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Bonusfolge #B09 Marleen: Toxische Beziehung, Krebserkrankung & Drohungen - ihr Weg da raus

Shownotes

Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um verbale und körperliche Gewalt in Beziehungen, Beleidigungen, Drohungen, emotionale Abwertung, Angststörung, Burnout, problematischen Alkoholkonsum innerhalb einer Beziehung und eine Krebsdiagnose. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird. In dieser Bonusfolge erzählt Marleen von Beziehungen, in denen Liebe immer wieder mit Unsicherheit, Abwertung und Angst verbunden war. Mit 17 führt sie eine Beziehung mit einem elf Jahre älteren Mann. Über dreieinhalb Jahre erlebt sie dort verbale und körperliche Gewalt. Später entwickelt Marleen eine schwere Angststörung und beginnt, sich intensiver mit ihren Beziehungserfahrungen auseinanderzusetzen. Doch auch in späteren Partnerschaften begegnen ihr ähnliche Muster. Vor rund viereinhalb Jahren lernt Marleen einen Mann kennen, mit dem zunächst vieles leicht wirkt. Beide teilen Interessen, verbringen viel Zeit miteinander und ziehen zusammen. Doch sobald Konflikte entstehen, verändert sich die Beziehung. Marleen erzählt von Beleidigungen, Sarkasmus, Rückzug, Alkohol, Drohungen und immer wieder dem Satz, sie müsse die gemeinsame Wohnung verlassen. Damit verliert ihr Zuhause für sie seine Sicherheit. Nach drei Jahren entdeckt Marleen selbst einen Knoten. Die Diagnose: Schilddrüsenkrebs. Obwohl ihre Heilungschancen laut ihren Ärzten sehr gut sind, verändert die Diagnose ihre Perspektive auf ihr Leben. Gleichzeitig erlebt sie, dass ihr damaliger Partner ihr in dieser Situation kaum Halt gibt. Als eine weitere Operation ansteht, weigert er sich, sie ins Krankenhaus zu fahren. Marleen zieht zu ihren Eltern und findet später ein neues Zuhause. Trotzdem nähern sich beide noch einmal an. Erst nach weiteren Konflikten beendet sie die Beziehung endgültig. Heute arbeitet Marleen als Traumatherapeutin und begleitet selbst Menschen, die in belastenden Beziehungen leben. Sie spricht darüber, warum Trennung oft ein Prozess ist, welche Warnsignale sie heute früher erkennt und warum Sicherheit, Selbstwert und ein gesunder Umgang mit Konflikten für sie entscheidend geworden sind. Diese Folge handelt von toxischen Beziehungsmustern, psychischer und körperlicher Gewalt, Angststörung, Schilddrüsenkrebs, Grenzen, Selbstwert und dem Weg aus wiederkehrenden ungesunden Beziehungen. Zeitstempel: 0:00:00 – 0:01:55: Triggerwarnung und Intro 0:01:55 – 0:09:51: Vorstellung von Marleen, Kindheit, Vaterfigur, erste Beziehungen und körperliche Gewalt mit 17 0:09:51 – 0:13:37: Weitere belastende Beziehungen, Selbstzweifel, Therapie und Marleens heutiger Beruf 0:13:37 – 0:20:48: Kennenlernen im Corona-Testzentrum, Beziehung und erste Konflikte 0:20:48 – 0:27:10: Beleidigungen, Drohungen, Wohnungsunsicherheit und zerstörtes Vertrauen 0:27:10 – 0:33:21: Burnout, körperlicher Stress und Diagnose Schilddrüsenkrebs 0:33:21 – 0:40:10: Fehlende Unterstützung, Operation und der endgültige Auszug 0:40:10 – 0:46:16: Erneute Annäherung, letzter Urlaub, Trennung und Kontaktabbruch 0:46:16 – 0:49:34: Warnsignale und eine neue, sichere Beziehung 0:49:34 – 0:54:27: Marleens Arbeit mit Betroffenen, Selbstwert, Grenzen und Trennungsprozesse 0:54:27 – Ende: Zukunftswunsch, Rat an Betroffene und Verabschiedung #toxischebeziehung #psychischegewalt #körperlichegewalt #emotionalegewalt #krebsdiagnose

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Transkript anzeigen

Staffel 10 Bonusfolge mit Marleen - Final Master

German · 0:55:15

00:02

Speaker 1

Das war dann irgendwann wirklich. Das ging ja auch im Persönlichen miteinander, aber auch ganz viel über WhatsApp. Also Beleidigungen, Sarkasmus, also ganz, ganz viel. Ich musste den also mehrfach in der Beziehung auch dann irgendwann blockieren, weil das, weil das gar nicht mehr aufhörte. Dann habe ich ihn gebeten, mich dahin zu fahren, und dann hat er sich stumm verweigert, mich zur Operation zu fahren, so dass ich dann meinen Vater bitten musste, mich ins Krankenhaus zu fahren. Da war für mich schon klar, da hat mich jetzt eigentlich schon das. Zweite Mal rausgeworfen oder mir zumindest ja auch oft gedroht, wenn du jetzt dies und das und jenes machst oder nicht machst, werfe ich dich raus, dass ich da nicht mehr zurückgehe.

00:39

Speaker 1

Das war für mich vollkommen klar. Triggerwarnung. Bevor wir beginnen, möchten wir dich auf etwas Wichtiges hinweisen. Uns sind deine Sicherheit und Gefühle wichtig. Wir möchten gewährleisten, dass du dich während des Hörens unseres Podcasts wohlfühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst. In dieser Episode werden wir Themen ansprechen, die für einige Hörende verstörend sein könnten. Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor. Falls du denkst, dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte, dann möchten wir dich bitten, die Folge direkt zu beenden. Stell dir vor, du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung, wer das ist. Das passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zur Bohne. Mein Name ist Charlotte und ich weiß vorher nichts über unsere Gäste. Kein Name, keine Information, keine Themen. Also werden meine Fragen auch deine Fragen sein. Ich bin Sanja und ich suche die Gäste.

01:41

Speaker 1

Hier achte ich darauf, dass es Menschen mit ehrlichen, berührenden und bewegenden Geschichten sind. Und genau die wollen wir mit euch teilen. Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen? Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Mein Name ist Charlotte. Mein Name ist Zanja. Und ich bin Marleen und ich war in einer toxischen Beziehung und wurde während meiner Krebsdiagnose direkt nach der Operation vor die Tür gesetzt. Eieiei, das ist nicht selbstverständlich. Danke, dass du dich traust, heute darüber zu sprechen. Ich glaube, das kann vielen von uns. Frauen und auch anderen Mut machen, wenn sie in ähnlichen Situationen stecken.

02:20

Speaker 1

Deshalb Dankeschön dafür. Wo starten wir in deiner Geschichte? Ja, vielleicht fangen wir mal bei den Wurzeln an. Kindheit. Wie kommt es dazu, dass ich in so einer Beziehung war oder geblieben bin? Landen kann man ja immer dort, aber ich war dort recht lange, vier Jahre, und vielleicht fangen wir bei den Wurzeln an. Sehr gerne. Ja. Was würdest du sagen? Wo starten wir da? Ja, vielleicht erzähle ich so ein bisschen, wie ich aufgewachsen bin. Also, ich bin gebürtig aus Cuxhaven. Ich hatte eigentlich eine wunderschöne Kindheit, war ein sehr fröhliches kind. Aber bei mir ist so ein bisschen die Besonderheit, dass ich nicht bei meinem leiblichen Vater aufgewachsen bin. Das weiß ich aber erst seit zehn Jahren. Und ich bin direkt nach der Geburt hat meine Mutter sich von meinem Erzeuger sozusagen getrennt. Ich bin ein Seitensprung-kind und ist dann zu ihrem damaligen Partner den Sie ja vor meiner Zeugung geheiratet hat, zurückgegangen und bei dem bin ich dann auch aufgewachsen und hielt den natürlich auch immer für meinen realen Vater. Ja, wie gesagt, ich hatte eigentlich eine wunderschöne Kindheit, aber mein Ziehvater, also der Vater, bei dem ich aufgewachsen bin, war schon so vom Typ her sehr kühl, emotional, naja, schwierig, so ein typischer Ingenieur, sage ich mal.

03:38

Speaker 1

Also der war super in seinem Job, aber so Gefühle zeigen oder auch emotional auf die Kinder oder auf die Tochter jetzt auf mich eingehen, das war immer schwierig und das hat sich dann später auch in meiner Partnerwahl wieder gespiegelt. Wusste dein Ziehvater, dass er nicht der leibliche Vater von dir ist? Der wusste das und das wussten ganz viele Menschen außer mir. Ich habe das später dann durch einen Zufall erfahren. Okay, meinst du, das könnte einen Einfluss darauf gehabt haben, dass so nicht diese emotionale Nähe aufgekommen ist durch diesen Fakt? Das glaube ich nicht weil der war auch mit anderen Menschen so. Also auch mit seinem, ich habe noch einen Bruder, auch mit seinem leiblichen Sohn und auch mit vielen Menschen. Also der hatte auch überhaupt gar keine Freunde, die hat er irgendwie durch seine Art auch so ein bisschen vergrault, sage ich mal. Aber trotzdem war er für mich so mein Papa und er hat mir nie irgendwas Böses getan. Aber es war einfach so, dieses Emotionale war sehr schwierig und das war natürlich mein Leitbild für so ist ein Mann, so ist dann eben auch ein Partner. Okay. Du hast gesagt, du hast einen Bruder.

