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Armut, Scham, Chaos: Kindheit im illegalen Zuhause #76 Juliana

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Armut, Vernachlässigung, familiäre Gewalt, Schulden und die Folgen von Missbrauch. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, sobald du merkst, dass es dir zu viel wird.

Juliana wächst in einem illegal umgebauten Pferdestall auf. Dünne Holzwände, Betonboden, keine Heizung, überall Rauch. Nach außen soll alles nach idyllischem Familiengrundstück aussehen, während Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen und Schulden das Leben bestimmen.

In dieser Folge erzählt Juliana, wie es ist, in Armut, Unsicherheit und emotionaler Vernachlässigung groß zu werden. Sie spricht über Scham, kaputte Schuhe, ein „Zimmer“, das gleichzeitig Badezimmer ist, eine Mutter, die mit sich selbst und dem Leben überfordert ist, und einen transidenten Stiefvater, dessen Transition das Familiensystem zusätzlich herausfordert.

Später kämpft Juliana mit Schufa-Einträgen, unbezahlten Versicherungen, BAföG-Anträgen und einem Amt, das ihr sagt, sie müsse den Kontakt zu ihrem leiblichen, gewalttätigen Missbrauchsvater aufnehmen. Die Folge zeigt, wie sich finanzielle Unsicherheit, ungesunde Familienstrukturen und staatliche Hürden auf ein junges Leben auswirken und wie Juliana Schritt für Schritt ihren eigenen Weg in ein selbstbestimmtes Leben und ihre erste sichere Wohnung geht.

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Zeitstempel: 00:00:00 - 00:01:05: Triggerwarnung und Intro 00:01:05 - 00:04:04: Leben im umgebauten Pferdestall 00:04:04 - 00:08:13: Geschwister, überforderte Mutter, wechselnde Männer 00:08:13 - 00:13:29: Armut, Schulden, Gerichtsvollzieher, Statuskäufe 00:13:29 - 00:18:18: Keine Privatsphäre, Rauch in der Wohnung, Konzentrationsprobleme 00:18:18 - 00:23:50: Mutter zwischen Realität und Fantasie, Kennenlernen des späteren Trans-Vaters 00:23:50 - 00:31:14: Jugendamt und Angst vor „Verrat“ 00:31:14 - 00:38:38: Abi unter Extremstress, BAföG-Zwangskontakt zum gewalttätigen Vater 00:38:38 - 00:42:08: Therapie als Wendepunkt, Arbeiten mit mehreren Jobs 00:42:08 - Ende: Kompletter Kontaktabbruch zur Familie


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Transkript anzeigen

00:00:02: In so einem Hölzern im Haus, das Haus hatte von der Dämmung nicht mehr als ein bisschen Glaswolle zwischen zwei Holzwänden.

00:00:09: an manchen Stellen war einfach nur so eine dünne Holzwand und der Boden war beim Eingang zumindest aus Beton.

00:00:17: Gerichtsvollziehe, die bei uns angeklopft haben und ich musste mich dann auch gerne mal verstecken.

00:00:27: Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist.

00:00:33: Das

00:00:33: passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne.

00:00:38: Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.

00:00:41: Kein Name, keine Information, keine Themen.

00:00:45: Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.

00:00:48: Ich bin Sanya und ich suche die Gäste.

00:00:50: Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit ehrlichen, berührenden und bewegenden Geschichten sind.

00:00:55: Und genau die wollen wir mit euch teilen.

00:00:58: Bist du bereit,

00:00:58: gemeinsam mit

00:00:59: Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?

00:01:05: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.

00:01:07: Mein Name ist Charlotte.

00:01:08: Mein Name ist Zanya.

00:01:10: Ich bin Juliana und ich bin in einem Zuhause aufgewachsen, das illegal war.

00:01:15: Hi, Juliana.

00:01:16: Das macht sehr viel auf.

00:01:19: Was heißt es, was meinst du mit einem illegalen Zuhause?

00:01:23: Es war offiziell nicht erlaubt, so zu wohnen.

00:01:26: Es war ein großes Grundstück, auf dem meine Großeltern mal ein Haus gebaut hatten.

00:01:31: und da auch noch gewohnt haben und da dann noch sich Pferde angelegt hatten.

00:01:36: Und dazu gab es ein Pferdestall.

00:01:37: Und dieser Pferdestall war, als ich zur Welt gekommen bin, nicht mehr ein Pferdestall, sondern war leer.

00:01:44: Und aus Gründen, ich weiß es letztendlich nicht genau, aber ich schätze aus finanziellen Gründen hat meine Mutter und ihr damaliger Partner, bzw.

00:01:54: damals war der Partner noch eine Frau, entschieden da einzuziehen.

00:01:59: Und das Ganze umzubauen.

00:02:02: Am Ende war es aber so, dass man nie beim Bauamt mal nachgefragt hat, ob das erlaubt ist, das zu tun.

00:02:09: Und letztendlich war ich dann auf dem Papieranwohnerin von dem Haus meiner Großeltern und nicht in diesem Pferdestall.

00:02:16: Das durfte auch niemand quasi offiziell wissen, dass wir da unten wohnen.

00:02:20: Also unten, weil das Haus meiner Großeltern war auf dem Berg, da mussten den Hagen runterlaufen.

00:02:25: zu dem Pferdestall.

00:02:27: Wie lange hast du dort gewohnt?

00:02:29: von meinem, was mich lügen, vierten oder fünften Lebensjahr bis zu meinem siebzehnten.

00:02:37: Und dann bin ich aus diesem Pferdestall ausgezogen und konnte oben in einem Haus in einen Zimmer einziehen.

00:02:43: Magst du uns ein bisschen erklären, wie das räumlich in diesem Pferdestall aussah?

00:02:48: Das hat sich so ein bisschen gewandelt über die Zeit, aber grundsätzlich gab es einen Eingang in so einen Hölzern im Haus.

00:02:53: Das Haus hatte von der Dämmung Nicht mehr als ein bisschen Glaswolle zwischen zwei Holzwänden.

00:02:59: an manchen Stellen war einfach nur so eine dünne Holzwand.

00:03:03: Und der Boden war beim Eingang zumindest auch im Wohnbereich bzw.

00:03:12: im größeren Raum aus Beton.

00:03:16: Und so richtig abgetrennt waren die Räume mit Türen nicht, sondern das war sehr offen gestaltet.

00:03:22: Und genau, man kam da rein.

00:03:24: Es war kein stabiles Haus.

00:03:26: Die Tür konnte man, glaub ich, irgendwann abschließen, aber am Anfang nicht.

00:03:29: Und da das Haus am Hang war, war auch die eine Hauswand länger als die andere.

00:03:35: Und da musste man den Boden dann einbauen.

00:03:37: Und das war ein Holzboden.

00:03:39: Und da hinten in dieser hinteren Ecke, wo der Holzboden angefangen hat, hab ich dann gewohnt.

00:03:45: Beziehungsweise so gelebt, dass mein Bereich auch gleichzeitig das Badezimmer war.

00:03:52: Es war alles recht offen, es gab wenig Fenster, wir hatten keine Heizung.

00:03:57: Es gab ein Wasseranschluss, aber ich weiß nicht, wie der da eingerichtet wurde.

00:04:04: Hattest du oder hast du Geschwister?

00:04:05: Ja, ich habe zwei Halbgeschwister, eine zwölf Jahre ältere Schwester und einen sieben Jahre älteren Bruder.

00:04:14: Und wir haben alle drei unterschiedliche Väter, meine Schwester.

