Systemversagen: Kinder waren die Opfer von sexuellem Missbrauch im katholischen Internat #75 Bernd
Shownotes
Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um Kindesmissbrauch. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, sobald du merkst, dass es dir zu viel wird.
Bernd wächst in den 1960er/70er Jahren in einem katholischen Internat auf. Eigentlich soll dort sein Traum wahr werden: Gymnasium, später Arzt werden, seine Mutter stolz machen. Stattdessen wird das Internat zum Tatort. Zwei Priester missbrauchen ihn über Jahre. Einer ist sein Lateinlehrer, der andere sein Präfekt, der nachts an die Betten der Jungen kommt, sie betrunken macht und ihre Erinnerungen auslöscht. Bis heute weiß Bernd nicht, was in manchen Nächten passiert ist.
Er erzählt, wie der Missbrauch sein ganzes Leben aus der Bahn wirft. Bernd spricht darüber, wie sich Missbrauch in der Kirche anfühlt, warum er sich bis heute für andere Betroffene einsetzt, was die Aufarbeitungsstudie im Bistum Speyer offengelegt hat und warum es ihm nicht mehr nur um seine eigene Geschichte geht, sondern um jedes Kind, das heute besser geschützt sein soll.
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Zeitstempel: 00:00:01- 00:01:33: Triggerwarnung und Intro 00:01:33 - 00:02:35: Bernds Vorstellung - sexualisierte Gewalt durch katholische Priester im Internat 00:02:35 - 00:06:28: Hochbegabter Junge, katholische Familie und der Weg ins Jungeninternat 00:06:28 - 00:13:08: Alltag im katholischen Internat 00:13:08 - 00:20:02: Erste sexualisierte Gewalt 00:20:02 - 00:26:22: Erkenntnis „Hier stimmt etwas nicht“ 00:26:22 - 00:34:35: Absturz nach dem Internat 00:34:35 - 00:42:28: Missbrauchsskandal 2010 00:42:28 - 00:48:28: Kampf um Anerkennung 00:48:28 - 00:56:01: Gespräch mit dem Ordensoberen 00:56:01 - 00:59:30: Aufarbeitungsstudie im Bistum Speyer
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Transkript anzeigen
00:00:01:
00:00:24: Trigavano, bevor wir beginnen, möchten wir Dich auf etwas Wichtiges hinweisen.
00:00:28: Uns in Deine Sicherheit und Gefühle wichtig.
00:00:31: Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Höhrens unseres Podcasts wohl fühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst.
00:00:38: In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Höhren der Verstörend sein könnten.
00:00:43: Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.
00:00:45: Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden.
00:00:56: Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist.
00:01:02: Das
00:01:03: passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne.
00:01:07: Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.
00:01:11: Kein Name,
00:01:12: keine Information, keine Themen.
00:01:14: Also werden meine
00:01:15: Fragen auch deine
00:01:16: Fragen sein.
00:01:17: Ich bin Sanya und ich suche die Gäste.
00:01:19: Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit ehrlichen, berührenden und bewegenden Geschichten sind.
00:01:25: Und genau die wollen wir mit euch teilen.
00:01:27: Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?
00:01:35: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen
00:01:36: Folge.
00:01:37: Mein Name
00:01:37: ist Charlotte.
00:01:38: Mein Name ist Zanya.
00:01:40: Mein Name ist Bernd.
00:01:42: Und ich wurde meiner Kindheit, Opfer, Sex soll des jeder Gewalt durch katholische
00:01:46: Priester.
00:01:47: Hi Bernd.
00:01:48: Das ist heute ein schweres Thema für mich zumindest.
00:01:52: An der Stelle schon mal vielen herzlichen Dank, dass du dich uns anvertraust.
00:01:56: Für mich persönlich ist das nicht selbstverständlich.
00:01:58: Und was würdest du denn sagen?
00:02:00: An welcher Stelle beginnt deine Geschichte?
00:02:03: Also es begann.
00:02:04: Ich war ... in einem katholischen Internat als Kind, weil ich unbedingt aus dem Gymnasium wollte.
00:02:12: Und die Gelegenheit war halt einfach, das so zu machen.
00:02:17: Und hab dann ab dem dritten Jahr, wo ich dort war, wurde ich von zwei Patres, der eine war erzieher, der andere war mein Lasshaldenjahr, sechs Uhr, wenn es brauchte.
00:02:32: Wie alt warst du da genau?
00:02:34: Zwölf.
00:02:35: Magst du uns erklären, wie du überhaupt ins Internat gekommen bist?
00:02:42: Es war mein eigener Wunsch.
00:02:43: Also es gab, also meine Eltern, ich habe noch zwei Brüder oder hatte zwei Brüder.
00:02:50: Ich war der Jüngste und war in der Grundschule, ja, quasi so ein Überflieger.
00:02:58: Also meine Lehrer haben meiner Mutter damals nahegelegt, dass ich die erste Klasse überspringe.
00:03:05: Weil ich halt einfach durch meine zwei Eltern, Brüder halt, ja, ich kam in die Schule und konnte Lesen schreiben.
00:03:14: Und ja, irgendwann nach der vierten Klasse haben die Lehrer gesagt so, der muss aufs Gymnasium.
00:03:21: Und meine Mutter hat damals gesagt, okay, wenn er dann von der Schule heimkommt und Hausaufgaben machen muss, wir können ihm nicht helfen, weil sie halt, ja, sich in der Beziehung überfordert gefühlt haben.
00:03:35: Mir schuldig helfen.
00:03:37: Und der Nachbarin, damals oder Nachbarn, die hatten einen Sohn.
00:03:42: Der war auf dem Gymnasium in Homburg.
00:03:44: Und die haben damals schon angeboten, quasi eine Ganztagsschule zu machen.
00:03:50: Also Silenzium.
00:03:53: Nach der Schule wurde er gegessen und dann wurden gemeinsam Hausaufgaben gemacht.
00:03:59: Und da sind wir dahin gefahren.
00:04:01: Meine Mutter und ich haben uns das angeguckt.
00:04:05: Und der Internatsleiter damals hat uns rundgeführt und es gab halt ein angeschlossenes Internat, dass man dort halt wirklich die ganze Woche bleiben kann und nicht jeden Mittag heimfahren muss.
00:04:22: Und das war für mich so spannend.
00:04:23: Das war ein Kinderparadies.
00:04:25: Da gab es Blockhütten, da gab es Handballplatz, da gab es Gegelbahn, da gab es Schwimmbad.
00:04:31: Es war ein absolutes Kinderparadies.
00:04:35: Damals habe ich zu meiner Mutter, als wir dann heimgefahren sind, gesagt, ich will nicht in die Nachmittagsbetreuung.
00:04:41: Ich will das ganz bleiben über die ganze Woche.
00:04:46: Damals sagten meine Mutter, nie das können wir uns nicht leisten.
00:04:49: Das war halt auch ein finanzieller Aspekt.
00:04:55: Damals hat meine Oma, die war Beamtenwitfe, hat eine gute Pension und hat gesagt, wenn der das will, macht er das.
00:05:05: Dann kriegt er das und ich helfe, wo ich kann.
00:05:08: Hat er auch gemacht und ich durfte tatsächlich in dieses Internat.