04:46

Speaker 1

Hattet ihr eine innige Beziehung in der Kindheit? Eine innige Beziehung? Ja, das ist eine innige Beziehung. Hast du dir eine innige Beziehung in der Kindheit? Eine innige Beziehung, ja, das kann ich schon sagen. Also bis zur Pubertät, wo dann jeder so seinen eigenen Weg gegangen ist, doch habe ich mit meinem Bruder ein sehr gutes Verhältnis gehabt und wir haben eigentlich immer zusammen gespielt oder Blödsinn gemacht in der Kindheit, was man so macht. Also das kann ich schon sagen, ja. Würdest du sagen, du hast gesagt, dass das Einfluss auf das Männerbild hatte, dass du später oder welche Männer du gewählt hattest. Würdest du sagen, das hat schon im Teenageralter angefangen oder erst viel später? Das hat eigentlich schon im Teenageralter angefangen. Also, ich fand auch immer Männer oder, ja, damals waren es ja noch Jungen, so als es so losging, ne? Fand immer die toll, die mich nicht wollten und die, die mich toll fanden, die fand ich blöd. Also, da fing das schon so an. Und das, ja, ich kann das eigentlich bis auf eine Ausnahme, also ein Partner, wo das wirklich ganz, ganz schön war, so, war das eigentlich immer irgendwie schwierig mit Partnern.

05:43

Speaker 1

Okay, ja. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in meinem Leben. Aber bis dahin war es immer schwierig, ja. Ist denn irgendetwas, ähm Ist denn irgendetwas in deiner Teenagerzeit passiert, was dich nachhaltig sehr geprägt hat? Ja, ich bin mit 17 in eine Beziehung gegangen zu einem Mann, der war elf Jahre älter als ich. Also, ich hatte damals immer wesentlich ältere Partner. Das war wahrscheinlich auch so eine Art Vaterersatz, den ich da unbewusst gesucht habe. Und ich bin mit diesem Mann in eine Beziehung gegangen. Ich habe den kennengelernt beim Kampfsport. Ich habe früher Kampfsport gemacht. Und der war, der hatte schon auch so was sehr Aggressives. Also, das war für den nicht nur ein Sport. Ich glaube, das war irgendwie, ich weiß nicht, das war auch so in dem, ne? Er hat auch sehr viel getrunken. Und in dieser Beziehung, die ging dreieinhalb Jahre, habe ich verbale und auch körperliche Gewalt erfahren.

06:37

Speaker 1

Und eben auch im Alter von 17 schon. Und das war natürlich ein bisschen tragisch, weil meine Mutter das auch wusste. Ich habe ihr das irgendwann erzählt und sie hat nichts unternommen. Krass. Und eigentlich hätte sie was unternehmen müssen. Krass, das heißt, du hast dich ihr anvertraut und sie hat das aber einfach ignoriert? Oder wie kann man uns das? Vertraut und sie hat das aber einfach ignoriert? Oder wie können wir uns das vorstellen? Ja, ich glaube, sie hat sich sehr hilflos gefühlt. Sie war auch zum damaligen Zeitpunkt, als es passiert ist, gar nicht in Deutschland. Sie hat im Ausland gelebt mit ihrem Mann aus beruflichen Gründen und hat dann, ich sag mal, meinen Bruder so ein bisschen geschickt, dass der sich um mich kümmern soll. Der musste mich auch einmal abholen aus einer Situation, wo ich also von diesen Menschen wirklich körperlich angegangen wurde. Aber sie selber konnte nicht präsent sein, weil sie, wie gesagt, nicht da war.

07:24

Speaker 1

Aber sie hat auch nichts unternommen. Sie hat den nicht angezeigt. Und hat sich da noch nicht mal mit einem Gespräch an ihn gewandt. Und das hat sie später auch bereut, das weiß ich. Aber das war natürlich für mich damals furchtbar, das so zu erleben. Denn im Alter von 17 ist man einfach noch minderjährig und da braucht man eigentlich noch so den Schutz auch der Eltern, total bei Gewalt, total. Aber hat sie dir auch nicht oder nicht versucht, auf dich einzureden, dass du dich von ihm löst? Da kann ich mich gar nicht mehr so erinnern. Also, ich glaube, sie war mit der Beziehung sowieso nicht so einverstanden, weil die schon den schon immer so ein bisschen komisch fand.

07:59

Speaker 1

Aber kann gut sein, dass sie auch gesagt hat, man. Aber kann gut sein, dass sie auch gesagt hat: Mensch, raus da, geh irgendwie. Ich bin auch kurz danach aus der Beziehung dann irgendwann raus, aber dann auch wieder rein, wie das ja so ist bei toxischen Beziehungen. Ja, und irgendwann war ich ja dann auch volljährig und da konnte sie mir dann ja auch nicht mehr reinreden. Ja. Was hat das mit einer 17-Jährigen gemacht, da verbal so angegangen zu werden? Ich meine, mit 17 ist man ja noch in der Findungsphase und gerade wenn du sagst, die Beziehung hält dreieinhalb Jahre, Sucht man sich ja.

08:31

Speaker 1

Und wenn man da mit einem Partner in einer Beziehung ist, der einen nicht wertschätzt und körperlich angeht, einen beleidigt, dann anschreit, was macht das mit einem? Also, damals weiß ich noch, war das für mich, also, es war natürlich schrecklich, aber irgendwas hat mich trotzdem bei diesem Mann gehalten, weil ich wahrscheinlich in dem auch wirklich so eine Art Vaterersatz gesehen habe. So Kampfsportler, der war auch sehr groß, sehr, sehr stabil gebaut. Ich habe da irgendwie so eine Art Beschützer gesucht, aber ich habe den natürlich gar nicht in dieser Person gefunden. Ich kann nur sagen, später hatte das wirklich massive Auswirkungen auf meine psychische Gesundheit, weil ich dann im Alter von 20, 21 eine ganz schwere Angststörung entwickelt habe. Und die führe ich schon auch ein Stück weit zurück auf diese Beziehung. Also, ich habe mich überhaupt nicht mehr sicher gefühlt. Ich bin nicht mehr aus dem Haus gegangen.

09:21

Speaker 1

Es war ganz, ganz furchtbar und musste dann auch lange Therapie machen. Und da habe ich dann auch nochmal in dieser Therapie diese Beziehung mit verarbeitet. Wie lang hast du diese Beziehung geführt? Also das ging dreieinhalb Jahre insgesamt. Da waren aber auch Trennungen dabei. Ich weiß gar nicht mehr wie viel, aber da waren auch Trennungen dabei und dann wieder zusammen und wieder auseinander. Also es war eigentlich schon lange klar, dass das nichts wird mit dem. War das deine erste richtige Beziehung? Das war die zweite Beziehung. War vorher mit jemandem zusammen ein Jahr. Das war aber unauffällig.

09:51

Speaker 1

Da war ich ist jetzt nichts, also ist jetzt nichts so was passiert wie mit dieser Person. Du hattest jetzt gesagt, dass eine Beziehung, dass du eine Beziehung hattest, die sehr schön war, aber du hast mir im Vorgespräch erzählt, dass es da noch andere Partner gab, die teilweise cholerisch waren, teilweise noch toxischer. Erzähl uns gerne, wie das war für dich. Ja, genau, also ich hatte eine Beziehung die war sehr schön, die war aber auch im Alter von 20 bis 25 und alles, was danach kam, war eigentlich nur noch toxisch. Also, egal, wen ich da kennengelernt hatte, entweder waren die verheiratet und haben sich nicht getrennt, also haben dann quasi ihre Frauen belogen und betrogen oder ich hatte mal jemanden auch für, ich glaube, elf Monate, der dann auch, also der war auch sehr, der hatte stark so narzisstische Tendenzen und dann gab es eben irgendwann, wie es ja in jeder Beziehung so ist. Den ersten Konflikt oder die erste Reiberei. Und ich habe damals auch bei dem dann gewohnt, relativ schnell. Und der hat mich dann auch, also hat dann auch sich durch diese Konflikte, die wir miteinander hatten Die ich heute als ganz normale Konflikte bezeichnen würde, wie sie in jeder Partnerschaft mal vorkommen, hat er sich auch sofort eine andere Frau gesucht und hat mich dann auch vor die Tür gesetzt.

11:10

Speaker 1

Also meinst du dann auch, ich müsste jetzt sofort ausziehen, er hätte eine andere. Und ja, es war also auch ganz schlimm. Krass. Hattet du irgendwann mal diesen Moment, wo du reflektiert hast, so, hey, vielleicht treffe ich da manchmal schwierige Entscheidungen bei der Männerwahl? Also zum damaligen Zeitpunkt, da war ich so Mitte 30, da war auch das Thema toxische Beziehungen. Narzissmus noch gar nicht so en vogue, wie das jetzt heutzutage ist, wo ja jeder gleich ein Narziss ist, der einmal irgendwie falsch guckt. Damals ehrlich gesagt nicht. Ich habe immer nur gedacht, mit mir stimmt irgendwas nicht. Dass die Menschen oder die Männer mich so behandeln. Ich habe eigentlich mehr so die Schuld bei mir gesucht. Ist ja auch so ein Klassiker. Da habe ich mir auch gerade gedacht, wenn du die Schuld bei dir gesucht hast, hast du denn Wege gesucht, um die Schuld, die du dir selbst gibst oder die Begründungen, die du an dir suchst, zu beheben?

