Missbrauch vom Vater, Trauma und Heilung - der Weg zur Vergebung #43 Esther
Shownotes
Esther wächst in einem streng religiösen Elternhaus auf. Ihr Vater ist eine angesehene Person in der Gemeinde – und ihr Peiniger. Mit 14 beginnt der Missbrauch, der vier Jahre andauert. Jahrzehntelang schweigt sie aus Angst, aus Scham. Beziehungen scheitern, ihr Leben gerät aus den Fugen.
Doch dann trifft sie eine Entscheidung, die alles verändert: Sie vergibt ihm.
In dieser Folge erzählt Esther von ihrem Trauma, von der Macht des Schweigens – und davon, warum Vergebung nicht für den Täter, sondern für das eigene Überleben geschieht. Heute hilft sie mit ihrer „Oase“ für missbrauchte Frauen anderen Betroffenen, einen Weg aus der Dunkelheit zu finden.
Zeitstempel: 0:00 – 2:00: Einleitung & Vorstellung 2:00 – 6:00: Strenges, religiöses Elternhaus 6:00 – 9:00: Der erste Übergriff 9:00 – 13:00: Jahre des Missbrauchs & Schweigen 13:00 – 18:00: Flucht mit 18 18:00 – 22:00: Tiefpunkt & Suizidversuch 22:00 – 26:00: Vergebung 26:00 – 30:00: Ein Schutzraum für Betroffene 30:00 – 35:00: Auswirkungen auf ihre Kinder 35:00 – Ende: Botschaft an alle Betroffenen
Kontaktinformationen Esther:
Webseite - Oase-Initiative - Hilfe für Frauen in Not: https://oase-initiative.de/
Buch - Du hast nach niemals vergebens gesucht: https://martonius.org/?s=niemals+vergebens
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0:00:00Und dann kam mein Vater die Treppen hochgerannt und hat gesagt, Esther, du kannst doch jetzt nicht in dein Zimmer gehen, du musst jetzt die Mutti spielen. Und dann wusste ich jetzt gar nicht, was er so damit meint. Er hat gesagt, komm jetzt mit ins Schlafzimmer. Papa, du hast mich sexuell missbraucht, du hast mein Leben fast getötet, du hast meine Seele fast getötet, aber hier und jetzt vergebe ich dir. Und dann fiel eine Zentnerlast von mir runter.
0:00:29Trigger Warnung. Bevor wir beginnen, möchten wir dich auf etwas Wichtiges hinweisen. Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig. Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Hörens unseres Podcasts wohlfühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst. In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Hörende verstörend sein könnten. Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor. Falls du denkst,
0:00:52dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden. Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist. Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne. Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste. Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne. Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste. Kein Name, keine Information, keine Themen.
0:01:18Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein. Ich bin Sanja und ich suche die Gäste. Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit spannenden Persönlichkeiten und faszinierenden Erlebnissen sind. Und genau die wollen wir mit euch teilen. Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen? Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
0:01:43Mein Name ist Charlotte. Mein Name ist San Folge. Mein Name ist Charlotte. Mein Name ist Sanja. Mein Name ist Esther und ich wurde von meinem Vater sexuell missbraucht. Oh hi, hi Esther, ich habe direkt Gänsehaut bekommen. Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll. Ganz schwierig. Okay, was würdest du denn sagen, wo fängt denn deine Geschichte an? In der Kindheit. Also ich wurde in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Ich habe noch vier Brüder und mein Vater war Pastor einer freien Christengemeinde.
0:02:13Und das war sehr streng. Wir durften eigentlich gar nichts. Alles war Sünde und alles war verboten. Kein Fernsehen gucken. Ich durfte keine Hosen tragen. Ich durfte nicht zum Friseur meine Haare schneiden. Also das war schon sehr, sehr, sehr anstrengend, dieses Leben in diesem Haus. Warst du die Jüngste von denen? Die Zweite.
0:02:37Ein Bruders älter. Wir kamen alle ziemlich hintereinander. Aber ja, das war jetzt nicht so einfach und das war sehr anstrengend, weil mein Leben bestand fast nur noch aus Gemeinde gehen, Gott gehorchen und aufpassen, dass man nichts Falsches macht oder sagt. Das war sehr anstrengend. Was würdest du denn sagen, wie hat sich die Auslebung des Glaubens unterschieden von der
0:03:03klassischen Art und Weise, die man so kennt? Weil ich das andere gar nicht so richtig kenne. Ja, dass ich halt nichts durfte. Dass Fernsehgucken schon Sünde war, vom Teufel war. Dass Hosentragen stand in der Bibel, es darf man nicht als Frau.
0:03:18Und seine Haare schneiden lassen auch nicht. Oder Fingernägel lackieren oder sowas. Das war alles nicht erlaubt. Steht aber nicht in der Bibel. Okay, das bedeutet, also du bist aber dann auch in einer religiösen Schule auf, zur Schule gegangen?
0:03:37Nein, das bin ich nicht. Deshalb wurde ich da auch sehr ausgelacht. Ich wurde auch da nie mit meinem Vornamen genannt worden, sondern immer mit dem Nachnamen. Wieso mit dem Nachnamen? Ja, da kommt die, ich sag jetzt einfach mal Müller, weil ich meinen Namen nicht sag, da kommt die Müller. Weil ich so altmodisch angezogen war.
