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Mit 23 harninkontinent: Scham, heimliche Windeln & die Angst im Bundeswehralltag #109 Lisa

Shownotes

Lisa ist 23 Jahre alt, sportlich und mitten in der Grundausbildung bei der Bundeswehr, als sie während eines 1.000-Meter-Laufs plötzlich die Kontrolle über ihre Blase verliert.

Zunächst hofft sie, dass es ein einmaliger Vorfall bleibt. Doch schon bei den nächsten körperlichen Belastungen passiert es wieder. Beim Rennen, Springen, Heben und später selbst bei alltäglichen Bewegungen verliert Lisa unkontrolliert Urin.

Aus Angst, ihren Traumjob bei der Bundeswehr zu verlieren, erzählt sie zunächst niemandem davon. Stattdessen sucht sie selbst nach Lösungen. Einlagen reichen nicht aus. Schließlich trägt sie Inkontinenzhosen und plant ihren gesamten Dienst um die Erkrankung herum: Wie viele brauche ich für einen Tag? Wo kann ich sie wechseln? Sieht man etwas unter der Sporthose? Was passiert beim nächsten Fitnesstest?

Fast ein Jahr vergeht, bevor Lisa sich einem Arzt anvertraut.

Sie erzählt von Scham, abwertenden Kommentaren eines Vorgesetzten, unterstützenden Kameradinnen und davon, wie die Harninkontinenz zunehmend auch ihr Privatleben bestimmt. Sport, Tanzen, Konzerte und spontane Unternehmungen verschwinden immer mehr aus ihrem Alltag.

Nach zwei Schwangerschaften verschlechtert sich die Situation weiter. Irgendwann reicht schon Husten, Niesen oder das Heben eines Kinderwagens.

Nach der Geburt ihrer beiden Kinder entscheidet sich Lisa für eine Operation. Seit 2023 verliert sie nach eigener Aussage keinen Urin mehr. Trotzdem braucht auch ihr Kopf Zeit, um wieder zu vertrauen, dass sie rennen, springen und mit ihren Kindern toben kann.

Diese Folge handelt von Harninkontinenz bei jungen Menschen, Bundeswehr, Scham, Inkontinenzmaterial, Beckenboden, Schwangerschaft, Operation und einem Thema, über das Millionen Menschen betroffen sind, aber nur wenige offen sprechen.

Zeitstempel: 0:00:02 – 0:01:07: Intro 0:01:07 – 0:09:42: Vorstellung von Lisa, der erste unkontrollierte Urinverlust beim Fitnesstest der Bundeswehr 0:09:42 – 0:13:30: Einlagen, Inkontinenzhosen und die Suche nach dem richtigen Hilfsmittel 0:13:30 – 0:19:24: Angst um den Beruf, Arztbesuch, Physiotherapie und Beckenbodentraining 0:19:24 – 0:25:17: Weitere Sporttests, Unterstützung durch Kameradinnen und Konflikt mit einem Vorgesetzten 0:25:17 – 0:31:19: Scham, Partnerschaften, Isolation und Einschränkungen im Alltag 0:31:19 – 0:38:34: Schwangerschaften, Verschlechterung der Inkontinenz und permanentes Tragen von Inkontinenzmaterial 0:38:34 – 0:43:53: Kinder, Bettnässen, Operationswunsch und PCOS 0:43:53 – 0:47:20: Operation, vollständige Kontinenz aus Lisas Sicht und neues Körpervertrauen 0:47:20 – 0:52:06: Tabuthema Harninkontinenz, rund zehn Millionen Betroffene und Lisas Aufklärungsarbeit 0:52:06 – Ende: Rat an Betroffene, Wunsch an Bundeswehr und Einsatzorganisationen, Verabschiedung und Hilfshinweis

harninkontinenz #inkontinenz #blasenschwäche #beckenboden


Lisas Socials: https://www.instagram.com/diagnose_inkontinenz https://www.diagnose-inkontinenz.de/

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Transkript anzeigen

Ep.2 Lisa Staffel 11 - Final Master V2

German · 0:54:01

00:02

Speaker 1

Und dann ist es halt während des Tiereinlaufes passiert, dass mir halt Urin zwischen die Beine gelaufen ist oder Urin aus mir rausgelaufen ist. Ja, das war ein Gefühl von maßloser Überforderung und einer ganz großen Angst natürlich auch. Also die Hahninkontinenz, die hat mein Leben bestimmt. Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist. Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zur Bohne. Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste. Kein Name, keine Information, keine Themen. Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.

00:50

Speaker 2

Ich bin Sanja und ich suche die Gäste. Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit ehrlichen, berührenden und bewegenden Geschichten sind. Und genau die wollen wir mit euch teilen. Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen? Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Mein Name ist Charlotte. Mein Name ist Zanja. Mein Name ist Lisa und ich bin mit 23 Jahren Hahninkontinent geworden. Hi Lisa, es freut mich, dich kennenzulernen. Ein ganz komplett neues Thema für mich tatsächlich. Was würdest du denn sagen? Wo fangen wir an? Mit 23 oder starten wir schon vorher? Mit 23 Jahren als sich das Ganze zugezogen hat? Okay, wie kam es zu dieser Situation? Ja, ich habe mich damals bei der Bundeswehr beworben 2015 und ja, musste mich halt dafür sehr sportlich vorbereiten. Ich war keine Sportgranate gewesen zu diesem Zeitpunkt und musste halt ein bisschen was tun und habe dann wirklich ein Vierteljahr mich in den Sport gestürzt und ja, Gewichte gehoben. Ich war viel Laufen für Ausdauersport gemacht und habe auch einiges an Kilos verloren tatsächlich. Und in diesem Vierteljahr ging es mir körperlich an sich ziemlich gut. Also es war von der HNN-Kontinenz bis dahin noch gar nicht zu merken.

02:02

Speaker 1

Und als ich dann den Eignungstest bei der Bundeswehr bestanden habe und mitten in der Grundausbildung mich befand, gab es einen Tag, an dem wir dann halt den Basis-Fitness-Test machen mussten. Das ist ein Sporttest, der besteht aus drei Disziplinen, aus dem 1000-Meter-Lauf, aus dem Pendellauf und dem Klimmhang. Und wir sind mit dem Pendellauf gestartet und da geht es ja um Schnelligkeit. Da hat alles noch wunderbar funktioniert. Ich war davor auch auf Toilette gewesen, wie alle normalen anderen Menschen eben das auch tun. Und ja, hatte danach den Klimmhang. Da war natürlich auch alles in Ordnung. Hatte ja jetzt nichts mit Bewegung zu tun in dem Fall. Und anschließend kamen dann die 1000 Meter. Und während der Bewegung Und des Rennens der 1000 Meter war das auch noch in Ordnung. Schlimm wurde es dann eigentlich erst zum Zieleinlauf, als sich meine Kameraden und Kameradinnen angefeuert haben, ich solle doch schneller rennen, was ja gut gemeint war in dem Moment.

02:56

Speaker 1

Aber das war dann unter anderem auch ein Auslöser, der mich sehr unter Stress gesetzt hat und tatsächlich auch unter Druck. Und dann ist es halt während des Zieleinlaufes passiert, dass mir halt Urin zwischen die Beine gelaufen ist oder Urin aus mir rausgelaufen ist. Genau. Gelaufen ist oder Urin aus mir rausgelaufen ist. Hast du es direkt gemerkt oder warst du voller Adrenalin und warst erst mal wo ganz anders im Gedanken? Das war so viel Urin gewesen, dass ich es direkt gemerkt habe. Also die Hose war wirklich klitschnass, die hätte man ausfringen können danach. Ah, okay. Hattest du das Gefühl, so im Sinne von, oh, ich will es kontrollieren, aber ich kann es nicht kontrollieren?

03:30

Speaker 2

Wie war das? Also im Kopf war es zuerst so: Hilfe, was passiert hier gerade mit mir? Das war so: Denken, Rennen, du musst deine Zeit schaffen, die jubeln, die feuern dich an, die wollen jetzt alle was sehen von dir. Also du musst die gerade abliefern. Das ist deine Grundaufgabe. Die wollen jetzt alle was sehen von dir. Es ist deine Grundausbildung. Das heißt, ich war ja noch nicht fest zu dieser Zeit in der Bundeswehr, sondern musste mich ja erstmal bewähren, erstmal das durch die Grundausbildung schaffen. Und ja, eine gleichzeitige Ohnmacht eigentlich auch in dem Moment. Also, es kamen so wirklich alle Gefühle und Emotionen zusammen.

03:58

Speaker 1

Und ein Schamgefühl natürlich auch, was ich meldete in dem Moment. So, hoffentlich hat das jetzt keiner gesehen. Und was mache ich denn jetzt, wenn ich ins Ziel eingelaufen bin? Also, wie verhalte ich mich weiter? Es waren tausende Gedanken, die sich einfach nur überschlugen in dem Moment. Und ja, das war ein Gefühl von maßloser Überforderung und einer ganz großen Angst natürlich auch. Was passiert hier gerade? Das ist mir noch nie passiert. Wie geht es jetzt weiter? Hattest du Kinder zu dem Zeitpunkt? Nein. Nein, eben gar nicht gehabt. Also, ich war kinderlos, ich war sportlich, auch nicht übergewichtig gewesen. Ich war fit wie ein Tonschuh und habe mich halt gewundert, dass das dann plötzlich aufgetreten ist. Krass. Das heißt, auch deine Becken-Boden-Muskulatur war vorhanden und die hat. Die war eigentlich trainiert, dadurch, dass du so viel trainieren musstest. Eigentlich war sie intakt gewesen und irgendwie dann halt auf einmal nicht mehr, ja.

