Bonusfolge #B08 Felix: Toxische Online-Beziehung, Lovebombing, Ghosting, Kontrolle - erste Liebe
Shownotes
*Hinweis: Diese Folge enthält Werbung und wird unterstützt von der Nummer gegen Kummer.
Wenn du dich in einer belastenden Familiensituation befindest und nicht weißt, an wen du dich wenden kannst, ist die „Nummer gegen Kummer" für dich da. Am Kinder- und Jugendtelefon, in der Online-Beratung sowie am Elterntelefon findest du ein offenes Ohr für deine Sorgen und Ängste – anonym, kostenlos und vertraulich.
Junge Menschen bis 27 Jahre erhalten unter 116 111, per Mail oder im Chat Unterstützung. Eltern und andere Bezugspersonen erreichen geschulte Beratungspersonen unter 0800 111 0550. Informationen zur Online-Beratung, Beratungszeiten und allen Angeboten findest du unter www.nummergegenkummer.de.
Triggerwarnung: In dieser Folge geht es um eine toxische Online-Beziehung, emotionale Abhängigkeit, Kontrollverhalten, wiederholten Kontaktentzug, psychische Krisen, Depressionen, Suizidgedanken, Trauer, rassistische und queerfeindliche Aussagen sowie starke emotionale Belastung. Hör die Folge nur, wenn du dich stabil genug fühlst. Brich ab, wenn du merkst, dass es dir zu viel wird.
In Bonusfolge 8 erzählt Felix von ihrer ersten festen Beziehung. Sie beginnt vollständig online und entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit zu einer intensiven Bindung, für die Felix ihr eigenes Leben immer weiter zurückstellt. Nach dem Abitur zieht sie sich aufgrund persönlicher Verluste stark zurück und findet Halt in einer internationalen Online-Freundesgruppe. Dort lernt sie ihren späteren Freund kennen.
Aus Freundschaft wird schnell eine Beziehung. Nach wenigen Tagen fallen Sätze wie „Ich liebe dich“, später geht es um Heirat, Kinder und ein gemeinsames Leben. Felix beschreibt diese Phase rückblickend als Lovebombing. Gleichzeitig erlebt sie immer wieder plötzlichen Rückzug, Blockieren, Vorwürfe und tagelange Funkstille. Sie beginnt, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und fühlt sich zunehmend für den psychisch belasteten Partner verantwortlich.
Beim ersten Treffen in Manchester spürt Felix schon am Flughafen den Impuls, wieder nach Hause zu fliegen. Trotzdem bleibt sie. Nach der Rückreise eskaliert die Beziehung erneut. Ein geplantes zweites Treffen fällt kurzfristig aus. Während Felix bereits in England ist, wird sie über Tage ignoriert.
Erst Monate später schafft Felix den endgültigen Schlussstrich.
Zeitstempel: 0:00:00 – 0:02:29: Werbepartner, Hook, Triggerwarnung, Intro und Vorstellung von Felix 0:02:29 – 0:12:33: Online-Freundesgruppe, Isolation nach dem Abitur und erste Warnsignale 0:12:33 – 0:20:11: Annäherung, Liebesgeständnis und sehr schneller Beginn der Beziehung 0:20:11 – 0:29:32: Fernbeziehung, Rückzug, Kontrolle und problematische Aussagen des Partners 0:29:32 – 0:39:03: Lovebombing, emotionale Abhängigkeit, erste Trennung und erneute Annäherung 0:39:03 – 0:47:43: Reise nach Manchester, Fluchtimpuls, erstes Treffen und körperliche Nähe 0:47:43 – 0:58:43: Zwei Tage im Hotel, Zweifel, Rückreise, schwere Vorwürfe und erneute Eskalation 0:58:43 – 1:07:52: Geplantes zweites Treffen, Hochzeit in England, Absage und tagelanges Ignorieren 1:07:52 – 1:14:34: Funkstille, Wut, Zweifel und die Entscheidung, die Beziehung zu beenden 1:14:34 – Ende: Trennungsnachricht, Warnsignale, Selbstvergebung und Zukunftswunsch
onlinebeziehung #toxischebeziehung #lovebombing #emotionaleabhängigkeit
Nähere Informationen zur Nummer gegen Kummer: https://www.nummergegenkummer.de/
Du möchtest selbst Gast bei uns sein? Dann melde Dich hier: https://vonbohnezubohne.com/sei-unser-gast/
Du möchtest mehr über uns erfahren? Dann schau Dich hier um: https://vonbohnezubohne.com/ueber-uns/
Unser Social Media: Instagram Von Bohne zu Bohne: https://www.instagram.com/vonbohnezubohne/ Instagram Sania: https://www.instagram.com/saniajader/ Instagram Charlotte: https://www.instagram.com/charlottejader/ YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@VonBohnezuBohne
Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.
Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!
Transkript anzeigen
01:00:29: Ich hatte da gerade meinen Minijob. Ich habe kaum was verdient. Ich habe kaum was zur Seite gelegt. Ich bin halt. Von meinen Eltern abhängig gewesen. Aber hab dann halt für dieses Treffen gesagt, parallel zu der Hochzeit, ich bezahle das für uns. Und dann haben wir das auch eigentlich immer weiter geplant. Also ich hab mit dem Airbnb kommuniziert, hin und her, wann wir das mieten könnten. Gleichzeitig haben meine Eltern ihre eigene Reise nach England organisiert, weil unsere Wege sollten sich dann ja trennen. Und die hatten da mit der Familie was zu tun. Und dann wollten die später noch da hin und es sah eigentlich ganz gut aus. Also da waren wir eigentlich auf einem guten Weg. Zwischenfrage. Was hast du deinen Eltern gesagt, weshalb du dich abkoppeln würdest? Die wussten Bescheid. Also da wussten die natürlich schon Bescheid, dass ich da in dieser offiziellen Beziehung war. Das hatte ich denen ja auch erst mal freudig erzählt. Also ja, die wussten Bescheid und waren auch irgendwie in die Planung eigentlich involviert. Und dann ging alles auch gut bis, ich glaube, sogar eine Woche vor der Hochzeit. Da sind wir noch Den Plan durchgegangen und ich hatte halt auch kein Auto.
01:01:34: Also, selbst wenn ich jetzt einen Führerschein und ein Auto hätte, wäre es total schwer für mich in England einen Mietwagen zu finden, weil die da unter 25 glaube ich nicht einfach so ein Auto vermieten und ich meine, ich wäre ja auch dann im Linksverkehr. Auf jeden Fall hatte er ein Auto. So und der Plan war, dass wir eben nach der Hochzeit zu dem Ort, wo unser Airbnb ist, fahren müssten. Und auch, dass er mich später zum Flughafen bringt. Und eine Woche davor erzählt er mir dann, er hätte sein Auto nicht. Und sein Auto wäre nicht verfügbar. Da habe ich gefragt, wie, hä? Und es war dann so, dass es sein Auto wäre, aber die Eltern würden das in dem Zeitraum brauchen. Und dann dachte ich, du weißt doch schon seit Monaten, dass ich komme, dass ich unterwegs bin und dass natürlich wir dein Auto brauchen.
01:02:21: Und dann ist das auch wieder total eskaliert. Dann hat er wirklich, ich würde sagen, schon versucht, irgendwie sich zu informieren, könnte man das irgendwie umarrangieren, könnte man sich einen Mietwagen holen oder. Doch es über öffentliche Verkehrsmittel machen, aber nein. Er ist dann schnell zu dem Entschluss gekommen, dass das nicht geht und dass wir uns nicht treffen könnten. Und dann war ich gestrandet. Also ich konnte es nicht glauben. Meine ganzen Pläne sind da ins Wasser gefallen. Also ich wäre dann quasi gestrandet in England, meine Eltern auch ganz woanders. Und dann ist das wieder eskaliert in so ein Ich kann es nicht glauben, warum sind jetzt unsere Pläne ins Wasser gefallen?" Und er hat sich dann aber entzogen. Also er hat sich dann der Kommunikation entzogen und hat auch zu mir gesagt, ich möchte jetzt nicht reden. Und währenddessen war ich total, ja, ich bin aber gleich mit der Fähre unterwegs und ich muss in ein anderes Land fahren und jetzt sind meine ganzen Pläne einfach zusammengefallen.