0:03:54Ah, ok, ich verstehe. Immer mit Zöpfen oder Nähhaar auf, also richtig altmodisch. Wurde der Glaube stärker auf dich projiziert als auf die Jungs? Das kann ich jetzt nicht sagen, aber die hatten es einfacher, weil sie Jungs waren. Und das bedeutet, sie dürfen Hosen tragen, sie dürfen mehr rausgehen, ähnliches? Dürfen sie auch. Ich durfte weniger, aber sie wurden auch sehr streng erzogen.
0:04:20Da wurden wir gleichgehalten. Wir mussten alle in die Gemeinde. Und dein Vater war dann der Pastor dieser Gemeinde letztendlich? Der war der Pastor der Gemeinde, ein sehr strenger, ja. Okay, und das bedeutet für dich natürlich auch noch mal die Auslegung, beziehungsweise die Auslegung des Glaubens ist auch von dir abhängig, weil das spiegelt natürlich auch die Gesellschaft dann wieder, wie die sich zu verhalten haben. Genau. Okay, wann hast du für dich denn gemerkt, dass das nicht für dich zusammenpasst? Also, dass du dich damit nicht wohlfühlst?
0:04:48Ich gehe jetzt mal davon aus, dass du dich damit nicht wohlgefühlt hast. Also mit dem Glauben, weil ich ja so groß geworden bin, habe ich mich wohlgefühlt. Ich bin schon gerne in die Gemeinde gegangen. Ich habe auch Gott geliebt. Ich habe Jesus in mein Leben gelassen.
0:05:03Ich habe die Bibel gelesen, wir haben viel gesungen. Das hat mir schon was gebracht, dieser Glaube, das kann ich nicht anders sagen. Wie war denn deine Beziehung zu deinen Eltern, unabhängig vom Glauben jetzt? Nicht so gut, nicht so gut. Mein Vater hat mich nie in den Arm genommen, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern oder es hat mal was mit mir alleine gemacht. Ja, meine Mutter hat mich leider nicht geliebt, sie mochte
0:05:33keine Mädchen. Das hat sie mir mal gesagt, als ich acht oder neun Jahre alt war. Da habe ich wahrscheinlich wieder was falsch gemacht, was ich immer in ihren Augen falsch gemacht habe. Und dann hat sie zu mir gesagt, Esther, ich wollte sowieso keine Mädchen. Ich mag auch keine Mädchen.
0:05:49Deshalb war die Beziehung von meinen Eltern nicht, zu meinen Eltern nicht so gut war. Obwohl ich meine Mutter sehr geliebt habe. Die Beziehung zwischen deinen Eltern, war die gut? Ja. Ich hab zwar nie gesehen, dass sie sich in den Arm genommen haben.
0:06:04Aber es war nie laut, die haben sich nicht gestritten. Das lief ganz harmonisch und meine Mutter dachte auch immer, dass sie eine gute Ehe führt. War das die klassische Rollenverteilung, wie man es von früher kennt, dass deine Mama zu Hause war und sich um Haushalt und Kinder gekümmert hat? Richtig. Ob das jetzt so üblich war oder dass sie das so gemeint hat, sie müsste
0:06:26das, aber fünf Kinder, da konnte sie auch gar nicht. Sie hat ihre Arbeit gerne gemacht als Pastor und Frau. Du hast jetzt von deinen Brüdern berichtet. Wie ist dann die Beziehung zu deinen Brüdern gewesen in der Kindheit? Die waren mal gut, mal schlecht. Wir haben uns schon viel gezankt, aber ich hatte einen Lieblingsbruder, der mittlere, und wir haben viel unternommen, viel gespielt und ja, aber das war schon harmonisch. Was würdest du denn sagen,
0:06:59wann hat das dann angefangen mit den Übergriffen? Ich sage jetzt, dass es, ich war 14. Aber ich meine, dass es schon früher war, aber das daran kann ich mich nicht erinnern, das weiß ich nicht. Aber meine Mutter musste ins Krankenhaus, sie musste sich operieren lassen und dann waren wir alleine zu Hause.
0:07:18Und dann wollte ich in mein Zimmer gehen, abends, zu Bett gehen. Und dann kam mein Vater die Treppen hochgerannt und hat gesagt, Esther, du kannst ja jetzt nicht in dein Zimmer gehen, du musst jetzt die Mutti spielen. Und dann wusste ich jetzt gar nicht, was er so damit meint. Er sagte, komm jetzt mit ins Schlafzimmer. Erst habe ich gedacht, er kann nicht alleine sein und dann
0:07:42bin ich halt mit. Aber als er sich dann auszog und er sagte, ich soll mich auch auszählen, man durfte meinem Vater nie widersprechen, nie, keiner. Also musste ich das tun. Und ich habe, weil ich so streng erzogen wurde, noch nie in meinem Leben bis zu meinem 14. Lebensjahr keinen nackten Mann oder meine Brüder nie nackt gesehen. Und das war dann für mich natürlich ein natürlich ein ganz großer Schock, als ich
0:08:08mich dann zu ihm legen musste und er befummelte mich und ich musste auch ihm befummeln, was ich noch nie gemacht habe. Und dann schrie ich innerlich, Gott was geht denn hier ab? Es kann doch nicht wahr sein, dass neben mir der Pastor liegt und vor der Kanzel sagt, vor der Ehe kein Sex, rein in die Ehe gehen und Gott gehorchen. Und dann macht er sowas mit mir. Ich habe das überhaupt nicht verstanden.
