Umgang mit dem Tod: Vater, Mutter, Bruder, Kinder #48 Sabine

Shownotes

Wie verarbeitet man den Verlust von fünf ungeborenen Kindern, den plötzlichen Tod von geliebten Geschwistern und die schmerzhaften Trennungen im Leben? Sabine erzählt von den dunkelsten Momenten ihres Lebens – von Fehlgeburten, Verlusten in der Familie und einer Ehe, die keine Liebe mehr kannte. Doch ihre Geschichte ist auch eine Geschichte der Stärke, der Heilung und des Neuanfangs. In dieser Episode sprechen wir über Trauer, über die Kraft der Vergebung und darüber, warum es so wichtig ist, über den Tod zu sprechen, um weiterleben zu können.

Zeitstempel: 00:00 - 03:25: Die erste Fehlgeburt 03:26 - 07:14: Wiederholte Fehlgeburten und die Reaktion des Ehemanns 07:15 - 09:58: Familienverluste 09:59 - 14:53: Eine Ehe ohne Liebe 14:54 - 18:22: Der Abschied von der Mutter 18:23 - 23:51: Wut, Trennung und Vergebung 23:52 - 28:55: Ein neuer Anfang 28:56 - 32:46: Der Weg zurück ins Leben


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Transcribed with Cockatoo

0:00:00Ich denke, die Geburt ist nicht richtig zum Frauenarzt. Und dann hatte ich schon, war Kind schon 14 Tage abgestorben. Und ich hatte schon eine beginnende Leichenvergiftung. Ich bin einmal mit dem Auto gefahren, habe ich einen gesehen, der lief über die Straße. Da habe ich im Auto wirklich überlegt, bremst du, dann gibst du Gas. Triggerwarnung.

0:00:23Bevor wir beginnen, möchten wir dich auf etwas Wichtiges hinweisen. Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig. Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Hörens unseres Podcasts wohlfühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst. In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Hörende verstörend sein könnten.

0:00:41Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor. Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden. Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist. Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne.

0:01:02Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste. Kein Name, keine Information, keine Themen. Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein. Ich bin Sanja und ich suche die Gäste. Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit spannenden Persönlichkeiten und faszinierenden Erlebnissen sind. Und genau die wollen wir mit euch teilen. Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?

0:01:27Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Mein Name ist Sabine und ich möchte über den Tod in meinem Leben sprechen. Den Tod? Okay, das hatten wir so glaube ich auch noch nicht. Was genau bedeutet für dich der Tod? Viele Todesfälle von ganz eng leben Menschen. Wo beginnt denn deine Geschichte? Meine Geschichte beginnt bei meiner ersten Fehlgeburt. Wie alt warst du da?

0:02:0222. Und keinerlei Verständnis von meinem Mann. Kannst du uns dafür ein bisschen die Beziehung zwischen dir und deinem Mann beschreiben? Da war die Beziehung noch gut. Aber dann fing er an nach der ersten Fehlgeburt, ich sollte mich nicht so anstellen, würde anderen Leuten auch passieren. Leben geht weiter.

0:02:27In welchem Monat ist das passiert? In der 16. Woche. Und wie hast du das gemerkt? Ich wusste gar nicht, dass ich schwanger bin. Ich hatte auch mal eine Periode weiter und ich kriegte solche Unterleibsschmerzen und dann auch geschwollene Arme, Beine. Ich denke, irgendwas ist nicht richtig. Zum Frauenarzt. Und dann hatte ich schon, war Kind schon 14 Tage abgestorben. Und ich hatte schon eine beginnende Leichenvergiftung. War Wasser in den Armen und in den Beinen. Der hat auch auf den Krankenwagen nicht gewartet. Da war ein Taxi-Stand vor der Praxis.

0:03:02Und dann sofort ins Krankenhaus und dann raus damit. Und wie wurde das entfernt? Warst du da in Narkose? Ja. Dann wurde es, wie der Arzt gesagt hat, zertrümmert und abgesaugt. Was hat es mit dir gemacht? Irgendwie war ein Teil von mir mit weg. Kam da gar nicht klar mit.

0:03:25Und vor allem bin da dann auch von meinem Partner keinerlei Verständnis. Meine Eltern waren für mich da. Waren Ärzte oder Ähnliches da, die dich unterstützt haben seelisch? Ja, noch nicht. Meine ersten Viertelgeburt noch nicht. Wie hast du das verarbeitet?

0:03:44Irgendwie weggeschoben. Tag und Nacht gearbeitet. Da war ich selbstständig, weil ich war mit dem Schausteller verheiratet. Also hast du Tag und Nacht gearbeitet,

0:03:56dann noch einen LKW-Führerschein gemacht, hab Transporter gefahren, um irgendwie gar nicht nachzudenken. Und dann nach anderthalb Jahren ist das das zweite Mal passiert. Wusstest du das? Auch nicht. Und dabei war aber auch ganz am Anfang.