01:03:22: Was mache ich denn jetzt? Und ich habe da keine Antwort mehr von ihm bekommen. Also, er hat sich da komplett rausgehalten erstmal, hat sich zwar entschuldigt, aber war dann weg. Und da muss ich auf jeden Fall meine Eltern erwähnen, wie viel die da aufgeopfert haben, damit ich trotzdem noch mit nach England auf die Hochzeit komme, dass ich da an zwei Orten ein Dach über den Kopf hatte, dass ich überhaupt Hotelzimmer gefunden habe. Also, die haben da ganz schön auch finanziell einfach mir unter die Arme gegriffen, was sie sowieso sonst schon machen, und haben wirklich versucht, dass ich da noch mitkomme, weil ich im Endeffekt mit auf die Hochzeit musste. Ich war auch ein bisschen Dolmetscher, weil meine Eltern halt eben nicht so gut Englisch sprechen und einfach ich war da mit eingeplant. Und dann, ja, plötzlich ist halt die Komponente Freund weggefallen und er hat sich komplett enthalten.
01:04:12: Ich war natürlich auch emotional am Boden zerstört. Ich war fertig mit der Welt. Ich hatte mich gefreut natürlich, hatte mir extra ein schönes Kleid geholt zusammen mit meiner Mutter. Und wollte ihn wiedersehen. Also, ich wollte ihn dann doch irgendwie wiedersehen, weil ich immer wieder der Beziehung noch eine Chance geben wollte und immer wieder gesagt habe: Ich möchte aber auch für dich da sein und ich möchte mich um dich kümmern und möchte mir die Zeit verbringen. Und dann plötzlich war er weg und dann musste ich natürlich trotzdem nach England. Jetzt hat er dir ja durch diese Aktion, dass er dich im Anschluss auch komplett ignoriert hat, hat er dir ja gezeigt, dass er dich aber nicht in seinem Leben möchte oder nicht für dich da sein kann. Wie hast du dich dabei gefühlt? Ich würde sagen, eines der extremsten Dinge war sowieso, dass er hat sich mir entzogen und hat mich aktiv ignoriert und ich bin dabei irgendwie zu betteln, hey, was soll das? Aber gleichzeitig war er online. Er hat nämlich dann die Zeit einfach mit seinen Freundin verbracht. Also ich habe gesehen, dass er online ist, aber mich halt gezielt ignoriert, um irgendwie so mit sich selbst oder mit mit Freundin halt eben Zeit zu verbringen.
01:05:25: Das habe ich halt bemerkt und das war so unglaublich verletzend. Wie gesagt, dass jemand diese Beziehung so sich wünscht und aufbaut und dann diese ganzen mit großen Wörtern um sich schmeißt von wegen Wir werden heiraten" und Ich liebe dich so sehr" und Wir werden auch die Distanz bewältigen" und eines Tages Ziehen wir zueinander" und Gründen eine Familie" und dann plötzlich ist das aber alles wieder weg. Das war unglaublich schwer für mich. Also das war so schwer, dann wirklich mit nach England zu kommen. Ich habe dann noch irgendwann gesagt, ich will nicht mitkommen, aber ich war dann aber eingeplant. Ich war auf einer Hochzeitsgästeliste. Also, ich meine, da habe ich für alles eingesetzt, dass ich mitkomme und war am Ende wirklich, also ich konnte nicht mehr. Ich weiß, dass ich dann da in England war. Die Hochzeit war eigentlich auch was ganz Schönes, aber ich war dafür gar nicht empfänglich. Also, ich war gar nicht bereit, mir da wirklich mich drauf einzulassen, weil ich so depressiv war. Es hat sich natürlich genau gespiegelt. Also, ich hatte da die deutsche Braut mit ihrer Familie und Dann den englischen Bräutigam mit seiner Familie auf der einen Seite und wusste auf der anderen Seite, mein Freund, der juckt sich gerade gar nicht um mich, dem interessiert es gar nicht, wie es mir geht.