12:02

Speaker 1

Also, ich habe glaube ich, immer mal wieder auch Coaching oder Therapie gemacht. Vielleicht dachte ich, irgendwie musst du irgendwas an dir ändern. So geht das ja nicht weiter. Klar, bis man dann irgendwann natürlich, je mehr man sich auch mit dem Thema Narzissmus, toxische Beziehungen beschäftigt, dann irgendwann auch versteht, dass man sich diese Menschen ja aussucht und dass es aber ja auch noch andere Männer gibt und nicht nur solche. Ja, also, ich habe schon den Fehler bei mir gesucht. Ich habe auch viel durch diese Therapien oder auch durch diese Coachings, die ich selber gemacht habe, ich ja auch viel über mich gelernt und habe natürlich auch viel nochmal an meinem Verhalten teilweise verändern können, sodass ich zumindest aus den Folgebeziehungen schneller rauskam, wenn die nicht gut waren. Also da bin ich dann nicht mehr so lange drin geblieben. Das hat also zumindest ein bisschen was gebracht.

12:51

Speaker 1

Du bist ja heute Traumatherapeutin. Jetzt könnte man ja behaupten, dass Menschen, die im psychologischen Kontext unterwegs sind, also beruflich oder privat Dass die bewusster sind von ihren Entscheidungen und von den Partnern in deinem Fall, die man sich aussucht. Wie war es denn bei dir? Na ja, es ist ja schon so, dass viele Menschen, die die jetzt generell die Therapeuten sind, ob jetzt Traumatherapie oder ob die normale Psychotherapie machen, dass die schon auch in der Regel, zumindest kenne ich das so. Auch alle irgendwie den eigenen Leidensweg hinter sich haben und so zu diesem zu dieser Berufsentscheidung und eigentlich kann man sagen war es bei mir auch so ne also erst kam der Leidensweg Und dann kam die Entscheidung, ich mache da beruflich was draus.

13:37

Speaker 1

Und ich bin heute auch dankbar, weil ich natürlich, ich habe ja auch Klientel, die jetzt aktuell die Probleme haben, die ich mal hatte und kann mich natürlich ganz anders da einfühlen und einbringen, weil ich diesen Leidensweg ja selber gegangen bin. Wie alt warst du, als du dann den besagten Partner von deinem ersten Satz kennengelernt hast? Das war vor knapp viereinhalb Jahren. Knapp, ja, viereinhalb Jahren. Oh, ist gar nicht so lange her. Noch gar nicht so lange her, genau. Und ja, so oft fängt es immer alles schön an. Wo habt ihr euch denn kennengelernt? Wir haben uns kennengelernt damals, witzigerweise in einem Corona-Testzentrum. Oh, beim Corona-Testen. Nicht so romantisch. Aber ich muss sagen, ich kannte ihn. Also, er war von einer. Ehemaligen Freundin oder Dame, mit der ich mal befreundet war, war er der Ex-Partner. Und somit kannte ich ihn zumindest vom Sehen. Und so kam man eben ins Gespräch dann. Wie hast du ihn da wahrgenommen? Damals ganz normal, nett bemüht. Das heißt also, es ist nichts, was man sagt: hey, das ist mir super an ihm aufgefallen. Er war einfach ein herkömmlicher Mann. Ja. In seinen, keine Ahnung, wie alt er da war. Ja, genau.

14:59

Speaker 1

Also, ich würde das sogar heute noch sagen: ja, das ist eigentlich ein herkömmlicher Mann, der aber auch ganz krasse Themen am Start hat. Also, ganz krasse Themen. Was meinst du damit? Also, mit Themen meine ich eben durch seine eigene Sozialisierung. Der war selber schwer misshandelt worden als. Kind, auch eine schwierige Vergangenheit, wie es ja so oft ist bei solchen Menschen. Einfach jemand, der schwer belastet war durch eigene. Themen in der Familie, auch komisch sozialisiert worden war, also auch so dieses Mann-Frau-Bild irgendwie komisch war und dadurch natürlich, und auch dadurch, dass er sich nie diesen Themen gestellt hat, natürlich bestimmte Verhaltensweisen an den Tag gelegt hat. Wusstest du das alles schon zu dem Zeitpunkt? Nee, wusste ich nicht. Was ich wusste dass diese besagte ehemalige Freundin, mit der er ja mal zusammen war, dass die also einen Rosenkrieg hatten, als sie sich getrennt haben. Also, es war keine leichte Trennung, wo jetzt beide sagen: Gut, das passt nicht mehr, wir gehen auseinander.

15:57

Speaker 1

Es war wirklich ein Rosenkrieg, eine Schlammschlacht vor dem Herrn. Und das hatte ich so ein bisschen noch mitbekommen, weil als ich mit der noch befreundet war, klang das eben immer so durch, was der ihr da alles an den Kopf wirft. Und also, das ging auch nur über Anwälte jeder alles an den Kopf wirft. Das ging auch nur über Anwälte, das war ganz, ganz dramatisch bei denen. Und ich dachte, es lag an ihr. Ach so, okay. Das war für dich also kein Warnsignal grundsätzlich, sondern erst mal siehst du den Grund. Weil die war nämlich auch sehr toxisch. Irgendwann habe ich mich auch von der getrennt, weil die unfassbar toxisch war. Das habe ich auch schon mal so ein bisschen gemerkt in der Freundschaft, dass die irgendwie so ein bisschen komisch ist. Und ich dachte mir, das muss an der liegen. Wer mit der verheiratet ist, der kann einem ja nur leid tun verheiratet.

16:38

Speaker 1

Deshalb auch die Anwälte verstehen. Ihr habt euch dann im Testzentrum kennengelernt. Habt ihr dann da die Nummern ausgetauscht? Genau ja, genau. Okay, wie lange war er da schon getrennt von deiner ehemaligen Freundin? Ach, da waren die schon, ich glaube, vier Jahre, fünf Jahre. Oder vielleicht sogar noch länger, ja, sechs Jahre irgendwie so. Also schon länger, genau. Und dann habt ihr euch direkt gedatet oder war das erstmal was Lockeres? Nö, das ging schon relativ schnell in Richtung Date und Treffen und ja, das ging recht flott. Er war noch einmal kurz dann im Urlaub und dann hatten wir so eine kurze Datingpause, aber Das ging dann eigentlich, ja, wie es eigentlich so sein soll. Man trifft sich regelmäßig und man nähert sich an. Was hat dir an ihm gefallen? Ja, die Optik und dann auch so, der hatte auch eine sehr, das muss man wirklich sagen, auch eine sehr herzliche Seite.

17:31

Speaker 1

Und natürlich so, und das ist ja immer so ein bisschen die Gefahr, so dieses, naja, wir kennen ja beide deine Ex-Frau und die ist ja so furchtbar und bei mir in der Freundschaft war die ja genauso furchtbar wie bei dir in der Ehe und es war so ein bisschen so das Gefühl, so uns verbindet was gemeinsam. Ein kleines gemeinsames Schicksal vielleicht, ne? Hattet ihr gemeinsame Hobbys oder ähnliches, was euch noch verbunden hat? Ja, Sport, auch das Interesse so an Gesundheit. Ja, Sport, auch das Interesse an gesundem Lifestyle, gesunde Ernährung. Ja, also da gab es viele Gemeinsamkeiten, auch so in den Freizeitaktivitäten.

18:07

Speaker 1

Ja. Wann kamen dann die ersten Warnsignale auf, wo er sein toxisches bzw ungesundes Verhalten je gegenüber gezeigt hat? Ja, das hat sich eigentlich immer nur in Konflikten gezeigt. Also Konflikte, die ja wie gesagt überall mal auftreten, dann. Und das ist auch gut so. Also ist ja auch wichtig, dass man die als Paar bewältigt. Und da hat sich schon gezeigt Dass er überhaupt nicht gesund oder erwachsen mit Konflikten umgehen kann. Was ja nicht heißt, dass ich jetzt alles richtig gemacht habe, aber es geht ja darum, wie gehe ich jetzt mit einer Situation um, die blöd ist.

