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Organisierte Gewalt, Missbrauch und Folter: Ihr Weg aus dem Täternetzwerk – Teil 2 #108 Hannah

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um organisierte sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend. Hannah beschreibt Vergewaltigungen durch mehrere Täter, Betäubung, Folter, Einsperren sowie Nahrungs- und Schlafentzug. Es geht auch um Aufnahmen sexualisierter Gewalt, die Tötung ihres neugeborenen Kindes und anderer Mädchen, lebensbedrohliche Gewalt, Selbstverletzung, Suizidgedanken und den Suizid eines Freundes. Gewalthandlungen werden teilweise detailliert beschrieben. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.

In Teil 2 erzählt Hannah weiter, was nach ihrer ersten Begegnung mit mehreren Tätern geschah.

Sie beschreibt, wie der Mann, dem sie als Kind vertraut hatte, sie anderen Männern gegen Geld überließ. Die Gewalt wird immer extremer. Hannah berichtet von Folter, Kontrolle, Hunger, Schlafentzug, Aufnahmen sexualisierter Gewalt und einem Alltag, in dem sie außerhalb der Schule kaum noch ein eigenes Leben hat.

Als ein jüngeres Mädchen ähnliche Nachrichten von dem Mann bekommt, versucht Hannah, sie zu schützen. Doch ein Gespräch im Jugendtreff führt nicht zu dem Schutz, den die Mädchen gebraucht hätten. Hannah erzählt, wie sie danach für ihren Versuch, Hilfe zu holen, bestraft wird.

Sie berichtet außerdem von weiteren Mädchen, von Treffen an unterschiedlichen Orten und davon, ein Kind bekommen zu haben, das nach ihrer Schilderung kurz nach der Geburt getötet wurde. Diese Erlebnisse beschreibt Hannah als Teil eines Netzwerks organisierter Gewalt.

Mit dem Corona-Lockdown entsteht erstmals Abstand. Hannah erlebt einen Alltag, in dem die Gewalt seltener wird. Gleichzeitig gelten die Regeln des Täters in ihrem Kopf weiter. Als sie später erneut zu ihm fährt, eskaliert die Situation lebensbedrohlich. Hannah kann Hilfe rufen. Es folgen Krankenhaus, Ermittlungen, ein Gerichtsverfahren und schließlich seine Verurteilung.

Doch mit dem Ende der akuten Gewalt beginnt ein neuer Weg. Hannah erzählt, wie schwer Freiheit sein kann, wenn jahrelang jemand anderes über Essen, Schlaf, Nähe und jede Entscheidung bestimmt hat.

Diese Folge handelt von organisierter sexualisierter Gewalt, Überleben, Kontrolle, Trauma, Strafverfahren und dem Versuch, nach Jahren der Fremdbestimmung ein eigenes Leben aufzubauen.

Zeitstempel: 0:00:00 – 0:01:54: Triggerwarnung & Intro 0:01:54 – 0:10:38: Vorstellung von Hannah, mehrere Täter, Bezahlung, Kontrolle und zunehmende Gewalt 0:10:38 – 0:18:40: Folter, Hunger, Isolation und Aufnahmen sexualisierter Gewalt 0:18:40 – 0:28:11: Netzwerk, weitere Männer, Lockdown und Hannahs Versuch, ein jüngeres Mädchen zu schützen 0:28:11 – 0:39:28: Gespräch im Jugendtreff, Bestrafung, schwere Gewalt und Hannahs Schilderung über ihr neugeborenes Kind 0:39:28 – 0:49:28: Weitere Mädchen, Treffen, Todesfälle, Selbstverletzung und Suizidgedanken 0:49:28 – 1:00:40: Wunsch nach einem anderen Leben, Lockdown, Suizid eines Freundes und erste Distanz 1:00:40 – 1:10:48: Letzte lebensbedrohliche Gewalttat, Rettung, Krankenhaus, Ermittlungen und Verurteilung 1:10:48 – 1:19:26: Freiheit ohne den Täter, alte Regeln, Alltag nach der Gewalt und fehlendes Verständnis 1:19:26 – 1:27:30: Eigenes Leben, Schlaf, Essen, Vertrauen, Therapie und bleibende Folgen 1:27:30 – Ende: Wunsch an die Gesellschaft, Zukunft, Verabschiedung und Hinweis auf Unterstützung