0:04:07Wie hast du das gemerkt? Als ich auf Toilette ging und einen dicken schwarzen Klumpen im Klo hatte. Und da hat mein Mann noch nicht mal eine Woche geschafft, mir ein Stück Seife ins Krankenhaus zu bringen. Würdest du sagen, er hat es nicht geschafft, weil er es selbst nicht

0:04:33verarbeiten konnte oder weil er keine Empathie aufbringen konnte? Ich schätze mal, er konnte keine Empathie aufbringen, weil andere Sachen waren viel wichtiger. Was war für ihn wichtiger? Ein neues Auto zu kaufen, mit Kumpels unterwegs zu sein und dann mal eben im Krankenhaus mal vorbeizugucken. Guten Tag, auf Wiedersehen. Und da war es dann.

0:04:54Wo ich dann gesagt habe, du wolltest mir Sachen bringen, ja es ist ja unten im Krankenhaus kein Laden, da hat du ja was kaufen kannst. Kannst du uns bitte einmal ein bisschen beschreiben, wie eure Ehe sonst war? Wie lange ihr zusammen wart? Wir waren 28 Jahre zusammen. Warum, weiß ich heute nicht mehr.

0:05:16Habt ihr aus Liebe geheiratet? Damals ja. Da war ich 20 Jahre alt. Vielleicht habe ich mich auch so an ihn gehängt. Ich hatte mit 16 eine Vergewaltigung. Und da ich dann ihn irgendwie an eine Stelle geschoben habe, also da war auch ein ganz verständnisvoller Mensch,

0:05:33an eine Stelle geschoben, die für mich eigentlich gar nicht gut war. Wenn ich ihn gesehen habe, war er gar nicht wahr. Meinst du, dass du ihn idealisiert hast? Ja. Wie hast du ihn kennengelernt? Auch auf Kirmes. Da hatten wir so anderthalb Jahre Kontakt. Wir haben am Wochenende getroffen. Und irgendwann gut ist er mir auch. Hast du dich dann aktiv für das Schaustellerleben Irgendwann wurde es dann mehr.

0:06:06Hast du dich dann aktiv für das Schaustellerleben entschieden? Ja. Geräuschst du es? Über das Leben nicht. Aber durch mein Leben mit ihm irgendwie. Heute sehe ich das, als wenn ich mein Leben verschwendet habe mit ihm.

0:06:24Und dass ich irgendwann gelebt habe, was gar nicht war. Eine große Lüge gelebt habe. Ich habe nachher mal gemeint, er meinte ja, er wäre mein Vater, er könnte mir Vorschriften machen. Nach der dritten Fehlgeburt, am Wochenende war Pfingstkirmes in der Stadt, wo ich im Krankenhaus lag. Es war Freitagsabends die Fehlgeburt, sonntagsmorgens hat er mich abgeholt, auf dem Kirmesplatz, so zwischen zwei Tropfs. musste ich diese Heliumballons aufpusten, noch die Nadel, alles in der Hand.

0:06:57Und wie ich alles fertig hatte, dann wieder zurück zum Krankenhaus. Aber es hatte meine Arbeit getan. Wie alt warst du bei der dritten Fehlgeburt? 27. Hast du in der Zwischenzeit dich untersuchen lassen? Ja, und dann kam nachher raus, dass unsere Blutgruppen sich nicht vertragen.

0:07:14Nennt sich dann Resuskind. Dann entwickelt der Körper Antikörper und dann hat er ja auch gemeint dass ich das mit dem arzt empfunden erfunden hat um ihm die schuld dafür zu geben ja so darauf reagiert mit unverständnis und hat der arzt mir noch unterlagen mitgegeben hier kann jemand sich durchlesen und alles lüge nur um ihm ein schlechtes gewissen zu machen oder weißt ob man was dagegen machen kann ja

0:07:35Tage gibt es Spritzen. Wenn du merkst, dass du in Umständen bist, dann hast du nicht mehr das Risiko. Früher hattest du dann immer zu 80 Prozent, dass wenn dein Kind überlebt, es geistig oder körperlich behindert ist. Das wusste vorher gar keiner, weil wir davon betroffen sind. Hast du Angst gehabt davor, nochmal schwanger zu werden? Ich hatte Angst davor, das Kind dann wieder zu verlieren. Aber ihr hattet euch aktiv für eine Familie mit Kindern entschieden?

0:08:07Eigentlich ja. Und das ist mir dann insgesamt fünfmal passiert. Und dann ging es mir dann wieder nicht mehr mit Depressionen. In Bremen in die Klinik, da war ich dann zwölf Wochen, um das zu verarbeiten. Dazwischen starb dann mein Vater. Der hatte durch eine Blutkonserve bei einer Lapalier-Operation Hepatitis C. Der war dann elf Jahre Virusträger.

0:08:38Und es hat ausgebrochen. Und innerhalb von sechs Wochen war er dann tot. Und wie ich dann in der Klinik war, wie ich dann am Wochenende mal nach Hause fahren durfte, bin ich gar nicht nach Hause gefahren. Dann bin ich dann zu meinem ältesten Bruder gefahren und ich wusste nicht, was ich zu Hause sollte. Und der war dann auch wie ein Vater für mich, mein ältester Bruder. Gut verstanden. Und dann habe ich gedacht, es kann so nicht weitergehen.