0:08:35Das war das schrecklichste Erlebnis, was ich je gehabt habe. Ich fiel in ein ganz schwarzes Loch. Was nicht passiert ist, dass er in mich eingedrungen ist. Weil ich hab mich so steif gemacht, dass Gott das nicht zugelassen hat. Also das war wirklich... Er hat es versucht, aber es ging nicht.
0:08:53Ging nicht. Weil du einfach dich so verkrampft hast. Ja. Okay, weil du einfach dich so verkrampft hast. Ja. Okay. Ja. Okay. Was würdest du sagen, hat sich das wiederholt oder war das eine einmalige Sache? Das in Schlafzimmer, im Elternschlafzimmer war eine einmalige Sache, weil meine Mutter ja wiederkam.
0:09:07Aber er kam seit dem Tag gefühlte jeden Tag in mein Zimmer und habe mich befummelt. Ich habe mich schlafend gestellt und habe nur innerlich geschrien und gesagt, lass ihn jetzt endlich gehen. Und irgendwann ging er dann auch wieder. Mein Vater war ein Nachtmensch, ging erst 12, also 24 oder 1 Uhr ins Bett. Und meine Mutter schon früh, weil sie ja den ganzen Haushalt machen musste. Und deshalb kam man dann, gefühlte jede Nacht.
0:09:35War es bestimmt nicht, aber schon lange und viele Jahre. Haben deine Brüder das mitbekommen? Sie sagen nein, haben sie auch nicht. Die haben alle geschlafen, war ja mitten in der Nacht. Das haben die nicht. Das heißt, du hattest dein eigenes Zimmer? Ja.
0:09:49Okay. Was würdest du denn sagen, wie viele Jahre ging das so? Also ich war, mit 18 bin ich von zu Hause ausgezogen. Also so lange ging das auch. Wir haben dann in einer anderen Stadt ein Haus angeguckt. Und er sagte, mein Vater, ich soll mitfahren. Ich wollte es nicht, aber ich konnte auch nicht sagen, warum nicht. Dann sind wir da hingefahren, haben uns das Haus angeguckt und haben auch da eine Nacht geschlafen auf einer Matratze oder so.
0:10:16Dann hat mein Vater da geschlafen, ich auf der anderen Seite. Dann rief er immer, Esther, mir ist so kalt, bitte komm und wärme mich. Und da habe ich das erste Mal gesagt, nein, mache ich nicht. Wie hat er darauf reagiert? Gar nichts, er hat nichts darauf gesagt. Und dann sind wir am nächsten Tag wieder gefahren.
0:10:34Und dann habe ich auch mit 18, ich hatte meinen Führerschein gemacht und bin dann ausgezogen in eine ganz andere Stadt. Also ich stelle mir das unfassbar hart vor, dass du dich da niemandem anvertrauen kannst. Wie hast du das mit dir ausgemacht? Das weiß ich. Ich war nicht mehr dieselbe, auf gar keinen Fall. Nicht mehr fröhlich, in mich gekehrt, ganz schüchtern. Und ich habe einfach mit niemandem reden können.
0:11:03Oder ich habe auch Angst gehabt, mit jemandem zu reden, weil mein Vater war schon ein sehr bekannter Pastor. Und deshalb habe ich meinen Mund gehalten. Aber gab es einen Moment während den ganzen vier Jahren, wo du gesagt hast, so jetzt will ich mich irgendwem anvertrauen, meinen Brüdern oder ich gehe zu einer ganz ausstehenden Person, Lehrer, Lehrerin, was auch immer.
0:11:25Gab es diesen Moment für dich? Nein. Ich konnte mich niemandem anvertrauen, weil ich Angst hatte, dass, was weiß ich, dich mein Vater mich umbringt. Aber das, keine Ahnung, ich habe gedacht, da passiert was Schlimmes. Und deshalb habe ich das niemandem gesagt. Als du weggezogen bist, wie ging das Leben für dich dann weiter?
0:11:43Scheiße. Ja, mein Leben war wirklich nicht mehr... Als du weggezogen bist, wie ging das Leben für dich dann weiter? Scheiße. Ja, mein Leben war wirklich nicht mehr lebenswert. Aber ich habe mich ja mein ganzes Leben lang nach Liebe und Anerkennung gesehnt und habe auch danach gesucht. Und dann fing es auch gleich an, dass ich so mit Männergeschichten anfing.
0:11:59Bin rausgegangen. Ich war noch nie in meinem Leben in einer Diskothek und dann bin ich in einer Diskothek gewesen und da war ich 20 und da habe ich einen Mann kennengelernt, der hat mit mir getanzt. Ich konnte ja gar nicht tanzen, aber der hat so viel Geduld gehabt. Stundenlang sind wir auf der Tanzfläche gewesen. Er hat sich sehr an mich verliebt und ich war auch verliebt. Und das war dann fast so meine erste Begegnung mit einem Mann,
0:12:28dass ich auch mit einem Mann ins Bett ging. Und ja, dann war ich auch gleich schwanger und dann haben wir geheiratet. Gleich schwanger auch nicht, wir waren ungefähr zwei Jahre zusammen und dann haben wir geheiratet. Wenn du sagst, dass es deine erste sexuelle Begegnung, abgesehen von die mit deinem Vater gewesen. Wie war sie für dich? Ja, nicht so schön.