01:06:42: Und ich habe teilweise einfach auch mich in den Schlaf geweint da und jeder hat es mitbekommen. Also meine Eltern haben mitbekommen, wie mich das fertig gemacht hat. Ich konnte es nicht mehr verstecken. Meine engen Freunde haben sich totale Sorgen um mich gemacht und Da war auch kein Kompromiss. Also, da war kein Raum für einen Kompromiss, von wegen, na gut, wenn wir jetzt kein Hotelzimmer haben, vielleicht könnte ich dich trotzdem kurz einmal sehen, aber das wollte er dann auch nicht. Also, ich war eigentlich in seiner Nähe. Ich war ja im Land, in der Nähe da, wo er wohnt, aber er hat sich eigentlich nicht drum geschert und ich dachte irgendwie, okay jetzt bin ich hier, aber er will mich gleichzeitig ja doch nicht sehen und will nicht mal mit mir kommunizieren. Ich glaube, dann war irgendwie auch wieder eine Woche keine Kommunikation und ich war am verzweifeln. Ich habe versucht, das zu rechtfertigen. Also, ich habe versucht, auch sein Verhalten zu rechtfertigen und einfach irgendwie nachvollziehen zu können, warum ich so behandelt werde und habe versucht, irgendwie den Fehler bei mir zu suchen. Also, liegt es an meiner Planung? Habe ich irgendwas Falsches gesagt? Bin ich das falsch angegangen?
01:07:52: Ja. Das heißt aber, die Beziehung zwischen euch war nicht offiziell beendet, sondern die ist einfach nur stagniert und fand weder kommunikativ noch tatsächlich im physischen Leben statt. Ja, würde ich sagen. Also da war halt eben keine Kommunikation. Ich musste am Ende des Tages irgendwie immer schätzen, was er jetzt fühlt. Ich hatte niemanden, der aktiv diesen Dialog mit mir führt. Und das hat mich echt fertig gemacht, einfach weil ich ja so intensiv gebunden an diesen Menschen war und plötzlich entzieht er sich mir. Ja, es war eben genau das. Also, wir hatten dann ja auch nach dem Treffen eigentlich die Beziehung wieder offiziell aufgenommen.
01:08:39: Also wäre es ja eigentlich auch eine offizielle Beziehung gewesen, aber. Nach welchem Treffen? Nach dem ersten. Ach so, ja, genau, ja, ja, okay. Ja. Wie lange hat es gedauert, bis er auf deine Nachrichten reagiert hat? Das hat teilweise sehr lange gedauert. Also, das hätte am nächsten Tag sein können oder halt auch eben in einer Woche. Ich meine, genau in der Situation, als du dann in England warst und er gesagt hat, dass das Treffen nicht stattfindet und du ihn dann online gesehen hast, wie er da gezockt hat, wie lange hat es gedauert, bis er sich auf deine Nachrichten eingelassen hat und dir geantwortet hat?
01:09:17: Tage. Also, ich weiß, dass ich dann noch bei der Hochzeit war und versucht habe, irgendwie zu sagen: Hey, die Hochzeit war schön, sag doch mal Bescheid, wenn du Zeit hast, dann erzähle ich dir was drüber, aber wusste gleichzeitig, ich bekomme halt keine Antwort. Ich habe keine Antwort bekommen. Also, ich war, habe da tagelang drauf gewartet, eigentlich, gerade in so einem intensiven Moment. Und ich glaube, irgendwann hat er mir geantwortet, aber teilweise ich glaube, das war aus Versehen. Also, er hat tatsächlich sich vertippt, als er mir geantwortet hat. Er wollte eigentlich jemand anderem irgendwas schreiben und kam dann zufällig auf mich.