00:04:19: genau als bei meiner Großmutter aufgewachsen ab einem gewissen Zeitpunkt.

00:04:23: Und als wir da in dieses Haus eingezogen sind, war mein Bruder noch bei mir, er musste aber auch irgendwann ausziehen und woanders leben.

00:04:30: Warum musste er ausziehen?

00:04:32: Weil er, na ja, ich für die Erwachsenen damals, würde ich sagen, schwer erziehbar war.

00:04:39: Er hat sehr viel rebelliert, er hat Ärger gemacht in der Schule und meine Mutter war komplett überfordert mit ihm.

00:04:44: und dann wurde er ... ausgesiegelt in Wohngruppe oder in Wohngruppen.

00:04:49: Deine Schwester, die bei deiner Oma gewohnt hat, war das die Oma, die letztendlich neben euch gewohnt hat?

00:04:56: Genau.

00:04:56: Okay,

00:04:57: alles klar.

00:04:58: Und war dann trotzdem so eine Verbindungzeug da, weil sie ja doch etwas räumlich entfernt war?

00:05:03: Tatsächlich, ja.

00:05:04: Und das habe ich dir beim Vorgespräch gar nicht erzählt, das mir im Nachhinein aufgefallen.

00:05:07: Es gab eine Verbindung.

00:05:09: Meine Schwester war die klassische große Schwester.

00:05:12: die halt die Verantwortung für uns zwei sehr viel übernommen hat, auch weil sie halt gemerkt hat, dass meine Mama, und ich glaube so langsam, drückt das auch durch, nicht so Herrin ihres Lebens war und auch da so ein bisschen nicht so gut auf uns aufgepasst hat auf ihre Kinder und auch keine sichere Männerauswahl hatte zum Beispiel.

00:05:33: Und so war meine Schwester halt immer diejenige, die die Verantwortung übernehmen wollte bzw.

00:05:37: so in der Dynamik sich so positioniert hat.

00:05:42: Genau, und auf dem Grundstück gab es auf jeden Fall eine Verbindung, wie auch immer sie sein kann.

00:05:47: Sie war zwölf Jahre älter als ich.

00:05:48: Ich glaub, sie war eher mal so eine Babysitterin oder so.

00:05:52: Und meine Schwester und mein Bruder waren enger verbunden miteinander.

00:05:56: Okay, d.h.

00:05:56: also du warst dann eher so die Jüngere, die dann gar nicht so im ähnlichen Alter war, als dass ihr dann connecten konnet.

00:06:03: Das

00:06:04: hat sich dann so über die Jahre ein bisschen aufgebaut.

00:06:06: Aber inzwischen haben wir auch keinen Kontakt

00:06:08: mehr.

00:06:09: Okay, alles klar.

00:06:10: Wenn du jetzt sagst, deine Mutter war da in der einen oder anderen Stelle vielleicht nicht die Mutter, die du dir gewünscht hättest, kannst du das uns näher erklären, wie deine Beziehung zu ihr war und wie sie als Typ Mensch in ihrem Verhalten war?

00:06:25: Ich finde, das Haus, in dem wir gewohnt haben, symbolisiert das eigentlich schon stark.

00:06:29: Wir sind da eingezogen oder mit der Intention daraus ein schönes Haus zu bauen, aus dem alten Stall ein Wohnhaus zu machen.

00:06:37: Und ich habe... immer wieder gesagt bekommen, dass ich irgendwann ein schönes Zimmer bekommen, dass es irgendwann ein schönes Zuhause wird.

00:06:45: Aber letztendlich wurde es das nie, sondern meine Mutter hat mich bis zu meinem siebzehnten Lebensjahr mit so einem Schaumwand, diese blauen Wände, die beim Renovieren oder beim Bau benutzt werden, diese ganz dünnen, zum Badezimmer abgetrennt leben lassen.

00:07:04: Das war so ein längliches Zimmer.

00:07:08: Und der Abtrennungsbereich zum Badezimmer waren nur mit einem Vorhang.

00:07:12: Irgendwann kam ein bisschen Wand dazu, aber es war weiterhin ein Vorhang.

00:07:16: Und meine Zimmertür war auch keine Zimmertür, sondern das war so an die Scharnieren eingehängte Wand.

00:07:22: Keine Ahnung.

00:07:23: Ich weiß auch nicht, was für Material das war.

00:07:25: Es war keine richtige Tür, die man zumacht.

00:07:27: Ich stelle mir das ein bisschen vor wie in so einer Kneipe oder in so einer Küche.

00:07:33: So

00:07:33: eine Schwingtür.

00:07:33: Genau,

00:07:34: so eine Schwingtür, dass man dadurch...

00:07:36: Ich weiß noch, die Farbe ist so ein kleiner, blauer Knauf, wo man die Tür so ein bisschen bewegen konnte.

00:07:42: Aber das war's.

00:07:44: Und das beschreibt, glaub ich, ziemlich gut, wieso ich meine Mutter als nicht klassische Mutter beschreiben würde.

00:07:51: Wie hat sie das in ihrem Verhalten gezeigt?

00:07:53: Magst du konkreter Fragen?

00:07:56: Wenn du sagst, sie hatte wechselnde Männer, kann das aber auch immer noch bedeuten, dass sie für euch ein stabiles Umwelt geschaffen hat.

00:08:04: Vielleicht waren die Wohnumgebungen nicht die Optimals, aber es kann ja bedeuten, dass du trotzdem drei Mahlzeiten am Tag bekommen hast, die Liebe und die Aufmerksamkeit, die du gebraucht hast.

00:08:13: All diese Punkte waren die gegeben bei dir?

00:08:15: Weniger tatsächlich.

00:08:17: Es war alles sehr chaotisch.

00:08:19: Also meine Mama und mein jetziger Stiefvater.

00:08:23: würde ich im Gruppen als Überlebenskünstler beschreiben.

00:08:27: Ich hatte einen massiven Jobwechsel über die Jahre.

00:08:30: Angefangen von einem Job in der Gastronomie, beziehungsweise aus dem Job wurde dann der eigene Laden.

00:08:36: Dann wurde das gekapert von ehemaligen Besitzern, das war ganz schön wild.

00:08:42: Dann gab es Arbeitslosigkeit, die hatten einen Job als Kioskbetreibenden, wurde das auch wieder ad hoc.

00:08:48: Also war das auch wieder nicht mehr.

00:08:53: Dann waren sie wieder arbeitslos, dann wurde Mülleingesammelt, dann gab es sehr viele Stationen, die da abgekleppert wurden und so instabil wie das berufliche Leben.

00:09:04: Von denen war, war auch mein Leben.

00:09:06: Das beschreibt die Lebenssituation ganz gut und die Instabilität, die sie dir geboten hat, was ich jetzt aber noch nicht so ganz verstehe.

00:09:13: Wie war eure emotionale Bindung zueinander?

00:09:16: Also, als Kind habe ich sie auf Allofherde liebt gehabt.

00:09:19: So wie ein Kind halt die Mutter liebt.

00:09:22: Aber es fing... Dann auch recht früher an, ich kann mich noch in der Grundschule dran erinnern, dass ich mich geäkelt habe und dass ich nicht mehr umarmt werden wollte, dass ich Distanz gebraucht habe zu allem und mich auch zurückgezogen habe.

00:09:35: Und je bewusster ich mir diesen ganzen Umständen wurde und diesem Chaos, was da permanent passiert und auch irgendwie gelernt habe, meine Bedürfnisse zu äußern.