0:12:58Nicht so schön. Ich habe auch gar nichts, gar nichts gespürt. Aber ich habe gedacht, damals habe ich gedacht, das ist normal, dass man nicht immer was spüren muss. Ich habe also sehr selten was gespürt. Meinst du jetzt rein physisch oder mental?
0:13:14Mental. Okay. Physisch habe ich mich schon reingeben können, aber ja, da war eine Blockade und ich konnte das auch nicht so richtig zuordnen. Damals hatte ich noch nicht das Gefühl, dass das ganz starke Depressionen waren, die ich hatte. Und dass das mit dieser Vergangenheit nicht klappen konnte. Hattest du diesem Mann erzählt, im Verlauf dieser zwei Jahre, bis du schwanger wurdest, was dir widerfahren ist?
0:13:43Nein. Nein, habe ich nicht. Also das war so ein Geheimnis, ich konnte da überhaupt nicht drüber reden. Mein Mund war so zu wie so mit einem Reißverschluss. Ich konnte es nicht, bis die Ehe anzuwackeln fiel. Und das fing auch ganz schnell an. Es kam zwar nach zwei Jahren ein zweites Kind, mein zweiter Sohn,
0:14:06worauf ich ganz stolz bin. Aber ich habe mich dann nach fünf Jahren scheiden lassen, weil ich das nicht mehr aushalten konnte. Das heißt also, du hast dieses Geheimnis all die Jahre mit dir rumgetragen, ohne es an jemanden weiterzugeben. Hattest du in dieser Zeit Kontakt zu deinen Eltern? Wenig, wenig. Ich kann mich da nicht mehr so dran erinnern. Da war mal eine Feier und da bin ich da hingefahren, aber mit ganz zitternden, stotternden Knien und bin natürlich lange geblieben und bin wieder
0:14:38weggefahren. Ich konnte das nicht aushalten. Hast du es denn irgendwann mal deinen, deiner Mutter auch erzählt, was dir widerfahrt hat? Ja, ich habe es meiner Mutter erzählt, weil es meiner Mutter sehr schlecht ging, auch mit der Ehe meines Vaters ging es nicht mehr so gut und sie hat an Scheidung gedacht und dann habe ich erzählt, ja lass dich scheiden. Wie alt warst du da?
0:15:03Ich glaube 28. Wie hat deine Mutter darauf reagiert? Da hat sie Gott sei Dank ganz toll reagiert und hat gesagt, sie war so traurig,
0:15:16dass mir das passiert ist, und hat gesagt, boah Esther, das tut mir so leid. Sie hat geweint und hat gesagt, irgendwie habe ich es doch vermutet, aber glaube ich nicht. Aber sie war auf jeden Fall sehr geschockt und hat mit mir geweint und fand das richtig ganz schlimm. Und hat mir auch geglaubt, das war das Allerwichtigste. Wie haben deine Brüder darauf reagiert?
0:15:39Denen habe ich es nicht erzählt, die wussten es nicht. Und haben sie es denn überhaupt mal erfahren? Die haben es mal erfahren. Auch irgendwie, da war ein Geburtstag, wir haben ein sehr gutes Verhältnis, wenn wir uns sehen. Und sitzen dann abends noch länger zusammen.
0:15:58Und dann kam das Gespräch mal auf. Aber sie haben sich davon nichts annehmen, anmerken lassen oder irgendwas dazu gesagt. Wann sie mal was dazu gesagt haben, war als meine Mutter vor zwei Jahren, mit 90 Jahren gestorben ist. Da haben wir uns noch mal zusammen hingesetzt, haben dann noch mal darüber gesprochen und haben dann gesagt, es tut uns sehr leid, aber wir waren mit uns selber so beschäftigt, dass wir darauf gar nicht eingehen konnten.
0:16:25Was hat dich dazu gebracht, überhaupt zu sprechen? Überhaupt jemanden mit einzuwahlen? Weil ich das so ungerecht fand, dass ich leide. Und diese andere Person, der ging es gut. Und ich wollte nicht mehr leiden. Ich wollte das mal loswerden. Ich wollte das mal rausschreien.
0:16:46Und wie, was hat das mit dir gemacht, als du es dann tatsächlich mal ausgesprochen hast? Also als ich das meiner Mutter mal gesagt habe, da ging es mir danach noch nicht besser. Das habe ich einfach getan, um meiner Mutter zu helfen. Aber mir ging es danach noch nicht besser. Nein, das kam aber noch. Wie? Wie kam das denn dann?
0:17:08Um es nicht ganz so lang zu machen. Ich habe mich immer nach Liebe und Anerkennung gesehnt, habe dann immer wieder Männerbekanntschaften gehabt. Und dann habe ich meinen zweiten Mann kennengelernt. Das war mit dem auch nicht so dolle. Das Beste war, dass ich noch einen dritten Sohn bekommen habe. Und den liebe ich über alles. Ich liebe alle meine Kinder.
0:17:29Die sind top. Und da kam der, wenn der jetzt nicht da wäre, hätte ich keine Enkelkinder. Also das ist schon gut. Das war das Beste von ihm. Aber sonst war diese Ehe nicht gut. Weiter möchte ich darauf nicht eingehen. Und da habe ich mich nach sechs Jahren wieder scheiden lassen, weil die ging nicht gut. Und du hast jetzt gerade eben gesagt, du wolltest dich damit in Anführungszeichen befreien.
