Ehrenmord in Deutschland: Flucht vor Zwangsehe, Gewalt & sexuellem Missbrauch #105 Azadiya
Shownotes
*Hinweis: Diese Folge enthält Werbung und wird unterstützt von Papatya.
Wenn du von familiärer Gewalt, Kontrolle, Zwangsverheiratung oder einer möglichen Verschleppung ins Herkunftsland deiner Eltern betroffen oder bedroht bist, bietet Papatya Schutz und Beratung für Mädchen und junge Frauen. Die Kriseneinrichtung hat eine geheime Adresse. Über die Onlineberatung können sich Betroffene anonym und kostenlos beraten lassen. Auch Angehörige, Freundinnen, Freunde und Fachkräfte können sich an Papatya wenden unter: beratung@papatya.org https://papatya.org/
In dieser Folge erzählt Azadiya, warum sie vor fast zehn Jahren ihre Familie verlassen und eine neue Identität angenommen hat.
Azadiya wächst in einer jesidisch-kurdischen Familie auf, in der sie nach eigener Aussage von klein auf Gewalt erlebt. Ihr Vater schlägt sie, ihre Schwestern und ihre Mutter. Ab ihrem zehnten Lebensjahr erlebt sie über Jahre sexualisierte Gewalt durch ihren Bruder. Gleichzeitig wächst sie mit strengen Regeln für Mädchen und Frauen auf. Ausbildung, Beziehungen und Heirat sollen nicht ihre eigene Entscheidung sein.
Als Azadiya erkennt, dass sie lesbisch ist, sieht sie für sich innerhalb ihrer Familie keinen freien Weg. Dann flieht ihre Cousine, weil sie selbstbestimmt leben will. Sie wird später von einem Familienmitglied getötet. Für Azadiya verändert dieser Mord alles.
Als ihre eigene Zwangsverheiratung näher rückt, beginnt sie heimlich ihre Flucht zu planen. Eine Kollegin, Beratungsstellen und das Jugendamt helfen ihr. Azadiya verabschiedet sich innerlich von ihrem bisherigen Leben, verlässt morgens das Haus und wird in eine anonyme Einrichtung gebracht, 900 Kilometer entfernt.
Dort beginnt kein sorgenfreies neues Leben. Sie bekommt einen neuen Namen, darf zunächst keinen Kontakt zu ihrer Familie haben und lebt weiter mit der Angst, gefunden und getötet zu werden. Diese Angst begleitet sie bis heute.
Azadiya spricht außerdem über ihr Buch, ihre Öffentlichkeit und darüber, warum sie heute andere Frauen unterstützt, die ihre Familien verlassen wollen.
Diese Folge handelt von familiärer Gewalt, sexualisierter Gewalt, Zwangsheirat, sogenannter Ehrgewalt, Homosexualität, Flucht, Anonymität und dem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben.
Zeitstempel:
0:00:00 – 0:02:36: Werbepartner, Triggerwarnung und Intro 0:02:36 – 0:10:19: Vorstellung von Azadiya, Kindheit und Gewalt in der Familie 0:10:19 – 0:17:28: Sexualisierte Gewalt durch den Bruder und Rollenbilder für Frauen 0:17:28 – 0:24:12: Eigene Identität, Zwangsheirat der Schwester und Azadiyas Homosexualität 0:24:12 – 0:32:58: Flucht und Ermordung der Cousine und die Entscheidung, selbst zu gehen 0:32:58 – 0:40:27: Beratungsstellen, Fluchtplanung, Morddrohungen und Dokumente 0:40:27 – 0:47:37: Abschied, Flucht, Jugendamt, anonyme Einrichtung und neuer Name 0:47:37 – 0:54:46: Leben mit Todesangst, Kontaktversuch und Suche durch die Familie 0:54:46 – 1:02:37: Buch, öffentliche Stimme und Unterstützung anderer Frauen 1:02:37 – 1:06:01: Worte an ihre Cousine, Familie und die jesidische Community 1:06:01 – Ende: Zukunftswunsch, Verabschiedung und Hinweis auf Unterstützung
familiäregewalt #sexualisiertegewalt #zwangsheirat #ehrgewalt #ehrenmord #homosexualität #flucht #anonymleben #selbstbestimmung #gewaltschutz #papatya #aufklärung
Nähere Informationen zu Papatya: beratung@papatya.org https://papatya.org/
Instagram von Azadiya: https://www.instagram.com/azadiya.h_um.mein.leben_lgbtq/
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Transkript anzeigen
00:00:00: Diese Folge wird unterstützt von Papatia.
00:00:03: Wenn du von Vermierer Gewalt, Kontrolle, Zwangsverheiratung oder Verschleppung ins Herkunftsland deiner Eltern betroffen oder bedroht bist?
00:00:12: Du bist nicht allein!
00:00:14: Papatias bietet Schutz und Beratung für Mädchen und junge Frauen.
00:00:17: Unsere Kriseinrichtungen hat eine geheime Adresse und unterstützt Betroffene dabei einen sicheren Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.
00:00:27: Über unsere Online-Beratung kannst du dich jederzeit anonym und kostenlos beraten lassen.
00:00:32: Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte können sich an uns wenden.
00:00:36: Am besten erreichst du uns per E-Mail unter www.baratungadpapathia.org oder über das Kontaktformular auf unserer Website.
00:00:44: Mehr Informationen findest du unter papathia .org.
00:00:50: Hat meine Mutter mich noch gefragt warum ich denn so lange wach bin ob ich krank bin?
00:00:53: Ich dachte mir nur so mein Kopf Ab.
00:00:55: morgen sehe ich dich halt nie wieder.
00:00:57: Und davor gab es halt ein Gespräch zwischen ihr und mir, weil sie dann mal zu mir kam und meinte, ich hab geträumt, dass du abhauen willst.
00:01:04: Ich würde doch niemals abholen.
00:01:05: Sie meint, wenn du abhaust, bringe ich dich
00:01:07: um.".
00:01:08: Dann habe ich gesagt, aber ich bin doch deine Tochter!
00:01:10: So egal was ich mache, ich bin auch dein Fleisch und Blut.
00:01:12: Hat sie gesagt, wenn Du gehst und meine Ehre beschmutzt, möchte ich nicht, dass meine Söhne oder mein Mann wegen dir ins Gefängnis kommen... ...und ich würd Dich mit meinen eigenen Hennen
00:01:21: zerstückeln!".
00:01:26: Bevor wir beginnen, möchten wir Dich auf etwas Wichtiges hinweisen.
00:01:30: Uns sind Deine Sicherheit und Gefühle wichtig!
00:01:32: Wir möchten gewährleisten dass Du Dich während des Höhrens unseres Podcasts wohl fühlst und keine unerwarteten Auslöser erlebst.
00:01:39: In dieser Episode werden wir Themen ansprechen die für einige Hörende verstörend sein könnten.
00:01:45: Zu Beginn der Folge stellen wir das Thema vor.
00:01:47: Falls du denkst Dass das genannte Thema für dich persönlich belastend sein könnte Dann möchten wir dich bitten die Folge direkt zu beenden.
00:01:59: Stell Dir vor Du kommst in einen Raum, vor dir sitzt ein Mensch und du hast keine Ahnung wer das ist.
00:02:05: Das
00:02:05: passiert mir in jeder Folge bei unserem Podcast von Bohne zu Bohne!
00:02:10: Mein Name ist Charlotte and ich weiß vorher nichts über unsere Gäste.
00:02:13: Keine Namen, keine Informationen, keine Themen.
00:02:17: also werden meine Fragen auch deine Fragen sein.
00:02:20: Ich bin Sanya und ich suche die Gäster.
00:02:22: Hier achte ich darauf dass es Menschen mit ehrlichen
00:02:25: berührenden
00:02:26: und bewegenden Geschichten sind Und genau diese wollen wir mit euch teilen.
00:02:30: Bist du bereit, gemeinsam mit Charlotte neue Geschichten kennenzulernen?
00:02:37: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:02:39: Mein Name ist Charlotte.
00:02:40: Mein
00:02:40: name ist Zanya.
00:02:42: Mein namens Azadir und ich bin von Ehrenmord bedroht.
00:02:45: Hi, AzadIR!
00:02:46: Hei.
00:02:47: Freut mich dich kennenzulernen.
00:02:48: Du bist aktiv noch vom ehrenmort bedrohnt?
00:02:51: Ja.
00:02:51: Krass, danke dir dass du dich anvertraust und hier bist.
00:02:56: was würdest du denn sagen wo starten wir in deiner Geschichte?
00:03:00: Vielleicht am Anfang?
00:03:02: gerne geht es in deiner kindheit los oder fangen wir wo in deinem zeitalter?
00:03:06: fangen wieder an.
00:03:07: meine kindheit hat er schon angefangen.
00:03:09: okay
00:03:09: magst du da sagen wo wir da starten?
00:03:11: also ich bin jisidin kurden und bin einer Familie aufgewachsen, wo gewalt halt täglich war also alltäglich war.
00:03:20: Und wie wurden mit Gewalt aufgewachsen?
00:03:22: wenn man nicht gehört hat man halt Stege bekommen von meinen vater.
00:03:26: und das ging halt bis bis ich zu Hause, also so lange wie ich zuhause gelebt habe.
00:03:33: Ich wurde auch zehn Jahre lang missbraucht für meinen Bruder und dann wurde irgendwann meine Kusine zu einem Ehrenmordfall, Ehremordopfer.
00:03:42: Und das war halt dieser Punkt wo ich gesagt habe... Also mir war schon vorher bewusst dass ich irgendwann gehen möchte.
00:03:48: aber das war der Punkt wo man wusste okay ich muss gehen weil ich bin dazu noch lesbisch und wusste, dass ich niemals zu leben kann.
00:03:56: Und dann gab es halt eine Phase oder eine Zeit, wo meine Mutter das gemerkt hat, dass sich anders bin?
00:03:59: Oder dass ich nicht so lebe wie die's möchte und wollte mich zwangsfrei erraten?
00:04:04: Da hat auch schon niemand für mich gesucht.
00:04:05: Das war an dieser Punkt, wo ich gesagt habe, ich muss gehen.
00:04:08: Mir war bewusst, ich werde umgebracht, weil ja meine Kusine schon umgeracht wurde.
00:04:12: Aber ich hab mir gedacht ... ob ich gehe oder nicht.
00:04:17: Ich bin schon innerlich irgendwie tot.
00:04:18: Deswegen hab ich mich dazu entschlossen, meine Flucht zu planen und zu gehen.
00:04:23: Wir sind jetzt sehr weit gesprungen meiner Erkenntnis nach.
00:04:27: Lass uns gerne nochmal vorne anfangen, du hast gesagt dass Du von deinem Vater geschlagen wurdest mehrere Jahre.
00:04:33: Wie war denn das Verhältnis?
00:04:34: die Dynamik zwischen euch?
00:04:37: War schlimm.
00:04:37: also es gab keine Liebe.
00:04:39: Es war nur Hass Wut Gewalt.
00:04:41: Also Liebe kannte ich halt nicht.
00:04:44: Wenn er diese Wutausbrüche hatte, hatte er sie aufgrund von belanglosen Dingen.
00:04:49: Gab es irgendeine Situation wo er getriggert wurde?
00:04:51: Wie war die Situation?
00:04:51: Es war
00:04:52: einfach so aus weil der Wut hatte, weil er sauer war.
00:04:55: Also es gab wirklich keinen Grund.
00:04:57: also es gibt ja nie einen Grund jemanden zu schlagen oder seinen Kind zu schagen.
00:05:00: aber es war wirklich so banal.
00:05:01: das war so wegen nichts was nicht gepasst hat.
00:05:05: War er auch anderen Leuten gegenüber handgreiflich?
00:05:08: Ja zu meiner ganzen Geschwister und meine Mutter
00:05:10: Ach krass, du hast mehrere Geschwister?
00:05:12: Ja.
00:05:13: Wie viele?
00:05:13: Fünf.
00:05:14: Okay und du bist ein mittleres Kind?
00:05:17: Ja!
00:05:18: Und diese Gewalt die an allen ausgeübt hat?
00:05:21: war sie ähnlich gleich hoch oder hat sie sich unterschieden je nach Altersstufe und Person?
00:05:25: Bei Jungs war halt nicht so extrem das war eher bei den Mädels zu extrem.
00:05:28: also weil meine älste Schwester war es am meisten aber sie hat halt auch... in der Art halt provoziert, indem sie was dazu gesagt hat oder sich das nicht gefahren lassen.