04:48

Speaker 3

Wie war das mit deiner Familie gegangen? Dann halt auf einmal nicht mehr. Wie war das mit deiner Familie? Gab es irgendwelche Menschen in deinem familiären Umfeld, die unter Harninkontinenz gelitten haben? Gar nicht. Gar nicht. Und bei mir kommt ja noch die Problematik hinzu, dass ich damals adoptiert worden bin. Das heißt, es gab so niemanden, den ich hätte fragen können. Also, ich habe schon Kontakt zu meiner leiblichen Mutter und zu meinen Geschwistern. Aber selbst die da zu fragen, weil das Verhältnis ja eher freundschaftlich war, als dass wir wirklich fest und innig da jeden Tag am kommunizieren sind, das habe ich halt in dem Moment dann halt auch nicht getan. Als du dann tatsächlich im Ziel warst und du gemerkt hast, hey, das könnte jeder Mensch sehen, was hast du da gemacht? Ich habe mich erstmal versucht, in die äußerste Ecke zurückzuziehen, da wo eben keine Kameraden von mir standen und habe versucht, den Po, also das Hinterteil quasi von den anderen so wegzudrehen, dass man das nicht noch mehr sieht als von vorne schon.

05:44

Speaker 1

Und dann war halt nur mein Glück, dass halt meine Kameradinnen dann auf mich drauf zugekommen sind. Meine Stubenkameradinnen haben gemerkt, irgendwas stimmt nicht und denen ist das auch aufgefallen das waren die einzigen Gott sei Dank denen das aufgefallen ist der Rest hat davon nichts mitbekommen und die kamen natürlich gleich zu Hilfe geeilt und meinten ja was ist dir da passiert was was ne warum bist du dir jetzt gerade in die Hose warum ist hier alles nass ne und konntest du nicht vorher auf Toilette. Gehen und ja ist dir das schon mal passiert also da da kam der komplette Fragenkatalog auf mich eingeströmt und das war schon also ich war ja selbst noch mit mir überfordert und dann anderen Rede und Antwort zu stehen in dem Moment Das war nicht einfach. Aber deine Kameradinnen haben dir geholfen. Das heißt, sie haben dir geholfen, das zu verdecken, sodass man es nicht sieht.

06:30

Speaker 1

Richtig, richtig. Die haben mir dann geholfen, indem sie mir eine zusätzliche Sportjacke noch angeboten haben, die ich mir eben umbinden konnte. Und jeder, der halt bei der Bundeswehr ist, der weiß, dass wir halt nichts doppelt und dreifach in dem Sinne vom gleichen Kleidungsstück tragen dürfen. Also, wenn das ein Ausbilder gesehen hätte, dass ich da mit zwei Sportjacken rumlaufe, hätte es Ärger gegeben. Also, dann wäre das nicht so cool gewesen und ich hätte es auch nicht erklären können. Und dadurch, dass ich so unfassbar tolle Mädels an meiner Seite hatte, hat die eine natürlich gleich geschalten und ist zum Ausbilder und hat gefragt: Mensch, können wir jetzt einfach so zu den Duschen gehen oder brauchen wir noch antreten oder können wir als wilde Wolke?

07:07

Speaker 1

Wilde Wolke heißt, jeder rennt los und macht sein Ding sozusagen, oder können wir halt als wilde Wolke los? Und dann hat der Ausbilder gesagt: Na Mensch, ihr könnt ruhig zum Duschen auf die Stuben gehen. Und das war mein Glück in dem Moment. Nicht noch antreten müssen, nicht noch in Reihe und Glied, sodass es der, der vielleicht vor mir steht oder Hinter mir steht noch sieht, sondern dass ich einfach dann mit dieser Jacke schnell losgerannt bin und dann ja versucht habe, so schnell wie möglich auf die Stufe zu kommen, um mich umzuziehen und dann in die Dusche.

07:33

Speaker 2

Ja, hast du das gedanklich erst mal als Fauxpas verordnet oder war für dich klar so, oh, da könnte auch irgendwas nicht stimmen? Nein, wie so ein kleiner Schwächeanfall sozusagen. In dem Moment dachte ich auch, Mensch, wer weiß, was das jetzt war, ne, woran das jetzt lag. Das passiert mir auch nicht wieder war ja vorher auch nicht also keine Ahnung wo das jetzt herkam ist nichts ne ist halt irgendwie passiert aus welchen Gründen auch immer wird schon wieder ja wie lange hat es dann gedauert bis du tatsächlich nochmal damit konfrontiert warst? Das ging dann relativ zeitnah. Also je nachdem, wenn wir im Gelände waren und wir hatten Geländeübungen, Sprung, Aufmarsch, Marsch geübt haben zum Beispiel, da muss man sich relativ fix und schnell bewegen und aufspringen und wieder hinknien und Entdeckung gehen. Also das war dann je nachdem, wie körperlich aktiv wir halt sein mussten am nächsten Tag.

08:22

Speaker 2

Okay, das heißt aber, es Es war wieder an eine körperliche Aktivität gebunden. Ja, immer bei körperlicher Anstrengung ja. Okay, das heißt, ich nehme an, du bist vorher extra nochmal aufs Klo gegangen, um dich dieser Situation nicht wiederzustellen. Aber es ist dann wieder eingetreten. Genau, genau. Also immer beim Rennen, bevorzugt beim Rennen natürlich, ja. Okay, und es war im gleichen Ausmaß oder war das, hattest du das Gefühl so, weil man denkt ja dann noch eher drüber nach und überlegt, kann ich das jetzt kontrollieren oder nicht? War das ähnlich vom Ausmaß dessen, wie viel du dann selbst uriniert hast? Das kam immer darauf an, wie viel ich vorher getrunken habe und ob ich vorher noch mal die Möglichkeit hatte, auf Toilette zu gehen oder eben nicht. Dann, wie lange haben wir vorher noch antreten müssen, bevor wir endlich losmarschiert sind zum Truppenübungsplatz und uns dann schnell bewegen mussten, sozusagen. Ja, und demnach, je nachdem, richtete sich halt auch diese Urinmenge, die dann halt da rauskam. Also, es war aber schon immer von Anfang an mehr als Tropfen. Okay, hattest du das Gefühl, dass du das etwas eindämmen kannst durch Einlagen oder ähnliches? Also, ich habe mir dann natürlich Gedanken gemacht, auch schon nach dem Vorfall vom Zieleinlauf, von dem 1000-Meter-Zieleinlauf, habe ich natürlich Google angeschmissen, weil wer fragt Google nicht, wenn er irgendwie was hat und es schnellstmöglich erklärt haben möchte.

09:42

Speaker 1

Ja, und da spuckte mir Google halt sofort die Haareninkontinenz aus. Und dann habe ich so gelesen: Ja, wer ist denn dafür prädestiniert, das zu bekommen? Naja, Schwangere, ältere Menschen, übergegangen. Prädestiniert, das zu bekommen. Naja, schwangere, ältere Menschen, übergewichtige. Und dann dachte ich so, hey, das kann nicht sein. Ich habe keine Harninkontinenz. Und dann habe ich mir natürlich überlegt, wo ich das die Woche über dann beobachtet habe, zum Wochenende hin, Mensch, irgendwie müsstest du vielleicht mal gucken, ob du in der Drogerie oder irgendwie was findest, was das Ganze aufhält. Und ja, das habe ich dann auch getan. Also ich bin dann in die Drogerie, habe erst mit Einlagen angefangen, habe mir die quasi eingelegt und bin dann einfach mal probeweise gejoggt und habe dann halt gemerkt, okay, so eine Einlage bringt mir in der schnellen Bewegung gar nichts, weil rechts und links fließt die. So eine Einlage bringt mir in der schnellen Bewegung gar nichts, weil rechts und links fließt der Urin dann dran vorbei.

10:24

Speaker 1

Also, das war für mich schon gar nicht mehr möglich, da eine Einlage zu nehmen. Und dann bin ich auf die Windel gekommen, tatsächlich. Also auf das Windelhöschen, was ja noch ein bisschen adretter ist als diese Altenheimwindeln oder Pflegewindeln. Und letztendlich bin ich da hängen geblieben, weil das war das gewesen, was mich dann durch meine Bundeswehrzeit gebracht hat, acht Jahre lang. Du bist ja jetzt 23 geworden. Gebracht hat, acht Jahre lang. Du bist ja jetzt 23 gewesen und musstest dir ein Inkontinenzmaterial kaufen in einer Drogerie, wo auch andere Menschen dich sehen können. Wie hast du dich in dem Moment gefühlt?