00:05:12: Ich wurde also nicht abgeschoben ins Internat, sondern zwar mein eigener persönlicher Wunsch.
00:05:19: Wie alt warst du, als du aus Internat gekommen bist?
00:05:21: Zehn.
00:05:22: Okay.
00:05:23: Welche Rolle hat der Glaube in deiner Familie gespielt?
00:05:27: Meine Mutter und meine Oma waren katholischer als der Papst.
00:05:33: Meine Oma ist ... Ja, fast bis zum Lebensende jeden Sonntag zur Käse gerannt.
00:05:39: Natürlich wie es damals war mit einem guten Hut und einem schönen Mantel.
00:05:45: Und meine Mutter war auch sehr gut katholisch, aber nicht so, dass sie jetzt jeden Sonntag im Gottesdienst ging.
00:05:51: Aber ich bin katholisch sozialisiert.
00:05:56: War das für dich dann auch ein fester Bestandteils?
00:05:58: Bis dato in deinem Glaube, dass du gesagt hast, dass du dem angehörst und könntest du dem folgen?
00:06:04: Ja, es war eigentlich im Nachhinein betrachtet eigentlich schlimm, dass ich so in diesem katholischen Glauben verwurzelt war.
00:06:19: Oder kann ich vielleicht später noch was zu sagen?
00:06:22: Als du auf die Schule gekommen bist, da hast du dich ja mit Sicherheit gefreut, denn du wolltest da hinkommen.
00:06:26: Wie war die erste Zeit für dich?
00:06:28: Super.
00:06:30: Also ich bin dort... Als Kind aufgeblüht, muss ich sagen.
00:06:34: Ich war zwar immer schon aufgeweckt, aber ich konnte mich dort ausleben.
00:06:40: Ich konnte Abenteuer erleben, was man so als Kind sich vorstellt.
00:06:49: Ich habe früher zu der Zeit Bücher von Annett Bleiten gelesen, fünf Freunde.
00:06:56: Und das war für mich ... Ja.
00:06:59: diese Verwirklichung des Inhalts dieser Bücher.
00:07:06: Also die ersten zwei Jahre waren zurückblickend die schonzehn Jahre meines Lebens.
00:07:12: Hatte ihr denn mehr als üblich Religionsunterricht oder wie kann man sich das vorstellen?
00:07:18: Ne, also wir hatten, es ging damit los, das war morgens natürlich vor der Schule und vor dem Frühstück, da hatten wir uns versammelt und da wurde ein Morgengebet gesprochen.
00:07:30: Und in den Räumen, wo wir gegessen haben, gab es natürlich immer ein Tischgebet.
00:07:37: Und abends gab es ein Abendgebet.
00:07:39: Und in der Schule selbst war es wie auf jedem anderen weltlichen Gymnasium.
00:07:47: Da ist in der Woche zwei Stunden Religion oder so, weiß ich mehr genau.
00:07:53: Aber es war nicht übertrieben, katholisch, also von der Schule her.
00:07:58: Im Alltag, natürlich, hat man gemerkt, man ist in einer katholischen Briefe.
00:08:06: D.h.,
00:08:06: die haben auch dort vor Ort gewohnt?
00:08:09: Ja.
00:08:10: Gab es auch Nonnen?
00:08:11: Nein, doch.
00:08:13: Entschuldigung.
00:08:14: Es gab auch Nonnen, die haben, sag ich jetzt so, die niederen Dienste dort verrichtet.
00:08:22: Die Köschin waren eine Nonne, die Frau am Empfang.
00:08:28: Telefon, das war die Telefonnonne.
00:08:31: Und es gab eine Krankenschwester, die war auch Nonne.
00:08:36: Aber ansonsten war es so ein Männerbündnis mit vierzehn, fünfzehn Ordensmitgliedern.
00:08:45: Und die haben auch den Religionsunterricht geleitet?
00:08:47: Ja.
00:08:48: Okay.
00:08:48: Und ansonsten hatten die aber keine direkten Instanzen bezüglich des Bildungssystems?
00:08:54: Also insofern, dass der Direktor ...
00:08:57: der
00:08:57: Schule natürlich ein Paar da war.
00:09:02: Religionsunterricht haben Patres-Gleit-Musikunterricht, war von Patres gehalten.
00:09:11: Und das ganze Alltagsleben war natürlich geprägt von Vermittlung des Katholischen Glaubens.
00:09:21: War das eine Jungschule?
00:09:23: Ja.
00:09:23: Okay.
00:09:24: Zu dem Zeitpunkt, als ich dahin kam, war es eine reine jungen Schule.
00:09:30: Und in dem Jahr, in dem ich abging, das war das erste Jahr, dass auch Mädchen da aufgenommen wurden.
00:09:37: Allerdings nur an der Schule.
00:09:40: Das Internat war rein ein jungen Internat.
00:09:44: In welchem Abstand konntest du deine Familie sehen?
00:09:48: Eigentlich jedes Wochenende.
00:09:50: Es war damals so geregelt, also man muss ... Spätestens alle zwei Wochen musste man zum Elternhaus.
00:10:00: Man konnte also einen Wochenende auf eigenen Mundschall sagen, okay, ich bleib hier übers Wochenende.
00:10:07: Wenn man dann die richtigen Freunde dabei hatte, dann war das immer ganz spannend.
00:10:11: Es waren zwei Tage ohne Schule und wir konnten tun und lassen, was wir wollten, quasi draußen in der Natur im Wald, in der Blockwürde.
00:10:22: Das habe ich öfter wahrgenommen.
00:10:25: Mit meinen Kumpels haben wir gesagt, okay, nächstes Wochenend bleiben wir hier.
00:10:30: Aber ansonsten war die Regelung eigentlich jedes Wochenende nach Hause, damit der Kontakt zur Familie auch nicht abreißt.
00:10:38: Wie hat deine Familie das wahrgenommen, dass du so engagiert in der Schule warst, gerade deine Mutter und deine Großmutter?
00:10:45: Meine Mutter war stolz wie Bolle und hat sich wohl auch schon ausgetrunken.
00:10:52: geträumt, dass ihr Sohn wird dann mal Arzt oder sonst irgendwas.
00:10:58: Und erreicht das, was sie oder meine Eltern nicht erreicht haben, obwohl das ich ihnen nie vorhalten würde.
00:11:07: Mein Papa war Arbeiter, Industriearbeiter in einer Stahlhütte.
00:11:18: Meine Mutter war Hausfrau.
00:11:20: Und meine zwei Eltern und Brüder haben jeweils die Hauptschule fertig gemacht und dann eine Ausbildung gemacht.
00:11:28: Und bei mir war dann dieser Wunsch, der eigentlich auch letztendlich auch ein bisschen gründer für war, dass das alles so passieren konnte.
00:11:43: Aus dem wird was richtiges, der wird Arzt.
00:11:49: Die Erwartungshaltung war sehr, sehr groß, gerade von meiner
00:11:53: Mutter.
00:11:54: Konntest du dann an deine bisherigen schulischen Leistungen auch anknüpfen direkt?
00:11:58: Ja, ja.
00:11:59: Ich habe also natürlich klar, die fünfte Klasse, also die sechs Tage, die erste Klasse am Gymnasium und die zweite auch und die dritte auch war ich.
00:12:15: Ich war nie ein Überflieger, aber ich war ... Sehr guter Durchschnitt.