00:05:36: Und dann hat er noch mal draufgeschlagen und man kann sich das so vorstellen, er hat uns geschlagen und da hatten wir natürlich auch Verletzungen.
00:05:42: Er hat uns immer gefragt wo wir die herhaben?
00:05:44: Immer wenn mir gesagt haben dass er das war, haben wir nochmal Schläge bekommen bis wir es gelernt haben dass wir sagen dass wir irgendwie runter gefallen sind oder uns selbst verletzt haben.
00:05:52: Hat
00:05:53: die Außenwelt da etwas mitbekommen?
00:05:54: Ne
00:05:55: Also es gab eine Situation Da war ich aber schon ein bisschen älter Wo ich an die Polizei gerufen hatte weil er meine Schwester umbringen wollte.
00:06:03: Da kam die Polizei, meine Schwester hatte auch ein blaues Auge gehabt und da hat die Polizisten sie nur gefragt ob sich geschlagen wurde.
00:06:09: Und dann hat man mein Vater mitgenommen aber man hat ihn wieder rausgelassen weil er gesagt hat er würde niemals seine Kinder schlagen.
00:06:14: und das hat man halt geglaubt.
00:06:16: Und in der Schule hat man da was gemerkt an schulischen Leistungen oder ähnliche?
00:06:20: Gar
00:06:20: nichts.
00:06:21: Also ich komme ja aus einer kleinen... Kleinstadt.
00:06:24: Und nachdem das ... Also, man hat das nie gemerkt weil es halt ... Niemand wollte das sehen also keine Lehrer oder so.
00:06:31: und als das mit meiner Kusine passiert ist wollten sich die Lehrer auch daraus halten.
00:06:36: Die haben bewusst weggeschaut, weil die meinten, sie wollen keinen Stress haben.
00:06:40: Weil die halt zu große Angst hatten.
00:06:42: Sind deine Eltern migriert?
00:06:43: Oder sind die hier schon geboren und aufgewachsen?
00:06:45: Nee, die sind hier hingezogen.
00:06:46: also da waren die sechzehn oder so.
00:06:49: Okay, gab es dafür einen speziellen Grund?
00:06:51: Oder sind Sie einfach nach Deutschland gekommen weil sie hier Fuß fassen wollen.
00:06:55: Die wollten Fuß fassend und ein besseres Leben für uns Kinder angeblich aber auch da hatten die halt kein Leben.
00:07:02: Und deswegen wollten die nach Deutschland auch wegen Kinder gelben alles.
00:07:05: Inwieweit war die Kultur für dich oder deine Eltern wichtig in der ihr aufgezogen seid?
00:07:09: Also
00:07:09: war schon wichtig!
00:07:11: Aber die waren jetzt überhaupt nicht religiös.
00:07:13: Weil ich will halt nicht sagen das ist was mit der Religion zu tun hat das überhaupt nichts.
00:07:18: Es hat eher mit der Kultur zu tun oder halt mit den Menschen an sich, aber ich finde es dennoch wichtig zu sagen dass jetzt bei uns Jesiden sowas gibt und so was passiert.
00:07:26: Und deswegen sage auch das Jesidim bin weil in meiner Religion ist es eigentlich so dass man nicht mehr Jesidin ist wenn man nicht nach den Regeln lebt, sag ich mal, dann nach den Geboten.
00:07:36: Das kann ich einfach nicht, aber sehe mich trotzdem als Jesidinn und will es beim Namen nennen.
00:07:42: Also ich rede über keine Religion schlecht, auch über keine Menschen oder so.
00:07:46: Sondern mir ist einfach nur wichtig dass man diese Themen anspricht weil ich bin halt nicht die einzige Jesiden.
00:07:50: Es gibt sehr viele Jesiden die darunter leiden und ich will einfach das man darüber redet.
00:07:57: Du hast gesagt, die Religion ist an dieser Stelle nicht wichtig und hat keinen Einfluss.
00:08:04: Und die Kultur?
00:08:05: Hat die einen Einfluss drauf gehabt, also war deinem deinen Eltern wichtig dass ihr kulturell geprägt aufgewachsen seid.
00:08:11: Ja weil bei uns ist zum Beispiel auch so das man nur einen Jesiden heiraten darf.
00:08:15: es gibt ja verschiedene Kasten und man durfte nur aus diesem Kasten heiraten und meine Mutter wollte am besten dass wir ein aus der Familie heiraten.
00:08:21: Und halt so Sachen dass man nicht rausgehen darf keine andere Freunde haben kann.
00:08:27: Das hat jetzt nichts mit Generell Kulturtstommer, die wollten halt dass wir Jesien untereinander sind.
00:08:31: Dass man halt nicht ausbricht das mal weil sie halt dachten die Deutschen seien halt ein Schlesseinflus für uns.
00:08:38: Ihr seid ja dürflicher aufgewachsen hast du gesagt.
00:08:40: ich kann mir vorstellen dass die jesidische Community dort nicht so vertreten war oder?
00:08:44: Doch
00:08:45: doch extrem und deswegen ist bei Jesiden es auch sehr wichtig der Ruf die Leute reden.
00:08:52: Und wenn du jetzt nicht ... Weil mein Vater hat erst meine Mutter angefangen zu schlagen, weil sein Bruder gesagt hat, du bist kein Mann, weil du sie nicht
00:08:58: legst.".
00:08:59: So hat es halt angefangen.
00:09:01: Das ist ja sehr von Sozialisierung geprägt und da ist ein starkes, also Videos äußerst ein starken Männerbild was außen getragen wird.
00:09:08: gab es dann auch Momente wo du gemerkt hast dass vielleicht deine Brüder das durchbrechen wollten?
00:09:13: Nee gar nicht überhaupt nicht!
00:09:14: Die haben genauso gedacht
00:09:16: Wie hat denn deine Mutter darauf reagiert, dass dieses Männerbild, also diese Gesellschaft in der ihr gewohnt habt und in der sie gelebt hat sehr dominant gegenüber Frauen ist?
00:09:27: Wie war deine Mutter in dem Bezug?
00:09:29: Meine Mutter war gefühlt die schlimmste von allen.
00:09:33: Die kannten das halt nicht anders und deswegen war es für die normal.
00:09:35: Und es gibt halt nichts anderes.
00:09:37: Also wirklich anders denken oder anders leben gab's wirklich nicht!
00:09:41: Standen Sie unter dem Einfluss mitunter von deutschen Nachbarn oder anderen Kulturen, die sie hätte prägen können?
00:09:47: Ja vor den Deutschen halt.
00:09:49: Aber die mussten sich wirklich fern gehalten von denen.
00:09:52: Okay das heißt ihr hattet nicht Freunde oder Bekannte, die in eurem Netzwerk waren, die letztendlich aus anderen Kulturen stammten so dass der Einflushätte wirken?
00:09:59: Genau!
00:09:59: Nee gab es nicht.
00:10:02: Du hattest jetzt vorhin deinen Bruder erwähnt, der dich auch missbraucht hat... Wie können wir uns das vorstellen?
00:10:09: Ich meine, ihr habt unter einem Haus gelebt und auch wenn Männer sehr dominant waren und das letzte Wort hatten ist es ja nicht richtig.
00:10:17: Ja aber für ihn war's halt.
00:10:18: also ich war als angefangen hat war ich halt zehn.
00:10:22: und für mich was halt die Realität oder normal und ich hatte halt einfach das Gefühl dass er mich anders liebt oder dass er sich mehr liebt.
00:10:28: erst als ich älter wurde habe ich halt gemerkt dass es halt nicht normal ist aber das hat ihnen halt nicht interessiert.
00:10:33: Wusstest du in dem Alter dass es falsch ist?
00:10:35: Nee
00:10:36: Wie waren diese Situationen, kam das von heute auf morgen?
00:10:39: War das ein schleichender Prozess?
00:10:40: Kannst du uns das näher erklären.
00:10:42: Das erste Mal, da kann ich mich noch erinnern... ...das war in der alten Wohnung, das war im Badezimmer, da kam er einfach dazu und dann hat er mich das auf den Boden gelegt und halt sich auf mir befriedigt.
00:10:51: Auf dir befriedigend!
00:10:53: Was hast du dabei gefühlt, als er das gemacht hat?
00:10:56: Nichts.
00:10:58: In dem Moment nichts.
00:10:59: Dann als er es öfters gemacht hat, war's halt schon ekel.
00:11:02: aber ich konnte mich nicht wehren weil niemand hätte mir geglaubt
00:11:06: Wie viel Alter war er?
00:11:07: Zwei Jahre nur.
00:11:08: Das heißt, er war
00:11:09: erst zwölf?
00:11:10: Ja.
00:11:11: Hattest du das Bedürfnis dich da jemandem anfangen zu vertrauen?
00:11:14: Nee.
00:11:15: Warum?
00:11:16: Weil ich wusste es mir niemand glaubt!
00:11:18: Wäre es eine Alternative für dich gewesen im Schulumfeld jemanden... ...für dich zur Rücksprache zu verlieren?
00:11:25: Ja aber wir durften halt mit niemandem reden.
00:11:28: Was ist passiert wenn ihr mit jemandem geredet habt?
00:11:30: Gab Schläge
00:11:32: Ihr wart ja zu sechst.
00:11:35: Warst du das einzige Mädchen?
00:11:37: Nee.
00:11:38: Also ich hatte eine jüngere Schwester und sie hat im Laufe des Jahres mal erwähnt, dass ihr halt auch so ein gutes Verhältnis zu meinem Bruder haben möchtet wie ich.
00:11:47: Und ... Das war halt so für mich ... Hat irgendwas klicken in meinen Kopf gemacht und dann hab' ich das zugelassen was mein Bruder mit mir tut weil ich nicht wollte dass er das genauso mit ihm macht weil ich wusste sie wird's halt nicht überleben.
00:12:00: Und deswegen habe ich halt das einfach zugelassene
00:12:02: Was heißt
00:12:03: Du hast es zugelassen.
00:12:04: Ich habe nichts gesagt oder mich auch nicht gewährt, nichts.
00:12:08: Wenn du sagst deine Schwester hätte das nicht überlebt?
00:12:11: Was meinst du damit?
00:12:13: Ja ich glaube sie hätte sich umgebracht irgendwann deswegen.
00:12:17: Warum glaubst du das?
00:12:18: Weil sie ihn halt sehr geliebt hat.
00:12:20: Weinst du damit dass sie ein... Bestimmtes Bild von ihm hatte, was wovon sie nicht wegrücken sollte und ihn idealisieren sollte.
00:12:29: Sie hätte
00:12:29: ihn halt vergötet und er war der beste für sie.
00:12:32: und egal, was er gesagt hat, er hatte Recht und sein Wort ist Gesetz und alles so was halt...
00:12:39: In welchem Alter hatte er den ersten sexuellen Akt dann an dir ausgeübt?
00:12:43: Also ganz genau kann ich mich nicht erinnern aber da war schon ein bisschen älter vielleicht so vierzehn-fünfzehnt so in dem Dreh.
00:12:50: Hast du da dann verstanden dass das falsch ist?
00:12:53: Ja
00:12:54: Was hast du dabei gefühlt?
00:12:56: Ekel, einfach nur ekel und ich hab's halt nicht verstanden warum er es halt tut.
00:13:00: Hat er irgendwann mal gesagt warum er das tut oder das kommentiert?
00:13:04: Nee gar nicht.
00:13:05: Wollte er dass du das niemandem erzählst?
00:13:07: Ja!
00:13:08: Was hatte er zu dir gesagt in dem Moment?
00:13:10: Gar
00:13:11: nichts.
00:13:11: Er hat wirklich nichts gesagt.
00:13:12: Er ist einfach getan.
00:13:13: Nee
00:13:13: ich meine als er dir gesagt hat, dass du es niemandem sagen soll.
00:13:16: Ja dass
00:13:16: mir eh niemand glauben wird.
00:13:18: Und damit hätte er recht bis heute.
00:13:21: Wie oft hat er das getan?
00:13:23: War schon oft Also kam schon oft vor.
00:13:27: Also tatsächlich reden wir hier von monatlich, hat er immer wieder den Weg zu dir gesucht?
00:13:32: Ja ja.
00:13:33: Insgesamt ging es zehn Jahre.
00:13:34: Oh krass!
00:13:35: Bis bevor ich gegangen bin
00:13:37: und... Hat der das dann immer in der Nacht gemacht?