11:00

Speaker 1

Also, es war sehr peinlich für mich da vom Windelregal zu stehen und dann dabei beobachtet zu werden, wie ich mir das ja auch alles durchlesen musste, weil die Windeln haben ja verschiedene Größen, verschiedene Saugfähigkeit, dann gibt es verschiedene Hersteller. Man muss dann gucken, okay, was nimmt man? Man ist im ersten Moment überfordert, weil man nicht weiß, okay, passt die Größe jetzt wirklich zu mir? Hält das auch das, was es verspricht? Welcher Hersteller ist jetzt besser? Ja, wie viel umfasst so eine Windel? Also, ist das zwar angegeben in Tropfenform mit Mittel und Stark, aber Weiß ich letztendlich, ob das wirklich so ist. Und ja, diese Überforderung, die dann halt da war, dieses lange Beschäftigen mit diesem Artikel, was ja andere auch gesehen haben. Und ja, das die andere auch gesehen haben, ne? Und ja, das war sehr peinlich gewesen, aber am Ende war es dann eben so, dass ich an der Kasse stand mit meinem Windelpaket ganz mutig, habe halt so getan, als ob ich mit meiner Mutter telefoniere und gefragt, ob es die richtige Größe und der richtige Hersteller ist, ja? Die erste Zeit lang. Ich stelle, also ich, ich habe keine Ahnung, aber ich glaube, da sind ja immer so Tropfen drauf und dann steht dann da eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben.

12:00

Speaker 2

Was ist der? Also da würde ich mir sofort die Frage stellen: Ja, was ist denn eins? Was ist denn sieben? So wie viel ist denn viel wie viel ist wenig so und da glaube ich hast du ja direkt so eine Überforderung um den Gefühl für dieses Produkt zu bekommen und dann denke ich dann würde ich mir Die Frage stellen, wie hast du dich damit beschäftigt oder wie hast du das getestet, um herauszufinden, was für dich das richtige Produkt ist? Ja, ich habe dann halt verschiedenste Windelhöschen mit nach Hause genommen, erstmal um zu gucken, ob das auch mit der Größe passt. Und dann habe ich sie halt im Badezimmer angezogen und habe dann reingepisst und habe geguckt, wie viel Urin hält, also fängt diese Windel halt auf. Weil ich musste ganz genau wissen, wie viele Windeln ich zum Beispiel für so einen Geländetag mal einmal packen muss oder wenn wir wieder einen Sporttest haben, reicht da eine Windel für diese zwei Disziplinen, in denen ich rennen muss oder muss ich zwischendurch nochmal schnell wechseln? Ja, das musste ich alles dann selbst herausfinden. Also ich kenne die nur in so großen Packungen. Gibt es die auch in so kleinen, dass man auch mal eine testen kann?

12:59

Speaker 2

Kann man die so einzeln kaufen oder musstest du tatsächlich die großen kaufen? Also, ich habe direkt einen Zehnerpack gekauft. Die Hersteller haben manchmal Aufsteller, wo es heißt, hier, du kriegst jetzt eine gratis mit und kannst die mal ausprobieren und das ist aber nicht gang und gäbe. Das ist zum Beispiel auch ein Punkt, den ich stark bemängel und kritisiere, dass es halt von den Herstellern so wenig Probematerial halt einfach gibt, beziehungsweise für Betroffene zur Verfügung gestellt wird. Total weil die sind auch nicht günstig und dann hast du direkt so ein riesiges Pack und du weißt gar nicht, also wenn es nichts bringt, ist es ja unnötig.

13:30

Speaker 1

Und wenn es auch die falsche Größe ist, dann haben wir die Problematik, dass es halt rausläuft, dass die Windel halt einfach nicht dicht abschließt am Oberschenkel und das ist dann natürlich ärgerlich, weil die kosten natürlich auch. Jetzt muss man dazu sagen, du hattest dich schon intensiv mit dem Thema beschäftigt, bist aber noch nicht zum Arzt oder einer Ärztin gegangen. Warum? Also ich habe tatsächlich circa ein Jahr Du hast zu deiner Ärztin gegangen. Warum? Also ich habe tatsächlich ca ein Jahr gewartet, bis ich mich dann dem Truppenarzt anvertraut hatte, weil ich natürlich Angst hatte. Ich habe ja dann auch so eine Art Probezeit bei der Bundeswehr. Also die Grundausbildung muss man bestehen, um dann letztendlich auch dort bleiben zu können. Und ich hatte halt einfach Angst, meinen Job zu verlieren, weil ich habe schnell gemerkt nach den ersten Tagen Bundeswehr, dass Bundeswehr genau mein Ding ist. Also Soldatin sagt man ja ganz oft, das ist nicht einfach nur ein Job für uns, sondern das ist halt eine Berufung. Und das stand mir total. Ich konnte mich auch direkt mit diesem Soldatenberuf identifizieren, einfach weil ich im Vorfeld auch schon viele Aktionen und viele Tage der offenen Tür der Bundeswehr besucht hatte.

14:26

Speaker 1

Und deshalb wollte ich unbedingt da bleiben ne also das ist halt mein Traumjob und dafür war es was mir wert am Ende ne dass ich mich da so ausgiebig drüber informiere was ich dann machen kann ja ich wollte unbedingt da bleiben und hatte halt Angst dass man sagt ja Inkontinenz das brauchen wir hier nicht ne weil medizinisch gesehen jemand mit harten Inkontinenz Grad zwei was ich ja auch. Hatte also sprich Windelträgerin was will man damit bei der Bundeswehr also wenn wir irgendwo im Einsatz sind und ich muss da meine Windel und muss einen wegziehen oder wie auch immer und mach. Und muss einen wegziehen oder wie auch immer und mache mir dabei in die Hose. Also, ich muss ja einsatzbereit sein, jederzeit, körperlich fit und kann mir dann nicht in die Hose machen. Das darf ich mir nicht erlauben. Du hast dich ja dann doch irgendwann überwunden. Dem Truppenarzt hast du dich ja anvertraut. Wie war das Gespräch? Ja, der Truppenarzt war überfordert. Wie war das Gespräch? Ja, der Trump war zwar überfordert in dem Moment, weil er damit auch, glaube ich, gar nicht gerechnet hat, dass eine Frau Haareninkontinenz hat. Gerade wahrscheinlich, weil er auch ein Mann ist und das vielleicht eher vom Mann her kannte, ich weiß es nicht.

15:23

Speaker 1

Und dann wusste er auch nicht richtig, was er mit mir anstellen sollte in dem Moment. Ich war vorher einige Male da, weil das bei mir alles mit einer Blasenentzündung mal so angefangen hat. Die Blasenentzündung war der Vorreiter. Viele Betroffene haben mir auch davon berichtet, dass es bei denen auch ähnlich war, dass alles mit einer Blasenentzündung angefangen hat, bevor es zu dieser Haareninkontinenz kam. Und ja, als ich dann halt gesagt habe, ja, Blasenentzündung ist weg, aber ich bin halt Haareninkontinent, da war er halt überfordert. Und da musste ich halt viel Eigenarbeit leisten. Also ich hab dann erst gegoogelt, zu welchem Arzt muss ich, wie ist das dann mit der Überweisung. Zu welchem Arzt muss man da gehen, wenn man das merkt? Zum Urogynäkologen muss man da gehen. Das heißt ein üblicher Gynäkologe würde nicht ausreichen? Im Prinzip nicht tatsächlich, war ich aber damals gewesen, weil ich mich ja damit auch nicht wirklich auskannte und ja, ich einfach selber zusehen musste, dass ich irgendwo Hilfe bekomme und bin dann erst mal zum Urologen gegangen. Durftest du zu jeglichen Ärzten gehen oder muss es spezielle Ärzte sein, die von der Bundeswehr auch abgedeckt waren? Also was Fachärzte anbelangt, da dürfen wir hingehen, wo wir halt möchten.

16:31

Speaker 1

Das war halt das Gute sozusagen. Den konnte ich mir tatsächlich aussuchen. Ansonsten, wenn wir irgendwas haben, sei es ein Husten, Schnupfen, wie auch immer, geht es immer in erster Linie zum Truppenarzt und der entscheidet dann weiter, reicht das Spektrum vom Truppenarzt aus, um uns da gut behandeln zu können oder muss vielleicht doch nochmal der Facharzt draufschauen und dann haben wir halt Was den Facharzt anbelangt eine freie Arztwahl. Du hast gesagt du bist dann zum Frauenarzt gegangen um das zu besprechen. In die Urologie bin ich dann gegangen. In der Urologie, was hast du da genau gesagt und was wurde dir da mitgegeben?

17:08

Speaker 1

Dass ich halt ziemlich viel Urin beim Rennen verliere und ich schon vieles ausprobiert habe, weniger zu trinken, vorher auf Toilette und mittlerweile halt bei dem Windelhöschen halt stehen geblieben bin und ich halt 23 Jahre jung bin, beziehungsweise 24 Jahre alt und ich mir das nicht mein Leben lang vorstellen kann, so zu enden und mich das auch ziemlich einschränkt. Also man traut sich ja nicht mehr raus, man geht nicht mehr tanzen, man geht nicht mehr auf Konzerte. Da kann ich vielleicht auch noch gleich einen Schlag zu erzählen zu diesem Konzertthema. Ich war auf einem Kontra-K-Konzert und Zu erzählen zu diesem Konzertthema.