0:17:52Wie kam das? Genau. Mit 30 war es doch so, dass ich gesagt habe, weil dann alles so in die Brüche ging, habe ich mir Tabletten gesucht und wollte mich umbringen. Das hat nicht geklappt. Und dann da kam wieder Gott ins Spiel, dass ich gesagt habe,
0:18:09okay Gott, du wolltest nicht, dass ich sterbe. Warum hast du mich nicht sterben lassen? Ich wollte sterben, aber da fühlte ich, dass Gott es nicht wollte und ich blieb am Leben. Das finde ich jetzt auch gut, dass ich nicht gestorben bin. Aber dann kam wieder eine dritte Beziehung und eine dritte Ehe. Da habe ich mich wieder drauf eingelassen. Und es hat ja so in mir...
0:18:36Da war so ein Gräuel, so ein Hass, so eine Wut und Bitterkeit. Und die wurde ich einfach nicht los. Und dann, wie gesagt, kam ja Gott wieder so ins Spiel. Ich bin mit meinem dritten Mann in die Gemeinde gegangen, weil er das auch merkte, dass mir irgendwas nicht stimmte. Wir sind in die Kirche gegangen.
0:18:58Und dann war eine Frau da, die mich wochenlang beobachtet hat und sagte, du siehst aber schlecht aus, willst du nicht mal auf eine Konferenz? Und dann wollte ich zwar nicht, aber ich bin hingefahren, schwarze Fingernägel, schwarze Haare, ganz schwarz gekleidet. Und dann bin ich da hin. Und dann war das so, dass Gott mich so berührt hat,
0:19:21dass ich gemerkt habe, seine Liebe fließt so durch mich durch. Da habe ich mich so wohl gefühlt und gesagt, okay Gott, ich nehme dich wieder in mein Leben auf, ich habe wieder Lust mit dir zu gehen und da merkte ich auch, dass da ein Stück Befreiung und Heilung gekommen ist. Danach bin ich auch mit meinem Mann, mit dem *** in die Gemeinde immer wieder gegangen.
0:19:48Und dann war das nett. Ich habe mich wohl gefühlt. Ich war wieder glücklich und habe mich gefreut am Leben. Aber dann kam in der Predigt das Wort Vergebung. Und das Wort Vergebung, das wollte ich überhaupt nicht hören. Und dann brach wieder eine Welt zusammen. Und dann ging das noch zwei Jahre so.
0:20:10Ich merkte wieder, ich kriegte wieder Depressionen. Meine Ehe ging wieder nicht gut. Meine Kinder habe ich wieder so vernachlässigt. Und also richtig, richtig Scheiße. Und dann habe ich gesagt, okay Gott, ich werde meinem Vater vergeben, aber du musst mir dabei helfen, alleine schaffe ich das nicht.
0:20:26Und bin ich ins Auto gesetzt, bin zu ihm hingefahren und mir haben so die Knie geschloddert. Also ich bin zu ihm hingefahren, anders hätte ich das nicht gekonnt. Einfach so aussprechen, das hätte nicht geklappt. Und dann haben wir uns gegenüber gesessen und haben Kaffee getrunken. Dann habe ich ihm gesagt, Papa du hast mich sexuell missbraucht, du hast mein Leben fast getötet, du hast meine Seele fast getötet, aber hier und jetzt vergebe ich dir.
0:20:53Und dann fiel eine Zentnerlast von mir runter. Ich hatte auf einmal keine Bitterkeit mehr in meinem Herzen, ich hatte keinen Zorn, keine Wut. Eine Zentnerlast fiel runter und ich kann es nicht erklären, wie ich mich da gefühlt habe. So glücklich. Wie hat dein Vater darauf reagiert? Ja, das wollen die meisten gar nicht hören, aber mir war das scheißegal. Er hat gesagt, wie jetzt erst? Ich verstehe nicht mal seine Antwort. Was hat er damit
0:21:25denn gemeint? Weißt du das? Das weiß ich nicht. Er hat auf jeden Fall gedacht, wohl gedacht, ich hätte ihm schon längst verziehen, obwohl wir nie gemeinsam darüber gesprochen haben, aber er dachte wohl, wie jetzt das? Ich dachte, das hättest du schon längst getan. Wie hast du darauf reagiert? Gar nicht. Ich bin aufgestanden. Und dann gegangen? Ja, du glaubst es jetzt nicht oder eher? Aber ich habe ihn noch in den Arm genommen. Ich habe ihn in den Arm genommen und sagte Tschüss.
0:21:50Das war für mich die Befreiung und Heilung pur, weil ich ihn in den Arm nehmen konnte. Ich bin zu meinem Auto, bin, hab mich in mein Auto gesetzt, bin gefahren und hab da nicht vor Traurigkeit geweint, sondern hab gejubelt und gejaucht und hab da wirklich gesagt, Gott, danke.