00:13:41: gab es bestimmte Konstellation?
00:13:43: Meistens wenn niemand da war oder halt nachts als die anderen geschlafen haben.
00:13:48: Gab es irgendwann mal eine Situation wo er erwischt wurde oder wo andere?
00:13:54: hätten er an können was er mit ihr tut?
00:13:56: Also eigentlich, als ich älter war auch immer mit in die Dusche gekommen.
00:14:00: Also wir hatten im Badezimmer da gab es eine Dusche ohne Badewanne und er ... Ich war dann halt dusch und er war dann in der Badewanne.
00:14:07: aber da waren wir ja schon älte das hätte man eigentlich verstanden.
00:14:09: Und einmal war er mein Zimmer jetzt an die Tür abgeschlossen und dann kam mein Vater und hat an die Türe klopft und meinte was wir machen ob wir miteinander schlafen.
00:14:15: Aber das war so als Witz von ihm gemeint.
00:14:19: Was glaubst du?
00:14:19: wie hätt ihr reagiert wenn du gesagt hättest oder um Hilfe geschrien hättet?
00:14:24: Mein Bruder
00:14:25: Dein Vater, wer hätte der da reagiert?
00:14:27: Ich denke er hatte gesagt das ist mal eine eigene Schuld.
00:14:30: Weil ich ja die Frau bin und mich nicht so geben sollte dass ihn das halt aufgeilen könnte oder reizen können oder was auch immer.
00:14:39: Wie war denn generell der Blickwinkel von deinem Vater den Männern in deiner Familie auf Frauen und junge Mädchen wie... Was?
00:14:50: Frauen hatten überhaupt keinen Wert.
00:14:52: Also mein Vater hat auch oft Frauen mit Autos verglichen
00:14:55: Wie.
00:14:56: Er wollte meinen Cousin angerufen und etwas wissen über eine Frau, die er heiraten wollte.
00:15:02: Aber sie war schon mal verheiratet.
00:15:03: Und dann meinte mein Vater, würdest du lieber ein gebrauchtes Auto oder einen Neu wagen?
00:15:08: Dass er lieber eine Jungfrau nehmen soll als eine, die schon verheiralte war.
00:15:11: War die Jungfreulichkeit ein wichtiges Thema?
00:15:12: Ja!
00:15:13: Man durfte keinen Sex vor der Ehe haben.
00:15:15: Sonst gab es im meisten Fallen auch entweder in Ehremord- oder Zwangs-Ehe... aber dann bist du ja nichts mehr wert als Frau.
00:15:22: Geilt das auch für die Männer?
00:15:24: Nee
00:15:25: Weißt du, ob das Thema Missbrauch auch bei anderen jäsidischen Familien in der Community, in der Du warst ein Thema war?
00:15:32: Nee.
00:15:34: Ich kannte das auch nicht!
00:15:35: Ich kanne dieses Wort nicht mal.
00:15:37: Missbraucht kannte ich nicht.
00:15:39: Würdest Du sagen dass die Frauen in der Communi- tion, der Du groß geworden bist, dass sie absichtlich klein und in Anführungszeichen ungebildet geblieben oder bleiben sollten damit Sie nicht die Möglichkeit haben sich zu wehren?
00:15:54: Ja
00:15:55: Definitiv, ja.
00:15:56: Inwieweit meinst du... oder inwieweit definierst du denn ungebildet?
00:16:01: Ja dass sie sich halt nicht weiterbilden dürfen, dass die nicht ab nur bis zur zehnten Klasse zu Schule dürfen und dann kein Abitur machen dürfen oder studieren dürfen weil man sowieso in Endeffekt nur geboren ist um zu heiraten.
00:16:13: Das heißt also es war per se vorgesehen das du keinen Weg des eines Berufs erwählts sondern dein Weg war geprägt indem du Hausfrau, Mutter ist und dich um die Kinder kümmert.
00:16:24: Man
00:16:24: sollte lieber kochen lernen und putzen als zur Schule zu gehen, als ich da zu studieren.
00:16:29: Braut man ja nicht!
00:16:30: Und wie war das bei den Männern?
00:16:33: Die durften alles.
00:16:35: War es dort vorgesehen dass sie auch mit unterhöhere Berufe erwählen sollten?
00:16:39: oder war es ihnen freigestellt?
00:16:40: welche Art von Berufsseelen?
00:16:41: Freigestellte also es war wirklich... Also die wollten schon sehen dass man was Arzt wird oder Anwalt oder so.
00:16:47: aber in Endeffekt durften diese machen was sie wollten.
00:16:50: Wovon du gerade sprichst, klingt furchtbar.
00:16:53: Wie hast du dich in den Momenten gefühlt?
00:16:56: Wenn dir gesagt wurde ich glaube dir nicht oder wenn dir gesagt wurden Du sollst nur putzen oder du darfst nicht lernen wie hast du Dich gefühelt?
00:17:05: also da ich so groß geworden bin In Endeffekt nichts.
00:17:09: Also das war für mich normal.
00:17:11: erst als ich wirklich älter wurde hat mich dass halt schon verletzt, aber gleichzeitig wusste ich, dass es keinen Sinn macht mit dir darüber zu reden oder dass sie keine andere Antwort mir geben würden als das was die Tour sagen.
00:17:23: Inwieweit konntest du deine Identität und deine Persönlichkeit in diesem Rahmen entwickeln?
00:17:28: Warst ihr möglich?
00:17:30: Nee eigentlich gar nicht!
00:17:32: Also bis zu meinen sechzehn Lebensjahr ging's gar nicht.
00:17:34: und dann war von heute auf morgen.
00:17:36: Weil ich habe immer gesagt, ich will zum Beispiel nie so werden wie meine Eltern.
00:17:39: Ich will meine Kinder nicht schlagen aber ich hatte so viel Aggression in mir dass ich andere Kinder geschlagen habe.
00:17:44: und dann habe ich halt gemerkt, ich hab trotzdem sehr Aggressionen mehr und ich lasse sie halt trotzdem raus.
00:17:47: und dann war es einfach so... Es ging wirklich von heut auf morgen und dann hab' ich versucht meine Mutter davon zu überzeugen das sich nicht so leben möchte oder dass ich halt ein anderer Mensch sein möchte oder halt anders leben möchte.
00:18:00: diesen Kampf habe ich leider verloren, weil sie mir halt nicht geglaubt hat oder nur wollte sich jemanden heiraten und alles andere war ihr halt egal.
00:18:07: Und dann habe ich einfach gemerkt ... dass ich in Endeffekt niemanden habe oder auch nicht weiter darüber ... es war halt nur ein Traum von mir irgendwann nicht mehr dort zu leben, anders zu leben.
00:18:18: Ich hab oft mit meiner Kusine darüber geredet und wir haben halt Späße darüber gemacht immer darüber gelacht ja irgendwann können wir so leben aber wir wussten halt.
00:18:25: wie werden's niemals schaffen?
00:18:26: Weil wir halt umgebracht werden weil das halt nicht geht Und dann hat sich ja meine Flucht geplant und alles.
00:18:34: Also erst, als ich mit einer Person aus meiner alten Arbeit darüber geredet habe, hat sie zu mir gesagt du musst da raus.
00:18:41: Lass uns noch mal einen Schritt zurückgehen!
00:18:43: Du hast gerade eben gesagt, du hast mit deiner Kusine darüber gredet.
00:18:46: War sie eine Person der du dich anvertrauen konntest?
00:18:49: Auch nicht ganz, weil ich kannte es nicht.
00:18:52: Also bei uns... Es gab nichts, dass wir über unsere Probleme regeln oder über unser Geheimnis oder was wir uns wünschen und was wir lieben oder was nicht.
00:18:59: also das kannten wir halt nicht.
00:19:01: Du hattest gesagt, dass du deine Mutter gesagt hast, du möchtest anders leben?
00:19:04: Was heißt denn anders in diesem Kontext?
00:19:07: Hast du das näher beschrieben deiner Mutter?
00:19:09: Ja, dass sich zum Beispiel die Männer nicht heiraten will, sie mir halt vorschlägt.
00:19:13: Ich habe immer gesagt, ich will generell nicht heiratten!
00:19:15: Ich hab immer gesagt ich bleib zu Hause und pflege euch Aber das wollte sie halt nicht.
00:19:20: Wie war dein Verhältnis zu deiner Mutter?
00:19:24: Ja, es ging!
00:19:25: Also war kein gutes Verhältnis aber jetzt auch nicht so schlecht.
00:19:28: Es wurde erst mit der Zeit schlechter als sie gemerkt hat dass ich anders werde Dann wird's halt extrem schlimm.
00:19:37: Ich frage mich ob wenn du in diesem Umfeld groß wirst wo man als Frau keinen Wert hat Ob die Frauen untereinander sich supporten und einander unterstützen.
00:19:48: Nee, gar nicht leider nicht.
00:19:50: Das habe ich halt extrem gemerkt als meine älteste Schwester zwangsverheiratet wurde.
00:19:55: Da hat meine Mutter gesagt die Liebe kommt mit der Zeit.
00:19:58: In welchem Alter war deine Schwester als sie zwangs verheirattet werden sollte?
00:20:02: Ich glaube Anfang zwanzig
00:20:04: Gab es dafür einen Grund.
00:20:05: oder war Sie in Anführungszeichen einfach in dem Alter?
00:20:08: Das waren die Schwester wo mein Vater sie fast umgebracht hätte und sie hat gesagt sie möchte nicht mehr von meinem Vater geschlagen werden deswegen will sie jetzt einfach irgendjemanden heiraten.
00:20:17: kam, hat meine Mutter jemanden gesucht und dann kam jemand.
00:20:20: War Verwandtschaft und ähm ... Dann saßen wir Mädels im Wohnzimmer und wie ... Also meine Schwester und ich sind halt eingegangen Und sie sassen halt.
00:20:27: nur, da hat er gesagt ja, er möchte Sie heiraten.
00:20:29: Und zwei Monate später war die Verlubbung und ein paar Wochen später die Hochzeit.
00:20:33: Gab es da Absprachen mit deiner Schwester?
00:20:36: Die getroffen wurden?
00:20:37: oder hat die Entscheidung ausschließlich deine Eltern getroffen?
00:20:40: Nur meine Eltern!
00:20:41: Sie hatte nichts zu sagen.
00:20:43: War der Mann ähnlich alt wie sie?
00:20:45: Ja Aber er hat sie dann halt geschlagen und alles.
00:20:47: Das heißt also, er hat das gleiche Bild was Sie kennengelernt oder was die Kante weitergelebt?
00:20:52: Sie wollte sich dann scheiden lassen weil sie halt geslagen wurde und sie deshalb nicht wollte.
00:20:57: und dann meinte mein Vater du gehörst jetzt ihr und er kann mit dir machen was er will.
00:21:02: Wie ging es dir damit wenn du diese Worte gehört hast?
00:21:05: Das war für mich normal.
00:21:07: Also ich kannte das ja wirklich nicht anders.
00:21:09: Es hat mich schon wehgetan und hat mich verletzt.
00:21:11: aber gleichzeitig dachte ich mir so Es gibt halt nichts anderes, oder?
00:21:16: Wir kennen das nicht anders.
00:21:17: Das ist normal!
00:21:18: Jetzt warst du ja in einem Alt... Wie alt warst Du da?
00:21:21: Sechzehn?
00:21:23: Jetzt warst du in einem Alter, indem du ja durchaus auch andere Menschen wahrnehmen konntest ein anderes Umfeld wahrnehmen konnte.
00:21:30: War das für dich schon den Moment wo du dann reflektiert hast dass du das nicht möchtest und dass das nicht zu deinem Leben gehören soll?
00:21:36: Ja ich habe schon es reflektierte aber ich wusste Ich kann nicht anders leben.
00:21:40: also ich werde niemals anders leben können.
00:21:41: wenn ich anders leben möchte werde ich umgebracht.
00:21:44: Also es war dann dieser Wunsch.
00:21:45: die Sehnsucht war groß Aber ich wusse das wird niemals meine Realität werden können.
00:21:50: Deswegen hab ich's versucht, nicht mehr darüber nachzudenken.
00:21:52: Weil ich wusste es wird niemals
00:21:53: funktionieren.".
00:21:54: Wie ist deine Schwester damit umgegangen als sein Vater gesagt hat dass ihr da die Hände gebunden sind?