sexualisiertegewalt #kindesmissbrauch #vergewaltigung #organisiertegewalt


Betroffenenhilfe: https://weisser-ring.de/ Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530

Digitale Plattform, die dazu beiträgt, Gewalt gegen Frauen und FLINTA* sichtbarer zu machen: https://laut.jetzt/ https://www.instagram.com/laut.jetzt

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Transkript anzeigen

01:00:40: Speaker 1 Es hat Distanz gebracht, würde ich sagen. Weil ich ein ansatzweise anderes Leben hatte, in dem es nicht normal war oder Alltag, dass ich weiß nicht, dass man mehrmals die Woche vergewaltigt wird und dass es scheinbar ja auch ohne das geht und Mich nicht, ich weiß nicht, der Blitz trifft. Aber er hat, also, es hat nicht so viel Distanz gebracht, dass ich nicht mehr auf ihn gehört hätte. Er hat mir zum Beispiel dann irgendwann geschrieben, dass ich mal wieder zu ihm solle, als gerade der Lockdown etwas lockerer war. Und ich habe mir gedacht, na okay, ähm, Wird das Gleiche sein wie im Gedachten, okay, wird das Gleiche sein wie immer, frei zu ihm.

01:01:57: Speaker 1 Ich bin also wie immer zu ihm nach Hause gefahren und ich erinnere mich, dass ich, als ich an seiner Tür stand, schon gedacht habe, irgendwas ist falsch. Das ist. Irgendwas ist nicht gut, ohne es wirklich greifen zu können. Und. Er hat. Er hat die Tür aufgemacht und mich.delike ins Haus gezogen und wurde direkt gewalttätig. Und das war für ihn untypisch. Und ich weiß auch, dass ich ihn angeschaut habe und gedacht habe irgendwas ist. Ich weiß nicht, ob er durchgedreht ist, aber es. Ich habe mich gefreut, ob er wahnsinnig geworden ist. Wenn du daran zurückdenkst, warum sagst du, du hast gedacht, dass er wahnsinnig geworden ist? Was in seinem Außen, in seinem Aussehen, in seinem Gesichtsausdruck vielleicht hat dir dieses Gefühl gegeben? Die Augen. Ich fand. Die waren wie ausgetauscht. Das war als. Als wäre da gar kein Gefühl. Oder? Ja, Gefühl. Interesse daran, was gerade passiert. Und ich erinnere mich, dass er meinen Kopf gegen die Wand geschlagen hat. Und ich dann scheinbar das Bewusstsein verloren habe, weil das nächste, was ich weiß, da bin ich dann schon wieder in diesem Kellerraum. Und ich erinnere mich, dass er mich vergewaltigt hat, als ich wach geworden bin.

01:04:17: Speaker 1 Und ich Ihn angeschaut habe und er mich so wütend angesehen hat, als ob er sauer darüber wäre, dass ich wach werde. Und ich frage mich ein bisschen bis heute, ob das bedeutet, dass er einfach nur gehofft hat, ich werde nicht mehr wach. Weil ich weiß nicht, das war irgendwie mein Gefühl. Hast du jemals rausgekommen? Irgendwie mein Gefühl. Hast du jemals herausfinden können, warum er in diesem Moment so aggressiv war? Nein. Als ich wieder wach wurde, hat er aufgehört und mich dann im Laufe der Situation ziemlich stark verletzt. Und er hat vermutlich gedacht: Entweder, dass ich tot bin oder fast tot und hat mich woanders hingebracht und ist allein wieder weggefran. Und ich konnte aber Hilfe rufen und dadurch, dass so sehr eindeutig durch jemand anderes passiert war, wurden Ermittlungen eingeleitet und über einen relativ kurzen Zeitraum haben sie ihn gefunden. Wann bist du wieder wach geworden?