17:40

Speaker 1

Ich war auf einem 3K-Konzert und wir sollten uns halt alle so nach unten beugen, in die Hocke gehen und dann halt so aufspringen. Und alle sind halt runter und man hat halt gesehen, dass ich und mein Ex-Mann damals, wir sind halt stehen geblieben, mein Ex-Mann halt einfach, weil er wusste, dass es bei mir halt nicht geht. Und dann hat sich halt so ein Fan zu uns umgedreht und uns halt angeschrien, so was wir halt für Spaßbremse wären und warum wir das nicht mitmachen und so. Und das war ein sehr unangenehmer Moment, muss ich sagen, weil ich konnte nicht mitten auf diesem Konzert dieser Frau erzählen, du es tut mir leid, ich würde es gerne tun, aber ich bin halt gehandicapt. Wenn ich jetzt hochspringe, pisse ich mir in die Hose. Ja. Wie hat der Arzt oder die Ärztin darauf reagiert, als du das erzählt hattest?

18:21

Speaker 1

Denen war das bekannt, also die kannten sich ja damit aus mit der Harninkontinenz und er hat mir halt verschiedene Wege aufgezeigt, wie man diese Harninkontinenz in den Griff kriegen kann. Einerseits mit Physiotherapie. Damit hat er auch erst mal angefangen. Die habe ich verschrieben bekommen. Da sollte ich dann halt immer Beckenbodenübungen machen dann dass man T V T Band. Halt immer Beckenbodenübungen machen. Dann, dass man ein TVT-Band einlegen kann, was irgendwie das Becken anhebt oder die Blase. Da bin ich mir jetzt nicht ganz so sicher, weil das bei mir nicht gemacht wurde, diese Form. Oder halt, dass man es halt noch anders operieren kann. So und dann hat er gesagt: Naja, aber sie sind ja noch jung und sie haben ja auch einen Kinderwunsch. Ich würde jetzt erstmal mit der Physiotherapie anfangen. Ja, und dann bin ich zum Physiotherapeuten gegangen. Welche Übungen hast du da gemacht? Die klassischen, die einem geläufig sind, wenn man nach der Geburt letztendlich dann auch umsetzt na ja, wie so ein Fahrstuhl gefahren oder sich einfach auf dem Stuhl setzen und dann den Beckenboden anspannen, ja, ich glaube, das sind so die geläufigsten Übungen, die man so kennt als Betroffene oder Betroffener.

19:24

Speaker 1

Hat das funktioniert für dich? Das hat eine Zeit gut funktioniert. Das war zumindest meine Einschätzung gewesen, bis dann wieder der nächste Sporttest anstand, dieser Basisfitnesstest, und ich eigentlich dachte, ich habe es überwunden und es dann wieder losging, wieder ziehe ein Lauf tausend Meter wieder wo sind das eingepistet ja jetzt wussten deine Stufe eingepisst. Jetzt wussten deine Stubenkameraden ja von dem Problem, dass du dich einmal eingenässt hast. Hast du sie darüber auf dem Laufenden gehalten, dass das immer noch passieren kann? Das haben die ja mitbekommen anhand der Hilfsmittel. Haben die das mitbekommen und für die war das dann am Ende des Tages Normalität tatsächlich. Also die haben das so hingenommen, wie es ist. Die haben mir halt Hilfe angeboten, denn ich muss ja gleichzeitig auch gucken, gerade beim Dienstsport, wenn ich die Sporthose an habe, Sieht man es durch, sieht man es nicht durch so eine Windel?

20:13

Speaker 1

Bei welchen Bewegungen raschelt die vielleicht wobei der Hersteller ja auch schon darauf achtet, dass diese Windelhöschen nicht rascheln, was denen auch sehr gut gelungen ist, muss ich sagen. Ja, also ich brauchte die halt immer so ein bisschen als Buddies an meiner Seite, um mal hier und da zu gucken, dass ich mich dann auch wirklich auf die sportlichen Leistungen konzentrieren kann am Ende des Tages und nicht auf meinen Windelhöschen. Jetzt ist es ja so, dass Urin ja auch riecht wie hast du dich damit gefühlt zu wissen, du könntest jederzeit nach Urin riechen? Das ist ja gerade im Alter von 23, 24 super unangenehm. Da brauchte ich mir tatsächlich gar keine Sorgen drüber machen, weil diese Windelhöschen, die sind gefüllt mit Duftstoffen und die schließen wirklich den Geruch so ein, also die sind so geruchsbindend gewesen, dass das tatsächlich nie ein Problem war. Hat es den pH-Wert bei dir verändert letztendlich deiner Vagina?

21:07

Speaker 2

Weißt du das? Nein, das kann ich nicht sagen. Das weiß ich nicht. Okay. Das hätte ich jetzt noch spannend gefunden, weil nämlich Einlagen grundsätzlich verändern ja auch mit unter dem pH-Wert. Nee, das kann ich dir nicht sagen. Okay. Du hattest gerade erzählt, dass du ständig geguckt hast, was kann man sehen, was kann man hören. Jetzt musstest du ja trotzdem arbeiten und du musstest viel heben, unter anderem eben diesen Sporttest machen. Wie hast du dich denn auf die Woche vorbereitet? Ich meine, du musstest ja auch wissen, wie viel Inkontinenzmaterial musst du kaufen und wie viel kannst du pro Tag nutzen. Wie hast du dich darauf vorbereitet? Also ich habe ziemlich oft beim Ausbilder nachgefragt, was wir die Woche noch so vorhaben, wie unser Dienstplan so aussieht und anhand der Aussagen habe ich mich dann daran orientiert wie viel Winden brauche ich so ungefähr dann ja auch nicht nur wie viel Wind Brauche ich so ungefähr?

21:57

Speaker 1

Dann ja auch nicht nur, wie viel Windeln ich brauche, sondern wo verstaue ich die? Wo sieht das keiner? Wo kann ich sie eventuell wechseln? Wo kann ich sie nicht wechseln? Wo muss ich sie mal den ganzen Tag tragen, bis ich sie vielleicht dann abends wechseln kann? Also alles sowas, das zog sich halt wie so ein Rattenschwanz und das war halt 24, 7 ein Gedankenkarussell. Also ich sage immer, das ist wie mit so einem Kleinkind irgendwie. Als Mutter denkt man die ganze Zeit an das kind, man will es versorgen, man muss es stillen, man muss Windeln wechseln, etc. pp. Und diese Harninkontinenz ist wie so ein kind, weil man kann ja schon fast an nichts anderes. Inkontinenz ist wie so ein kind, weil man ja schon fast an nichts anderes mehr denken kann. Also die Handinkontinenz, die bestimmt einen, also die bestimmt das Leben. Und das ist ja auch relativ großes Material. Das kannst du nicht eben mal in so eine kleine Tasche oder so packen, sondern die darfst du ja auch nicht so richtig knoten, weil dann ist ja auch die Wattierung ein bisschen anders. Also, es stelle ich mir auch echt kompliziert vor für dich.

22:43

Speaker 2

Wie war das denn während deiner Regel? Hattest du dich da nochmal eingeschränkt oder musstest du da anders vorgehen? Wie hast du das Thema behandelt? Gar nicht. Also, während der Regel war das ja quasi das Gleiche. Also, es lief dann halt auch raus. Aber ansonsten. Nach wie vor. Ja, Windelhöschen an, Tampon rein und dann war das. Okay. Ging das, ja. Ist es dann irgendwann mal bei deinen Vorgewissens? Okay, ging das. Ist es dann irgendwann mal bei deinen Vorgesetzten aufgefallen, dass du ständig nachgefragt hast, wie sieht's aus, was passiert wann und hat man dich darauf angesprochen, also von der Seite der Vorgesetzten her?

23:15

Speaker 1

Da noch gar nicht. Eher erst, also in der Grundausbildungszeit gar nicht, eher nach der Grundausbildung, wenn es dann hieß Dienstsport und wir machen den Basis-Fitness-Test. Da habe ich schon geguckt, dass ich mich da so ein bisschen zurückziehe und nicht, dass ich mich komplett davor drücke, sondern dass dass ich eher versuche einen vertrauensvollen Sportübungsleiter zu finden, der mit mir das nebenbei macht. Also, so dass ich es halt nicht mit meiner Kompanie zusammen machen muss, sondern dass wir schon sagen: Keine Ahnung, Dienstag habe ich ein bisschen Luft, können wir uns auf den Sportplatz treffen und machen das schnell. Das ist dann irgendwann aufgefallen, dass immer, wenn es halt hieß BFD, da bin ich halt nicht dabei. Und dann hat man mich relativ schnell als Drückeberger betitelt. Wie ging es dir damit emotional? Schlecht. Schlecht. Also, es war, also dieses Verhältnis zum Vorgesetzten war halt eine Reizekatastrophe. Also, ich bin halt, habe halt immer versucht, ihm irgendwie aus dem Weg zu gehen, da gar nicht irgendwie aufzuploppen, dass er mich so gar nicht auf den Schirm hat und so. Und beim Antreten morgens hätte ich mir am liebsten in den Luft aufgelöst, weil ich immer Angst hatte, dass irgendein Spruch kommt mit Drückeberger oder ja, wir machen jetzt wieder BFT.