00:22:00: Ja sie hat ihn angebettelt aber... Hat gesagt nein!
00:22:04: Du hattest vorhin gesagt das du mit sechs in deiner Sexualität kennengelernt hast und verstanden hast dass du auch lesbisch bist.
00:22:12: Wie war dieser Prozess?
00:22:14: Schwierig also ich wollte das nicht wahrhaben.
00:22:17: Ich habe dann auch schlecht über Homosexuelle geredet weil ich dachte, es soll niemand erfahren, dass ich so bin.
00:22:23: Dann hab' ich mich in einer Jesiden verliebt gehabt damals.
00:22:27: Hab mir das anvertraut, aber sie hat mich nur ausgelacht und meinte, was gibt's bei uns nicht?
00:22:31: Du bist krank!
00:22:32: Und das wird halt wieder... Geh einfach
00:22:33: heiraten.".
00:22:35: Wie hat sich das für dich angefühlt, dass du in dem Moment so abgelehnt wurdest von einer Frau die aus der gleichen Community kamen?
00:22:41: Es hat mich verletzt, aber gleichzeitig wusste ich, im Endeffekt hatte sie keine andere Wahl.
00:22:44: oder hat das nicht anders beigebracht bekommen als zu denken und sowas zu sagen.
00:22:48: Wie hat denn deine Familie auf Homosexualität reagiert?
00:22:53: Kann die nicht.
00:22:54: Also lesbisch sein kann die nicht, zu schwulen hat mein Vater mal gesagt.
00:22:58: das hat sie halt beleidigt.
00:23:02: aber lesbische sein kannten alle nicht.
00:23:04: Sie kannten das nicht im jesidischen Kreis und innerhalb der Community, aber es war Ihnen ja durchaus ... Ich meine sie sind in Deutschland sozialisiert worden.
00:23:11: Es müsste ihnen ja durchaus geläufig gewesen sein dass es eben Homosexualität gibt oder nicht?
00:23:16: Aber
00:23:16: darüber wurde halt ein Gerät, ob die wirklich wussten weiß ich nicht.
00:23:19: Okay,
00:23:20: d.h.,
00:23:20: es gab auch kein Musterbeispiel, es gab niemanden in der Community der Vorreiter war oder ähnliches.
00:23:29: Wie bist du denn damit umgegangen, nachdem du diese Ablehnung erfahren hast?
00:23:33: Muss es ja für dich auch unheimlich schwer gewesen sein, dich da deinen Eltern zu öffnen.
00:23:36: Ich habe mich meinen Eltern gar nicht geöffnet!
00:23:38: Wir haben sie dann von deiner Homosexualität
00:23:40: erfahren... Erst noch mal in der Flucht
00:23:42: Die Kusine, die von der du gesprochen hast, die ehrenmord verstorben ist, wie war euer Verhältnis zueinander?
00:23:50: Du hattest schon gesagt dass ihr irgendwie Scherzes halber darüber geredet habt was wäre wenn x, y und z passiert wäre.
00:23:59: Wie war denn insgesamt euer Verhältnis?
00:24:01: Also unser Verhältniss war schon gut aber jetzt auch nicht so eng weil wie gesagt wir konnten jetzt nicht über unsere Gefühle reden oder was uns wichtig ist.
00:24:09: also aber wir hatten schon ein enges Verhältnes.
00:24:12: Du hast gesagt deine Kusine hat in ihren Mord erlitten.
00:24:17: Wie kam es zu dieser Situation dass das überhaupt dein Thema wurde?
00:24:24: Sie wollte halt immer selbstständig leben Und da ist dann eines Tages in den Frauenhaus gegangen, weil sie wusste dass sie gehen muss.
00:24:33: Sie wurde halt auch immer geschlagen und alles.
00:24:36: Dann ist ihr halt gegangen.
00:24:38: Also sie ist spontan geflohen also hat das jetzt nicht durchdacht geplant und dann war sie halt auch nicht vorsichtig genug.
00:24:46: aber sie hat auch immer gesagt egal wo sie sich versteckt ihre Familie findet sie eh und ihr Vater hat auch gesagt auch wenn sie sich hinter Gott versteckt wie werden sie finden?
00:24:56: Aus welchem Grund ist sie geflohen?
00:24:58: Weil sie halt auch nicht irgendjemand einen keinen Jesiden heiraten wollte, sondern einfach selbstständig leben und entscheiden wollte was sie tut aus ihr Leben.
00:25:06: Das heißt das Thema Zwangsheirat stand bei ihr im Raum.
00:25:10: Gibt es denn auch Ehrenmorde unter Männern bei den Jesiden?
00:25:14: Wahrscheinlich aber darüber wurde halt nie geredet.
00:25:19: Okay das heißt oder das geläufige was man kennt wenn man auf dieser Community kommt dass der Ehrenmotor an der Frau
00:25:25: ausgeübt wird
00:25:26: Okay.
00:25:28: Deine Cousine hatte somit gewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie sterben wird sehr hoch ist und dennoch hat sie den Weg gewählt?
00:25:37: Was ist da in dir losgegangen und was hast du gedacht als du das mitbekommen hast?
00:25:43: Also ich habe mir schon gedacht, dass es irgendwann machen wird aber als ich dann auch erfahren habe, weil mir das auch bewusstes passieren wird.
00:25:53: Was wurde dir denn kommuniziert?
00:25:56: Also eigentlich gar nichts.
00:25:57: Man hat uns dann nur gesagt, dass sie abgehauen ist?
00:26:01: Aber ab dem Moment wusste ich schon, dass die tot ist!
00:26:04: Wann war der letzte Moment als du sie lebend gesehen hast?
00:26:08: Das war... Also ich habe sie nicht gesehen, aber einen Tag vor ihr verschwinden oder vor ihrer Flucht war sie im Zimmer eingesperrt.
00:26:18: Dann hat sie so ein Haus und die war halt oben mit meiner Schwester dort.
00:26:21: Und dann hab' ich mein Namen gehört, dass mich jemand ruft.
00:26:24: Ich dachte mir, wer ruft mich da?
00:26:28: Hab' ich erst nicht realisiert, das habe ich mich verhört.
00:26:30: Dann hatte sie nochmal meinen Namen gerufen, bisschen lauter... Da dachte ich mir, ah das kommt von oben.
00:26:36: Dann habe ich ihre Stimme erkannt und dann hat sie nochmal meinen Namen gerufen.
00:26:40: Und ich wollte gerade aufsteigen, dann kam meine Schwester um meinte, wir fahren jetzt nach Hause hab ich gefragt wo meine Kusine ist?
00:26:45: Dann meint sie ja die meinten die schläft oben.
00:26:47: Da meint so.
00:26:47: aber ich habe sie jetzt grade gehört!
00:26:49: Und da meint ihr sehr willkommen morgen.
00:26:51: du kannst sie morgen anrufen oder willkommen morgen noch mal.
00:26:53: und das war die Nacht wo sie dann halt geflohen ist.
00:26:56: Wie wurde deine Kusinen dann getötet?
00:26:58: denn eigentlich ist ein Frauenhaus einen recht sicheren Ort
00:27:02: Ja, aber sie hat sich trotzdem frei bewegt und ist in anderen Städten hingefahren.
00:27:07: Die Geschwister oder die Brüder haben dann herausgefunden wo sie ist.
00:27:12: Das heißt Sie haben auch den Weg aktiv nach ihr gesucht um letztendlich das zu tun?
00:27:18: Ja weil Sie mussten ja die Ehre wieder retten!
00:27:21: Ich kenne diesen Prozess des Ehrenmordes nicht.
00:27:23: Gibt es da eine Rangfolge wer das so tun hat nach deren Regeln?
00:27:28: Eigentlich macht es immer der jüngste Sohn Weil die davon ausgehen, dass er halt keine große Strafe bekommt weil er noch jung ist oder minderjährig.
00:27:38: Oder der Vater macht's meistens.
00:27:44: Diese Rangfolge das zuerst der Jüngste gehen soll gibt es... Gibt es die auch im Ausland, dass sie dort genauso fahrten?
00:27:52: Oder ist das etwas ... Wenn man hier in Deutschland der deutschen Community isst.
00:27:55: Nee,
00:27:56: aber meistens macht halt der Vater.
00:27:58: Mein Vater meinte immer, wenn wir noch im Dorf gelebt hätten.
00:28:00: In der Heimat könnte ich euch einfach einen Loch schmeißen und es würde niemand interessieren.
00:28:04: Und hier ist halt bisschen schwierig mit der Polizei und so.
00:28:08: Sie ist dann, du hast gesagt deine Kusine ist rumgereist.
00:28:11: Und in diesem Zuge hat deine Familie beziehungsweise deine Cousins deine Kuzine gefunden.
00:28:18: Weißt du, wer letztendlich deine Kusine getötet hat?
00:28:21: Mein Onkel.
00:28:23: Wie wurde dir das kommuniziert?
00:28:26: Das hätte er dann irgendwann gesagt.
00:28:28: Stolz!
00:28:29: Er war stolz drauf.
00:28:30: Was
00:28:30: hat der gesagt?
00:28:32: Dass er die Ehre wieder gerettet hat.
00:28:34: Was hast du dabei gefüllt?
00:28:36: Hass, Wut... Aber gleichzeitig wusste ich dass es passieren wird und da hat ... das war auch an jedem Tag wo er zu mir gesagt hat wenn ich in den Knast geh bringst du mir Döner.
00:28:49: Daraufhin habe ich gesagt, dass ich ihn gar nichts bringe.
00:28:52: Und dann hat mein Vater mich halt geschlagen weil er meinte das wäre respektlos.
00:28:56: Dieser Mord was hat das in dir bewegt?
00:29:00: Ich meine du und deine Kusine ihr habt euch so gut verstanden wie es möglich war.
00:29:05: Was hat das an dir gemacht?
00:29:06: Du warst ja auch nicht zufrieden und ungüglich und hast dich eingeengt gefühlt.
00:29:12: Also ähm... In dem Moment dachte sie also Und es war ja schon vorher bewusst, dass sie uns umbringen würden.
00:29:18: Aber wir hätten niemals gedacht, dass die's wirklich tun.
00:29:20: Also wirklich Menschen zu töten ist immer was anderes als wenn man das nur sagt.
00:29:24: und das war halt für mich so ein Moment wo ich wusste Ich werde genauso wenig überleben wie Sie also ich werde gar nicht überleben.
00:29:31: und dann hab' ich versucht... Das war auch eine Zeit wo ich dann versucht habe mir einzugichten, dass sich vielleicht doch nicht homosexuell bin und versucht habe mich auf Männer einzulassen oder jesidische Männer kennenzulernen um einfach dann zu heiraten weil ich halt in Endeffekt nicht sterben wollte was ich umgebracht wollte.
00:29:47: Weißt du, ob die Polizei aktiv nach dem Mörder deine Kursine gesucht hat?
00:29:54: Ja!
00:29:55: Das war ja dann schnell klar, weil sie vorher bei der Polizei war und hat ihren Vater angezeigt.
00:30:01: Wie hat sie ihn angezeigt?
00:30:03: wegen was?
00:30:03: Weil er vorher geschlagen wurde und alles.
00:30:07: Er ist jetzt zur Polizistin und hat gesagt, dass der Vater sie geschlagen hat und er auch geäußert hat, dass er sie umbringen möchte.
00:30:14: Weißt du, ob dein Onkel dafür belangt wurde?
00:30:17: Ja.
00:30:18: Ist er ins Gefängnis dafür gewandert?
00:30:19: Ja!
00:30:20: Für wie lange?
00:30:21: Fünfzehn Jahre.
00:30:23: Ist der aktiv noch im Gefängnissen?
00:30:24: Nein.
00:30:26: Wurde er vorher entlassen?
00:30:27: Ja
00:30:28: Wie viel früher?
00:30:29: Ich glaube drei Jahre.
00:30:32: Du hast gesagt, du hast dich dann versucht auf die jesidischen Männer einzulassen Im Zuge des Prozesses – wie war da das Kennenlernen mit den Männern?
00:30:42: Das war für mich ekelhaft.
00:30:44: Ich konnte das einfach nicht, es ging vielleicht einen Tag gut und hab gesagt, das funktioniert nicht, ich kann das nicht.
00:30:49: Und der Ehre-Moten von meiner Kusine hat halt sehr viel mit mir gemacht.
00:30:54: Weil dann hatte ich auch diese Gedanken so warum soll ich mich für Menschen opfern die mich geopfert haben?