00:09:53: Wurde die Beziehung zu meiner Mutter auch immer schlechter, weil wir dann mehr gestritten haben, weil ich gesagt habe, mir gefällt das nicht, wie wir wohnen.

00:10:00: Oder ja, mir gefällt das Verhalten nicht.

00:10:05: Ich möchte zum Beispiel ja geraucht.

00:10:07: Also das ganze Haus war immer voller Rauch, auch mein Kinderzimmer.

00:10:11: Ich möchte nicht, dass geraucht wird und das wurde nicht so gut aufgenommen, sondern im Gegenteil, das war dann immer etwas, was sehr viel Ärger gebracht hat.

00:10:20: Konntest du dich deiner Oma da anvertrauen?

00:10:23: Mehr oder weniger?

00:10:25: Meine Oma hat viel Babysitting betrieben, aber sie hat sich auch sehr viel geschämt für meine Marmen und für ihr Verhalten.

00:10:32: Auch gleichzeitig haben sie sie unterstützt.

00:10:33: Das war auch keine so tolle Bindung zwischen den beiden.

00:10:37: Sie haben sich auch gerne mal gestritten.

00:10:39: Und die Großeltern, die auch mit auf dem Grundstück gewohnt haben, waren auch schon langsam mit ihrer Energie am Ende, weil sie viel gepuft haben von dem, was meine Mama ... lebt hat im Leben.

00:10:52: Wäre es eine Alternative gewesen, dass du zu deiner Großmutter und zu deinem Großvater ziehst?

00:10:57: Nein, weil dann meine Schwester ja schon waren.

00:10:59: Und da war dann kein Platz mehr?

00:11:00: Ja.

00:11:01: Okay, hättest du dir gewünscht, dort zu wohnen?

00:11:04: Geht so.

00:11:06: Tatsächlich hält sich das auch in Grenzen.

00:11:07: Also ich habe viel dort geschlafen.

00:11:10: Aber wirklich gewünscht habe ich es mir auch nicht, weil die beiden halt auch schon etwas älter waren.

00:11:15: Okay.

00:11:16: Aber die Bindung zu beiden waren mit dir dann doch schon gut.

00:11:20: Die war in Ordnung, würde ich behaupten.

00:11:23: Du hattest vorhin beschrieben, dass ziemlich viel Wechsel gerade in den Jobs ist und ein Pferdestall spricht ja nicht unbedingt dafür, dass deine Eltern oder deine Mutter und dein Stiefvater finanzielle gute Rücklagen hatten.

00:11:37: Wie bist du da aufgewachsen?

00:11:38: Wie, was ist dein Verständnis von Geld gewesen, als du ein Kind warst?

00:11:42: Also, ich bin so aufgewachsenes Geld nicht da ist.

00:11:47: Und für mich war es eine Normalsituation, dass darum gekämpft werden muss, beziehungsweise, dass es immer gesucht werden muss.

00:11:57: Und dass es dann mal vielleicht da war, vielleicht gab es mal eine gute Phase in der Gaststätte, die sie hatten oder vielleicht gab es mal irgendwie, als sie die Haushaltsaufrösungen gemacht haben, da mal irgendein gewinnbringenden Ertrag.

00:12:12: Aber das war auch eher mehr so von Erfolg zu Erfolg, Hangeln und Zwischendrin halt gar nichts haben.

00:12:18: Und das, ja, also im Prinzip waren es arme Verhältnisse.

00:12:23: Also die Bank hätte den beiden nie im Leben einen Kredit gegeben, sondern es war eher so, dass die Gläubiger bei uns an der Tür geklopft haben, auch mal mit Gerichtsvollziehen und nach fändbaren Sachen gesucht haben.

00:12:37: Wenn du sagst, wenn Geld da war, das waren aber eher kurzweilige Zeiten, wurde das Geld dann auch aktiv ausgegeben oder wurde das zurückgelegt?

00:12:44: Ja, das wurde aktiv ausgegeben.

00:12:46: Was viele Gründe hatte, glaube ich.

00:12:48: Also klar, irgendwann will man als Mensch auch Spaß haben.

00:12:52: Das kann ich sehr gut nachvollziehen, wenn man die ganze Zeit irgendwie so nach Geld dürstet und so ein bisschen was anderes auch mal haben möchte.

00:13:02: Aber da war auch viel Status.

00:13:04: dabei, also sich Geräte kaufen oder keine Ahnung, mal die Haare färben, dann mit den anderen Menschen draußen ist nicht viel, merken, dass man nicht so viel Geld hat.

00:13:16: Hattest du dann auch mal, ich nenne es mal, expressionistische Geschenke bekommen von beiden, wenn denn mal Geld da war oder ging das immer eher an die beiden?

00:13:25: Nee, es gab phasenweise expressionistische Geschenke.

00:13:29: Also... Großen und Ganzen habe ich weniger Geschenke bekommen, als mir versprochen wurde.

00:13:33: Also ich habe einige Geburtstag oder Weihnachten gehabt, wo ich nichts bekommen habe, aber was versprochen wurde.

00:13:39: Also das zieht sich durch bis zu meinem Abi, wo mir ein Führerschein versprochen wurde, ich ihn aber nicht bekommen habe.

00:13:47: Genau, aber dann auf der anderen Seite gab es dann auch mal sowas wie, ey, wir schicken dich auf so eine Jugendreise oder du bekommst ein Handy früher als andere.

00:13:57: Davon wurden meine Schuhe, die kaputt waren, auch nicht ganz, aber das hatte ich dann halt.

00:14:01: Also es war kein gesonderer Umgang mit Geld oder mit Ressourcen

00:14:07: und so.

00:14:08: Würdest du jetzt aus der Erwachsenenperspektive sagen, dass sie dich an vielen Stellen auch einfach nicht nur mental, sondern auch wirklich physisch vernachlässigt haben?

00:14:19: Ja, auf jeden Fall.

00:14:23: Du sagtest, dass dein Zimmer quasi das Badezimmer war.

00:14:27: Wie hast du als Kind das Gefühl von Privatsphäre wahrnehmen können?

00:14:32: Kaum.

00:14:33: Also, weil ja immer jemand reinkommen konnte und ich auch nichts abschließen konnte.

00:14:40: Also, für mich war ich mit meinem Raum permanent erreichbar.

00:14:45: Und was gut geklappt hat, war, wenn ich nachts noch länger wach war als die beiden, die schon geschlafen haben.

00:14:52: Oder wenn die beiden nicht zu Hause waren, dann war das so ein Gefühl von Boy, jetzt bin ich mal nur für mich alleine.

00:14:59: Das aber auch eher selten gewesen.

00:15:02: Also ich

00:15:03: weiß nicht, aber ich glaube, wäre ich in deiner Situation, wäre ich so aufgewachsen, hätte ich ganz, ganz vieles Schamgefühl in mir gehabt.

00:15:12: Gerade wenn du sagst kaputte Schuhe und ein... Ich sag mal, instabil ist zu Hause, ein illegales Zuhause.

00:15:19: Wie war das mit dir?

00:15:21: Wie stehst du zu dem Thema Charme?

00:15:23: Es war weniger... Also Charme auf alle Fälle.

00:15:26: Also so will ich nicht bestreiten.

00:15:28: Vor allen Dingen als Teenie ist das total ätzend.

00:15:31: Und da gab es auch schon mal Tage, wo ich mir neue Klamotten kaufen konnte und so.

00:15:34: Aber es war nicht gesund und stabil und schön, sondern das war so ein bisschen... fand ich nicht so cool und ich hab mich dadurch auch viel zurückgezogen, weil viel mit mir alleine eher so in der Bücherwurm-Position.

