Mein Vater hat mich zerstört #47 Michael Stahl

Shownotes

Wie findet man Frieden nach einer Kindheit voller Gewalt und Ablehnung? Michael Stahl erzählt seine Lebensgeschichte – von Armut und Misshandlung durch seinen alkoholkranken Vater bis hin zu seinem Aufstieg als erfolgreicher Personenschützer. Doch Ruhm und Erfolg reichten nicht aus, um die inneren Wunden zu heilen. Erst als er sich auf den schwersten Weg seines Lebens begab – die Versöhnung mit seinem Vater – begann seine echte Transformation. In dieser Folge sprechen wir über die Kraft der Vergebung, den Einfluss von Eltern auf ihre Kinder und warum echte Stärke nicht im Kampf, sondern in der Liebe liegt.

Zeitstempel: 00:00 - 05:29: Kindheit 05:30 - 12:23: Mobbing in der Schule 12:24 - 19:30: Obdachlosigkeit, Einstieg in den Sicherheitsdienst 19:31 - 24:55: Entfremdung vom Vater und persönlicher Erfolg als Personenschützer 24:56 - 29:41: Der Wendepunkt: Versöhnung mit dem Vater 29:42 - 35:50: Beziehung zum eigenen Sohn 35:51 - 44:24: Vergebungsprozess, persönliche Transformation und heutige Arbeit 44:25 - Ende: Gedanken über das Leben

Kontaktinformationen Michael Stahl: Webseite: https://www.protactics-stahl.de/

Buch: https://brunnen-verlag.de/190957/kein-herz-aus-stahl.html

liebe #alkoholkrank #vatersohn #familienbeziehung #personenschutz #personenschützer


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Transkript anzeigen

Transcribed with Cockatoo

0:00:00Mein Vater hat auch manchmal gesagt, man hätte dich bei der Geburt aushäufen sollen. Und ich schrie zurück, du undankbarer Mensch, ich will nie wieder Kontakt mit dir haben, geh mir aus den Augen. Und dann kam November 2007, der mein ganzes Leben verändert hat. Triggerwarnung. Bevor wir beginnen, möchten wir dich auf etwas Wichtiges hinweisen.

0:00:23Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig. Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Hörens unseres Podcasts wohlfühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst. In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Hörende verstörend sein könnten. Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.

0:00:41Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden. Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist. Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne. Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.

0:01:03Kein Name, keine Information, keine Themen. Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein. Ich bin Sanja und ich suche die Gäste. Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit spannenden Persönlichkeiten und faszinierenden Erlebnissen sind. Und genau die wollen wir mit euch teilen. Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen? Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Mein Name ist Charlotte.

0:01:33Mein Name ist Sanja. Ich bin der Michael. Und ich würde gerne über das Thema Väter und Söhne sprechen. Oh, cool! So etwas hatten wir noch gar nicht. Kurz Zeit. Das freut mich. Okay, was bedeutet für dich genau Väter und Söhne? Du in der Rolle als Vater oder du in der Rolle als Sohn? Oder vielleicht beides?

0:01:51Beides, aber in erster Linie in meiner Rolle als Sohn. Wo würdest du da gerne starten mit der Geschichte? Ja, am liebsten von Anfang an. Und zwar, ich bin am 6. September 1970 geboren. Und das, was ich erzähle, muss ich dazu sagen, da hat mein Papa mir die Genehmigung gegeben, das zu erzählen. Er war Alkoholiker, er war ein Schläger, er war im Gefängnis.

0:02:14Und ich bin mit Sätzen aufgewachsen wie, du bist nichts, du kannst nichts, aus dir wird nichts. Und das hat mich geprägt. Und so bin ich groß geworden, so bin ich in die Welt gestartet. Wie lange ging das denn so? 37 Jahre. Wow. Also Gewalt habe ich erlebt bis zum 18. Lebensjahr.

0:02:31Wow. Hast du dich auch mal gewehrt? Ich habe mich, glaube ich, einmal gewehrt und jetzt muss ich gerade überlegen, wann das war. Da war ich ca. 28, 29. Da ist er auf meine Mutter losgegangen. Da habe ich ihn gepackt und habe ihn dann ins Bett geworfen. Aber da habe ich mich schlecht gefühlt. Hast du Geschwister? Ich habe Geschwister, zwei wo ich weiß und dann habe ich noch

0:02:50ein, zwei Geschwister. Also es gibt wahrscheinlich noch einen Bruder, das weiß ich nicht. Es gibt auch niemand mehr, wo mir das sagen könnte. Und dann habe ich noch eine Halbschwester, die habe ich einmal in meinem Leben gesehen. Sie liegt mir sehr im Herzen. Ich habe ihr geschrieben, ich habe sie ja auch schon aufgesucht zweimal. Aber da mein Vater sich kein einziges Mal um sie gekümmert hat, hat sie gesagt, aus der Ecke will ich nichts wissen. Und das respektiere ich. Aber ab und zu schicke ich mal ein Briefchen und eine Botschaft.

0:03:23Du hast gesagt, du hast noch zwei Geschwister, mit denen du aufgewachsen bist? Genau. Okay. Und du bist der älteste, jüngste, mittlere? Ich bin der älteste. Meine zwei Schwestern sind, die eine ist fünf Jahre jünger und die andere elf Jahre jünger. Haben deine Geschwister auch Gewalt erlebt? Eher in psychischer Form.

0:03:40Allein schon durch die Umstände. Der Vater ging nicht arbeiten. Wir waren unfassbar arm. Ich habe bis zum 14.15 Leben in seinem Schlafzimmer mit den Eltern verbracht. Und wir waren eigentlich doof bekannt als die Asozialen. Hat deine Mutter gearbeitet?

0:03:57Meine Mama hat nach dem Rechten geschaut, sage ich mal so. Meine Mama ist jetzt 73, ist nur ein bisschen älter als ich. Sie liebt es, in der Bäckerei zu arbeiten. Sie ist eine ganz tolle Frau. Aber sie ist selber ohne Vater groß geworden. Das zieht sich manchmal durch. Sie arbeitet jetzt noch stundenweise in der Bäckerei, weil sie gut tut. Aber damals, zu dieser Zeit, hat sie nicht gearbeitet. Da hat sie im Prinzip den Haushalt geschmissen und uns irgendwie durchgebracht. Wie war denn die Bindung zu dir und deiner Mutter?

0:04:33Die war eigentlich ziemlich gut. Allerdings konnten wir bis vor 13, 14 Jahren nie über die Tiefe unseres Herzens sprechen bzw. sie, weil sie ja auch ihre eigenen Wunden und Kämpfe noch hat. Aber das können wir jetzt. Damals war es halt so, wenn ich einen Ansprechpartner brauchte, ja, in der Schule ist irgendetwas zu regeln oder irgendetwas. Also sie konnte man vorzeigen, mein Vater konnte man nicht vorzeigen. Er war ein Kulheriger, der jede Gelegenheit genützt hat, um zu schreien und er war fast

0:05:03jeden Tag betrunken. Wenn du sagst, dass du und deine Familie, dass ihr Stadt bekannt wart, wie war deine Schulzeit? Die Schulzeit war grauenhaft. Also wenn du deinen Wert nicht kennst und wenn du... Also ich komme aus einem Dorf, das war vor 100 Jahren das ärmste Dorf in Württemberg. Meine Vorfahren nannte man die weißen Zigeuner, jenische, also fahrendes Volk. Und in

0:05:29diesem Dorf der Verachteten und Ärmsten, da war mein Vater einer der Verachtetsten und Ärmsten. Und mein Vater hat mich ja auch mitgenommen zum Betteln. Und das hat natürlich das ganze Umfeld mitbekommen, auch meine Mitschüler. Und meine Mitschüler bohrten natürlich in den Wunden, weil sie wussten, der Vater ist ein Trinker. Wir lebten wie in einer Höhle mit eingefallenen Dachplatten, der Verputz von den Wänden. Und in diesen Wunden haben sie regelmäßig herumgebohrt.