00:31:01: In dem Sinne dass sie mich halt nicht leben lassen oder dass sie meine Kusinen geopfert haben nur weil sie leben wollte ob ich bleibe oder gehe.
00:31:13: Ich bin in Endeffekt sowieso tot, so wenn ich gehe gibt es eine Leiche und wenn ich blebe dann bin ich halt innerlich tot.
00:31:19: das wird mir halt nichts bringen.
00:31:20: Unlieber bin ich ganz tot als bei den zu leben mit denen zu leben weil ich wollte keine Mittäterin sein weil als meine Kusine ermordet wurde wurde das halt gefeiert von meiner ganzen Familie.
00:31:32: Und das konnte ich halt nicht... ich konnte das halt nicht weil ich habe mich schuldig gefühlt an oder hatte das Gefühl ich bin gegen sie oder bin dafür, was ihr passiert ist.
00:31:43: Und damit habe ich mich einfach schlecht gefühlt und hab gesagt, egal, was passiert, ihr Tod darf nicht umsonst gewesen
00:31:48: sein.".
00:31:49: Was ist passiert?
00:31:50: Wenn du trauen wolltest um deine Cousine ...
00:31:54: Wir durften nicht trauern!
00:31:56: Weil laut meines Vaters hat sie es verdient.
00:32:00: Und auch laut meinen Brüdern.
00:32:03: Und meine Mutter durfte auch nicht trauen, weil meine Mutter hat sie wie eine Tochter gesehen, also keiner durfte trauen.
00:32:09: Weißt du, wie deine Tante emotional damit umgegangen ist?
00:32:12: Sie meint, ihr Name darf nie wieder erwähnt werden.
00:32:16: Sie war ihre Tochter.
00:32:19: Weil sie die Ehre beschmutzt hat... Sie war ja die Schuldige!
00:32:22: Sie war die Böse.
00:32:23: Du hattest vorhin gesagt, dass die Zwangsheirat auch im Kreise der Familie stattfinden sollte.
00:32:31: Mit was für Familienmitgliedern solltest du verheiratet werden?
00:32:34: Wie kann ich mir das vorstellen?
00:32:35: Mit
00:32:35: einem Cousin von mir oder welche, die meine Mutter kennt, Verwandte ... Solche also jetzt nicht, die wir nicht kannten oder so.
00:32:45: Das heißt die Hochzeit ging über?
00:32:46: Oder die Kennlernphase gegenüber den Eltern?
00:32:49: Es gab keine Kennlernenphase.
00:32:50: Man hat beschlossen du heiratitionen das war es.
00:32:52: Hattest du die Möglichkeit nein zu sagen?
00:32:54: Nee mein Nein war in dem ich gegangen bin.
00:32:58: Wie war dein Denkprozess bezüglich deiner Flucht?
00:33:00: hast du das an einem tag entschieden oder war jeden Tag mal so Mal so?
00:33:05: Ich gehe ich bleibe vor allem auch.
00:33:08: Was war mit der Angst in dir?
00:33:09: Also
00:33:10: das war ein langer Prozess und irgendwann bin ich auf der Arbeit zusammengebrochen, weil ich einfach nicht mehr konnte.
00:33:15: Weil meine Mutter dann wollte, dass sich jemanden heiratet.
00:33:18: also da kam die Zwangs-Ihr, stand schon vor der Tür sozusagen Und das hat mir halt sehr viel Druck gemacht und ich durfte zum Beispiel keine Minute von der Arbeit zu spät kommen sonst gab es Schläge, weil sie hätte ja sonst wo sein können.
00:33:31: Ich durfte mit Klassenkameraden nicht reden, weil sonst hieß es, dass ich was mit ihm habe Und deswegen bin ich auf der Arbeit irgendwann mal zusammengebrochen, habe einer meiner Arbeiten das anvertraut und die kannte ja meine Familie und wusste, was mit meiner Kusine passiert ist.
00:33:47: Sie hat dann gesagt, ich muss da
00:33:48: gehen.".
00:33:49: Ich hab halt gesagt,"Ich kann da nicht gehen", also mit dem Missbrauch wusste halt niemand.
00:33:52: Das kam erst ganz spät.
00:33:55: Auf jeden Fall meinte sie, ich musste weg.
00:33:58: Ich meinte, ich kann nicht weg weil ich weit umgebracht war.
00:34:01: Dann hat sie mir eine Beratungsstelle empfohlen wo ich halt hingegangen bin in meiner Stadt.
00:34:04: Die hatten aber überhaupt keine Ahnung von... kann sich nicht aus mit Ehremord oder die Meinden halt, wir können uns ja zusammensetzen mit deinen Eltern darüber reden.
00:34:12: Und das hat ja nicht funktioniert.
00:34:13: habe ich dir das erklärt?
00:34:13: sie wollte es.
00:34:14: Hat dann gesagt Ich kann ja nicht einfach fliehen weil ich hab keine Ahnung wie man kocht und putzt.
00:34:19: wo ich mir dachte ist meine kleinste Sorge in dem Moment und hat ziemlich zu einer anderen Beratungsstelle gebracht die sich besser damit auskennen.
00:34:28: Es war aber ungefähr so eine halbe Stunde vierzehn Minuten vor meiner Stadt entfernt Und meine Arbeitskollegen wollte dann, dass ich da hingehe zu der anderen Beratungsstelle.
00:34:38: Ich hatte halt große Angst und konnte das erst mal nicht.
00:34:41: Ich habe dann erstmal nur mit ihr geschrieben online... ...und hab dann auch zu meinen Kollegen gesagt, ich kann nicht einfach so von der Arbeit weg.. ..und dann meint sie, sie hilft mir dabei, sorgt dafür, dass es irgendwie gehen wird.
00:34:52: Dann habe ich gesagt okay, ich lasse mich drauf ein, habe ich mich darauf eingelassen.. habe ich es immer nach hinten versteht, ja.
00:35:00: Ich gehe dann nach mein Fachabitur, wenn ich studiert habe, ich gehe irgendwann
00:35:05: zu dieser anderen
00:35:08: Stelle und zu meiner Kollegin.
00:35:10: Und dann meinte sie Beratungsstelle irgendwann, ich muss vor meinen einsten Lebenszeit gehen, sonst bekomme ich keine Jugendhilfe.
00:35:18: Sonst kann ich nicht in eine anonyme Einrichtung oder einen Frauenhaus hätte ich nicht
00:35:20: überlebt.".
00:35:22: Und dann habe ich das meine Kollegen gesagt und hat meine Kollege gesagt okay, ich sage dir jetzt einen Tag und an diesem Tag wirst du gehen?
00:35:28: Da hat sie einen Tag festgelegt und hat gesagt, an diesem Tag gehst du gehen.
00:35:31: Und dann habe ich gesagt okay, an diesen Tag werde ich gehen.
00:35:35: Dann stieg die Angst noch mehr.
00:35:38: aber das war so unreal für mich.
00:35:40: Ich konnte es irgendwie nicht realisieren.
00:35:41: Dann habe ich mit der Beratungsstelle alles abgeklärt.
00:35:44: Ich hab zum Jugendamt Kontakt aufgenommen, dass Jugendamt wollte mir erst mal nicht helfen weil die meinten, ich bin schon erwachsen und ich kenne ein Frauenhaus.
00:35:51: da habe ich meine Situation erklärt, meint die Nee geht nicht.
00:35:54: Dann hab ich halt gesagt vom welcher Familie ich bin dass meine Kusine ermordet wurde und dann ging es auf einmal.
00:36:00: Dann hieß es ja, natürlich helfen wir Ihnen!
00:36:02: Und wie bringen Sie auch in die anonyme Einrichtung?
00:36:04: Wir machen alles, kümmern uns drum... Da meinte mein Arbeitskollegen, ich soll dankbar sein, dass sie mir helfen.
00:36:11: Aber ich habe gesagt, ich kann nicht dankbar dafür sein, wofür ein Mensch sterben musste.
00:36:16: Man hätte mich so einfach helfen müssen.
00:36:18: Dann hat die Beratungsstelle mir gesagt, ob ich alles achten muss, was ich mitnehmen muss.
00:36:25: Und dann hab ich mich so verhalten, wie das meine Mutter von mir wollte.
00:36:28: Hab zu allem ja und armen gesagt.
00:36:30: Dann an dem Tag ... Ich hab mich innerlich von meinem Bruder verabschiedet, von den Menschen, die mir wichtig waren.
00:36:37: Und dann kam dieser Tag, also einen Tag vorher bin ich länger wachgeblieben, weil ich nichts mit der Familie zu tun haben wollte.
00:36:44: Hat meine Mutter mich noch gefragt, warum ich denn so lange wach bin?
00:36:49: Ob ich krank bin oder so.
00:36:50: Ab morgen sehe ich dich halt nie wieder.
00:36:53: Und davor gab es halt ein Gespräch zwischen ihr und mir, weil sie dann mal zu mir kam und meinte, ich habe geträumt dass du abhauen willst.
00:37:01: Ich würde doch niemals abhäumen.
00:37:02: Sie meinten wenn du abhaust bringe ich dich um.
00:37:05: Dann hab ich gesagt aber ich bin doch deine Tochter so egal was ich mache ich bin auch dein Fleisch und Blut hat sie gesagt Wenn Du gehst und meine Ehre beschmutzt möchte ich nicht das mein meine Söhne oder meinen Mann wegen dir ins Gefängnis kommen und ich würd Dich mit meiner eigenen Hände zerstückeln.
00:37:21: Was hast du dabei gefühlt, als du das gehört hast?
00:37:23: Ich habe darüber gelacht.
00:37:25: Weil ich das dann nicht anders kannte.
00:37:26: also wenn sie was anderes gesagt hätte würde ich denke ihr geht's nicht gut.
00:37:31: Also es hat natürlich mich irgendwie verletzt... also ich will nicht sagen verletzst aber irgendwie getroffen weil ich ja trotzdem ihr Kind bin.
00:37:39: Aber irgendwie wusste ich es wird nichts anderes aus ihrem Mund rauskommen.
00:37:43: Also so was wie Ja ich verstehe dass Du gehst oder gehe mach'es Hätte sie niemals sagen können.
00:37:51: Das war wie viel früher bevor du geflohen bist.
00:37:55: Ich glaube ein Monat, ein zwei Monate.
00:37:58: Okay dieser ganze Prozess?
00:37:59: Wie lange hat das denn gedauert?
00:38:01: Sechs Monate.
00:38:04: Für die Flucht sind ja super viele Sachen wichtig, also zum Beispiel Dokumente.
00:38:08: Du musst auch Geld irgendwie besorgen wie du schon sagtest.
00:38:11: du musst dich von deiner Familie verabschieden weil du darfst nach der Flucht mit niemandem mehr Kontakt haben.
00:38:16: Wie war dieser Prozess gerade was die Dokumete angeht?
00:38:20: Also die Dokument waren alle bei meiner Mutter.
00:38:22: das war das schwierigste.
00:38:24: und dann habe ich So getan als ob ich einen Nebenjob hätte weil meine Familie wollte mal dass ich Geld verdiene Weil dir Geld geil halt sind.
00:38:33: Und ich hab immer gesagt, ja, ich will für meine Hochzeit sparen.
00:38:35: Damit ich sie halt beruhigen kann.
00:38:37: Ich habe eine Arbeitsstelle und brauche die Dokumente für meinen Arbeitsvertrag.
00:38:41: Dann habe ich die Dokumenten bekommen einen Tag vorher und dann konnte ich sie mitnehmen.
00:38:46: Welche Dokumete braucht man umzufliegen?
00:38:48: Eigentlich alles!
00:38:49: Geburtsurkunde, Personalausweis, Krankenkasse ... Wo die Sozialversicherung steht... Alle Zeugnisse also eigentlich alles.
00:38:59: Haben deine Eltern dir geglaubt?
00:39:01: als sie dir deine Geburtstagkunde gegeben haben, denn so oft braucht man die ja eigentlich nicht.
00:39:04: Also die Geburtsturkunde habe ich heimlich geklaut?
00:39:07: Okay das heißt also es ging eher um die Sozialversicherungssnummer und Krankenversicherungsnummer... Genau!
00:39:10: Und dass ich mein Personalausweis bekomme, meine Bankkarte weil ich jetzt ja für einen Vertrag brauche und sowas.
00:39:16: Okay.
00:39:17: Das heißt das war ein Tag bevor du geflohen bist?