00:15:47: Genau, und hab mich dem ganzen anderen sozialen Leben auch ein bisschen mehr entzogen.

00:15:53: Hat dein soziales Umfeld mitbekommen, wie du lebst?

00:15:55: Teilweise schon.

00:15:57: Aber da hab ich bis jetzt, also es gab, ich hab wenige Freunde gehabt, zum Beispiel in der Grundschule.

00:16:03: In der weiterführenden Schule war ich dann auch weniger zu Hause mit meinen Freunden, sondern eher in der Stadt unterwegs.

00:16:09: Die haben das schon mitbekommen und die haben das auch kommentiert.

00:16:11: Also, das ist irgendwie komisch bei dir, wie es so ist.

00:16:16: Gibt es bei euch kein Ist-Tisch, wie es so hat.

00:16:18: Du siehst das hier so aus, also die haben das schon gecheckt.

00:16:21: Ich weiß nicht, wie die Eltern darüber gesprochen haben, da war ich zu klein.

00:16:25: Und ansonsten, ja, ich habe halt immer nach Rauch gerochen.

00:16:28: Und das wurde gerne mal kommentiert zum Beispiel, weil halt überall Rauch war und die Kinder wollten auch nicht nach oder Freundinnen wollten nicht nach Rauch riechen.

00:16:36: Hat sich das auch in deinen schulischen Leistungen bemerkbar gemacht?

00:16:40: Ich glaube

00:16:40: ja.

00:16:42: Ich hatte Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren.

00:16:44: Ich hatte nicht viel Lust auf die Schule, obwohl ich sehr lern- oder wissbegierig bin.

00:16:50: Aber es war halt sehr anstrengend, diese Parallelwelten auszuhalten zwischen ... Ich schlafe abends neben einem Heißlifter ein und muss dann morgens in der Schule sitzen und meine Mathehausaufgaben irgendwie auf dem Tisch hauen.

00:17:06: und konnte zwischendurch mich nicht erholen oder so, es war halt schon sehr anstrengend.

00:17:13: Wie hat dich das Umfeld unterstützt?

00:17:16: Ich hatte, da muss man gucken, in welcher Lebensphase ich war, also zum Beispiel als meine Schwester ausgezogen, es konnte ich ab und zu bei ihr schlafen und dort Hausaufgaben machen, da gab es die Möglichkeit.

00:17:26: oder es gab Lehrerinnen, die gemerkt haben, dass ich grundsätzlich gut genug bin und die Sache zu meistern, mir aber gewisse Dinge fehlen, die haben mich dann gefördert.

00:17:37: Materialleistungen kann ich mich jetzt gerade nicht erinnern.

00:17:40: kann sein, dass das gab.

00:17:42: Ich konnte mit Fördergeldern die Ausflüge machen und so.

00:17:44: Es gab damals ja, wo muss man gucken, in welcher Lebensphase ich so unterwegs war, wer da gerade am Start war.

00:17:51: Aber es gab immer mal wieder Menschen, die da geholfen

00:17:56: haben.

00:17:57: Hast du dich für bestimmte Situationen deinem Alltag zu Hause in deiner häuslichen Situation verantwortlich gefühlt?

00:18:05: Oha, schwierige Frage.

00:18:08: Wenn dann war es eher so, dass ich mich schuldig fühlen sollte, wenn ich zum Beispiel mitgeteilt habe, dass mir etwas nicht gefällt oder ich mich nicht wohlfühle oder wenn ich dann zum Beispiel von Freunden zurückgekommen bin oder von woanders zurückgekommen bin.

00:18:27: Meine Mutter dachte, ich hätte irgendwas erzählt, was ich nicht hätte erzählen sollen und dann musste ich mich schuldig fühlen für Sachen, die ich preisgegeben habe oder hätte können.

00:18:40: Das war auch immer so ein bisschen wage, weil sie Dinge geglaubt hat, die nicht passiert sind.

00:18:46: Aber an sich, dass ich mich für die Dinge, die zu Hause passieren, in irgendeiner Form schuldig gefühlt habe, eher weniger, also eher weniger.

00:18:56: Ich glaube, gerade in so Streit-Situationen oder Konfliktsituationen, wenn es irgendwie ... oder wenn ich irgendwas gebraucht oder gefordert habe, dann wurden mir Schuldgefühle eingeredet.

00:19:07: Wie kann ich es sagen, so etwas zu fordern oder zu wollen?

00:19:12: Du hast jetzt dran eben gesagt, dass deine Mutter sich Dinge gesehen hat oder eingebildet hat, die gar nicht waren.

00:19:20: Würdest du sagen, sie hatte Warenvorstellung oder wie können wir uns das vorstellen?

00:19:23: Das weiß ich bis heute nicht.

00:19:25: Sie hatte auf alle Fälle Schwierigkeiten, sich mit der Realität abzufinden, die so... Ja, um sie herum war.

00:19:34: Und Dinge, die sie nicht einsingen konnte, die sie nicht kontrollieren konnte, die haben ihr Angst gemacht.

00:19:40: Und da hat sie auch sehr gelitten drunter.

00:19:44: Du hattest vorhin gesagt, dass dein, dass der Partner deiner Mutter ein transsexueller Mann ist.

00:19:51: Kannst du uns beschreiben, wie du das wahrgenommen hast.

00:19:54: Du warst ja noch ein Kind, als du den Partner kennengelernt hast, der damals noch eine Frau war.

00:20:01: Als Kind war das crazy.

00:20:04: Also ich glaube, ich habe am Anfang sehr gefremdelt, aber ich muss auch sagen, ich war zwischen zwei und drei Jahre, als die beiden sich kennengelernt haben.

00:20:12: Für mich wurde es dann aber recht schnell, zumindest so vom Umgang her natürlich.

00:20:17: Er war damals noch biologisch eine Frau und hat aber sich lieber in Ja, männlichen Kleidung gekleidet, oder auch die Haare kurz geschnitten gehabt und so.

00:20:28: War aber auch noch zu erkennen als Frau.

00:20:31: Und gemerkt habe ich es dann eher an dem Umfeld, was mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass da was anders ist als bei anderen Familien.

00:20:39: So fing es im Kindergarten an, das zu mir gesagt wurde.

00:20:41: Ihi, du bist die Tochter von zwei Müttern oder so.

00:20:46: Das war irgendwann Anfang der Neunziger.

00:20:48: Und für mich direkt mit Scham verbunden weiß ich nicht, Vielleicht war es mir unangenehm, weil es halt eine unangenehme Situation daraus gemacht wurde.

00:20:59: Aber ich persönlich hatte damit jetzt nicht so die Büro-Rungsschwierigkeiten.

00:21:05: Hast du die ganze Transition dann mitbekommen in deiner Jugend?

00:21:08: Ja, komplett.

00:21:10: Die Transition wurde eingeleitet, da war ich neun Jahre alt.

00:21:14: Da wurde es uns mitgeteilt, das jetzt vorher dann auf finalem Mann zu werden.

00:21:20: Vorher... wurde ich gefragt, ob das Mensch die Vater ist, wie auch immer.

00:21:24: Also das wurde immer mehr eher.

00:21:27: Und das Umfeld hat auch darauf so reagiert gehabt.

00:21:31: Und die Transition habe ich komplett mitbekommen.

00:21:34: Alle OPs, die Spritzen, die er nehmen musste mit dem Testosteron.

00:21:43: Ich habe mal gesehen, wie all gespritzt wurde von meiner Mama oder dass sie selbst gespritzt hat.