0:05:57Der Höhepunkt der Quälerei war dann in der 6. oder 7. Klasse. Was ist da passiert? Also, ihr müsst euch ja vorstellen, ich hatte ja nicht mal ein eigenes Zimmer. Das heißt, um Hausaufgaben zu machen, habe ich die im Wohnzimmer gemacht. Und gegenüber auf der Couch lag mein betrunkener Vater. Der hat mir dann auch regelmäßig gesagt, was machst du da für Sagen?

0:06:22Du kannst doch eh nichts, aus dir wird eh nichts. Das prägt dich natürlich. Manchmal habe ich dann meine Hausaufgaben gar nicht gemacht, wahrscheinlich weil ich auch noch ein faules Wesen damals hatte. Und manchmal habe ich meine Hausaufgaben irgendwo auf einem Traktor gemacht, irgendwo in einer Scheune. Und an Quälereien muss man sich das so vorstellen, dass ich jeden Abend Angst hatte vor dem nächsten Morgen, weil ich wusste, was sie mir wieder antun. Aber ich möchte auch dazu noch betonen, ich habe Jahre später von den Peinigern habe ich bis auf einen habe ich alle erreicht.

0:06:58Einer ist mittlerweile gestorben und da haben die mir ihre Geschichte erzählt. Und heute sage ich, ich verstehe sie, aber verstehen wir, sollte nicht einverstanden sein. Also ich habe den allen vergeben und habe da auch einen Frieden drüber. Aber es hat sich so gesteigert. Also ihr müsst euch vorstellen, wir haben zum Beispiel einen Wander... also der schlimmste Tag in der Schule war für mich, wir hatten mal Wandertag, ja, und meine, wir waren drei Klassen, also ungefähr 100 Leute mit Lehrern.

0:07:22Und dann war die Wahl, man kann diesen Weg gehen oder diesen Weg am Haus von Michael Stahl vorbei. Und meine Peiniger schrien, komm, wir möchten da vorbeilaufen. Und ich bin gläubig aufgewachsen, ich hab dann gebetet, ich hab gesagt, Gott, lass das bitte nicht zu. Du kannst es nicht zulassen. Und er hat es zugelassen. Wir sind dann an diesem Haus vorbeigelaufen und die Peiniger haben dann den richtigen Moment abgepasst, um dann zu schreien, hier wohnt der Michael Stahl. Dann stehen 100 Leute vor dieser Hütte. Ich

0:07:50glaube, da war sogar noch ein Lehrer dabei, der hat gesagt, hier wohnt kein Mensch, hier kann doch niemand wohnen. Ja, doch. Und das war einer der schönsten Momente meines Lebens. Mit zehn stand ich auch mal am Bahngleis und wollte mir das Leben nehmen. Also ich habe öfters den Drang gehabt, nicht mehr leben zu wollen. Was hat dich davon abgehalten? Das wirklich wissen?

0:08:12Ich bin dann mit 10, 11 Jahren am Bahngleis gestanden. Und man muss sich das so vorstellen, links davon war die Kirche, 150 Meter weiter oben war unsere Hütte. Hier der Ort der Hoffnung für mich. Ich hatte ja nie außer der Kirche oder an der Oma einen Zufluchtsort. Zu Hause haben sie mich gequält, in der Schule haben sie mich gequält. Einerseits war ich froh, von zu Hause wegzukommen, aber dann kam ich in das nächste Materium rein.

0:08:39Dann war ich froh, wenn die Schule aus war, aber dann kam ich wieder nach Hause, wo der Vater dann war. Dann stand ich an diesem Wagengleis und hatte im Prinzip diese Wahl. Hier die Hoffnung, die Kirche und da da oben, die Hütte, wo sie mich quälten und wo diese Armut so unfassbar präsent war. Also ihr müsst euch das vorstellen, das können sich wahrscheinlich nur Leute vorstellen, die die Nachkriegszeit erlebt haben. So armselig sind wir aufgewachsen. Und dann stand ich oben am Bahngleis und auf einmal höre ich so, ich habe das so von mich gehört,

0:09:11Ich liebe dich. Lebe weiter. Und das war so ein Stich, so ein Impuls in mein Herz, weiterleben zu wollen. Obwohl ich wusste, mein Vater wird morgen nicht arbeiten, sie werden mich morgen in der Schule quälen. Der Vater hat beschlossen mit 29 Jahren, er wird nie mehr arbeiten. Es wird sich auch in vier, fünf Jahren nichts ändern. Es war alles so hoffnungslos. Sonst wäre ich heute nicht hier. Ich bin

0:09:43dann von den Bahngleisen runter und lebe weiter. Wie geht deine Geschichte dann weiter? Es war mal ein Moment, da hat mein Lehrer gesagt, morgen bringst du mal ein Zirkel mit. Dann bin ich zu meinem Vater heim und hab gesagt, Vater, ich brauch morgen ein Zirkel in der Schule. Dann hat er gesagt, wie Zirkel? So was hatte ich früher nicht. Was ist das? Dann hab ich gesagt, wo man so Kreise macht, so was habe ich mir gedacht, ich kann mir das nicht schon wieder leisten, wieder etwas nicht zu haben.

0:10:05Kein Fahrrad, kein Telefon, kein Arbeiten, nicht Vater werden, kein Auto, kein normales Haus. Und dann bin ich zum Klauen gegangen. Und das mit der Klauerei hat so gut funktioniert, dass ich sämtliche Leute im Ort bestohlen habe, sämtliche Tante-Immer-Läden fast schon ausgeraubt habe, überall geklaut, meine eigene Mutter bestohlen habe. Und diese Gang, die mich gequält hat, da war ich dann angesehen. Je mehr ich klaute, je gefährlicher, dass ich wurde, desto mehr war ich bei denen anerkannt. Mit 13, 13,5 ist dann meine Oma gestorben. Das war so einer meiner letzten Rettungsangst,

0:10:44sage ich mal. Und sie war sechs Wochen im Sterbeprozess drin und einen Tag bevor sie starb, habe ich sie das letzte Mal gesehen. Aber als meine Oma dann starb, dann ist etwas in mir gestorben. Zum selben Zeitraum gab es noch eine Begegnung mit einem Klassenlehrer von mir, weil ich diese Quälereien so satt hatte, so satt. Und dann habe ich mir vorgenommen, zum ersten Mal in meinem Leben mein Leid Worte zu verleihen meinem Lehrer gegenüber.