18:41

Speaker 1

Und da hat sich das eigentlich schon gezeigt, dass er da überhaupt nicht belastbar war. Hat sich dann, wie gesagt, in den Urlaub abgesetzt, einfach, also mich da irgendwie mit dem Konflikt alleine gelassen, sozusagen, irgendwie ist einfach in den Urlaub geflogen. Und hat sich da betrunken irgendwie. Also, das waren so Sachen, wo man denkt: ja, naja, also, das löst jetzt auch keinen Konflikt irgendwie miteinander. Hast du ein Beispiel eines Konflikts für uns? Ja, also ich weiß, dass es bei uns immer ganz viel, also irgendwann dann immer ganz viel so um so Diskrepanzen ging, wie ich wollte, dass wir in eine größere Wohnung zusammenziehen, er klebte aber so an seiner Wohnung, weil er war nur auch sehr gebeutelt durch seine Scheidungs- und Schlammschlacht, die er hatte. Das war natürlich auch monetär sehr schwierig, weil kann man sich vorstellen, wenn das immer hin und her geht zwischen irgendwelchen Anwälten, das wird irgendwann auch teuer. Und dann eben ähm, ja, sich wieder neue Wohnungen suchen und so. Also, der hatte ja schon was, was hinter sich und der war, glaube ich, sehr, ich würde ihn so einschätzen, also als, als sehr, also sich gar nicht mehr so richtig auf eine Bindung einlassen wollen und auch nicht mehr so Schritte gehen wollen, weil es könnte ja sein, dass es wieder so endet.

19:50

Speaker 1

Und das hat mich natürlich, ich habe das natürlich gespürt und dachte, sag mal, wie kann das sein? Also irgendwann will man doch dann auch mal gemeinsam in eine größere Wohnung ziehen. Wir haben damals in seiner Wohnung eine Zeit gelebt, er hat eine kleine Wohnung und ich habe immer gesagt, wir müssen in eine größere Wohnung, das geht hier nicht. Und das war immer irgendwie so schwer. Und da habe ich dann natürlich für mich so ein bisschen so Rückschlüsse gezogen. Naja, eigentlich will er sich ja gar nicht so richtig auf dich einlassen. Und das hat dann so zum Konflikt geführt. Und ich habe auch dann irgendwann gesagt: also, wenn das so weitergeht, dann gehe ich aus der Beziehung raus. Das ist nicht das, was ich mir vorstelle. Das hast du ihm gesagt. Wie hat er darauf reagiert? Ja, dann eben entsprechend so, wie ich das gerade gesagt habe. Also, der konnte damit überhaupt nicht umgehen. Da waren auch keine Gespräche mehr möglich sondern der ist einfach dann geflohen, war auch abends nicht mehr zu Hause, hat sich keinem Gespräch gestellt. Ja, und ist dann, hat sich dann Urlaub gebucht und hat sich abgesetzt. Wie lange ist er dann in der Regel weggeblieben?

20:48

Speaker 1

Also, das war dann immer so eine Woche, war 18 Tage, war er weg. Und das konnte er auch mit der Arbeit einfach so weg? Ja, das ging, das konnte er irgendwie machen. Der hat auch sowieso viel online gearbeitet, also theoretisch hätte er auch im Urlaub arbeiten können. Hat er jetzt nicht, aber das war kein Problem. Jetzt kennst du ja aus früheren. Beziehungen auch sowas wie Demütigung und Beleidigungen. Fand das bei ihm auch statt? Ja, also Beleidigung ein ganz großes Thema. Das war dann irgendwann wirklich, das ging ja auch im persönlichen Miteinander, aber auch ganz viel über WhatsApp, also Beleidigung, Sarkasmus, also ganz, ganz viel.

21:29

Speaker 1

Ich musste den mehrfach in der Beziehung auch dann irgendwann blockieren, weil das nicht mehr aufhörte mit diesen Beleidigungen weil das gar nicht mehr aufhörte mit diesen Beleidigungen. Hast du da ein Beispiel, aus welchem Grund hat er dich beleidigt und wie? Ja, da muss ich jetzt echt mal überlegen. Also es sind da manchmal so Sachen wie, das kam dann ein bisschen später, aber so Sachen wie "du wirst sowieso nie einen richtigen Partner halten können" oder ich weiß noch, wie er mir einmal mit dem Anwalt gedroht hat und dann auch so mit dem "ja, ich schmeiß dich raus", also solche Sachen oder auch Ich weiß gar nicht, kam dann irgendwann auch mal. Später so Sachen wie: Ja, so wie du, jetzt mit deiner gesundheitlichen Verfassung wird dich sowieso keiner nehmen. Also, das waren wirklich schon übelste Sachen, die da kamen. Ja, Und das war wirklich bei jedem Konflikt, den wir hatten, an der Tagesordnung: Diese Beleidigung oder Drohung auch.

22:26

Speaker 1

Wenn du jetzt nicht aufhörst, dann kannst du zusehen, wo du schläfst oder kannst du zusehen, wo du bleibst. Sowas kam auch ganz viel. Was hast du dabei gefühlt, Wenne? Was hast du dabei gefühlt, wenn er dir sowas an den Kopf gehauen hat? Ja, ich war sehr erstaunt, weil ich ihn eigentlich am Anfang ganz anders eingeschätzt habe. Also, es ist natürlich erstmal geschockt, wenn sowas kommt. Kann das sein, dass jemand in dem Alter, der ist ja nur auch schon ein bisschen älter, so konfliktunfähig ist, kann man ja schon sagen. Also, so aus der Kiste solche Sachen zu. Also, so aus der Kiste solche Sachen ziehen muss und nicht sich mal so ein bisschen runterregulieren kann. Und irgendwann ist das bei mir gekippt, da habe ich dann wirklich nur gedacht: Das ist ja überhaupt kein erwachsener, reifer Mann. Da steht ein großes kind vor dir, gefühlt, der jetzt sagt: Wenn du jetzt nicht aufhörst, so und so zu sein, dann beschmeiße ich dich mit Sand oder mit Backförmchen oder irgendwie so kam der mir dann irgendwann vor. Also, ich habe dann immer nur noch gedacht: Ich kann den gar nicht mehr für voll nehmen. Wann kam denn dieses Gefühl auf von, Ich kann ihn gar nicht mehr ernst nehmen.

23:30

Speaker 1

Wie lange wart ihr da schon zusammen? Also, das ging, glaube ich, so nach zwei Jahren war das definitiv so. Wir hatten da dann eben schon so ein paar Konflikte innerhalb dieser Zeit und er hat dann irgendwann auch angefangen, wenn wir einen Konflikt hatten, dann sich zu betrinken oder dann irgendwie nächtelang nicht nur zu rauchen und zu trinken, nicht mehr zu arbeiten, sich da von der Arbeit abzumelden. Also, solche Sachen kamen auch vor und da habe ich schon gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt mit dem. Also, dass das irgendwie überhaupt kein erwachsenes Verhalten ist, was er da an den Tag legt.

24:02

Speaker 1

Kam da für dich auch mal der Gedanke auf, die Beziehung zu beenden? Ja, der kam für mich schon auch auf, aber dadurch, dass ich ja auch bei ihm gewohnt habe damals, bin ja relativ schnell zu ihm gezogen, war es natürlich auch so ein bisschen schwierig. Ich hatte meine eigene Wohnung untervermietet, da gab es Verträge, also ich hätte jetzt nicht sagen können: Okay, jetzt ist Schluss, ich gebe meine Wohnung zurück. Und da ist dann die Frage, wohin? Er hat dir ja häufiger gedroht, aus der Wohnung geschmissen zu werden. Und die Wohnung ist ja aber eigentlich so ein Safe Space, so der Ort, wo man zu Hause ist, wo man Sicherheit empfindet. Und den hat er dir ja ständig. Gedroht wegzunehmen. Was hat das mit dir gemacht und deinem Vertrauen? Ja, genau. Also das war auch für mich das Allerschlimmste, dass so dieses, da nimmt mir jemand quasi mein Fundament ja weg. Und er wusste ja auch, dass ich nicht jetzt sofort hätte in meine Wohnung gehen können, das war ihm ja bekannt. Also ich fand das ganz schlimm. Ich bin dann ich ein paar Mal wieder zu meinen Eltern gezogen, weil ich das auch nicht mehr ausgehalten habe irgendwie so diese Situationen und das ist ja eigentlich auch nichts wünschen Und das ist ja eigentlich auch nichts Wünschenswertes, dass man jetzt plötzlich mal seine Eltern wieder aufschlägt.

25:13

Speaker 1

Ja, natürlich hat das das Vertrauen total zerstört. Also, ich habe dann zwar immer noch eine lange Zeit an diesen guten Seiten festgehalten, weil da gab es natürlich auch gute Seiten, wie es sie ja in jeder Beziehung gibt. Aber ich habe immer mehr gemerkt, dass dieses Vertrauen einfach zertrümmert ist und dass das eigentlich auch nicht wieder aufgebaut werden konnte, zumal man ja mit ihm auch nicht reden konnte. Hat er in seinem Verhalten auch mal Reue gezeigt, die er gewesen ist? Gar nicht. Es gab keine Entschuldigung. Es gab keine, genau, keine Entschuldigung. Es gab auch kein Verzeihen. Also, selbst wenn ich mich für etwas entschuldigt habe, wenn ich jetzt mal irgendwie was gesagt habe, wo ich auch hinterher dachte, naja, das hättest du dir jetzt vielleicht auch sparen können, das gab es auch nicht. Also, er war überhaupt nicht in der Lage, Konflikte mit jemandem zu lösen.