00:12:21: In der achten Klasse hatte ich, glaube ich, einen roten Durchschnitt von zwei Komma.
00:12:25: Irgendwas, als das war.
00:12:27: War okay.
00:12:28: War gut?
00:12:31: Hast du irgendwann mal irgendwas bemerkt, was dich hat misstrauisch werden lassen von dieser wunderschönen Bubble, in der du dich befunden hast?
00:12:40: Eigentlich gar nicht.
00:12:42: Beim ersten Übergriff habe ich wohl ... Anschließend nachgedacht und habe überlegt, war das jetzt richtig, was der gemacht hat.
00:12:55: Man muss dazu sagen, es war eine Zeit, in der man noch so eine Hochachtung vor höher stehenden Menschen hatte.
00:13:08: Ein Bürgermeister, ein Priester und ein Polizist waren noch Menschen, die machen alles richtig, die können nix.
00:13:16: verkehrtes machen.
00:13:18: Und dadurch, dass meine Eltern mich in die Obhut dieser Männer gegeben haben, habe ich ja das Urvertrauen, dass ich zu meinen Eltern hatte, was jedes Kind eigentlich hat, auf die übertragen, weil sonst hätten die mich nicht dahin gegeben.
00:13:38: Und ich konnte das damals gar nicht einordnen, weil ich war zum einen zu jung.
00:13:45: zu unaufgeklärt, um das Geschehen überhaupt einordnen zu können.
00:13:51: Dass es nichts Normales war, sondern ein Verbrechen.
00:13:57: Und da lege ich schwer drauf.
00:13:58: Es war kein Vergegen, es war ein Verbrechen.
00:14:02: Und das hat ihnen damals natürlich Tür und To geöffnet, weil sie genau wussten, die wissen gar nicht, was ihnen interessiert.
00:14:13: Ich war ja nicht der Einzige.
00:14:15: Kannst du uns davon berichten, wer die Person war?
00:14:20: Also, man musste zusagen, im Internat war es so, dass jede Gruppe es gab, also verschiedene Gruppen.
00:14:29: Fünft für ein Sexteklasse war im sogenannten Ungerbau.
00:14:37: Das war ein Gebäudeabschnitt.
00:14:39: Und dann gab es, die Nächstes war der Oberbau, dann gab es den ... auf jeden Fall immer jahrgangsmäßig gestaffelt.
00:14:48: Und jede Gruppe wurde von einem Präfecten geleitet.
00:14:53: Der Präfect war derjenige Erzieher, der halt mit den Kindern gelebt hat.
00:15:03: Der hat seinen Büro dort, der hat seinen Schlafzimmer dort.
00:15:08: Er hat also in der Gruppe mitgelebt.
00:15:12: Und dann gab es halt ... Ordenspatrice, die keine Perfektur hatten, also mit dem Internat im Prinzip wenig zu tun hatten, die waren dann halt Lehrer an der Schule.
00:15:27: Und den ersten Übergriff habe ich erlebt, das erste Verbrechen habe ich erlebt, dass mich damals ein mein Lateinlehrer nachmittags über meinen Perfekten zu sich zitiert hat.
00:15:47: Ich sollte zu ihm aufs Zimmer kommen.
00:15:49: Habe ich dann natürlich gemacht.
00:15:51: Man war ja volksam.
00:15:54: Und ja, der hat dann, der hat mich quasi vergewaltigt.
00:16:00: Nicht quasi, er hat mich vergewaltigt.
00:16:03: Das war für mich absolut verstörend, weil ich es absolut nicht einordnen konnte.
00:16:10: Und ja, es kam immer öfter dazu, dass ich auf sein Zimmer zitiert wurde.
00:16:18: Ja, das war der eine Täter und der andere Täter war tatsächlich damals mein Perfekt.
00:16:26: Der Nachts, wir hatten sechs Bettenzimmer, also es waren fünf Kollegen auch noch im Zimmer.
00:16:37: Ursprünglich in der ersten Gruppe, in der zweiten Gruppe waren nur noch zu viert, aber auch so ein sechser Zimmer.
00:16:44: Und der kam abends oder nachts, kam der regelmäßig an das Bett und ... hat dann nach der Bettecke rummanipuliert.
00:16:56: Und das war halt ja eigentlich regelmäßig.
00:17:00: Also man konnte oder ich konnte eigentlich davon ausgehen.
00:17:05: Jetzt hast du vielleicht mal einen Tag oder zwei oder eine Nacht oder zwei nächste Ruhe.
00:17:10: Und dann kommt er doch wieder.
00:17:12: Du hattest im Vorgespräch gesagt, dass da auch Alkohol im Spiel war?
00:17:15: Ja.
00:17:16: Also bei meinem Präfekt war es so.
00:17:19: Es war eigentlich ein hofenes Geheimnis, selbst in der Schule Mitschüler, die externe Schüler waren, die also nett in der Naht waren.
00:17:30: Da ging die Gerüchte um.
00:17:33: Der steht halt auf Jungs.
00:17:38: Dieser Prefekt hatte so seine Lieblinge in der Internatsgruppe und die durften auch abends ... Es war ja alles strikt geregelt, neun Uhr per Truhe und was weiß ich.
00:17:50: Und seine Lieblinge, die hat er sich aussortiert und die durften dann anschließend auch noch zu ihm kommen, durften dort Sportschau gucken oder sonst irgendwas.
00:18:04: Ja, und den hat er auch, der war damals, er war Alkoholiker, das war offensichtlich, uns dann auch Alkohol gegeben.
00:18:16: Und es gab eine Situation, dass ich morgens aufgewacht bin und hatte keine Schlafanzukosen mehr an.
00:18:28: Wuchst aber von gar nichts.
00:18:30: Ich hatte absolut keine Ahnung, was da jetzt passiert sein könnte.
00:18:36: Und bin dann in den Waschraum.
00:18:38: Wir hatten so einen großen Waschraum, da waren Duschen und haben uns morgens halt als Väter gewaschen.
00:18:45: Und ich kam da ... In den Waschraum, da waren auch so Fußbecken, sag ich mal.
00:18:53: Und in einem dieser Becken lag meine Schlafzuckwose.
00:18:59: Ich sag's jetzt einfach voll gekotzt.
00:19:03: Und ich wusste nicht, wie die dahin kamen und was da passiert sein könnte.
00:19:09: Ja, dann haben wir uns morgens zum Morgengebiet getroffen.
00:19:14: Und dann gab's von den Prisekten auch einen Ansparer.
00:19:19: Irgendjemand hat ihm wohl in seinem Büro in den Sessel reingekotzt.
00:19:29: Und da hab ich noch unbedarft, wie ich war.
00:19:33: Hab gesagt, oh, der hat mir auch auf die Hose gekotzt.
00:19:37: Um irgendwann zu merken, hey, hallo.
00:19:39: Das kann ja nur ich gewesen sein.
00:19:43: Aber ich hab keine Ahnung bis heute nicht, was in dieser Nacht passiert ist.
00:19:51: Und das war aber ... ja.
00:19:55: So eine Initialzündung, wo ich gesagt habe, ich muss hier weg.
00:20:02: Hier passiert was, was nicht gut ist, was ein richtiges.
00:20:09: Ja, ich muss da raus.