01:06:05: Speaker 1 Ich wurde im Laufe der Situation immer wieder wach. Ich erinnere mich zum Beispiel zu sehen, wie er geht. Ich erinnere mich auch daran, wie Hilfe gekommen ist und ich aber erst dachte, er ist es, und ich mich gefreut habe, dass er wiederkommt und mich rettet. Und ich erinnere mich auch, ich wurde dann ins Krankenhaus gebracht und ich erinnere mich zumindest an die Fahrt ein bisschen. Danach fehlt mir ein relativ großes Stück. So richtig bewusst, wahrscheinlich ein paar Tage später ungefähr. Hat die Polizei dich relativ lang in Ruhe gelassen oder hat sie schon zügig versucht, von dir Informationen zu bekommen?

01:07:06: Speaker 1 Ich glaube, es war schon relativ zügig. Gleichzeitig hatten sie zu dem Zeitpunkt Auch schon einige Informationen. Dadurch, wie sie ihn gefunden hatten. Aber ich habe trotzdem mit denen gesprochen und es. Ich weiß nicht. Ich habe. Ich erinnere mich daran, dass ich die ganze Zeit gedacht habe, ich muss es träumen. Das kann nicht passiert sein. Dass man dir hilft. Oder dass du in dieser Situation warst. Sowohl als auch. Ich weiß auch, dass mir in den ersten Tagen, an die ich mich erinnere, relativ häufig von verschiedenen Personen gesagt wurde, dass ich jetzt sicher bin. Und es hat sich immer angefühlt wie eine Falle. Als könnte das nicht wahr sein. Und gleichzeitig habe ich aber auch gedacht, dass er nie im Leben so weit gegangen wäre. Es war alles irgendwie so. Gegangen wäre. Es hat sich alles falsch angefühlt. Hat die Polizei deine Informationen zu ihm gebraucht, um ihn überhaupt zu identifizieren als den Täter?

01:08:26: Speaker 1 Nein. Oder sind sie von alleine draufgekommen? Sind von alleine draufgekommen. Durch gewisse Umstände, die ich nicht näher benennen darf. Weißt du, wie lange es gedauert hat, bis er verurteilt wurde? Es ging recht schnell. Tat besser verurteilt wurde? Es ging recht schnell. Aber, also, in meinem Gefühl war es trotzdem ewig. Warst du innerhalb dieses Prozesses als Zeugin geladen? Ja. Ich habe ausgesagt. Durch sehr ungünstige Umstände mit ihm im Raum. Wie war das für dich? Es hat zwei Versuche gebraucht. Im ersten konnte ich gar nichts sagen. Im zweiten habe ich was gesagt, aber definitiv weniger, als ich ohne ihn hätte sagen können. Hast du die ganze Geschichte erzählt? Nein. Nein. Zum Teil, weil ich nicht konnte zum Teil, weil ich mich nicht an alles erinnern konnte. Viellos ist es erst nach und nach wieder so zurückgekommen, dass ich drübergehen kann. Hast du ihn angesehen? Oder konntest du sehen, ob er sich geschämt hat? Er hat gelächelt. Die ganze Zeit. Hat er eine Sicht? Hat er eine sehr hohe Strafe erhalten? Es ist inzwischen klar, dass er nicht mehr rauskommt. Wie geht es dir damit? Besser als als es noch nicht klar war, würde ich sagen. Ich hatte davor immer Angst, dass wenn er jemals rauskommt, dass ich weiß nicht, ich glaube, ich habe mir die ganze Zeit gedacht, er wird dann sofort mich suchen und es dann zu Ende bringen, wahrscheinlich.