26:04

Speaker 1

Und im Übrigen nicht nur mit mir nicht, sondern sein ganzes. Sein Umfeld sah auch so aus. Also beruflich war das auch, habe ich das manchmal mitbekommen, wie er da mit den Kollegen rumgeschrien hat. Auch mit vergangenen Beziehungen war es so, dass die auch, die waren ja alle nie im Guten miteinander ausgegangen. Also da hat sich schon so eine Blutspur gezeigt. Und da bin ich dann irgendwann auch hellhörig geworden und habe gedacht: Na gut, also wenn die Ex-Partnerinnen alle mit dem so im Schlechten auseinandergegangen sind und da war auch der Kontakt zu dem Sohn ganz schwierig, dann habe ich das mitbekommen mit den Kollegen wie gesagt, wie er da manchmal so verbal aggressiv wurde. Das kann ja jetzt nicht an mir liegen. Das muss ja so ein Grundmuster sein bei ihm. Hast du ihm das mal gesagt? Ja, aber es waren immer die anderen schuld. Okay, das heißt also, er hat auch nicht reflektiert, wenn du ihn darauf hingewiesen hast. Er hat die Schuld immer von sich weggedrückt. Genau, also Schuld waren immer die anderen. Das war so seine größte Überschrift. So schuld sind immer die anderen. Und der konnte sich überhaupt nicht selbst reflektieren. Gar nicht.

27:10

Speaker 1

Du hattest vorhin gesagt, dass in den Beziehungen die du zuvor hattest, auch deine Psyche darunter gelitten hat, unter anderem die Angststörung. Wie hat sich das denn im Laufe der Jahre entwickelt, bis zu dem Zeitpunkt, wo du diesen Partner gefunden hast? Was ist da mit deiner Psyche passiert und mit deinem Körper? Also, bevor ich diesen Partner hatte, ja, ich habe ja, bevor ich diesen Partner hatte, mich schon sehr viel dann auch mit dem Thema toxische Beziehungen und so weiter beschäftigt. Das hat mir sehr gut getan, muss ich sagen. Aber ich hatte immer durch diese Partner, die ich hatte, natürlich auch sehr viel Stress im Leben. Und ich hatte dann irgendwann auch mal, das ist auch schon ein paar Jahre her, bevor ich diesen Partner hatte, hatte ich auch mal einen Burnout. Also da hat mein Körper mir ganz deutlich gezeigt, ich kann jetzt keinen Stress mehr gebrauchen.

27:56

Speaker 1

Und diesen Stress, klar, bezieht man jetzt einen Burnout immer auf beruflichen Stress, mit Sicherheit war das auch so. Aber ich hatte eben auch in Beziehungen immer viel Stress, weil es waren ja nie sichere Bindungen, die ich hatte. Hattet du oder gab es eine Phase in deinem Leben, wo du keinen Partner hattest? Ja, die gab es auch, Single-Phasen. Das waren, äh Das waren Zeiten, die fand ich manchmal auch ganz schön, muss ich sagen. Nicht immer, aber weil die so friedlich waren. Da war einfach kein Stress. Okay. Wie hat sich das körperlich bei dir gezeigt, als du in deiner toxischen Beziehung da warst, in der letzten, von der wir sprechen?

28:36

Speaker 1

Ja, jetzt muss man ein bisschen aufpassen, was man sagt. Ich habe ja in dieser Beziehung dann nach drei Jahren durch eine zufällige Selbstdiagnose, hätte ich bald gesagt, also durch das eigene Entdecken, eine Krebsdiagnose bekommen. Ich habe einen Tumor selbst entdeckt. Und ja, das war für mich natürlich erstmal ein totaler Schock. Und gleichzeitig habe ich auch da sofort mit diesem Mitteil der Diagnose war für mich sofort klar, Irgendwas musst du jetzt in deinem Leben ändern. Also, das begegnet dir jetzt nicht einfach nur so. Wie hast du ihm das gesagt? Ja, das ist, als die Diagnose gestellt wurde, das war, wie gesagt, für mich völlig überraschend.

29:25

Speaker 1

Also, ich bin eigentlich zu einer ganz normalen Operation gegangen. Da sollte ein Knoten aus dem Hals entfernt werden, der erstmal nur hieß, der muss raus, aber da wusste man noch nicht, was damit los war. Und da waren wir gerade mal wieder getrennt. Ich habe zwar noch bei ihm gewohnt, aber wir waren schon getrennt. Er war mal wieder im Urlaub. Und dann habe ich diese Diagnose bekommen und habe ihm das dann mitgeteilt, dass ich diese Diagnose bekommen habe. Er hat nicht besonders empathisch reagiert. Wie hat er dann reagiert? Ja, so nach dem Mord. Also, ich weiß es jetzt gar nicht mehr so ganz genau. Aber es war einfach so irgendwie, ja, Mensch, hätte ich ja nicht gedacht. Aber da war jetzt kein Mensch, setze dich doch mal hin, wir unterhalten uns mal. Oder sollte ich mal einen Arm nehmen oder so. Weil für ihn war das immer so, wenn man dann gerade mal wieder auseinander war, dann. Gab's da auch... Dann gerade mal wieder auseinander war, dann gab es da auch kein. Ich springe jetzt mal über meinen Schatten und bin jetzt mal für die andere Person da, unabhängig davon, ob wir jetzt gerade auseinander oder zusammen sind.

30:21

Speaker 1

Okay, was hattest du dir gewünscht? Was hättest du gebraucht in dem Moment von ihm? Ja, halt, ne? Halt und dieses, dass er für mich trotz alledem da ist und dass er auch mal hätte sagen können, schwamm drüber über alles, was jetzt da gewesen ist zwischen uns in den letzten Tagen oder Wochen. Jetzt ist das das Wichtigste. Hättest du dir gewünscht, dass er seinen Urlaub abbricht und zu dir kommt? Ich glaube, ich habe das ihm erst mitgeteilt, da war er schon wieder da, da war er gerade wieder da und da habe ich ihm das erst mitgeteilt. Also, das hätte er gar nicht abbrechen können. Deswegen wusstest du von den Konsequenzen, die da auf dich zukommen durch die Diagnose? Das wusste ich nicht. Natürlich ist man erst mal total überfordert mit so einer Diagnose. Natürlich wusste ich, ich bekomme jetzt eine Behandlung, ich werde noch mal wieder in die Klinik müssen.

31:10

Speaker 1

Ich wusste natürlich überhaupt nicht, was hat das für Auswirkungen auf mein Berufsleben? Werde ich jetzt wieder voll arbeiten können oder nicht? Das war das war alles völlig im Argen so. Wusste ich nicht. Dürfen wir fragen, was das für eine Diagnose ist? Also welche Art von Krebs? Ja, genau. Ich habe Schilddrüsenkrebs gehabt und das ist ja eigentlich ein sehr seltener Krebs im Verhältnis zu anderen Krebsarten. Ich habe Gott sei Dank den bestheilbarsten gehabt und das hat man mir auch alles erklärt, dass das in der Regel auch, dass es sehr gut therapierbar ist und dass man auch durch durch die Behandlung dann eine sehr sehr gute Heilungschance hat. Das hat mich natürlich auch beruhigt und trotzdem ist eine Krebsdiagnose. Wie ging es dir in dem Moment? Also ich war, ich muss. Also, ich war, ich weiß das noch, ich war in der Klinik und da hat man mir das mitgeteilt und ich musste erstmal die ersten drei Tage überlegen, was sie mir damit eigentlich sagen wollten.

32:05

Speaker 1

Ich habe das nicht, also mein Bewusstsein hat das nicht fassen können, was sie mir da eigentlich mitgeteilt haben. Es war ganz interessant dass ich so nach drei Tagen, weiß ich noch, da sickerte das dann irgendwann so in meinem Bewusstsein: Ah, okay, ah, du hast Krebs. Aha, ja, stimmt, ja, du hast Krebs. Es war so ganz wie so in so einem Traum irgendwie, der so langsam, ja, dann präsent wurde. Hat man dir da schon dann sagen können, wie man versucht, den zu behandeln, den Krebs? Ja, das hat man mir einmal. Ich bin super aufgeklärt worden. Ich muss auch sagen, ich hatte ganz tolle Ärzte, egal wo ich war. Ich hatte Tolle Chirurgen. Also, ich kann da wirklich überhaupt nichts Negatives berichten. Man hat mich gut begleitet, gut aufgeklärt. Also, das muss ich wirklich sagen. Ich habe jetzt nicht wie einige Menschen, die ich auch kenne, mit einer Krebsdiagnose da irgendwelche Horrorerfahrungen gemacht. Gott sei Dank. Okay. Das war dann, wie wurde es behandelt? Über eine Jodtherapie? Genau, über eine Radiojodtherapie, über Radiotherapie in der Klinik, genau. Und wurde es dann auch rausgeschnitten, der Tumor? Ja, mir ist das ganze Organ entfernt worden. Die Schilddrüse inklusive Tumor natürlich, die wird ja komplett entfernt, weil die ja immer wieder dann auch Krebszellen nachproduziert.