00:20:11: Würdest du sagen, dass er mit dem Alkohol versucht hat, dich gefügig zu machen?
00:20:15: Natürlich,
00:20:15: natürlich.
00:20:17: Kein anderen Grund gibt es.
00:20:18: Gab es mehrere Situationen, bei denen du heute nicht mehr weißt, was da passiert ist?
00:20:23: Ja, die gab es.
00:20:26: Ich muss heute sagen, zum Glück kann ich mich nicht an alles erinnern.
00:20:34: Es gab eine Zeit, ich habe sehr viel Therapien gemacht in den letzten fünfzehn Jahren.
00:20:42: Und es gab eine Zeit, wo ich gesagt habe, okay, jetzt musst du eine Traumatherapie machen, um diese schwarzen Löcher, die du in deiner Erinnerung hast, zu füllen und zu erhältn.
00:20:57: Aber nach der letzten Therapie in der Klinik habe ich gesagt, nee, will ich eigentlich gar nicht.
00:21:05: Ich will nicht nochmal durch die Hölle gehen.
00:21:09: Das alles hervorbringt, das bringt mir ja nichts.
00:21:11: Ob ich jetzt weiß, dass es zwanzigmal passiert ist oder ob ich weiß, dass es fünfzigmal passiert ist, bringt mich ja nicht weiter und es tut einfach nur noch weh.
00:21:21: Als du so für dich festgestellt hast, hier stübt was nicht, ich muss hier weg.
00:21:25: Hast du dich da jemandem anvertraut?
00:21:27: innerhalb der Kinder, vielleicht?
00:21:28: Nein.
00:21:30: Wir wussten untereinander, dass ich nicht der Einzige war.
00:21:38: Es hat aber niemand ausgesprochen.
00:21:40: Es hat niemand, der sagt, gestern Nacht war der bei mir am Bett.
00:21:45: Nein.
00:21:46: Es hat niemand drüber gesprochen.
00:21:50: Heutzutage, wenn ich in Schwarz rückblicke, denke ich ... So was kann heute eigentlich gar nicht passieren, weil die Jungs, die reden miteinander und vertrauen sich anderen an.
00:22:03: Ich habe mich niemandem anvertraut.
00:22:05: Gab es denn so einen Moment, wo vielleicht andere Kinder rausgezogen wurden, bei denen es bei dir Klick gemacht hat und du verstanden hast, oh, da könnte jetzt was passieren?
00:22:15: Es war irgendwann so eine Selbstverständlichkeit.
00:22:22: Ich habe nachts bin ich fach geworden, weil die die Zimmertür aufging.
00:22:25: Da wusste ich genau, der kommt jetzt und irgendjemand nimmt damit.
00:22:31: Und habe mich totgestellt und einfach nur in der Hoffnung, lass mich heute in Ruhe.
00:22:38: Und dann, da schäme ich mich heute eigentlich dafür, dass ich froh war, dass es mich an dem Abend nicht selbst getroffen hat.
00:22:52: sondern einen von meinen Kollegen.
00:22:56: Da schäme ich mich halt.
00:22:59: Aber du warst ein Kind.
00:22:59: Du musst es dafür nicht schämen.
00:23:01: Du konntest nichts dafür.
00:23:03: Das Ganze ist jetzt über fünfzig Jahre her, fast fünfzig Jahre her.
00:23:11: Und trotzdem ist dieser Gedanke immer noch bei mir präsent.
00:23:16: Hätte ich eventuell andere schützen können, indem ich mich ... Ja, quasi selbst oft.
00:23:25: Ähm, ja, aber es war halt so.
00:23:33: Wie lange hast du das alles miterleben müssen?
00:23:37: Zwei Jahre.
00:23:38: Und dann hast du für dich entschieden, du willst daraus?
00:23:41: Genau.
00:23:42: Ich bin ... Damals hat mich ... Die Sommerferien haben wir in der Schule aber zu Ende.
00:23:50: Mein Papa ist gekommen, um mich abzuholen.
00:23:54: Und hat ... Ich stand da mit ... Komplett allem Gepäck, also normalerweise bin ich am Wochenende mit der Tasche zu wäscheweisen.
00:24:05: Aber alles, was ich in den vier Jahren dort hatte, habe ich alles reingepackt.
00:24:10: und mein Papa ist gekommen und hat gesagt, wieso nimmst du alles mit?
00:24:16: Und da habe ich gesagt, ich gehe hier nicht mehr hin.
00:24:19: Okay, hat er gesagt.
00:24:21: Und das sind wir kommentallos eigentlich heimgefahren.
00:24:28: Und zwar auch als angekommen, hat meine Mutter genauso reagiert.
00:24:32: Wieso hast du jetzt alles eingepackt?
00:24:35: Ich geh da nicht mehr hin.
00:24:39: Und hab gesagt, ich fahre nur noch als externer Schüler hin.
00:24:46: Also jeden Tag hin und zurück pendeln.
00:24:48: Es war keine große Aktion.
00:24:50: Das war nicht so weit von uns entfernt.
00:24:54: Nur ich musste aus diesem Internat raus.
00:24:56: Ich musste aus den Fängen.
00:25:00: dieses Menschen raus, dass er keinen Zugriff mehr auf mich hatte.
00:25:06: Ja, und das hat da anfangs auch funktioniert.
00:25:09: Dann kam die neunte Klasse und wurde halt unheimlich rebellisch, also in der achten Klasse eigentlich schon, weil ich unheimlich Probleme damit habe, hatte mich an Obrigkeiten zu halten, die zu akzeptieren, die alles, alles... so wahrzunehmen und so zu dulden.
00:25:32: Ja, und das erste Jahr war noch relativ entspannt.
00:25:36: Ich bin zwar auch nur zur Schule, wenn ich Lust hatte.
00:25:40: Und damals, damals war so, ich bin also in der Nacht raus, in der achten Klasse, mit einem Notendurchschnitt von, von zwei Kommairgendwas.
00:25:49: Und in der neuen Klasse, die ich sitze, mit einem Notendurchschnitt von vier Komma Null.
00:25:56: Ich habe dann die neunte Klasse wiederholt und das ging auch nicht weiter, war auch nur die Hälftezeit in der Schule.
00:26:05: Und da wurde mal von der Schulleitung nahegelegt, die Schule zu verlassen.
00:26:12: Ansonsten würden sie eine Schulkonferenz einberufen und dann würde ich halt gezwungen, von der Schule zu gehen.
00:26:22: Ja, und da bin ich dann damals mit fünfzehn Jahren.
00:26:29: Abgerannt.
00:26:31: Sowohl, als du gesagt hast, du willst jetzt nicht mehr auf diesem Internat sein, als auch, bis du wirklich schlechte Noten hattest, haben deine Eltern sich nicht die Frage gestellt, was da?
00:26:42: vielleicht hätte es los sein können?
00:26:45: Also mein Vater hätte die Frage nie gestellt, weil er war zu wenig involviert in diesem System.
00:26:54: Meine Mutter hat sich wohl gewundert und war dann auch furchtbar enttäuscht, dass das nachher alles in die Hose ging und sie kein Sohn hatte, der Arzt wird.
00:27:04: Aber richtig hinterfragt hat sie, hat es nicht.
00:27:08: Du wurdest von Patris und dem Erzieher vergewaltigt mehrfach über Jahre.