24:24

Speaker 1

Aber so richtig, du hast dich ja nicht davor gedrückt, sondern du hast halt nur deinen Weg gesucht, um damit klarzukommen. Das heißt, du hast die Leistungen, die du erbringen solltest, ja trotzdem erbracht. Die habe ich trotzdem erbracht, ja. Und trotzdem hatte dich Drückeberger gedacht: Es gibt ja nicht so richtig Sinn. Weil das hat er ja so immer nicht mitbekommen dann. Das war ja immer nur, wenn es Kompaniesport war, war ich halt nicht dabei sozusagen. Und irgendwann hat es mir dann auch gereicht. Und dann stand da neben mir, wir standen im Geschäftszimmer und da waren auch andere Soldaten dabei. Und dann fiel wieder irgendeine Spitze und dann habe ich zu ihm gesagt: Jetzt passen Sie mal auf, wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie sich ständig in die Hose pissen beim Rennen? Und dann ist der Kreide bleich geworden, ist ihm alles aus dem Gesicht gefallen. Und dann hat er sich dafür entschuldigt und ach, und wenn ich das gewusst hätte und so. Und seitdem hat er einen großen Bogen, also von dem Tag an hat er einen großen Bogen um mich herum gemacht. Jetzt ist es ja so, du hast deine Um mich herum gemacht.

25:17

Speaker 3

Jetzt ist es ja so, du hast deinen Job geliebt und du konntest deinen Job aber nicht wie die Kameraden gleichzeitig ausüben. Du brauchtest immer böse Gesetze. Gesetze, Unterstützung. Auch eine Extrawurst. Und da ist ja super viel Scham drin in diesem Gefühl und in diesem, du bist jung und du pinkelst dir ein. Wie konntest du damit umgehen? Ja, es beschäftigte mich halt 24. Ja, es beschäftigte mich halt 24-7 im Kopf, ne? Also, wie die ganze Vorbereitung so natürlich auch. Was mache ich, wenn es auffällt? Ja, wie gehe ich vielleicht mit Sprüchen um? Tja, das war, ja, das war krass.

26:01

Speaker 1

Also, es war wie ein Kopf: 24-7-Kopf, ja. Was ist, wenn, wenn es auffällt, wenn ich drauf angesprochen werde? Ja. Wie bist du in deinem Privatleben damit umgekehrt? Wie bist du in deinem Privatleben damit umgegangen? Denn das berufliche ist ja das eine und das ist in der Zeit, nehme ich an, auch sehr prägend und es war primär genau das, was dein Leben geprägt hat. Aber es gibt ja auch noch ein Leben neben der Bundeswehr. Wie war das für dich? Im Privatleben tatsächlich offen. Also ich habe es immer offen thematisiert, weil ich da halt auch keine Angst vor Jobverlust etc. pp. Haben musste und deshalb konnte ich damit ganz frei umgehen tatsächlich. Also meine Mutter leidet auch darunter und deshalb ja. Meine Mutter leidet auch darunter. Und deshalb haben wir uns halt regelmäßig ausgetauscht. Von meiner Oma kannte ich es halt auch. Also, das war auch mal kein Problem, das irgendwie ansprechen zu können. Mein Ex-Mann hat es ja auch mitbekommen, die ganze Zeit, was da mit mir los war, hat mich trotzdem geliebt. Und da bin ich den Jungs und Männern in meinem Leben auch bis heute noch dankbar. Also, egal mit wem ich zusammen war, die wussten relativ schnell, als ich halt gemerkt habe, da entwickelt sich eine Beziehung und ich mich geoutet habe, sozusagen mit der Harninkontinenz.

27:05

Speaker 1

Ja, die haben das halt alles mitgemacht. Also, die haben mich dafür jetzt nicht weniger geliebt oder so oder mich dafür verlassen, weil ich habe auch von einigen Betroffenen schon gehört, dass sie verlassen wurden dadurch dann auch, als sie das geäußert haben zum Partner. Und ja, die haben es halt mit mir durchgebracht. Als sie das geäußert haben zum Partner, die haben es mit mir durchgezogen. Jedes Fauxpas sozusagen weggelächelt und mir da geholfen und mich unterstützt. Das heißt, du hattest auch in diesem Kontext, als du das erste Mal einem Mann davon erzählt hast, keine große Angst oder Sorge gehabt, es ihm sagen zu müssen? Doch, natürlich, am Anfang ja. Beim reinen Daten habe ich davon noch nichts erzählt, sondern wirklich erst, wenn man fest in einer Beziehung war, dann habe ich ausgepackt. Was hat das mit deinem Körper gemacht? Gefühl gemacht, dass du als junge Frau, die sportlich ist, es nicht schaffst, den Urin zu halten. Ja, was hat es mit mir gemacht? Es hat letztendlich halt zur Isolation geführt. Also viele Dinge, die ich ja damals gerne gemacht habe, wie Inlineskating und alles, das konnte ich halt einfach nicht mehr machen. Und dann hat man sich halt eingeschränkt und sich sehr zurückgezogen.

28:06

Speaker 1

Ich hatte vorhin schon gesagt, man war nicht mehr feiern, tanzen, Konzerte, das war halt alles nicht mehr drin. Also ich lebte halt in Isolation. Da kann ja selbst ein Kasten Wasser, den du trägst, vom Einkaufen hier schon kritisch werden. Ja, ja. Wie hab, also ich stelle mir den Alltag super kompliziert vor. Hast du denn dann immer die Einlage getragen oder die Windel oder hast du das dann nur in den Momenten, wo du wusstest, du gehst einkaufen, du gehst zum Sport, hast du sie nur da getragen oder dann? Also irgendwann hat es mich so abgenervt, dass ich tatsächlich die ganze Zeit Windel getragen habe. Also ich habe mich dann auch relativ wohl gefühlt in der Windel, weil ich mich halt einfach mit diesem Windelhöschen dann anfreunden konnte und dann habe ich es halt wirklich jeden Tag getragen. Ja, weil ich immer, also ich hatte nie Lust, dass irgendwas daneben geht und dass man wieder die, ja Was daneben geht und dass man wieder den Schlippi wechseln muss.

28:53

Speaker 1

Und deshalb habe ich das dann irgendwann jeden Tag getragen. Weil es nervte mich natürlich auch. Es nervte mich ab. Ich bin einfach nur, also am Ende war es dann so schlimm, ich bin dann halt einfach nur einen Hügel runtergelaufen, gegangen und dann unten angekommen, war die Hose halt schon voll. Und das nervt. Oder halt beim Einkaufen, wenn es dann halt schnell gehen muss. Oder man rennt über die Straße mit dem Einkaufswagen, weil man dem Typen auf dem Parkplatz da noch Platz machen will, dass er einparken kann. Und vergisst das eigentlich in dem Moment, weil man ja so. So gestresst ist und dann ist die Hose wieder voll und das hat richtig abgenervt. Also, ich war manchmal richtig wütend, weil ich mir so dachte: Warum läuft das jetzt wieder aus mir raus? Das kann ja jetzt nicht wahr sein. Hattest du oder hatte das dich in deinem Kleidungsstil eingeschränkt?

29:32

Speaker 1

Sehr, sehr. Weil man musste ja halt immer gucken, gerade auch, wenn es jetzt um die sportlichen Aktivitäten ging, was für eine Hose, also eine enganliegende Hose, konnte ich zu der Zeit fast gar nicht tragen. Es musste mal eine weitgeschnittene Hose sein. Da musste man auch immer gucken, so welches welches Material verwende ich da, um die, wenn dir halt bestmöglich abdecken zu können, weil wenn es eine zu dünne Hose ist, wo ich vielleicht so irgendwie was durch sehen kann oder so war das natürlich dann auch nicht gut. Ja, hand um normale war das natürlich dann auch nicht gut, ja um normalem Leben, also es war schon, war schon schwierig, ja ja auch so eine so eine kleine Hotpants mal zu tragen oder so mit so einem Windel ging gar nicht. Wie weit ging denn die? Also ich weiß nicht, ob sich das über die Jahre verändert hat, die Struktur und der Aufbau der Windel.

30:16

Speaker 2

Ich kann mir vorstellen, dass sich, ich sag mal, ingenieurtechnisch besser verarbeitet wurde, aufgebaut wurde. Aber wie weit reicht denn das im üblichen Sinn? Wie kann man sich das vorstellen? Wie so eine Hotpants oder wie so? Ja genau, die geht da tatsächlich über den ganzen Po und das ist keine knappe Hotpants, keine knapp geschnittene Hotpants, sondern eine richtig gut gemeinte Hotpants sozusagen, so wie Radlerhosen. Wie wollt ihr ihm sagen, geht das so in die Richtung? Ja, genau, ja, ja. Also nicht komplett bis zum Knie runter, sondern schon so. Okay, also wie so eine Sport, Hotpants, wie so ein Minirock kann man sich das eigentlich vorstellen, so ein Minirockgröße, ja, Minirock, der halt über über den Po geht, ja. War, hatte das eine spezielle Farbe oder gab? Es gab sehr unterschiedliche Farben, so dass du auch da noch mal eher dafür sorgen konntest, dass es blickdicht war. Tatsächlich, also die gibt es in Schwarz und Weiß und in Hautfarbe möchte ich behaupten mittlerweile auch schon. Ja, okay, genau. Da konnte ich dann ein bisschen variieren. Du hattest ja einen Kinderwunsch hattest du gesagt. Genau. Hast du den dir dann auch irgendwann erfüllt? Ja, den habe ich mir erfüllt.