0:11:11Der Unterricht war zu Ende und ich bin zu ihm hin. Er stand so an seinem Pult und dann habe ich seinen Namen gesagt. Er packte seine Tasche und dann habe ich ihm gesagt, sage ich, Herr So-und-So, und habe auf die leeren Plätze gezeigt, der, der, der, der, habe die Namen ausgesprochen, sage, sie quälen mich, sage, ja, und jetzt kann ich nicht mehr. Schaute mich an und sagte, wie, sie quälen dich. Dann habe ich ihm ein paar Sachen erzählt, schaute mich an, schließt seine Tasche und sagt, das bildest du dir alles ein. Und dreht sich um und geht raus.

0:11:42Und da, das war für mich ein unfassbarer Tiefschlag. Und ich glaube, an diesem Tag habe ich beschlossen, ich werde nie wieder sprechen. Ich werde nie wieder jemanden um Hilfe bitten. Ich werde nie mehr mein Herz ausschütten. Das werde ich nicht mehr machen. Aber an dieser Stelle möchte ich immer allen Leuten sagen, denen ich die Geschichte erzähle, wenn dich jemand aus der Schule enttäuscht, jeden Lehrer, gib ihm nicht so viel Raum und so viel Macht, dass du dich in dein Schneckenhaus

0:12:10verziehst, dann geht es zum nächsten Lehrer. Es gibt so viele wunderbare Pädagogen. Isst jemand in deiner Gemeinde, in deiner Kirche, der gemein zu dir ist, das hat mit Gott nichts zu tun. Such den nächsten, der ein anderes Denken und ein anderes Herz hat. Aber das habe ich nicht gemacht.

0:12:23Ich habe dann sehr intensiv mit Kampfsport angefangen, weil ich habe gedacht, wenn du einen schwarzen Gürtel hast, schluchst der Tod, dann tut dir keiner mehr weh. Mit 18 bin ich ausgezogen und habe zu meinem Vater gesagt, wenn du mich jetzt noch einmal verletzt, dann gehe ich. Übersetzt bedeutet der Satz, weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe und ich würde gerne bleiben.

0:12:44Aber bevor hier eine richtige Katastrophe passiert, muss ich gehen. Und dann war ich obdachlos. Also ich war erstmal ein paar Monate, da habe ich nicht gewusst, wo ich leben soll. Ich habe mir fünf Tüten geschnappt und bin einfach raus. Und weil ich so Sehnsucht nach Sicherheit hatte, bin ich dann auch in den Sicherheitsdienst gegangen und habe dann irgendwann mal die Welt, würde ich sagen, eine Karriere gemacht

0:13:03als Personenschützer. Aber mein Herz ist immer härter geworden und immer kälter. Wie lange ging das denn, dass du Obdach gesucht hast? Also ich bin im Dezember 1988 von zu Hause weg und hatte dann im März 1989 so drei, vier Monate schätze ich mal. Bist du dann auch zur Schule gegangen? Damals war ich noch in der Berufsschule, also ich habe Hauptschulabschluss und habe eine Lehre gemacht, die ich allerdings nicht, also ich habe eine

0:13:34Lehre gemacht als Verkäufer, das geht zwei Jahre. Früher hieß es glaube ich noch Verkäufer in der Obstabteilung. Heute hat man einen geschwollenen Namen dafür, Sales Manager auf Wurzmann. Man redet ja nicht mehr normal. Den ganzen Tag performen sie heute und reden nicht mehr normal. Und der Hausmeister ist nicht mehr der Hausmeister, ist Facility Manager. Also ich habe Verkäufer gelernt und dann hätte es noch ein Jahr gebraucht, um Einzelhandelskaufmann zu werden. Aber aufgrund meiner Obdachlosigkeit und meiner Lebensweise ging das nicht mehr.

0:14:04Ich habe trotzdem noch gearbeitet und ging auch zur Berufsschule, trotz Obdachlosigkeit. Als du dann in den Sicherheitsdienst eingetreten bist, was hast du dir davon erhofft? Weißt du, aus du bist wurde eines Tages ich bin. Wenn du immer wieder hörst, du bist nichts, dann denkst du irgendwann, ich bin nichts. Aus dir wird nichts, aus mir wird nichts. Ich habe das alles so für mich übernommen. Und heute mit 54 Jahren sind die Sätze manchmal immer noch da.

0:14:32Also ganz ehrlich zu sein, es wird weniger, aber es ist immer noch da. Und deshalb sind Worte, die wir aussprechen, die haben so eine unfassbare Kraft, egal ob positiv oder negativ. Und dann war es so, ich habe 1993 hier angefangen mit meiner Sportschule. Es gab fast keinen Menschen, der mich unterstützt hat, der gesagt hat, das ist toll. Mein Vater hat gesagt, du bist ein Spinner, es braucht keinen Mensch hier.

0:14:53Ich wollte es ihm beweisen. Ich habe mal in einem Buch gelesen von einer Psychologin, 90% aller erfolgreichen Menschen haben das bestreben. Meinem Vater, dem zeige ich es. Da gibt es wunderbare Geschichten, Sylvester Stallone, viele bekannte Leute, Arnold Schwarzenegger, das sind alle von ihren Vätern gequält worden, die er zeige ist. Da gibt es Michael Jackson, Steffi Graf und so weiter, die haben alle viel, viel

0:15:21schweres mit ihren Vätern durch, die er zeige ist. Und ich glaube, ich gehöre auch dazu. Und da habe ich mal eine Vorführung gemacht in einer Diskothek, da wurde ich gefragt, ob ich so eine Kampfsportvorführung machen würde und der Besitzer war dann ganz begeistert und hat gesagt, ich habe ab und zu Stress hier in meiner Diskothek, möchtest du für mich arbeiten? Und dass mich jemand wollte, der Junge, der nicht gewollt war. Mein Vater hat auch manchmal gesagt, man hätte dich bei der Geburt erseufen sollen.

0:15:46Und jetzt ist da einer, da war früher Gott, der mich will, mit dem ich dann aber gebrochen habe nach dem Tod meiner Oma. Und jetzt kommt der Diskothekenbesitzer und sagt, du bist toll. Wir sehen uns alle danach. Du bist toll, du brauchst ein Like, einen Daumen nach oben. Wir sehen uns danach.

0:16:01Ja, dann habe ich gesagt, das mache ich. Dann habe ich ein T-Shirt bekommen, da stand drauf Security. Ich glaube, ab dem Tag bin ich immer links vorne gelaufen, damit jeder das Zeichen sieht. Dann kam wie so eine Sucht, ich habe dann einen ehemaligen Boxwaldmeister kennengelernt und der kannte wiederum den besten Bodyguard oder einer der bekanntesten Personenschützer Deutschlands, der auch Michael Jackson bewacht hatte. Von heute auf morgen war ich in einer Welt unterwegs, die ich eigentlich gar nicht richtig fassen konnte. Ich habe Falco erlebt, Modern Talking,

0:16:30ich war mit Muhammad Ali unterwegs mehrfach und unfassbare Dinge erlebt, aber ich bin auch mit 24 Vater geworden. Ich war weder Sohn noch war ich Vater. Ich war ein verletzter Mensch, der getrieben war. Wie hat sich das ausgedrückt, wenn du sagst, du warst weder Sohn noch warst du Vater. Meinen Vater habe ich verachtet, wenn wir uns hier in der Stadt gesehen haben. Dann manchmal haben wir uns keines Blickes gewürdigt.