00:21:48: Genau.

00:21:49: Hatte es.

00:21:50: vergleichsweise sehr viel Raum eingenommen innerhalb deiner Jugend?

00:21:53: Massiv viel Raum, also zumindest zu Hause.

00:21:57: Es war so, dass meine Eltern gewünscht haben, dass das nicht nach außen kommuniziert wird, dass das weitestgehend ein privates Thema ist.

00:22:06: Wahrscheinlich vor Angst aus Angriffen.

00:22:08: Für mich war das dann aber sehr herausfordernd, damit umzugehen, weil ich halt lügen musste, beziehungsweise etwas nicht erzählen konnte auf Reaktionen.

00:22:19: wo die Transition noch nicht abgeschlossen war, konnte man auch noch zweifeln, auch wegen der Stimme und so.

00:22:24: Ist das ein Mann oder eine Frau?

00:22:26: Oder wurde ich gefragt?

00:22:27: Das ist halt ein Mann.

00:22:28: Ja, ich weiß nicht, ob ich jetzt so konkretes Ereignis nennen kann, aber es war auf jeden Fall eine Herausforderung, diese Ballons aufrecht zu erhalten.

00:22:37: Du hattest ja gesagt, dass du mental und emotional

00:22:42: wenig ...

00:22:43: Ich sag mal, Kontakt zu deiner Mutter hat das, dass deine Bedürfnisse in die Richtung nicht erfüllt wurden.

00:22:48: Weißt du denn, wie das mit deiner Mutter war?

00:22:51: Die beiden waren, und ich schätze, das sind bis heute eine sehr innige Beziehung.

00:22:57: Die sind sehr verbunden miteinander und sind für einander, glaub ich, auch die Liebe des Lebens.

00:23:02: Und so wurde das auch bei uns im Alltag tatsächlich gelebt.

00:23:06: Genau.

00:23:07: Was meinst du damit?

00:23:11: Es war ... Meine Mama war sehr fokussiert darauf, dass das irgendwie zum Beispiel gut geht, dass die Transition klappt, dass die gesundheitlichen Probleme irgendwie behoben werden können, et cetera, et cetera.

00:23:23: Und bei mir war das eher so ein Randthema.

00:23:27: Also ein gutes Beispiel ist, dass ich sehr oft nicht krankenfestigert war.

00:23:36: Und ... Medizinische Behandlungen entweder ausgelassen wurden oder meine Mama hat sich mit, sie ist ausgebildete Krankenschwester, hat dann mit ihrem Wissen versucht, das irgendwie in Heile zu kriegen.

00:23:50: Aber primär war dann doch immer der Fokus auf meinen Stiefvater.

00:23:55: Hättest du dir von deiner Mutter grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit gewünscht?

00:24:00: Auf jeden Fall.

00:24:01: Hast du ihr das mal gezeigt oder gesagt?

00:24:04: Auf jeden Fall.

00:24:06: Wie hat sie darauf reagiert?

00:24:07: Verletzt.

00:24:08: Das war für sie eine Forderung, die, ja, ich weiß nicht, ob sie keinen Wert hatte für sie, aber das war, wie konnte ich es mir das anmaßen, sie auf diese Art und Weise zu kritisieren.

00:24:20: Sie tut doch alles für mich, also so.

00:24:23: Hättest du dir gewünscht, dass das Jugendamt da mal eingreift?

00:24:25: Ich hab als Teenager, als ich, ja, so vierzehn, fünfzehn war, Das war sich, glaube ich, sogar alleine beim Jugendamt.

00:24:35: Vielleicht war ich auch sechzehn.

00:24:36: Ich weiß es gerade nicht mehr.

00:24:37: Ich habe dort mit denen darüber gesprochen, was für Verhältnissen ich gerade lebe und aufwachse.

00:24:43: Und dann bin ich aber davon abgekommen, irgendwelche weiteren Schritte zu gehen, weil das dann doch damit zusammenhängt, die eigene Familie zu verraten.

00:24:52: Und das ist ja etwas, was ich sehr... doll beigebracht bekommen habe.

00:24:56: Ich trage diese Informationen nicht nach außen, zeige nicht nach außen hin.

00:24:59: Wir wohnen, welche finanziellen Verhältnisse wir haben.

00:25:04: Wir sind eigentlich eine sehr stolze Familie, weil das Grundstück ist ja auch sehr schön, das was meine Großeltern aufgebaut haben, ist auch sehr schön und gerade die beiden waren sehr darauf erpicht, dass nach außen hin die Versade weiß ist und man die nette Familie ist so.

00:25:19: Und das hat halt doll gewirkt in mir und da konnte ich nicht so gut gegen angehen.

00:25:24: Du hast jetzt uns einen recht guten Überblick davon gegeben, wie du aufgewachsen bist, wie deine Kindheit war.

00:25:31: Kannst du uns erklären, wie sich das in der Zeit verändert hat, als du in die Pubertät gekommen bist, wie sich das da gezeigt hat, deinen, ich sag mal, aufwachsen?

00:25:42: Genau, ja, kann ich machen, gerne.

00:25:44: Das war so, dass ich dann auch angefangen habe, so ein bisschen mehr nach außen zu treten.

00:25:50: Also klar, als Teenager fängt man an, so ein bisschen aus seiner Haut rauszukommen bzw.

00:25:55: Dinge auszutesten.

00:25:57: Und bei mir war damals ein sehr großes Ventil, tatsächlich das Internet und irgendwelche Chats und irgendwelche Foren, wo man dann so angefangen hat, über sich zu erzählen und auch so Ideen auszutauschen.

00:26:09: Und da konnte ich schon... deutlich besser Menschen finden, mit denen ich andocken konnte als so im Alltag, auch wenn ich so meine Freunde hatte.

00:26:16: Und das hat auch die Türen oder Freundschaften ermöglicht, auch in der Schule und so, weil man über Chattanoomiesie besser öffnen könnte.

00:26:26: Ich glaube, das, was ich meine, wenn man schreibt, ist man auf einer anderen Ebene einer Person zugewandt.

00:26:33: Und da habe ich dann so ein bisschen Anschluss gefunden und ... konnte dann auch immer besser sagen, was mich stört und konnte auch ein bisschen über meine Familie reden und auch über die Verhältnisse reden, in denen ich lebe oder gelebt habe, konnte so ein bisschen mit dem Band brechen, das nicht erzählen zu dürfen, weil man gemeinsam halt gelitten hat und ich war so gegen eine Ration von den Emo-Kids, also mit dem Seikenpony und alles sind depressiv und so.

00:27:06: Und da konnte ich dann sehr gut anhangen, halt auch finden.

00:27:09: Das hat gut getan.

00:27:11: Also so in der Punk-Szene, Emus-Szene, Skaterszene.

00:27:14: Wie hat dein Umfeld denn da gerade deine Chatfreunde darauf reagiert, wenn du deine Geschichte erzählt hast?

00:27:23: Manche haben dann ihre eigenen Geschichten erzählt.

00:27:26: Also ich glaube, es auch so klassisch Teenager ist, dass man sich über die eigenen Eltern aufregt.

00:27:33: Keine Ahnung, entweder wie bürgerlich sie doch sind, oder wie verspießt, oder wie streng, was für ein fürchterlicher Streit das war.

00:27:39: Und dann konnten wir auch oft über den Schmerz auch sprechen.