01:10:48: Speaker 1 Gleichzeitig habe ich immer wieder Momente, wo ich ihn vermisse. Was vermisst du genau? Ich glaube auch da eigentlich eine Person, die es nicht gibt. Aber irgendwo war er. Trotzdem. So eine wichtige Person in meinem Leben und ich glaube, manchmal fehlt mir einfach, blöd gesagt, ihn schnell zu erreichen und um Erlaubnis zu bitten, irgendwas zu tun. Warum brauchst du das Gefühl? Weil er es geschafft hat, dass ich so sehr daran glaube, dass nur er darüber entscheiden darf. Das glaube ich nur seine Erlaubnis so viel Macht hätte. Auch wenn ich natürlich versuche, seine Glaubenssätze loszuwerden, macht es schwieriger zu wissen, dass ich im Prinzip jeden Tag, den ich heute lebe, gegen alles Mögliche verstoße, was er aufgestellt hat und was so lange mein Leben bestimmt hat. Hanna, was bedeutet Freiheit für dich in dem Kontext? Ich finde, es ist ein Privileg, was viele Leute gar nicht so sehr schätzen.

01:12:43: Speaker 1 Ich finde, Freiheit ist, selbst entscheiden zu können, was man wann wie macht und überhaupt selbst über sich und sein Leben entscheiden zu dürfen und zu können. Und ich glaube, es fühlt sich für mich manchmal immer noch wie so ein weit entfernter Traum an. Volles Spiel. Weil ich weiß nicht, so richtig frei fühle ich mich bisher nie. Du hast jetzt ja über mehrere Jahre nach diesen Regeln gelebt. Du hast immer nur seine Erlaubnis gebraucht. Als du im Krankenhaus warst und da wach geworden bist, war es ja das erste Mal seit Jahren, dass er dir keine Erlaubnis geben konnte weil es nicht möglich war. Wie war das für dich? Furchteinflößend. Es war. Es war immer das Gefühl, als könnte mir jederzeit irgendwas passieren. Als würde er jeden Moment um die Ecke kommen und sagen: Ich habe es falsch gemacht. Ich konnte mich gar nicht richtig daran gewöhnen, dass er nicht da ist.

01:14:16: Speaker 1 Ich weiß auch, dass ich ganz oft mein Handy in der Hand hatte und gewartet habe auf diese Nachrichten. Und ich weiß, dass es lange gebraucht hat, bis ich das in Worte fassen konnte, aber es hat mich unglaublich frustriert, dass die Menschen um mich herum, die da waren, also ich habe es. Die da waren. Also, ich habe sehr geschätzt, wie sich alle dort um mich gekümmert haben. So ist es nicht, aber diese ständige Versicherung, dass jetzt alles gut ist, hat mich. Es hat nicht gepasst zu dem, wie ich mich fühle, weil ich immer gedacht habe, es ist nicht gut, es fühlt sich nicht gut an, es. Als würde keiner richtig verstehen, was mir passiert ist. Wie war es denn für dich, in den normalen Alltag zurückzukommen? Du hattest ja vorhin beschrieben, es gab die Dortwelt und die Jetztwelt, die allgemeine Welt, wo du zur Schule gegangen bist, wo du zeigen musstest, dass alles in Ordnung war. Und auf einmal. War beides ja nicht mehr da. Wie konntest du dich an so ein Leben gewöhnen? Es war extrem schwer. Ich habe immer mehr gemerkt, dass ich gar keine Ahnung vom richtigen Leben habe, so richtig. Dass mir außerhalb von der Schule ein Dass mir außerhalb von der Schule eigentlich alles fehlt an Wissen über die Welt.