31:19

Speaker 1

Und das, was halt für die Bundeswehr oder für die Karriere bei der Bundeswehr halt wichtig ist, man möchte nicht sofort mitten in seiner Laufbahn jetzt irgendwie ein kind kriegen, sondern man möchte halt erst eine Laufbahn, Lehrgänge fertig machen, erst mal was schaffen, dann darin safe sein und dann Kinder bekommen oder sowas zumindest bei mir gewesen. Und da ich halt noch mit in den ganzen Lehrgängen und alles gesteckt habe, um das mal zu werden, was ich heute bin, nämlich Hauptheldweibel. Ja, musste ich halt ein paar Lehrgänge besuchen und halt auch viel von zu Hause weg sein. Und da musste ich halt erst mal abwarten, bis das alles abgeschlossen ist. Und dann, als es. Bis das alles abgeschlossen ist. Und dann, als der Punkt war und ich sozusagen ein Festfeldwebel geworden bin, dann damals, genau, habe ich mich dann dazu entschieden, Kinder zu bekommen. Hatte das dann nochmal die Inkontinenz beeinflusst, dass Kinder bekommen? Auf jeden Fall, Weil nach den beiden Schwangerschaften ist der Urin dann einfach nur noch aus, also wirklich nur noch aus mir rausgelaufen. Man muss sich ein Rohr vorstellen, da füllt man Wasser ein und ohne Halt läuft es dann einfach Das heißt auch nicht beim Rennen, nicht beim Aufstehen, nicht bei körperlicher Aktivität, sondern einfach sobald wir da waren nicht bei körperliche Aktivität, sondern einfach sobald, also bei allem dann, beim Husten, beim Niesen, beim Schwerheben, beim beim Rennen, beim Tanzen, beim Springen, überall.

32:37

Speaker 2

Ich weiß, dass es, wenn man letztendlich an Inkontinenz leidet, dann gibt es von der Krankenkasse spezielle Windeln, die bezahlt werden. Jetzt weiß ich nicht, wie ob, wie das mit der Bundeswehr abläuft, ob du dann da immer noch gesetzlich die versicherst, privat, ich weiß es nicht. Deswegen, wie war das? Also wir haben ja die unentgeltliche Truppenärztliche Versorgung. Das bedeutet, wir sind halt über die Bundeswehr versichert und wir beziehen halt alles, was wir so dann an Hilfsmitteln brauchen. Ob das meine Schiene ist für den Arm oder mal Krücken, wie auch immer, oder halt eine Windel von der Bundeswehr.

33:10

Speaker 1

Und die Bundeswehr hat tatsächlich also die Möglichkeit, mir Windeln zu verschreiben, aber das sind halt diese Pflegewindeln und die möchte halt ein junger Mensch absolut nicht tragen. Und ich weiß nicht, auf welchem Stand die Bundeswehr aktuell ist. Ich bin da auch selbst dabei, da viel Informationen rauszubekommen, weil ich es halt einfach für die Betroffenen innerhalb der Bundeswehr halt auch verbessern möchte. Weißt du über die Qualität der Pflegewindeln, die dort letztendlich verschrieben wird? Weil ich weiß, dass bei der Krankenkasse mitunter auch einfach schlechtere Qualität zur Verfügung gestellt wird, wo man häufiger wechseln muss, wo das irgendwie der Prozess nicht so ganz einfach ist.

33:48

Speaker 2

Weißt du von den Windeln? Hast du die mal ausprobiert? Gar nicht, gar nicht. Also ich weiß gar nicht, von welchem Hersteller die Bundeswehr diese Windeln bezieht. Was ich mir halt nur wünschen würde, ist halt, dass einfach diese Windelhöschen halt mit ins Programm aufgenommen werden sozusagen, weil die halt einfach noch eine Instanz darunter liegen unter diesen Pflegewindeln. Diese Pflegewindeln sind, auch wenn ich mich richtig entsinne, das sind ja wie ein, also große Einlagen, die sind ja nicht richtig fest, oder doch gibt es die auch als Fester, ja, richtig wie für Babys, da gibt es dann halt auch und dann werden die auch seitlich fixiert. Genau, du hattest gerade gesagt, dass du das nach deiner zweiten Geburt, dass es viel schlimmer geworden ist. Gab es da eine Situation, von der du berichten kannst, wo das Umfeld vielleicht gar nicht richtig verstanden hat, wie groß das Ausmaß dieser Inkontinenz ist. Ja, auf jeden Fall. Also ich habe mich öfter mit meiner Freundin getroffen. Wir haben zur gleichen Zeit sozusagen entbunden gehabt und wir haben uns immer wieder zum Spazierengehen getroffen. Und wir standen dann, also waren fertig mit Spazierengehen und standen bei ihr auf dem Hof und ich wollte wieder alles abreisefertig machen.

35:00

Speaker 1

Natürlich auch den Kinderwagen, den musste ich halt zusammenlegen und musste ihn hochheben in den Kofferraum. Und in dem Moment lief es halt einfach Und sie war sehr erschrocken und meinte so, äh, Lisa, du hast dir grad in die Hose gemacht. Und ich guckte sie an und sah so: Ja, ich weiß, ich hab's mitbekommen. Und sie guckte mich wirklich an wie so ein Auto, ja, so in Schockstarre gefallen und wusste gar nicht, wie sie darauf jetzt reagieren soll. Und dann hab ich ihr das erklärt, was ich halt habe, was das ist, wie das kommen kann. Und ja, danach war es für sie auch normal. Gab es auch so eine Situation mit deinem Partner? Ja, auf jeden Fall. Ich habe Mich einmal mit meinem Ex-Mann unterhalten und war schon auf dem Weg zur Toilette. Und wir wollten noch ein paar Dinge klären. Und ich kam eigentlich gar nicht so schnell dazu, mir in dem Gespräch irgendwie die Hose runterzuziehen. Und ja, dann lief es halt alles aus mir raus. Und in dem Moment stand ich Gott sei Dank schon in unserer Gästetoilette. Ich habe halt die Gästetoilette geflutet. Und er guckte mich ganz erschrocken an und meinte so: Was passiert hier?

36:02

Speaker 1

Und ich sage: Naja, sage ich, ich muss. Gerade pinkeln und habe es nicht bis auf die Toilette geschafft. Und dann sagt er zu mir: Ja, kannst du das nicht aufhalten? Und dann sage ich so: Ich kann das nicht aufhalten. Ja, dann war er sehr schockiert. Also im ersten Moment halt auch völlig überfordert, weil er nicht wusste, okay, was passiert jetzt mit mir. Kannte er eigentlich nur von seinen eigenen Kindern, dass die in die Hose machen, aber von mir jetzt auch nicht, weil er das so live noch nie miterlebt hatte. Das war so das erste Mal, wo das vor ihm passiert ist. Und ja, am Ende hat er dann halt das Bad gewischt. Also, das muss auch super viel extra Aufwand für dich ja in so vielen Situationen deines Lebens sein. Hast du da auch manchmal auch nach dieser intensiven Sportzeit und hast du da auch drüber nachgedacht im Sinne von so, wenn ich jetzt das und das und das aber mit einberechne, dann wird das wieder passieren, dann brauche ich wieder extra viel Zeit? Sind solche Gedanken in deinem Kopf gewesen? Täglich. Täglich. Ja. Also, die Harninkontinenz, die hat mein Leben bestimmt, ja. Wie oft musst du dein Inkontinenzmaterial pro Tag wechseln?

37:10

Speaker 1

Es kam immer drauf an, was halt immer so anstand. Also drei bis vier Windeln, ja. Also bei starker Belastung, ja. Ansonsten reichten auch mal zwei oder drei. Je nachdem, das war immer unterschiedlich. Jetzt hast du gerade von dieser Situation beschrieben, wo du es nicht rechtzeitig zum Gäste-WC geschafft hast. Hast du denn sowas wie Harndrang empfunden? Ja, also ich habe gemerkt, wann ich auf Toilette muss, und eigentlich in dem Moment, wo ich das bemerkt habe, war es eigentlich auch meistens dann schon zu spät. Gab es für dich irgendwann so eine Art von Zeitfenster, wo du wusstest, okay, gut, es sind jetzt eine Stunde vergangen, eineinhalb, zwei, jetzt sollte ich vielleicht langsam wieder hin? Gar nicht tatsächlich, weil ich ja immer permanent diese Windel getragen habe und ich mich damit sehr sicher gefühlt habe und die auch nicht ausgelaufen sind bei mir. Deshalb hatte ich das tatsächlich gar nicht gehabt.

38:02

Speaker 1

Also, natürlich vor jeder Reise und allem ist man auf Toilette gegangen. Wenn man irgendwo hingereist ist, hat man immer geguckt, wo ist hier die nächste Toilette in der Nähe? Oder gibt es hier ein Restaurant, kann ich da gehen? Ja, das beschäftigt einen dann natürlich schon, aber so an sich. Weißt du, ob Männer und Frauen gleich häufig davon betroffen sind? Ob sie es gleichermaßen sind, weiß ich nicht. Ich weiß halt nur, dass so circa zehn Millionen Menschen daran leiden. Wow, das ist jede Menge tatsächlich. Hast du denn Sorge bei deinen Kindern, dass das auch auftreten könnte?

38:34

Speaker 2

Bei meiner Tochter auf jeden Fall, ja. Dass es irgendwann mal so geht wie mir. Jetzt bekommt sie ja den Alltag mit, deine Tochter. Und jetzt wirst du mit Sicherheit ihr und deinem anderen kind das auch irgendwie ja vermittelt haben. Wie hast du das gemacht? Also, die Kinder, die haben damals schon mitbekommen, dass ich halt eine Windel trage. Es gab da tatsächlich mal eine Situation, da hat dann mein Sohn zu mir gesagt, naja, also ich kriege jetzt eine neue Windel und Mama trägt auch eine Windel. Also das war so, das hat er halt schon relativ frühzeitig kapiert gehabt, dass ich halt auch Windel tragen musste.