01:10:02: Also, zufällig hat er aus Versehen dann doch seine Freundin angeschrieben, also hat mich angeschrieben. Als er dann den Kontakt zu dir gesucht hat, ob es zufällig war oder nicht, wie hast du dich in dem Moment gefühlt? Weil du ja tagelang auf seine Antworten. Du hast ja tagelang auf seine Antwort gewartet und er hatte dich zutiefst verletzt. Da habe ich, glaube ich, erstmals diese Wut gespürt. Also diese Wut, mit der ich auch bis heute noch ein bisschen umgehe. Einfach so, so wie konntest du. Also er wusste doch, er kannte genau die Rahmenbedingungen von diesem Treffen, das eigentlich hätte stattfinden können. Und er kann sich, glaube ich, auch ausmalen, dass es mir jetzt total scheiße geht. Und genau das habe ich auch explizit gesagt. Ich habe gesagt: Hey, mir geht's schlecht, können wir einfach mal. Reden bitte. Und dann auf einmal kommt der. So locker um die Ecke, als wäre nichts gewesen.
01:10:56: Also er hat gar nicht mitfühlend reagiert, überhaupt. Er hat einfach gefragt, hey, was willst du denn von mir? Und da bin ich total wütend geworden und wusste gar nicht, also aber selbst dann habe ich mich noch zensiert. Also selbst dann habe ich meine Nachrichten milder ausgedrückt, als sie eigentlich waren. Du hast jetzt davon gesprochen, dass du wütend warst. Aber Wut alleine Beschreibt ja gar nicht, was für einen Prozess du durchgemacht hast. Einfach auch Enttäuschung. Also es ist ja dieses... Ich habe mich immer für so unehrlich gehalten, dass ich vielleicht hier nicht ganz die Wahrheit sage, beziehungsweise dass ich die Wahrheit enthalte.
01:11:39: Also dass ich ja nicht klar Ja und Nein sagen konnte, wenn es darauf ankam. Aber ich glaube, dann habe ich ihn auch angefangen, in Frage zu stellen. Also Wie ernst hast du denn das alles mit mir gemeint? Und wie wahr waren deine Worte wirklich? Oder waren die auch nur so willkürlich gewählt, weil man eben weiß, was man sagen kann, um jemandem so Honig ums Maul zu schmieren, aber sich am Ende des Tages bewusst sein muss was diese Worte ja auch wirklich bei dem Gegenüber auslösen. Und da habe ich das auf jeden Fall auch angefangen in Frage zu stellen.
01:12:11: Also, ich weiß nicht, wie man jemandem wie mir in dieser Beziehung dann so große Versprechen geben kann, aber gleichzeitig so wenig auf Kommunikation beharrt und also, als hätte er mich wirklich weggeworfen für so ein paar Wochen, weil ich ihn gerade störe oder was und weil er lieber was anderes machen möchte. Ja, als könnte man mich eben so beiseite schieben. Also, das war einfach absolute Vernachlässigung. War für dich dann klar, dass du ihn verlassen möchtest, als du da so wütend warst? Tatsächlich wieder war das so. Ein Teil von mir hat immer noch geglaubt, dass man irgendwie davon so wieder zurückkommen kann.
01:12:55: Also, dass man da dann doch wieder die Beziehung weiterführen kann und dann doch vergeben kann und irgendwas darauf aufbauen kann. Das habe ich für eine Zeit lang dann doch irgendwie gedacht, aber gut, dann war das vorbei. Dann war ich irgendwie wieder zu Hause, habe mich irgendwie erholt, habe mich gefangen, habe meinen Minijob weitergemacht, einfach um auch irgendwie irgendeine Struktur zu finden in meinem Leben. Und ich meine, es kam weiterhin keine Antwort. Also es war Funkstille. Und ich glaube, irgendwann, das ist nicht diese plötzliche Reaktion, die so kommt, das ist eher so was Schleichendes. Ich glaube, ich habe irgendwann eines Tages gesagt Ich glaube, ich setze mich jetzt hin, ich bin jetzt bereit dazu und ich trenne mich jetzt von ihm, weil ich meine, ich bin ja im Prinzip gar nicht in einer Beziehung.