01:16:22: Speaker 1 Ich habe ganz, ganz viel Fernsehen geschaut, um irgendwie zu lernen, wie Menschen miteinander reden, weil ich schon gemerkt habe, dass im normalen Alltag ein ganz anderer Umgangston herrscht als da bei ihm. Und ich weiß noch, ich habe eine Folge Grey's Anatomy geschaut, immer wieder. Da war eine Patientin, die Entführungsoffer war, und ich habe mich plötzlich relativ gesehen gefühlt. Ich fand es vergleichbar und habe mich. Ich wurde traurig darüber, dass ich nicht sagen konnte, ich wurde entführt, und ich habe mich für den Gedanken extrem geschämt, weil ich gesagt habe, wie kann ich mir das wünschen? Aber ich fand, das hätte ein anderes Verständnis mit sich gebracht, weil das irgendwie. Ich glaube, gerade in dieser Serie habe ich dann gedacht, okay, die helfen ihr dabei, sich an diese normale Welt zu gewöhnen und wie das alles funktioniert. Die haben ein Verständnis dafür, dass sie eine andere Realität erlebt hat und das hat mir gefehlt, dieses Verständnis dafür wie groß seine Welt für mich war. Und ich habe eher erlebt, dass Unverständnis dafür kam, dass ich es nicht geschafft habe, einfach einen Raum zu verlassen. Dass ich, ich weiß auch, dass ich die erste Zeit auch doll Probleme damit hatte, in größeren Räumen zu sein, weil der Raum bei ihm einfach kleiner war und ich dieses Gefühl, ich damit ganz schlecht umgehe und ich dieses Gefühl, ich damit ganz schlecht umgehen konnte und dass ich ganz oft mir wurde erzählt, ich hätte ganz oft so schlafen, wenn ich geschlafen habe, meistens mit Medikamenten als Hilfer.

01:18:33: Speaker 1 Als wäre ich gefesselt. War das für mich so eine gewohnte Haltung? War das? Ich konnte es irgendwie nicht loslassen und dann kam ganz oft Menschen, die gesagt haben: "Ja, lass es einfach, mach's nicht. " Und ich, also, nach all den Jahren, wie denn? Ich hab auch, ich weiß auch, dass ich so sehr darum gebeten hab, auf dem Boden schlafen zu dürfen, weil sich das Bett für mich so falsch angefühlt hat und so ungewohnt. Ich weiß nicht, irgendwie war das alles sehr seltsam. Als würde ich nicht in die Welt passen. Konntest du heute in diese Welt finden?

01:19:26: Speaker 1 Halbwegs. Ich bin einige Zeit später umgezogen. Hab gesagt, ich möchte ein eigenes Leben. Weit weg davon. Gleichzeitig habe ich gesagt, ich möchte so offen wie ich kann damit umgehen, was passiert ist, weil ich wollte es nicht länger verstecken. Ich habe aber gemerkt, wie schwer das ist. Ich also das erste Mal einkaufen war die absolute Hölle, weil es einfach so hell war, es war so laut, überall waren Menschen. Und alleine wohnen war schlimm, weil plötzlich entscheidet man ja alles selbst. Und ich weiß auch, dass ich ganz oft dachte Entscheidet man ja alles selbst. Und ich weiß auch, dass ich ganz oft da saß und überhaupt nicht wusste, was ich machen soll.

01:20:22: Speaker 1 Wer sagt mir denn jetzt, was ich tun soll? Und auch, dass ich. Ich habe zu dem Zeitpunkt schon und auch bis heute doll Probleme mit Nächten. Zum einen einfach, weil mein Tag nachdrücken muss, komplett falsch ist. Ich. So wichtig müde werde ich nicht wirklich. Ähm. Zum Teil, weil ich immer noch dieses "Ich darf nicht schlafen" drin hab und weil die Dunkelheit ganz viel mit mir macht. Immer wenn's dunkel ist, gleichzeitig halte ich Licht nicht so gut aus. Das heißt, so ein Nachlicht bringt auch nicht viel. Ich habe inzwischen die Mittelweg-Lösung gefunden, dass ich eine Matratze auf dem Boden hab. Das gibt mir immerhin irgendein Sicherheitsgefühl und gleichzeitig ist es nicht so falsch für mich. Es war ganz schwer, wieder ins Essen zu kommen. Es finde ich selbstständig immer noch sehr schwer. Ich brauchte eher jemanden, der mich dran erinnert. Ja, und ich glaube, herausfinden, wer ich bin, ist ein großer Punkt gewesen.