0:16:57Er hat hier 200 Meter von hier weg gewohnt in einer Kneipe, in Zimmer Nummer 5. Und ich wohnte damals 140 Meter von ihm weg. Also ich habe ihn da nie besucht in dieser Hütte, in diesem verwahrlosten Zimmer. Wenn wir uns gesehen haben, dann war das immer sehr giftig. Also ich bin ein Mensch, der fast nie schreit. Ich glaube, ich habe einmal geschrieben mit meinem Vater als Erwachsener.

0:17:18Sonst sind wir uns aus dem Weg gegangen. Und als Vater selber, also mein Sohn hat mich die ersten 13, 14 Jahre seines Lebens kein einziges Mal weinen sehen. Er hat nie erlebt, dass ich über Niederlagen sprach. Deswegen ist mir Erfolg gar nicht so wichtig. Ich habe die erfolgreichen Menschen erlebt.

0:17:36Die wenigsten waren glücklich. Du wirst nie von mir hören, dass ich einem Menschen viel Erfolg wünsche. So gehässig bin ich nicht. Ich wünsche dir, dass du glücklich wirst. Ich bin öfters mit Sterbenden zusammen und erlebe immer wieder, wie sie sich danach sehnen, glücklich zu sein. Das sind die einfachsten Dinge im Leben.

0:17:56Ein Junge, häufig, nicht alle, die sehnen sich danach, dass man mit ihnen ein Baumhaus baut, Fischen geht, am Lagerfeuer sitzen. Da hat mir einer gesagt, das wäre stereotypisch. Was ist das? Ich kenne nur Stereoanlage. Aber das ist halt die Antwort von Tausenden von Jungs, die ich in verschiedenen Ländern gefragt habe in meinen Projekten. All diese Dinge habe ich zu 90 Prozent mit meinem Sohn nicht gemacht. Er hat nie über meine Schwächen erfahren und also hat er mir aus seinem Herzen nicht berichtet. Und sein Herz war mit 13, 14 Jahren sehr verwinstert.

0:18:26Würdest du sagen, du warst präsent in seinem Leben? Kaum. Ich habe seine Mama dann, wir haben uns dann irgendwann mal getrennt, ich habe auch seine Mama nicht geehrt. Heute möchte ich den Leuten sagen, auch wenn ihr getrennt seid, das Wertvollste, was du deinen Kindern tun kannst, ehre die Mutter deines Kindes oder ehre den Vater deines Kindes.

0:18:43Egal, ob ihr noch zusammen seid, geht in Liebe und Respekt miteinander um. Du hattest jetzt von deiner Karriere als Personenschützer der ganzen Promis berichtet. Was hat das mit dir gemacht, wenn du an deinen Vater gedacht hast? Ja, also ich habe ja mit fünf Jahren, also musst du dir vorstellen, ich habe mit vier, fünf, sechs Jahren die Boxkämpfe von Mohammed Ali angeschaut. Mein Vater lag hinten auf der Couch, wir lagen in dieser Höhle zusammen drin und ich saß

0:19:10vorne auf dem Boden und dann siehst du Ali am Bildschirm wie er rumtänzelt. Die ganze Welt hat ihn gefeiert und bewundert. Jetzt habe ich eine Gänsehaut gerade eben. Dann schaust du auf den mittelalterlichen Fernseher hoch, bewunderst diesen Mann und denkst, boah ist der groß und stark. Und ich bin klein und schwach. Und ich bin damals mit meinem Anliegen, also ich weiß, es hört sich vielleicht komisch an, aber es ist halt die

0:19:30Wahrheit. Ich habe dann immer mit Jesus gesprochen, man nennt es Gebet. Dann habe ich ihm gesagt, den möchte ich mal sehen. Der ist cool. Kann ich den mal sehen. Und 27 Jahre später kriege ich den Auftrag, Mohammed Ali zu beschützen. Da hätte es eine halbe Million bessere gegeben. Das weiß ich heute auch. Aber vielleicht war ich der Einzige von der halben Million, der Jesus drum gebeten hat. Und so war ich dann 2002 mit Mohammed Ali ein paar Tage unterwegs. Und 2005 nochmals.

0:19:59Und ich weiß noch, als ich mit Ali unterwegs war, das war ein riesen Hype in den Medien drin, auch hier, der Michael Stahl, der kleine Michael Stahl, der Sohn vom Alkoholiker ist mit Ali unterwegs. Und da habe ich mal so einen Saufkumpan meines Vaters gefragt, was denkt mein Vater von mir? Und da hat er gesagt, er ist stolz auf dich. Und da habe ich den Mann angeschaut und sage, mir hat er es nie gesagt. Das war mein Bestreben, dass mein Vater irgendwann mal sagt, hey, ich bin stolz auf dich, ich hab dich lieb. Hat er das in irgendeiner Art und Weise mal gezeigt oder gesagt nach dem Zeitpunkt?

0:20:32Nein, nach dem Zeitpunkt nicht. Erst, wo wir uns dann versöhnten, 2007, aber davor, ich meine, es gab Momente als kleiner Junge, da lag ich manchmal auf seinem Bauch, da haben wir auch Blödsinn gemacht, aber je mehr Schmerzen in meinem Leben dazukamen, habe ich an diese Momente nicht mehr gedacht. Ich bin jetzt seit 2007 versillend und selbst jetzt fallen mir Momente noch ein, die schön waren. Aber die waren damals total verdeckt. Wie sah der Alltag deines Vaters aus?

0:20:59Als ich Kind war oder als ich schon ein Mann war? Sowohl als auch. Also als ich Kind war, ging er morgens um 9.30 Uhr bei uns in die Wirtschaft. Versteht ihr das Wort? In die Wirtschaft gehen? In die Kneipe. In die Kneipe, in die Wirtschaft.

0:21:12Deshalb, wenn mich früher immer die Leute fragten, was ist dein Vater vom Beruf, dann habe ich gesagt, Wirtschaftsprüfer. Kommt immer gut bei den Leuten. Ja, und manchmal kam er dann tatsächlich zur Mittagszeit heim. Manchmal kam er auch erst tief in die Nacht. Und da hat die Mama manchmal gesagt, hol den Vater. Und manchmal hat dann die Mama gesagt, der Baba ist nicht da, geh in die Wirtschaft und hol ihn. Ja, das war natürlich Theater. Wenn du in die Kneipe reingehst, dann gleich als kleiner Junge und sagst da die Mama, sollst heimkommen. Das ist ja eine Demütigung für ihn vor seinen Freunden.

0:21:45Und später dann, als ich Mann war, war sein Alltag so, er lebte dann hier in einer Kneipe, im Zimmer Nummer 5. Er ging fast jeden Tag zum Arzt, hat die Leute drangsaliert, hat sich in der Apotheke den Blutdruck messen lassen, hat gejammert. Und er war auch nebenher noch Solinenrichter im örtlichen Fußballverein, also da hatten wir so eine Fahne, ja. Mein Vater hatte dann zwei Fahnen, ja. Der Mann mit der Fahne hatte ja eine Fahne, hat er öfters mal zugeschlagen damit. Und mein Vater war eigentlich, wie gesagt, bekannt wie ein bunter Hund, ja.

0:22:14Fürs Trinken, fürs Schlagen und für die Gaunereien, das war sein Leben. Du sagtest vorhin, dass du deinen Vater teilweise auch nicht gegrüßt hast, wenn du ihn auf der Straße gesehen hast. Wie weit ging diese Kontaktvermeidung zwischen dir und ihm? Also es war so, dass, also wenn wir uns in der Stadt sahen, entweder hat er so vor sich hin gebrüttelt, sag mal bei uns, ja, und ich habe mich echt geschämt.