01:13:43: Also ich hänge an irgendwas und hoffe vielleicht tagtäglich, dass ich doch noch eine Antwort bekomme. Und jetzt sind Wochen und fast schon Monate vergangen und da kann ich mich nicht ewig dran klammern. Ich glaube, da haben auch viele Freunde, also enge, gute Freunde, mich versucht zu bewegen und haben gesagt, bitte tu dir das nicht weiter an. Aber das musste aus mir herauskommen. Und irgendwann dann, das war dann, also die Hochzeit war Ende März, also schon in den April rein und dann im Juni. Also so lange habe ich gebraucht, ich habe noch zwei Monate gebraucht, um wirklich zu verstehen, da kommt nichts mehr. Und ich bin diesem Menschen eigentlich egal. Und wenn ich ihm nicht egal bin, ist es dann eben so, dass er auf keinen Fall in der Lage ist, diese Beziehung zu führen. Und ich weiß nicht, hat er dann noch immer gesagt, ja, online ist das natürlich schwer.
01:14:34: Ich glaube halt nicht nur, dass es dieser OnlineFaktor war. Aber... Wie hast du es dann beendet? Was hast du ihm geschrieben? Ich habe ihm eine lange Nachricht geschrieben und habe einfach gesagt, du hast mich zu sehr verletzt. Ich kann das nicht mehr und hätte das vielleicht auch viel früher beenden müssen. Aber ich hab dann noch so einen Schwenker gemacht und dann auch irgendwie gesagt: Ja, aber ich finde es auch total schön, dass wir uns so connecten konnten, dass wir so verbunden waren, dass wir ehrlich miteinander waren. Und ich hatte auch eine schöne Zeit mit dir. Und das würde ich im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass ich das nicht dazu geschrieben hätte. Also ich wünschte, ich hätte einfach einen klaren Cut gemacht. Ich hätte einfach gesagt: Du hast überhaupt gar keine Ahnung, wie viel Schmerz du mir damit angetan hast, dass du mich einfach monatelang ignoriert hast.
01:15:29: Und dann hätte ich einfach gehen müssen. Aber ich habe noch diesen Schwenker eben gemacht, um ihn für den Fall eben zu besänftigen. Also ich wollte nicht ganz einfach nur kalt und diese clean Trennung, sondern ich habe das dann noch ein bisschen blumig verpackt und gesagt, aber ach, wir hatten doch eine schöne Zeit. Und da kam dann die Antwort quasi sofort, also am selben Tag, als hätte er drauf gewartet und hat mir das eben aber auch so wiedergegeben, hat dann gesagt: Ja, ich verstehe deine Entscheidung, ich respektiere deine Entscheidung und ich hatte eine unglaublich schöne Zeit mit dir.
01:16:07: Also, er hat dann eben das dann doch wieder gepriesen und gesagt: Es wäre die schönste Zeit seines Lebens gewesen. Dieses Treffen in Manchester wäre ihm ja so bedeutend und wichtig gewesen. Aber wenn das meine Entscheidung ist, ist das so. Und dann wünscht er mir für den Rest meines Lebens alles Gute. Und dann habe ich das so angenommen. Was haben deine Emotionen dir dem Moment gesagt oder wie hast du dich gefühlt, als du diese Nachricht von ihm gelesen hast, dass er dich doch so gerne hätte sehen wollen? Also ich für meinen Teil war hin und her gerissen, weil ich zum einen gedacht habe, ich glaube, ich muss diese Nachricht milde verpacken und ich hatte ja auch am Ende was davon. Also ich glaube, das darf man nicht unterschätzen, wie wirklich auch reizvoll das für mich war, ganz am Anfang, wie glücklich auch ich eine Zeit lang damit war.