00:27:13: Was hat das mit deinem Glauben gemacht?
00:27:17: Genau, diese Frage hat mir vor über zehn Jahren bei einem Interview auch Und schon hat das List gestellt und ich habe gesagt, so schlimm alles war, aber meinen Glauben konnten sie mir nicht nehmen.
00:27:35: Ich bin Christ, da stehe ich heute noch dazu.
00:27:36: Ich bin zwar kein Katholik mehr, aber ich bin Christ.
00:27:43: Und Christ, ja eigentlich in der Bedeutung, dass ich halt ein Mensch bin und menschlich bin.
00:27:54: Das bedeutet für mich Christsein.
00:28:00: In keine Kirche mehr gehen.
00:28:01: Das geht gar nicht.
00:28:02: Ich krieg ... Ja, kann das eigentlich nicht.
00:28:07: Das würde ich auch nie tun.
00:28:09: Ich bin damals aus der kassolischen Kirche auch ausgetreten vor.
00:28:17: Und meinen Glauben in dem Sinne, dass ich Menschlichkeit habe und anderen entgegenbringe.
00:28:28: Insofern haben die mir den Glauben nicht nehmen können.
00:28:32: Warst du nicht wütend, dass dir das wiederfahren musste in einem Ort, wo du eigentlich Sicherheit empfunden hast?
00:28:41: Ich weiß nicht, ob es wütend oder wut war, aber ... Enttäuschung ist das falsche Wort.
00:28:51: Ich weiß nicht, wie ich das darstellen soll.
00:28:54: Zwischen Enttäuschung und Wut und Zorn, dazwischen war damals so mein Gefühlsleben.
00:29:02: Ich hatte ja auch als Kind ... wie meine Mutter auf mich übertragen hat.
00:29:10: Das wird mal ein ganz guter.
00:29:12: So hatte ich auch meine Pläne oder meine Zukunftsperspektive.
00:29:20: Und das war plötzlich alles weg.
00:29:23: Es war alles weg.
00:29:24: Ich bin von jetzt auf gleich eigentlich in Riesenloch gefallen, weil ich stand plötzlich da ohne Schulabschluss.
00:29:34: Kein aller Schulabschluss.
00:29:38: Und wusste nicht, wie's Leben weitergeht.
00:29:42: Irgendwann später, viel, viel, viel später, hab ich dann das Gefühl gehabt, diese Männer haben mir mein ganzes Leben versaut.
00:29:56: Aber damals zu dem Zeitpunkt war dieser Gedanke gerne da.
00:30:00: Ich hatte das ja auch weggedrängt.
00:30:02: Es war einfach, ich geh da nicht mehr hin, ich kann da nicht mehr hin und fertig.
00:30:08: Hattest du dir manchmal die Frage gestellt, wie es deinen Freunden wohlging, wenn sie noch dort nachts waren und dort lagen?
00:30:15: Ja, aber ich hab den Gedanken auch weggedrückt, weil es mir damals schon klar war, es ist eigentlich unfair.
00:30:26: Und dieses Schamgefühl, das ich bis heute hab, meinen Freunden gegenüber, weil ich denke, ich hätte es dahinter können.
00:30:37: Ja, was damals war.
00:30:40: Ja, es war schon schlimm.
00:30:42: Man muss überlegen, ich war damals, als ich letztendlich auf der Straße stand, von der Schule rausgeworfen wurde, nach fünfzehn.
00:30:51: Wie hast du dich gefühlt, als du vom Überflieger in der Schule zu einem jungen Mann geworden bist, der kein Arzt werden konnte und ohne Schulabschluss der Schule verwiesen wurde?
00:31:03: Es war für mich ganz schlimm, weil ich einfach wusste, dass ich meine Mutter und meine Oma ... fürstellig enttäuscht habe.
00:31:16: Es war, für mich ist eine Welt zusammengebrochen.
00:31:23: Mein ganzes Lebensplan war völlig aus den Fugen.
00:31:27: Es gab eigentlich keinen Lebensplan mehr.
00:31:31: Ich war halt über mich selbst enttäuscht, dass ich meine Eltern enttäuscht habe, obwohl sie das nie gesagt haben.
00:31:41: Aber ich merke das bei meiner Mutter, dass sie halt furchtbar enttäuscht war.
00:31:44: Und das tat mir weh.
00:31:47: Ich hab das auch nicht lange durchgehalten, da kam der erste oder Suizidversuch, weil ich einfach nicht mehr klar kam.
00:31:58: Weil ich nicht mehr wusste, wohin mit mir, wo ist meine Stelle im Leben und dieser Welt.
00:32:10: Es war schlimm.
00:32:11: Es war schlimm.
00:32:14: hat aber dazu geführt, dass ich genau dieses Gefühl, das ich damals hatte, einfach wegdrücken konnte.
00:32:23: Und hab damals gesagt, okay, du musst was anderes ganz engagiert machen, um diese scheiß Gedanken wegzukriegen.
00:32:39: Ja, dann hab ich Sport gemacht.
00:32:42: Sport, wo es nur ging.
00:32:44: Ich war Leichsathlin, ich war Fußballer, ich war Judoka.
00:32:48: Ich hatte eigentlich keinen Tag in der Woche frei, ohne Training, ohne Wettkampf, ohne irgendwas.
00:33:00: Und irgendwann habe ich es geschafft, zumindest habe ich damals das Gefühl gehabt, ohne diese Vergangenheit leben zu können.
00:33:14: Jetzt habe ich mich aufgerichtet und gedacht, okay, jetzt machst du trotzdem was aus deinem Leben.
00:33:26: Und habe das auch relativ gut hinbekommen.
00:33:29: Es war zwar sehr steinig dieser Weg, aber ich habe es geschafft, ohne Schulabschlüsse eine Ausbildung zu machen im Handwerksberuf gelernter Elektriker, Elektroinstellator, dann später ... noch eine Ausbildung zum Technikinformatiker gemacht und habe dann am Schluss meines Arbeitslebens, sage ich mal, das halt vorzeitig jetzt beendet ist, noch eine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit gemacht.
00:34:08: Ich habe also quasi drei Berufsausbildungen, aber es war furchtbar steinig, dieser Weg das zu schaffen.
00:34:19: Hattest du nachdem du von der Schule gegangen bist, noch Kontakt mit deinen Freunden von der Schule?
00:34:25: Im Jahr
00:34:25: Jahr zwei Tausendzehn, als in Berlin am Canisius-Kolleg dieser Missbrauchskandal öffentlich wurde, gab es auch bei uns in einer Regionalzeitung ein Artikel darüber.
00:34:46: Und damals hatte die Zeitung noch eine Online-Kommentarfunktion.
00:34:53: Und da habe ich regelmäßig darauf geguckt, was das ist, regelmäßig, täglich geguckt und habe da gemerkt, Mensch, da kommentieren Leute, da sind Insider, die wissen genau, was damals los war.
00:35:14: Und das ging dann Tage, vielleicht sogar Wochen lang, wo ich rausgelesen habe, Mensch.
00:35:22: Der muss eigentlich bei dir in der Gruppe gewesen sein, der das kommentiert.
00:35:27: Es wurde immer unabseutonym kommentiert.