0:09:05Bin ich nach zwölf Wochen auf die Außerklinik. Ich meine, es war besser mit den Gedanken, mit den Fehlgeburten, aber richtig verarbeitet. Kannst du sowas nicht. Und dann so ein Jahr später, ich habe fünf Brüder gehabt. Und einen von den Zwillingen, der ist fünf Jahre älter als ich, der ist zur Arbeit gegangen, ist mit dem Herzinfarkt umgefallen. Den haben wir so fast zwei Stunden wiederbelebt. Und er war dann nach drei Monaten im Wachkoma.

0:09:39Ist dann verstorben. Wurde mir noch gefragt, wie die Maschinen abschalten, weil er hat in drei Monaten nicht einmal selber geatmet. Und dann ist der verstorben. Da ist mein Mann dann noch notgedrungen mit zur Beerdigung gegangen. Aber irgendwie... Er war zwar anwesend, aber...

0:09:58irgendwie, weil er vielleicht musste. Hattest du das Gefühl, dass du dich von ihm verabschieden konntest? Von meinem Bruder? Ja. Ja, ich bin auch immer hingefahren, da wo er in der Klinik war, in seiner Koma-Klinik, und hat seine Lieblingsmusik vorgespielt.

0:10:15Und hat vorgelesen. Aber keine Reaktion. Und wir haben es versucht. Aber wir starben, bis er eigentlich den Tag vor Augen gefallen ist. Und das Schlimme war immer, ich hatte zwar fünf große Brüder, aber ich musste immer, wenn es war, meiner Mutter die Nachricht

0:10:33überbringen, ein Kind von ihr gestorben ist. Bei dem einen hatte er drei Monate Zeit, er hat sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen und hat nachher auch eingesehen, dass besser für ihn war, dass von ihm eigentlich nichts mehr da war. Aber trotzdem, sie war dann in der Klinik, hatte ein neues Knie, dann bin ich direkt hingefahren, hab mir einen Arzt direkt mit hochgenommen. Ich kann mir manchmal vor wie so ein Todesengel. Aber warum hat man dir die Verantwortung getragen?

0:11:01Ich weiß es auch nicht. Ob meine Brüder zu feig waren oder zu emotional, nicht konnten. Ich weiß es nicht. Meine Mutter hat mir früher schon immer gesagt, der Klügere geht nach, wenn zu Hause irgendetwas war mit großen Jungs. Lass es doch, lass es doch, mach doch. Und da saß sie irgendwie drin. Und eineinhalb Jahre später starb da mein ältester Bruder. Woran?

0:11:28Der hatte immer so an Nacht Atemaussetzer und so musste er so eine Maske tragen. Und dann ist seine Freundin, die lebt in Oldenburg, seine Freundin einkaufen gegangen, Samstags, morgens, vormittags, er hat sie auf den Couch gesetzt, Kaffee getrunken, Fernsehen geguckt, ist wohl beim Fernsehen gucken eingeschlafen, ohne Maske, wie sie nach Hause kam, war er steckt. Musste ich wieder meiner Mutter die Botschaft überbringen und nach zehn Tagen musste ich dann nach Oldenburg fahren. Ich musste ihn identifizieren, weil seine Freundin das nicht durfte, weil die nicht verheiratet war.

0:12:00Ich werde den Anblick nie vergessen, wie die Kühlschranktüren dann aufgingen und sie nach rausgezogen haben. Ich träume ich heute noch von runtergemacht und an diese dicke Wulst auf der Brust, wo sie draufgeknitten haben, dass meine Mutter auch dran zum Bauch hat. Meine anderen Geschwister, wir sind dann näher zusammengerückt, aber trotzdem, machen musste ich dann. Nachher waren die für alles da, ob Beerdigung oder eben auch dieser Schritt, auch zu meiner Mutter zu gehen und ihr Bescheid zu sagen. Die haben ein böses Gemeinde haben, die konnten eben nicht.

0:12:44Und die mussten irgendwie. Habt ihr mal darüber gesprochen? Ne, sollten wir vielleicht mal. Gab es irgendwo einen Ort, an dem du für dich trauern konntest? Ich habe eigentlich immer dann zu Hause gesessen, mir die Fotos angeguckt, Ich hab an viele Sachen gedacht, schöne Sachen, die ich mit ihnen hatte.

0:13:10Und wenn mir dann alles zu viel wurde, dann hab ich mein Auto vollgetankt, auf der Autobahn Gaspedal durchgedrückt. Dann kann man sagen, wie ich dann von hier so nach Hamburg gefahren bin. Ich wusste gar nicht, was machst du jetzt in Hamburg? Irgendwie um den Kopf einzukriegen. Und das war eine gefährliche Sache, man war ja immer so zwischen 180 und 220. Aber irgendwie war es befreiend.

0:13:42Auf jeden Fall habe ich mich dann von meinem Mann getrennt. Ich wollte nicht mehr. Ich habe da noch mal eine Zwischenfrage. Hatte dein Mann in irgendeiner Art und Weise mit irgendeinem Tod in deiner Familie Verständnis für dich? Weil mein Vater starb. Die beiden hatten auch ein sehr gutes Verhältnis, die beiden.