39:15

Speaker 1

Und die sind ja damit aufgewachsen, also die haben ja diese Fauxpas halt auch mitbekommen. Wo ich mir halt doch mal in die Hose gepisst hab zwischendurch, bevor ich mich dazu entschlossen hab, jeden Tag eine Windel zu tragen. Und für die ist das normal. Für meine Kinder ist eine Haareninkontinenz nichts Neues. Weil die sind damit groß geworden. Und das finde ich persönlich, also auf die Gesellschaft gesehen, ist das auch gut so, dass es so ist. Jetzt gibt es ja gerade bei Kindern die Möglichkeit, dass man Bettnässer wird als kind. Ist das sowas wie ein Risikofaktor für eine spätere Harninkontinenz? Weißt du das? Es kommt immer drauf an. Also gibt es das reine Bettnessen, was psychisch irgendwie gesteuert ist, wo man dann viel über einen Kinderpsychologen versuchen kann zu regeln. Und zum anderen kann es natürlich auch eine Harninkontinenz sein, die dann halt für sehr lange Zeit erstmal bestehen bleibt, weil jedes Elternteil geht ja damit auch anders um. Also, es gibt Eltern, die suchen sich einen ärztlichen Rat, die anderen sagen: Ach Mensch, das verwechselt sich, das geht irgendwann wieder weg, wir gucken jetzt einfach mal. Also, da nimmt ja das Gegenüber, das ganz unterschiedlich war bei den Kindern.

40:26

Speaker 2

Du hattest vorhin gesagt, dass es sehr viele war bei den Kindern. Du hattest vorhin gesagt, dass es sehr viel Raum eingenommen hat in deinem Alltag. Dein Alltag wurde eigentlich dadurch bestimmt. Ja. Hattest du dann noch mal über die Alternative der Operation nachgedacht? Also ich hatte vor der Schwangerschaft sehr oft an die Operation gedacht oder darüber nachgedacht. Nur das Problem war halt, dass man mich nicht operieren wollte aufgrund des Kinderwunsches. Ja. Und als du dann deine Kinder hattest, hast du dich dann noch mal mit intensiver beschäftigt? Ja, natürlich. Also für mich war klar, nach Geburt der Kinder. Ich habe den Jackpot überhaupt. Ein Junge und ein Mädchen, beide kein gesund, wollte sowieso das Glück nicht nochmal herausfordern. Und für mich war dann halt klar, jetzt kannst du endlich dann was machen lassen. Wie war der Prozess für dich? Ich bin nochmal zum Frauenarzt gegangen. Dann habe ich eine Überweisung gekriegt ins Beckenbodenzentrum.

41:14

Speaker 1

Da sollte ich mich dann halt damit nochmal vorstellen. Und dann haben wir halt alles Weitere besprochen, welche OP für mich halt in Frage kommt und haben das dann durchgeführt. Jetzt hast du ja davon gesprochen, dass du einen Kinderwunsch hattest. Und du wusstest, du willst diese OP eigentlich erst machen, wenn dieser Kinderwunsch erfüllt wird. Hat es dich dazu getrieben schneller sozusagen den Kinderwunsch zu erfüllen oder hättest du dir mehr Zeit gelassen, wenn du das nicht gehabt hättest? Also, mehr Zeit hätte ich mir nicht gelassen, weil ich schon so eine Altersspanne im Kopf hatte, wo ich halt gerne Mama werden möchte, weil ich halt gern Jungmutter werden wollte, dass ich relativ viel auch noch mit meinen Kindern zusammen erleben kann.

41:54

Speaker 1

Und ja, dann hat man halt versucht, Kinder zu kriegen. Und dann hat man halt irgendwann festgestellt, dass das nicht so wirklich funktionieren will mit den Kinderkriegen. Und irgendwann bin ich dann zu meiner Frauenärztin, hab ihr davon erzählt. Ich sage, ich versuche ja schon die ganze Zeit Kinder zu kriegen und irgendwie funktioniert es nicht. Und dann wurde ich halt untersucht und dann wurde bei mir das PCO-Syndrom festgestellt. Was ist das genau? Das PCO-Syndrom besagt, dass es halt mehr männliche Hormone im Körper der Frau gibt. Und damals zu meiner Zeit hieß es sogar noch, dass in Verbindung mit dem PCO-Syndrom man nicht schwanger werden kann.

42:32

Speaker 1

Heutzutage ist die Medizin da weiter und die Forschung, man kann trotz PCO-Syndrom auch Kinder kriegen. Und aufgrund dessen, weil es ja damals noch hieß, du hast PCO-Syndrom, du kannst keine Kinder kriegen, ich aber auch Kinder wollte, einerseits, weil ich Kinder wollte, andererseits, weil ich aber endlich dieser Handinkontinenz bei den Garaus machen wollte, hat sie mir dann vorgeschlagen, mich mal mit dem Thema Kinderwunschklinik zu befassen. Und dann sollte ich mich da auch für entscheiden und wann wir das auch mit den Tabletten und Medikamenten anfangen wollen und so weiter und so fort. Und da kam mir glücklicherweise unser Hauskauf damals dazwischen. Und wir haben das Haus gekauft und das war alles sehr nervenaufreibend. Und ja, der Fokus war weg. Hups, vom Kinderkriegen, von dem Kinderwunsch und so weiter und so fort. Dass genau in diesem Moment, wo wir das Haus gekauft haben und alles abgewickelt haben, was ich ja über Monate zog, ich dann schweierweg geworden bin plötzlich. Und das zweite Schwangerwerden hat dann leichter funktioniert? Ja, also war auch ein Wunschkind gewesen und ich habe also das Witzige war ich habe das ausgesprochen dass ich mir vorstellen kann noch ein zweites kind zu bekommen und in dem Moment war ich tatsächlich schon schwanger und jetzt sind die beiden zwei Jahre auseinander hat die Harninkontinenz etwas mit dem PCO-Syndrom zu tun das kann ich nicht sagen das weiß ich nicht das habe ich auch nie auffragt tatsächlich.

43:53

Speaker 1

Bei dieser Operation die du ja dann gemacht hattest nach deinen Schwangerschaften weißt du genau was man da gemacht hat also man hat tatsächlich die Gebärmutter angehoben, so dass Ja, also man hat hat alles an der Bauchdecke befestigt, um ja gleichzeitig halt auch die Blase damit etwas anzuheben und ja den Druck auch rauszunehmen. Hattest du, wenn man die Gebärmutter angehoben hat, hattest du eine niedrig gelegtere Gebärmutter, so dass es auch deine Schwangerschaft? Also, ich hatte eine Senkung, ja, eine Beckenbodensenkung. Okay, war das dann schon eine Risiko-Schwangerschaft jeweils oder war galt das noch nicht als Risiko-Schwangerschaft? Es waren beides keine Risiko-Schwangerschaften, als du diese OP gemacht hast.

44:34

Speaker 2

Risiko-Schwangerschaft. Okay. Nein. Als du diese OP gemacht hast, wurde dir im Vorfeld erzählt, dass das auf jeden Fall funktioniert oder gab es da eine Wahrscheinlichkeit, dass das auch nicht funktionieren kann, dass die Harninkontinenz nach der Operation noch bleibt? Also, es gab Zweifel tatsächlich. Man hatte mich darauf vorbereitet, dass nach der ersten OP eventuell nochmal eine zweite OP stattfinden muss und das ist dann das TVT-Band, was hätte eingelegt werden sollen. Das fand Gott sei Dank aber nie statt, weil die erste tatsächlich schon der Harninkontinenz in Garaus gemacht hatte. Inwieweit? In Prozentzahl? Die Nancy Gar ausgemacht hatte. Inwieweit? In Prozentzahlen? Was würdest du sagen? Wie viel Unterschied hast du gemerkt? 80 Prozent war dann besser, 70? 100. 100, echt? Also ich hatte ja mein Lebensgefühl wieder zurück und war wieder erfüllt und ja, war wie neuer Mensch danach. Ach krass. Es war alles weg, komplett. Nach sechs Wochen Bettlegerigkeit war alles weg. Als hätte es das nie gegeben. Ach krass. Bis heute. Ach crazy. Das heißt, auch jetzt, wenn Ach krass. Bis heute. Das heißt auch jetzt, wenn du sportliche Momente hast oder irgendwelche intensiven Phasen, nichts mehr davon? Nichts mehr. Körperlich nichts mehr. Im Kopf hat es natürlich ziemlich lange gedauert, bis der Kopf signalisiert hat, du kannst jetzt wieder rennen.

45:41

Speaker 1

Du kannst auch schnell rennen, du kannst ins Ziel einlaufen, ist alles gar kein Problem, da kommt jetzt kein Urin mehr. Das war schon ein langer Prozess, dem Kopf erst mal klarzumachen, du bist jetzt operiert, da kommt jetzt auch nichts mehr und du kannst jetzt wieder du sein und dein Leben leben vor allen Dingen. Als Du dann tatsächlich gemerkt hast, dass Alles wieder funktioniert, wie war dieses Gefühl? Wie würdest du dein Leben beschreiben? Weil du hast ja so viel Lebensqualität dazu bekommen. Wie war das für dich? Wie neu geboren, ohne es übertreiben zu wollen, aber wirklich wie neu geboren.