00:27:42: Also gerade in diesen Connections zu Leuten, die so eine Emo-Szene waren, oder auch so ein bisschen dem Ghost-Kram geöffnet, die hatten dann auch, oder wir hatten dann auch die Möglichkeit, über diesen Schmerz dahinterlegt zu sprechen.

00:27:58: Und das war ja auf eine gewisse... weil sie auch heilsam tatsächlich.

00:28:04: Du bist ja mit einem transsexuellen Vater aufgewachsen.

00:28:07: Wie hast du das in der Pubertät erlebt?

00:28:09: Weil gerade da geht es ja auch ganz viel um die eigene Identitätsfindung, die andere eigene Sexualität entdecken.

00:28:17: Wie war das für dich?

00:28:19: Das war eine wilde Angelegenheit tatsächlich.

00:28:22: Bezogen auf die Transsexualität meines Stiefvaters oder auf die queere Beziehung zwischen meiner Mama und ihm.

00:28:29: War das eher so, dass ich meine eigene Querenes zum Beispiel gar nicht zugelassen habe oder gefragt habe?

00:28:33: Das war nie ein Thema.

00:28:34: Das habe ich auch zum Beispiel abgelehnt.

00:28:40: Das wurde mir erst Jahre später bewusst, dass da was am Laufen sein könnte in mir.

00:28:45: Und ansonsten war mein Stiefvater überraschenderweise derjenige, der mir mehr geholfen hat, mit meinem wachsenden Körper klarzukommen als meine Mama.

00:28:56: Meine Mama hat Probleme mit sich selber und ich konnte mich ihr nicht öffnen und er war letztendlich die Person, die mir gezeigt hat, wie man Hygieneartikel wie Binden und Tampons benutzt, der mir so ein bisschen was über den Körper erklärt hat und so und der da eigentlich irgendwie immer offene Gespräche ermöglicht hat, also weitestgehend, um mich da so in die Hand genommen hat.

00:29:15: Das fand ich eigentlich immer sehr cool und das hat mir auch gefallen und da habe ich mir gewünscht, dass das, wo ich hätte, immer so positiv sein können, so mit Vertrauen und ja.

00:29:25: Du hattest vorhin erzählt, dass deine Eltern auch Gläubiger und so weiter hatten.

00:29:30: Wie kann ich mir das vorstellen?

00:29:31: Oh, ja, wild.

00:29:33: Jetzt kannst du wild werden.

00:29:34: Also, gläubiger konzeptlich sind ja Personen, denen wir Geld schulden, beziehungsweise bei denen wir Geld nachreichen müssen.

00:29:43: Und das war für meine Eltern, oder das waren für meine Eltern sehr viele verschiedene Menschen und auch sehr viele verschiedene Menschengruppen.

00:29:53: Vorhin hab ich kurz angerissen, dass es auch so was gab wie Gerichtsvollziehe, die bei uns angeklopft haben.

00:29:59: Und ich musste mich dann auch gerne mal verstecken.

00:30:02: Warum musstest du dich verstecken?

00:30:03: Meine Mutter nicht wollte das, die mich sehen.

00:30:05: Vielleicht hatten die Angst ... Mir wurde es als Kind nicht erklärt, ich kann es nur so versuchen zu verstehen.

00:30:13: Vielleicht war es die Angst vor dem Jugendamt.

00:30:15: Vielleicht wollten sie mich auch vor der Situation schützen.

00:30:19: Aber letztendlich wurde es mir nicht gesagt.

00:30:20: Ich musste es auf jeden Fall tun.

00:30:21: Es hieß dann, so gerne, bitte komm jetzt erst mal nicht raus.

00:30:25: Ich weiß tatsächlich, gerade fällt mir auch wieder der Name von dem Gerichtsvollzieher ein.

00:30:29: Es war immer ein Mann, der da gekommen ist.

00:30:32: Also es sind dörflichen Verherben, dörflichen Verhältnissen gewohnt.

00:30:36: Und da kennt man sich und dann ist es auch immer die gleichen Personen, die einem da so begegnen.

00:30:42: Und ja.

00:30:44: Und dann ... Vielleicht hatten sie auch Angst, dass ich außerdem was ausplappere, weil auch Geräte versteckt wurden.

00:30:49: Also wir mussten dann gerne auch mal hoch in das Haus meiner Großeltern, da musste dann drauf geachtet werden, dass dann teure Geräte nicht in der Sichtweite vom Gerichtsvollzieher sind.

00:30:59: Und dann musste dieser Termin ausgehalten werden und dann ist dieser Mensch dann auch wieder gefahren.

00:31:08: Und das mit dem Gerichtsvollzieher zum Beispiel hat sich bis in mein Studentenleben durchgezogen.

00:31:14: Hier in Hannover kam dann auch mal der Gerichtsvollzieher wegen einer Rechnung, die nicht gezahlt wurde und die dann ich beglichen habe bzw.

00:31:24: beglichen musste.

00:31:25: Hat deine Mutter regelmäßig Verträge oder Käufe über deinen Namen getätigt?

00:31:30: Boah, weiß ich nicht konkret.

00:31:32: Würde ich ehrlicherweise ihr aber zutrauen.

00:31:36: Es gab mal eine Situation da.

00:31:40: Das war zu meinem Abi.

00:31:43: Und da hat sich das Ganze ziemlich zugespitzt.

00:31:46: Ich hatte irgendwie mehrere Brüche am Körper.

00:31:49: Ich habe damit mein Abi geschrieben, das war super stressig für mich.

00:31:52: Dann ist parallel bei uns der Strom abgestellt worden, weil die Rechnungen nicht bezahlt worden sind.

00:31:59: Und um die Rechnungen zu bezahlen, sind meine Eltern nach Frankreich gefahren um in einem Casino an der Grenze.

00:32:05: Sie kommen aus die Ecke, da kommt man recht schnell an die Grenze.

00:32:09: Und ... haben dann dort versucht mit Roulette Geld einzuspielen, um die Stromrechnung zu bezahlen.

00:32:15: In der Zwischenzeit habe ich mit meinem damaligen Freund auf das Paros aufgepasst.

00:32:20: Mein Großeltern waren dann schon weg, tot oder ausgezogen, wie auch immer.

00:32:23: Wir waren dann nur noch zu dritt auf dem Grundstück.

00:32:26: Und dann habe ich ein Stapelbriefe gefunden, wo ein gelber Brief an mich adressiert drin war.

00:32:32: Und das war halt eben die ... Ich weiß gar nicht mehr, wie das genau heißt.

00:32:38: Aber ich sollte mich vor Gericht zeigen, beziehungsweise, wenn ich das nicht tue, kommt die Polizei und holt mich.

00:32:47: Ich weiß nicht mehr genau, wie das heißt.

00:32:49: Ja, das war eine Rechnung von über tausend Euro, weil ich einen gewissen Zeitpunkt nicht versichert war als Volljährige.

00:32:56: Und da ich Volljährig war, musste das von mir bezahlt werden.

00:33:00: Die Versicherung war aber nicht gedeckt, weil meine Mama sie nicht bezahlt hatte.

00:33:04: Genau, und dann war ich kurz davor, quasi festgenommen zu werden, ja auch immer, und dann das irgendwie vor Gericht zu klären.

00:33:14: Gab's mal einen Moment, wo du auf den Tisch gehauen hast?

00:33:16: Das

00:33:16: war ein Moment, und genau das war einer der Momente, und da war ich aber noch nicht stark genug.

00:33:21: Also die Zeit hat mich geschröpft, also ich war vor, mit Anfang zwanzig, anders drauf, also eine ganz anders dieser Welt irgendwie.