0:22:11Ich war so der glücklichste Mensch in diesem Moment. Und ja, und jetzt muss ich dann sagen, dass ich so gemeint habe, dass Gott zu mir gesprochen hat. So Esther, ich will, dass du das weitererzählst. Ich möchte, dass du erzählst, dass Vergebung der Schlüssel zur Freiheit ist. Und Esther, ich möchte, dass du sagst, dass sie das für sich selber tun. Und das war für mich auch ganz wichtig, zu wissen und den Menschen zu sagen, das machst du für dich selber und nicht für den anderen.
0:22:47Ich war frei. Was mit meinem Vater dann war, das war mir ja egal. Aber ich war frei. Und deshalb ist Vergebung der Schlüssel zur Freiheit. Hast du danach noch Kontakt zu deinem Vater gehabt? Jahrelang nicht. Aber irgendwann haben wir wieder Kontakt gehabt. Wir haben uns mal getroffen. Ich habe ihn auch mal besucht und ich habe keine Hassgefühle, gar nicht. Jetzt ist er 95, lebt immer noch und ich rufe ihn auch ab und zu an.
0:23:19Weiß er, dass du auch mitunter über deine Geschichte erzählst? Ja. Wie geht er damit um? Einmal als er bei Bibel TV war, da habe ich ihn sogar vorher gefragt, hast du was dagegen, wenn ich da hingehe? Da hat er gesagt nein. Aber als er mich dann gesehen hat im großen Fernsehen, dann war es für ihn ein ganz großer Schock und hat mich dann gesehen hat im großen Fernsehen,
0:23:41dann war es für ihn ein ganz großer Schock und hat mich dann angeklagt und hat gesagt, so jetzt hast du mein Leben zerstört, jetzt weiß es jeder. Hast du seinen Namen genannt? Nein. Die konnten mich gar nicht identifizieren mit ihm. Keiner kannte mein Gesicht oder so.
0:23:59Aber er hat das gedacht, als er mich dann sah. Hat er das Konsequenzen für dich? Nein. Und die Beziehung danach, wie war die dann? Ich habe mich erstmal wieder gar nicht gemeldet, gar nicht. Wir haben uns mit meinen Brüdern und dann mit meiner Mutter getroffen, weil meine Eltern waren dann geschieden.
0:24:17Und das war wunderbar. Mein Vater hatte ich dann lange nicht gesehen. Das war okay, hatte keine Konsequenzen, nein. Ich habe es weiter gemacht. Im Gegenteil, ich konnte dann vielen Menschen helfen, dass sie mich kontaktiert haben, mir eine E-Mail geschrieben haben. Das war gut. Und so fing das auch an, dass ich meine Geschichte mehr und mehr verbreitet habe. Und da nehme ich auch keine Rücksicht auf ihnen.
0:24:42Und jetzt muss er das ja im Prinzip soweit akzeptieren. Ja. Inwiefern hast du anderen Menschen geholfen? Ja, als ich dann von meinem Vater halt weggefahren bin und ich hatte die Eingebung, dass ich das weiter erzählen soll, dann bin ich in Leina gefahren und hab dann das Wort Oase bekommen.
0:25:01Und da sag ich, ja, Gott, eine Oase. Ja, ich möchte eine Oase für Frauen, denen es auch so geht oder gegen wie mir, die sowas erlebt haben wie ich oder sowas ähnliches. Ja, unbedingt eine Oase. Das Wort gefiel mir sehr gut. Was kann ich mir unter deiner Idee einer Oase vorstellen? Ja, eine Oase ist ja, wo Menschen zur Ruhe kommen. Also Menschen, hier sind jetzt Frauen.
0:25:27Ich habe da eine Oase eröffnet, ich habe ein Haus eröffnet. Ich habe eine Initiative gegründet, die Oase-Initiative. Und da haben wir ein Haus gefunden. Mein Mann ist Architekt. Wir haben ein Haus gefunden, das war früher eine Arztpraxis, die haben wir umgebaut. Und da haben wir zehn Frauen Platz, die kommen mit Kindern oder ohne Kind, kommen zu uns und sie haben auch etwas Schreckliches erlebt,
0:25:58aber sie dürfen darüber erzählen oder auch nicht. Sie dürfen sein, sie dürfen hier erstmal leben, sie dürfen aufatmen, sie haben ihr eigenes Apartment, wir haben Aktivitäten, wir frühstücken zusammen. Das ist wie eine große Familie. Gibt es eine zeitliche Begrenzung, wie lange die Frauen hierbleiben dürfen? Eigentlich schon, aber die Familie ist, die wollen immer in der Familie bleiben.
0:26:23Also eigentlich zwei Jahre, aber sie bleiben auch schon drei, vier und fünf Jahre. Was würdest du sagen, ist dir in all den Jahren am meisten in Erinnerung geblieben an Geschichten von Frauen? Ja, dass die meisten sexuell missbraucht wurden, dass sie was ganz Trägliches erlebt haben, aber dadurch, dass sie gekommen sind, darüber erzählen konnten, haben sie Heilung erfahren, wurden glücklich, zufrieden. Habt ihr psychologische Betreuung hier?
0:26:53Nein, nein, die haben wir nicht. Wer Psychologen oder Therapeuten aufsuchen möchte, der kann das von hier aus machen. Aber wir haben hier keine. Wie finanziert ihr euch? Durch Spenden. Ja, wir finanzieren uns durch Spenden. Das ist wirklich ein Glaubensprojekt, wo ich nicht jeden Monat zitter, aber ich habe einen großen Glauben, dass das Geld immer reinkommt. Und wir gehen mit den Frauen zum Jobcenter und da beantragen wir dann Bürgergeld.