00:39:20: Ja, das war halt
00:39:21: Risiko aber...
00:39:23: Als du länger wach geblieben bist wie hast du dich von dieser Familie verabschiedet, die dich ja nie so die dir nie das Gefühl von Geborgenheit und Familie gegeben hat.
00:39:33: Also eigentlich habe ich mich nur innerlich verabschiedet?
00:39:36: Ja, ja!
00:39:37: Und für mich war es ein Abschied in dem ich da einfach nur saß... ...und die dabei zugehörte.
00:39:43: und was sie halt drehen oder was sie gerade machen weil in meinem Kopf hab' ich einfach so gedacht so.. Ich werde euch einfach nie wiedersehen und das ist einfach... ...war so ein krasses Gefühl, dass ich nicht glauben konnte.
00:39:55: So auch mit meinen kleinen Bruder nochmal etwas unternommen, was gemacht Tage davor?
00:39:59: und dann habe ich ihnen auch mal gesagt, dass ich gehen will.
00:40:01: Aber das hat er mir nicht geglaubt.
00:40:03: Und ja es war einfach nur dieser Moment in Endeffekt weil ich wollte mich jetzt nicht großartig von dem verabschieden was weil sie es nicht wert waren.
00:40:10: aber ich hab halt ein Abschiedsbrief geschrieben Schlafen konnte ich, ich kenne mich gar nicht mehr dran.
00:40:17: Ich denke schon ein bisschen.
00:40:19: Dann weiß ich noch, dass ich am nächsten Tag aufgewacht bin.
00:40:21: Ich habe immer das Frühstück für mein Vater gemacht und wir haben mal zusammen Tee getrunken oder ich hab halt Tee Getrunken... Und dann habe ich das Essen für meinen Bruder noch fertiggemacht von meiner Jüngerin, habe ihn noch geweckt weil ich das jeden Morgen gemacht habe.
00:40:34: Und dann bin ich mit zwei Tüten raus.
00:40:37: da habe ich alle Klamotten reingemacht die ich halt so gebraucht habe War halt nicht viel.
00:40:41: Und dann ist meine Schwester aufgewacht und hat mich nur gefragt, ob ich nach der Arbeit wieder nach Hause komme?
00:40:46: Dann habe ich gesagt ja wo soll ich sonst hin?
00:40:48: Und dann bin ich einfach raus aus der Tür... ...und dann stand ich an der Bushaltchilone, hatte mich eine SMS von meiner Schwester bekommen und hat mir gefragt wann ich denn zuhause bin.. ..und ob ich noch irgendwo anders hingehe.
00:41:00: Da hab' ich geschrieben, da hab' die Uhrzeit geschrieben meinte ich komm direkt nach Hause!
00:41:04: Das war der letzte Kontakt.
00:41:06: Du bist mit dem Bus weiter oder wie war der Prozess?
00:41:09: Ich
00:41:09: bin mit den Busan zur Arbeit gefahren Und um Punkt zehn Uhr kam das Jugendamt und hat mich abgeholt, hat mich zu einer Anonyme Einrichtung gebracht was neun oder hundert Kilometer entfernt war.
00:41:20: Ist es üblich dass deine Schwester so nachgefragt hat?
00:41:23: Nee
00:41:24: gar nicht.
00:41:25: Glaubst du sie hat das bemerkt, dass du gehen möchtest?
00:41:29: Kann sein vielleicht gefühlt gespürt also irgendwas muss da gewesen sein aber war mir auch egal
00:41:34: Wie hast du das mit deinen Finanzen gemacht?
00:41:36: Also ich bin dann zur Sparkasse Und der Mann, der bei der Bank gearbeitet hat, kannte gut meine Mutter und er wusste, dass wir unsere Mutter finanziell unterstützen.
00:41:48: Dann habe ich gesagt, dass ich mein Geld brauche weil ich meine Mutter unterstützen möchte.
00:41:54: Er hatte mir das Geld gegeben, weil er dachte, ich unterstütze meinen Mutter aber.
00:41:58: Damit habe ich mich an Hygienesachen gekauft, weil ich nicht wusste was auf mich
00:42:00: zukommt.".
00:42:02: Du hattest gerade gesagt, man hat dich um zehn Uhr abgeholt und neunhundert Kilometer weit weggemacht?
00:42:07: Das heißt es war somit auch klar, dass deine Arbeitsstelle... bis dahin dann vorbei ist und du nicht mehr dort sein wirst.
00:42:13: Wie hast du dich von deinen Arbeitskolleginnen verabschiedet, die ihr alles für dich sozusagen in den Weg gebracht hat?
00:42:20: Also wir haben halt viel geweint.
00:42:25: Ich hatte damals ganz lange Haare.
00:42:27: Dann hat sie meinen Zopf abgeschnitten und wollte es als Erinnerung haben Und dann haben wir zusammen mein Handy kaputt gemacht, meine SIM-Karte und meine Tascheabstande gegeben.
00:42:36: Sie hat auch in einem Dorf gelebt und sieht das bei sich irgendwo im Müll reingeschmissen um die Spuren zu bewischen.
00:42:44: Was hast du dabei gefühlt, dass du dich von ihr verabschiedet hast?
00:42:46: Weil eigentlich hast du dich ja nicht nur von ihr vorab schiedet sondern auch symbolisch mit dem Schneiden deines Topfes von deinem ganzen bisherigen Leben.
00:42:54: Ich habe eigentlich nur geweint und war endlich traurig... ...und ich hatte nur Angst!
00:43:00: Weil als ich auch im Auto dann saß und wir losgefahren sind, hatte mich auch kurz gedacht.
00:43:05: Ich kann jetzt immer noch alles abrechnen und sagen dass ich hier bleiben möchte aber irgendwie konnte ich das auch nicht sagen.
00:43:12: also es kam nicht aus meinem Mund raus zu sagen Stopp!
00:43:14: Ich will hier doch nicht weg weil ich wusste ich habe da keine Zukunft und auch kein Leben Und ich hab die ganze Fahrt eigentlich nur geweint um weiß ich dann irgendwann eingeschlafen bin.
00:43:24: Du hast gesagt, man hat dich ganz weit weggebracht.
00:43:26: Gab's dann schon ne feste Einrichtung in die du gekommen bist?
00:43:29: Ja ich musste vorher mit der Einrichtungen telefonieren und die haben mir gesagt auf was ich mich da einlasse oder ob ich mich auch drauf einlassen kann weil es auch wichtig ist dass sich danach kein Kontakt zu Familie haben darf das ich kein Handy habe werde, dass es eingeschränkt wird in mein Leben, dass ich erstmal nicht rausgehen darf von solcher Sachen.
00:43:44: halt und das hab' ich alles zugestimmt.
00:43:46: und dann hießt es dass ich da halt hingehen kann.
00:43:48: und dann warst so weit.
00:43:50: Darftest du deinen Namen behalten oder musstest du den ändern?
00:43:53: Ich musste mein Namen ändern, ich habe meinen Namen geändert.
00:43:57: Da ich ja auch anonym lebe, ich musste halt alles ändern.
00:44:00: Ich wollte mich damals immer Asadir nennen, durfte aber nicht, weil das Jugendamt meinte, dass es zu kurdig ist und ich sollte mir keinen kurdischen Namen geben.
00:44:08: Die wollten mir erst einen deutschen Namen geben, dann meine ich, das passt nicht zu meinem Charakter.
00:44:11: Und ich kann ja nicht erklären, wenn ich sage, ich heiße Annika...
00:44:16: Also dein Phenotyp entspricht nicht im Namen Annika.
00:44:18: Und ich wollte halt nicht, dass so viele Fragen kommen und sagen aber wie kannst du so heißen obwohl du so bist oder wo du so redest?
00:44:23: Und solche Sachen.
00:44:24: deswegen habe ich mir einen ganz anderen Namen gegeben... ...und auch einen anderen Nachnamen hab' ich mir
00:44:29: gegeben.
00:44:31: Wie hat sich das für dich angefühlt, dass du eine plötzlich eine komplett neue Identität mit Anfang zwanzig hattest?
00:44:37: Also es war un... also ich konnte das nicht... Ich glaube immer wenn man nach meinem Namen gerufen hat, habe ich mich nicht umgedreht weil ich nicht wusste was die mich meinen.
00:44:44: Keine Ahnung, also war halt schwer für mich.
00:44:46: Aber irgendwann gewöhnt man sich halt dran und heute kann ich sagen Ich sehe mich mehr als mit diesen Namen als mein Geburtstag.
00:44:54: Das hat auch Jahre gedauert.
00:44:56: Hattest du direkt einen Job im Aussicht?
00:44:59: oder wie war dieser Prozess bis du in deinem neuen Leben angekommen bist?
00:45:02: War sehr schwierig leider.
00:45:04: Ich kam an diese Anonyme Einrichtung an und wollte dann unbedingt mein Fachabitur machen musste aber die Stadt verlassen weil dann eine andere Jugendliche in der Meinung war, sie hätte mein Vater gesehen.
00:45:15: Daraufhin hat das Jugendamt mich direkt in die größte Anonyme einer Jungen ganz Deutschland gebracht und da wollte ich aber unbedingt wieder zurück, weil sie wie meine Familie waren, weil ich ja niemanden hatte Und ich wollte halt nicht wieder irgendwo neu anfangen, weil es halt schwierig war und dann bin ich halt wieder zurück in die Nähe gezogen und dann habe ich halt erfahren dass es gelogen war von ihr.
00:45:36: Dann war ich so wütend und sauer dass ich ihr wehtun wollte.
00:45:44: Und dann hab' ich mein Jung am Gebeten, das sich da wieder wegziehen möchte und das wollten die nicht weil der Meinung war, ich laufe vor meinem Problem weg.
00:45:52: Dann haben sie mich erst mal in eine Klinik gesteckt und muss ich erstmal in die Klinie und erst wenn ich dann wirklich der Meinung bin, ich möchte gehen, könnte ich wieder umziehen.
00:45:58: und dann bin ich in einer anderen Stadt gezogen in der WG wo auch ich auch unglücklich war und da habe ich dann dafür gekämpft, dass ich meinen Abitur machen kann, weil ich unbedingt studieren wollte.
00:46:09: Wie kann ich mir so ein Alltag oder die Voraussetzung für eine anonyme Einrichtung vorstellen?
00:46:15: Ich meine, anonym klar.
00:46:17: Du darfst mit niemandem aus deinem vorherigen Umfeld Kontakt aufnehmen aber wie war das sonst?
00:46:23: Also es gibt verschiedene Anonyme-Einrichtungen.
00:46:26: Da wo ich war durfte ich erst mal kein Handy haben.
00:46:30: Ich musste mir direkt einen Schutznamen geben.
00:46:33: Ich durfte niemanden meine Geschichte erzählen, ich durfte niemals erzählen wie ich wirklich heiße wo ich herkomme.
00:46:37: Ich musste mich eine komplett andere Geschichte aushängen und ich durfte niemanden dorthin bringen.
00:46:42: und wenn ich mich mit jemandem getroffen habe muss es auch bisschen weiter weg sein und ansonsten war's halt ein normales Leben.
00:46:51: also ich konnte trotzdem zur Schule oder arbeiten gehen wenn ich wollen würde aber war halt trotzdem eingeschränkt.
00:46:58: Wie hat sich das denn angeführt?
00:47:00: Du warst das erste Mal weg von einer Familie, die dich in allem was du getan hast eingeschränkt hast.
00:47:07: Du durftest ja nicht mal deine Sexualität ausleben und jetzt bist du in einem Setting angekommen wo du du sein dürftest.
00:47:15: Wie hat sich das angeführt diese Freiheit?
00:47:18: Also es hat halt lange gedauert bis ich das realisiert habe aber bis heute realisiere ich das manchmal nicht.
00:47:22: also ich bin die ersten zwei Wochen gar nicht rausgegangen Ich habe nur geweint und hatte Todesangsten.
00:47:28: gab es eine Situation, wo ich das mal raus geschafft habe und bei uns gab's ein Fahrschul.
00:47:32: Und mich dann nicht aus dem Fahrschule getraut, weil ich fest davon überzeugt war, dass da mein Vater steht.
00:47:37: Es mussten wirklich die ganzen Betreuerinnen kommen um mich da halt rauszuholen.
00:47:41: Das erste was ich gemacht hab ist... Ich bin abends rausgegangen, weil das eine Sache war, die ich nie tun durfte.