0:14:05Und nachdem mein Vater tot war, hatte ich den Eindruck, dass mein Mann dann meinte, er wäre mein Vater. Hattest du das Gefühl, dass er auch um deinen Vater getrauert hat? Ein bisschen, ja. Wie hat sich das ausgedrückt, wenn er signalisiert hat, dass er jetzt das Familienoberhaupt ist?

0:14:20Er meinte, er könnte Befehle geben und ich habe die auszuführen. So, du machst jetzt das und das und das. Oder wenn du ein Geschäft hattest, ich hatte am Geschäft zu stehen, Geld einzunehmen und er kam dann nur beim Feierabend und holte das Geld ab. Zum Beispiel. Wie lange hast du das so mit dir machen lassen? 28 Jahre. Viel zu lange. Und auch zwischen dem Zeitraum, was er für sich jetzt befohlen hat, ich bin dein Familienoberhaupt und du hast zu tun, was ich mache. Da fing ich langsam an rebellisch zu werden und mir nicht mehr alles gefallen zu lassen.

0:14:53Wie hast du das gemacht? Wie hast du das signalisiert? Ich habe gesagt, nein, mache ich nicht. Ich mache das und das. Und dann habe ich auch meinen Gewerber abgemeldet, habe mir eine Arbeit gesucht und mit einer Art von vernünftiger Arbeit bin ich arbeiten gegangen. Ich habe mein eigenes Geld verdient, da ich selbstständig bin für mich, da ich von ihm nicht abhängig bin. Wie hat er das aufgenommen? Irgendwie hat er am Anfang gar nicht, glaube ich, geglaubt.

0:15:23Irgendwie hat er nicht verstanden, dass ich auf einmal jetzt nicht mehr funktioniere. War die komplette Familie von ihm auch Schausteller und damit dort auch am Platz? Seinen Vater kannte er nicht, seine Mutter ist früh gestorben und dann haben sie einen Schausteller, Ehepartie, und dann aufgenommen und aufgezogen. Da war er 13 Jahre alt. Meinst du, dass davon das auch kommen könnte, dass er empathielos in vielen Momenten deines Lebens war? Durch seine Kindheit. Das habe ich mir auch schon überlegt, ja.

0:15:53Weil er vielleicht viele Sachen gar nicht kannte. Liebe, Geborgenheit. Konnte er in anderen Momenten für dich Empathie aufbringe? Ja, die ersten Jahre ja. Und so waren zwei verschiedene Menschen am Anfang und nachher. So Dr. Jekyll, Mr. Hyde. Du hast jetzt davon berichtet, dass dann letztendlich dein Bruder verstorben ist.

0:16:14Wie ging es danach weiter, nachdem er letztendlich... Ja, da ist er auch nicht mit zur Beerdigung von meinem ältesten Bruder. Er hatte was anderes zu tun gehabt. Und dann habe ich mich getrennt. Da wurde auch meine Mutter sehr krank. Und dann bin ich zu ihr gezogen, hab sie gepflegt, hab mit bei ihr im Zimmer geschlafen, weil sie mich nachts brauchte mit ihrem Sauerstoffgerät und ich weiß nicht, was alles.

0:16:36Wie lange hast du sie gepflegt? Zweieinhalb Jahre, bis sie gestorben ist. Ich hab gesagt, dann bin ich mit ihr zum Krankenhaus gefahren, die hatte immer so viel Wasser im Körper. Und da hat sie zu mir gesagt, sagte, Sabine darfst mir nicht böse sein, dass ich da nicht rauskomme.

0:16:54Sag Mama, soll ich das erste Mal? Nein, diesmal komme ich nicht mehr. Nun kamen meine anderen Brüder dann, die waren auch alle verteilt, in Deutschland und da hat sie zu uns gesagt, so wir möchten jetzt alle nicht böse sein, aber sie hat sich jetzt lange genug um uns gekümmert. Meine anderen beiden Brüder würden auf sie warten, wir haben mit denen verabredet und da müssen sie jetzt hin und wir möchten sie mitsterben lassen. Und da haben wir gesagt, Mama, dann lass los, dann geh. Da war sie 87,

0:17:29Körper funktioniert gar nicht mehr, der Kopf war glasklar, sie sagte immer, schöner wäre es umgekehrt gewesen, dass sie nicht alles so mitbricht. Und dann ist sie auch eingeschlafen. Und das schmerzverzerrte Gesicht, aber auf einmal ganz locker und zufrieden. Gab es einen Unterschied in der Wahrnehmung des Schmerzes zum Tod im Vergleich zu deiner Mutter und zu deinen Brüdern? Ja, meine Brüder, der eine der zuerst gestorben ist, war 48, der andere war 52 wie die gestorben sind.

0:18:04Die haben ihr Leben noch vor sich gehabt. Und meine Mutter, die war 87. Ich weiß ja, was sie an Schmerzen hatte, was sie mitgemacht hat. Und da war eigentlich eine Erlösung für sie. Das heißt, du konntest ihren Tod besser verarbeiten? Ja.