0:27:25Und die meisten kriegen es auch. Was würdest du sagen, hat all deine Erfahrungen mit der Beziehung zu deinen Söhnen gemacht? Ich habe mich mit meinen Söhnen zusammengesetzt und habe sie auch um Vergebung gebeten und da haben sie gesagt, Mutter das war doch alles gar nicht so schlimm. Wir haben dich geliebt und wir fanden die Erziehung und die Kindheit gar nicht so schlecht. Und jetzt haben wir das aller allerbeste Verhältnis. Wir lieben uns und das klappt alles richtig gut. Was hast du denn oder warum hast du genau um Vergebung gebeten?
0:28:05Dass ich sie nicht so lieben konnte, nicht so viel mit ihnen unternehmen konnte, als ich so starke Depressionen hatte. Ich habe oft auf der Couch gelegen, habe die Decke angestarrt und aber da war Gott sei Dank mein Ex-Mann, der sie dann auch genommen hat, oft. Hast du, was würdest du sagen, wann bist du so wirklich aus der Depression rausgekommen? Mit der Tatsache, dass du deinem Vater um Vergebung oder dass du ihm verziehen hast?
0:28:35Ja, erst dann. Vorher habe ich besser gelebt, aber auch erst als ich Gott finde mein Leben gegeben habe, ab da ging es mir schon besser. Aber ich meine, ich war 50, als ich meinen Vater vergeben habe. Wow. Das war schrecklich lang.
0:28:56Und ich glaube auch, dass ich deshalb an die Öffentlichkeit gehe, weil ich Menschen und vor allem auch Frauen sagen möchte, mach das nicht so lange, halte das nicht so lange durch. Vergebt, versucht zu vergeben. Ich gebe auch Vergebungsseminare. Also ich finde das richtige Botschaft.
0:29:17Vergebung ist der Schlüssel zur Freiheit. Hast du dir denn selbst vergeben, dass du so lange gebraucht hast, um ihm zu vergeben? Das habe ich auch gemacht. Wie hat das funktioniert für dich? Ja, auch wieder mit Gott. Also ohne Gott hätte ich das gar nicht geschafft,
0:29:34diese ganze Geschichte. Aber ich habe Gott gesagt und habe ihm um Vergebung gebeten. Ich habe gesagt, Gott, es tut mir so leid, dass ich so lange in Unvergebenheit gelebt habe und meinem Vater nicht vergeben habe. Aber hier und jetzt vergebe ich mir. Wie hat sich danach dein Leben entwickelt? Also zuerst hattest du ja deinem Vater vergeben und jetzt hast du gerade beschrieben, dass du dir vergeben hast.
0:30:01Inwiefern hat sich dann dein Leben verändert? Dass ich mehr Liebe hatte. Viel mehr Liebe. Ich kriege richtig Gänsehaut. Viel mehr Liebe für andere Menschen, für die Frauen, die hier leben. Ich war noch zufriedener. Also mir ging es danach auch wieder richtig gut. Das heißt für dich war Einfühlsamkeit plötzlich ein Begriff, der spürbar war. Ja, ganz genau. Aber wenn ich das richtig verstehe, hast du das ja gemacht oder du hast deinem Vater verziehen und hast danach erst die Oase gebaut.
0:30:39Ja. Okay. Bedeutet also, dir war dann schon dein Herz offen und du konntest dann schon die Liebe von anderen auch spüren. Ja. Okay.
0:30:48Ja, okay. Verstehe. Also das war wirklich der Peng, der Schlüssel, dass ich meinem Vater vergeben habe. Das war toll. Würdest du behaupten, dass du heutzutage noch in irgendeiner Art und Weise Wut in dir hast? Nicht nur deinem Vater gegenüber, sondern vielleicht auch den Männern,
0:31:08die den Frauen, die hier wohnen, Schlechtes tun? Habe ich. Hab ich auf jeden Fall. Meinen Vater gar nicht mehr. Da hab ich nichts mehr. Das kann ich wirklich sagen.
0:31:17Da bin ich heil. Aber wenn ich so merke, was Frauen mitschleppen, da bin ich wütend, ja. Das ärgert mich so total, dass sie auch so viele Jahre, so viele Jahre mit dieser Qual, mit dieser Charme und mit dieser, ja. Hast du denn noch Liebe für deinen Vater übrig?
0:31:39Wenn ich da Ja sagen würde, dann würde ich dir sagen, ich spinne. Aber Jein, vielleicht ist es auch mehr Mitleid. Aber jetzt, wo er so 95 ist und alleine da so lebt. Ja, also es ist, du kommst mit ihm aus, aber du würdest jetzt nicht sagen, dass eine tiefe, innere, innge Beziehung zwischen euch beiden besteht? Als er jetzt so krank war, er war auch im Krankenhaus und ist gestürzt und es ging ihm sehr schlecht, dass wir alle dachten, er stirbt,
0:32:10da habe ich sogar gesagt, ich nehme ihn hier auf. Was ist das? Ist das nur Mitleid? Ist das zur Neigung noch? Vielleicht auch Verantwortungsgefühl, weil er dein Vater ist. Auch. Okay. Aber das ist jetzt nicht so, dass du sagst, an Feiertagen müsst ihr zusammenkommen oder Ähnliches? Nein. Nein, das ist es nicht.