00:35:31: Ja, und irgendwann habe ich dann denjenigen oder einer derjenigen, die am häufigsten da kommentiert haben, angeschrieben.
00:35:44: Er möge sich doch mal bei mir melden.
00:35:49: Ja, und dann hat er sich gemeldet.
00:35:50: und dann hat sich rausgestellt, wir waren plötzlich zwölf Leute.
00:35:56: die das Gleiche erlebt haben, die genau zu der Zeit, wie ich im Internat war, genau das Gleiche erlebt haben.
00:36:06: Und da haben wir eine Initiative gegründet, um gegen den Orten vorzugehen, dass es sich seiner Verantwortung stellt und zugibt, dass es institutionells Versagen gab.
00:36:27: Und der Ordensobere stand dann plötzlich, hat dann in der Zeitung und auch vor Fernsehkamera gesagt, wie erschüttert er ist und dass er jetzt aus der Presse erst davon erfahren hat.
00:36:47: Und das war so eine Klasse Lüge, weil die haben zusammengelebt, die Patrice.
00:36:54: Und einer wusste vom anderen.
00:36:56: Das wäre das auch gar nicht.
00:36:59: möglich gewesen, was sie da treiben.
00:37:03: Ja, und dann wurden wir tituliert als Mütchenkühler, musste erst googeln, was das Wort bedeuten soll.
00:37:16: Ja, wir wurden einfach, uns wurde gesagt, wir sind unzufrieden mit unserem Wertegang und wollen jetzt rarer üben an der Schule und im Internat, weil wir es zu nichts gebracht haben.
00:37:31: Einer unserer Mitglieder ist Arzt, andere Lehrer.
00:37:41: Ich habe drei Berufsausbildungen.
00:37:44: Also daran lag es nicht, dass wir uns da jetzt irgendwie an irgendjemanden rechnen wollten.
00:37:49: Nein, wir wollten einfach nur die Gewissheit haben, dass man uns zugesteht, dass man an uns Verbrechen verübt hat.
00:37:59: Und da habe ich dann Das, was ich vorher exzessiv gemacht habe im Sport, nachher im Beruf und diese Energie, die ich da immer reingesetzt habe, die habe ich dann dafür aufgewendet und bis heute halt für Gerechtigkeit von Betroffenen zu sorgen.
00:38:24: Also, es wurde Der Skandal eigentlich öffentlich gemacht in Berlin, am Kaniseskolleg, das war auch ein Internat.
00:38:34: Und da haben sich drei ehemalige Schüler an den damaligen Schulleiter gewandt und haben gesagt, vor zwanzig Jahren ist das und was passiert.
00:38:45: Und das war der Ausschlag dafür, dass dieser Missbrauchskandal überhaupt öffentlich wurde.
00:38:54: Und ich vergesse nie.
00:38:59: Wir saßen damals, eine Frau und ich, im Auto.
00:39:03: Wir waren auf der Rückfahrt von irgendeiner Familie.
00:39:07: Ich weiß nicht mehr.
00:39:08: Wir waren auf der Autobahn, die ist gefahren.
00:39:11: Ich saß auf dem Beifahrersitz.
00:39:15: Und im Autoradio kamen die Nachrichten.
00:39:18: Und da kam auch eine Meldung und eine Nachricht, dass sich zwei Patres, der Herz-Hesomissionare, die am Johannäum in Hamburg tätig waren, bei der Staatsanwaltschaft selbst angezeigt haben, dass sie Kinder missbraucht haben, wohlwissend, dass die Taten verliert sind.
00:39:44: Und ich habe das damals gehört und habe zu meiner Frau nur gesagt, da platzt jetzt noch eine Bombe.
00:39:54: Es wäre dann zurückgefragt, wieso?
00:39:57: Hast du das auch erlebt?
00:39:59: Ich habe einfach nichts mehr gesagt.
00:40:05: Am nächsten Tag hab ich ihr dann, so ist es in meiner Erinnerung, dann erzählt, was passiert ist.
00:40:14: Das war zum ersten Mal, dass ich eine Menschen erzählt hab, was mir als Kind passiert ist.
00:40:21: Wie alt warst du da?
00:40:22: Dass ich mich offenbart hab.
00:40:25: Muss ich rechnen?
00:40:27: Ähm, Mitte vierzig.
00:40:32: Ja, Mitte vierzig.
00:40:34: Das heißt, deine Mutter und deine Oma haben auch nie davon erfahren?
00:40:39: Meine Oma hat nie davon erfahren, weil sie vorher gestorben ist, war auch schon mit der
00:40:47: Achtung.
00:40:49: Meine Eltern haben davon erfahren, und da ist wieder so ein Zufall aus dem Kreis.
00:40:57: Am Geburtstag meines Vaters saßen wir als Familie zusammen und Nachbarn waren noch da.
00:41:07: Und ich saß draußen in der Küche aus dem Esstem heraus.
00:41:13: Und da hab ich gehört, dass drin halt das Gespräch losging.
00:41:18: Ich hab dir schon gehört im Rad, wir haben sie gesagt.
00:41:22: Patres aus dem Uranium und Kinder missbraucht.
00:41:28: Und da kam meine Mutter raus zu mir und sagt, das wollte ich dich noch fragen.
00:41:34: Um welchen Patres ging's denn da?
00:41:36: Wer war denn das?
00:41:39: Und hab ich gesagt, ich möchte darüber nicht reden.
00:41:44: hat sich rumgetreten, ging wieder rein und hat natürlich nur gesagt, er will nicht darüber reden.
00:41:51: Und genau ein Jahr später, auch wieder Geburtstag meines Vaters, genau die gleiche Gesellschaft, die da saß, hab ich nach dem ersten, hab ich gesagt so, und jetzt erzähl ich euch, warum ich nicht darum beraten wollte von mir, und hab's dann erzählt.
00:42:13: Und bin dann wieder raus in die Küche, hab mich dahin gesetzt.
00:42:17: Und da kam meine Mutter zu mir und sagte, Mensch, warum hast du nichts gesagt?
00:42:24: Ich hätte dich direkt dort rausgenommen.
00:42:28: Da habe ich keine Antwort gegeben.
00:42:31: Und da kam mein Vater raus und hat meine Mutter, die katholischer war als Tapapst, sagte zu meinem Vater, du fährst mich morgen zum Rathaus.
00:42:45: Ich trete aus der Kirche aus.
00:42:49: was er letztendlich nicht gemacht hat.
00:42:52: Aber das lag auch daran, dass gesundheitlich sehr eingeschränkt war.
00:42:59: Das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das
00:43:02: war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war
00:43:05: ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war ... ... das war dass dieses Geheimnis kein Geheimnis mehr war.
00:43:31: Hattest du diese zwölf Männer, die sich dann gruppiert haben, um darüber zu sprechen, war da auch jemand mit dabei, den du kanntest, direkt kanntest?
00:43:42: Alle.
00:43:43: Alle.
00:43:44: Hattet ihr gegenseitig darüber gesprochen, was euch widerfahren ist?
00:43:47: Nachhin?
00:43:48: Nein, ja.
00:43:49: Wohl niemals im Detail, weil es wusste jeder.
00:43:55: Es war immer das gleiche Schema, das da angewandt wurde.
00:43:59: Nein, die Teilhörer waren nie darüber geredet.