0:18:23und jetzt geht es ihr besser. Sie braucht sich nicht mehr quälen mit den Schmerzen. Es war hart, Mutter hat so viel gehabt, ist immer hart. Aber für sie war es besser. Gab es irgendwann in dem Zeitpunkt jemanden, an den du dich wenden konntest, bei dem du dich geborgen gefühlt hast? Ja, mein, von dem, der andere Zwillingsbruder. Hierüber war der Bernd.

0:18:52Die waren immer für mich da. Und dann zog auch ein anderer Bruder, der wohnte hier. Meine Eltern wohnten im Münsterland. Der ist dann auch da hochgezogen, um mich zu unterstützen, meine Mutter zu pflegen. Das war auch große Halt. Wir waren dann richtig zusammengeschweißt. Da hat auch einmal einer meine Stunde zum Durchatmen. Da haben wir uns gut ergänzt.

0:19:14Da haben wir uns gegenseitig unterstützt. Das war schon gut. Und man konnte auch damit reden, auch wohin mit seiner Trauer. All dem ging es ja auch nicht anders. Was hat dir in der Zeit Kraft gegeben? Kraft hat mir gegeben der Gedanke,

0:19:31dass es meiner Mutter besser geht, dass sie da ist, wo sie hin möchte, wo sie glücklich ist. Wie ging es für dich danach weiter? Hast du für dich beschlossen, neue Wege zu gehen? Ein Bekannter, der hatte eine Gaststätte und die Tochter hatte Brustkrebs. Dann habe ich ihm sonntags immer geholfen, in der Kneipe. Und dann kam dann irgendwann so ein ganz alter Holländer, der sah aus als wäre er 150 Jahre alt, so schrumpelig. Und dann sagt er zu mir, hätten Sie mal fünf Minuten Zeit für mich? Ich denke doch, vielleicht will er irgendwo hin, weiß nicht.

0:20:15Ich sage, ja. Er ist gekommen, um mir zu sagen, meine beiden Brüder, genau wie die aussahen, die würden daneben stehen. Da unten ein kleiner, decker Mann mit Zigarre im Mund, aber der Vater von meinem Vater. Ich denke, das gibt es doch gar nicht. Da habe ich auch nie mit einem darüber gesprochen. Da standen mir die Haare hoch, musste weinen, habe mich umgedreht, Tränen abgeputzt, drehte mich um, ist der Mann weg. Ich sagte zu den anderen an der Theke, wo ist denn der Mann, der gerade hier stand? Was für ein Mann?

0:20:52Und auch da war ich in der Lage, die Fehlgeburten zu verarbeiten, richtig. Und hatte jetzt wirklich, dass alle zusammen sind, schon die gegangen sind. Und irgendwann, wenn ich dran bin, bin ich auch dabei. Und es hat sehr geholfen. Ich weiß nicht, ob das ein Engel war, keine Ahnung. Welches Gefühl ist dabei für dich aufgekommen und was für ein Gefühl kommt jetzt? Ein furiges, gutes Gefühl.

0:21:18Gibt dir das heute noch Trost? Ja. Weil ich weiß, da ist noch irgendwas und ich werde sie wiedersehen. Was verbindest du jetzt mit dem Gedanken des Todes? Jetzt verbinde ich damit, dass es eigentlich ein normaler Ablauf ist im Leben, aber trotzdem, dass man nicht schweigen sollte und nicht in sich reinfressen sollte und darüber

0:21:40reden und sich Hilfe suchen sollte. Unterstützung, wenn man sie nicht hat. Hattest du noch mal versucht Kinder zu bekommen? Nein. Weil du für dich das Thema abgeschlossen hast, dass du gesagt hast, dass das... Mit meiner Mutter dann, die verstorben ist, da ging es auch los mit der Wechseljahre. Hättest du es gerne nochmal versucht? Ja, ich hätte gerne Kinder. Jetzt bin ich hier die Mutter für alle.

0:22:06Du hast gerade eben gesagt, du hast das richtig verarbeitet, die vier Geburten. Was meinst du damit genau? Früher war das Schlimmste, was mir passieren konnte. Meine Kinder, tot, nicht da. Und jetzt weiß ich, es sollte vielleicht nicht so sein. Auch vielleicht durch die Krankheiten, die da hätten kommen können.

0:22:26Dass Gott sich dann gedacht hat, ich nehme sie zu mir. Meine Mutter passt jetzt drauf auf. Und irgendwann habe ich sie doch, meine Kinder. Und dass es denen auch gut geht. Dass sie nicht irgendwo mit dem Beutel im Labor gelandet sind oder so. Machst du den Ärzten auch Vorwürfe?

0:22:44Ich meine, damals, als ich schwanger war, da waren die noch nicht so weit wie heute mit diesen ganzen Tests. Wenn was war, haben die getan, was sie konnten. Aber ich hätte vielleicht psychologische Hilfe geben müssen. Hast du das einmal gemacht? Ja, als ich damals in Bremen da war. Aber da bin ich freiwillig gegangen. Aber danach, hast du das danach nochmal gemacht?