33:21

Speaker 1

Deswegen wird die dann entfernt. Du hast jetzt gesagt, dass du sehr gut aufwachst. Die dann entfernt. Du hast jetzt gesagt, dass du sehr gut aufgeklärt wurdest von den Ärzten. Wie hast du das mit deinem damaligen Partner oder eben Beziehungspausepartner kommuniziert? Also, er wusste, dass ich auf jeden Fall operiert worden bin und dann, als die Krebsdiagnose gestellt wurde, war klar, ich muss nochmal operiert werden, weil diese Schilddrüse dann komplett rausgenommen wurde. Und danach wurde mir erst dann gesagt, was dann an Behandlungen kommt. Ich habe ihm das natürlich mitgeteilt, aber wir waren ja, wie gesagt, zum damaligen Zeitpunkt getrennt und das hat ihn, glaube ich, also ich will nicht sagen, es hat ihn nicht interessiert, das wäre jetzt, glaube ich, nicht ganz richtig, aber er hat sich dafür nicht verantwortlich gefühlt, weil wir ja gerade getrennt waren. Wie meinst du das? Er hat sich dafür nicht verantwortlich gefühlt? Für mich kein, so das, was man sich eigentlich wünscht. Also, dieses, ich bin für dich da, egal was ist. Ich begleite dich auch dahin oder ich bringe dich dahin oder du kannst zu mir kommen oder ich kann nicht irgendwas für dich tun. Das kam alles gar nicht.

34:33

Speaker 1

Also, sein Ego war ihm wichtiger, als mir da zur Seite zu stehen. Du meinst mit seinem Ego Dass es ihm wichtiger war, dass dieser Konflikt, der zwischen euch bestand, weiterhin bestehen muss, weil das eben der Konflikt war? Ja, zumindest war von seiner Seite aus kein Wiederannähern da. Also so nach dem Motto: komm, jetzt vertragen wir uns wieder, jetzt müssen wir deine Krankheit hier beide miteinander durchstehen. Sondern er war gekränkt durch diesen Konflikt und das war ihm jetzt erstmal wichtiger, sein Stolz. Konnte er in der Vergangenheit Empathie aufbringen dir gegenüber? Also ich fand. Z.A. Also, ich fand oft nicht. Also, sich mal in etwas reinfühlen, fand ich irgendwie immer schwierig bei dem. Aber trotzdem hast du gehofft, dass du das in diesem Moment bekommst. Ja, zumindest habe ich gehofft, dass er bei dieser Diagnose, dass er da über seinen Schatten springt. Das kann man ja nun wirklich irgendwie, also, das ist ja eigentlich meines Empfindens nach, gehört das zum gesunden Menschenverstand, zu sagen, ich packe jetzt alles, was jetzt bei mir ist, mal beiseite, weil da sitzt jetzt ein Mensch, der auch vielleicht Angst um sein Leben hat.

35:42

Speaker 1

Und das kam aber nicht. Wie hat er gehandelt, als du die OP oder als klar war, dass du nochmal operiert werden musstest? Ja, ich habe ihn dann gebeten, also die Operationen, die beiden haben innerhalb von wenigen Tagen stattgefunden. Da war jetzt also keine große Lücke dazwischen. Ich habe ihn dann natürlich gebeten, weil wie es bei Operationen so ist, seien Sie bitte morgens um sechs im Krankenhaus. Dann habe ich ihn gebeten, mich da hinzufahren und dann hat er sich stumpf verweigert, mich zur Operation zu fahren, sodass ich dann meinen. Mein Vater bitten musste, mich ins Krankenhaus zu fahren. War für dich dann schon klar, dass es da kein Zurück mehr in eurer Beziehung gibt, wenn er in solchen essentiellen Momenten so versagt? Ja, also ich war total geschockt. Ich muss aber auch sagen, ich war so mit mir selber beschäftigt und mit meiner Diagnose, dass ich da gar nicht irgendwie an irgendwas gedacht habe, was die Beziehung angeht.

36:35

Speaker 1

Ich war einfach nur mit mir beschäftigt, okay, er macht es nicht, wer macht es dann? Ich war nur in so einem Funktioniermodus, weil ja klar war, ich muss da jetzt irgendwie hin. Aber du hast zu dem Zeitpunkt eigentlich ja noch bei ihm gewohnt. Genau, ich habe eigentlich bei ihm gewohnt und habe dann aber mit meinen Eltern besprochen, auch nach dieser Aussage, ich fahre dich da nicht hin mit meinen Eltern. Also den habe ich das auch gesagt, dass er so reagiert hat und meine Mutter hat gesagt, du wirst jetzt nach der Operation zu uns kommen. Und da bin ich dann auch hingegangen. War für dich dann auch klar, dass du ausziehen möchtest oder war das für dich gedanklich erstmal nur temporär? Ne, das war für mich klar, dass ich ausziehen möchte dass da zu ihm kein Zurück gibt, nicht in diese Wohnung. Und ich habe mir dann auch, als ich bei meinen Eltern dann war, nach den Operationen, habe ich dann mich auf die Suche gemacht nach einer Bleibe, weil ich ja meine eigene Wohnung untervermietet hatte und da jetzt auch nicht hätte zurückgehen können. Und dann habe ich auch eine Bleibe relativ schnell gefunden. Jetzt hattest du im Eingangssatz gesagt, dass er dich rausgeschmissen hat nach deiner Diagnose.

37:41

Speaker 1

Was ist da genau passiert? Also, er hat sich ja erstmal verweigert, mich zu. Also, er hat sich ja erstmal verweigert, mich zur OP zu fahren. Da gab es natürlich dann wieder Streit, ist ja klar, weil ich ihn natürlich angegangen bin. Wie kann das sein? Das macht man doch nicht. Und ja, wieso? Wir sind doch getrennt. Naja, und dann kamen natürlich auch so Sachen wie: Ja, dann geh doch zu deinen Eltern und so weiter. Das habe ich natürlich auch gemacht. Bin dann zu meiner Mutter und zu ihrem Mann auch gegangen. Ja, und da war für mich schon klar, da hat mich jetzt eigentlich schon das zweite Mal rausgeworfen oder mitgeworfen. Schon das zweite Mal rausgeworfen oder mir zumindest ja auch oft gedroht, wenn du jetzt dies und das und jenes machst oder nicht machst, werfe ich dich raus, dass ich da nicht mehr zurückgehe. Das war für mich vollkommen klar.

38:19

Speaker 1

Okay, aber das heißt, er hatte nicht gesagt, so jetzt hier ist dein Koffer vor die Tür. Zumindest nicht bei der Krebsdiagnose. Das kam vorher einmal. Während einer anderen Konfliktsituation. Da hat er wirklich gesagt: Jetzt raus hier, ab morgen wohnst du woanders. Da bin ich dann natürlich auch wieder zu meinen Eltern gezogen. Bei der Krebsdiagnose da habe ich dann hat er dann noch mal gnädigerweise gewartet, bis ich die Operation hinter mir hatte. Du hast gerade eben gesagt, du hast dann schnell eine eigene Wohnung gefunden. Ja. Hattet ihr dann da noch Kontakt? Da hatten wir erst mal keinen Kontakt mehr.

38:54

Speaker 1

Also, den habe ich erstmal abgewürgt. Ich habe mich erstmal um meine Dinge gekümmert, habe erstmal geguckt, dass ich irgendwo hinkomme, wo ich auch in Ruhe zur Ruhe komme. Und bin dann, also habe dann auch was Tolles gefunden. Und das war für mich auch, für die Zeit, die ich da war, was genau richtig. Du hast jetzt gesagt, du bist zur Ruhe gekommen. Inwiefern bist du zur Ruhe gekommen? Ich meine, du hattest super viel Hintergrundwissen und du warst beschäftigt mit deiner Krebsdiagnose. Du wurdest von deinem Partner verlassen oder ihr habt euch getrennt, wie auch immer. Ich kann mir da schwer vorstellen dass man da zur Ruhe kommen kann. Na ja, ich bin dann, als ich von meinen Eltern dann, also als ich aufgemacht habe quasi, bei meinen Eltern wieder rauszugehen, habe jetzt die Operation hinter mir gehabt, war auch dann natürlich erstmal so, so habe erstmal so dieses Gerüste hinter mir gehabt, wusste natürlich jetzt stehen Behandlungen an, aber das war für mich nicht mit Angst behaftet oder so. Ich bin ja gut aufgeklärt worden und bin dann in eine Wohngemeinschaft gezogen, in ein sehr großes Haus bei einer sehr, sehr netten Frau. Und da habe ich wirklich das erste Mal Ruhe gespürt, weil ich wusste, und hier kann er dich nicht rauswerfen.

40:10

Speaker 1

Und das war für mich erst mal so, hier kannst du bleiben, du kannst hier machen, was du willst. Ich habe mich mit der Dame auch super verstanden bis zuletzt. Und da hatte ich so dieses Gefühl, hier kann er dir nichts. Hier bist du eigentlich jetzt mal in Sicherheit. Konntest du da langsam reflektieren, wie ungesund er eigentlich von seiner Art und Weise dir gegenüber war? Ja, also da war schon, wie gesagt, sehr viel Vertrauen zerstört worden. Du warst unglücklicherweise so, dass diese Bleibe, die ich da gefunden hatte, war fünf Minuten oder ich sag mal ein paar Minuten von seiner Wohnung entfernt. Manchmal denkt man ja auch, was will einem das Universum damit sagen? Und wir sind dann eben auch dadurch. Durch diese Wohnnähe haben wir uns nochmal wieder angenähert. Mir war aber schon klar, ich werde nie. Noch mal wieder angenähert. Ich war aber, mir war aber schon klar, ich werde nie wieder bei dem Einziehen, nie wieder. Ja, und es gab natürlich dann auch fortwährend immer wieder hin und her und dann haben wir natürlich auch so die Frau, bei der ich da eingezogen war, die hat das ja auch alles mitbekommen. Die hat dann auch mir irgendwann mal so ein bisschen die Augen geöffnet und gesagt: also, was macht ihr da eigentlich miteinander?