0:22:41Ihr müsst euch vorstellen, wenn ich irgendwo in der Bäckerei war, in einem Laden war, mein Vater kam rein, habe ich mich hinter den Regalen versteckt. Wenn ich auch mal auf dem Sportplatz war und jemand hat mich auf meinen Vater angesprochen. Den Typen kenne ich gar nicht. Sie hat meinen Vater sehr oft verleugnet. Und dann war es so, 2006, Weihnachten stand an und meine zweite Frau, also mit der Frau,

0:23:04wo ich zusammen war, wir waren noch nicht verheiratet, die hat so Weihnachtskekse gebacken. Und dann habe ich mir gedacht, komm, du bist ja eigentlich christlich erzogen worden, Weihnachten, schenkst du deinem Vater ein paar so Weihnachtskekse und Rasierwasser. Dann habe ich ihn auf der Straße abgepasst, weil ich habe ihn ja nie besucht und dann habe ich ihm gesagt, hier hast du ein Geschenk zu Weihnachten, alles Gute zu Weihnachten und bin gegangen. Und im Januar 2007 begegnet mir mein Vater hier unten in der Stadt und schreit quer über die

0:23:29Straße, ich schreie jetzt nicht, die alten Kekse kannst du in Zukunft selber fressen. Und ich schrie zurück, du undankbarer Mensch, ich will nie wieder Kontakt mit dir haben, geh mir aus den Augen. Heute weiß ich, was er mir sagen wollte. Er wollte mir sagen, ich war jedes Weihnachten allein. Ich wäre gern bei dir gewesen, weil ich dich lieb habe. Aber diese Sprache hat ihm niemand beigebracht.

0:23:49Und mir hat niemand beigebracht, diese Sprache zu verstehen. Und für mich war das ein willkommener Grund, ihn zu meiner Hochzeit nicht einzuladen. Ich habe ihn nur nach einem Grund gesucht. Und du wirst immer finden. Immer. Wenn du etwas Schlechtes beim Menschen suchst, wirst du etwas finden. Nach Liebe, wenn du danach suchst, wirst du auch etwas finden.

0:24:07Und so heiratete ich ein zweites Mal am 5. Mai 2007. Wir kamen aus meiner Kirche raus und sind dann hier in Bobfingen eine Stadtrunde gefahren. Da stand mein Vater am Wegesrand. Es war ein Stich durch mein Herz. Ich habe weggeschaut. Und weil wir eine Runde fuhren, fuhren wir nochmal an ihm vorbei.

0:24:26Ich schaute wieder weg und dann gingen wir in der Stadtmitte in ein Restaurant rein. Meine Frau und ich haben dann 120 Gäste vorgestellt mit Tischkärtchen, aber einen Namen haben wir nicht ausgesprochen. Und als wir dann irgendwann mal gesungen und getanzt haben, habe ich zum Fenster rausgeschaut. Da stand mein Vater mit beiden Händen vor den Augen, um besser sehen zu können, und stand, ich weiß nicht wie lange, aber sehr sehr lange an diesem Fenster. Und heute weiß ich auch, man kann schuldig werden an Liebe, die man nie gebracht hat.

0:24:55Das war ein Stich durch mein Herz. Und dann kam November 2007, der mein ganzes Leben verändert hat, dieser November, dieser Tag. Wieso hat er dein Leben verändert? Ich fuhr an einem Dienstagabend um 22 Uhr die Straße überquert und er war stockbesoffen. Und da war wieder diese innere Stimme, die mich damals gerettet hat, vom Bahngleis, die mir gesagt hat, er hat nicht mehr viel Zeit. Bring es in Ordnung. Das war für mich klar. Es kann auch

0:25:29keine Einbildung sein, weil es gibt Dinge, die will man im Leben gar nicht hören. Du willst auch nicht herausgefordert werden. Du willst motiviert werden, gelobt werden. Aber diese Stimme, das war etwas, was mich aufgefordert hat, etwas zu tun, was ich nicht wollte. Diesen Menschen in meinem Leben aufzunehmen. Einen Weg zu ihm zu gehen, das wollte ich nicht. Ich habe ihn gehasst. Ich habe auch keine Liebe empfunden.

0:25:55Ich bin dann nach Hause und wir Christen beten ja gerne das Vaterunsere. Da habe ich mir schon schwer getan mit dem Wort Vater, weil was ist dein Vater? Was soll das sein? Dann habe ich gebetet, okay, ich mache Frieden, aber dann musst du mir helfen. Ich habe keine Ahnung, wie das geht mit Frieden. Dann habe ich ein paar Nächte drauf geträumt, mein Vater wäre gestorben. Das war der schlimmste Traum in meinem Leben.

0:26:19Ich bin dann aufgewacht und habe gewusst, ich kann nicht verlangen, dass er sich ändert. Jetzt werde ich mich ändern. Und dann ging ich den schwersten Weg meines Lebens. Ich wohnte 140 Meter von meinem Papa weg. Und er hat mich alles rebelliert. Und wenn eine Stimme mich anklagte, hatte ich geschlagen, hatte ich getreten, hatte ich bespuckt, hatte ich das Leben zur Hölle gemacht. Er muss kommen, er muss kommen. Und da war immer wieder die Stimme, nee, du gehst jetzt. Und dann bin ich da reingegangen, mein Vater stand schon angespannt da mit seinen Knasttattoos,

0:26:55sah mich, wollte schon anfangen zu brüllen und das erste, was ich ihm sagte, war Papa. Papa, als er zum ersten Mal als Mann, habe ich Papa gesagt, ich wollte nur sagen, dass ich dich liebe und vergib du bitte mir. Und es hat ihm einen Stecker gezogen. Ich habe eigentlich gedacht, er wirft mich raus. Ich wusste, wenn ich diesen Weg gehe, ist es mir egal, wie er reagiert. Ich erwarte gar nichts.

0:27:17Er kann mich jetzt nicht enttäuschen, weil ich erwarte nichts. Und das rate ich auch allen, die das hören. Alles, was mit Liebe zu tun hat, Liebe erwartet nichts. Und so bin ich dahin und habe das ausgesprochen. Und mein Vater steht zehn Sekunden in der Bude, sprachlos, die Fäuste entkrampften sich. Er schaut mich an und sagt nach zehn Sekunden, ich habe das schon tausende Mal erzählt, ich habe Gänsehaut jetzt. Also ich rabble das nie runter.

0:27:44Ich gehe immer wieder in Zimmer Nummer 5 rein. Und dann fragt er mich, warum kommst du denn zu mir? Sei ich, weil ich dich verändern wollte, weil ich dich gehasst habe. Und ich würde dir sagen, du kannst weiter saufen, das ist völlig in Ordnung. Du kannst weiterhin in der Stadt rumbrüllen und den Leuten erzählen, was für einen miserablen Sohn du hast. Ich liebe dich. So wie du bist. Nicht das, was du getan hast und was du nicht tust.