0:23:04Ja, mit Gesprächen. Nur, was ich immer abgelehnt habe, waren diese Medikamente, die ich dann durchgegend laufe wie ein Zombie. Haben die Gespräche danach was gebracht? Ein bisschen. Ja, die haben mir, glaube ich, auch die Anstöße dazu gegeben, mich dann endlich von meinem Mann zu trennen, aus dieser Situation rauszugehen. Würdest du sagen, dass der Abstand zu deinem Ex-Mann, heutigen Ex-Mann, dir auch geholfen hat, um das Ganze besser zu verarbeiten?

0:23:33Ja. Weil die erste Zeit hat sich dann auch so eine Wut aufgestaut. Ich bin dann mal mit dem Auto gefahren, habe ich ihn gesehen, der lief über die Straße. Da habe ich im Auto wirklich überlegt, bremst du? Oder gibst du Gas? Aber er hat mich doch für das Bremsen entschieden.

0:23:52Also so weit hat er mich gebracht, da habe ich gedacht, nein, du musst Hilfe holen. Das geht nicht, kann nicht sein. Das bedeutet, du hast sehr viel Wut für ihn empfunden. Ja, nachher ja. Hast du heute noch Wut für ihn? Ne, wo ich denn hier war? Ich hatte vorher mit Gott nie, der war aber mehr irgendwie nicht. Hier habe ich den kennengelernt und dann habe ich mit der S-Bahn mal so ein Vergiebungsseminar gemacht und da habe ich meinen Mann vergeben und seitdem geht es

0:24:25mir besser, seitdem schlafe ich nachts durch. Heute würde ich sagen, ja, schönes Leben. Können mal einen Kaffee trinken gehen, aber da fahrt auch. Hast du ihm das auch gesagt, dass du ihn vergibst? Ich habe ihn noch nie wieder gesehen. Er hat da keinerlei Kontakt zu. Hättest du Interesse daran? Interesse nicht, nein.

0:24:48Aber ich habe keine Wut mehr auf ihn. Ich wünsche ihm alles Gute und fertig. Wie ist das Verhältnis zu deinen Geschwistern heute? Also meine drei Brüder, die noch leben, wären ein super Verhältnis. Mit dem einen telefoniere ich ungefähr dreimal am Tag. Der wohnt 100 Kilometer weg. Der hat immer Fragen über das MHW-Datum von irgendwelchen Lebensmitteln in seinem Kühlschrank, ob er noch essen kann. Der ist 68, aber er lernt nicht aus. Der andere wohnt hier ein paar Straßen weiter. Auch sehr guten Kontakt. Und der andere ist immer ein

0:25:23bisschen schwierig für uns alle über seine Ansichten mit Politik und du kommst nicht mehr zu Wort, wenn er einmal anfängt. Aber wir haben ein gutes Verhältnis und wenn einer Hilfe braucht, sind die anderen da. Konntet ihr oder habt ihr gelernt nach all dem was euch widerfahren ist, besser miteinander zu kommunizieren? Ja und auch überhaupt näher zusammen zu rücken. Wie hat sich das ausgedrückt? Früher hatten wir immer so sporadisch mal

0:25:50telefonischen Kontakt, weil wir auch weiter auseinander wohnten. Heute treffen wir uns viel mehr, unternehmen gemeinsam was oder ruft mal abends einer an. Wie geht's dir? Hast du irgendwas auf der Seele? Würdest du auch sagen, dass wenn dir heute etwas Schlimmes widerfährt, dass du auch direkt in Kontakt zu deinen Geschwistern suchst? Ja. Der eine hatte jetzt einen Schlaganfall. Der zweite Zwilling.

0:26:16Da waren wir alle direkt da. Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Weil er sofort ärztliche Hilfe hatte. Er war erst halbseitig gelähmt. Nach drei Tagen ließ er alles nach. Wieder komplett hergestellt. Bereitet dir das Sorgen, wenn du darüber nachdenkst? Ja, mir bereitet dann Sorgen, dass sein Sillingsbruder einen Herzinfarkt hatte, der nie

0:26:38was mit dem Herz hat. Und dann kommt er dann jetzt mit einem Schlaganfall und so. Dann denke ich immer, na, der lässt sich gut untersuchen. Würdest du behaupten, du hast Angst vor dem Tod? Ja, da sind noch mehr Familienmitglieder, alle so. Ich meine, jeder ist irgendwann dran. Aber da waren immer wie so Granateneinschläge um mich herum, ne?

0:27:01Und wenn du an deinen eigenen Tod denkst eines Tages? Ja. Dann bin ich bei meinen Eltern, meinen Geschwistern, meinen Kindern. Kann nur besser werden. Siehst du das eher als Erlösung? Ja, manchmal ja. Das heißt für dich sind die Tage manchmal auch einfach noch sehr leidvoll. Ja.

0:27:13Was machst du dann, um da rauszukommen? Ich mache zum Beispiel hier mit den anderen mein Blödsinn. Manchmal kommen mir vor, wieder Pausen zu klauen. Manchmal habe ich auch den Eindruck, je schlechter es mir geht, je mehr Quatsch mache ich, um dann irgendwie zu überspielen. Aber da ist schon einiges besser geworden. Und jetzt bin ich auch in der Lage, wenn ich was habe, mit den anderen darüber zu reden,

0:27:38was ich vorher nie getan habe, immer so nach dem Motto, wie es innen aussieht, geht keinem was an, immer Poker-Face. Das tue ich nicht mehr. Da habe ich einiges gelernt. Wir befinden uns gerade in der Oase. Was hat Dich dazu gebracht, hierher zu kommen?