01:16:59: Also dachte ich zum einen so sei nicht so hart und auf der anderen Seite dachte ich du bist nicht hart genug, du bist nicht dreck genug, also du verpackst das hier gerade so rosig, obwohl es dir doch so scheiße geht. Also wann kommt endlich der Moment, wo du wirklich absolut ehrlich deine Emotionen so darlegst, wie sie eben sind, selbst wenn du Angst davor hast, wie er reagiert, das ist doch egal, weil ihr seid nicht zusammen, ihr seid nicht mehr so, er kann ja auch nicht zu mir, er kann mir nicht wehtun oder mich in echt irgendwie aufsuchen oder so, also wovor hast du Angst?
01:17:33: Und dann habe ich mir gedacht das muss auch ein bisschen wirken. Also, wenn ich nicht direkt bin und nicht wirklich explizit sage, du hast mich total verletzt und ich will nie wieder was mit dir zu tun haben, dann wirkt es halt nicht. Und es war auch dann am Ende so offen, dass wir gesagt haben, wir können ja mal miteinander schreiben und uns mal updaten, so auf fast einer freundschaftlichen Ebene, als wenn das danach möglich gewesen wäre. Aber so ist das dann irgendwie abgeklungen. Wie geht es dir jetzt heute damit, wenn du darüber sprichst? Ich glaube, ich bin immer noch wütend. Ein Teil von mir ist immer noch wütend, weil ich so oft auch einfach die Möglichkeit verpasst habe, ihm die Meinung zu sagen, weil ich da mit einer Angst umgegangen bin. Wie reagiert mein Gegenüber? Und ich muss dazu auch sagen, also, er war gerade, wenn er so was Hass erfüllt, das was Hass erfülltes ausgedrückt hat. Das war nicht rein emotional. Er war tatsächlich auch sehr gebildet und konnte sich da sehr gut einfach artikulieren und hat das fast sachlich ausgedrückt. Also man hätte es ihm abkaufen können. So hat er das quasi verkauft.
01:18:45: Also er war, wie gesagt, sehr queerfeindlich zum Beispiel und verpackt das dann natürlich mit so einem kleinen Maskulinen Ideal. Und er kann nicht glauben, dass Männer heute in Makeup und Kleidern rumlaufen oder Hormontherapien in Anspruch nehmen zum Beispiel. Und da kommt mir so totaler Ekel und ich will dazu was sagen, aber gleichzeitig weiß ich, wenn ich das fast jetzt aufmache, dann explodiert er mir hier, weil er irgendwie da so angreifbar war. Eigentlich. Aber ich wollte das natürlich auch nicht. Also, warum sie streiten, mit dem man eigentlich in so einer Beziehung sein soll, hat mich angewidert einfach dann.
01:19:29: Also, das kommt auch wieder jetzt heute noch, dass ich davon irgendwie angewidert bin, habe ich eben angesprochen, dass es einfach, dass ich mich dafür schäme und dass ich es bereue, dass ich da nie was zu gesagt habe, dass ich da nicht schon die Möglichkeit hätte ergreifen können, einfach direkt zu sagen. Das ist einfach ekelhaft und ekelhaft stimme dir da nicht zu und dann kannst du irgendwie da mit deinen Meinungen irgendwie alleine sein. Aber ich will mich klar dagegen positionieren. Wie stehst du heute dazu, dass du Warnsignale, die du wahrgenommen hast, ignoriert hast? Das möchte ich so nicht wiedererleben, auf jeden Fall.