41:17

Speaker 1

Also, man muss ja dazu sagen, ihr habt euch angenähert, hast du gesagt. Und da gehört ja auch sehr viel sich wohlfühlen dazu. Was ja schwierig ist, wenn du das erste Mal das Gefühl hast Zu dem. Was ja schwierig ist, wenn du das erste Mal das Gefühl hattest, du bist jetzt zu Hause und in Anführungszeichen fühlst dich wohl. Bei ihm hast du dich ja scheinbar nie so richtig wohl gefühlt. Aber wie ging das für dich, dass ihr euch da irgendwie nochmal näher kommt und du gleichzeitig das Gefühl hattest, ich fühle mich nicht wirklich wohl? Naja, es war natürlich in dem Moment, wo er jetzt auch mitbekommen hat, ich bin nicht mehr abhängig von ihm, ich wohne ja nicht mehr bei ihm, ich bin ja quasi jetzt nicht in irgendeiner Form von ihm abhängig, hat er sich natürlich auch ganz anders verhalten und hat natürlich auch. Gewisse Verhaltensweisen sind ja bei mir nicht mehr oder konnten ja bei mir nicht mehr landen. Drohungen oder Machtspiele, weil ich ja nicht mehr von ihm und seiner Wohnung abhängig war. Also hat er ja gewisse Dinge schon mal nicht mehr gemacht. Und wir haben dann auch tatsächlich noch eine sehr schöne Zeit miteinander gehabt, auch einen schönen Urlaub gehabt.

42:15

Speaker 1

Aber ich habe für mich gemerkt, da ist so viel kaputt gegangen. Das kommt nicht mehr zueinander, wie es mal ganz am Anfang war. Hast du dann die Reißleine gezogen? Ja, ich habe dann irgendwann die Reißleine gezogen. Wie hast du es ihm gesagt? Das war, ja, war, glaube ich, wir waren nochmal zusammen im Urlaub. Und da habe ich schon gemerkt, es ist ja eigentlich auch nicht normal, dass man im Urlaub, also jeder quasi so, wie soll man sagen, dass man so in seinem Urlaubszimmerchen da sitzt, in seinem Hotel. Jeder daddelt am Handy rum. Man beschäftigt sich gar nicht mehr miteinander, sondern jeder beschäftigt sich eigentlich nur für sich. Also da war für mich schon klar, da stimmt irgendwas nicht. Es gab auch bei uns keine körperliche Nähe mehr. Also ich habe das total. Vermieden, weil ich es auch nicht mehr wollte und nicht mehr konnte. Und da habe ich immer gemerkt, das wird nichts mehr.

43:09

Speaker 1

Das wird einfach nichts mehr. Der Ofen ist aus. Und das hast du ihm so einfach gesagt? Genau, wir haben uns dann nochmal gestritten im Urlaub. Also hat er mich dann irgendwie durch, auch ohne Grund, völlig blöd angefahren. Es gab wirklich überhaupt keinen Grund dafür. Dann kam auch nochmal wieder so dieses Thema Zusammenziehen auf, wo ich wieder merkte, der will das alles gar nicht, der schirmt das irgendwie so ab. Und da ist mir dann der Kragen geplatzt. Und da habe ich dann gesagt, so, es reicht jetzt irgendwie. Es reicht mir jetzt einfach. Auch wenn wir jetzt hier im Urlaub sind, es war auch am Ende des Urlaubs, Gott sei Dank.

43:38

Speaker 1

Also wir sind kurz danach auch nach Hause geflogen. Es hat mir einfach gereicht. Jetzt kann ich mir vorstellen Dass so eine Menschen, so wie du ihn beschreibst, es an seinem Ego kratzt, wenn du die Beziehung endgültig beendest. War das dann so? Ja, wobei ich die ja jedes Mal beendet habe. Ich habe die insgesamt viermal beendet. Natürlich hat das an seinem Ego gekratzt. Ich glaube aber, zuletzt war es für ihn auch nicht mehr verwunderlich. Er hat, glaube ich, vielleicht auch schon so insgeheim damit gerechnet, dass das wieder irgendwann so kommen wird. Und naja, es sind natürlich auch durch diese ganzen. Trennungen und dieses ewige Hin und Her bei uns beiden total die Gefühle kaputt gegangen. Also, da bei mir natürlich auch durch sein Verhalten, logischerweise, dass da einfach klar war, es gibt einfach kein Zurück mehr. Du hattest erzählt, dass er ja diesen Rosenkrieg hatte während der Scheidung und dass er immer Streit oder immer im Schlechten auseinandergegangen ist mit seinen vorherigen PartnerInnen. Wie war es denn bei dir? Also, auch wenn er es hätte ahnen können dass du die Reißleine ziehst oder da einen Schlussstrich ziehst, wie war es bei dir? Ja, nun ist es ja Gott sei Dank so, dass ich mit ihm weder verheiratet war noch Kinder zusammen hatte.

44:48

Speaker 1

Das war ja bei den vorigen Partnerinnen so, sodass wir jetzt keine Verstrickungen hatten oder keine. Also, es gab ja viele Themen, die nicht unsere waren. Wir mussten uns nicht über Kinder unterhalten oder über jetzt gemeinsames Hab und Gut. Da gab es jetzt keinen Rosenkrieg. Ich bin dann in meine Wohnung zurückgegangen, irgendwann nach dem Urlaub. Und Ich glaube, da war für ihn natürlich auch klar, wir haben keine räumliche Nähe mehr, weil meine Wohnung ist wesentlich weiter weg von von seiner, als jetzt diese vorrige bleibe. Es gab aber schon nach der Trennung irgendwann wieder so so WhatsApp-Verkehr und natürlich kam kochen da manchmal dann so wieder so Themen hoch, wo ich dann auch wieder beleidigt wurde und beschossen wurde am Handy und ihn auch ständig dann wieder blockieren musste.

45:31

Speaker 1

Oder es gab noch Dinge zu regeln, wie ja sind noch Sachen von mir bei dir, die musste jetzt noch mal holen und dann dann kommen dann ausgekränkt im Ego so Sachen wie wenn du es jetzt nicht sofort ab und dann dann kommen dann ausgekränkt im Ego. So Sachen wie wenn du es jetzt nicht sofort abholst stelle ich es vor die Tür also sowas kam dann auch noch mal ich habe dann irgendwann noch ein paar Sachen von ihm aus der Wohnung geholt die da noch waren mit einer Freundin zusammen da ist er dann auch noch mal ausgerastet und hat da rumgebrüllt also sowas kam dann noch mal ne aber so jetzt. So massiv wie mit seinen Ex-Partnerin das war bei mir nicht so Gott sei Dank wie hast du es geschafft dich von ihm emotional zu lösen dadurch dass ich ihn nicht mehr gesehen Ich bin ja in meine Wohnung zurückgegangen und ich, wir haben uns nicht mehr gesehen und das hat mir auch sehr geholfen weil natürlich dieser letzte, diese Restbindung, die noch da war.

46:16

Speaker 1

Die entsteht natürlich auch durch Nähe, ist ja klar, oder durch gemeinsame Erlebnisse. Das war ja Gott sei Dank dann nicht mehr gegeben. Also es war richtig so eine Entgiftung, kann man sagen. Wenn du so zurückblickst, was sind so drei Situationen gewesen, wo eigentlich hätten deine Alarmläuten schrillen müssen und du das aber ignoriert hast? Na ja, zum einen, dass er schon. Du das aber ignoriert hast? Naja, zum einen, dass er schon während der ersten Konflikte, so in der Anfangszeit, dass ich dachte, dass er da eigentlich ja schon gezeigt hat, dass er gar nicht in der Lage ist, mit mir vernünftig auf eine erwachsene Art und Weise erstmal Konflikte zu lösen, beziehungsweise er war ja auch gar nicht versöhnlich. Also, er war ja ein sehr nachtragender Mensch. Also, da fehlte so dieses: Das ist meine Partnerin, die will ich haben, es ist jetzt blöd, was jetzt gerade läuft, aber wir müssen ja irgendwie wieder zueinander finden.