0:28:04Ich habe auch im Münsterland gelebt und ich wollte da unbedingt weg. Und dann auch, wie mein Leben dann weiterging, bin ich auch wieder an einen verkehrten Mann geraten, wo es dann finanziell drauf aus war, dass ich dann sogar meine Wohnung verloren habe. Und dann bin ich wieder hier nach Velbert hin und ich wollte meine Brüder, die haben kleine Wohnungen, und möchte ich auch nicht da. Ich meinte, die können mich mal für ein paar Wochen aufnehmen, aber sonst... Und dann sagte mein Bruder hier, Esther, Oase, geh doch da mal hin.

0:28:38Und das war das Beste, was mir passieren konnte. Was hat das für dich verändert? Was hat das für mich verändert? Wieder das Leben als lebenswert zu sehen. Ich habe hier Gott kennengelernt. Befreiung, irgendwie als wenn er auch der Stachel drab

0:28:56vom Herz ist. Früher habe ich, wenn ich geweint habe, nur vor Wut. Dann haben die Nase Flügel gebebt, dann heute weine ich, sobald ich bete. Weil, das tut doch gut, wenn es

0:29:08irgendwie reinigt. Ich fühle mich hier richtig wohl. Und die Esther, die ist irgendwie wie eine große Schwester. Das sind auch die anderen Bewohner. Wir haben ein super Verhältnis. Das ist einer für den anderen da.

0:29:19Da ist mal eine dazwischen, die läuft ein bisschen schräg. Aber das sind ja auch alle nicht umsonst hier. Wir haben ja alle ihren Rucksack, ihren Problemen. Und wir helfen auch super untereinander. Das ist gut hier. Hattest du Freundinnen oder ähnliches, die für dich da waren?

0:29:44Ja, habe ich heute noch. Da treffe ich mich immer mit. Wir waren zusammen in der Schule. Wir kennen uns jetzt 55 Jahre. Das treibe ich auch jeden Tag mit, wenigstens. Wir treffen uns in der Stadt zum Kaffee. Hattest du das Gefühl, dich ihnen anvertrauen zu können in der Zeit?

0:30:03Ja. Aber da war auch eine Zeit, zum Beispiel sie hatte dann Scheidung und auch keine leichte Zeit mit sich, aber wir haben nie den Kontakt verloren, obwohl wir 100 Kilometer auseinander gewohnt haben. Und heute sind wir wieder wie früher. Wo wir früher aufgehört haben, haben wir heute wieder angefangen. Und das ist schön. Und jemand vor allen Dingen, den du bedingungslos vertrauen kannst, wo du auch weißt, dem kannst du alles erzählen,

0:30:31da kommt nichts von ans Tageslicht. Egal was du sagst. Und umgekehrt ist genauso. Warst du hier schon mal mit einem ähnlichen Schicksal konfrontiert, was dich vielleicht auch zurückgeholt hat an deine Erinnerungen? Nein. Ich meine, hier sind einige, die früh ihre Mutter verloren haben, aber da waren ganz

0:30:53andere Fälle. Bei einer kann ich nachvollziehen, dass das sehr schlimm ist, aber da möchte ich jetzt nicht drüber sprechen, was ihr da widerfahren ist. Aber da kann ich mich dann... und so wäre ein Horror für mich gewesen. Und das ist dann irgendwie mein Credo, diese Leute zu unterstützen, mit ihnen zu reden, was sie vielleicht nicht mit Esther besprechen wollen, dann bin ich dann da, um mit ihnen auszutauschen, wie ich verschiedene Sachen bewältigt habe, vielleicht denen einen kleinen Weg zu zeigen, wie sie vielleicht besser damit klarkommen.

0:31:31Und ich glaube, da habe ich ihr schon einigen geholfen und unterstützt. aber das ist nichts, was in mir jetzt alte Sachen hoch holt. Und seit diesem Vergebungsseminar habe ich eigentlich mehr die positiven Sachen im Kopf. Welche meinst du damit? So was mir so im Leben war überhaupt, so mit der Ehe und und und. Aber diese negativen Sachen, die eigentlich Balken gezogen. Und ich habe mich auch, nachdem ich hier war, nach einem halben Jahr taufen lassen und dann irgendwie einen Strich gezogen, neu anfangen, alte Leben hinter sich lassen.