00:44:03: War auch nicht Notwünsch.
00:44:05: Wurden die Männer dafür Belangtführerstraft haben?
00:44:09: Nee, also es war, die Taten waren verjährt.
00:44:14: Die Verlierungsfristen sind dann im Nachhinein letzten Jahren halt verändert worden.
00:44:23: Also strafrechtlich war es verjährt.
00:44:26: Man konnte es nicht mehr belangen.
00:44:28: Weißt du, es gibt ja auch ein katholisches Gericht.
00:44:31: Weißt du, ob sie über diesen Weg dafür belangt wurden?
00:44:34: Ja.
00:44:35: Was waren die Strafen dafür?
00:44:37: Die
00:44:37: Höchststrafe war für einen der Täter, dass er keine priesterliche und seelsorgerische Arbeit mit Kindern mehr machen darf.
00:44:51: Das war die Höchststrafe.
00:44:53: Das wäre genau so, wenn ein Dachdecker vor Gericht steht, weil er Kinder vergewaltigt hat und dann als Strafe bekommt, so du darfst nicht mehr als Dachdecker arbeiten, weil du wieder Zimmer machen oder sonst irgendwas.
00:45:10: Was hättest du dir gewünscht, wie die katholische Kirche darauf reagiert und welche Strafen sie hätten dafür bekommen sollen?
00:45:18: Ich hätte mir gewünscht, dass es heute noch so, dass die katholische Kirche Verantwortung übernimmt.
00:45:25: Wir wurden die ersten Jahre als Lügner hingestellt.
00:45:30: Uns hat niemand geglaubt.
00:45:32: Wir wurden hingestellt, dass wir die katholische Kirche kaputt machen wollen.
00:45:37: Dabei wollten wir einfach nur Gerechtigkeit.
00:45:39: Wir wollten nur, dass diese Leute sagen, ja, wollen.
00:45:44: Wir haben in unseren Reihen Verbrecher.
00:45:48: Aber bis heute wird es ... Mittlerweile können sie es nicht mehr ganz leugnen.
00:45:53: Aber ... Ja, wir wurden einfach nicht als Menschen wahrgenommen, an denen ganz schlimme Verbrechen verübt wurden.
00:46:05: Sind die Täter leben die heute noch?
00:46:09: Einer lebt noch.
00:46:12: Der Zweite, der ist Ende Dezember two-tausend treizend verstorben.
00:46:17: Und der, der noch lebt, hat ... Weißt du immer, genau waren zwei, zwei, treizend, zwei, vierzehn.
00:46:25: in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Riesenartikel gewidmet bekommen.
00:46:32: Für der Überschrift, ich habe sie ja nur gern gehabt.
00:46:37: Und der Artikel endet mit dem Satz, jetzt sitze ich im Kloster und weint, oder jetzt sitzt er im Kloster und weint.
00:46:53: Ich habe damals gedacht, mir schlägt jemand mit beiden Fäussen ins Gesicht.
00:47:02: Und war so wütend.
00:47:04: Und ich hab auch die Fazit anschreiben wollen, hat eigentlich die Mail schon fertig, wie die so jemanden solch eine Plattform bieten können, um das zu rechtfertigen.
00:47:21: Das war ja erst dann auch ein Artikel.
00:47:25: Klar, er hat halt die Jungs mal angefassen, dann ist er.
00:47:29: Durch Zufall auch mal sind die Hände weiter runtergerutscht.
00:47:35: Ich war damals so zornig.
00:47:37: Ich war wirklich zornig.
00:47:39: Es war keine Wut mehr, es war zorn.
00:47:44: Bis mir dann ein Journalist gesagt hat, bei dem ich mich nicht ausgeweint, aber dem ich gesagt habe, wie schlimm ich das von der FAZ finde, dass die, dem diese Plattform bieten, der Journalist sagt so, ne.
00:48:01: Er konnte damit der Öffentlichkeit klarmachen, wie heuchlerisch und wie verbrescherisch er zugegangen war, ohne zu merken, dass er sich da offenbart.
00:48:18: Ja, also, der lebt heute noch.
00:48:21: Wahrscheinlich sitzt er immer noch im Kloster und weint.
00:48:24: Wenn du jetzt könntest, würdest du ihm gerne etwas sagen?
00:48:28: Ich hab ... Weil der Orten ja gesagt hat, er nimmt uns als betroffenen Stative nett wahr.
00:48:39: Weil, wenn so was passiert sei, dann wäre das ein Einzelfälle gewesen.
00:48:47: Und sie waren auch nicht bereit, also die Ordensleitung mit uns als Initiative zu reden, aber Einzelgespräche würden sie machen.
00:48:56: Und hab ich damals gesagt, okay, ich treff mich mit dem Ordensoberen.
00:49:02: zum Einzelgespräch.
00:49:04: Der damalige Ordensobere, das ist heute auch noch mal, war drei Jahre älter, vier Jahre älter als ich war.
00:49:10: Also zu der Zeit, wo das Ganze passiert ist, genauso wie ich in der Nahtschwöhler, habe ich mit ihm getroffen.
00:49:20: Wir haben zwei Stunden geredet.
00:49:26: Und dann hat er mich gefragt, soll ich dafür sorgen, dass die beiden Täter, also das war von ihm auch gleich, Klar, Klausibilitätsprüge braucht man nicht zu machen.
00:49:39: Wir wissen, die haben es auch gestanden.
00:49:42: Da hat er mich gefragt, soll ich die hierher gemeinsam an den Tisch, dass sie mit ihnen reden können, habe ich gesagt, wenn sie jetzt nach Hause fahren und sich mit denen treffen und ihnen das erzählen, was ich ihnen gerade erzählt habe und sie das leugnen.
00:50:04: dann hätte ich gern, dass die beiden hier mit mir am Tisch sitzen.
00:50:10: Aber dazu kam es nie, weil sie halt nicht leugnen können und haben es auch wohl nicht gemacht.
00:50:18: Aber es würde mich ja nicht befriedigen, wenn ich jetzt in den Achtzigjährigen Mann da sitzen habe und der sich keiner Schuld bewusst ist, obwohl er weiß, dass auch zig Kinder verletzt hat, ganz schlimm verletzt hat.
00:50:38: Dass er mich anguckt und sagt, ja, ja, hab ich gemacht.
00:50:42: Bringt mir nichts, bringt meinen Freund nichts.
00:50:44: Bringt vor allem auch denjenigen meiner Freunde nichts mehr, die einfach nicht mehr da sind.
00:50:56: Ich habe einige, die sich zu der Zeit suicidiert haben.
00:51:03: Heute weiß ich, warum.
00:51:05: Aber es hat damals niemand nachgefragt.
00:51:09: Und das hat mich dann dazu gebracht, zu sagen, nee.
00:51:13: Ich muss auch für die kämpfen.
00:51:16: Ich muss für mich und die Gerechtigkeit für mich kämpfen, aber in erster Linie für die, die es nicht mehr können.
00:51:25: Und das treibt mich bis heute darin an meiner berufenden Arbeit.
00:51:31: Hast du das Gefühl, dass die, die sich suizidiert haben, auch eine Stimme bekommen?
00:51:38: und das ... Die, dass auch laut darüber gesprochen wird, warum sie sich soizidiert haben.