00:47:48: Da bin ich einfach nur mit dem Bus lang gefahren durch die ganze Stadt.
00:47:54: Weil das für mich Freiheit war!
00:47:56: Du hast gesagt, es waren Prozesse?
00:47:58: Diese Freiheit, die du nun erkämpft hast, dir auch anzunehmen und dich sicher zu fühlen.
00:48:05: Gab es denn mehrere solche Momente wo du Angst davor hattest dass du gerade nicht sicher bist?
00:48:10: Jeden Tag!
00:48:11: Es ist bis heute noch so... Also es ist weniger geworden weil ich gelernt habe damit Leben zu müssen aber die hab' ich tickt.
00:48:18: zum Beispiel was immer noch tickst bei mir ist das mal wenn's bei mir an der Haus zu klingelt.
00:48:23: Ich mach aus Prinzip nicht auf weil ich denke da steht mein Vater.
00:48:27: Also das sind so Sachen, die bis heute geblieben sind.
00:48:30: Gibt es spezielle Trigger?
00:48:32: Die dann ganz besonders eine Angst hervorruft bei dir?
00:48:35: Nee eigentlich nicht!
00:48:38: Wie lange ist deine Flucht her?
00:48:41: Nächsten Monat zehn Jahre.
00:48:42: Krass!
00:48:44: Das ist schon wirklich sehr, sehr lang.
00:48:45: Da kannst du stolz auf dich sein.
00:48:47: Bin ich
00:48:47: auch wieder großgefeiert.
00:48:48: Sehr gut... Zehn Jahre ist ne verdammt lange Zeit und zehn Jahre mit Angst zu leben Immer mal wieder.
00:48:57: Ich glaube nicht, dass das ein permanenter Zustand war, so wie du es geäußert hast.
00:49:00: Aber immer wieder mit Angst zu leben, das stelle ich mir auch unfassbar anstrengend und energiraubend vor?
00:49:06: Ja bei Endeffekt habe ich mein Leben lang mit Angst gelebt weil Zuhause hatte ich auch mal Angst geschlagen zu werden und deswegen ist natürlich nochmal was anderes umgebracht zu werden.
00:49:16: ja aber man lernt es also.
00:49:19: jeder ist da natürlich anders aber ich finde es wird mit der Zeit besser weniger aber es wird niemals hundert Prozent weggehen Das auf jeden Fall nicht.
00:49:28: In diesen zehn Jahren gab es da Momente, wo du das Bedürfnis hattest dich bei einem Familienmitglied zu melden?
00:49:35: Ja!
00:49:35: Was hast du getan um diesen Weg nicht zu gehen und dich bei den Familienangehörigen zu
00:49:40: meldern?
00:49:40: Eigentlich war damals... Meine Partner hat immer gesagt ich soll's nicht machen Und ich wusste halt wenn ich das mache werde ich halt umgebracht.
00:49:49: Also das war immer so mein Kopf Ich werde halt um gebracht, ich kanns nicht machen.
00:49:54: eine Situation, wo ich mich bei einer Person gemeldet hatte nach sechs Jahren.
00:50:00: Weil die Sehnsucht halt wirklich groß war und wir ein gutes Verhältnis hatten und dann kam es auch zu einem Treffen.
00:50:07: aber sie wusste zum Beispiel nichts über mich.
00:50:10: also sie kannte meinen jetzigen Namen nicht und das war halt sehr schwierig mit ihr über irgendwas zu reden weil Sie nichts mehr wissen durften und sie kannten nur noch mein altes Ich Anfang.
00:50:21: Also das hat sich halt komisch angefühlt, wenn sie meinen alten Namen gesagt hat und so... Und das war für mich ein bisschen beängstigend und dann habe ich einfach... Sie kam mit meiner Sexualität nicht klar was noch mal ein Problem für mich war und dann hab' ich einfach gemerkt in den Jahren habe ich mich weiterentwickelt während sie stehen geblieben ist und da kann es nichts zu irgendwas kommen.
00:50:40: Als du aus diesem Gespräch rausgegangen bist, war die Angst dann stärker?
00:50:45: Ja
00:50:46: weil ich dachte jetzt steht hier irgendjemand oder ist alles geplant.
00:50:51: Jetzt sind zehn Jahre sehr lange und ich stelle mir die Frage, kehrt da mehr Ruhe ein?
00:50:57: Denn vielleicht – und ich kenne mich nicht aus – aber vielleicht lassen die Männer in deiner Familie dann etwas Ruhe walten über die Jahre.
00:51:05: Meinst du das könnte der Fall sein?
00:51:08: Also ich denke es könnte sein wenn ich nicht reden würde.
00:51:11: Wenn ich kein Buch geschrieben hätte oder schreiben lassen hätte, wenn ich keine Interviews geben würde, dann ja!
00:51:17: Aber für mich gibt's zwei Dinge entweder Ich schweige für immer oder ich spreche.
00:51:22: Du hattest vorhin gesagt, dass du ein Abschiedsbrief geschrieben hast?
00:51:25: Ja.
00:51:26: Was stand da drin?
00:51:27: Also ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern aber ich weiß das ich reingeschrieben habe.
00:51:31: also ich hab nichts über meine Sexualität geschrieben nix über mein Missbrauch sondern ich habe geschrieben weil mir war es wichtig dass sie wissen dass die der Grund sind weil sie denken wenn eine jesidisches Mädchen abhaut liegt an einem nicht gläubigen jesiden also einen andersgläubigem Mann Und das war mir wichtig, dass sie es nicht denken.
00:51:47: Da hab ich geschrieben, dass die das Problem sind und meine Mutter keine Mutter war.
00:51:51: Wenn sie eine Mutter wäre, wird das niemals so weit kommen.
00:51:53: oder ist auch mein Vater kein Vater mehr?
00:51:54: Oder meine Schwester keine Schwester, mein Bruder kein Bruder ... Und dass mein Tod nicht umsonst sein wird.
00:52:03: Hat sich deine Familie daraufhin nach dir erkundigt?
00:52:06: Haben Sie dich gesucht?
00:52:08: Ja.
00:52:08: Dem ich Monate lang gesucht, Jahre lang gesuchte.
00:52:11: Die mir jemanden beauftragt, der mich dann in Endeffekt gefunden hat.
00:52:16: Irgendwie, aber der ist dann vorher zu Polizei gegangen und hat die Polizeihin halt aufgeklärt.
00:52:20: Wieso ist er vorher zur Polizei?
00:52:22: Weil ihn das komisch vorkam wie ich reagierte weil ich bin vor ihm weg gelaufen Und das war halt komisch für ihn.
00:52:28: Das heißt deine Familie hat... gelogen und hat eine Story aufgetischt.
00:52:35: Auch bei der Polizei die mir jedes Mal gesagt, ich bin abgehauen weil ich entführt wurde.
00:52:38: Ich habe die angerufen und dann bin ich zum IS gegangen.
00:52:43: Dann bin ich irgendwo wo ich gar nicht sein will und sie sollen mich doch retten und dass sich die ganze Zeit Anrufe und Rumpete das sie mich abholen oder dass sie mich finden weil ich ja gar nicht gehen wollte und so.
00:52:54: aber die Polizei wusste alles.
00:52:57: Das heißt, du bist im Vorfeld.
00:52:58: Bevor du geflohen bist, hast du auch die Polizei aufgeklärt?
00:53:01: Ja
00:53:01: das hat das Jugendamt gemacht und ich habe auch einen Schreiben von der Polizei bekommen damals dass ich anonym leben muss auch wegen den Namensänderungen.
00:53:08: so braucht mehr sowas.
00:53:09: Und das hab' ich von der Polizei alles bekommen
00:53:13: Als deine Familie bei der Polizei war, hat die Polizei dich aufgeklärt?
00:53:18: Nee Wie ich hatte nie Kontakt mit der Polizei.
00:53:21: Die hatten immer nur das Kontakt mit dem Jugendamt und das Junior hat mir dann Bescheid gegeben.
00:53:26: Wie hat sich das angefühlt von dem Jugendandern zu hören, dass deine Familie dich sucht und solche Geschichten erzählt?
00:53:33: Mir war mir klar.
00:53:35: War mir klar, dass sie sowas erzählen Und dann gab es auch so Situationen wo dann mein Onkel gemeint hat ihr soll doch zurückkommen alles wird gut ich kann bei ihnen leben.
00:53:43: keiner tut mir was Solche Sachen oder dass meinen Vater schwer krank ist.
00:53:47: meine Mutter ist schwer krang und die brauchen mich.
00:53:50: und solche Sachen
00:53:51: Hast du auch mal... Also, das klingt ja jetzt etwas harmloser.
00:53:55: Aber hast du auch mal so was wie Geschenkpakete bekommen um dich zu locken?
00:54:00: Ja wollte meine Mutter, sie wollte mir was zum Geburtstag schenken.
00:54:02: aber seht mir noch nie in ihr Leben was zum Geburtsageschenk da meint die auch die sollen dass bei der Prieze abgeben und die prieze gibt es weiter.
00:54:09: aber das wollte sie nicht.
00:54:11: gab es auch Momente wo sich deine Schwester nach dir erkundigt hat eine Person die ja irgendwie ein besseres Verhältnis zu dir hatte als deine Eltern ist zu dir hatten?
00:54:23: Nee, gar nicht.
00:54:24: Also Kontakt von meinen Geschwistern hab ich erst bekommen oder auch von meinen Tanten und Kusinen habe ich erst bekomme als ich mein Buch veröffentlicht habe.
00:54:32: aber das waren nur negative Nachrichten.
00:54:34: Warum hast du den Weg gewählt um ein Buch zu veröffentlichen?
00:54:38: Mein Ziel ist bis heute, mein Ziel ist es irgendwann über meine Kusine zu reden und dass irgendwann nicht anonym zu tun.
00:54:46: Und ich wollte halt immer über Tabuthemen reden also wie Missbrauch, wie Homosexualität, wie meine Flucht.
00:54:53: Mir war es wichtig, darüber im Buch zu schreiben.
00:54:56: Und ich wollte eine Stimme für die Frauen sein, die sterben mussten oder die sich noch für diesen Weg entscheiden oder die gegangen sind, weil ich wusste, niemand redet darüber und deswegen war es mir so einen wichtigen Buch zu
00:55:08: veröffentlichen.".
00:55:10: Du hast gesagt als du dieses Buch veröffentlicht hast, haben Sie davon erfahren?
00:55:14: Woher wussten sie dass du das Beste in dem Buch?
00:55:18: weil ich manche Dinge, denke ich so geschrieben habe, dass sie es verstehen.
00:55:22: Aber ich wollte das verstehen, weil ich will, dass die wissen, dass ich nicht schweige sondern rede und das war glaube ich so der Hauptgrund.
00:55:32: Was für Nachrichten kamen?
00:55:34: Also du hast jetzt gesagt ihr waren überwiegend negativ aber... Was genau stand in den Nachrichten?
00:55:40: Meine eine Schwester hat erst versucht einen Offnet und meinte, ey... Also ich habe nie zugegeben oder sage nie dass ich diese Person bin weil auch bei meiner Geschichte so oft wechseln wird mit ganz anderen vielen Geschichten.
00:55:53: Und ich bekomme ganz viele Nachrichten von verschiedenen Familien die denken, ihre Schwester, ihre Nichte, ihre Cousine oder was auch immer.
00:56:01: Ich versuche nie darauf einzugehen oder versuch denen durchzumachen das diese Person ein Grund hat warum sie gern ist.
00:56:07: dann einer auf so, ja wir können auch mal einen Kaffee trinken und niemand wird dich umbringen.
00:56:12: Und solche Sachen.
00:56:13: Wir wussten von Anfang an dass du lesbisch bist.
00:56:15: Als sie gemerkt hat das ich nicht darauf eingehe, hat sie mich halt beleidigt.
00:56:18: Du warst schuld, du warst die Böse und du hast alles schlecht gemacht.
00:56:23: und wegen dir ist es so und herauf Lügen zu erzählen macht eine Therapie und solche Sachen halt.
00:56:27: Das habe ich von mir geschwissern weil ihr immer gleichzeitig geschrieben Dass ich an allem schuld bin, dass mein Bruder mich niemals missbraucht hätte.
00:56:35: Da ich mir das alles ausgedacht habe um Aufmerksamkeit zu bekommen und Geld zu verdienen.
00:56:39: Und die haben mal meinen Verlag bedroht, wenn sie meinem Buch weiter veröffentlichen, dass sie zum Anwalt gehen.
