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Eingesperrt im Keller ab 11 Jahren: sexuelle, psychische & körperliche Gewalt – Teil 1 #107 Hannah

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um sexualisierte Gewalt in der Kindheit, Vergewaltigung, schwere körperliche und psychische Gewalt, Vernachlässigung, familiäre Gewalt, Mobbing, Einsperren, Fesseln, Nahrungs- und Schlafentzug, Kontrolle und Suizidandrohungen als Druckmittel. Die Gewalthandlungen werden teilweise konkret beschrieben. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.

Hannah wächst ländlich auf und ist schon früh viel allein. Ihr Vater arbeitet viel, ihre Mutter lebt mit Depressionen. Hannah beschreibt eine Kindheit, in der sie sich zunehmend für die Gefühle ihrer Mutter verantwortlich fühlt und später auch verbale und körperliche Gewalt erlebt. In der Schule findet sie kaum Anschluss und wird gemobbt.

Mit etwa elf Jahren sucht sie deshalb einen Jugendtreff auf. Dort begegnet sie einem rund 30-jährigen ehrenamtlichen Helfer. Er hört ihr zu, interessiert sich für ihr Leben und bezeichnet sich schon bald als ihren besten Freund. Er schreibt ihr ständig, ruft sie an, macht ihr Geschenke und sagt, sie habe eine bessere Familie verdient.

Nach und nach verschiebt er Grenzen. Er schickt sexualisierte Nachrichten, berührt Hannah, küsst sie und vergewaltigt sie später in einem Raum des Jugendtreffs. Danach droht er ihr mit Suizid, falls sie jemandem davon erzählt.

Trotz der Gewalt bleibt er ihre wichtigste Bezugsperson. Hannah beschreibt, wie aus vermeintlicher Freundschaft immer stärkere Kontrolle wird. Er sperrt sie in einen Kellerraum, bestimmt über Schlaf und Essen, stellt Regeln auf, fesselt sie und bestraft sie mit körperlicher und sexualisierter Gewalt.

Teil 1 endet an einem weiteren Wendepunkt: Hannah verliert nach einem Getränk das Bewusstsein und wacht später in Anwesenheit mehrerer Männer auf.

Diese Folge handelt von sexualisierter Gewalt, Macht, Kontrolle, Abhängigkeit, Einsamkeit und dem Beginn dessen, was Hannah selbst als Einstieg in ein Netzwerk organisierter Gewalt beschreibt.

Die Fortsetzung von Hannahs Geschichte erscheint in der kommenden Woche.

Zeitstempel: 0:00:00 – 0:01:54: Triggerwarnung & Intro 0:01:54 – 0:12:52: Vorstellung von Hannah, Kindheit, Vernachlässigung, Gewalt zu Hause, Mobbing und Einsamkeit 0:12:52 – 0:22:06: Jugendtreff, erste Begegnung mit dem Erwachsenen und wachsende Vertrauensbasis 0:22:06 – 0:29:59: Dauerhafter Kontakt, Geschenke, emotionale Abhängigkeit und erste Grenzverschiebungen 0:29:59 – 0:38:35: Sexualisierte Nachrichten, Berührungen, Kuss und Vergewaltigung 0:38:35 – 0:44:03: Suizidandrohung, Schweigen und erneute Annäherung 0:44:03 – 0:53:49: Kellerraum, Gewalt, Einsperren und zunehmende Kontrolle 0:53:49 – 1:01:32: Fesseln, wiederholte Vergewaltigungen, Regeln sowie Schlaf- und Nahrungskontrolle 1:01:32 – 1:09:37: Gewalt im Alltag, Geheimhaltung, Entmenschlichung und erzwungene Unterordnung 1:09:37 – Ende: Nahrungsentzug, körperliche Bestrafung und der Übergang zu Teil 2

sexualisiertegewalt #kindesmissbrauch #vergewaltigung #organisiertegewalt


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Transkript anzeigen

01:00:22: Hannah Es ging dann auch schnell aufs Essen über, dass er gesagt hat, ich darf nur essen, wann und was er sagt. Und immer wenn ich gegen irgendeine Regel verstoßen habe, wurde er gewalttätig. Dann hat er malwands Ohrfeigen. Er hat aber dann relativ schnell sich. Gegenstände zum Schlafen gekauft. Was waren das für Gegenstände? Am Anfang war es eine Peitsche. Später kam ein bisschen anderes noch hinzu, aber das war sein Standard eigentlich. Gab es auch Regeln, bei denen du die gar nicht befolgen konntest, weil es nicht in deiner Macht lag? Ja, also es Gab Regeln, weh ihn zu fragen, ob ich einen Raum verlassen oder betreten darf und das ist im Alltag nun wirklich schwierig.