00:51:45: Damals im ersten Jahr habe ich mit einem guten Freund ja auch in der Initiative damals war und heute auch mit dem ich auch noch in Kontakt bin.
00:51:55: Da haben wir gesagt, wie wir es
00:51:57: schaffen,
00:51:58: unser Thema drei Wochen in der Presse zu haben, zu halten und der Öffentlichkeit, dann haben wir was geschafft.
00:52:07: Es sind jetzt fünfzehn Jahre.
00:52:10: Und das Thema ist dort angekommen, wo es hingehört, nämlich in die Mitte der Gesellschaft.
00:52:17: Heute sind die Leute offener, sie passen auf, sie schauen hin, sie hören zu und das ist das große Problem von uns gewinnen.
00:52:28: Und selbst wenn wir gesprochen hätten, es hätte uns niemand zugehört.
00:52:34: Es war eine Zeit da, ja, und wenn ich heute es ... Gefracht wird er, ihr habt ja was erreicht.
00:52:44: Oder hast du was erreicht in den letzten fünfzehn Jahren?
00:52:48: Kann ich sagen, ja.
00:52:49: Ich habe erreicht, dass das Thema drittes Bus hingehört.
00:52:53: Und dass, wenn ich ein Kind davor bewahren kann, dass er das widerfährt, dann habe ich sehr, sehr viel erreicht.
00:53:01: Und das treibt mich auch bis heute noch an.
00:53:04: Du sagst grad, ihr habt jetzt schon sehr, sehr viel erreicht.
00:53:08: Unter anderem, dass ihr sehr lange, sehr präsent in der Presse seid.
00:53:11: Was habt ihr noch erreicht als betroffene Initiative?
00:53:16: Ich weiß nicht, ob es mehr gibt als das, was wir erreicht haben.
00:53:21: Natürlich ist uns allen klar, wir können diese Verbrechen nicht verhindern.
00:53:29: Es wird sie immer wieder geben.
00:53:32: Aber es wird den Tätern schwerer gemacht.
00:53:38: Und das ist eigentlich etwas, wo wir stolz drauf sein können, zu sagen, es ... gibt diese Menschen immer noch die so was machen, aber es wird ihnen schwerer gemacht.
00:53:50: Und vor allem, es wird den Kindern zugehört.
00:53:56: Und das ist so ein Wechsel in der öffentlichen Wahrnehmung.
00:54:04: Dass es nicht mehr heißt, du kannst doch nichts gegen den Pastor sagen.
00:54:10: Heute wird den Kindern hoffentlich ... mehr zugehört.
00:54:18: Und das ist mir ganz wichtig.
00:54:25: Ja, das ist eigentlich ein Erfolg.
00:54:31: Ich habe dich ja gefunden, indem ich über die Aufarbeitungsstudie recherchiert habe.
00:54:36: Magst du uns dazu ein bisschen was erklären?
00:54:39: Also ich bin bei dieser Studie war ich von Anfang an mit involviert.
00:54:48: Die Studie Leiderin, die Frau Prof.
00:54:50: Schraut, gleich gesagt hat, ohne Betroffene kann sie diese Studie nicht machen.
00:54:58: Und ich bin auch Vorsitzender des betroffenen Beirats im Bistum Speyer und war da halt von Anfang an involviert, wusste natürlich auch, was da letztendlich drinsteht in der Studie.
00:55:15: Aber ich war so froh und das hat bei mir einiges bewirkt.
00:55:20: dass ich gesehen habe, okay, jetzt steht es hier schwarz auf weiß, von Forschern erfasst.
00:55:28: Und ich muss es nicht mehr erzählen und in der Hoffnung, dass mir jemand glaubt oder nicht.
00:55:42: Das war mir unheimlich wichtig.
00:55:45: Ist es auch jetzt noch, dass die Leute halt die Öffentlichkeit halt wirklich jetzt ... akzeptieren muss, dass wir keine Spinners sind, die irgendwie zum Blödsinn erzählen.
00:56:01: Was habt ihr jetzt schon nach zwei Jahren der Aufarbeitungsstudie herausgefunden?
00:56:07: Also man hat jetzt oder wir haben herausgefunden und die Öffentlichkeit hoffentlich auch, dass es bei den Taten nicht mehr sich um Einzeltäter und einzelne Fälle handelt, sondern dass das Ganze Ein System hatte.
00:56:26: Und was ich mir erwarte, von der zweiten Teilstudie, die in zwei Jahren rauskommt, dass Strukturen und Netzwerke, die es definitiv gab, halt auch offenbart werden.
00:56:43: Dass man herausfindet und letztendlich sagen kann, das Ganze hat ein System.
00:56:50: Es waren keine Einzeltäter.
00:56:54: Und das wäre mir unheimlich wichtig, wenn das bei der Studie herauskäme.
00:56:58: Mittlerweile, wie gesagt, nach der ersten Teilstudie muss es jedem klar sein, dass es diese Verbrechen gab.
00:57:08: Und die Betroffenen, die das anprangen, keine Lügner sind.
00:57:14: Und das war mir wichtig.
00:57:15: Und daher bin ich eigentlich froh, dass wir jetzt an dem Punkt sind.
00:57:25: Hast du irgendwelche Zahlen bezüglich dem Bistum Speyer?
00:57:29: Also das Bistum Speyer ist ja ein relativ kleines Bistum mit ca.
00:57:35: rund fünfhundertausend Katholiken.
00:57:39: Die Stuhl geblägt, dass es mindestens einhundertfünfzig Täter gibt.
00:57:47: Und das Dunkelfeld der Betroffenen ist natürlich ein vielfaches Größer.
00:57:53: Aber wenn man überlegt, hundertfünfzig Täter, jeder hatte zehn Opfer, können wir uns in etwa ausmalen, wie groß die Zahlen der Betroffenen sind.
00:58:06: Bernd, was wünschst du dir denn für deine persönliche Zukunft?
00:58:09: Also ich persönlich wünsche für uns, weil ich denke nicht an mich, ich denke an meiner Familie, dass ich irgendwann an dem Punkt bin, zu sagen, jawohl, ich habe jetzt erreicht, dass wir wahrgenommen werden als Betroffene, dass versucht wird, Gerechtigkeit herzustellen.
00:58:38: Und dass wir irgendwann meiner Frau und ich uns zurücklehnen können und sagen, okay, jetzt fangen wir wieder an zu leben ohne diese Grenzen, in denen wir uns seit fünfzehn Jahren bewegen.
00:58:56: Das wünschen wir euch auch und vielen lieben Dank, dass du dich getraut hast, uns zu offenbar und deine Geschichte zu erzählen.
00:59:03: Gerne.
00:59:03: Dankeschön und wir wünschen euch alles Liebe,
00:59:06: alles Gute für eure Zukunft
00:59:08: und natürlich ganz viel Erfolg für eure weitere Studie.
00:59:11: Dankeschön.
00:59:14: Du willst
00:59:15: selbst bei uns dabei sein oder hast einen Teamvorschlag?
00:59:18: Denn melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media.
00:59:21: Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, Denn Zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
00:59:31: Hol die Unterstützung bei professionellen Hilfeinrichtungen oder dir vertrauten Personen.
00:59:35: Bis zum nächsten Mal bei Von Bohne
00:59:38: zu Bohne.
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