01:20:11: Und weiß ich nicht, da komme ich mir fast blöd vor. Also heute würde ich sagen... So einem Menschen nähe ich mich nie wieder. Ich kann aber gleichzeitig auch verstehen, was ich damals in ihm gesehen habe. Also, es hatte diesen Reiz natürlich auch. Es war am Ende des Tages ja auch eine intelligente Person. Aber diese Warnsignale zu ignorieren, war eigentlich schon quasi der erste Fehler. Also, ich glaube, von Anfang an, seit wir uns wirklich auf der Freundschaftsebene kennengelernt hätten, hätte ich damals schon sagen müssen, das ist jemand, dem möchte ich mich nicht nähern und den möchte ich nicht nähern auch gar nicht tolerieren oder in irgendeiner Form möchte ich den unterhalten und möchte dabei zusehen, was er macht. Hast du dir selbst vergeben, dass du die wahren Signale ignoriert hast? Ich denke schon, das muss ich, weil sonst ist das ja auch so ein bisschen, als wäre ich so ein bisschen in der Opferrolle, wo ich dann mir ewig Vorwürfe machen würde, du hast Du hast es aber falsch gemacht damals und du hast alle Warnsignale halt eben ignoriert und hast trotzdem weitergemacht, obwohl dir deine innere Stimme so oft gesagt hat, du musst da raus.
01:21:26: Da muss ich mir vergeben wohl oder übel. Ob das jetzt endgültig so ist, das kann ich nicht sagen, aber ich weiß, dass das auf jeden Fall der richtige Weg ist. Wenn eine Freundin von dir heute eine Beziehung eingehen würde mit einer scheinbaren toxischen Person, was würdest du dieser Person oder deiner Freundin in diesem Fall sagen oder raten? Ich habe das mittlerweile so angenommen, dass ich da auf jeden Fall sehr verbal werde, wenn ich sowas wiedererkenne. Also wenn ich ein Wenn ich so was wiedererkenne. Also wenn ich jetzt jemanden hätte, der so eine Beziehung auch eingeht, ich glaube, dann wäre ich da die ganze Zeit eigentlich involviert, wenn es ein Mensch ist, der mir nahe steht. Dann würde ich sofort sagen, ich weiß, wie das ausgeht. Also mit so einer Art Nachsicht. Ich glaube, ich bin da jetzt einfach sehr vorsichtiger geworden und versuche da einfach, diese Signale zu erkennen, also alles, was ich aus dieser Beziehung kenne und mitgenommen habe, was ich wiedererkennen kann, da warne ich jetzt auf jeden Fall vor. Du hast ja jetzt emotional super viel mitgemacht bei deinem ersten festen Freund. Was wünschst du dir für deine zukünftigen Beziehungen? Also ich wünsche mir auf jeden Fall zukünftige Beziehungen.
01:22:45: Ich glaube, das kann ich so schon sagen. Also es ist jetzt nicht, dass mich diese erste Beziehung vollkommen abgeschreckt hat. Sollte ich wieder eine Beziehung eingehen, wünsche ich mir auf jeden Fall, dass ich direkter werde und das Diese Warnsignale nicht einfach ignoriere und mir denke, ja, ist alles Fassade. Also, dass man einfach Klarheit schafft, damit man wirklich weiß, wem man gegenübersteht, das ist gerade auch online gar nicht mal so ungefährlich. Man muss wissen, mit wem man es zu tun hat und sich auch klar einfach gegen Hass im Internet positionieren, würde ich sagen. Das ist wichtig. Würdest du dich nochmal auf eine OnlineBeziehung einlassen? Wäre das der Fall? Ich denke schon, aber ich würde sehr, sehr viel anders machen. Danke, Felix. Danke, dass du dich emotional uns geöffnet hast und wir wünschen dir alles Gute. Gerne, ich euch auch. Danke dir und wir wünschen dir alles Gute für eine gesunde und stabile Beziehung. Danke. Du willst selbst bei uns dabei sein oder hast einen Themenvorschlag? Dann melde dich auf unserer Website oder unserer Social Media. Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfseinrichtungen oder dir vertrauten Personen.
01:24:09: Bis zum nächsten Mal bei von Bohne zu Bohne. Das ist ein sehr guter Punkt.
Neuer Kommentar