01:01:32: Hannah Gerade so in der Schule. Ich meine, kann ich schlecht mein Handy rausholen und ihn fragen. Es gab auch eine Regel, dass ich ihm antworten muss, wenn er mir schreibt und wenn ich ihm nicht antworte Dann müsste ich für die Zeit, die ich länger oder zu lange brauche, in seinen Augen eine Strafe bekommen. Und manchmal hat er mir dann absichtlich im Unterricht geschrieben, wo er weiß, ich kann nicht antworten. Bei dieser ganzen Gewalt hat man das nicht an dir gesehen, andere Lehrer, vielleicht deine Eltern, dass du da verletzt worden bist? Theoretisch ja. Praktisch war es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es keiner merkt, hat er gesagt. Was letztendlich bedeutet hat, dass ich halt meine Wäsche wasche, was ich sowieso gemacht habe, weil man da schon mal Blut gesehen hat, zum Beispiel. Oder musste ich mich dann woanders umziehen, dass dies nicht passiert? Oder musste ich mich dann woanders umziehen, dass die es nicht merken oder früher hin, beziehungsweise ich habe relativ schnell dann versucht, den Sportstorch zu umgehen, weil es auch weh getan hat, was überraschend gut funktioniert hat.

01:03:06: Hannah Also ich habe dann einfach Lehrer gefragt, ob sie Hilfe bei irgendwas brauchen und dann konnte ich durch schulische Aktivitäten entschuldigt werden? Immer in den Stunden. Es hat nicht immer geklappt, aber so konnte ich auf jeden Fall Schwimmunterricht absolut umgehen. Habe ich nie gemacht in der Zeit. Von dem Jugendzentrum hat da irgendwer mal versucht, dich zu kontaktieren, weil du ja merklich weniger dort warst. Also, wenn ich hingegangen bin, dann mit ihm zusammen. Und da hat er gesagt, soll ich mich so verhalten, dass keiner Fragen hat. So ich gemacht. War er in der ganzen Zeit noch dein Freund für dich? Ich glaube, hätte man mich gefragt, hätte ich gesagt, ja. Aber. Ich glaube, mehr aus Reflex. Woran hast du diese Freundschaft zu diesem Zeitpunkt noch festgemacht? Ich glaube einfach daran Dass ich gar keine andere Beschreibung dafür hatte, was er ist. Beziehungsweise er hat schon relativ schnell dann eine Bezeichnung gefunden, wie ich ihn nennen soll, aber nicht vor anderen. Also ich durfte ihn nicht mehr beim Namen nennen, wenn wir bei ihm waren. So an, ich sollte ihn mit Herr ansprechen. Ähm... So wie er dann zu mir gesagt hat, dass ich auch keinen Namen verdiene.

01:05:00: Hannah Also hat er mich nicht mit Namen angesprochen, sondern einfach mit Befehlen. Ich weiß euch. Wollte er, dass du seinen Nachnamen verwendest oder tatsächlich die Worte Herr? Nur Herr. Ich musste nach einer Weile einen. Ich musste nach einer Weile ein Papier unterschreiben, auf dem steht, dass ich sein Eigentum bin und er das Recht hat, alles zu machen, was er möchte. Und da stand dann auch drauf, dass ich seine Skarvin bin. Wie viel Zeit es war, Gott? Sklavin bin. Wie viel Zeit ist vergangen von dem Moment, wo du ihn kennengelernt hast, bis zu dem Moment, wo du etwas unterzeichnen musstest?

01:05:57: Hannah Halbes oder dreiviertel Jahr? Ungefähr. Was löst das heute in dir aus, wenn du das hörst, dass er wollte, dass du seine Sklavin bist? Es hört mich schwer, die Worte auszusprechen, hauptsächlich. Ähm. Hauptsächlich. Wenn ich von jetzt drauf schaue, dann sehe ich viele Momente, wo ich mich selbst gern schütteln würde und sagen würde: mach's nicht, geh nicht hin, aber ich weiß sehr gut, dass ich einfach keine Wahl hatte. Also ich weiß, dass es super seltsam von außen wirken kann, dass ich immer wieder zu ihm gegangen bin, wenn er es wollte. Aber es war einfach. Für mich hat sich die Gefahr viel größer angefühlt als die Option, dass es aufhören könnte, weil es die irgendwie nicht wirklich gab. Also, wen hätte ich schon fragen sollen, was sagen sollen? Gab es auch Tage oder Momente, wo er dich nicht im Keller eingesperrt hat? Sondern wo du oben in der Wohnung sein durftest.