0:28:10Ich liebe dich und es wäre schön, wenn du mir vergeben könntest. Und dann kommt mein Vater diese zwei Meter zu mir her, es ist unfassbar, und packt mich hier am rechten Oberarm. Das war seine Art der innigsten Umarmung, denn später habe ich erfahren, er wurde nie zu Hause in den Arm genommen. Sein Vater war im Krieg, in Gefangenschaft, kam nach 1948 wieder zurück. Da war mein Vater schon sieben Jahre alt. Mein Vater hat noch Bomben erlebt, Schießen erlebt. All das wusste ich nicht.

0:28:39Und dann hat er mir gesagt, ich habe dich immer lieb gehabt, aber ich konnte es dir nicht zeigen. Und dann hatten wir noch zweieinhalb Jahre. Ich habe nie mehr gesagt, hör auf zu saufen, und die Bierdosen wurden weniger, habe ich nie mehr gesagt. Ich habe nie mehr gesagt, benimm dich anständig, geh zu anderen Menschen. Das letzte was er von mir gehört hat war, ich liebe dich im Krankenwagen und ich habe ihn geküsst und vier Wochen bevor er starb, hatte ich noch gesagt, erzähl unsere Geschichte.

0:29:07Ich hoffe, dass es auch für euch okay ist, dass ich über meinen Glauben spreche, das ist ja nicht mehr so gefragt in der Welt. Nur wenn was schief läuft, dann fragen die Leute, wo war Gott. Gott ist immer da. Die Frage ist, ob wir ihn haben wollen. Und mein Papa hat gesagt, erzähl die Geschichte den Menschen,

0:29:22damit sie sich besser wieder verstehen lernen, damit Versöhnung stattfindet und damit die Menschen Gott kennen und lieben lernen. Das mache ich ja mit. Jetzt gibt es ja noch die Beziehung zu deinem Sohn. Du hast vorhin davon gesprochen, dass du mit 13, 14 Dunkelheit in sein Leben kam. Was genau bedeutet das?

0:29:41Also mein Sohn, ein wunderbarer Kerl, ist jetzt 30 Jahre alt. Also stand diese Aufnahme, heute ist es 2024, er ist 30 Jahre alt. Mein Vater hat aus meiner Sicht früher drei Dinge falsch gemacht. Er hat nicht gearbeitet, er hat geschlagen und hat getrunken. Und ich habe mir gedacht, diese drei Dinge muss ich auf jeden Fall vermeiden. Mein Sohn wird mich nicht besoffen sehen, ich werde nicht gewalttätig sein und muss ganz, ganz viel arbeiten. Das heißt, ich habe das klare Gegenteil gemacht.

0:30:15Und ich glaube, dass wir uns gar nicht vergleichen sollten, sondern dass wir einfach die Dinge, die wir tun, in Liebe tun sollten. Und ich habe seine Mama nicht geehrt, mein Sohn mal. Also ihr müsst euch vorstellen, wenn du dann irgendwann mal als Personenschützer arbeitest, du tauchst in eine ganz andere Welt ein. Ich komme aus einer sehr, sehr armen Welt. Manchmal denke ich mir, ich komme aus einer Welt, wie sie es eigentlich kaum einer vorstellen kann.

0:30:42Ich bin manchmal wie ein Außerirdisch. Ich habe auch keinen Kindergartenbesuch gehabt. Ich kenne keinen ersten Schultag, wie ihr ihn kennt. Mit Schultüten kenne ich nicht. Die ersten zwei Wochen, wo Schule war, war ich im Krankenhaus. Ich hatte nie in meinem Leben eine Schultüte. Ich hatte kein Fahrrad. Ich hatte die einfachsten Dinge in meinem Leben nicht gehabt. Und dann diese unfassbare Armut

0:31:01dazu. Und da wollte ich meinem Sohn ein anderes Leben ermöglichen. Aber was er wirklich gebraucht hat, das hat man mir auch nicht vorgelebt, Zeit füreinander zu haben, dass ein Vater die Mutter ehrt. Ich habe dann meine Ex-Frau oder seine Mama immer wieder vorhalten, das, das funktioniert nicht, das, das, das. Die hat nicht gesehen, dass ich liebevoll mit seiner Mama umgegangen bin. Und ich habe dann irgendwann mal einen ganz, ganz schlimmen Anruf bekommen

0:31:29und hat mich jemand kontaktiert. Das war vor 16 Jahren ca. Das war so nach der Versöhnung mit meinem Papa. Und da ist mein Leben ja ganz neu. Und ich bin immer noch in diesem Prozess drin. Wenn man so ein Leben geführt hat, dann ist man nicht von jetzt auf nachher ein anderer Mensch. Man entwickelt sich weiter. Und dann habe ich einen Anruf bekommen, dein Sohn möchte nicht mehr leben und er ist im

0:31:52Krankenhaus. Und ich bin dann in die Klinik gefahren und dann hat man mir gesagt, ja, also körperlich geht es ihm, er hat einen Nervenzusammenbruch gehabt, und körperlich geht es ihm so und so weit gut. Aber das heißt, sie müssen nicht weitersprechen, habe ich zu der Ärztin gesagt. Ich weiß, was es ist. Ich bin dann, mein Sohn hat gesagt, er geht jetzt mit der Mama mit heim. Und da habe ich festgestellt, mein Sohn hat ja ein anderes Zuhause als ich.

0:32:21Das ist schon die Katastrophe seines Lebens. Wir denken immer, wenn wir geschieden sind, der anderen Kindern passiert das auch. Andere sind auch geschieden. Aber für dein Kind ist es der Super-GAU im Leben. Das hat mit den Millionen anderen gar nichts zu tun. Für ein anderes Kind ist es sein Leid.

0:32:38Es vergleicht sich nicht mit dem Leid der anderen. Und an diesem Abend, an diesem Nachmittag, als wir von der Klinik heimkamen, da hat mein Sohn geschrien, verpiss dich, hau ab, ich will dich nie mehr sehen. Und dann habe ich mich verpisst, bin abgehauen. Ich bin dann nach Hause gegangen und dann habe ich, meine Frau war nicht da. Und ihr müsst euch vorstellen, ihr sitzt, du sitzt jetzt gerade eben auf einem Stuhl, ja. Du nimmst es als völlig selbstverständlich.

0:33:07Ich habe mit 15 Jahren zum ersten Mal einen eigenen Stuhl gehabt. Ich hatte kein Zimmer. In dieser Baracke gab es kein Zimmer. Als ich obdachlos war, hatte ich keinen Stuhl. Manchmal laufe ich durch mein Haus, das mache ich heute noch, und halte Stühle fest und sage, danke Gott, dass ich ein Zuhause habe, ein Dach über dem Kopf habe und dass ich Stühle habe und Menschen einladen kann. Ich bin dir so dankbar.

0:33:28Und dann bin ich zu meinem Sohn gefahren. An dem Abend, an dem Tag, wo er noch Stunden vorgesagt hat, verpiss dich, hau ab. Ich habe geklingelt. Meine Ex-Frau macht auf und sagt, was willst du, er will dich nicht sehen, er hasst dich. Ich bin nur gekommen, um Vergebung zu bitten. Schau sie mich an. Sag ich, ich bitte dich um Vergebung. Sie schaut mich an, sagt, aber Micha, das hab ich noch nie zu ihr gesagt. Ich hab doch auch Fehler gemacht.