00:33:33: Da hab ich sie konfrontiert und dann hab ich die Ansage bekommen, was ich denn in den privaten Sachen zu suchen hätte von denen.

00:33:40: Also es wurde die Schuld umgekehrt.

00:33:42: Es ist voll crazy.

00:33:43: Also

00:33:44: voll manipulativ, dann so umgedreht, dass du die Schuldiger eigentlich bist.

00:33:48: Hast du rückblickend auf deine Vergangenheit oder den vergangenen Situation mit deiner Mutter, häufiger das Gefühl manipuliert worden zu sein?

00:33:56: Auf jeden Fall.

00:33:58: Ganz doll.

00:33:59: Also da könnte ich jetzt unermessliche Geschichten erzählen, aber ja.

00:34:03: Hast du das Gefühl, dass du einfach einen schwereren Staat ins Leben hattest als andere?

00:34:09: Ja, klar.

00:34:10: Auf jeden Fall.

00:34:11: Also auf jeden Fall.

00:34:13: Also safe gibt es schlimmeres Leid auf diesem Planeten, aber meine Aufgaben waren schon nicht leicht.

00:34:19: Und ich war sehr froh, als ich dann ausziehen konnte, also der Umzug hier in die Stadt.

00:34:26: Das war eine Fluchtaktion.

00:34:27: Das war nicht etwas, wovon ich geträumt habe, sondern es war einfach notwendig, dass ich daraus

00:34:31: komme.

00:34:31: Wann bist du gegangen?

00:34:33: direkt nach meinem Abi, also nach der Situation mit diesem gelben Brief.

00:34:40: Hast du Buffett bekommen?

00:34:42: Ja, ich habe Buffett bekommen, aber das hat über ein Jahr gedauert, bis ich das bekommen habe, tatsächlich, denn ich habe auch noch einen leiblichen Vater.

00:34:50: Also, ich habe einen Stiefvater und einen leiblichen Vater.

00:34:52: Der Stiefvater ist ein Transmann.

00:34:54: Mein leiblicher Vater, der muss ins Boot geholt werden bei dieser Baföggangelegenheit.

00:34:59: Und ich war damals oder wurde damals vom Baföggamt hier nach Hannover dazu verpflichtet, mich bei meinem leiblichen Vater zu melden und das dann auch nachzuweisen.

00:35:09: Und mein leiblicher Vater, das ist etwas, worüber ich nicht so gerne rede.

00:35:13: Und da möchte ich auch nicht so detailreich werden.

00:35:16: Aber er gehört zu den Menschen, die... Ja, extrem, extrem düsteren Missbrauch an Menschen und auch an Kindern und so weiter, ja, gemacht haben, vollzogen haben.

00:35:28: Also er ist halt ein Missbrauchstäter und meine erste Erinnerung zum Beispiel ist mit ihm verbunden und er jies gewaltvoll.

00:35:40: Mein Vater ist ein Mensch, dem der würde von anderen Menschen wahrscheinlich für das, was er getan hat, ohne schlecht das Gewissen umgebracht werden.

00:35:50: Also es ist so, ich bin echt halt ... dark, so.

00:35:55: Genau, und bei diesen Menschen musste ich mich dann melden, um Barvög zu kriegen.

00:35:58: Es gab keinen Weg außenrum.

00:36:00: Ich saß in der Behörde, also in dem Barvögabend, und hab gesagt, ich möchte das nicht.

00:36:04: Ich möchte nicht bei meinem Vater mich melden, weil erstens will ich keinen Kontakte dieser Person haben.

00:36:10: Und ich will auch nicht, dass ich erreichbar bin für diesen Menschen, weil durch diesen Kontakt bin ich erreichbar für ihn.

00:36:16: Ich war aber finanziell abhängig in der Situation.

00:36:20: Mein Energiepot war halt quasi nicht vorhanden.

00:36:22: Also ich kam ja quasi von der, weiß das von da drauf hin, also so.

00:36:26: Ja, das habe ich dann gemacht.

00:36:28: und dann, weil ich das Geld gebraucht habe und daraufhin hatte mein Vater meine Adresse und konnte sich bei mir melden.

00:36:37: Und das hat er dann auch gemacht.

00:36:39: Und damit war das Thema Buffack für mich auch erstmal durch und auch das Thema studieren.

00:36:45: Also das Buffack, was ich bekommen habe, war eine nette Unterhaltshilfe, aber mental habe ich das Ding nicht mehr rocken können an der Uni zu dem Zeitpunkt.

00:36:55: Machst du dem BAföG-Amt da Vorwürfe?

00:36:58: Denn de facto gibt es eine andere Möglichkeit, die man hätte wählen können.

00:37:02: Die wurde dir offensichtlich nur nicht beigebracht, wie du gesagt

00:37:05: hast.

00:37:06: Ja, ich mache den BAföG da definitiv, also dem Amt mache ich definitiv Vorwürfe.

00:37:11: Für mich gab es dann so einen Vorschuss.

00:37:13: Aber ich musste mindestens einmal vorweisen können, dass ich mich bei ihm gemeldet habe.

00:37:19: Und wenn dann nichts zurückgekommen wäre, hätten die das übernommen, war die aus.

00:37:22: Das ist Quatsch.

00:37:23: Also das ist Quatsch, weil ich weiß es aus eigener Erfahrung, das musst du nicht machen.

00:37:27: Also das ist Quatsch, sondern da gibt es auch die Möglichkeit zu sagen, ich habe keinen Kontakt, ich weiß gar nicht, wo der Mensch existiert.

00:37:34: Und wenn man das einreicht, dann hat man die Möglichkeit auch so, dann ist das BAföGabend dafür verantwortlich, die die Person zu suchen.

00:37:43: und den Kontakt aufzubauen.

00:37:45: Crazy.

00:37:46: Man fängt hier zu studieren im Oktober an und das ganze Geld kam dann, glaube ich, so mit, ich glaube so mit März oder April dann so langsam ins Rollen, was ihr nicht lange Zeitraum ist.

00:38:01: Man ist schon durch die ersten Prüfungsfasen durch und so weiter und so fort.

00:38:05: Hat dich das dann noch mal mental, also nicht nur mental zurückgeworfen, sondern auch noch mal in deinem studentischen Wesen?

00:38:10: Komplett, ja.

00:38:12: Ich konnte emotional nicht Fuß fassten, also mehr als irgendwie ein Job, wo ich fünf bis sechs Euro die Stunde kriege, weil ich da schon aufpassen musste, dass ich einen Minijob nehme, weil sonst wird ja einem wieder abgezogen und mir dann irgendwie ein bisschen spaßig ist das Leben, dann auf Partys die Kante gegeben habe, mehr war ja nicht drin und dann habe ich auch die Therapie anfangen müssen.

00:38:38: Also ich war da dann am Punkt, wo es nicht mehr ging.

00:38:41: Hat die Therapie dir geholfen?

00:38:42: Massiv.

00:38:43: Würdest du das anderen auch empfehlen, wenn sie in ähnlichen Situationen

00:38:45: sind?

00:38:45: Auf jeden Fall.

00:38:46: Ja, auf jeden Fall.

00:38:47: Jetzt hast du davon berichtet, dass deine Mutter ja mitunter auf Verträge auf dich abgeschlossen hat.

00:38:53: Wie lange waren diese Verträge auf dich zurückzuführen?

00:38:56: Also, wie lange musstest du dafür büßen?

00:38:57: an Anfangszeichen finanziell?

00:38:59: Ja, Schufereintrag, der Letzte, der dazu... der damit verantwortlich war, dass ich keine Verträge abschließen konnte.