0:32:33Er will es auch nicht. Er ist zu alt, er möchte jetzt alleine sein. Okay, wohnt er denn weit entfernt von dir? Vier Stunden. Ja, okay, das ist schon. Wenn du darüber nachdenkst, laut deiner Erfahrung, was hilft abgesehen von Vergebung, am meisten den Frauen, die hier wohnen, wenn sie so eine Tat erlebt haben? Die Gemeinschaft mit anderen. Dass sie merken und spüren, hier ist es wie in einer Familie, die sie auch gar nicht so kannten. Und hier können sie aufatmen, hier können sie sein. Wenn es ihnen mal schlecht geht, dürfen sie auf ihr Zimmer gehen.
0:33:15Und andere Frauen helfen ihnen, fragen, wie geht es, was kann ich für dich tun. Und das ist schon so viel wert. Haben die Kinder auch teilweise Dinge mitbekommen? Ja. Wie geht ihr damit um? Nur mit Liebe.
0:33:30Aber da sagen wir auch schon mal, dass sie einen Therapeuten aufsuchen sollten und den mit ins Boot nehmen. Aber ihr geht nicht aktiv ins Gespräch mit den Kindern oder ähnliches? Nein, das hatten wir noch nicht. Was glaubst du, was hätte dir am meisten geholfen in deinen jungen Jahren als junge Frau? Liebe Anerkennung, dass man mich mal ernst nimmt, dass
0:33:56man mich sieht. Ich habe mich immer so gefühlt, dass wenn man mich mal ernst nimmt, dass man mich sieht. Ich habe mich immer so gefühlt, als wenn man mich gar nicht sieht. Bereust du es, dass du es erst nach, ich glaube, 14 Jahren deiner Mutter gesagt hast? Da habe ich noch nicht so richtig drüber nachgedacht. Kann sein, aber vielleicht auch nicht. Nein, nein.
0:34:16Weil dann ging auch die Ehe meiner Eltern erst kaputt. Und das hätte vorher nicht viel gebracht, glaube ich nicht. Was würdest du anderen Frauen oder Menschen empfehlen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben? Reden. Dass sie sich jemanden suchen, Freundin, Seelsorger, Therapeuten. Einfach reden. Dass sie nicht schweigen, dass sie das nicht in sich hineinfressen, denn das ist Gift. Das macht den ganzen Körper kaputt, das macht die Seele kaputt und den Körper. Und wenn die Seele schmerzt,
0:34:52ist der Körper auch kaputt. Und viele haben hier auch Schmerzen, die ich auch hatte. Ich war dauernd krank und das merkt man auch, wenn die Seele krank ist, ist der Körper auch krank. Dass sie sprechen, dass sie sich jemandem anvertrauen und dass sie sich in den Arm nehmen lassen, was wir hier auch ganz viel tun. Ich weiß ja, dass du auch ein Buch geschrieben hast. Wovon handelt dieses Buch? Das handelt von meiner Geschichte. Das ist eine Kurzform.
0:35:19Da habe ich den Missbrauch kurz erwähnt, habe aber auch dann, wie ich meinen Vater vergeben konnte, wie mein Leben wieder Sinn hatte, wie ich wieder Hoffnung bekommen habe, auch natürlich durch Gott. Und das haben ein paar Freundinnen in meinem Buch geschrieben, wie sie mich kennengelernt haben,
0:35:39wie ich verbittert und zornig und wütend war und wie ich dann Heilung erfahren habe. Das haben die Freundinnen dann auch in dem Buch erwähnt. Was wünschst du dir für die Zukunft deiner Oase oder eurer Oase? Dass noch mehr Frauen dieses Haus aufsuchen, dass noch mehr Frauen Hilfe suchen und dass nicht, wie ich eben auch schon sagte, dass nicht so lange in sich hineinfressen. Denn ich bekomme E-Mails und WhatsApp WhatsApp, dass eine Frau war 71, die hat
0:36:14noch nie darüber geredet und ich wünsche mir so sehr, dass sie sprechen. Mich kann man auch immer wieder anrufen und oft ist auch hier ein Platz in der Oase, dass sie sich auf jeden Fall Hilfe suchen. Und da fehlt natürlich auch echt Hilfe von Unterstützern, die solche Frauen diese Oase auf dem Herzen haben und dann auch spenden würden. Denn kontinuierliche Spender, die bräuchten wir wirklich noch viel mehr.
0:36:44Was wünschst du dir denn für deine persönliche Zukunft? Ja, ich werde nächstes Jahr 70 und ich wünsche mir, dass dann hier Mitarbeiter sind, die das weiterführen, fortfahren und ich mich dann auf andere Dinge konzentrieren kann. Ich danke dir, danke dir, dass du sprichst und dass du deine Geschichte mit uns und mit allen anderen teilst, damit auch andere Frauen davon profitieren können. Danke Esther und wir wünschen dir alles Liebe und alles Gute für dich in deine Zukunft.
0:37:17Ich danke euch, ihr seid so herrlich, ihr seid so herzlich. Danke, dass ihr gekommen seid. Dankeschön. Hier noch eine Anmerkung. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, bitte zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen. Bis zum nächsten Mal bei Von Bohne zu Bohne.
Transcribed with Cockatoo
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