0:33:57Sag ich, das ist was anderes. Aber kannst du mir meine Fehler vergeben? Und von nun an ehre ich dich für das wer du bist. Du bist die Mutter meines Kindes. Und mein Sohn steht zwei, drei Meter weg und als er mich noch gesehen hat, ein Gesicht voller Hass, da habe ich seine Mama in den Arm genommen und wir haben ungefähr fünf Minuten Arm in Arm geweint. Und mein Sohn, der mich Stunden davor noch rausgeworfen hat, fängt an zu weinen und sagt, Mama, Papa, ich habe noch nie gesehen, dass es so liebevoll miteinander umgeht. Dann lagen wir uns zu dritt in den Armen, 15 bis 20 Minuten.

0:34:33Und das war der Beginn etwas ganz Neuem. Denn ich bin für dich da, war da und hat etwas Neues geschenkt. Und als wir die Aufnahme begonnen haben, habe ich zuvor noch meinem Sohn geschrieben. Wir haben jeden Tag Kontakt. Ich ehre seit diesem Tag seine Mama. Wir gehen miteinander essen, auch mit ihrem jetzigen Mann, meine jetzige Frau. Ich ehre sie. Und automatisch ehre ich den Anteil in ihr, der von meinem Sohn ist. Ich ehre meinen Sohn gleich mit, wenn ich die Mutter ehre. Das

0:35:02ist das, was ich der Welt sagen will. Ich bin kein Theoretiker, ich habe das alles durch. Ich habe Obdachlosigkeit, Gewalt durch. Als mein Vater starb, drei Monate später, hat meine Frau und meine Tochter einen grauenhaften Autounfall gehabt, wo jemand gestorben ist. Auch das kenne ich. Ich habe 2018 einen schweren Herzinfarkt gehabt und bin fast gestorben. Also wenn ich über Gott und Liebe spreche und über Endlichkeit spreche, habe ich alles durch. Alles. Was hat sich in deinem Leben verändert, nachdem du angefangen hast zu vergeben?

0:35:29Nachdem Vergebung in dein Leben gekommen ist? Ich muss mich nicht mehr selber erlösen. Ich habe versucht, mich selber zu erlösen durch Arbeit, durch Erfolg, durch Qualifikation. Ich brauche das nicht mehr. Ich bin geliebt. Ich bin geliebt, ob ich gewinne oder verliere. Ich bin geliebt. Ich bin angekommen. Ich bin zu Hause. Und es ist nicht nur die Vergebung gewähren. Aus meiner Sicht gibt es vier Arten der Vergebung.

0:35:50Das erste ist die Vergebung Gottes. Gott hat uns vergeben. Das ist die Frage. Nehme ich dieses Geschenk an? Ja oder nein? Das ist alles. Das ist Gnade. Ich habe jetzt gerade eben ein Buch geschrieben mit einem, der war 22 Jahre im Gefängnis, hinter Gitter und Gnade gefunden. Ich bin mit Mördern zusammen. Wir dürfen alle neu anfangen. Wie schön war das früher in der Schule.

0:36:12Ich habe meistens alle Hefte, die ich hatte, versaut. Eselsohren sagt man, verschmiert. Wie schön, wenn man ein neues Heft hat und neu beginnen kann. So ist auch mein Leben. Ich kann jeden Augenblick, jeden Tag neu beginnen. Und dann denke ich mir, wenn Gott mir vergeben hat, dann darf ich mir selber auch vergeben. Denn in der Vergebung zu sich selber wächst die Liebe zu dir selber.

0:36:30Und wenn du dich selber mehr lieb hast, dann machst du drei Dinge viel bewusster in deinem Leben. Ernähren, pflegen, schützen. Weil ich wertvoll bin. Die dritte Art der Vergebung ist um Vergebung bitten. Denn wenn ich sage, ich vergebe dir, dann sage ich auch zugleich, du bist schuld an allem. Also das habe ich jetzt halt nicht erzählt. Ich habe meinen Vater ein Jahr vor unserer Versöhnung, da bin ich mal zu ihm hin auf der Straße und habe gesagt, Vater, ich vergebe dir, weil mir jemand den Rat gegeben hat zu vergeben. Da hat mein Vater gesagt, was? Du mir? Für was denn?

0:37:03Da habe ich gesagt, für was denn? Und das war die Einladung, die ganze Anklageschrift neu zu verlesen. Je mehr ich all diese Dinge sagte, desto größer wurde der Streit. Und was machst du? Das ist, wenn du auf jemanden schießt, was macht das mit ihm? Er wird verwundet, er wird tödlich verletzt, er flüchtet, er betäubt sich. Das war das Leben meines Vaters. Zurückschießen, betäuben, Flucht. Und deshalb habe ich gelernt, um Vergebung zu bitten. Das ist entwaffnend. Das hat mein Leben verändert. Und die vierte Form des Vergebens ist, dass du anderen vergibst. Vergeben bedeutet aber nicht etwas gutheißen. Also als meine

0:37:39Frau 2010 mit meiner Tochter einen schweren Autounfall hatte, da ist ein junger Mann statt 70 Stundenkilometer mit 140 Stundenkilometern das Auto meiner Frau gefahren. Ich bin noch nicht fertig mit dem Unfall. Leide da heute noch drunter. Ein junger Mann der fünfmal den Führerschein weg hatte, der zu Hause nicht gehört hat, du bist geliebt, wir lieben dich, weil sein Vater ging, als er ein Baby war. Er hat es immer wieder gebraucht, ich verstehe ihn total. Aber verstehen bedeutet nicht einverstanden sein. Und noch bevor unsere

0:38:15Freundin zu Grabe getragen wurde, also meine Frau der 50 Knochenbrüche, innere Verletzungen, drei Liter Blutverlust und da war ich damals zwei Stunden von zu Hause weg und da habe ich den schlimmsten Anruf meines Lebens bekommen. Und ich bin zwei Stunden, ich habe nicht gewusst, ob meine Frau und mein Kind noch leben. Und wenn du jetzt Gott nicht hast, wo schreist du da hin? Zum Universum? Daumen drücken, toi toi toi, universelle Energie? Ich brauche das alles nicht. Ich brauche das nicht. Ich brauche das Du gegenüber. Und so bete ich zwei

0:38:41Stunden im Auto und habe das erleben dürfen. Und vier Tage später ist unsere Freundin beerdigt worden. Der Unfall war an einem Samstag und am Donnerstag war die Beerdigung und an einem Mittwoch fuhre ich hier durch die Straßen durch und ich höre wieder diese innere Stimme, die mich so oft schon gut geleidet hat, die mich aber auch herausgefordert hat. Und diese Stimme sagt, du gehst jetzt zu dem Jungen hin und du vergibst ihm. Und ich habe wieder rebelliert. Und dann bin ich aber hingefahren, denn er war unverletzt. Er macht mir die Haustür auf, er hatte so Binden um seine Hände, weil er Brandblasen hatte, Verbrennungen hatte.

0:39:17Und als er mich an der Haustür sieht, schaut er mich an und sagt, Herr Stahl, Sie hier? Dann breitet er die Arme aus und sagt, Sie können alles mit mir tun, was Sie wollen. Da habe ich gesagt, es ist gut. Ich bin gekommen, um dir zu vergeben. Und er schaut mich an, sagt, Sie vergeben mir. Ich habe eine Mutter von fünf Kindern getötet, Ihre Frau kämpft gerade um ihr Leben und Sie vergeben mir. Warum denn? Da habe ich gesagt, das kann ich dir erklären. Ich kann nicht mehr schlafen.