00:39:06: Der hielt an bis zu meinem siebenundzwanzigsten Lebensjahr.

00:39:08: Wow,

00:39:09: krass.

00:39:09: Da stelle ich mir die Frage, wie hast du denn außer von dem studentischen Wohnheim eine Wohnung gefunden?

00:39:14: Wie hast du deinen Handyvertrag abgeschlossen?

00:39:16: Internet?

00:39:16: Das sind ja alles Dinge, die da irgendwie selbst, wenn du dir wolltest, einen kleinen Kredit zu holen für den Laptop, weil du es für Studien brauchst.

00:39:25: Es war dir alles nicht möglich.

00:39:26: Nee, das ging nicht.

00:39:27: Also ... Ich hatte meine Mutter am Anfang des Studiums dann zumindest so weit, dass sie mir monatlich das Kindergeld überweist.

00:39:33: Weil sie ist ja unterhaltspflichtig per Gesetz.

00:39:37: Und das war dann irgendwie drin.

00:39:39: Also so, hier und da gab es so ein bisschen finanzielle Unterstützung, was aber den ganzen Rahmen des Studiums mit wohnen und so nicht gestützt hätte.

00:39:47: Ich hab dann halt gearbeitet.

00:39:50: Also ich hatte bis zu meinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr schon mehrere Jobs gleichzeitig.

00:39:55: Das war für mich normal.

00:39:58: Und am Anfang war ich ja auch noch mit meinem Freund zusammen, meinem damaligen.

00:40:02: Und der hat mich auch mit unterstützt.

00:40:06: Und da bin ich auch bis heute sehr dankbar drum.

00:40:08: Also der hat dann ja Kosten schon mal übernommen oder auch Verträge abgeschlossen für unsere damalige Wohnung und so.

00:40:16: Und ja, ohne das hätte ich das nicht geschafft.

00:40:19: Wie hast du daraus gefunden aus all dem?

00:40:21: Das war ein langer Prozess.

00:40:22: Also irgendwann war zum Beispiel die Beziehung vorbei.

00:40:27: Die hat mich gehalten und dann musste ich mir ein eigenes WG-Zimmer suchen.

00:40:35: Da habe ich dann zu Glück eines gefunden, wo ich keine Kaution zahlen musste, aber dann war der Mitbewohner witzigerweise fast vierzig stark alkoholabhängig und auch der Überzeugung transsexuell zu sein, dass man sehr gestörtes WG-Verhältnis oder... Das Zimmer, was ich danach hatte in der großen WG, das habe ich mir geteilt über mehrere Jahre hinweg, also das hatte ich nicht alleine.

00:40:59: Crazy, es war auch nicht jede Nacht, es waren immer noch ein paar Nächte die Woche und auch nicht jede, also dumm.

00:41:04: Aber war halt so.

00:41:06: Und dieser Person, mit der ich das Zimmer damals geteilt habe, bin ich bis heute, also, mit der bin ich bis heute befreundet und es ist ein super Verhältnis.

00:41:12: Und ich bin hier sehr dankbar, weil es war mutwendig, dass ich diese Unterstützung bekomme.

00:41:17: Genau.

00:41:18: Und ich hab die Situation halt einfach ausgehalten.

00:41:20: Also, es ist einfach aushalten.

00:41:23: Und wenn du mich fragst, wie man da rauskommt, ist es... Großteil ist es akzeptieren lernen, dass man in so einer Situation ist und dass man ohne Hilfe aufgeschmissen ist und dass man das annehmen muss und dass man auch die Situation als Scheiße annehmen muss.

00:41:43: Also anders klappt es nicht.

00:41:46: Und man muss auch akzeptieren lernen, dass die Welt um einen herum, dass die Alters, Leute, die so alt sind, die man selbst, mit denen man auch Abi gemacht hat und so schneller unterwegs sind im Leben.

00:41:56: Und das ... Wenn man das dann akzeptiert hat und das zulassen kann, dann wird's besser.

00:42:01: Und dann kann man anfangen, Kraft aufzubauen und kommt dann irgendwie wieder raus.

00:42:06: Wie ist dein Verhältnis heute zu deinen Eltern?

00:42:08: Ich hab gar keinen Kontakt zu denen.

00:42:10: Also ich hab keinen Kontakt zu meiner Mama, zu meinem Stiefvater, auch nicht zu meinem Großvater, zu niemandem, außer zu meinem Bruder.

00:42:20: Der auch keinen Kontakt zu irgendjemandem hat, großartig.

00:42:23: Okay.

00:42:23: Ja.

00:42:24: Möchtest du irgendwann den Weg wieder zu deiner Mutter gezielt suchen?

00:42:29: Nein.

00:42:30: Würdest du, wenn du jetzt die Möglichkeit hättest, ihr eine Sache zu sagen?

00:42:33: Gibt es da etwas, was du ihr noch sagen möchtest, was unausgesprochen ist?

00:42:37: Ja, wenn dann wäre es, dass ich verstehen kann, dass sie gelitten hat und ich ihren Schmerz sehen und auch fühlen kann.

00:42:46: Und auch wenn ich nicht freiwillig auf sie zugehen möchte, weiß ich ... dass auch egal, wie scheiße sie sich verhalten hat, ihr ist auch scheiße gingen.

00:42:58: Wir sind jetzt hier bei dir in der Wohnung.

00:43:00: Wie fühlt sich das an, dass du eine eigene Wohnung hast?

00:43:04: Es ist kranios.

00:43:07: Also wirklich, es ist ... Ich glaube, es ist etwas, wovon ich nicht satt werde, mein restliches Leben, eine eigene Wohnung zu haben.

00:43:13: Es ist jetzt nicht top eingerichtet, aber ich kann sie einrichten, wie ich möchte.

00:43:17: Ich hab die eigenen Räume, ich hab Türrücken, die ich zumachen kann.

00:43:20: Ich hab einen kleinen Balkon, wo ich mein Garten spielen kann.

00:43:23: Es ist einfach ... ja, wie so ein großes Spielzimmer, was ich nie hatte.

00:43:28: Und ... das ist einfach ... ja, Glotto-gefühlsmäßig.

00:43:34: Entspricht das deiner Vorstellung von einem Zuhause?

00:43:38: Gute Frage, weil ich nicht so eine Idee von einem Zuhause zu Hause habe.

00:43:44: Aber ... ich würde das hier schon mal ein Zuhause nennen, auch wenn es eine Mietwohnung ist.

00:43:49: Danke dir, danke dir, dass du uns mal einen anderen Blick in die Gesellschaft geboten hast, denn ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass es viele, viele Menschen gibt, die da sehr mit dir mitfühlen können an der einen oder anderen Stelle.

00:44:01: Deshalb danke dir, dass du dich geöffnet hast und deine Geschichte mit uns geteilt hast.

00:44:06: Danke dir auch für dein Vertrauen, denn du hast dich bei uns gemeldet.

00:44:09: Also vielen Dank dafür und wir wünschen dir alles Liebe und alles Gute für dich in deine Zukunft.

00:44:14: Dankeschön.

00:44:16: Du willst selbst bei uns

00:44:17: dabei sein

00:44:18: oder hast einen Teamvorschlag?

00:44:20: Denn melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media.

00:44:25: Wenn du von dem besprochenen Team betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen.

00:44:32: Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfeinrichtungen oder dir vertrauten Personen.

00:44:37: Bis

00:44:38: zum nächsten

00:44:38: Mal bei

00:44:39: von Bohne zu Bohne.

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