46:13

Speaker 1

Ich konnte wieder Sportarten ausführen, die vorher nicht gingen. Also ich hatte ja vorhin von dem Inlineskaten erzählt, das war wieder möglich. Ich konnte vor allem mit meinen Kindern rennen. Ich konnte wieder Trampolin springen. Zu dem Kindergeburtstag Das war richtig, richtig toll. Jetzt hast du ja ganz viele Jahre diesen Prozess so durchmachen müssen. Hast du Sorge, dass dich das wiederholt? So durchmachen müssen. Hast du Sorge, dass dich das wieder ereilen könnte irgendwann? Gar nicht mehr, tatsächlich gar nicht mehr. Hatte ich eine lange Zeit nach der OP noch gehabt, aber dadurch, dass ich jetzt seit 2023 trocken bin und ja kein Urin mehr verliere, habe ich daran eigentlich keinen Zweifel, dass das wiederkommen könnte. Gibt es denn irgendwelche wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass das wieder auftreten könnte im Alter, weil dann wieder du Muskulaturerschlaffung oder ähnliches hast? Also, es könnte jederzeit wieder auftreten, ja. Ja, das ist klar, aber ja, wie gesagt, bis jetzt ist nichts passiert und wenn man sich weiterhin mit den Beckenbodenübungen befasst, weil die sollte man natürlich trotzdem noch weitermachen, ja, ist man da eigentlich der.

47:20

Speaker 1

Machen, ja, ist man da eigentlich dem Risiko jetzt nicht so hoch ausgesetzt, dass es direkt wiederkommen könnte. Jetzt hast du ja am eigenen Leib erfahren, wie die Gesellschaft mit Harninkontinenz eben nicht im hohen Alter umgeht, im jungen Alter umgeht. Wie würdest du beschreiben, geht die Gesellschaft damit um? Tabuisierend. Also, wenn Geht die Gesellschaft damit um? Tabuisierend. Also keiner redet darüber. Und wenn es irgendwie mal auffällt, weil Urin halt in der Hose gelandet ist, dann ist man halt eher schockiert. Viele denken wahrscheinlich, andere würden lachen, aber das, was ich bis jetzt erfahren habe, ist kein Lachen, sondern wirklich eher dieses Schockiertsein, diese Schockstarre von denen, die das sehen.

48:02

Speaker 1

Diese Überforderung, weil sie nicht wissen, wie sie mit dem Betroffenen umgehen sollen, wie sie ihn ansprechen sollen. Ja. Was hättest du dir gewünscht in solchen Momenten wo das passiert ist und du merkst, dass dein Umfeld, egal ob du es nun kennst oder nicht, dass das mitbekommt, was hättest du dir gewünscht, wie man damit umgeht? Also, ich muss sagen, Gott sei Dank hatte ich ja diese tollen Kameradinnen, die ja da relativ super mit umgegangen sind. Was heißt relativ, die sind super mit umgegangen. Auf den weiteren Lehrgängen war das auch so, dass ich immer verbündete Kameradinnen hatte, denen habe ich mich anvertraut.

48:34

Speaker 1

Und die haben immer geholfen und haben das super verständnisvoll aufgefasst. Und der wichtigste Punkt Der mir am wichtigsten ist, die haben bis heute dicht gehalten. Also, selbst nach all den Berichten, die es darüber gibt, über meine Haareninkontinenz, hat sich bis jetzt keiner zu geäußert und gesagt, hier, die hat das oder was weiß ich. Also, da hat nie jemand von selbst da irgendwie versucht, irgendwas zu erzählen, sondern das haben die Mädels immer mir selber überlassen. Und ja, die halten da halt bis heute dicht. Du hattest jetzt gesagt, es gibt über 10 Millionen Betroffene nur in Deutschland.

49:08

Speaker 3

Das ist ja eine Zahl, mit der man ja. Gar nicht rechnet, dass Das ist ja eine Zahl, mit der man ja gar nicht rechnet. Das würde ja bedeuten, dass ungefähr jeder Achte betroffen ist. Wie geht es dir damit? Ich meine, du hast ja, bevor du selbst Hahninkontinent geworden bist, hattest du ja auch gar kein Thema dazu. Ja, also ist schon eine krasse Zahl auf jeden Fall. Und ja, ich weiß nicht, so im Nachhinein, also ich selber ertappe mich tatsächlich regelmäßig dabei, egal ob ich jetzt beim Tennisspielen bin und mir die anderen Leute beim Tennisspielen angucke und mir so denke: So, naja, hat der das jetzt vielleicht auch?

49:52

Speaker 1

Und wenn ja, was macht der dagegen? Also, das fällt mir selber auf, dass, wenn ich so draußen unterwegs bin, ich Leute beobachte und mir immer so die Frage stelle: Mensch, der kann aber rennen und der kann aber hochspringen. Hat der das? Nicht? Ja, also die Zahl beschäftigt mich im Kopf tatsächlich, ja, auch im Freizeitbereich sehr. Statistisch gesehen, gehörst du noch zu denen oder wirst du noch dazu gezählt zu den Personen, die Harninkontinenz sind oder würdest du nicht mehr dazu zählen, weil du operiert wurdest? Also ich selbst würde mich jetzt nicht mehr dazu zählen tatsächlich. Wie das jetzt medizinisch gehandhabt wird, das weiß ich nicht, aber ich selber würde sagen, ich bin trocken, ich habe da erstmal nichts mehr mit zu tun. Jetzt machst du ja auf das Thema Harninkontinenz aufmerksam durch eben deine Social Media Kanäle. Warum machst du das? Um eben Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind, um Betroffenen eine Anlaufstelle bieten zu können, wo sie sich halt frei austauschen können.

50:50

Speaker 1

Und die wird tatsächlich auch genutzt. Also es gibt sehr viele, die sich da mir anvertrauen. Gerade Ältere, die sind dann relativ offen und melden sich bei mir und sagen: Mensch, ich habe das auch und es steht jetzt eine OP an. Wie war deine OP? Wie hast du dich gefühlt? Wie war das? Ging es dir besser oder auch nicht? Dann gibt es natürlich auch verheiratete Menschen, wo der Ehepaar. Dann gibt es natürlich auch verheiratete Menschen, wo der Ehepartner bis heute nicht weiß, dass derjenige das hat. Und dann werde ich nach Tipps gefragt: wie macht man das am besten?

51:20

Speaker 1

Oder Menschen, die halt körperlich anspruchsvolle Jobs haben, die halt an Haareninkontinenz leiden: wie verstecke ich meine Windel? Was muss ich damit einpacken? Ja, die fragen da schon nach Rat und sind, glaube ich, auch froh, dass sie da jemanden gefunden haben, der da halt so offen drüber spricht und da halt auch keine Scham mehr hat, zu sagen, wie es halt wirklich ist im Leben. Was würdest du denn einer Person mitgeben wollen, die vor einer ähnlichen Situation jetzt gestellt war, wie du es warst? Also der Moment, wo du das erste Mal merkst, boah, hier läuft es einfach und ich kann es nicht kontrollieren. Was würdest du dieser Person grundsätzlich mitgeben wollen auf dem Weg? Dass man sich auf jeden Fall ärztliche Hilfe sucht. Also dass man das nicht auf die leichte Schulter nimmt, weil viele sagen: Mensch, naja, ich lebe jetzt halt damit, das ist jetzt halt so und es ist halt eben nicht so.

52:06

Speaker 1

Also man kann, man muss damit nicht leben und man braucht sich auch nicht weiter unnötig isolieren sozusagen. Man kann halt wirklich das in den Griff bekommen. Sei es mit Physiotherapie, weil der eine nur eine leichte Form hat, oder mit verschiedensten Operationsmöglichkeiten. Und es ist ja nicht gesagt, dass es bei jedem immer dann sofort auch weg ist. Es kann ja auch bleiben, aber dass es zumindest ein bisschen abgemilderter ist und dass man wieder ein bisschen mehr Lebensqualität hat als vorher. Lisa, was wünschst du dir für deine persönliche Zukunft? Dass das Thema halt stärker bei der Bundeswehr, bei der Polizei, bei der Feuerwehr, beim THW, überall dort, wo halt körperlich beanspruchte Tätigkeiten stattfinden, halt mehr in den Fokus gerückt, also die Thematik mehr in den Fokus gerückt wird und dass man sich da wirklich mehr Gedanken drüber macht, wie kann ich denn Betroffenen das Leben erleichtern, das Arbeitsleben erleichtern.

53:03

Speaker 1

Das wäre halt schon schön, dass man das wirklich mal ernst nimmt, wie viele darunter eigentlich leiden und sich da wirklich vorab Gedanken macht. Ich danke dir. Dass du diesem Thema ein Gesicht gibst, Raum gibst und andere Menschen damit unterstützt und ja, so viel auch für so viele zehn Millionen andere Menschen da draußen tust. Danke dir. Danke euch. Dankeschön und Wir wünschen dir alles Liebe und alles Gute für dich in deine Zukunft. Danke. Du willst selbst bei uns dabei sein oder hast einen Themenvorschlag? Dann melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfeeinrichtungen oder dir vertrauten Person. Bis zum nächsten Mal, bye. Bohnel zu Bohnel.

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