0:39:43Ich habe immer Angst, wenn das Telefon klingelt. Wenn es nicht klingelt, habe ich auch Angst. Und wenn ich jetzt anfange, dich zu hassen, dann verliere ich die letzte Kraft. Deshalb vergebe ich dir nicht, damit du frei bist, sondern damit ich frei bin. Und das sind die vier Vergebensarten. Die Vergebung Gottes, dir selber und Vergebung bitten und Vergebung gewähren. Und deshalb bin ich frei. Ich bin frei. Ich habe sogar die Freiheit, über meine Gefängnisse zu sprechen. Ich habe zwar noch Ängste in mir drin, ich habe seit dem Unfall meiner Familie, meine Frau hat ja mir Leben gekämpft, zwei Wochen. Also musste ich jeden Morgen auf die Intensivstation anrufen und fragen, ob meine Frau noch lebt.

0:40:17Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt. Und wo sie dann irgendwann mal über den Berg war, habe ich gedacht, jetzt mache ich das Handy aus. Ich habe drei Monate vor, als mein Vater gestorben ist, zum Telefon erfahren. Vier, fünf Monate vor, als mein bester Freund starb, zum Telefon erfahren. Ich habe dann beschlossen, Ende 2010, jetzt mache ich die Kiste aus. Ich habe seit dieser Zeit nie mehr ein Klingelton gehört bis heute.

0:40:42Das ist meine Wunde noch. Aber auch da sage ich Gott, das ist meine Wunde. Bring es in Ordnung, Stück für Stück. Aber alles hat und braucht auch seine Zeit. Michael, was machst du heute? Was ich heute mache? Mit euch Kaffee trinken. Ja, also ich habe mit dem Tag, mit der Versöhnung mit meinem Papa den Sicherheitsdienst sofort an den Nagel gelegt. Ich brauche das nicht mehr.

0:41:06Ich brauche diese Etikette nicht mehr. Ich brauche das nicht mehr. Es ist zu anstrengend für mich. Und ich brauche das nicht mehr. Ich habe da einen absoluten Frieden gefunden. Der schwarze Gürtel ist auch nicht mehr wichtig, der hängt oben an der Wand. Da hat mich mal einer gefragt, wieso trägst du den schwarzen Gürtel nicht, wieso hängt der an der Wand? Sag ich, damit du mich fragst. Damit ich dir die Geschichte von Minderwertigkeitsgefühlen erzählen kann und von meinen Kämpfen. Heute mache ich Projekte in mehreren Ländern. Ich gehe in Gefängnisse rein, arbeite mit Drogensüchtigen, Obdachlosen.

0:41:36Ich kann die Leute jetzt in den Arm nehmen. Das ist einer der wichtigsten Botschaften, dass man sich in den Arm nimmt. Ich möchte den Leuten sagen, sprecht die Liebe aus, bevor es zu spät ist. Es gibt keine Umarmung, die zu viel ist. Und es gibt kein Ich-hab-dich-lieb, das zu viel ist. Es kommt der Moment in unserem Leben, wo wir feststellen werden, es ist zu wenig. Was ich den Leuten auch noch sagen will, ich für mich persönlich, Ich bin ja immer mit Sterbenden zusammen und die bereuen die Dinge, die sie nie getan haben.

0:42:05Auch da kann ich frei davon werden, von diesem schlechten Gefühl, von dieser Schuld. Ich schreibe Bücher, ich unterrichte hier Selbstbehauptung in diesem Haus, halte Vorträge über Versöhnung. Ich bin in vielen staatlichen Einrichtungen, spreche da natürlich nicht über Glauben. Ich hoffe, dass es euch okay ist, wenn ich darüber spreche heute hier. Aber ansonsten, es ist mein Leben. Ich muss nicht jedem, wo ich draußen bin, über meinen Glauben erzählen,

0:42:32wo es nicht erwünscht ist, aber ich spreche über Liebe und Versöhnung. Das macht die Leute neugierig. Und wenn sie dann mehr wissen wollen, dann sage ich es ihnen sehr gerne. Wo sprichst du über Liebe und Versöhnung? Überall. In Firmen, in Gemeinden, im Gefängnis.

0:42:49Überall, wo ich willkommen bin. Überall. Michael, was wünschst du dir für deine Zukunft? Ich habe eigentlich keine... Manche Leute fragen mich, was wirst du dir für die Zukunft noch vornehmen? Keine Ahnung. Ich lebe heute. Ich bete jeden Abend für viele Menschen. Ich weiß, dass Gott bei mir ist. Ich habe gar keine Pläne. Null.

0:43:13Gibt es denn Wünsche? Also nicht, wo du sagst, das sind Ziele, sondern klare Wünsche, wo du sagst, das erhoffst du dir. Also ich bete für Menschen, dass sie Gottes Liebe kennenlernen. Das mache ich ja. Für ganz, ganz viele Menschen.

0:43:26Aber ansonsten, ich habe auch nicht mehr dieses Motto, lebe deinen Traum. Ich habe meine Träume gelebt, es hat mich zerstört. Ich folge auch nicht mehr meinem Herzen. Was soll das sein? All diese Dinge, ich versuche, das sind alles so egoistische Dinge, wo die Welt heute so als Logo hat, als Werbespruch, lebe deinen Traum, folge deinem, ich habe das alles durch. Ich möchte viel mehr, weißt du, diese ganzen Themen, Selbstverwirklichung,

0:43:58Selbstfindung und so weiter, das ist die Garantie von sehr einsames Leben. Ich habe das alles durch. Ich wünsche mir viel mehr ein Wir und ein Uns. Ich bin immer wieder auch mit alten Menschen zusammen im Seniorenheim, im Betreuten wohnen, und die Leute sagen, es kommt niemand mehr. Das ist eine Verwirklichung. Ich brauche das nicht mehr. Ich nehme mir Zeit für die Algen, ich nehme mir Zeit für Familien, ich mache die einfachen Dinge wieder.

0:44:24Das wünsche ich den Leuten. Und das ist es, das ist das, was ich persönlich habe erfahren dürfen in meinem Leben, in meinen Grenzerfahrungen mit dem Unfall meiner Familie, bei dem Moment, an dem ich fast gestorben wäre, bei meinem Herzinfarkt. Und ich glaube, dass das, was ganz zum Schluss so wichtig ist, wenn du stirbst, wenn es dir den Boden unter den Füßen wegreißt, wenn du da einen Halt hast, in diesen Momenten, dann muss das, was dich in diesen Momenten trägt und Hoffnung gibt, zum Mittelpunkt deines Lebens werden. Und das versuche ich zu leben. Danke dir, danke dir, dass du deine wirklich inspirierende Geschichte mit uns geteilt hast. Ich habe mich gefragt, ich habe geantwortet, sehr gerne. Danke und wir

0:45:08wünschen dir alles Liebe und alles Gute für dich in deine Zukunft. Das wünsche ich euch von Herzen auch und alle, die das jetzt hören und sehen auch. Dankeschön. Hier noch eine Anmerkung. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, bitte zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

0:45:26Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen. Bis zum nächsten Mal bei Von Bohne zu Bohne. Du willst selbst bei uns dabei sein? Dann melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media. Selbst bei uns dabei sein? Dann melde Dich auf unserer Website oder unserer Social Media.

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