47:03

Speaker 1

Und das kam ja nie. Der Wunsch nach einer Versöhnung kam und das kam ja nie der Wunsch nach Nachversöhnung kam ja nie das war also so ein Punkt und dann natürlich dass er auch dann anfing irgendwann sich zu betrinken weil als wir einen Streit hatten das ist ja auch kein erwachsener Umgang mit Konflikten ist für mich auch ein ganz rotes Tuch Alkohol also wenn jemand Alkohol missbraucht um um sich irgendwie da zu. Beruhigen na ja und dann natürlich diese diese Drohung ich schmeiß dich raus oder Wenn du jetzt noch einmal dies und das sagst, dann kannst du zu deinen Eltern gehen. Also so wirklich so dieses, ich ziehe dir den Boden unter den Füßen weg hast du für dich nach der Beziehung nach der Verarbeitung reflektiert, was du für die nächste Beziehung für dich beachten möchtest? Ja, das habe ich. Also für mich war ganz klar, dass ich keinen Partner mehr dulde, der bei Konflikten also der sich so verhält, weil es ist ja in einer Beziehung schon so, zumindest in einer gesunden, Konflikte gehören dazu oder auch Meinungsverschiedenheiten oder auch eben mal so Unstimmigkeiten.

48:09

Speaker 1

Und es soll ja in der Beziehung weitergehen. Ich will ja mit dem Partner wachsen. Ich will ja auch an Konflikten mit dem Partner wachsen. Und dazu gehört ja auch, dass ich mich reflektieren kann, dass ich Empathie dem anderen gegenüber entgegenbringen kann, dass ich mich entschuldigen kann, dass ich aber auch verzeihen kann. Die gehören ja in der Beziehung dazu. Und das hatte der ja alles gar nicht. Und das war für mich sofort klar, wenn ich wieder einen neuen Partner habe und ich mit diesem Menschen den ersten Konflikt habe. Wenn der so ein Verhalten zeigt, ist sofort Schluss, egal wie schön es vorher war. Hast du das bisher berücksichtigt in deinen weiteren Beziehungen? Ja, ich habe also der Partner, der dann danach kam, der jetzt auch noch da ist, der mit dem klappt das wunderbar. Also der bringt mir genau das entgegen, was ich mir gewünscht habe.

48:56

Speaker 1

Wir haben auch schon öfter mal Konflikte gehabt, wir haben öfter schon mal so Themen gehabt, wo wir so angeeckt sind und habe ich so ganz neugierig gedacht, na mal gucken, wie er sich jetzt verhält. Nee, und das haben wir ganz toll miteinander oder kriegen wir ganz toll miteinander hin, weil der ist Gott sei Dank total anders. Hm. Jetzt hattest du ja vorhin gesagt Total anders. Jetzt hattest du ja vorhin gesagt, dass du auch gerade in deinem beruflichen Umfeld Menschen hast, die du therapierst, die auch unter toxischen Beziehungen leiden. Was würdest du diesen Menschen empfehlen, wenn sie einen Partner haben, so wie du ihn hattest?

49:34

Speaker 1

Ja, ich habe tatsächlich viele Patienten, die in solchen Beziehungen stecken. Und für mich ist immer ganz wichtig, dass die Patientin erstmal arbeitet immer ganz wichtig, also dass die Patientin erstmal a weiß, egal mit was sie bei mir auftaucht, ich bin für sie da, ich ziehe sie da auch nicht raus, weil ich eben selber weiß, das braucht seine Zeit, das braucht Reife, das braucht Prozess. Was mir natürlich ganz wichtig ist, wenn ich jetzt mitbekomme, da unterliegt jemand wirklich einem einem gewaltvollen Partner, also körperliche Gewalt, da muss was getan werden, also da muss dafür gesorgt werden, dass die Person sich schützen kann, zu einer Freundin zieht, zum Vater zieht zur Mutter zieht und das kläre ich auch häufig ab also wenn ich sowas mitbekomme dass da wirklich verbale oder oder auch körperliche Gewalt ist.

50:16

Speaker 1

Dann kläre ich sofort ab, können sie irgendwo hin, haben sie irgendwo eine Bleibe, können sie zur Freundin ziehen, zur Mutter ziehen, gibt es da irgendwie was. Weil das sind natürlich Dinge, die gehen überhaupt nicht. Es gibt aber auch Beziehungen, in denen das nicht auftritt, in denen also keine körperliche Gewalt auftritt, sondern so diese klassischen Manipulationen am Walten sind. Und das ist natürlich auch schon schlimm genug. Aber ich weiß eben, dass Menschen schon, also dass niemand ad hoc aus so einer Beziehung rausgeht sondern das braucht einfach viel Arbeit, viel Bewusstsein, weil sonst gehen die raus und dann sind sie drei Monate später wieder drin.

50:52

Speaker 1

Also, die müssen selber an den Punkt kommen, wo sie sagen: Ich bin jetzt bereit zu gehen und dann gehen sie auch nicht mehr zurück. Was würdest du genau diesen Menschen denn empfehlen? Wie sie da am schnellsten rauskommen oder wie sie. Genau, wie sie diesen Prozess beschleunigen können, vielleicht sogar. Ja, also, was immer ganz wichtig ist, finde ich, dass sie. Dass sie „Ach! Ich, dass sie darauf achten, wie sie sich fühlen im Kontakt mit diesen Menschen. Dass sie wirklich lernen, auf ihren Körper zu hören, auf ihr Gefühl zu hören und das auch aufschreiben. Meistens bespreche ich das dann auch mit denen in einer Stunde und dass sie eben lernen, eine unsichere Beziehung von einer sicheren Beziehung auch zu unterscheiden. Und dass man sich natürlich auch mal so ein bisschen in Richtung Kindheit begibt. Das machen wir ja generell in der Therapie und auch mal guckt, wo kommt denn das her, dass ich so eine Beziehung. Für eine normale Beziehung halte. Wo kommt das eigentlich her? Und dann natürlich ganz klar die Arbeit am Selbstwertgefühl ist immer ganz wichtig, weil das ist natürlich das Aushängeschild dafür, was lasse ich zu und was lasse ich nicht zu. Grenzen setzen lernen und auch ganz wichtig zu lernen, diese Lehre auszuhalten, die entsteht wenn so ein Partner dann nicht mehr da ist.

52:06

Speaker 1

Weil das ist auch einer der größten Faktoren, warum Menschen in so einer Beziehung bleiben. Die sind beschäftigt, den ganzen Tag damit beschäftigt zu gucken, wann meldet er sich, überhaupt noch wieder, wann ruft er denn jetzt endlich wieder an. Und wenn der Partner nicht mehr da ist, wenn die da raus sind oder wenn die den Kontakt abbrechen, entsteht ja ein großes Vakuum, weil sie nicht mehr beschäftigt sind mit dem anderen. Und das auszuhalten, dass wir da gut gucken, Wie können die diese Zeitlücke füllen? Was können die machen? Was können die für sich Gutes tun? Das muss erstmal erlernt werden, weil für die ist der Fokus meistens erstmal nur der Partner, der Partner und dann kommt erstmal nichts anderes. Du bist ja mit dem Thema toxische Beziehungen auch bei Social Media aktiv. Was machst du denn genau? Also, ich habe einen Podcast auf YouTube und Spotify. Da geht es sehr, sehr viel um das Thema toxische Beziehungen. Ich habe also, ich glaube, über 400 Videos mittlerweile oder Folgen hochgeladen. Sehr umfassend geht es dort um das Thema toxische Beziehungen, beziehungsweise auch natürlich generell um Beziehungsthemen. Ich biete ja auch traumasensibles Beziehungscoaching an. Also, ich helfe halt Menschen wirklich ihre Kindheitsbeziehungen.

53:18

Speaker 1

Themen und auch diese Bindung. Ihre Kindheitsthemen und auch diese Bindungsmuster aufzuarbeiten, damit die wirklich irgendwann in einer sicheren Beziehung landen und diese aber auch aushalten können. Also, da bin ich sehr aktiv, da mache ich sehr viel auf YouTube und auf Instagram und ja, wer Lust hat, kann da natürlich gerne mal vorbeischauen. Link ist in der Videobeschreibung. Was wünschst du dir für deine persönliche Zukunft? Ja, ich wünsche mir natürlich Stabilität weiterhin in meiner jetzigen Beziehung. Ich habe aber auch ein gutes Gefühl und ansonsten wünsche ich mir ja natürlich für mich beste Gesundheit für alle anderen auch. Und ich wünsche vor allen Dingen, wenn ich vielleicht anderen Menschen noch was wünschen darf, ich wünsche allen Menschen, die aktuell vielleicht jetzt, wenn sie diese Podcast Folge hören und merken, irgendwie hakt es bei mir auch so ein bisschen in der Beziehung, macht euch auf den Weg. Lasst euch helfen, holt euch Hilfe weil es wird nicht besser. Wenn man in solchen Beziehungen bleibt, und es wird auch nicht besser, wenn man, also auch für die Psyche, für die Gesundheit wird es nicht besser, wenn man das weiterhin über sich ergehen lässt. Was kann ich noch immer wieder sagen?

54:27

Speaker 1

Holt euch Hilfe. Danke dir, danke dir, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast und dich uns geöffnet hast. Sehr gerne. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Danke schön, und wir wünschen dir alles Liebe und alles Gute für dich und deine. Vielen Dank. Du willst selbst bei uns dabei sein oder hast einen Themenvorschlag? Dann melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen. Bis zum nächsten Mal bei von Bohne zu Bohne. Das ist ein sehr guter Punkt.

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