0:32:11Was gehört für dich für dein Neuanfang dazu? Ja erstmal jetzt gesundheitlich wieder richtig auf die Beine zu kommen und dann gucken wir eine Perspektive noch, ein bisschen arbeiten bis zur Rente, wie sie immer tun. Und Esther zu unterstützen, bis sie genug Mitarbeiter hat. Kann ja auch nicht alles alleine. Die Frauen unterstützen und die Frauen, die wissen auch, die können Tag und Nacht bei mir klopfen, wenn sie Probleme haben. Hier aber auch wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

0:32:46Planst du schon hier auszuziehen? Nein, noch nicht. Was brauchst du dafür? Weiß ich noch nicht. Im Moment fühle ich mich hier sauwohl. Zu Hause eben. Große Familie. Wenn du zurückdenkst an deine Fehlgeburten, was hättest du in dem Moment gebraucht? Menschen mit richtig Verständnis, oder vor allen Dingen von meinem Mann Verständnis dafür,

0:33:19dass wir die Sachen zusammen durchstehen und ich nicht damit alleine stehe. Mir kam mir nachher vor, als wenn ich die Schuldige so wäre. Da hätte ich so ein bisschen von ihm auch mal Gefühle bekommen werden. Und da wird es zusammen durchstehen, vor allen Dingen. Schulter an Schulter und nicht gegeneinander. Es ist alles nur noch schlimmer durchgeworden. Was empfiehlst du Ehepaaren, die eine Geburt verkraften müssen?

0:33:51Vor allen Dingen darüber sprechen, nicht totschweigen und sich gegenseitig unterstützen und sich Hilfe holen und nicht damit alleine stehen und vor allen Dingen keine Vorwürfe machen, eine an der anderen oder zusammen alles durchstehen. Hand in Hand und nicht gegeneinander. Fühlst du dich manchmal noch hilflos bei dem Gedanken, dass du deine fünf Kinder verloren hast? Ja. Zuerst habe ich immer gedacht, was habe ich Gott getan? Hat er mich so straft? Früher habe ich immer gedacht, es kann keinen gerechten Gott geben, sonst würde er das nicht zulassen. Aber dann kam das,

0:34:37wenn ich um diesen Jesus ging, und ich denke, vielleicht wäre es doch besser, wenn sie körperlich und geistig behindert wäre, weil wer ist denn geworden, wenn ich da nicht mehr da gewesen wäre? Er hätte sich dann drum gekümmert. Hast du das Gefühl, dass du den Tod deiner Kinder komplett verarbeitet hast? Ja, das war fast komplett. Was braucht es noch? Ich weiß es auch nicht.

0:35:01Manchmal denke ich gar nicht dran. Ich denke nur, es sollte so sein, die sind bei Mama. Aber andersrum denke ich dann immer, warum hast du nicht wenigstens ein Kind? Oder du mir deine Liebe geben konntest. Also im Hinterkopf habe ich das hundertprozentig immer noch. Im Herzen auch.

0:35:27Aber ich glaube, das Schlimmste ist weg. Aber es ist auch schon bald 40 Jahre her. Was würdest du anderen Menschen empfehlen, die ein Familienmitglied verlieren. Zu übersprechen. Und für einen Platz zum Trauern. Den Menschen im Herzen zu behalten.

0:35:48Und nicht so in Vergessenheit geraten lassen, wie manche tun. Die meinen, die gehen dreimal im Jahr auf den Friedhof und stellen Straußblumen hin und gut wäre. Vor allen Dingen immer reden, reden, reden, nicht in sich reinfressen, da wird man krank von, da macht die Seele krank. Sprechen. Den Menschen Gedanken nicht sterben lassen. Und bei sich behalten.

0:36:17Was machst du dafür? Was ich dafür mache? Ich denke viel an meine Brüder, meine Eltern, spreche mit meinen anderen Geschwistern viel über die Anekdoten. Wir waren immer eine ganz lustige Familie. Da sprechen wir viel und lachen dann ordentlich, was alles passiert ist im Leben. Also die positiven Sachen alle.

0:36:44Wir haben auch schon mal über die Todesfälle geredet, was denen passiert ist, warum das so gekommen ist. Aber überwiegt auch darüber, dass wir uns in guter Erinnerung behalten und im Herzen behalten vor allen Dingen. Sind nicht in Vergessenheit geraten. Das hilft. Und ich würde auch jedem raten, sprecht über eure Toten. Lasst sie nicht, lasst sie im Herzen nicht sterben. Behaltet sie im Herzen.

0:37:26Ich werde sie irgendwann wiedersehen. Was wünschst du dir? Was wünschst du dir jetzt für die kommende Zeit für dich? damit vor allem, dass ich irgendwann wieder wirklich arbeiten gehe, meine eigene Wohnung habe, auf eigenen Füßen stehe und das Leben wieder lebenswert ist und ich machen kann, wonach mir drin steht. Kannst du dir vorstellen, nochmal einen Partner in dein Leben zu lassen?

0:37:55Im Moment nicht. Im Moment nicht. Wer weiß, wenn der richtige Mann kommt, das ist noch niemals nie. Danke dir, danke dir, dass du deine wirklich, wirklich inspirierende Geschichte mit uns geteilt hast. Danke dir und wir wünschen dir alles Liebe und alles Gute für dich und deine Zukunft. Und ich danke euch. Zwei so super Frauen und ich hoffe, dass du vielleicht anderen damit helfen kannst. Das wünschen wir uns auch.

0:38:29Ja, danke. Hier noch eine Anmerkung. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, bitte zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol die Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen. Bis zum nächsten Mal bei Von Bohne zu Bohne.

0:38:47Du willst selbst bei uns dabei sein? Dann melde Dich auf unserer Webseite oder unsere Social Media.

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