01:21:47: Speaker 1 Oder ist es immer noch. Wie sieht es mit Vertrauen aus? Tagesformabhängig. Es gibt Personen, denen ich vertraue, würde ich sagen, immer bis zu einem bestimmten Grad. Ich mache auch in Therapie, da ist Vertrauen auch ein großes Thema, bei dem ich oft merke, ich. Gehe so zwei Schritte vor und drei wieder zurück. Ja, es dauert. Du hattest vorhin gesagt, dass andere Menschen nicht so viel Verständnis für dich hatten und nicht verstanden haben, wie groß seine Welt für dich war. Wie groß ist seine Welt heute für dich? Es gibt Regeln, die für mich nicht mehr so viel Wert haben. Auch wenn es immer Tage gibt und wahrscheinlich geben wird, wo er präsenter für mich ist und wo ich mich mehr danach sehe, na ja. Präsenter für mich ist und wo ich mich mehr danach sehne, jetzt seine Erlaubnis zu kriegen. Es gibt einfach Dinge, wo ich merke, da hat all das Spuren hinterlassen, die ich weiß nicht, wie lange bleiben, wie zum Beispiel beim Schlafen oder dass es immer noch Dinge gibt, die ich nicht essen kann, weil sie sich verboten anfühlen und ich glaube Wo ich seine Welt am meisten merke, ist eben bei Triggern, die mich auch in Teilen sehr einschränken.

01:23:34: Speaker 1 Und bei, ja, Folgeschäden von damals. Jetzt ist er in dieser Situation, wo er in einem kahlen Raum ist, wo ihm gesagt wird, wann er aufhört. In einem kahlen Raum ist, wo ihm gesagt wird, wann er aufzustehen hat, wann er schlafen zu gehen hat, wann er Essen bekommt. Wie geht es dir damit, das zu wissen? Mein erster Impuls ist immer zu sagen: Er tut mir leid, weil ich es keinem wünsche, aber ich weiß, dass es in seinem Fall gerechtfertigt ist und dass er es dort wahrscheinlich immer noch besser hat als ich bei ihm. Was ein. Schwieriger Gedanke ist, aber ich habe mir irgendwann so Dokumentationen über Gefängnis angeschaut und mir zwischendurch gedacht, das hätte ich damals als Luxus empfunden.

01:24:34: Speaker 1 Achso, ja, weiß ich nicht. Macht es vielleicht ein bisschen besser für mich zu ertragen. Jetzt warst du in einer Parallelwelt. Kommen manchmal diese Gedanken Der Parallelwelt auf, wenn du dich in dieser Welt befindest und die so ein fragendes Gefühl hinterlassen, was die Menschen da draußen alles nicht wissen? Ja. Ich habe oft Situationen, wo ich. Gerade bei Gleichaltrigen hatte ich das oft, dass wenn sie über ihre Jugend gewählt haben und ich wusste, wo ich meine Jugend fand Über ihre Jugend gewählt haben und ich wusste, wo ich meine Jugend verbracht habe, dass ich irgendwo dankbar dafür war, dass die das alle nicht kennen und gleichzeitig ein ganz großes Bedürfnis hatte, jedem zu sagen, was meine Realität war. Ich habe das auch jetzt noch manchmal, wenn ich einfach so in der Welt unterwegs bin und Menschen höre, die sich über Dinge beschweren oder aufregen, die für mich. Sich wie Kleinigkeiten anfühlen dass ich da sehr, sehr schnell in die Richtung gedanklich gehe, dass es sehr viel Schlimmeres gibt, was man erleben kann.

