01:26:51: Und es ist einfach so überflüssig.

01:26:53: Also, warum?

01:26:54: Warum muss so was passieren?

01:26:55: Das ist doch einfach nur überflüssig.

01:26:59: Danke dir, danke dir für diese starken Worte und dafür, dass du dich uns anvertraut hast und deine Geschichte mit uns geteilt hast.

01:27:05: Danke, Shane, und wir wünschen dir alles Leben und Eisgute für dich und deine Familie und eure

01:27:09: Zukunft.

01:27:11: Danke euch, dass ihr diesen Raum eröffnet habt.

01:27:15: Du willst

01:27:16: selbst bei uns dabei sein oder hast einen Teamvorschlag?

01:27:19: Denn melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media.

01:27:24: Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

01:27:32: Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfeinrichtungen oder dir vertrauten Personen.

01:27:37: Bis zum nächsten Mal bei von Bohne zu Bohne.

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