00:56:45: Dann gab es eine Vorlesung in der Schweiz.
00:56:49: oder auch wenn meine Autorin das macht, dass Sie da hinfahren werden?
00:56:54: Wenn deine AutorInnen die Vorlesungen wahrnimmt... Ich hab
00:56:57: meine Autoren geredet, meine Autorin meinte sie will's trotzdem machen.
00:57:00: Ich habe aber darauf bestanden dass sie wenigstens Polizei Schutz
00:57:03: bekommt.".
00:57:04: Wie geht es dir heute damit wenn du darüber nachdenkst?
00:57:08: Jetzt wegen meinen Geschwistern oder?
00:57:10: Grundsätzlich das deine Geschwisters so mit ihr umgehen auch nach all den Jahren und Sie sind ja eigentlich auch in Deutschland sozialisiert, Sie sind erwachsen, Sie stehen eigentlich mitten im Leben!
00:57:18: Und trotzdem reden und denken Sie so...
00:57:20: Ja ich find's irgendwie traurig.
00:57:26: Ich habe mir irgendwie gewünscht, dass vielleicht eine Schwester mal sagen würde ich verstehe dich oder ich versteh warum du es gemacht hast.
00:57:32: Aber gleichzeitig ist mir bewusst das die sich an einem ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiter entwickeln dürfen obwohl sie heute wirklich leben können wie sie wollen und oder halt offener Leben können als vorher tut mir einfach nur für sie leid, nicht für mich.
00:57:48: Mir ist es in den Effekt heute wirklich egal.
00:57:50: ich möchte mit diesen Menschen auch nichts zu tun haben und Ich bin froh dass sich diesem Weg gegangen bin und ich würde's immer wieder tun aber Es halt schade für Sie selber.
00:58:00: Jetzt machst du durch dein Buch und deinen Social Media Kanal Instagram machst Du auf Deine Flucht Aufmerksam und es gibt auch andere menschen die sich an dich wenden mit der Frage Wie können Sie selbst diese Flucht schaffen?
00:58:16: Ja, also ich habe schon drei Frauen geholfen dabei zu fliehen.
00:58:22: Ich hab gerade noch eine, die Hilfe braucht, der auch helfen werde und es war nie mein Ziel eigentlich so, dass ich das beruflich mal mache, Frauen zu helfen aber es war nicht mein Ziel, das privat machen.
00:58:37: Dann hat mir die erste geschrieben und dann konnte sie halt nicht alleine lassen weil ich weiß wie's ist wenn man niemanden hat.
00:58:42: Und dann habe ich das gemacht und es war halt sehr riskant.
00:58:44: Das hat mich sehr mitgenommen, weil es halt sehr viel Arbeit ist.
00:58:49: Dann habe ich aber gemerkt, dass es in Endeffekt genau das was ich machen wollte, dann hat sich die zweite gemeldet, dann die dritte und jetzt melden sich immer wieder welche.
00:58:59: Es geht auch soweit, dass ich sie zum Beispiel von zu Hause abhole oder in die anonyme Einrichtung fahre oder wo auch mache.
00:59:06: Hast du dabei nicht Sorge, dass deine Familie, denn ich nehme an das die jesidische Community miteinander verbunden und vernetzt ist.
00:59:13: Dass auch deine Familie dich so auffinden könnte?
00:59:16: Könnte
00:59:16: sein aber!
00:59:16: Ich bin da halt sehr vorsichtig und ich lasse mir dann wirklich richtig viel Zeit und es kommt auch immer drauf an was für eine Geschichte die mir erzählen.
00:59:22: also Es gab bei der dritten war das oder bei der zweiten Die hatte so eine ähnliche Geschichte wie ich Also zu hundert Brutz also eins zu eins war gleich Und da wollte ich hier auch erstmal nicht helfen weil Ich dachte, das ist jemand von meiner Familie und dann hat es auch sehr viel Zeit gedauert.
00:59:36: Dann frage ich halt woher die kommen oder versuche dann so Fragen zu stellen, wo die Antworten nicht passen würden zu meine Familie?
00:59:44: Hast du nicht Angst dass diese ganzen Familien sich zusammenschließen... ...und dich irgendwann finden?
00:59:53: Ja aber die wissen ja nicht, dass ich die Person bin.
00:59:55: Also sie wissen ja gar nicht, da ich deren Töchter helfe!
01:00:00: Ich hoffe, die wissen es nicht.
01:00:03: Und auch wenn ich bin dafür gegangen ... Auch dass sich halt für meine Kursine erkämpft also für die Gerechtigkeit und ich würde für jede Frau da draußen sterben womit ich einen Ehremord verhindern kann.
01:00:20: Also ich könnte bei keinem Ehremort mehr dabei zuschauen.
01:00:24: Wenn jetzt eine Frau sich an dich wendet per Instagram und sie möchte den Weg raus aus ihrer Familie wählen.
01:00:31: Wie gehst du in die Kommunikation?
01:00:33: Was rätst du dieser Frau?
01:00:35: Also erstmal ratet ihr, dass ihr bewusst sein musst, dass sie nie wieder Kontakt haben darf und da scheitert das meistens weil die dann immer sagen ja aber sie können nicht ohne die Familie und alles.
01:00:46: also ich sage niemals zu einer Frau Du musst gehen Das sage ich niemals.
01:00:53: Ich will auch den Grund wissen, warum sie gehen möchte.
01:00:56: Sie hat das Recht auf Leben weil für jeden ist seine eigene Probleme die schlimmsten Probleme.
01:01:01: also deswegen könnte ich nicht mal sagen ja das ist ja nicht so schlimm kannst du trotzdem zu Hause bleiben.
01:01:06: Ich versuche darüber zu reden was sich einlassen müssen oder was das Leben in Freiheit bedeutet.
01:01:13: Das war auch ein Grund, warum ich mein Buch veröffentlicht habe.
01:01:16: Weil ich hab sehr viele Bücher über Frauen gelesen die geflohen sind aber man hat nie darüber geschrieben wie das Leben danach ist und es am Anfang einfach nicht schön ist.
01:01:26: Klar es muss nicht so böse oder so schlimm werden oder so ein langer Weg oder steiniger Weg wie bei mir Aber man muss sich trotzdem bewusst sein dass es halt schwierig wird und dass diese Angst in Endeffekt ein Leben lang bleibt.
01:01:37: Bei manchen mehr, bei manchen weniger, bei Manchen extremer.
01:01:41: oder dieses Vermissen, diese Familie-Vermissen und alles das sie sich halt da wirklich bewusst sein müssen.
01:01:47: und weil viele die mir schreiben sagen mal die wollen abhauen also wollen ihre Sachen packen und einfach gehen.
01:01:52: aber so einfach ist es ja nicht Weil dann wird man schnell gefunden.
01:01:55: Also ich gehe auf die Anonymität sehr extrem ein, was sie halt alles brauchen wie das halt alles ablaufen wird von den Gefühlen wie es alles sein wird.
01:02:03: also da bin ich eine große Stütze für diese sage ich jetzt mal weil die mir das immer wieder sagen so mit Papierkrab und alles später mit Jugendamt und so dass ist ja nochmal ein anderes Prozess oder einen anderen Weg oder eine andere Baustelle.
01:02:14: aber dieses emotionale wo man wirklich alleine ist oder wo keiner wirklich darüber redet dafür bin ich da und darüber rede ich halt mit denen.
01:02:25: Wenn du jetzt an deinen Ich zurückdenkst, was zum allerersten Mal den Gedanken hat ich möchte fliehen.
01:02:30: Was würdest Du deinem Ich mitgeben wollen?
01:02:34: Dass sie gehen soll.
01:02:37: Egal wie schwierig es ist und egal weil als ich bevor ich gegangen bin oder bevor ich in das Auto gestiegen bin habe ich halt so gebetet im Endeffekt oder hab gesagt wenn ich mein Leben in Gottes Händen gelegt habe, weil ich gesagt habe wenn ich das überlebe werde Alles dafür tun, um zu leben.
01:02:55: Egal wie schwierig das ist, egal wie oft ich mir das Leben nehmen will und wenn ich es nicht schaffe habe ich's wenigstens versucht und hab für eine Sekunde gelebt.
01:03:05: Wenn du jetzt deine Kusine vor dir sitzen hättest die verstorben ist, die ermordet wurde was würdest du ihr sagen?
01:03:14: Dass sie alles richtig gemacht hat Und ich hätte ihr gewünscht dass sie halt länger leben könnte.
01:03:19: Was würdest Du einem Familienmitglied sagen dass ich jetzt ganz ehrlich mit dir aussprechen möchte?
01:03:30: Dass ich kein Interesse daran habe, weil es einfach zu spät ist.
01:03:35: Also für mich sind diese Menschen... Ich hatte jahrelang bis vor einem oder zwei Monaten an meinen jüngeren Bruder gehangen, weil jeder wusste erst meine größte Schwäche im Leben.
01:03:45: aber da hab' Jetzt, wo ich auch jetzt zehn Jahre weg bin, habe ich einfach gesagt, ich lasse ihn los und ich werde ihn immer lieben.
01:03:54: Er wird immer ein Teil von mir sein aber er wird nie wieder meine Schwäche sein im
01:03:57: Leben.".
01:03:59: Jetzt hast du ja hier auch einen Sprachrohr was du mitunter an die eine jesidische Community richten könntest.
01:04:05: Gebe es da Worte, die du an die Community richtend wollen würdest um ihr Denken auf diese langfristigen Lebensmuster, die sie bisher hatten zu verändern?
01:04:16: dass sie über Tabuthemen reden sollen.
01:04:18: Dass die das nicht verheimlichen, aber dass sie halt nicht verschweigen sollen, sondern dass sie einfach darüber reden und das auch ernst nehmen soll.
01:04:27: Und dass es nichts mit der Religion zu tun hat wenn eine Jesi sich hinstellt und sagt ich wurde missbraucht oder ich bin von Ehremord bedroht.
01:04:34: Das hat nix damit zu tun, dass wir über die Religionen schlechtreden wollen ihre Tradition oder Kultur, sondern einfach nur weil wir gehört wollen.
01:04:45: Also wir wollen nicht Stimme haben oder wir wollen Gehör haben und wir wollen einfach darüber reden dass so was einfach verhindert wird, weil es gibt wirklich so viele Jesidinnen die mir geschrieben haben, die gesagt haben ich habe das Gefühl du erzählst meine Geschichte Und ich kenne auch viele Jesiden, die in der Öffentlichkeit stehen und auch für Menschenrechte sind oder Frauenreche sind.
01:05:05: Oder auch sagen Frau Lebenfreiheit aber sich für solche Menschen oder für solche Frauen wie für mich sich überhaupt nicht einsetzen oder gar nicht darüber reden weil es hat wirklich nichts damit zu tun dass wir schlecht reden wollen sondern einfach nur das man uns hört und dass man darüber redet damit wir sowas verhindern können Weil es kann keine Veränderung geben wenn wir nicht anfangen zu reden.
01:05:24: Asadiya was wünschst du dir für deine persönliche Zukunft?
01:05:30: zu leben, weiterzuleben.
01:05:33: Alt werden!
01:05:35: Danke dir, danke dir dass du deine Geschichte geteilt hast und ich finde du machst eine wirklich sehr wertvolle Arbeit und mein größten Respekt dafür das du diesen Weg gewählt hast und diese Stärke jeden Tag mitbringst die du an den Tag legst.
01:05:47: Dankeschön.
01:05:48: Ich habe danke euch auch dass ihr mir diese Stimme gibt oder uns nicht stimme gibt.
01:05:51: Das machen leider nicht viele.
01:05:52: deswegen danke dafür.
01:05:55: Danke und wir wünschen dir von Herzen alles erdenklich Gute für dich Für deine Zukunft und für alles, was du noch erreichen kannst.
01:06:03: Danke schön ebenso!
01:06:08: Du willst
01:06:09: selbst bei uns dabei sein oder hast einen Teamvorschlag?
01:06:12: Denn melde dich auf unserer Website oder unser Social Media.
01:06:17: Wenn du von den besprochenen Themen betroffen bist oder Unterstützung benötigst, dann zögere nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen.
01:06:24: Hol dir Unterstützung bei professionellen Hilfeinrichtungen oder dir vertrauten Personen.
01:06:30: Bis zum nächsten Mal bei Von Bohne zu Bohne.
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