01:26:03: Speaker 1 Gleichzeitig, umso länger es für mich her ist, umso mehr fege ich mich auch über Kleinigkeiten auf. Also, ja, ich habe da auch Verständnis für, aber ich glaube, was für mich bleibt, ist, Zu denken wie besonders es ist, dass man einen Ort hat, wo einem keiner weh tut. Oder auch wie, mein Gott, wie besonders es ist, ein Bett zu haben und daran schlafen zu dürfen, wenn man wollen würde. Und all das so Dinge, wo, glaube ich, keiner so schnell auf die Idee kommt, zu sagen, ich bin da jetzt dankbar für. Zumindest nicht hier bei uns. An anderen Orten vielleicht schon. Wenn du das hier als Sprachrohr nutzt, gäbe es Worte, die du an die Allgemeingesellschaft ungefiltert weitergeben wollen würdest, aus all dem, was du erfahren musstest? Ich würde mir wünschen, dass wir Menschen besser hinsehen, was um uns herum passiert. Besser auf die Mitmenschen schauen und genauer hinsehen, vor allem auch genauer hinhören.

01:27:30: Speaker 1 Ich finde, es gibt bei allem, was Menschen sagen, Zwischentöne und vielleicht Sätze, die man nicht hören kann, die aber sehr, sehr wichtig sein könnten. Und ich glaube, das fände ich eine sehr schöne Realität. Sowohl im Sinne von drauf aufpassen, dass sowas vielleicht nicht wieder passiert, als auch. Für Menschen, denen das passiert Ist, für mehr Rücksichtnahme. Gäbe es Worte, die du an deinen Täter richten wollen würdest, wenn du wüsstest, dass sie ihn erreichen? Ich. Nein, ich glaube. Es ist richtiger. Eben keine Vorteile. Es ist richtiger, ihm keine Worte zu schenken. Hannah, was wünschst du dir für deine persönliche Zukunft? Ich wünsche mir zum einen, dass die Versorgung an Psychotherapie aufrechterhalten werden kann, dass. Ist für mich gerade ein großes Thema, weil ich da sehr viel mehr Bedarf habe als man zugesprochen bekommt. Ich wünsche mir, auch wenn ich weiß, dass es vielleicht unrealistisch ist, dass es mir irgendwann auch körperlich besser geht, dass viele der Folgeschäden, die geblieben sind oder vermutlich durch den Stress damals hervorgerufen wurden, dass die Irgendwann nicht mehr.

01:29:28: Speaker 1 So viel Auswirkung auf meinen Alltag haben. Und ganz fern in die Zukunft gedacht, würde ich mir ein Leben wünschen, in dem er weniger Raum einnimmt, in dem ich irgendwann vielleicht einen dauerhaften sicheren Wohnort habe und ich weiß nicht, irgendwo ist auch der Wunsch nach Familie, in der jeder gehört wird. Ich danke dir, Hannah. Du bist wirklich eine wundervolle Frau. Du hast so viel durchgestanden. Du bringst eine so, so extreme Stärke mit und du bist für ganz, ganz viele Frauen da draußen, das weiß ich, ein Sprachrohr. Für die, die es nicht geschafft haben bis hierher oder für die, die es gerade brauchen.

01:30:29: Speaker 1 Danke dafür. Gerne. Danke und wir wünschen dir viel Spaß. Danke dafür. Gerne. Danke und wir wünschen dir wirklich, wirklich alles erdenklich Gute für deine Zukunft. Du willst selbst bei uns dabei sein oder hast einen Themenvorschlag? Dann melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen. Bis zum nächsten Mal bei. Von Bohne zu Bohne.

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