01:07:23: Hannah Ja, es kam irgendwann dazu, dass er mich für Aufgaben im Haushalt nutzen wollte. Wäsche, waschen, abwaschen, kochen, putzen. So ein bisschen alles, worauf man selber keine Lust hat. Er hat gesagt, er habe damit gewartet, bis er sich sicher sein konnte, dass ich wirklich auf ihn höre. Ähm. Wirklich auf ihn höre. Dann durfte ich oben sein, aber nicht nie ohne seine Aufsicht. Und auch nie ohne ohne Fesseln. Wie hat er dich in diesem Moment gefesselt? Es waren. So Metallringe an den Handgelenken und Fußgelenken, wo er Kettenrieg und Fußgelenken, wo er Ketten reinmachen konnte und auch raus machen konnte, sodass ich einfach, er hat gesagt, dass ich nicht vergesse, was ich bin. Und ich hatte immer das Gefühl, dass diese Aufgaben im Haushalt zwar zum Teil waren, weil er einfach keine Lust hatte, das selbst zu machen, aber zum Teil auch weil es einfach Ein weiterer oder eine weitere Möglichkeit war, Dinge zu finden, die ich falsch mache, für die er mich bestrafen kann. Vorher oder auch generell sollte ich halt sonst meine Fehler im Alltag mitbringen. Ich sollte dir in einem Buch aufschreiben, mit Vorschlägen, was eine angemessene Konsequenz dafür wäre. Ähm... Und da konnte er dann halt selber entscheiden, ob was gut genug gemacht war oder nicht.

01:09:37: Hannah Hast du mal gelogen? Ich hab's einmal probiert. Ich hab mit ihm gekocht. Und ich weiß, dass er mir da schon eine Weile nicht erlaubt hatte, was zu essen. Und er ist kurz weggegangen und hat gesagt, ich soll nicht davon essen. Und ich habe während er weg war, es war eine Suppe von der Suppe gekostet, einfach weil ich dachte, es ist wenigstens irgendwas. Und als er wieder kam, hat er immer wieder gefragt, ob ich was gegessen habe, und ich habe nein gesagt, bis er dann meinte, er hätte es gesehen. Ich weiß nicht, ob er es tatsächlich gesehen hat oder ob es geraten war.

01:10:30: Hannah Jedenfalls hat er da meine Hand genommen und auf die Headplatte gedrückt und gesagt, dass es erst der Anfang. Wie hast du diese Verletzung, die du davongetragen hast? Erklärt den Menschen? Doch nicht. Kann mich nicht erinnern, dass da irgendwer gefragt hat. Gab es auch Momente, wo er dir erlaubt hat zu essen, wo er dir was zu essen gemacht hat oder dir was zu trinken gegeben hat? Er hat manchmal mir Wasser in den Keller gebracht, das schon. Ähm. Essen. Ja, auch, aber es waren Männer Reste von ihm. Und einmal hab ich am. Ich hab ihm gesagt, dass ich Hummer hab, und er hat am eine Tomate aus dem Müll geholt und gesagt, wenn ich wirklich Hunger habe, dann esse ich die. Und hat mich gezwungen, die zu essen. Und hat dann gesagt, wenn ich das mache, dann kann ich ja von da an immer was aus dem Müll kriegen. Das war dann sein Standard. Gab es auch Momente wo er auf einmal besonders nett war, dir vielleicht was geschenkt hat oder etwas getan hat, wo du das Verhalten in dem Moment nicht erklären konntest? Er hat einmal gesagt, ich soll bei ihm oben sauber machen, weil er Gäste kriegt.

01:12:47: Hannah Und hat mir danach ein Glas Wasser gebracht und gemeint, das war bestimmt anstrengend ich soll mich kurz hinsetzen und was trinken. Und das war ungewöhnlich für ihn zu dem Zeitpunkt. Aber ich weiß auch, dass ich gedacht habe, wenn er es schon mal macht, dann sollte ich es auch nutzen, weil ich weiß ja nicht, wann er es mal wieder macht. Und ich weiß, dass mir nach dem Trinken dann schwindet. Und ich dann eine Weile nichts mehr weiß. Bis ich. Bis ich irgendwann aufgewacht bin und gesehen habe, dass da mehr Männer sind. Du willst selbst bei uns dabei sein oder hast einen Themenvorschlag? Dann melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen. Bis zum nächsten Mal bei.

01:14:17: Sanja Von Bohne zu Bohne. transcribed with cockatoo

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